1968 - Krisenjahr in West und Ost: Vortrag an der Landesverteidigungsakademie

 

Wien, 16. Oktober 2018  - Dienstagabend lud der Historiker Felix Schneider vom Institut für Strategie und Sicherheitspolitik (ISS) zu einer spannenden Zeitreise in das Jahr 1968. Dieses war geprägt von weltweiten Krisen aber auch die Bürgerrechts- und Friedensbewegungen nahmen an Fahrt auf. Schneider spannte gekonnt den Bogen über die weltweiten Krisenschauplätze, die selbst jüngeren Generationen noch ein Begriff sind.

Erwin Schmidl, Leiter des Instituts für Strategie und Sicherheitspolitik, begrüßte die Gäste.

Eurozentristische Geschichtsbetrachtung

Das Jahr 1968 steht in unseren Breiten in historischem Kontext in erster Linie stellvertretend für den sog. "Prager Frühling" und die damit verbundene Invasion von Truppen des Warschauer Vertrages in der ČSSR. Damit verbunden war und ist bis heute Kritik an der damaligen westlichen Führungsmacht USA, nicht genug unternommen zu haben, um der Besetzung der ČSSR durch ihre sozialistischen "Bruderstaaten" -  später als "Breschnew-Doktrin" bekannt - (zumindest diplomatisch) vorzubeugen. Dass das Jahr 1968 heute aber gerade für die Vereinigten Staaten als Kulminationspunkt der bislang "heißesten" innenpolitischen Nachkriegsperiode gesehen werden muss, ist - zumindest in unserer gewohnt eurozentristischen Geschichtsbetrachtung - weit weniger präsent. 

Weltweite Krisenherde

Der "Prager Frühling" war für die Johnson-Administration 1968 nur eine Krise von vielen - und nach Maßstäben des State Department der späten 60er sicherlich nicht die schlimmste: Von der "Tet-Offensive" in Vietnam über die Attentate auf den Bürgerrechtler Martin Luther King jr. und den Präsidentschaftskandidaten Robert Kennedy bis hin zu den schweren Rassen- und Studentenunruhen spannt sich hier der Bogen.

Der Historiker Felix Schneider bei seinen Ausführungen.

Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich eine spannende Diskussion mit dem Publikum und den Historikern.

"68er-Bewegung"

Daneben entwickelte sich Maos "Kulturrevolution" zu einer Gewaltorgie epischen Ausmaßes, weltweit entstand die von Studenten getragene "68er-Bewegung", die Emanzipationsbewegung der Frau begann und der vernetzte Computer machte seine ersten Gehversuche.

Schneider dokumentierte in seinem Vortrag anhand zahlreicher historischer Beispiele die Ereignisse, die die Welt von 1968 in Atem hielten. Dabei zeigte er das komplexe Problem der Gleichzeitigkeit als ewige Herausforderung des politischen Krisenmanagements auf.