Symposium

60 Jahre Schutz der Grenze

Wien, 29. November 2016 - Seit über 60 Jahren schützt das Österreichische Bundesheer die Grenzen der Republik. Diesem Jubiläum wurde ein wissenschaftliches Symposium an der Landesverteidigungsakademie gewidmet. Der Kommandant der Akademie, Generalleutnant Erich Csitkovits, konnte dabei zahlreiche prominente Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Militär begrüßen.

Eröffnet wurde das Symposium durch Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil, der in seiner Eröffnungsrede auf die zukünftigen Aufgaben des Bundesheeres einging. In Bezug auf den Schutz der Außengrenzen sei es entscheidend, das Entsendegesetz so zu verändern, dass auch ein bilateraler Einsatz ähnlich eines mandatierten Einsatzes durchführbar sei. Die Bevölkerung erwarte vor allem Lösungen der gegenwärtigen Krise, in der alle staatlichen Kräfte gebündelt zur Bewältigung beitragen sollten.

Sicherheitspolizeiliche Assistenz durch Bundesheer

Ausgangspunkt der Fachvorträge des Symposiums bildete der gegenwärtige sicherheitspolizeiliche  Assistenzeinsatz des Bundesheeres an der Staatsgrenze. Der Leiter der Abteilung Einsatzführung im Verteidigungsministerium, Brigadier Hermann Lattacher, betonte in seinem Vortrag, dass die Ein- und Durchreise hunderttausender Flüchtlinge und Migranten aus den Kriegsgebieten Syrien, Afghanistan und Irak seit dem Sommer 2015 die zivilen Sicherheitsbehörden vor großen Herausforderungen stellte, die ohne Unterstützung des Bundesheeres nicht zu bewältigen gewesen wären.

Die Nahostexpertin Karin Kneissl zeichnete in ihren Erläuterungen ein sehr realistisches Bild der Bedrohungen für Europa durch die Migrationskrise. In ihrer Analyse betonte sie die Gründe für die Flucht und Migration aus den Konfliktgebieten Afrikas und des Nahen Ostens. Sie stellte fest, dass vor allem das Bevölkerungswachstum und die nationalen bzw. internationalen Einkommensunterschiede die Krise weiter verschärfen werden.

Einsätze des Bundesheeres an der Staatsgrenze

In einer historischen Retrospektive wurden anschließend alle Einsätze des Österreichischen Bundesheeres an der Staatsgrenze durch Historiker und Zeitzeugen betrachtet. Erwin Schmidl erläuterte die politischen Ursachen der Jugoslawienkrise 1991. Brigadier in Ruhe, Horst Walther, ergänzte die Darstellung des Konfliktes aus Sicht eines Zeitzeugen. Als verantwortlicher  militärischer  Führer stand Walther im Sommer 1991 in Kärnten mit seiner Kampfgruppe an der Staatsgrenze zu Jugoslawien.

Der Nachmittag stand ganz im Zeichen der Einsätze des Bundesheeres an der Staatsgrenze während des "Kalten Krieges". General in Ruhe Horst Pleiner rief in seinem Vortrag über den Prager Frühling 1968 und seine Folgen, die schwierigen politischen Entscheidungsprozesse in Österreich bis zur Verfügung des militärischen Einsatzes in der Tiefe des Grenzraums zur Tschechoslowakei in Erinnerung.

Oberst Hubert Speckner konnte neu erforschte Aspekte des Südtirolkonfliktes 1967 in seinem Vortrag ansprechen. Speckner zog aus der Analyse der Akten des Staatsarchivs interessante Schlüsse über die Ursachen des Einsatzes des Bundesheeres an der Staatsgrenze zu Italien 1967. Der Forscher nannte vor allem  den enormen außenpolitischen Druck Italiens als Hauptbeweggrund das Bundesheer an die Staatsgrenze zu entsenden.

Generalmajor Norbert Sinn betrachtete in seinem Vortrag die Ungarnkrise 1956. Als die Forderung nach Freiheit und Demokratie in Ungarn in einen Volksaufstand mündete, wurde dieser  durch sowjetische Interventionstruppen blutig niedergeschlagen. Das neu aufgestellte Bundesheer hatte seine erste Bewährungsprobe in der Sicherung der Staatsgrenze. Zusätzlich erfolgte bei diesem Einsatz auch erstmalig die Unterstützung der Exekutive durch die Mithilfe in der Aufnahme der starken Flüchtlingsströme aus Ungarn.

Den Abschluss des Symposiums bildete der Vortrag von Brigadier Walter Feichtinger, der auf die neuen Herausforderungen an das Österreichische Bundesheer im Hinblick auf zukünftige Migrationslagen hinwies.

Ein Bericht der Redaktion Landesverteidigungsakademie