BILC-Konferenz (Bureau for International Language Coordination) 2017,

14.- 19. Mai 2017, an der Landesverteidigungsakademie in Wien

Die Jahreskonferenz von BILC (Bureau for International Language Co-ordination), zu der sich mehr als 90 Vertreter und Experten des Militärsprachwesens aus 33 Ländern eingefunden haben, wurde diesmal im Zeitraum von 14.-19. Mai 2017 an der Landesverteidigungsakademie (LVAk) in Wien abgehalten. Der Kommandant der Landesverteidigungsakademie, Generalleutnant Csitkovits, begrüßte neben zahlreichen Vertretern europäischer Militärsprachorganisationen vor allem auch Teilnehmer aus Kanada, den USA, Australien und der Mongolei.

Trotz der aktuellen Herausforderungen für Österreich im Rahmen des NATO Partnership for Peace (PfP)-Programms erhielt das ÖBH als erst zweites Nicht-NATO-Mitgliedsland den Zuschlag für die Durchführung der Konferenz. Umso mehr stand diese Veranstaltung daher auch im militärstrategischen und sicherheitspolitischen Fokus.

Konferenzteilnehmer aus 33 Teilnehmerstaaten in der Sala Terrena der Landesverteidigungsakademie

Als Gastgeber zeichnete das Sprachinstitut des Bundesheeres (SIB) an der Landesverteidigungsakademie verantwortlich, welches bereits in den Jahren 1998 und 2007 das BILC-Seminar und weitere BILC-Veranstaltungen, wie z.B. Prüfungsseminare und Workshops, erfolgreich durchgeführt hat. Für das SIB und dessen Organisationsverantwortlichen, Obst Dr. Josef Ernst, der als ständiger Vertreter Österreichs in der BILC fungiert, stellt diese Konferenz die wichtigste sprachenrelevante Veranstaltung des Jahres 2017 dar.

Das Thema der diesjährigen BILC-Konferenz “Recognizing and Navigating the Specific Dynamics of Military Language Training” bildete den umfassenden Rahmen für mehr als 20 fachspezifische Präsentationen zu den aktuellen methodischen und didaktischen Entwicklungen im Sprachwesen der Mitglieds- und Partnerstaaten der NATO. In diesem Zusammenhang erhielten die Teilnehmer insbesondere Einblicke und Best Practices in neue Kursangebote, neue methodische Zugänge bei Ausbildungsaktivitäten und neue Ansätze im Prüfungswesen.

  

Im Hinblick auf die möglichst effiziente Bearbeitung des Generalthemas wurden während der Konferenz in fünf Studiengruppen zusätzlich folgende Subthemen bearbeitet:

 

  • Activities for Building Cultural Mastery Blocks,
  • Teaching Military and Security-related Terminology - Best Practices and Challenges (geleitet durch Österreich)
  • Military Assistance in regard to Language Problems related to the Migrant Crisis (geleitet durch Österreich)
  • Best Practices in STANAG 6001 Testing
  • Harmonizing the Dynamics of Military Leadership and Civilian Faculty in Language Programs

 

Die Ergebnisse des Wissens- und Erfahrungsaustausches der Studiengruppen wurden am letzten Konferenztag, dem 18. Mai 2017, im Plenum präsentiert.

Österreich trug inhaltlich zur sicherheitsrelevanten Fachsprache einerseits durch Vorträge des Leiters des Sprachinstitutes, Oberst Fronek, der gemeinsam mit Dr. Wolf über “Security-Related Language/s – The AAF Approach To CYBER English Training” sprach, und andererseits durch das Referat von Oberst Preining zum Thema “Language Trainer System in the AAF“ bei. Zusätzlich dazu leiteten Obst Zecha und Obst Preining zwei der fünf Studiengruppen. Großes Interesse brachten die Teilnehmer vor allem der Studiengruppe von Oberst Preining und OR Kotzian entgegen.  Der Grund dafür liegt in der langjährigen Erfahrung des SIB in der erfolgreichen Umsetzung des Sprachtrainer-Systems im ÖBH. Dieses österreichische Innovationskonzept der strukturierten Vermittlung der militärischen Fachsprache in den Streitkräften soll nun auch in Sprachausbildungsinstitutionen anderer Streitkräfte übernommen werden.

Zwei wesentliche Erkenntnisse wurden durch die Teilnehmer erarbeitet und bilden die Basis für die nächsten BILC-Planungsprozesse:

  • Es bestätigt sich immer mehr, dass die Vermittlung sprachlicher und vor allem kultureller Kompetenzen in den Streitkräften die Einsatzkräfte erst zur umfassenden Bewältigung der neuen Aufgaben, wie z.B. im Kampf gegen den Terrorismus, in der Cyber-Abwehr, im Rahmen der Migrationskrise und in anderen hybriden und multidimensionalen Einsatzszenarien im In- und Ausland als Beitragsleitung zur gesamtstaatlichen Sicherheit befähigen. Unbeschadet dessen ist eine fortschreitende und verstärkte Integration von fachsprachlichen Inhalten in militärischen Ausbildungsgängen dringend notwendig.
  • Die Fülle und Vielfalt der gleichzeitig zu bewältigenden Aufgaben machen das Beschreiten neuer Wege in der militärischen Sprachaus- und -weiterbildung zwingend erforderlich. Hier sind insbesondere neue innovative Zugänge im Bereich des Distance Learnings- und Teachings sowie die Anwendung des virtuellen Klassenzimmers entscheidend.

Jedem Kurstag vorgestaffelt tagte das sogenannte Steering Committee, der Lenkungsausschuss von BILC, der über Strategien, Konzepte und zukünftige Vorgangsweisen diskutierte und abstimmte.

Lenkungsausschuss von BILC unter der Leitung des BILC Chairs Obst Petko Petkov

Umrahmt wurde die Konferenz von einem umfangreichen Begleitprogramm. Als Höhepunkt gab die Gardemusik in der Maria Theresien-Kaserne ein eindrucksvolles Military Tattoo mit der Welturaufführung des eigens für die Konferenz komponierten BILC-Marsches. Den feierlichen Abschluss der Veranstaltung bildete die Übergabe der Partitur des neuen Marsches durch Oberst Ernst an den BILC-Chair.

Military Tattoo  der Gardemusik zur Ehren der BILC Konferenzteilnehmer

Im Rahmen des Abschlussabends im Wiener Naturhistorischen Museum betonte der stellvertretende Generalstabschef des ÖBH, GenLt Bernhard Bair, die Wichtigkeit der Zusammenarbeit Österreichs im Bereich des Sprachwesens sowohl in der Europäischen Union als auch in der NATO. Mit den Worten: „Sie haben im Sinne des Mottos des SIB 'Mehrsprachigkeit – mehr Sicherheit' und des Leitspruchs der LVAk 'Viribus Unitis' (mit vereinten Kräften) diese Woche einen wertvollen Beitrag zur Weiterentwicklung im Sprachwesen geleistet.“, bedankte sich der stellvertretende Generalstabschef des ÖBH.

Mit der offiziellen Übergabe der BILC-Fahne durch den Leiter des SIB, Oberst Fronek, an die portugiesische Vertreterin, Lieutenant Commander Marta Gabriel, wurde die nächste BILC-Konferenz in 2018 in Lissabon angekündigt. Das SIB wird sich auch in der Zukunft aktiv an den Planungsprozessen, dem Erfahrungsaustausch und den Veranstaltungen des BILC beteiligen, um an den strategischen Entwicklungen im Sprachwesen teilzuhaben und vor allem als anerkannter Beitragsleister einen außenwirksamen Beitrag für das ÖBH und Österreich im Rahmen der EU und der Partnerschaft für den Frieden leisten zu können.

Fotos: © FAHRNGRUBER Christian, Medienstelle LVAk