Anmerkungen zur Funktionsfähigkeit des Bundesheeres des Deutschen Bundes bis 1866

Eberhard Birk

 

Inwiefern die Geschichte eine gute Lehrmeisterin ist, wurde zu allen Zeiten unterschiedlich bewertet. Fest steht: Wer ohne deren Kenntnis Nationen und Kulturen, Staaten und Gesellschaften kontextlos mit der Richtungsangabe „Zukunft“ in Gang setzen wollte, erlitt meist Schiffbruch. Indes: Den Ratschlag der Geschichte einzuholen, muss auch nicht immer erfolgreich sein, v.a. dann nicht, wenn sie nicht - bezogen auf perspektivische Ableitungen - in Weite, Tiefe und Kontext studiert und analysiert wird. Ein besonderes Interesse an dieser Art von Fragestellungen hatten schon immer die Militärs, insbesondere dann, wenn sie mit neuartigen Herausforderungen konfrontiert wurden.
Dabei ist es - neben der überzeitlichen Erkenntnisperspektive - gegenwärtig sicherlich lohnenswert, im Zuge der Suche nach tragfähigen sicherheitspolitischen und militärischen Strukturen für (zusammenwachsende) Streitkräfte in Europa historische Modelle zu betrachten, die, fast vergleichbar in der Zahl unterschiedlicher Armeen in einem Staatenbund, für mehrere Jahrzehnte Bestand hatten. Unabhängig davon sind auch Jahrestage und „neue Projekte“ oft Auslöser für das Aufsuchen - auch epochenübergreifender - struktureller Analogien, um eine breitere Basis für begründete Bewertung im Hinblick auf brauchbare „Lehren“, Chancen, aber auch Risiken zu gewinnen.
So hält - im konkreten Fall - eine Untersuchung des Militärwesens des Deutschen Bundes (1815-1866) mit seinem Bundesheer vor dem Hintergrund „runder“ Jubiläen - oder besser: Gedenk- bzw. Erinnerungstage - wie 200 Jahre Wiener Kongress oder 150 Jahre „Deutscher Bruderkrieg 1866“ einerseits sowie aktueller EU-Projekte (Juncker-Initiative zur Schaffung einer Europa-Armee und [andauernde] Suche nach einer kohärenten EU-Sicherheitsstrategie) andererseits möglicherweise hilfreiches „Lessons learned“-Potenzial bereit.1)
Entscheidend hierfür sind jedoch die zu untersuchenden Parameter: Wer hat mit welchen Zielen und Aufträgen die Streitkräfteformation aufgestellt - und v.a.: Wie erfolgreich war sie in Friedenszeiten und im Krieg? Gerade die Beantwortung der letzten Teilfrage ist jener „Lackmus-Test“, der - bei aller Notwendigkeit der eingehenden Betrachtung der ersteren - Aufschluss darüber gibt, ob die „Lehre“ bzw. Ableitung positiver oder negativer Art sein wird. Schließlich sind Erfahrungswerte nicht durch Enthusiasmus zu ersetzen.
Im Folgenden soll versucht werden, zunächst das his­torische Potenzial des Bundesheeres zu sichten - in Bezug auf Ausgangssituation, Organisation und „Bewährung“ -, bevor es zu bewerten gilt, ob es überhaupt als Folie im Sinne einer möglichen strukturellen Adaption einzelner Merkmale dienen kann. 

Die sicherheitspolitische Zielsetzung des Deutschen Bundes und die Bundeskriegsverfassung

Der am 8. Juni 1815 auf dem Wiener Kongress gebildete Deutsche Bund war ein Staatenbund mit souveränen Gliedstaaten.2) Darüber hinaus entstand er als „internationale“ Fürstenunion zur Stabilisierung der europäischen Mitte. Gerade die dynastischen Verflechtungen einzelner Fürstenhäuser, die „deutsche“ und „nicht-deutsche“ Kronen gleichzeitig in Personalunion trugen, konnten zwar einerseits die europäische Perspektive verdeutlichen, gleichzeitig waren sie aber auch ein „Schutz“ vor der Bildung eines deutschen Nationalstaates.3) Dieser hätte - so die Befürchtung - durch seine Bevölkerungszahl sowie gesellschaftliche und politische Dynamik gerade vor dem Hintergrund der „napoleonischen“ Erfahrungen der zurückliegenden 20 Jahre eine mehr als nur latente Herausforderung darstellen und schwerlich in einem angestrebten dynastischen System ohne Friktionen integriert werden können. Der Deutsche Bund war damit ein „dritter Weg“ zwischen machtpolitischem Vakuum und kraftvoll-dynamischem Nationalstaat im Herzen Europas. Gleichzeitig war er Nukleus und Ausfluss eines kontinentalen kollektiven Sicherheitssystems.4) Alles andere hätte nach zwanzigjähriger Kriegszeit den Interessen der Sieger der anti-napoleonischen Kriege widersprochen.
Im Zeitalter nach dem Wiener Kongress 1814/15 stand für diese - „alternativlos“ - die Aufrechterhaltung des „Systems Metternich“, i.e. Restauration durch eine grundsätzliche, jedoch nicht vollkommene Wiederherstellung des vorrevolutionären Zustandes und die Schaffung innenpolitischer Stabilität durch Legitimität („Gottesgnadentum“), im Zentrum politischen Denkens und Handelns.5) Diesen beiden weltanschaulich-konzeptionellen Theoremen stand als Postulat und gegenseitiges Versprechen die „Solidarität der Fürsten“ zur Seite. Die zur Wahrung des europäischen Gleichgewichts im Zeichen der „Heiligen Allianz“ etablierte neue Ordnung wurde dadurch erkauft, dass der zwar stets mitgedachte „äußere Feind“ in der Regel dem sehr viel mehr gefürchteten „inneren Feind“ wich.6) Dies hatte zur Folge, dass die Überlegungen für einen zwischenstaatlichen Krieg zunächst in den Hintergrund traten - zumal durch die „Heilige Allianz“ nach und nach fast alle europäischen Monarchien, zumindest vordergründig auf Basis des Christentums, miteinander „verbündet“ waren.7)
Zweck des Deutschen Bundes war nach Artikel 2 der Bundesakte dabei die „Erhaltung der äußeren und inneren Sicherheit Deutschlands und der Unabhängigkeit und Unverletzbarkeit der einzelnen deutschen Staaten.“8) So sollte zum einen die Kriegführung deutscher Staaten untereinander unterbunden werden, i.e. die „souveränen“ Territorialstaaten zunächst voreinander und dann gemeinsam vor Angriffen Dritter geschützt werden; zum anderen wurden die beiden deutschen Großmächte Österreich und Preußen - durch eine Grenzziehung, die deren „deutschen“ Gebiete von den bundesfremden „außer-deutschen“ Territorien trennte - als „europäische“ Mächte betrachtet, um deren machtpolitische Ambitionen und Aufgaben zur Aufrechterhaltung und gegebenenfalls Wiederherstellung der „Balance of Power“,9) inkl. dem Recht auf Kriegführung, nicht zu beschneiden.
Als vorläufige Rahmenvereinbarung wurde die Bundesakte nach weiteren Verhandlungen und Ergänzungen auf der Wiener Ministerkonferenz am 25. November 1819 als Wiener Schlussakte beschlossen und am 8. Juni 1820 von der Bundesversammlung des Deutschen Bundes de facto als erstes deutsches Bundes-Verfassungsgesetz in dessen Hauptstadt Frankfurt einstimmig angenommen.
Die Bundeskriegsverfassung10) bestand aus den am 9. April 1821 von der als „geschäftsführende“ Dauereinrichtung des Bundes fungierenden Bundesversammlung beschlossenen 24 Artikeln über „Allgemeine Grundrisse“, denen vom „Engeren Rat“ am 12. April 1821 94 Paragraphen über die „Näheren Bestimmungen“ beigefügt wurden, die die Gliederung des Bundesheeres, dessen Stärke, die Waffengattungen, Bewaffnung, Ausbildung und Mobilisierungsmaßnahmen festlegten.
Hinsichtlich der Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik gab es drei grundsätzliche Aufgaben: (1.) Sicherung des äußeren Friedens respektive Verteidigung im Falle eines Angriffes gegen eines der Bundesmitglieder, (2.) Bundesexekutionen gegen Mitglieder des Bundes, die sich Bestimmungen der Bundesakte oder anderen Beschlüssen des Bundes widersetzen, sowie (3.) Bundesinterventionen zur Unterstützung von Mitgliedern, die sich Aufständen oder anderen politisch-gesellschaftlichen Bewegungen gegen die bestehende Ordnung nicht alleine erwehren können. Ein - möglicher - Krieg der Mitgliedstaaten untereinander blieb nach Art. 11 der Bundesakte ausgeschlossen, Streitigkeiten sollten nach Art. 18f. der Wiener Schlussakte durch Gerichte entschieden werden.
Als Ersatz - wenn auch nicht versehen mit deren politischer Gestaltungskraft - für ein „Verteidigungsministerium“ respektive einen Führungsstab wurde für die militärischen Angelegenheiten am 15. März 1819 mit der Bundesmilitärkommission11) eine mehr oder weniger „integrierte“ Führungsinstanz geschaffen. Einer ihrer Tätigkeitsschwerpunkte war die „Bewirtschaftung“ der Bundesfestungen,12) die sämtlich - im Falle eines Verteidigungskrieges - in Richtung Frankreich der Verteidigung Stabilität verleihen sollten.

Bundesheer und Bundesfeldherr

Militärisches Instrument des Deutschen Bundes wurde das aus den Kontingenten der Mitgliedstaaten zu bildende Bundesheer.13) Die „stete Rüstung“, d.h. ein stehendes Heer, das der Deutsche Bund bereithalten sollte, umfasste 1% der Bevölkerung der Mitgliedstaaten. Das Bundesheer sollte innerhalb von vier Wochen nach Mobilmachung in voller Kriegsstärke einsatzbereit sein. Dies bedeutete, dass dann neben der stehenden Truppe ein in Friedenszeit aus Kadern bestehendes Reservekontingent von einem zusätzlichen Drittelprozent sowie ein Ersatzkontingent in Stärke von einem weiteren Sechstel - insgesamt also 1,5% der Bevölkerung - „unter Waffen“ zu stehen hatte.
Das Bundesheer setzte sich als Bündnisarmee aus den zu stellenden Truppen - insgesamt zehn Korps - der Mitgliedstaaten zusammen. Davon entfielen je drei auf das Kaiserreich Österreich (insgesamt ca. 95.000 Mann = 31% des Bundesheeres) und das Königreich Preußen (ca. 80.000 Mann = 26%). Das VII. Korps bildete Bayern (35.600 Mann = 11%). Neben diesen sieben „homogenen“ Korps wurden aus den Kontingenten sämtlicher anderer Gliedstaaten des Bundes drei gemischte Korps aufgestellt. Beim südwestdeutschen VIII. Korps bildete das Königreich Württemberg (14.000 Mann = 4,5%) zusammen mit Badens 10.000 Mann den Kern, im mitteldeutschen IX. Korps stellte Sachsen mit 12.000 Soldaten den größten Anteil, im norddeutschen X. Korps Hannover mit 12.000 Mann.14)
Diese Mindestbestimmungen durften in den Staaten des Bundes auch überschritten werden. Aber nur Österreich und Preußen unterhielten aufgrund ihres Selbstverständnisses und ihrer Ambitionen darüber hinaus noch ein Mehrfaches an Truppen. Hierbei ist jedoch auch zu berücksichtigen, dass bei den Mittel- und Kleinstaaten des Bundes weder ein politischer Wille noch ein finanzieller „Spielraum“ vorhanden war: Sämtliche Allianzpartner laborierten an den Folgen von zwei Jahrzehnten Krieg. Darüber hinaus dominierte über lange Zeit ein genereller Abrüstungswille zur Sanierung der Staatshaushalte deren Militärausgaben.15)
Während die österreichischen, preußischen und bayerischen Korps homogene Großverbände „aus einem Guss“ waren, eigneten sich jene der anderen Staaten in erster Linie für die Aufrechterhaltung - erstens - der innenpolitischen Stabilität bei stets befürchteten sowie jederzeit möglichen Unruhen,16) und sie unterstützten - zweitens - die sublime Illusion monarchischer Souveränität im Zeitalter der Res­tauration. Und da der „äußere Friede“ als gesichert galt, zog in den Armeen der „souveränen Duodezfürsten“ auf den Exerzierplätzen der Biedermeierzeit sukzessive der „Schlendrian“ ein.17)
Insbesondere bei den drei gemischten Korps (VIII., IX. und X.) war es offensichtlich, dass deren Ergänzung durch die vielfach für eine sinnvolle Führung viel zu kleinen Kontingente aus den „Klein- und Kleinststaaten“ des Deutschen Bundes de facto dysfunktional war.18) Aber gerade diese „heterogenen“ Korps sollten idealtypisch die föderalistische Trias-Idee eines „Dritten Deutschlands“19) widerspiegeln. Gleichzeitig wurde damit auch offenbar, dass der Deutsche Bund in gewisser Hinsicht in der Tradition des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation in erster Linie nicht als Machtfaktor „nach außen“, sondern zur Rechtswahrung und Friedenssicherung als ein defensives Bündnis – mit, modern formuliert, struktureller Nichtangriffsfähigkeit - konzipiert worden war.20)
Die Konzeption eines Bundesheeres führte auch zur Frage nach einem Oberkommando. Hier galt es vor dem Hintergrund eines „Koalitionsheeres“ zunächst zu entscheiden, ob (1.) dessen Stellung auch im Frieden überhaupt existent sein sollte, zumal die einzelstaatlichen Kontingente auf ihre Wehrhoheit bestanden; zudem waren (2.) dessen Kompetenzen festzulegen sowie (3.) zu klären, wer wie in die Funktion gelangen sollte. Die Entscheidung war dann Spiegelbild unterschiedlichster politischer Positionen der Koalitionäre: Der Bundesfeldherr sollte durch die Bundesversammlung gewählt werden - aber nicht als Dauerinstanz mit nachgeordnetem Apparat, sondern nur für den Fall eines auswärtigen Krieges.21) Dieser verfügte dann aber tatsächlich über eine Fülle an Einfluss; indes: Erst nach seiner Ernennung und der Bildung eines Generalstabes - i.e. während des beginnenden Krieges - war es ihm erlaubt, einen Operationsplan zu entwerfen, bevor er sich - mit ihm unbekannten Truppen und Offizieren - an die Umsetzung machen konnte.
So dysfunktional dies in der Retrospektive erscheint, so „aktuell“ war genau dies von den Vertragspartnern im 6. Koalitionskrieg (1812-1815) als Erfolgsmodell eingestuft worden - so zumindest die politisch überformte Interpretation ihrer „Lessons learned“ aus dem Herbstfeldzug von 1813 und bei der „Völkerschlacht“ bei Leipzig, 1814 im Winterfeldzug in Frankreich und 1815 in Belgien bei Waterloo gegen Napoleon (1769-1821) trotz erheblicher Friktionen im Rahmen einer Koalitionskriegführung.22) Tatsächlich aber wollte niemand riskieren, dass sich aus dem Amt eines Bundesfeldherrn in Friedenszeiten bei einem charismatischen militärischen Führer „bonapartistische“ respektive napoleonische Gelüste entwickelten.23)
Mögliche Eingriffe in die einzelstaatliche Wehr-Souveränität in Friedens- wie auch Krisenzeiten galt es daher von den Bundesmitgliedern genauso zu verhindern wie Teilmobilmachungen unter der Regie eines Bundesfeldherrn, der aus dem „Primat der (Außen-)Politik“ ein „Primat des Militärischen“ hätte ableiten können. So wenig dies für eine einheitliche militärische Ausbildung, Erziehung und Führung der einzelstaatlichen Kontingente im Hinblick auf einen „Bundes- respektive Staatenkrieg“ sinnvoll erscheint, so sehr war dieses Prozedere bei den tatsächlichen Zielsetzungen des Deutschen Bundes und seines Militärs - systemimmanent - „logisch“.
Die strukturellen Unzulänglichkeiten der militärischen Verbände der Klein- und Mittelmächte - gemessen an militärischer Sinnhaftigkeit - waren selbstverständlich oft Gegenstand der Erörterungen bei den Debatten über die zukünftigen Reformpläne.24) Substanzielle Verbesserungen scheiterten jedoch stets an Souveränitätsvorbehalten, der Frage nach einem „Oberbefehl“ bereits in Friedenzeiten sowie dem generellen Unwillen zu größeren finanziellen Ausgaben.
Sie fanden ihre Grenze aber auch in der politischen und militärischen Logik des Zeitalters: Bei jedem die Existenz des Bundes herausfordernden „Bundeskrieg“ wäre die Schlagkraft ohnehin von den österreichischen und preußischen („Bundes“-)Korps sowie deren zusätzlichen Kontingenten abhängig gewesen. Eine derartige „Sicherheit“ hatte selbstverständlich auch Auswirkungen auf den Willen zum Aufbau und Unterhalt von Streitkräften der einzelnen Bundesmitglieder unterhalb der „Großmachtschwelle“.25)
„Erfolgreich“ waren daher lediglich „Kleinst-Reformen“. Im Jahr 1830 sah eine Reorganisation des Bundeskriegswesens die Bündelung sämtlicher Kontingente kleinerer Territorien in einer Reservedivision vor.26) Abgesehen davon, dass diese neu gebildete (Infanterie-)Division aus den 19 kleinsten Bundes-Kontingenten des VIII., IX. und X. Korps militärisch letztlich genauso belanglos blieb wie deren vorherige Beiträge zu den Korps, bedeutete diese Reorganisation doch eine doppelte Entlastung: Sie reduzierte die aufzubringenden finanziellen Mittel für die Kleinstaaten, da für diese fortan die kostenintensiven Truppengattungen Artillerie und Kavallerie entfielen und nur noch Infanterie zu stellen war; durch ihre Nicht-Beteiligung an den Korps waren diese zwar nicht unbedingt schlagkräftiger, dafür jedoch etwas „homogener“.
Andererseits spiegeln die Missstände auch die grundsätzliche Vagheit auf politischer Ebene wieder. Durch eine stets weiter politischen Raum gewinnende „nationale Gefühlslage“ im Zuge einer „kulturellen Nationsbildung“ auch in Süddeutschland27) stellte sich seit geraumer Zeit die Frage, wofür Streitkräfte überhaupt noch vorzuhalten seien. Die „internationale“ Lage hielt seit den 1840er-Jahren ohnehin nur wenige realistische Einsatzszenarien bereit: ein Krieg Preußens oder Österreichs gegen Russland, ein Krieg Österreichs gegen das neue Italien oder aber ein Bundeskrieg gegen Frankreich. Für alle Szenarien waren die Kräfte des „Dritten Deutschlands“ ohne entscheidende Relevanz. Sie konnten de facto realistisch nur Auxiliartruppen der Preußen oder Österreicher sein. Ihr Blutzoll würde sich nicht in politischen Gewinnen niederschlagen können.
Die zur Mitte des 19. Jahrhunderts ventilierten Überlegungen Preußens und Österreichs, aus dem Bundesheer zur Effizienzsteigerung quasi eine norddeutsche Armee unter preußischer und eine süddeutsche unter österreichischer Führung zu machen, scheiterten am Souveränitätsvorbehalt der Mittelstaaten, die selbst eine „rein deutsche“ Armee dazwischen präferierten, hierfür jedoch kein für alle Akteure akzeptables Arrangement fanden und damit letztlich selbst alle effizienzsteigernden Reformen blockierten.28) Mit dem in späterer Zeit zunehmenden Antagonismus der beiden „lead nations“ des Deutschen Bundes - Österreich und Preußen - waren dann ohnehin alle weiteren Debatten Makulatur.29) Politische Gegensätze können nicht zu einer einheitlichen Militärpolitik führen.

Musterungen, Übungen und Einsätze des Bundesheeres vor 1866

Wie desolat das Heerwesen fast durchgängig während der Zeit des Deutschen Bundes war, wird bei der Betrachtung von den in regelmäßigen Abständen durchgeführten „Musterungen“ des Bundesheeres deutlich: Die dabei festgestellten Mängel in Bezug auf Organisationsgrad, Ausrüstung und Ausbildungsstand zeigten die Kehrseite des politisch-militärischen Föderalismus respektive Partikularismus auf.30) Während die Truppen Österreichs und Preußens durchgehend keinen Anlass für anzumahnende Verbesserungen boten, war dies bei allen anderen Kontingenten jedoch die Regel.
Die beibehaltene „Wehrhoheit“ der Allianzpartner führte im gesamten Zeitraum des Bundesheeres dazu, dass es aufgrund der erheblichen Unterschiede bei Gliederung, Bewaffnung, Ausrüstung und Ausbildung fast unmöglich war, die Truppen zusammen und nach einheitlichen Grundsätzen üben zu lassen.31)
Aufgrund dauerhafter Unterfinanzierung der Truppen der „Mittel- und Kleinmächte“ wurde daher zum Beispiel das VIII. Korps in seiner Gesamtheit auch nur einmal - im Jahre 1840 - zu einem größeren Manöver im Raum um Cannstatt zusammengezogen. Der Grund für diese Übung war eine als real eingestufte Gefahr für die Verteidigung Süddeutschlands angesichts der „Rheinkrise“ von 1840,32) zumal im oberrheinischen Raum nach wie vor keine Bundesfestung bestand. Während die südwestdeutschen Staaten Baden und Württemberg aus naheliegenden geographisch-sicherheitspolitischen Gründen Rastatt als auszubauende Bundesfestung präferierten, wollte sich Österreich finanziell nur im Falle eines Ausbaus von Ulm als Bundesfestung beteiligen, um die Donaulinie als Einfallstor nach Wien nachhaltig zu sichern.
Nachdem 1855 - nicht zuletzt auch aufgrund der am
8. Februar angeordneten Kriegsbereitschaft vor dem Hintergrund des Krimkrieges (1853-56) und der dabei erkannten Mängel - eine revidierte und ambitiösere Bundeskriegsverfassung in Kraft getreten war,33) die u.a. eine moderate Aufstockung der Kontingente verlangte, war das Ergebnis für fast alle Armeen desolat: Präsenzzeit, Übungen, Zahl der Offiziere, Zahl der Waffen, Bau von Kasernen, Bekleidung, Ausrüstung und Transportmittel waren unter den zahlreichen Monita, die für viele Kontingente über viele Jahre stete Begleiter blieben. Das Bundesheer war auch 1858 noch „weit davon entfernt, wenigstens die Minimalanforderungen der Bundeskriegsverfassung zu erfüllen.“34) Musterungen, Manöver und Mobilsierungen machten die Defizite also offensichtlich.
Die Einsätze des Bundesheeres erfolgten indes vornehmlich im Inneren. Selbst wenn in der Zeit des Deutschen Bundes auf Grundlage der Artikel 25, 26 und 28 der Wiener Schlussakte zur Wiederherstellung der monarchisch-legitimistischen „Ordnung“ Bundesinterventionen stattgefunden haben (u.a. 1833 aus Anlass des Frankfurter Wachensturms, 1849 zur Niederschlagung der Badischen Revolution und 1850 in Kurhessen35)), so waren dabei doch stets nur geringe Teile des Bundesheeres effektiv zum Einsatz gelangt. Die einzelstaatlichen Armeen erwiesen sich cum grano salis auch in der Revolutionszeit von 1848/49 weitestgehend als ein loyales innenpolitisches Instrument der Krone, womit sie der ihnen zugedachten Rolle als Stabilitätsgaranten gerecht wurden - indes natürlich um den Preis der Entfremdung vom Volk.36)
Als im Zuge des Scheiterns einer „demokratischen“ Nationalstaatsgründung durch die Paulskirche Preußens Politik einer konservativen Variante in Form der „Erfurter Union“ die Staaten des Deutschen Bundes an den Rand eines Krieges brachte, kam es dennoch zu keinem Bundesexekutionskrieg, da Preußen sich in der Olmützer Punktuation Österreichs dominanter Rolle unterwarf.37) Während des Krimkrieges entzogen sich die Mitglieder des Deutschen Bundes der Aufforderung Österreichs, mit ihren Kontingenten mitzuwirken: Es war schließlich eine Auseinandersetzung der großen Mächte Europas und kein Bundeskrieg. Dennoch erfolgte aufgrund des Beschlusses der Bundesversammlung vom Februar 1855 eine Mobilisierung der Truppen. Meist wurde diese - wie am Beispiel des württembergischen Heeres erkennbar - „langsam und schleppend und ohne die Gefahr eines unmittelbar bevorstehenden Kriegsausbruchs“38) durchgeführt.
Ebenso war es 1859, als Piemont-Sardinien mit französischer Unterstützung das zu Habsburg - nicht aber zum Deutschen Bund - gehörige Königreich Lombardo-Venetien angriff.39) Für den Bund existierte zwar kein casus foederis nach Artikel 47 der Wiener Schlussakte. Gleichwohl bat Österreich seine „Bündnispartner“ um Unterstützung. Durch den schon längst bestehenden preußisch-österreichischen Dualismus und weil Preußen nicht die Absicht hatte, Österreich „Vasallendienste“ zu leisten,40) zögerten Preußen und mit ihm die restlichen Mitglieder die seit April begonnene Mobilisierung der Kader und Truppen so weit hinaus, bis der habsburgische Kaiserstaat militärisch bei Magenta (4. Juni 1859) und Solferino (24. Juni 1859) bereits geschlagen war41) und der Waffenstillstand von Villafranca am 11. Juli allen weiteren militärischen Anstrengungen ein Ende bereitete.42) Selbst in Anbetracht dieser politisch bedingten Restriktionen war darüber hinaus die teilweise erfolgte Mobilisierung des Bundesheeres im Sommer des Jahres 1859 nicht geeignet, dessen Feldeinsatztauglichkeit nachzuweisen.
Dies spiegelte sich auch im letzten Musterungsbericht vor dem Krieg von 1866 wider: „Die Kriegsbereitschaft des Bundesheeres wurde langsam, aber deutlich verbessert, auch wenn die Minimalanforderungen immer noch nicht erreicht waren.“43) Diese Bewertung ist auch deshalb von Brisanz, weil sie, bezogen auf die „Musterung“ von 1863 - drei Jahre vor dem Krieg von 1866 -, aufzeigt, in welchem Zustand das Bundesheer tatsächlich war.44)

Neuerungen im Kriegsbild am Vorabend des „deutschen Bruderkrieges“

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich aufgrund neuer Möglichkeiten im Zuge der Industriellen Revolution - verstanden als Militärische Revolution - das Kriegswesen fundamental gewandelt: Qualitätssteigerung und Verstärkung von Feuer- und Zerstörungskraft in der Waffentechnik bei Artilleriesystemen aus Gussstahl und der Infanteriebewaffnung (Dreyse-Gewehr),45) Nutzung der Eisenbahnlinien für schnelle Aufmärsche,46) Innovation beim Kommunikationswesen durch die Telegraphie und der Wandel zum modernen Massenheer der tatsächlich allgemeinen Wehrpflicht ohne Stellvertretung führten zu einem neuen Kriegsbild.47)
In summa bedeutet dies für die militärische Zukunft auf dem Schlachtfeld: Feuerkraft, Kadenz, Feuerdichte sowie Reichweite und Treffsicherheit nahmen zu.48) Dadurch wurden Frontalangriffe der Infanterie, die noch dazu von der Artillerie auf Entfernung gehalten wurde, nahezu unmöglich. Dies erforderte auf taktischer Ebene die sukzessive Abkehr von geschlossenen Infanterieformationen hin zu beweglichen Kompaniekolonnen. Dies erhöhte wiederum die Verantwortung der taktischen Führer, gegebenenfalls hinunter bis zum einzelnen Soldaten, deren Selbstständigkeit im Gefecht eine neue Führungsphilosophie - eben das Führen mit Auftrag, verkürzt: die „Auftragstaktik“49) - erforderte.
Während sich die „Militärmonarchie“ Preußen - pointiert formuliert - auf diesen Systemwechsel fokussierte,50) laborierten die Militärs in den anderen Bundesstaaten an den dysfunktionalen Auswüchsen eines überholten Systems. Sie spielten auf keinem dieser Terrains militärischer Modernisierung eine Rolle, wenngleich es durchaus einzelne bescheidene Ansätze dafür gab. Meist scheiterten sie aber an traditionalen und innovationsfeindlichen Beharrungskräften. „1866“ aber stellte die politische und militärische „Systemfrage“.

Das Versagen des Bundesheeres im Krieg von 1866

Im deutsch-deutschen Krieg von 1866, der im Kern ein Krieg Preußens gegen den Deutschen Bund war, ging es um die gewaltsame Lösung des preußisch-österreichischen Dualismus,51) die von Bismarck bereits 1853 während seiner Zeit als Gesandter beim Deutschen Bund in Frankfurt undiplomatisch markant formuliert wurde: „Wir atmen einer dem anderen die Luft vor dem Munde fort, einer muß weichen oder vom anderen ‚gewichen werden’, bis dahin müssen wir Gegner sein.“52) Die (gewollten) Friktionen bei der gemeinsamen preußisch-österreichischen Verwaltung der durch den deutsch-dänischen Krieg von 186453) erworbenen Territorien Schleswig und Holstein dienten hierfür nur als Anlass für den vom Königreich Preußen intendierten und initiierten Waffengang, dessen Grund der Generalstabschef der preußischen Armee, General Helmuth von Moltke (1800-1891), rückblickend nüchtern, leidenschaftslos und ungeschminkt auf den Punkt brachte: „Es war ein im Kabinet als nothwendig erkannter, längst beabsichtigter und ruhig vorbereiteter Kampf nicht für Ländererwerb, Gebietserweiterung oder materiellen Gewinn, sondern für ein ideales Gut - Machtstellung.“54)
Die für Preußen hierfür notwendige militärische Führungsleistung war immens: In einem beinahe 500 Kilometer weiten Bogen standen die von Moltke zu dirigierenden preußischen Kräfte von der Aller im Westen bis zur Neiße im Osten.55) Diese Dislozierung war deshalb notwendig geworden, da der deutsche „Bruderkrieg“ eben nicht nur ein Krieg zwischen Preußen und Österreich war. Er fand vielmehr als Krieg Preußens gegen den Deutschen Bund auf zwei Kriegsschauplätzen statt - in Böhmen und Süddeutschland.
Trotz der seit dem Frühjahr 1866 offensichtlichen Tendenz zu einem preußisch-österreichischen Waffengang „überraschte der Ausbruch des Krieges alle süddeutschen Staaten, bevor sie schlagfertig waren“.56) Die politischen und militärischen Einrichtungen des Deutschen Bundes verfolgten fast einen Monat ihren vorgesehenen „Geschäfts“-Gang.57) Nach zweiwöchiger Beratung legte die Bundesmilitärkommission am 1. Juli ein Gutachten vor, in dem erkannt wurde - de facto nach einem halben Jahrhundert -, dass es die knappe Zeit im Kriege erforderlich mache, die Rechte der Bundesversammlung in militärischen Angelegenheiten in Form einer Generalvollmacht auf den Militärausschuss des Bundes zu delegieren, der damit Ansprechpartner des Bundesfeldherrn sein sollte!58)
Die Dynamik des Kriegsverlaufs - insbesondere der Vormarsch der Preußen nach Nordböhmen, wo die Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli 1866 zur schnellen strategischen Entscheidung des Kriegs führte59) - ging auch auf dem deutschen „Kriegstheater“ über umständliche diplomatische Manöver und eine fehlende strategisch-operative Führung hinweg. Das sächsische Kontingent (IX. Korps) kämpfte an der Seite des Habsburgerstaates bei Königgrätz, das X. Korps mit der „lead nation“ Hannover konnte sich kurzzeitig am 27. Juni gegen die Preußen bei Langensalza behaupten; das VII. (bayerische) Korps unter dem Oberbefehl von Karl Prinz von Bayern wurde von preußischen Kräften unter dem Kommando von General Vogel von Falckenstein immer weiter zurückgedrängt,60) weshalb ein beabsichtigter Zusammenschluss mit dem VIII. Korps, das Alexander Prinz von Hessen kommandierte, nicht zustande kam.61)
Neben unterschiedlichen Interessen im Rahmen der Koalitionskriegführung war die Beziehungsebene der beiden Kommandierenden spannungsgeladen. Möglicherweise spielten auch „Standesdifferenzen“ eine gewisse Rolle, stammte doch Prinz Karl aus dem ältesten noch regierenden deutschen Fürstengeschlecht. Der Wittelsbacher Prinz betrachtete den Prinzen von Hessen-Darmstadt und dessen VIII. Korps als Anhängsel seines bayerischen Korps.62) Hinzu kam, dass es in der Realität geradezu eine immanente Bedingung der Koalitionskriegführung war, dass die Kommandeure der einzelnen Kontingente eben auch Instruktionen ihrer Souveräne „im Marschgepäck“ mitführten.63) Dynastische Loyalitäten überlagerten folglich meist die allgemeine Zielsetzung der Koalition - mit Auswirkungen auf die operative Führung einer „Allianzarmee“. Prinz Alexander verlor am 24. Juli 1866 bei Tauberbischofsheim64) mit seinem kombinierten Großverband mit Kräften aus Württemberg, Baden, Hessen und Nassau gegen die preußische Mainarmee - nicht zuletzt auch, weil zugesagte bayerische Truppen nicht unterstützten und badische Truppen sich eigenmächtig während des laufenden Gefechts absetzten. Innerhalb von wenigen Tagen danach wurde der Krieg auf dem deutschen Kriegsschauplatz genauso schnell beendet wie jener auf dem nordböhmischen. Damit erlosch auch der Deutsche Bund und mit ihm sein Bundesheer.

Fazit

Das Wehrwesen des Deutschen Bundes war ein Spiegelbild sämtlicher Rahmenbedingungen des Zeitalters. Das Bundesheer war die militärische Version des politischen Bundestages. Was aus der Retrospektive in hohem Maße als militärisch dysfunktional erscheint, war jedoch das Rational der Politik: Die „Militärfrage“ war nicht nur im 19. Jahrhundert ein zentrales Kriterium der Souveränität. Besitz, Organisation und Unterhalt von Streitkräften waren die Grundbedingung souveränen politischen Handelns! Dieser Logik folgten - trotz aller Defizite - alle Akteure im Deutschen Bund.
Ihre dynastischen Armeen, nur locker verbunden im „bunten“ Kontingentsheer, dienten vornehmlich dem Zweck, als Friedensheer für die Aufrechterhaltung der „Ordnung“ bei der Bekämpfung von (potenziellen) Aufständen im Inneren der Staaten „Gewehr bei Fuß“ zu stehen. Der „Ernstfall“ des Militärwesens des Deutschen Bundes war daher der „innere“ Frieden. Die Sicherung des „äußeren“ Friedens wurde der „bewaffneten Diplomatie“ der deutschen und europäischen Großmächte anvertraut. Zudem zogen die heterogenen Ziele der Südstaaten in Friedenszeiten und im Krieg von 1866 - in erster Linie Aufrechterhaltung ihrer territorialen Souveränität bei Schonung ihrer geringen militärischen Kräfte - bündnispolitischen und gemeinsamen „strategisch-operativen“ Abstimmungen sowie selbst taktischen Handlungen denkbar enge Grenzen.
Die theoretische und praktische Eigenständigkeit aller Truppen des „dritten Deutschlands“ legte deren Einsatzwert derart enge Schranken auf, dass sie im Kriegsfalle nur dann mit Aussicht auf Erfolg eingesetzt werden konnten, wenn sie sich als „Auxiliartruppen“ entweder der österreichischen oder der preußischen Armee unterstellten. Diese Prämisse galt indes nur für den Fall einer gemeinsamen Verteidigung gegen einen äußeren Gegner. In der Situation der Konfrontation zwischen den beiden deutschen Hegemonialmächten innerhalb des Deutschen Bundes aber musste das heterogenen Zielsetzungen dienende Kontingentsheer als militärischer Torso versagen. Ein „1866“ war bei der Konstituierung des Deutschen Bundes einfach nicht vorgesehen. Die Mittel- und Kleinstaaten vertrauten zu sehr auf dessen von den europäischen Großmächten intendierte sowie „garantierte“ - und ihnen selbst erhoffte - Funktion respektive Bedeutung als (zentral-)europäisches Friedensprojekt.
Als Preußen im Bewusstsein eigener Stärke den Bruch wagte, waren daher nur die beiden deutschen Großmächte mit ihren kriegserfahrenen Truppen für einen Waffengang vorbereitet. Konzise Planung und flexible Operationsführung selbst auf dem süddeutschen „Kriegstheater“ sowie die Aufrechterhaltung der Dynamik waren neben Bewaffnung und Ausbildung die ausschlaggebenden Erfolgsfaktoren auf preußischer Seite.
So ist der Feldzug von 1866 - zu sehen am Beispiel Preußens - ein weiteres Beispiel dafür, dass die Verbindung einer klaren Einsatzdoktrin mit klarer politischer Zielsetzung, eine zeitadäquate Bewaffnung und Ausrüstung mit entsprechender Ausbildung und eine kohärente Führung wichtiger für den Erfolg sind als die bloße Überlegenheit an Truppen und Material, die 1866 bei dessen Gegnern lag.
Der Feldzug von 1866 erwies sich daher - spiegelbildlich betrachtet - als Kulminationspunkt aller Versäumnisse des Wehrwesens des Deutschen Bundes. Dessen nicht-preußische Truppen des Bundesheeres bis 1866 wurden daher von der „borussischen“ Militärgeschichtsschreibung zur Zeit des preußisch-deutschen Kaiserreiches diskreditiert als „die alte Reichsarmee unseligen Angedenkens, ein Heer, das der künftigen Streitmacht einer Friedensliga zum Vorbild dienen könnte, welche die Kriege verhindern will, ohne das Schwert zu ziehen.“65)

Der Lehrwert für eine Europa-Armee

Was können oder sollen die Europäer also überhaupt aus dem Bundesheer lernen? Es ist der - allzu oft verdrängte - negative Lehrwert der Geschichte: Die isolierte Betrachtung strukturell vergleichbarer Analogien und deren Übertragung in Zeiten anderer Rahmenbedingungen helfen für die Bewältigung der Gegenwart meist nicht weiter.
So offensichtlich viele Strukturdefizite nach wie vor einen Vergleich der zahlreichen gemeinsamen Unzulänglichkeiten zwischen Bundesheer und der gegenwärtigen Organisation eines „europäischen Wehrwesens“ geradezu „erzwingen“, so verbietet gerade die Gesamtbetrachtung eine Vorbildlichkeit. Hierbei wäre - aus verfassungsrechtlicher Perspektive - darauf zu verweisen, dass die Kontingente des Bundesheeres sämtlich auf ihre Monarchen vereidigt waren und gegenwärtige europäische Streitkräfte (de facto-) Republiken dienen. Dies wäre übrigens auch der Fall, wenn als Vergleichsfolie die königlichen Heere im deutschen Kaiserreich (Preußen, Bayern, Württemberg und Sachsen) ab 1871 herangezogen würden - sie wären vom politischen Gesichtspunkt als vier Armeen in einem Staat und vom militärischen Gesichtspunkt der Effektivität als „Beinahe-Reichsheer“ hierbei dem Bundesheer sicherlich vorzuziehen. Die Übernahme des preußischen „Modells“ nach 1866 „bewährte“ sich zwar im Krieg gegen Frankreich 1870, und auch die Durchhaltefähigkeit im Ersten Weltkrieg könnte als Argument für das Funktionieren derart zusammengesetzter Armeen dienen, müsste indes nicht gleichzeitig zu verweisen sein auf (1.) das Problem des „Militarismus“, (2.) den schließlich verlorenen Ersten Weltkrieg und (3.) den geringeren „semi-europäischen“ Charakter im Vergleich zum Bundesheer.
Indes konnte gerade an dessen Beispiel gezeigt werden, dass es die unterschiedlichsten politischen Zielvorstellungen und Interessen der „souveränen“ Bundesmitglieder waren, die zur - unter integrativ-militärischen Gesichtspunkten - einsatzbezogenen Dysfunktionalität des Bundesheeres führten. Was während des Kalten Krieges durch die NATO in (West-) Europa „garantiert“ war, zerfiel aufgrund der Heterogenität der sicherheitspolitischen Interessen der europäischen Staaten danach: die gemeinsame Ausrichtung an einem Ziel und - weil kaum möglich - an einem politischen und militärischen Willen. Hierbei kann auch eine dem Namen nach „Gemeinsame europäische Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik“ in ihren sprachlichen Variationen nicht hinwegtäuschen. Vor einem denkbaren Vergleich im Hinblick auf ihren „Erfolg“ zwischen dem damaligen Bundesheer und den weiterhin nationaler Souveränität unterliegenden „europäischen“ Kontingenten, die auf drei Kontinenten und deren Randmeeren im Einsatz sind, ist freilich mehr aus (militär-)historischer als politikwissenschaftlicher Perspektive zu warnen: Der mehrfache Wandel des Kriegsbildes in 150 Jahren wiegt schwer; politische und gesellschaftliche Akzeptanz bei Einsatzarmeen mit alter Tradition zur Durchsetzung nationaler Interessen (wie zum Beispiel im Falle Großbritanniens und Frankreichs) einerseits und politische (Selbst-)Beschränkung aus historischen Gründen (wie im Falle Deutschlands) andererseits führ(t)en dazu, dass die unterschiedliche Intensität des Einsatzes sowie die unterschiedlichen Einsatzgebiete nach unterschiedlichen (sicherheits-)politischen Erwägungen vorgenommen wurden respektive werden. Ihre Bewertung als (Miss-)Erfolg erfolgt daher, selbst bei „gemeinsamen“ Einsätzen im Rahmen gleicher Missionen, nach unterschiedlichen Kriterien.
Hinzu kommen zwei weitere zu bedenkende Punkte. Die Kontingente des Bundesheeres waren (1.) nicht nur für einen auswärtigen Krieg respektive Einsatz figuriert, vielmehr dienten sie vornehmlich für die Aufrechterhaltung der innenpolitischen (neo-) absolutistischen Systemstabilität. Selbst wenn manche Armeen in Europa (de facto Berufsheere wie die damaligen Kontingentsarmeen) für derartige Situationen in Ausnahmefällen herangezogen werden (können), ist dies keine strukturelle Analogie. Europäische Battle Groups sind eben nicht die Nachfolger der Bundeskorps.
Darüber hinaus erlitten (2.) die Kontingente des Bundesheeres bei ihrem ersten „gemeinsamen“ Einsatz ihr „Waterloo“ als systemimmanente Kulminationskatastrophe im Krieg von 1866, der sie gegeneinander führte. Da aber in militärischen Bewertungen der Erfolg das Nonplusultra darstellt, verbietet sich eine zu enge Bezugnahme zum Bundesheer geradezu per se. Heterogene sicherheitspolitische Zielsetzungen, mangelnde Integration in Fragen der Organisation, Führung, Bewaffnung, Ausbildung etc., wie sie insbesondere im Bundesheer quasi „vorbildlich“ über ein halbes Jahrhundert praktiziert wurden, können unmöglich den Charakter des für die Gegenwart Vorbildlichen erhalten.
Es scheint, dass eben dies der Grund ist, weshalb die meisten europäischen Staaten nach wie vor auf die (unverzichtbare) NATO als sicherheits- und verteidigungspolitischen Stabilitätsgaranten setzen und vertrauen.
Eine derartige sicherheitspolitische „Instanz“ aber fehlte damals - und würde es heute und morgen vermutlich auch, ohne dass dies als Ausrede für die Notwendigkeit eines nachhaltig forcierten Aufbaus eines schlagkräftigen europäischen Instrumentariums dienen soll.


ANMERKUNGEN:

1) Vgl. zuletzt Franz Ettmayer: Das Bundesheer des Deutschen Bundes als Folge des Wiener Kongresses von 1815. Ein Versuch der Etablierung eines gemeinsamen Heeres als Garantie des Friedens. In: ÖMZ 53 (2015) 6, S.698-707.
2) Vgl. statt vieler für einen generellen Überblick Peter Burg: Der Wiener Kongress. Der Deutsche Bund im europäischen Staatensystem, 3. Aufl. München 1993; Thomas Just, Wolfgang Maderthaner, Helene Maimann (Hrsg.), Der Wiener Kongress. Die Erfindung Europas. Gerold, Wien 2014 und Brian Vick: The Congress of Vienna. Power and Politics after Napoleon. Harvard University Press, Cambridge (Mass.) 2014.
3) Vgl. Anselm Doering-Manteuffel: Die deutsche Frage und das europäische Staatensystem 1815-1871, 3., um einen Nachtr. erw. Aufl. München 2010 und Harald Müller: Deutscher Bund und deutsche Nationalbewegung. In: Historische Zeitschrift 248 (1989) 1, S.51-78.
4) Vgl. Helmut Seier: Der Deutsche Bund als militärisches Sicherungssystem 1815-1866. In: Gabriele Clemens (Hrsg.), Nation und Europa. Studien zum internationalen Staatensystem im 19. und 20. Jahrhundert
(= Festschrift für Peter Krüger zum 65. Geburtstag), Stuttgart 2001, S.19-33.
5) Vgl. generell Dieter Langewiesche: Europa zwischen Restauration und Revolution 1815-1849, 4. Aufl. München 2004.
6) Vgl. Wolfram Siemann: Heere, Freischaren, Barrikaden. Die bewaffnete Macht als Instrument der Innenpolitik in Europa 1815-1847. In: Dieter Langewiesche (Hrsg.), Revolution und Krieg. Zur Dynamik historischen Wandels seit dem 18. Jahrhundert, Paderborn 1989, S.87-102.
7) Vgl. Philipp Menger: Die Heilige Allianz - La garantie religieuse du nouveau système Européen? In: Wolfram Pyta (Hrsg.), Das europäische Mächtekonzert. Friedens- und Sicherheitspolitik vom Wiener Kongreß 1815 bis zum Krimkrieg 1853, Stuttgart 2009, S.209-236.
8) Vgl. Michael Kotulla: Deutsches Verfassungsrecht. Eine Dokumentensammlung nebst Einführungen, Berlin 2008 und Hans Boldt: Deutsche Verfassungsgeschichte. Politische Strukturen und ihr Wandel, Band 2, München 1990 (insbesondere S.124-167). Auf einen gesonderten und einzelnen Nachweis der auf die Verträge Bezug nehmenden Quellen wird hier - ihrer allgemeinen Kenntnis und Zugänglichkeit wegen - verzichtet.
9) Vgl. statt vieler Michael Sheehan: The Balance of Power. History and Theory. London/New York 1996.
10) Leicht zugänglich abgedruckt in Jürgen Angelow: Von Wien nach Königgrätz. Die Sicherheitspolitik des Deutschen Bundes im europäischen Gleichgewicht (1815-1866), München 1996 (= Beiträge zur Militärgeschichte, Bd. 52), S.290-308.
11) Vgl. generell Wolfang Keul: Die Bundesmilitärkommission (1819-1866) als politisches Gremium. Ein Beitrag zur Geschichte des Deutschen Bundes, Frankfurt a.M. 1977.
12) Zu den Bundesfestungen vgl. Peter Galperin: Deutsche Wehr im Deutschen Bund 1815-1866 mit gesonderten Hinweisen auf die Bewaffnung, die Marine, die Soldatenversorgung, die Wehrfinanzierung, Osnabrück 2000, S.223-344 und im Überblick Elmar Wienhöfer: Das Militärwesen des Deutschen Bundes und das Ringen zwischen Österreich und Preußen um die Vorherrschaft in Deutschland 1815-1866 (= Studien zur Militärgeschichte, Militärwissenschaft und Konfliktforschung, Bd. 1), Osnabrück 1973, S.65-73.
13) Vgl. Helmut Seier: Zur Frage der militärischen Exekutive in der Konzeption des Deutschen Bundes. In: Staatsverfassung und Heeresverfassung in der europäischen Geschichte der frühen Neuzeit, in Zusammenarbeit mit Barbara Stollberg-Rilinger herausgegeben von Johannes Kunisch, Berlin 1986 (= Historische Forschungen Bd. 28), S.397-445 sowie als konzise Überblicksdarstellung Wolfgang Petter: Deutscher Bund und deutsche Mittelstaaten. In: MGFA (Hrsg.), Deutsche Militärgeschichte in sechs Bänden 1648-1939 (Abschnitt IV/Zweiter Teil: Militärgeschichte im 19. Jahrhundert 1814-1890: Strukturen und Organisation), München-Herrsching 1983, S.226-301.
14) Zu den einzelnen Armeen vgl. Wolf D. Gruner: Das bayerische Heer 1825 bis 1864. Eine kritische Analyse der bewaffneten Macht Bayerns vom Regierungsantritt Ludwigs I. bis zum Vorabend des deutschen Krieges (= Wehrwissenschaftliche Forschungen, Abteilung Militärgeschichtliche Studien, Bd. 14), Boppard am Rhein 1972; Paul Sauer: Das württembergische Heer in der Zeit des Deutschen und Norddeutschen Bundes (= Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe B: Forschungen, 5. Band), Stuttgart 1958; Wolfgang Gülich: Die Sächsische Armee zur Zeit des Deutschen Bundes: 1815-1867, Beucha 2011 und Joachim Niemeyer: Hannöversches Militär 1815-1866, Beckum 1992.
15) Vgl. Petter, Deutscher Bund, S.237.
16) Vgl., wenn auch etwas über die Zeit hinausgreifend, Michael P. Vollert: Für Ruhe und Ordnung. Einsätze des Militärs im Innern (1820-1918). Preußen-Westfalen-Rheinprovinz, Bonn 2014.
17) Dies galt aber auch für eine Großmacht wie den Kaiserstaat, dessen „Italienarmee“ hatte vor der Kommandoübernahme durch Radetzky „fast 15 Jahre auf den Exerzierplätzen der Biedermeierzeit verbracht“, vgl. Oskar Wolf-Schneider von Arno: Der Feldherr Radetzky, Wien 1933, S.47.
18) Zur Problematik der militärischen Organisationsfindung in der Anfangszeit vgl. Lothar Höbelt: Zur Militärpolitik im Deutschen Bund. Corpseinteilung und Aufmarschpläne im Vormärz. In: Helmut Rumpler (Hrsg.), Deutscher Bund und deutsche Frage 1815-1866. Europäische Ordnung, deutsche Politik und gesellschaftlicher Wandel im Zeitalter der bürgerlich-nationalen Emanzipation (= Wiener Beiträge zur Geschichte der Neuzeit, Band 16/17), München 1990, S.114-135.
19) Vgl. Peter Burg: Die deutsche Trias in Idee und Wirklichkeit. Vom Alten Reich zum Deutschen Zollverein (= Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte, Bd. 136, Abteilung Universalgeschichte), Stuttgart 1989.
20) Vgl. Wolfgang Petter: Der Deutsche Bund als militärische Allianz (1815-1866). In: Forces armées et systèmes d’Alliances (= Colloque International d’Histoire Militaire et d’Etudes de Défense Nationale), Montpellier 1981, S.313-331, hier S.314.
21) Vgl. Helmut Seier: Der Oberbefehl im Bundesheer. Zur Entstehung der deutschen Bundeskriegsverfassung 1817-1822. In: Militärgeschichtliche Mitteilungen 21 (1977), S.7-33 sowie den Abschnitt VI: Oberfeldherr mit den § 45-66 der Kriegsverfassung des Deutschen Bundes.
22) Vgl. Eberhard Birk: Die „Völkerschlacht“ bei Leipzig vom 16.-19. Oktober 1813. Betrachtungen zu Problemen der Koalitionskriegführung und anderen „Friktionen“. In: ÖMZ 51 (2013) 6, S.689-693 sowie die Beiträge von ders./Rufin Mellentin: Vom Rheinübergang nach Paris: Der Winterfeldzug des Jahres 1814 (S.227-237) und Sven Lange: Waterloo 1815: Ikone einer Schlacht (S.238-247). In: Eberhard Birk/Thorsten Loch/Peter Popp (Hrsg.), Wie Napoleon nach Waterloo kam. Eine kleine Geschichte der Befreiungskriege 1813 bis 1815, Freiburg 2015.
23) Vgl. Petter, Der Deutsche Bund als militärische Allianz, S.325.
24) Vgl. zum Zusammenhang Walter Schnabel: Die Kriegs- und Finanzverfassung des Deutschen Bundes, Marburg 1966 und Walther Peter Fuchs: Die deutschen Mittelstaaten und die Bundesreform 1853-1860 (= Historische Studien, H. 256), Berlin 1934.
25) Als Beispiel mag hier die Armee des Königreichs Württemberg dienen. Für Frieden und Krieg waren gemäß §1 der „Näheren Bestimmungen“ nach der Bundesmatrikel insgesamt 21.000 Mann zu stellen. Tatsächlich wurden den meisten Soldaten nach Ableistung einer Art Grundausbildung nach Maßgabe der Kompaniechefs „unbestimmter Urlaub“ erteilt; mehr als 7.000 Soldaten - ein Drittel! - waren daher kaum je aktiv im Dienst; vgl. (Oberstleutnant a.D.) Müller-Loebnitz: Die württembergische Armee. In: Karl Linnebach (Hrsg.), Deutsches Heerwesen, 2. Aufl. Hamburg 1943 (1935), S.258-274, hier S.271.
26) Vgl. Keil, Bundesmilitärkommission, S.95-98.
27) Vgl. Dieter Langewiesche: Kulturelle Nationsbildung im Deutschland des 19. Jahrhunderts. In: Ders., Nation, Nationalismus, Nationalstaat in Deutschland und Europa, München 2000, S.82-102 und Harm-Hinrich Brandt: Deutsche Geschichte 1850-1870. Entscheidung über die Nation, Stuttgart 1999.
28) Vgl. Wolf D. Gruner: Die Würzburger Konferenzen der Mittelstaaten in den Jahren 1859-1861 und die Bestrebungen zur Reform des Deutschen Bundes. In: Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte 36 (1973), S.181-253.
29) Vgl. Gruner, Würzburger Konferenzen sowie mit größerem zeitlichen Rahmen Ulrich Hencke: Die Heeresverfassung des Deutschen Bundes und die Reformpläne in den Sechzigerjahren. Ein Beitrag zur Verfassungsgeschichte des 19. Jahrhunderts, Tübingen (jur. Diss.) 1955 (Masch.schr.).
30) Vgl. im Überblick Keul, Bundesmilitärkommission, S.139-182.
31) Vgl. insgesamt Andreas Kraus: Probleme der Abrüstung in Bayern von 1816 bis 1866. In: MGFA (Hrsg.), Einzelprobleme politischer und militärischer Führung (= Vorträge zur Militärgeschichte, Bd. 1), Herford 1981, S.32-52, hier S.34. Darüber hinaus ist es der historischen Redlichkeit geschuldet, nicht nur immer auf die erheblichen Schwierigkeiten der kleineren Bundesmitglieder bei der Bereitstellung ihres „Solls“ zu verweisen, selbst Österreich sah sich des Öfteren veranlasst, seine vorzuhaltenden Truppen anderenorts, wenn auch meist nur temporär, zu dislozieren; vgl. Wienhöfer, Militärwesen, S.103.
32) Vgl. hierzu Wolf D. Gruner: Der Deutsche Bund, die deutschen Verfassungsstaaten und die Rheinkrise von 1840. Überlegungen zur deutschen Dimension einer europäischen Krise. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 53 (1990), S.51-78.
33) Vgl. deren Abdruck in Angelow, Von Wien nach Königgrätz, S.309-322.
34) Keul, Bundesmilitärkommission, S.176.
35) Vgl. hierzu beispielhaft Rüdiger Ham: Bundesintervention und Verfassungsrevision. Der Deutsche Bund und die kurhessische Verfassungsfrage 1850/52, Darmstadt und Marburg 2004.
36) Vgl. etwa Sauer, Württembergisches Heer, S.106-145.
37) Vgl. David E. Barclay: Preußen und die Unionspolitik 1849/1850. In: Gunther Mai (Hrsg.), Die Erfurter Union und das Erfurter Unionsparlament 1850, Köln u.a. 2000, S.53-80.
38) Vgl. Sauer, Württembergisches Heer, S.164.
39) Vgl. Martin Prieschl: Der Weg nach Solferino - Die politischen Ursachen von 1859. In: ÖMZ 2/2010, S.189-207.
40) Vgl. Hencke, Heeresverfassung, S.98.
41) Vgl. Richard Brooks: Solferino 1859. The Battle for Italy’s Freedom, Oxford 2009.
42) Vgl. Johann-Christoph Allmayer-Beck: Politik und Kriegführung am Vorabend des Feldzuges von 1859. In: Einzelprobleme politischer und militärischer Führung, S.53-67.
43) Zit. nach Keul, Bundesmilitärkommission, S.181.
44) Vgl. generell Heinz Helmert: Militärsystem und Streitkräfte im Deutschen Bund am Vorabend des preußisch-österreichischen Krieges von 1866 (= Militärhistorische Studien 7 [Neue Folge]), Berlin (Ost) 1964.
45) Vgl. Dieter Storz: Modernes Infanteriegewehr und taktische Reform in Deutschland in der Mitte des 19. Jahrhunderts. In: Michael Epkenhans und Gerhard P. Groß (Hrsg.), Das Militär und der Aufbruch in die Moderne. Armeen, Marinen und der Wandel von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft in Europa, den USA sowie Japan (= Beiträge zur Militärgeschichte, Bd. 60), München 2003, S.209-230, hier 211f. sowie Rolf Wirtgen: Das Zündnadelgewehr. Eine militärtechnische Revolution im 19. Jahrhundert, Herford 1991.
46) Dies gilt insbesondere für den preußischen Feldzug von 1866, vgl. dazu statt vieler bereits Dennis Showalter: The Influence of Railroads on Prussian Planning for the Seven Weeks‘ War. In: Military Affairs 38 (1974) 2, S.62-67 sowie Burkhard Köster: Militär und Eisenbahn in der Habsburgermonarchie 1825-1859, München 1999 (= Militärgeschichtliche Studien, Bd. 37) und Klaus-Jürgen Bremm: Von der Chaussee zur Schiene. Militärstrategie und Eisenbahnen in Preußen von 1833 bis zum Feldzug von 1866, München 2005 (= Militärgeschichtliche Studien, Bd. 40).
47) Vgl. zusammenfassend Bernd Jürgen Wendt: Einführende Bemerkungen (III. Militär und technologischer Wandel). In: Epkenhans/Groß (Hrsg.), Militär und der Aufbruch, S.201-207.
48) Vgl. Karl von Elgger: Die Kriegsfeuerwaffen der Gegenwart. Ihr Entstehen und ihr Einfluß auf die Taktik der Infanterie, Artillerie und Reiterei, Leipzig 1868.
49) Vgl. Stephan Leistenschneider: Auftragstaktik im preußisch-deutschen Heer 1871 bis 1914, Hamburg u.a. 2002, S.40-55.
50) Vgl. Joachim Hoffmann: Wandlungen im Kriegsbild der preußischen Armee zur Zeit der nationalen Einigungskriege. In: Militärgeschichtliche Mitteilungen 3 (1968) 1, S.5-33.
51) Vgl. Wolfgang von Groote/Ursula von Gersdorff (Hrsg.), Entscheidung 1866. Der Krieg zwischen Österreich und Preußen, Stuttgart 1966 und zuletzt Ulrich Schlie: Das Duell. Der Kampf zwischen Habsburg und Preußen um Deutschland, Berlin 2013.
52) Zit. nach Theo Schwarzmüller: Otto von Bismarck, München 1998, S.46.
53) Vgl. Jan Ganschow/Olaf Haselhorst/Maik Ohnezeit: Der Deutsch-Dänische Krieg 1864. Vorgeschichte - Verlauf - Folgen, Graz 2013 und Winfried Vogel: Entscheidung 1864, das Gefecht bei Düppel im Deutsch-Dänischen Krieg und seine Bedeutung für die Lösung der deutschen Frage, Bonn 1996.
54) Helmuth von Moltke: Geschichte des deutsch-französischen Krieges von 1870-71 nebst einem Aufsatz „über den angeblichen Kriegsrath in den Kriegen König Wilhelms I.“, Berlin 1891 (= Gesammelte Schriften und Denkwürdigkeiten des General-Feldmarschalls Grafen Helmuth von Moltke, Band 3), hier S.426.
55) Vgl. Trevor N. Dupuy: Der Genius des Krieges. Das deutsche Heer und der Generalstab 1807-1945, 2. Aufl. Graz 2011, S.115.
56) Der Feldzug von 1866 in Deutschland. Hrsg. v. Kriegsgeschichtliche Abteilung des großen Generalstabes, Berlin 1867, S.566.
57) Vgl. Keul, Bundesmilitärkommission, S.210.
58) Vgl. Keul, Bundesmilitärkommission, S.213f.
59) Vgl. Thorsten Loch/Lars Zacharias: Königgrätz 1866. Die Operationen zwischen dem 22. Juni und 3. Juli 1866. In: ÖMZ 48 (2010) 6, S.707-715 und dies.: Betrachtungen zur Operationsgeschichte einer Schlacht. In: ÖMZ 49 (2011) 4, S.436-444 sowie Eberhard Birk: Moltke und Königgrätz. Im Spannungsfeld von Militärischer Revolution und Revolution in Military Affairs (RMA). In: ÖMZ 48 (2010) 5, S.608-616.
60) Vgl. Eugen von Frauenholz: Die Heerführung des Feldmarschalls Prinz Carl von Bayern im Feldzug von 1866, München 1925
61) Vgl. hierzu dessen Schilderungen über den Feldzug, Alexander von Hessen-Darmstadt: Feldzugs-Journal des Oberbefehlshabers des 8ten Bundes-Armee-Corps im Feldzuge des Jahres 1866 in Westdeutschland, Darmstadt/Leipzig 1867.
62) Vgl. Gruner, Bayerisches Heer, S.249.
63) Vgl. Frauenholz, Heerführung, S.47.
64) Vgl. nun Eberhard Birk, „Auf Euch ruht das Heil meines theuern Württemberg!“ Das Gefecht bei Tauberbischofsheim am 24. Juli 1866 im Spiegel der württembergischen Heeresgeschichte des 19. Jahrhunderts, Berlin 2016.
65) Colmar Freiherr von der Goltz: Kriegsgeschichte Deutschlands im Neunzehnten Jahrhundert, Bd. 2, Berlin 1914, S.13.