Der hybride Krieg - eine neue Qualität komplexer Kriegführung und multinationaler Bedrohung? Eine Einschätzung der russischen Sicht.

 

In der veröffentlichten Meinung wird suggeriert, dass der Kreml mit der Annexion der Krim, den Kampfhandlungen in der Ostukraine1) und dem Einsatz der russischen Streitkräfte in Syrien eine wohl überlegte Strategie verfolgt, die im Westen, in der EU und in der NATO unter der Kategorie als „hybrider Krieg“ postuliert wird. Offenbar gibt es über die „hybride Kriegführung“ unter Analysten recht unterschiedliche Auffassungen. Doch was ist eigentlich ein „hybrider Krieg“? Was versteht die russische Streitkräfteführung darunter und wie soll das Konzept umgesetzt werden? Die nachfolgende Darstellung versucht, die russische Sichtweise dazu aufzuzeigen.

Siegfried Lautsch

 

Der Versuch einer Begriffsbestimmung

Die Wortschöpfung hybride Kriegführung geht auf den US-amerikanischen Analysten und Politikwissenschaftler Frank G. Hoffman zurück, der am United States Marine Corps Warfighting Laboratory (MCWL) 2005 in Quantico, Virginia, in einem Konzept diesen Begriff als Kombination von konventionellen und irregulären Kampfweisen in Verbindung mit terroristischen Aktionen und kriminellem Verhalten definierte.2) Nach allem, was wir heute wissen, ist diese Begriffsbestimmung erweiterungsfähig.


Abbildung 1: Besondere Merkmale des hybriden Kriegs.

Erstens: Sie ist eine neue Qualität komplexer Kriegführung und multinationaler Bedrohung. Insbesondere versuchen damit einzelne Staaten aber auch Interessengruppen, ihre Ziele unterhalb der völkerrechtlichen Schwelle eines konventionellen Krieges zu erreichen.3)

Zweitens: Sie ist eine synergetische Anwendung offener und verdeckter, regulärer und irregulärer, symmetrischer und asymmetrischer, militärischer und nichtmilitärischer Gewaltmittel, durch möglichst geringem Einsatz eigener Kräfte und Mittel und bei geringsten eigenen Verlusten bestimmte Interessen durchzusetzen bzw. den „Sieg“4) über den Gegner zu erringen.

Drittens: Sie ist eine von den bisherigen Regeln der Kriegskunst abweichende vielschichtige Kampfweise unterschiedlicher Akteure, die mit unbelehrbaren Eifer versuchen, territoriale, ethnische und religiöse Konflikte vor allem durch terroristische Aktionen und mit kriminellem Verhalten zu lösen. Die Kampfhandlungen werden als „War amongst the people“, als Krieg mitten unter den Menschen geführt.

Viertens: Die hybride Kriegführung wird zukünftig durch Anwendung des Cyberwar und anderer Methoden moderner Kampfhandlungen erweitert werden. Die kriegerische Auseinandersetzung im virtuellen Raum durch Staaten und durch nichtstaatliche Akteure machen einen Paradigmenwechsel in der (Militär-)Strategie sichtbar, nämlich weg von der „kontaktnahen“ Vernichtung des Gegners hin zur strategischen, möglicherweise präventiven Lähmung der Machtpotenziale des Gegners oder einer Zivilgesellschaft.5)

Diese Aufzählung ist keineswegs vollständig. Sie schafft durch ihre Vielfalt mehr Unbestimmtheit als Klarheit. Außerdem wird die Grenze zwischen politischem und militärischem Handeln verwischt. Und wie mir scheint, verbindet der Westen damit eher eine illegitime Kriegführung, die er vor allem Russland unterstellt.

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg verwendete am 25. März 2015 auf einem NATO-Seminar diesen Begriff in einem Atemzug mit Russland und erklärte unter anderem, dass die NATO bereit sein muss, sich mit jedem Aspekt dieser neuen Wirklichkeit zu befassen, sie muss sich darauf vorbereiten, abschrecken und sich nötigenfalls gegen den hybriden Krieg verteidigen.6)

Allein seit dem letzten Jahrzehnt des Ost-West-Konflikts führten die USA, durchaus mit Billigung von NATO-Partnern, äußerst ernstzunehmende Interventionen durch. In diesen Kriegen und Militäraktionen, wie Libyen (1981-89), Panama (1989), Irak (1990er Jahre und ab 2003), Afghanistan (1979-92), El Salvador (1980-92), Haiti (1987-94), Jugoslawien, 19997) etc., kamen konventionelle und irreguläre Kampfweisen, in Verbindung mit verdecktem Einsatz von Geheimdiensten und Spezialkräften zum Einsatz. Die Aktivitäten der USA und anderer NATO-Staaten im Rahmen ihrer Demokratie-Förderprogramme zur Unterstützung der so genannten „bunten Revolutionen“ in Georgien, in der Ukraine und Kirgistan, im so genannten „arabischen Frühling“ in Tunesien und Ägypten werden aus russischer Sicht auf die selbe Ebene gestellt, wie der Sturz Gaddafis in Libyen und der Bürgerkrieg in Syrien.

Gab es nach Ansicht der sowjetischen bzw. russischen Kriegskunst bisher verschiedene Arten von Kriegen, so wurden sie nach den eingesetzten technischen Kampfmitteln charakterisiert. Bisher unterschied die russische Militärtheorie zwischen dem konventionellen Krieg und dem Kernwaffenkrieg. Diese Kriegsarten wurden wiederum in chemische und bakteriologische Kriege unterteilt.

Nunmehr ist eine neue Dimension der Kriegführung,8) neben der Land-, Luft-, See- und Kosmischen Kriegführung hinzugekommen, namentlich der Cyberkrieg, der sich auf eine weitgehende Computerisierung und Vernetzung militärischer sowie ziviler Bereiche stützt. Insofern ist die Subsumierung unter den Begriff hybride Kriegführung Ausdruck eines veränderten Kriegsbildes. Die Kriegführung kann sich einerseits auf die Zerschlagung gegnerischer Streitkräfte richten, anderseits auf die Destabilisierung staatlicher Strukturen und gesellschaftlicher Institutionen. Sie ist eine Verbindung von verdeckten und offenen Kampfhandlungen, von diplomatischem Druck und wirtschaftlichem Zwang, von Desinformationen und von Cyberattacken. Dabei handelt es sich in der Regel um das Zusammenwirken von militärischen und zivilen Mitteln, teilweise auch um die Verschleierung eines Krieges in einem „Nichtkrieg“.

Der neuerliche Begriff ist in seinen grundsätzlichen Merkmalen allerdings Teil relativ alter Kampfmethoden. Schon die Römer schürten seit dem 4. Jh. v. Chr. in den Kriegen gegen Karthago9) innere Aufstände. Prinzipiell ist die hybride Kriegführung unter den oben genannten Aspekten eine uralte Geschichte. Der Einsatz von Cyberwaffen und anderer moderner Kampfmittel ist allerdings neu.10)

Der chinesische General, Militärstratege und Philosoph Sūnzǐ (Sun Tsu), Autor des Werkes „Die Kunst des Krieges", prägte rund 500 Jahre v. Chr. in seinen taktischen Erwägungen den bemerkenswerten Satz: „In allen Schlachten zu kämpfen und zu siegen, ist nicht die größte Leistung. Sondern sie besteht darin, den Widerstand des Feindes ohne einen Kampf zu brechen“.11)

Auch im Feldzug Napoleons gegen Russland 1812 wurde die, noch bis Anfang des 21. Jahrhunderts benannte asymmetrische Kriegführung, von Carl von Clausewitz beobachtet. Beim Rückzug der Grande Armée verfolgten die Kosaken die geschwächten Truppe und metzelten sie nieder.12) Der rohe und grausame asymmetrische Kampf gehörte nicht nur zur Kampfweise der Kosaken, sondern auch zu der der Husaren, Panduren und Jäger in anderen Kriegsgebieten.

Ebenso befasste sich der gebürtige Schweizer General und Militärstratege, General Antoine Henri Jomini, der an der Seite Kaiser Napoleons und später unter dreier Zaren Karriere machte, mit der Rolle der systematischen Vorbereitung eines Feldzuges und mit den Ebenen der politischen Entscheidung, der Klassifizierung von Kriegstypen, unter anderem der Guerilla,13) der Logistik und der Kartographie.14)

Wie schon die alten Römer oder Napoleon sowie heute die Amerikaner und die Westeuropäer haben auch die Russen eine beachtenswerte Tradition in der nichtlinearen bzw. hybriden Kriegführung.

Abbildung: 2 Lineare, asymmetrische, hybride Kriegführung.

Dazu gehören Partisanenbewegungen, vor allem im Polnisch-Sowjetischen Krieg15) von 1919 bis 1921, außerdem der Einsatz Freiwilliger in den 1930er-Jahren in Spanien, im 2. Weltkrieg gegen die deutsche Wehrmacht, dann in Nordchina gegen die japanische Kwangtungarmee und gegen die nationalistischen Bewegungen im Baltikum.

Bei den Einsätzen im 2. Weltkrieg sprengten Sonderabteilungen eine Vielzahl Wehrmachtszüge und vernichteten in unzähligen Diversionsakten gegnerische Kräfte. Vordringlich war bei den Partisanenkämpfen, die eigenen Verluste so gering wie möglich zu halten.

Die Sonderabteilungen sammelten reiche Erfahrungen im Partisanenkampf und in der illegalen Tätigkeit. Sie werden heute in Russland erneut analysiert, was nicht nur in historischer Sicht, sondern auch in militärischer Hinsicht von Bedeutung ist, da praktische Erfahrungen durch keinerlei Theorien zu ersetzen sind.

Seine Erfahrungen und Erkenntnisse schrieb ein ehemaliger Kommandeur von Partisanenabteilungen, Stanislaw A. Waupschassow, in einem bemerkenswerten Buch nieder. Es wurde 1974 in Moskau mit dem Titel „На тревожных перекрёстках“ publiziert, zu Deutsch „Auf beunruhigten Kreuzungen“.16) Hier finden sich auch einige grundlegende Aktivitäten der so genannten hybriden Kriegführung wieder.


Abbildung 3: Grundsätze sowjetischer Partisaneneinheiten als Inspiration für hybride Kriegführung (Stanislaw A. Waupschassow).

Sonderabteilungen agierten bereits seit den 1920er Jahren in einer Kampfart, die bisher als asymmetrische Kriegführung oder nach neuerlicher westlicher Wortschöpfung als hybride Kriegführung eingeordnet werden könnte. Aber bereits hier ist militärisch nicht zu erkennen, dass es sich bei diesen nichtlinearen Taktiken um Terrorismus und kriminelle Akte handelt, weil es sich aus russischer Sicht um einenlegitimen Untergrund- oder Widerstandskampf, beispielsweise gegen die deutschen Okkupanten handelte. Durch die kämpfenden Seiten werden beständig die Stärken und Schwächen, die Vor- und Nachteile ausgewogen. Bei der asymmetrischen Kriegführung sucht die vermeintlich schwächere Seite ihre Chance, sonst hätte sie sich gleich dem Stärkeren ergeben können. Bei der hybriden Kriegführung ist das prinzipiell nicht anders. Zudem werden der unerschütterliche Kampfeswille und die Siegeszuversicht des Schwächeren allgegenwärtig.17) Bei der hybriden Kriegführung handelt es sich darüber hinaus um einen, wie zuvor veranschaulicht, Mix aus konventionellen Waffen, irregulären Taktiken, Terrorismus und kriminellen Handlungen zur gleichen Zeit und im gleichen Operationsgebiet, um politische Ziele zu erringen.

Nach westlicher Lesart kann man den Eindruck gewinnen, dass alles, was der „Moskauer Kreml“ macht oder nicht macht inzwischen Bestandteil eines „hybriden Krieges“ ist. Trifft das nun auf das Verhalten Russlands im vergangenen Jahrzehnt zu? Nicht unbedingt. Die Grenzen zwischen Politik und Krieg, zwischen Frieden und Krieg werden verwischt. Wenn die NATO das russische (Regierungs-)Handeln in bestimmten Krisengebieten als hybriden Krieg interpretiert, dann befände sich der Westen mit Russland bereits im Kriegszustand, wenn auch in einem noch nicht erklärten. „Hybrider Krieg“ ist eine Metapher der politisch konfliktiven Auseinandersetzung mit Russland, so wie man bis 1991 metapherhaft vom „Kalten Krieg“ sprach.

Gleichwohl Russland in seiner Militärdoktrin nicht von hybrider, sondern von asymmetrischer Kriegführung spricht, wird der Begriff weitläufig als imperiale Ambition Russlands interpretiert. Verständlicherweise haben russische Militärs Probleme mit einer derartigen pauschalen „Gesamtsicht“ und mit dem Fingerzeig auf Russland. Vor allem, weil die Bezeichnung „hybrider Krieg“ Elemente der traditionellen und wie hinreichend beschriebenen, nicht-militärischen Methoden der Kriegführung einschließen. Dazu gehört beispielsweise auch die saubere Differenzierung zwischen militärischen und geheimdienstlichen Handlungen nach außen und die politische Auseinandersetzung im Rahmen des russischen Rechtsverständnisses nach innen. Wobei das Konzept des „hybriden Krieges“ diese grundsätzlichen Trennlinien verwischt.

Aus russischer militärischer Sicht geht es in Strategie, Operativen Kunst und Taktik immer darum, wirksame Mittel der Gewalt anzuwenden, um den Gegner zu bezwingen. Das setzt voraus, dass der Kampf effizient und rational geplant und durchgeführt werden muss. Das Wesen der hybriden Kriegführung besteht eben auch darin, dem Gegner mit allen Mitteln zuvorzukommen, wobei nicht selten vertrags- und gewohnheitsrechtlichen Normen des Völkerrechts verletzt werden.18) Beim hybriden Krieg existieren im klassischen Sinne keine „Kriegsparteien“, sie unterscheiden sich sowohl in den militärischen, waffentechnischen und organisatorischen Mitteln, aber auch in der Art und Weise, wie sie den „Sieg“ erringen wollen.

Zur Position der Streitkräfteführung der Russischen Föderation

Walerij Gerassimow, Armeegeneral und Chef des Generalstabes der Streitkräfte der Russischen Föderation, hielt bereits am 27. Januar 2013 eine programmatische Rede zum Thema: „Haupttendenzen der Entwicklung von Formen und Methoden des Einsatzes der Streitkräfte, aktuelle Aufgaben zur Weiterentwicklung der Militärwissenschaft“,19) publiziert am 25. Februar 2013 in der Wochenzeitschrift „Militär-Industrieller Kurier“. Auf dieser Tagung der Akademie des Generalstabes der Russischen Föderation referierte er vor Vertretern der Regierung und der Führung der Streitkräfte der Russischen Föderation über neue Formen der Kriegführung. Der „Westen“ nahm dieses Referat erst wahr, nachdem Russland Anfang 2014 in Aktivitäten im Osten der Ukraine und auf der Krim involviert war.20)


Abbildung 4: Repräsentanten der obersten Streitkräfteführung der Russischen Föderation.

Der Chef des Generalstabes trug in seiner damaligen Lagebeurteilung vor, dass sich die Regeln des Krieges geändert hätten. Politische Ziele seien nicht mehr allein durch konventionelle Feuerkraft zu erreichen, sondern ebenso durch den „breit gestreuten Einsatz von Desinformationen, von politischen, ökonomischen, humanitären und anderen nichtmilitärischen Maßnahmen, die in Verbindung mit dem Protestpotenzial der Bevölkerung zum Einsatz kommen würden.“ Zudem plädierte er dafür, dass Russland sich Methoden von Guerillakämpfern aneignen sollte, weil militärische Maßnahmen einen „verdeckten Charakter“ annehmen könnten. Auf der Vollversammlung der „Akademie der Militärwissenschaften“21) verwies Gerassimow auf die Mannigfaltigkeit und auf die Fülle der zukünftigen Aufgaben für die russische Armee, die sowohl von den Streitkräften als auch von anderen gesellschaftlichen Institutionen gemeinsam zu lösen wären, zum Beispiel im Zusammenwirken mit der Nationalgarde, den Truppen des Innenministeriums und der territorialen Verteidigung sowie den Grenztruppen und anderen bewaffneten Organen. Zudem erläuterte der Chef des Generalstabes Tendenzen, Formen und Methoden des Einsatzes der Streitkräfte sowie aktuelle Aufgaben zur Weiterentwicklung der Militärwissenschaft. Aus dieser Rede konnte der Eindruck gewonnen werden, dass es mehr Fragen gäbe als wissenschaftliche Untersuchungen zur Beantwortung der dringenden Herausforderungen zum künftigen Einsatz der russischen Streitkräfte in der Krise und im Krieg. Die Rede widerspiegelte insgesamt die Einschätzung des Chefs der höchsten russischen militärischen „Denkfabrik“ über die realen Kriege der Gegenwart und die Kriegskunst der Zukunft mit der Forderung an die Militärwissenschaft zu begründeten Empfehlungen für die Nutzung verschiedenartiger amtlicher Kräfte und Mittel bei der Durchführung von Aufgaben der Landesverteidigung, den Arten des Kampfes mit terroristischen und Diversionskräften des Gegners unter modernen Bedingungen.


Abbildung 5: Tendenzen der Kriegführung im 21. Jahrhundert nach Armeegeneral W. Gerassimow (Военнопромышленный курьер, No 8).

Bezüglich neuer Formen der Kriegführung kam Gerassimow zu folgendem Schluss: „Im 21. Jahrhundert wird die Tendenz sichtbar, dass sich der Zustand zwischen Krieg und Frieden verwischt. Kriege werden nicht mehr erklärt aber begonnen und sie verlaufen auch nicht nach den uns bekannten Klischees. Die Erfahrungen aus militärischen Konflikten, einschließlich der damit verbundenen so genannten farbigen Revolutionen in Nordafrika und im Nahen Osten bestätigen, dass ein durchaus intakter Staat in wenigen Monaten oder auch nur in wenigen Tagen in die Arena eines erbitterteren militärischen Kampfes geraten kann. Staaten können Opfer einer ausländischen Intervention werden und im Chaos, einer humanitären Katastrophe und eines Bürgerkrieges untergehen. (...) Selbst ‚die Regeln des Krieges‘ haben sich verändert. Die Bedeutung der nichtmilitärischen Mittel zum Erreichen politischer und strategischer Ziele ist gewachsen, die in ihrer Effektivität in einer Vielzahl von Fällen, die Wirkung von Waffen bedeutend übertroffen haben“.22)

Der russische Generalstabschef betonte, dass sich der Schwerpunkt der im Konflikt verwendeten Methoden in Richtung einer breiten Anwendung von politischen, wirtschaftlichen und Informationsmaßnahmen sowie im humanitären und anderen nichtmilitärischen Ausmaß, unter Mitwirkung des Protestpotentials der Bevölkerung geändert habe. Dies alles würde durch verdeckte militärische Mittel ergänzt werden, einschließlich Aktionen des Informationskampfes (im Rahmen eines Cyber-Krieges) und von Sondereinsatzkräften.

Auf die Nutzung von militärischen und anderen Kräften, häufig unter dem Vorwand der Friedenssicherung und Krisenbearbeitung, würde erst zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückgegriffen werden, in erster Linie zum Erreichen des endgültigen Erfolgs im Konflikt.

Daraus ergeben sich nach Ansicht des Generalstabschefs für die russischen Streitkräfte folgende grundsätzliche Fragen: Welche Merkmale kennzeichnen den modernen Krieg? Worauf muss sich die Armee vorbereiten? Wie sollte sie ausgerüstet werden?

Erst nach Beantwortung dieser Fragen können die Richtlinien des Aufbaus und der Entwicklung der Streitkräfte langfristig eingeschätzt werden. Um dies zu tun ist es wichtig, ein klares Wissen über die Formen und Verfahren des Einsatzes der Streitkräfte zu besitzen“.23) Die Rolle mobiler und gemischter Truppen und Kräfte wird wegen der Nutzung neuer Möglichkeiten der Führungs- und Ausklärungssysteme im Informationsraum weiter erhöht werden. Deshalb wird es auch notwendig sein, zusammen mit den traditionellen Kräften, wie Gerassimow sie bezeichnete, „nicht-standardmäßige Kräfte“ aufzubauen:

-        Militärische Aktionen werden dynamischer, aktiver und zerstörerischer wirksam. Außerdem ist die Informationsübertragung von Aufklärungs- und Führungsstellen zu den Einsatzkräften erheblich reduziert worden und bereits in Echtzeit möglich.

-        Frontale Kampfhandlungen großer Formationen, vor allem von Kräften der strategischen und operativen Ebene, werden eher der Vergangenheit angehören. Der Kampf „ohne unmittelbare Berührung“ mit dem Gegner, mit anderen Worten, der „Krieg auf Distanz“ wird in den Vordergrund rücken.

-        Operative Ziele werden durch starke Schläge in die gesamte Tiefe der Operation, durch globale Einwirkung im Informationsraum, durch ständige Bekämpfung der gegnerischen Gefechtsordnung mit Feuer, umfangreichen Manövern mit Kräften und Mitteln zu Lande, aus der Luft, von See her und aus dem Kosmos durchgeführte werden. Dabei werden sich die Anstrengungen zur Bekämpfung des Gegners kontinuierlich verstärken und die gesamte Tiefe seines Territoriums einnehmen.

-        Die Unterschiede zwischen der strategischen, operativen und taktische Ebene sowie zwischen offensiven und defensiven Operationen verwischen sich. Die Anwendung weitreichender hochpräziser Waffen wird ausschlaggebend werden. Zudem werden Waffen, die auf neuartige physikalischer Prinzipien basieren und automatisierte Aufklärungs- und Feuerkomplexe24) vorrangig Anwendung finden. Es werden vielfach asymmetrische Aktionen zum Einsatz kommen, so dass die vermeintlichen Vor- und Nachteile des Gegners im bewaffneten Konflikt schnell wieder kompensiert werden können.25)


Abbildung 6: Nationales Führungszentrum in Moskau.

Abbildung 7: Automatisiertes Führungssystem "ANDROMEDA".

Gemäß Erlass des russischen Präsidenten vom 25. Dezember 2014, erachtet die Russische Föderation (RF) es für legitim, ihre Streitkräfte zur Abwehr einer Aggression gegen Russland und seine Verbündeten (...) sowie zum Schutz ihrer sich außerhalb der RF aufhaltenden Staatsbürger vor bewaffneten Überfällen einzusetzen.26)

Weil die Szenarien hybrider Kriegführung sehr verschieden sein können, sind beidseitig notwendige Abwehrstrategien zu entwickeln. Außerdem prägt das Informationszeitalter eine weitere Besonderheit, gerade weil in der digitalisierten Welt, durch die ständige Beobachtung militärischer Aktivitäten, die hybride Kriegführung zu eskalieren droht.27) Der russische Generalstabschef erklärte dazu - ohne diesen Begriff zu verwenden -, dass es notwendig sei, einen wissenschaftlich-methodischen Apparat zur Vorbereitung der Entschlussfassung für den Einsatz verschiedenartiger Gruppierungen von Truppen zu besitzen. Dazu müsse die Akademie der Militärwissenschaft die integralen Möglichkeiten28) erforschen, um das Potential aller in den bewaffneten Kampf zu integrierenden Truppen zu erfassen. Nach seiner Auffassung bestünde das Problem darin, dass die bisherigen Modelle zur Führung von Operationen und Kampfhandlungen das gegenwärtig nicht zuließen. Die Veränderungen des Charakters militärischer Konflikte, der Entwicklung der Mittel des bewaffneten Kampfes und Methoden ihrer Anwendung, bedingen neue Formen und eine neue Qualität der Systeme sowie ihrer allseitigen Sicherstellung (Logistik).27 Der Anspruch an die Truppenführung erfordert eine weitere Automatisierung, die sich auf intelligente Maschinen stützt, die lernen, Vorschläge und Entscheidungen vorzubereiten, um die Entschlussfassung und den Waffeneinsatz zu optimieren.


Abbildung 8: Konzept der vernetzten Operationsführung.

Für zukünftige Kampfhandlungen sind hohes Tempo, krasse Lageveränderungen und schnelle Veränderungen im Kräfteverhältnis kennzeichnend. Das bedeutet, rechtzeitiges, schnelles und richtiges Reagieren sowie permanente Einflussnahme der Truppenführer auf die Vorbereitung und den Verlauf des Gefechts zu gewährleisten. Zur Durchsetzung einer ununterbrochenen Truppenführung ist es darüber hinaus notwendig, die „Operativität der Truppenführung“29) zu erhöhen, die zukünftig, wie oben dargestellt, nur durch automatisierte Führungssysteme zu verwirklichen sein wird.

Armeegeneral Gerassimow beendete seinen Vortrag mit einer auffallenden These: „Über welche Stärke der Gegner verfügen mag, wie seine Kräfte und Mittel für den bewaffneten Kampf ausgerüstet, die Formen und die Art ihrer Anwendung auch sein mögen, wir werden bei ihm eine verwundbare Stelle finden, das heißt, dass es immer eine Möglichkeit der adäquaten Gegenwirkung gibt“.30) Er fügte allerdings hinzu, dass, bevor die Absicht besteht, historische, geopolitische, ethnologische, ökonomische, religiöse und andere Konflikte durch militärische Gewalt zu lösen, zunächst alle Mittel der Kriegsverhinderung auszuschöpfen sind. Freilich müssen sie sich an der Moral und an den Realitäten orientieren. Das bedarf immenser politischer Verantwortung und strategischer Geduld. Die Erklärungen des Generalstabschefs weisen einerseits auf die Bereitschaft hin, gemeinsam Kräfte zu bündeln, um die realen Gefahren, die nicht erdacht sind, zu bekämpfen, anderseits zeigten sie auch, wie ernst und zuverlässig die Verteidigung der RF und ihrer Partner zu gewährleisten ist.

Erweiterte Vorstellungen der russischen Militärwissenschaft

Eine verantwortliche Sicherheitspolitik ist nur gemeinsam und in Kooperation zu erreichen, mit den wesentlichen Zielen, Kriege zu verhindern, Menschrechte zu achten, Rüstungsbestände zu kontrollieren und diese kollektiv zu verringern. Den vorstehenden Ausführungen des Generalstabschefs folgend, befasst sich die Akademie der Militärwissenschaft in Moskau mit diesem immensen Fragenkomplex. Nachfolgende Überlegungen und Thesen sollen Einblick in das entsprechende russische militärische Denken geben. 

Dabei handelt es sich vor allem um Intentionen des Zusammenwirkens politischer, wirtschaftlicher und militärischer Institutionen. Weil die russischen Streitkräfte auch außerhalb der Russischen Föderation zum Einsatz kommen können, ist es notwendig, dass derartige Einsätze gesetzlicher Grundlagen bedürfen, die mit nationalen und internationalen Normen abgestimmt sein müssen. Hier sieht Gerassimow zukünftig ein besonderes Betätigungsfeld für den Generalstab. Derzeitig befinden sich die russischen Streitkräfte in der abschließenden Etappe der Schaffung eines Systems zur Luft- und Kosmischen Verteidigung. In diesem Zusammenhang soll es um die Formen und Methoden der Handlungen der Luft- und Kosmischen-Verteidigung, deren Entwicklung und insbesondere um Frage gehen, welche Kräfte und Mittel in einem militärischen Konflikt herangezogen werden sollen. Außerdem wird es notwendig sein, den Einsatz verschiedenartiger Truppen im In- und Ausland durch die beteiligten Ministerien, Ämter und Organisationen zur Lösung der Einsatzproblematik weiter zu erörtern. Von besonderer Wichtigkeit in modernen Konflikten ist der Schutz der Bevölkerung, von Objekten und Kommunikationseinrichtungen vor speziellen Operationen des Gegners. Die Lösung dieser Aufgabe soll in Russland zukünftig durch Truppen der territorialen Verteidigung gewährleitet werden.

Obwohl bereits 2009 in einer Ergänzung zum Föderationsgesetz „Über die Verteidigung“, der operative Einsatz von Streitkräften Russlands außerhalb seiner Grenzen erlaubt ist, sind die Formen und Methoden ihrer Handlungen noch nicht festgelegt worden. Außerdem sind Fragen ihrer Versorgung ebenso nicht entschieden. Dazu gehören das Prozedere der Überwindung von Staatsgrenzen, die Nutzung des Luftraums, der territorialen Gewässer und die Ordnung des Zusammenwirkens mit den Behörden des Zielstaates.

Aus russischer Sicht ist es zu simpel, das komplexe Phänomen der asymmetrischen Kriegführung nahtlos, wie in bisheriger Weise, seitens der NATO in hybride Kriegführung „umzutaufen“. Vor allem aber den Einsatz der russischen Streitkräfte in einem Atemzug mit Dschihadisten, islamischen Terrororganisationen und kriminellem Verhalten zu verbinden, wird als politisch und militärisch inakzeptabel perzipiert, zumal die russische Militärdoktrin eben nicht auf Massaker, Plünderung und Vergewaltigungen, Zerstörung von Kulturgütern oder auf den Einsatz von Selbstmordattentätern, sondern auf Rechtsgrundlagen der Verfassung der Russischen Föderation, auf anerkannten Prinzipien des Völkerrechts und auf internationalen Verträgen basiere.31) Dabei setzt die Strategie, Operation und Taktik der russischen Streitkräfte auf Effizienz und Rationalität. Entscheidend ist der militärische Erfolg, aber zugleich die Intention, „untragbare Kosten und Verluste“ auf beiden Seiten zu verhindern. Die Struktur, Bewaffnung und Ausrüstung der Streitkräfte, wie auch die Kriegführung haben sich verändert. Der Maßstab der „Duellsituation“ tritt in den Hintergrund, dafür treten, wie zuvor genannt, der „Krieg auf Distanz“ und Konflikte zwischen den Kulturen in den Vordergrund.

Konflikte von heute ereignen sich innerhalb der Staaten und weniger zwischen den Staaten, die häufig einen religiösen oder ethnischen Charakter besitzen und in denen es oft zu ungewöhnlichen Gewalttaten und Grausamkeiten kommt.

Nach militärischem Verständnis heißt Asymmetrie, vor allem anders zu denken und zu handeln als der potenzielle Gegner, in der Absicht, seine Schwächen zu erkennen und diese auszunutzen, um den eigenen militärischen Vorteil zu suchen. Der asymmetrische Kampf bedeutet den Zeitpunkt, die Mittel und die Ziele selbst zu wählen. Der Begriff vom „hybriden Krieg“ kombiniert unterschiedliche Konflikte, die sich dem bekannten binären Ordnungssystem von Krieg oder Frieden und dem Krieg zwischen zwei oder mehreren Staaten sowie dem Bürgerkrieg entzieht.

Dabei kommt es auf die Analyse der Gründe des Krieges an, auf die Struktur, Bewaffnung und Ausrüstung der beteiligten Kräfte, weil davon die eigentlichen militärischen Handlungsoptionen weitgehend abhängen. In einem ersten Schritt ist nach den allgemeinen struktur- und handlungstheoretischen Elementen32) des Krieges zu fragen. In einem zweiten Schritt ist zu untersuchen, welche grundlegenden Normen den Krieg prägen. Und in einem dritten Schritt ist zu untersuchen, wie der Krieg begrenzt und rasch beendet werden kann. Die Struktur des Krieges und die Anwendung der Methoden der Kriegführung hängen von den technischen Mitteln und den kulturellen Standards der Konfliktparteien ab. Auch Kriege sind einzugrenzen, deshalb müssen sie so schnell wie möglich beendet werden. Allerdings kann der Krieg in der Regel nur dann beendet werden, wenn die Ursachen analysiert und diese so weit als möglich beseitigt werden.

Nach Auffassung des Autors werden auch in der hybriden Kriegführung die grundlegenden Arten des Gefechts, des Angriffs und der Verteidigung angewendet, wobei die vermeintlich schwächere Seite sehr zielsicher an seine Siegeschancen glaubt. Terroristen wollen sich nicht ergeben und gehen daher besonders hohe Risiken ein. Dschihadisten und islamische Terrororganisationen werden sich wegen ihres enthemmten Terrors kaum der Vernunft fügen. Sie planen ihre Ziele und Objekte in und außerhalb der Mitte der Gesellschaft, wobei das Vertrauen des Gemeinwesens missbraucht wird. Mithin bedienen sich Terroristen Verbrechen, die bestraft werden müssen. Terrororganisationen haben keinerlei Unrechtsbewusstsein im soziologischen Sinn. Außerdem fühlen sie sich nicht als Mitglieder der Zivilgesellschaft, welche sie als Angehörige einer anderen Kultur, einer anderen gesellschaftliche Ordnung vehement bekämpfen. Das Dilemma der Zukunft ist, den Kampf zwischen den Kulturen einzuhegen.

Handelt es sich um kleinere Exzesse, sind sie mit polizeilichen Mitteln und gerichtlich durch das Strafrecht zu ahnden. Handelt es sich um einen offenen oder verdeckten Krieg innerhalb oder zwischen den Staaten, dann sollte allerdings das Völkerrecht gelten. Häufig können aber nur noch Antiterrormaßnahmen angewendet werden, das heißt, die vollständige Vernichtung des Gegners. Dabei geht es dann oft nicht mehr um Gerechtigkeit, sondern um die Verhinderung der Ungerechtigkeit und um die zwingende Beendigung des Konflikts.

(Wird durch einen erweiterten Beitrag fortgesetzt)



Anmerkungen:

1) Vgl. Schmid, Johann, Konfliktfeld Ukraine Hybride Schattenkriegführung und das „Center of Gravity“ der Entscheidung, in: Hans-Georg Ehrhard (Hrsg.), Krieg im 21. Jahrhundert, Baden-Baden 2017, S. 139-162.

2) Hoffman, Frank G., ehemaliger strategischer Planer und Konzeptentwickler am United States Marine Corps Warfighting Laboratory (MCWL), mit Standort in Quantico, in der Nähe Triangle (Virginia). Er diente als Research Fellow am Zentrum für zukünftige Bedrohungen und Fähigkeiten zur Abwehr, verantwortlich für die Einschätzungen zukünftiger Bedrohungen und der Reaktion auf sie. Hoffman ist Autor zahlreicher Marine Konzepte, u. a. über hybride Bedrohungen. Während dieser Zeit arbeitete er im Joint Forces Command mit britischen, australischen und israelischen Partnern zusammen und entwickelte Konzepte sowie Kriegsszenarien. Vgl. http://www.fpri.org/contributor/frank-hoffman/(abgerufen 08.10.2016).

3) Tamminga, Oliver, Hybride Kriegführung, Zur Einordnung einer aktuellen Erscheinungsform des Krieges, SWPAktuell 27.03.2015, https://www.swp-berlin.org/fileadmin/contents/products/aktuell/2015A27_tga.pdf.

Thomas Frankenfeld, Analyse „Hybride Kriegführung“ ist die neue Bedrohung, http://www.kas.de/wf/doc/kas_30476-544-1-30.pdf?120402104509. Roderich Kiesewetter, Wenn der Krieg hybrid wird, http://www.b-republik.de/aktuelle-ausgabe/wenn-der-krieg-hybrid-wird (abgerufen am 15.03.2016).

4) Die traditionelle Erklärung im Ost-West-Konflikt über den „Sieg“ im Gefecht, ist vor dem Hintergrund der Dimensionen der immensen Schäden und Verluste im Ergebnis eines modernen Krieges, entweder auf die Verblendung der Entscheidungsträger oder auf die bedingungslosen Forderungen an die Truppen bis zum letzten Atemzug zu kämpfen, zurückzuführen. Die strategische Denktradition zur Erringung des Sieges auf dem Schlachtfeld ist eher vereinbar mit einer politischen Denkweise, die die Politik als Existenzkampf gegenüber einer anderen Gesellschaftsordnung (Zivilgesellschaft) betrachtet. Das heißt der „Sieg“ ist vielmehr ein politisches Konstrukt, so etwas wird vor der Schlacht stilisiert, danach hat der Begriff seine Bedeutung verloren.

5) Vgl. Naumann, Klaus, Die NATO – Bündnis mit Zukunft oder quantité négligeable? In: Clausewitz-Gesellschaft, Jahrbuch 2009, Hamburg 2009, S. 40.

6) „Russia used proxy soldiers, unmarked Special Forces, intimidation and propaganda, all to lay a thick fog of confusion; to obscure its true purpose in Ukraine and to attempt deniability. So NATO must be ready to deal with every aspect of this new reality from where ever it comes. And that means we must look closely at how we prepare for, deter and if necessary defend against hybrid warfare”. Keynote speech by NATO Secretary General Jens Stoltenberg at the opening of the NATO Transformation Seminar, 25.05.2015, http://www.nato.int/cps/en/natohq/opinions_118435.htm(abgerufen am 06.11.2016).

7)Blum, William, US Interventionen von 1945 bis zur Gegenwart, ein kleiner Ausschnitt, http://www.miprox.de/USA_speziell/US-Interventionen.html(abgerufen am 10.12.2016).

8) Vgl. Kaestner, Roland, Möglichkeiten der militärischen Nutzung des Cyberraumes, in: Krieg im 21. Jahrhundert, Baden-Baden 2017, S. 311-345.

9) Rom dehnte seine Herrschaft seit dem 4. Jhd. v. Chr. bis an die Küste Süditaliens aus. Dies führte zum Konflikt mit Karthago, einer Handels- und Seemacht in Nordafrika. Im Ergebnis von drei Punischen Kriegen im Zeitraum von 264 v. Chr. - 146 v. Chr. stieg Rom allmählich zur vorherrschenden Großmacht auf.

10) Nass,Matthias, Das neue Gesicht des Krieges, DIE ZEIT, Nr. 1/2015 vom 12.03.2015.

11) Clavell, James, The Art of War, Norderstedt 1988, S. 20, https://books.google.de/books?id=JMz2aGyO9ooC&pg=PA20&lpg=PA20&dq=In+allen+Schlachten+zu+k%C3%A 4mpfen(abgerufen 07.10.2016).

12) Keegan, John, Die Kultur des Krieges, Hamburg 1997, S. 28ff. In Clausewitz‘ Bericht über den Feldzug in Russland, in v. Clausewitz, Hinterlassene Werke, 7. Band, Berlin 1835, S. 1-248.

13) Guerilla: Verkleinerungsform des spanischen Wortes guerra, „Krieg“. Es bedeutet so viel wie „Kleinkrieg“, der auch als Guerillakrieg oder Guerillakampf bezeichnet wird. Vgl. Kluge Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 2002. Helga Jung-Paarmann: Guerillakrieg in Lexikon der Politik, München, 2003. Duden online: Guerillakrieg, http://www.duden.de/rechtschreibung/Guerillakrieg(abgerufen am28.10.2016).

14) Schlegel, Johann U., Beiträge zur Politik und Militärphilosophie, General Antoine Henri Jomini - Schweizer Militärstratege von Weltrang und Jean-Jaques Langendorf, was können wir von Clausewitz und Jomini lernen. In: Clausewitz-Gesellschaft, Jahrbuch 2009, Hamburg 2009, S 183-188 und 189-196. Vgl. auch Michael Arnold (Hrsg.), Andrej N. Merzalow, Anna Merzalowa, Antoine Henri Jomini, der Begründer der wissenschaftlichen Militärtheorie. Eine Bewertung aus russischer Sicht, Zürich 2004.

15) Im Polnisch-Sowjetischen Krieg von 1919 bis 1921 (Советско-польская война) versuchte einerseits das wieder errichtete Polen, im Osten den historischen Grenzverlauf von 1772 wiederherzustellen und eine osteuropäische Konföderation unter polnischer Führung zu schaffen. Das sich im Bürgerkrieg befindende Sowjetrussland war bestrebt, seinen Einflussbereich in den Westen zu verschieben. In der Ukraine wurde Polen von nationalistischen Kräften unterstützt, die zuvor von den Bolschewiki von der Macht vertrieben worden waren, https://de.wikipedia.org/wiki/Polnisch-Sowjetischer_Krieg(abgerufen am18.09.2016).

16) Waupschassow, Stanislaw A., Die deutsche Ausgabe folgte in Moskau 1978 unter dem Titel „Vierzig Jahre in der sowjetischen Aufklärung“, vgl. dort S. 4-6.

17) Roellecke, Gerd, Krieg und Terror. Asymmetrischer Kampf von außen betrachtet. In: Clausewitz-Gesellschaft, Jahrbuch 2009, Hamburg 2009, S. 95.

18) Wichtige Gesetze und Gebräuche des Krieges sind verankert: Im III. und IV. Haager Abkommen Haager Landkriegsordnung (HLKO)) vom 18.10.1907; im Genfer Protokoll über das Verbot von erstickenden, giftigen und ähnlichen Gasen sowie bakteriologischen Mitteln im Krieg vom 17.07.1925; in den vier Genfer Abkommen: (...) I. zur Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken der Streitkräfte im Feld; II. (...) zur Verbesserung des Loses der Verwundeten, Kranken und Schiffsbrüchigen der Streitkräfte zur See; III. (...) über die Behandlung von Kriegsgefangenen und IV. (...) zum Schutz der Zivilpersonen in Kriegszeiten vom 12.08.1949.

19) „Военно-промышленный курьер“, No 8 (476), 27.02.-05.03.2013, http://vpk-news.ru/sites/default/files/pdf/VPK_08_476.pdf(abgerufen am 05.08.2016).

20) Vgl. Gutschker, Thomas, Putins Schlachtplan. Die Invasion der Ukraine ist seit Anfang 2013 geplant worden. Russland wollte von Guerillakämpfern lernen, erprobte neue Formen der Kriegführung. Und der Westen bekam davon nichts mit. FAZ.net 07.09.2014 (abgerufen 07.08.2016).Военно-промышленный курьер, No. 8 (476), 27.02.-05.03.2013,http://vpk-news.ru/sites/default/files/pdf/VPK_08_476.pdf(abgerufen am 05.08.2016) undhttps://de.wikipedia.org/wiki/Waleri_Wassiljewitsch_Gerassimow(abgerufen am 08.08.2016).

21) Die Militärakademie des Generalstabes der Streitkräfte der Russischen Föderation (Военная академия Генерального штаба Вооружённых Сил Российской Федерации) ist die höchste militärische Ausbildungsstätte Russlands. Die Akademie wurde 1936 in Moskau gegründet. Sie hat ihre Wurzeln in der 1832 gegründeten „Imperialen Militärakademie" (Императорская военная академия) in Sankt Petersburg und war seither eine Einrichtung zur Aus- und Fortbildung von Generalstabsoffizieren und Generalen. Heute ist sie eine Bildungseinrichtung, vor allem für die operative und strategische Führungsebene. Sie befasst sich zugleich mit der Erforschung und Weiterentwicklung der Militärwissenschaft. Die Militärakademie des Generalstabes trug vorher die Bezeichnung Frunse-Militärakademie. Der Name Woroschilow wurde der Akademie 1941 verliehen. Bis zur Auflösung der Warschauer Vertragsorganisation (WVO) erfolgte hier die Ausbildung von Offizieren aller Teilstreitkräfte der UdSSR und anderer Länder der WVO, die bereits eine Militärakademie absolviert hatten und für Spitzendienstposten sowie Verwendungen in den Streitkräften vorgesehen waren. Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Milit%C3%A4rakademie_des_Generalstabes_der_Russischen_Streitkr%C3%A4fte(abgerufen am 05.08.2016).

22) „Военно-промышленный курьер“, No. 8 (476), 27.02.-05.03.2013, http://vpk-news.ru/sites/default/files/pdf/VPK_08_476.pdf(abgerufen am 05.08.2016). Auch wenn Übersetzungen zum Vortrag von Armeegeneral Gerassimow angeboten werden, hat sich der Autor für eine eigene Übersetzung entschieden. Vgl. Übersetzung von Robert Coalson, Russian Military Doctrine article by General Valery Gerasimov, February 27, 2013, https://www.facebook.com/notes/robert-coalson/russian-military-doctrinearticle-by-general-valery-gerasimov/10152184862563597/ (abgerufen am 24.03.2013).

23) „Военно-промышленный курьер“, No 8 (476), 27.02.-05.03.2013, http://vpknews.ru/sites/default/files/pdf/VPK_08_476.pdf(abgerufen am 05.08.2016). Vgl. Gutschker, Thomas, Ukraine-Konflikt Putins Schlachtplan, Frankfurter Allgemein Zeitung, 07.09.2014. http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/putin-hat-invasion-der-ukraine-seit-2013-geplant-131(abgerufen am 04.08.2016).

24) Feuerunterstützung mir indirekten Wirkmitteln im Systemverbund Führung-Aufklärung-Wirkung- Unterstützung (F-A-W-U, das heißt u. a., Verbund von Führungs- und Waffensystemen, Auswahl der Munition bis zum Schutz der Plattform.

26) Militärdoktrin der Russischen Föderation, Erlass Nr. Pr-2976 vom 25.12.2014, Ziff. 22, 32. j).

27) Vgl. Nass Matthias,Das neue Gesicht des Krieges, DIE ZEIT Nr.11/2015, 12.03.2015. http://www.zeit.de/2015/11/nato-ukraine-krieg-russland/komplettansicht(abgerufen am 05.08.2016).

28) Der Begriff „integral“ verdeutlicht hier die Notwendigkeit des umfassenden Zusammenwirkens aller am Prozess beteiligten Kräfte und Mittel. „Военно-промышленный курьер“, No 8 (476), 27.02.-05.03.2013, http://vpknews.ru/sites/default/files/pdf/VPK_08_476.pdf(abgerufen am 05.08.2016), https://de.wikipedia.org/wiki/Waleri_Wassiljewitsch_Gerassimow(abgerufen am 08.08.2016).

29) Prinzip der Truppenführung. Der wesentliche Inhalt besteht in der ständigen Kenntnis der Lage und dem schnellen Reagieren auf ihre Veränderungen, in der rechtzeitigen Präzisierung des gefassten Entschlusses und der den Unterstellten gestellten Aufgaben, in der Fähigkeit der Kommandeure und Stäbe, zweckmäßigste Methoden der Arbeit anzuwenden und die Aufgaben in der Zeit zu erfüllen, die es gewährleistet, dem Gegner zuvorzukommen. Vgl. Siegfried Lautsch, Kriegsschauplatz Deutschland, Erkenntnisse und Erfahrungen eines NVA-Offiziers, Potsdam 2013, S. 202.  

30) „Военно-промышленный курьер“, No 8 (476), 27.02.-05.03.2013, http://vpknews.ru/sites/default/files/pdf/VPK_08_476.pdf(abgerufen am 05.08.2016). https://de.wikipedia.org/wiki/Waleri_Wassiljewitsch_Gerassimow(abgerufen am 08.08.2016).

31) Vgl. Militärdoktrin der Russischen Föderation, Erlass Nr. Pr-2976 vom 25.12.2014. Ziff. I.3.

32) Aus dieser Perspektive sind die Ursachen des Konflikts bzw. des Krieges zu eruieren, sie können religiös, ethnisch, ökonomisch, politisch, kulturell und anderer Art sein. Vgl. Herberg-Rothe, Andreas, Der Krieg, Geschichte und Gegenwart, Frankfurt/Main 2003, S. 90.