Die Arktis – Testfeld für eine neue, globale geopolitische Architektur unter besonderer Berücksichtigung von China

Von Jörg-Dietrich Nackmayr

  

Was die Arktis so interessant macht

Dieser Beitrag untersucht, was das Abschmelzen und mögliche Verschwinden des Eises in der Arktis innerhalb der kommenden Jahrzehnte für das geopolitische Gleichgewicht im Hohen Norden bedeuten wird und welche Konflikte daraus entstehen können.[1] Dabei wird der Schwerpunkt der Analyse auf China liegen. Bisher war Chinas Erscheinen in der Arktis von der Literatur nicht angemessen gewürdigt worden. Durch einen andauernden, mehrjährigen Aufenthalt in Island wurde der Autor auf eine Entwicklung aufmerksam, die bisher nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit lag. Es geht um die Frage, was das Auftauchen einer raumfremden Macht im Hohen Norden für Auswirkungen auf die dort bestehende geopolitische Architektur und die transtatlantischen „lines of communication“ haben kann. Diese Frage wurde zuerst in einem kurzen Aufsatz des „National Intelligence Fellow at the USA Council on Foreign Relations“, Paula Briscoe, im Februar 2013 aufgeworfen: „Greenland – China´s Foothold in Europe?“[2] Damit ist eine strategische Dimension angesprochen, die für die Zukunft der transatlantischen Geopolitik von zentraler Bedeutung sein wird. Ungeachtet dessen befassen sich die meisten Autoren bis heute vor allem mit dem aktuellen Konfliktpotenzial zwischen Russland und dem Westen.[3] Das Auftauchen Chinas und die damit verbundenen Auswirkungen auf dem arktischen Schachbrett bleiben erstaunlicher Weise unterbelichtet.

 

Die Geopolitik der Arktis

Geopolitik ist wieder auf der Agenda.[4] Sie befasst sich mit der Projektion von Macht in geographischen Räumen[5] und ist insbesondere in der bis heute fast unbewohnten aber geografisch günstig gelegenen und rohstoffreichen Arktis[6] eine geeignete, analytische Folie, um den Wettlauf zu verstehen, der die Welt verändern und prägen wird.[7]

Während der Südpol ein quasi unbewohnter Kontinent umgeben von einem Meer ist, taucht am Nordpol innerhalb weniger Jahrzehnte ein zumindest in den Sommermonaten schiffbarer Ozean aus dem Eis auf, umgeben von der eurasischen und nordamerikanischen Landmasse.[8] Russland kontrolliert geographisch mehr als 50% der Arktis und ist besonders abhängig von den erwarteten Entwicklungen.[9] Russland sieht sich selbst als DIE arktische Macht und leitet seine nationale Identität auch aus seiner geographischen Verwurzelung mit dem Hohen Norden ab.[10] Der größte Teil Russlands liegt nördlich des 50. Breitengrades, die USA enden am 49. Breitengrad. Der größte Teil der russischen Bevölkerung lebt selbst weiter nördlich als die Mehrheit der Kanadier, die überwiegend an der Grenze zu den USA siedeln. Im Norden Russlands wird der Zugang zum Meer durch das arktische Eis noch für den größten Teil des Jahres blockiert. Es verwundert also nicht, dass Russland die erwarteten Veränderungen im Weltklima besonders aufmerksam beobachtet, weil sich die Lebensbedingungen in der Arktis stärker verändern werden als in anderen Klimazonen.[11]

Geopolitisch beschrieben besteht ein Küste-Gegenküste Dilemma, mit Kalaallit Nunaat (Grönland), Island und der exklusiven Kontrolle über die arktischen Gewässer als Objekte politischer und wirtschaftlicher Begierde. Nicht nur deshalb, weil in und um Grönland erhebliche Rohstoffvorkommen liegen,[12] sondern auch, weil Grönland und Island nach weitreichender Autonomie streben und in naher Zukunft den geopolitischen Mitspielern möglicherweise als unabhängige Staaten gegenüber treten werden. Island hat mit den beendeten Verhandlungen zur Aufnahme in die Europäische Union einen Weg im europäischen Wirtschaftsraum und Schengen Vertrag gewählt, der eine maximale Ausnutzung der wirtschaftlichen Vorteile mit der minimalen Einflussnahme durch supranationale europäische Organisationen zu vereinen sucht. Die jetzt regierenden Politiker in Island legen sehr großen Wert auf einen möglichst großen Entscheidungsfreiraum und fördern eine Multivektorenpolitik, die gleich enge Beziehungen zu China und den USA, sowie zu Russland und Europa anstrebt. Sicherheitspolitisch ist Island zwar Mitglied der NATO und durch ein bilaterales Verteidigungsabkommen aus dem Jahr 1951 mit den USA verbunden[13], aber die Vorbehalte in der traditionell pazifistisch eingestellten Bevölkerung sind nach dem überraschenden Abzug der USA im Jahr 2006 aus dem Stützpunkt Keflavik nur vertagt. Sollte es einer nicht mehr von den Vorteilen einer transatlantischen Partnerschaft überzeugten Politikergeneration künftig einfallen, dieses Bündnis zu verlassen, hätte das globale Auswirkungen.[14] Wie real diese Frage in der Zukunft werden kann, könnte sich dann zeigen, wenn der ehemalige Bürgermeister von Reykjavik, Jon Gnarr, zum Staatspräsidenten gewählt werden würde. Es ist anzunehmen, dass er dann jene pazifistische Politik fortsetzt, die er schon als Bürgermeister der Hauptstadt zu einem Markenzeichen entfaltet hatte. Gnarr, von Beruf Komiker, verbannte die traditionell zum Hafenbild Reykjaviks gehörenden ausländischen Marineeinheiten in einen Hafen am Stadtrand, um seinem Leitbild eines waffenfreien und pazifistischen Island Nachdruck zu verleihen. Ausgenommen davon waren allerdings die Schiffe der isländischen Küstenwache und die regelmäßig in Reykjavik festmachenden Fregatten der Dänischen Marine, die in den Gewässern um Grönland patrouillieren. Gnarr, dem Umfragen gute Chancen einräumen, einmal Nachfolger des Amtsinhabers zu werden, könnte gemeinsam mit einer die jetzige konservative Regierung ablösenden Linksregierung darin bestärkt werden, die transatlantischen Verbindungen vielleicht sogar zu kappen. Das große, friedliebende China und das um Islands Wohl besorgte Russland finden sicher geeignete Argumente, die manche Kreise in Island nur zu gerne glauben wollen.

Diese Blauäugigkeit gegenüber den östlichen Großmächten scheint in Island eine gewisse Tradition zu haben. Bis heute hält sich hartnäckig das Gerücht, dass der langjährige Staatspräsident Grimsson dem russischen Botschafter nach den Verhandlungen über einen russischen Kredit am Beginn der isländischen Finanzkrise 2008 bereits den Flughafen Keflavik zur russischen Verfügung angeboten haben soll. Grimsson war auch dadurch aufgefallen, dass er anlässlich einer Veranstaltung zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Russland und Island, St. Petersburg als natürliche Hauptstadt der Arktis gewürdigt hatte.[15] Nicht nur US-amerikanische Kreise sind so alarmiert, dass im Jahr 2015 verschiedene Veranstaltungen und Maßnahmen zur Intensivierung der transatlantischen Beziehungen durchgeführt werden.[16] Eingeleitet wurde diese Neubewertung durch einen Artikel auf der Nachrichtenwebseite Breitbart aus dem Sommer 2014, nach dem Russland und China Island zu einer Geheimwaffe gegen die USA transformieren wollen.[17]

Diese Herausforderung wird auch in der erst im März 2015 vom Royal Danish Defence College übersetzten und auf deren offiziellen Webseite veröffentlichten Studie von Martin Breum „The Greenland Dilemma“[18] angesprochen. Aufgeschreckt durch die grönländische Regierung unter Aleqa Hammond, die sich die politische Unabhängigkeit von Dänemark innerhalb einer Generation zum Ziel setzte, bezieht das dänische Militär nun auch öffentlich Stellung, um dieser Entwicklung entgegenzutreten. Der dänische Außenminister Martin Lidegaard formuliert in einem Interview im März 2014 erstaunlich offen, worum es dabei für Kopenhagen geht: „We have a greater presence in Beijing and Washington and Berlin because of Greenland. That´s what makes Danish foreign policy unique. (…) Denmark is bigger and more important with Greenland than we are without. It is in our interest to defend that unity.“[19] Und hier liegt wohl auch die Erklärung für die nun in die Öffentlichkeit getragene Debatte über die Zukunft der dänisch-grönländischen Beziehungen. In einem Interview aus dem Jahr 2013 spricht der Kommandeur des Royal Danish Defence College, Flottillenadmiral Nils Wang aus, warum Kopenhagen jetzt in die mediale Offensive geht: “A power vakuum will always be filled. If other countries came to believe that Greenland would soon start planning for the day that Greenland was no longer a part of Denmark, and in the process Denmark´s position in the world would be weakened.”[20] Diese Entwicklungen sind die Folie, vor der wir nun in das Studium der Fakten eintreten können. Erstaunlich ist, dass diese tektonischen Verschiebungen im deutschsprachigen Raum bisher nahezu unbekannt geblieben sind.

 

Das Konfliktpotenzial in der Arktis[21]

Immer wieder wird von den Arktisbeauftragten Kanadas[22] und Russlands vorgetragen, es geben in der Arktis weder offene Gebietsansprüche noch unklare Grenzen und insofern auch kein Wettrennen um Rohstoffe[23], wie das u.a. Russlands Arktisbeauftragter Artur Chilingarov auf den „Arctic Circle“ Konferenzen gebetsmühlenartig formulierte oder kürzlich sogar der russische Außenminister Lavrov.[24] Allein, das Gegenteil ist richtig.[25] So arbeitet Kanada[26] daran, die Nordwestpasssage (NWP), die entlang seiner Küstenlinie verläuft, in ein völkerrechtliches Sonderregime zu überführen. Dies wird von den USA aber auch der Europäischen Union kritisiert, die in der NWP eine internationale Meerenge in Übereinstimmung mit Art. 34 ff. der Seerechtskonvention von 1982 sehen. Die freie Durchfahrt auf dem künftig eisfreien arktischen Meer ist auch für Deutschland ein wesentliches Rechtsgut.[27] Wie schwierig Grenzstreitigkeiten selbst zwischen Mitgliedern im selben Verteidigungsbündnis sein können, belegen die jahrzehntelangen Auseinandersetzungen zwischen Dänemark und Kanada um die Hans-Insel, die erst durch die Anwendung eines diplomatischen Tricks entschärft werden konnten.[28] Gleichwohl ist die Frage, wem die Insel gehört, noch nicht entschieden worden, sie wurde lediglich vertagt. Diese heute unbewohnte Insel liegt strategisch wichtig auf dem Weg vom Arktischen zum Atlantischen Ozean auf der Grenze zwischen Kanada und Grönland - mitten in der NWP. Ein weiterer Konflikt könnte sich über die Zugehörigkeit von Svalbard (Spitzbergen) entzünden, das zwar seit dem Spitzbergen Vertrag von 1920 formal zu Norwegen gehört, dennoch allen Bürgern der Unterzeichnerländer des Vertrages gleiche Rechte einräumt.[29] Norwegen leitet aus dem Vertrag die volle Souveränität über das umliegende Meeresgebiet ab, was u.a. von Russland bestritten wird.[30] Innerhalb der per Gesetz vom 3. Juni 1977 unter Berufung auf die VN-Seerechtskonferenz geschaffenen 200 Nautische Seemeilen (NSM) Wirtschaftszone durch das Königreich Norwegen, kommt es seitdem immer wieder zu Zwischenfällen mit Fischfangbooten anderer Nationen. Neben den Fischfanggründen wecken vor allem die im Umkreis von Svalbard vermuteten Bodenschätze Begehrlichkeiten.

Auch die nunmehr beigelegten Grenzstreitigkeiten zwischen Norwegen und Russland um offene Seegrenzen an deren gemeinsamer Nordgrenze – Streitpunkt war ein Seegebiet so groß wie Deutschland – zeigen wie konfliktbeladen dort verhandelt wird. Norwegen wich in seinem Grenzvertrag mit Russland von dem bisher angewandten Äquidistanzprinzip ab, nachdem Grenzen immer im gleichen Abstand zur jeweiligen Küste verlaufen und kam Russland hier weit bei der Grenzziehung entgegen.[31] Dies wurde insbesondere innerhalb des NATO Bündnisses kritisiert, da vermutet wird, dass hiermit ein Präjudiz für weitere russische Begehrlichkeiten geschaffen wurde. Welche Auswirkungen dieses Abweichen von einer völkerrechtlichen Grundregel in der Zukunft haben wird, kann man heute noch nicht abschätzen. Die Spannungen zwischen Russland und Norwegen erreichen mittlerweile auch die lokale Ebene, wie die britische BBC unlängst berichtete. So sei nach Intervention des russischen Geheimdienstes FSB der Eigentümer der norwegischen Internetzeitung Barents Observer „überzeugt“ worden, den angesehenen aber russlandkritischen bisherigen Chefredakteur Thomas Nilsen auszutauschen.[32]

Wesentlich komplexer sind aber alle Fragen, die mit der Anwendung eines Prinzips zusammenhängen, das die Kontinentalsockeltheorie, also die Fortsetzung der Landmassen unter der Wasseroberfläche, zum Maß über die Frage erhebt, wie weit das Staatsgebiet ins arktische Meer hineinreicht.[33] Hier behauptet insbesondere Russland, dass der so genannte Lomonosow Rücken die direkte tektonische aber unter dem Meeresspiegel liegende Fortsetzung von den Neusibirischen Inseln bis über den Pol hinaus ist und somit russische Gebietsansprüche belegen würde.[34] Russlands Flaggensetzung auf dem Meeresgrund in fast 5000 Meter Tiefe am Nordpol im Jahr 2007 sollte diesen Anspruch untermauern helfen. Kanada[35] aber auch Dänemark[36] (mit grönländischem Territorium) vertreten ähnliche Ansprüche, die sich bis zum Nordpol erstrecken sollen,[37] mit der Konsequenz, dass die Gebiete unter dem Meeresspiegel zum Staatgebiet erklärt werden könnten.[38] Damit würden die exklusiven Schürfrechte in nationaler Verantwortung liegen und die anderen Anrainer von einer Nutzung ausschließen. Wie dieser Gebietsanspruchskonflikt entschärft und entschieden werden soll, ist nicht absehbar.[39] Für die friedliche Nutzung der Transitrouten und Ressourcen der Arktis ist eine Beilegung dieser offenen Gebietsansprüche wesentlich. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese Fragen in der Zukunft nach dem Recht des Stärkeren entschieden werden.[40]

Der Chef der russischen Denkfabrik „Zentrum für strategische Konjunktur“, Iwan Konowalow, befürchtet bereits heute eine Eskalation: „Es beginnt eine ernste militärisch-diplomatische Auseinandersetzung. Nicht nur die arktischen Staaten wie Kanada, Russland, die USA, Norwegen und Dänemark, sondern auch Länder außerhalb der Region nehmen daran teil. Zweifelsohne wird China ebenfalls einsteigen, aber auch weitere Länder, die Zugriff auf die arktischen Ressourcen bekommen wollen. Auf diplomatischer Ebene wird die Rhetorik äußerst hart sein. Doch wer im diplomatischen Kampf keine militärische Komponente besitzt, wird immer verlieren.“[41]

Diese mit militärischer Macht drohende russische Haltung[42] steht im klaren Widerspruch zur Ilulissat-Erklärung von 2008[43], in der sich die fünf Arktisanrainerstaaten mit Zugang zum Arktischen Ozean dazu bekannt haben, ihre Konflikte friedlich und im Rahmen des internationalen Rechts auszutragen. Schon länger war darüber spekuliert worden, was passieren würde, wenn sich Russland nicht mit einem Schiedsspruch in einem internationalen Rechtsstreit abfinden würde. Russlands neo-militärischer Kurs sollte insbesondere nach der völkerrechtswidrigen Annektion der Krim und den andauernden Destabilisierungsversuchen in Teilen der Ostukraine und anderen Teilen Osteuropas sehr ernst genommen werden. Die Indienststellung eines Arktischen Oberkommandos Anfang Dezember 2014[44] belegen die beabsichtigte Militarisierung des Raums durch das Aufstocken militärischer Mittel[45] für die heraufziehenden diplomatischen Auseinandersetzungen.[46] Das russische Großmanöver im März 2015 in der Arktis unter Beteiligung von 40.000 Soldaten und 220 Kampfflugzeugen sowie anderen Waffenträgern gibt einen Vorgeschmack, auf welche militärischen Dimensionen sich der Westen[47] aber auch China hier künftig einzustellen haben.[48] Für Deutschland könnte sich im Fall einer Zunahme militärischer Konfliktlösungsszenarien eine ausgesprochen unangenehme Situation entwickeln. Deutschlands parteiübergreifender Glaube an die Lösung internationaler Konflikte vorrangig durch rechtliche Normen, Kompromisse, sowie endlose Gesprächsrunden in multilateralen Organisationen könnte schon bald auch in der Arktis mit dem eisigen Wind der Realpolitik konfrontiert werden. Sollte Deutschland bei Konflikten zwischen seinen arktischen NATO Partnern und Russlands vor die Wahl gestellt werden, sich zwischen Bündnissolidarität oder der privilegierte Energiepartnerschaft mit Russland zu entscheiden, kommen schwere Zeiten auf das politische Berlin zu.

 

Grönlands Bedeutung in der Arktis

Von größter Wichtigkeit für die geopolitischen Gewichte in der Arktis ist die Zukunft Grönlands. Diese größte Insel der Erde, deren Fläche sechsmal größer als Deutschland und 26-mal größer als Österreich ist, verfügt nach seriösen geologischen Schätzungen über riesige Rohstoffvorkommen, darunter Seltene Erden, Uran, Mineralien, Öl und Gas. Von kaum 60.000 Menschen bewohnt, haben sich die heutigen Einwohner Grönlands, die Inuit, dort seit ungefähr 1000 n. Chr. sowohl gegenüber den vorher dort siedelnden Menschen der Dorset Kultur als auch gegenüber den im Südwesten Grönlands zeitgleich dort lebenden Wikingern durchgesetzt. Zuerst wurde die Dorset Kultur von den Inuit verdrängt, später verschwanden auch die Wikinger aus bis heute nicht restlos verstandenen Gründen in der Mitte des 16. Jahrhunderts aus Grönland.[49]

Der Dänische König Christian IV. führte Anfang des 17. Jahrhunderts drei Grönlandexpeditionen durch, in deren Folge es zu einer erneuten Ansiedlung von Skandinaviern in Grönland kam. Grönland wurde im 19. Jahrhundert Teil des Königreichs Dänemark. Seit 1862 werden die Ureinwohner langsam in die Verwaltung einbezogen. Im Moment ist Grönland eine Nation im Königreich Dänemark. Gleichwohl ist der Ruf nach völliger Unabhängigkeit nicht verstummt und seit 2009 durch die Annahme des neuen Selbstverwaltungsstatuts auch theoretisch möglich. Die unerschlossenen Rohstoffvorkommen und die Frage, wer sie ausbeuten wird, spielen dabei eine wesentliche Rolle, weil sie die angestrebte Unabhängigkeit finanzieren sollen. Zurzeit erhält Grönland einen jährlichen Globalzuschuss von ca. 500 Mio. Euro aus Dänemark und ca. 30 Mio. Euro jährlich von der Europäischen Union für Entwicklungen im Bildungssektor. Diese ist Teil einer Zuwendung von 217,8 Mio. Euro im Rahmen des EU-Grönländischen Partnerschaftsabkommens für den Zeitraum 2014-2020.[50] Der Ruf nach Unabhängigkeit und Selbstbestimmung Grönlands wird in Dänemark mittlerweile so ernst genommen, dass sich auch das Establishment damit eingehend beschäftigt. Selbst die Verleihung von grönländischen Taufnahmen für die jungen Prinzen und Prinzessinnen der königlichen Familie werden bereits als Mittel eingesetzt, um Grönland in der Schwerkraft des dänischen Mutterlandes zu halten.[51] Obwohl die von grönländischen Politikern geplante ökonomische Unabhängigkeit von Dänemark in einer weiteren Loslösung von der einstigen kolonialen Vormacht und in die völlige Unabhängigkeit einmünden könnte, geben die Autoren einer aktuellen Studie der Königlichen Dänischen Verteidigungsakademie aus dem Jahr 2014 einen eher positiven Ausblick auf die grönländisch-dänischen Beziehungen.[52] Dänemark wird sich auch zukünftig erfolgreich für Zusammenarbeit und Offenheit einsetzen und damit erfolgreich bleiben.[53] Dänemark sieht Grönland weiterhin wie einen Schützling, dem es auch künftig zur Seite steht.[54] Zu einem gegenteiligen Ergebnis kommt der in London ansässige POLARISK Thinktank in einer Studie mit dem sprechenden Titel: „In 2035 Kalaallit Nunaat is an independent state.“[55]

Auf jeden Fall schlug die am 5. Dezember 2014 gegründete Dreiparteienkoalition unter Führung der Sozialdemokraten (Siumut) ein neues Kapitel in der Geschichte Grönlands auf. Die 17 von 31 Sitzen im Parlament haltende Koalition unter Führung von Aleqa Hammond hat die Intensivierung des bisher nur im Kvanefjeld Projekt (10 km entfernt von Narsaq an der Südspitze Grönlands) angeschobenen Uranabbaus zum Hauptziel der Regierungsarbeit erklärt. Dänemark hatte den Uranabbau bisher als strategische Ressource gewertet und sich wegen der außenpolitischen Dimension der Nutzung von Uran ein Veto vorbehalten. Kritisch sieht man in Kopenhagen eine mögliche Verwendung des Urans für den Bau von Kernwaffen aber auch für die Nutzung zur Stromgewinnung. Für die Regierung in Nuuk ist der Uranabbau umgekehrt gerade das Mittel, die Unabhängigkeit weiter zu befördern, weil die rechtlichen Grenzen zwischen Kopenhagen und Nuuk ausgetestet werden können und der Uranabbau jene Mittel für den Staatshaushalt generieren soll, der die Unabhängigkeit erst finanzieren kann. Und die Vorbereitungen für den Uranabbau sind weit fortgeschritten. Die Kvanefjeld Mine wird vom australischen Bergbauunternehmen „Greenland Minerals and Energy LTD“ bereits als Projekt beworben, das „Grönland, China und der Welt dienen soll.“[56] Es wäre das weltweit größte Abbaugebiet für Seltene Erden und eines der größten für Uran. Chinas Interesse als führender Weltmarktanbieter Seltener Erden und Monopolist liegen auf der Hand, obwohl sich der Weltmarkt für Seltene Erden in der letzten Zeit entspannt hat. Grund dafür war die Wiederaufnahme des Abbaus seit 2012 durch den früheren USA-Großproduzenten, das kalifornische Bergwerk „Mountain Pass“, dessen Stilllegung 2002 erst zum chinesischen Monopol führte. Allerdings war diese Entspannung auf dem Markt für Seltene Erden nach der Insolvenz des USA Bergbaukonzerns Molykorp im Juni 2015 nur von kurzer Dauer[57]. Kürzlich erst haben die Chinesen die Exportrestriktionen für ihre Seltenen Erden zwar aufgehoben, gleichwohl bleibt China der größte Anbieter und würde seine Marktposition durch die Minen in Grönland weiter ausbauen. Die ganzjährige Abbaumöglichkeit und der technisch mögliche Bau eines Tiefseewasserhafens in Bergwerksnähe sprechen ebenfalls für die Realisierbarkeit dieses Vorhabens.

Neben Kvanefjeld existieren weitere sehr bedeutende Lagerstätten, die Grönland zu dem weltweit größten Lieferanten für Uran und Seltene Erden entwickeln könnten, wie zum Beispiel die Lagerstätten in Kuannersuit, die sich Nordwestlich von Narsaq, im Südwesten der Insel befinden. „The Australian mining company Greenland Minerals and Energy Ltd. (GME), which is licensed to mine in Kuannersuit, estimates the uranium deposit at 232,000 tons of uranium oxide. Another estimate puts the uranium deposit for the whole Ilimaussaq-complex, of which Kuannersuit is a part, at as much at 600,000 tons of uranium. GME has stressed that if the company is not allowed to extract the uranium it will give up its mining operations at Kuannersuit altogether. If the annual production is as substantial as projected in the 2010 GME financial report − 3,895 tons − Kuannersuit will be the third largest uranium mine and the second largest open pit uranium mine in the world. Only the McArthurRivermine in Canadaand Ranger in Australiawill be bigger. According to the most recent GME estimates, the mine at Kuannersuit will have a life-span of at least 60 years. As the sixth largest uranium deposit in the world, it could provide almost 8% of world production. In addition to Kuannersuit, there are uranium deposits at Illorsuit, Puissattaq, Ivittuut and MotzfeldtLakein Southern Greenland, Sarfartoq, Nassuttooq, Qaqqaarsuk and Attu in Western Greenland and Randbøldal and MilneLandin Eastern Greenland, and there might be deposits that have not yet been discovered.”[58] Was in dieser Analyse nicht erwähnt wird ist die Tatsache, dass dort, wo Uran gefunden wird, auch Seltene Erden abgebaut werden können. Beide Mineralien liegen sehr häufig dicht beieinander.

Obwohl neben China auch die Europäische Union, Indien, Japan, Südkorea und Australien Interesse an der Entwicklung des Bergbaus in Grönland zeigen, setzen sich erstaunlicher Weise chinesische Unternehmen hier weitaus besser durch als ihre internationalen Konkurrenten.[59] Dies hängt einerseits mit der finanziellen Potenz der chinesischen Unternehmen zusammen und ist wohl ohne das strategische Denken Chinas, sich auch langfristig mit Ressourcen versorgen zu können, nicht zu verstehen. Ohne jetzt zu sehr ins Detail zu gehen, aber die laufenden oder geplanten chinesischen Investitionen sind beeindruckend. Dazu gehört die Eisenmine in Isua sowie der geplante Kupfer- und Goldabbau im Zentrum der Insel. Aber alle diese Projekte sind und bleiben Hochrisikoinvestitionen, wie gerade die jüngste Entwicklung vor Augen führt. So wurde das 150 km nördlich der Hauptstadt Nuuk gelegene Eisenerzprojekt in Isua in 2014 aufgegeben, weil die daran mit beteiligte „London Mining“ durch den Ausbruch von Ebola in West-Afrika in Zahlungsschwierigkeiten geraten war und der chinesische Partner „Sichuan Xinye Mining Investment Corporation“ die notwendigen Investitionen alleine nicht aufbringen konnte. Das Minenprojekt in Isua war auch aus anderen Gründen in die Medien geraten, weil hierfür mehrere tausend chinesische Arbeiter vorgesehen waren, was bereits eine Kontroverse über eine mögliche Überfremdung ausgelöst hatte. Bei einer Bevölkerung von 57.000 sind 3.000 – 4.000 importierte Arbeitskräfte aus einem anderen Kulturkreis eine nicht zu unterschätzende Größe und ein Einflussfaktor besonderer Art.[60]

Diese Entwicklung korreliert mit den chinesischen strategischen Überlegungen, soweit sie offen zugänglich sind. Der in Norwegen lehrende Politologe, China- und Arktisexperte Marc Lanteigne zitiert und übersetzt aus dem chinesischen Internet eine am 19. Juni 2014 der chinesischen Öffentlichkeit zugänglich gemachten Studie des chinesischen „Army Research Institutes“, wonach die Arktis zu einer neuen „Lebenslinie“ für China werden könnte: „(…) notes on the Arctic as a key source for oil and gas as well as a means to transport fossil fuels and other goods, even going as far to suggest that the region could be a „new Middle East“ and provide a new „lifeline“ for China. The assessment concluded that the Arctic was on track to become a major energy supply base for the Chinese economy, and that Beijingshould seek out partnerships with energy-producing states in the Far North.”[61] Dies entspricht zwar ganz den Fakten chinesischen Engagements, war in dieser Klarheit aber bisher nirgendwo nachzulesen. Schon das bisherige chinesische Engagement im Energie- und Ressourcenbereich am Polarkreis ist beeindruckend. Neben einer Zusammenarbeit mit der kanadischen Energiefirma Nexen bei der geplanten Ausbeutung von Ölschiefer im Norden Albertas – diese Kooperation hat ein Volumen von 15,1 Milliarden US$ - wurden allein im Jahr 2014 mehr als 30 Milliarden US$ in die kanadische Energiewirtschaft investiert.[62] Auch im russischen Teil der Arktis nimmt das chinesische Engagement mit Partnern wie GASPROM zu. Und seit Oktober 2013 untersucht auch Island mittels eines Joint Venture zwischen der isländischen Energiefirma Eykon, der norwegischen Petoro und der chinesischen „China National Offshore Oil Corporation“ (CNOOC) mögliche Gasreserven im Dreki Dreieck, das an der nordöstlichen Grenze der isländischen Sonderwirtschaftszone im Atlantik gelegen ist.[63] Es ist nur eine Anmerkung, aber CNOOC hält die meisten Anteile an dem gemeinsamen Unternehmen und betreibt das Projekt auch nach dem kürzlich wegen der gefallenen Rohstoffpreise ausgeschiedenen norwegischen Partners nunmehr quasi alleine weiter. Strategische Investitionen werden in China offenbar unabhängig von kurzfristigen Marktpreisschwankungen umgesetzt.

Neben diesen Offshore-Investitionen sind die Bergbauinvestitionen in Grönland von größter Bedeutung. Abgesehen von dem enormen Einfluss, den Investitionen in den beschriebenen Größenordnungen auf eine Gemeinschaft mit nur 57.000 Menschen, sein öffentliches Leben, seine Entscheidungskultur und politischen Prozesse nach sich ziehen, ist das Fehlen geeigneter grönländischer Fachkräfte künftig ein Thema. Die Arbeit in den Minen wird nur durch das Hinzuziehen geeigneter Spezialisten möglich werden. Sollten diese Arbeitskräfte aus China kommen, die dann zu Tausenden nach Grönland geholt werden müssten, hätte das völlig unvorhersehbare Auswirkungen auf die soziale, politische und ethnische Entwicklung der Insel. Den enormen Männerüberschuss in China vor Augen, der es für Millionen junge Chinesen unmöglich macht, eine chinesische Frau zu finden, könnte neben der Abenteuerlust und den materiellen Möglichkeiten ausschlaggebend sein, wenn es darum gehen sollte, Arbeitskräfte für das harte Leben auf der größten Insel der Erde zu finden. Was, wenn das Chinesische Engagement im Bergbau innerhalb weniger Jahrzehnte zur Gründung einer chinesischen Kolonie führt, die aus den Hochzeiten zwischen Inuit Frauen und Chinesen entstehen würde? Was, wenn diese ethnische Form der Einflussnahme sogar Teil eines großen Designs sein sollte, an dem das Politbüro der Kommunistischen Partei der Volksrepublik China seit Jahrzehnten arbeitet? Auch darauf gilt es Antworten zu finden.

Diese Art Fragen stellt man sich wohl auch zunehmend in Washington und Moskau, wie aus dem Intelligence Risk Assessment des “Danish Defence Intelligence Service” von 2012 hervorgeht; „Both the United States and Russia are highly sceptical of Chinese attempt´s at securing control over the region´s natural resources.”[64] Das  Intelligence Risk Assessment von 2013 geht dann stärker auf den ökonomischen Fußabdruck Chinas ein: “It is likely that China’s role and potential influence in the Arctic region will increase as China’s economic involvement grows. On a number of occasions, China has demonstrated both capability and willingness to use investments and other kinds of economic instruments as a lever to obtain political objectives.“[65] Diese Entwicklung wurde offenbar auch in China registriert. Am 16. März 2013 fühlte sich Zhang Yunbi in „China Daily“ bemüßigt, Ängste vor einem staatlichen Geheimplan hinter den chinesischen Investitionen zu zerstreuen: „China Dismisses Hysteria over Greenland Ventures“[66].

Und noch etwas ist interessant: China hält sich auffallend mit öffentlichen Stellungnahmen zu den Dänisch-Grönländischen Beziehungen zurück. Gleichwohl wurden die diplomatischen Beziehungen zu Dänemark mit dem erstmaligen Besuch eines chinesischen Präsidenten in Kopenhagen (Hu Jintao besuchte die Hauptstadt im Juni 2012) und dem ersten Besuch einer Dänischen Königin in Peking aufgewertet, als Margarethe II. im April 2014 nach China reiste.

Im Intelligence Risk Assessment von 2014 warnt das Dänische Militärische Nachrichtenwesen vor einer wachsenden politischen Einflussnahme Chinas aufgrund des zunehmenden wirtschaftlichen Gewichts Chinas: „Consequently, Chinese political and strategic interests in the Arctic will likely grow in parallel with China’s expanding economic involvement in the region. Thus, a commercial transaction with a Chinese business or a Chinese state-owned enterprise could potentially turn political, involving the Chinese government, whose conduct will be based mainly on political interests.”[67]

Welche Auswirkungen würde eine politische Unabhängigkeit Kalaallit Nunaats für die geopolitischen Gewichte auf der Erde haben? Das Entstehen eines neuen Völkerrechtssubjekts im arktischen Meer würde die Möglichkeiten der globalen Mächte erhöhen, eigene Interessen in der Arktis durchzusetzen.[68] Island und Grönland als unabhängige Staaten wären politische Leichtgewichte. Die Gefahr für die Sicherheitsarchitektur besteht darin, dass raumfremde Mächte deren Schwäche ausnutzen und so das fragile geopolitische Gleichgewicht im Atlantik und der Arktis verändern könnten. Hierbei sind insbesondere die Absichten Chinas von Relevanz. In der Politik gilt ein ehernes Gesetz: Ein Vakuum zieht politische Spannungen an.

Dass China seinen Platz in der Arktis nicht nur als Forschungsnation, Käufer von Ressourcen oder Nutzer neuer Schiffsrouten sieht, ist spätestens mit den Aussagen chinesischer Offizieller bestätigt, die den Anspruch Chinas unterstreichen, künftig in allen Fragen der Arktis gehört zu werden. China beruft sich dabei nicht nur auf die VN-Seerechtskonvention, sondern sieht sich selbst als Naher-Arktis-Anrainer-Staat und leitet Ansprüche daraus ab. Bereits im Jahr 2010 wurde dies von einem hohen chinesischen Militär deutlich artikuliert: „ At the Third Session of the Eleventh Chinese People’s Political Consultative Conference (CPPCC), Rear Admiral Yin Zhuo asked Chinanot to fall behind on Arctic Oceanexploration. According to the United Nations Convention on the Law of the Sea (UNCLOS), the North Pole and surrounding area are the common wealth of the world’s people and do not belonging to any country, said Yin Zhuo, a Rear Admiral and former President of the Chinese Naval Strategy Institute. Yin criticized that some countries are infringing upon other nations interests by fighting for sovereignty over the region, which reportedly has 9% of the world’s coal and a quarter of the global untapped oil and gas, together with abundant diamond, gold, uranium, and other resources. Having a belief in the future possibility of China’s regional war in the oceans, Yin proposed to establish a cross-agency commission focusing on strategic planning.”[69]  

Das politische Argument ist bemerkenswert. Weil in der Arktis 9% der weltweiten Kohlevorkommen und ein Viertel der Öl- und Gasvorkommen neben anderen Ressourcen lagern, dürfen die Interessen der Anrainer nicht über die der anderen Länder gestellt werden. Um diesen Anspruch zu unterstreichen, versucht China bereits seit Jahren, seine Position im Arktischen Rat (AR) zu stärken: „China wishes to play an expanded role within the Arctic Council in the wake of attaining formalised observer status in that forum in 2013. (…) China cannot seek to become a full member, as it lacks territory above the Arctic Circle, or indeed in any region commonly considered “Arctic”; the shortest distance between China´s northern most point in Mohe County, Heilongjiang provinces and the Arctic Circleis more than 1400 kilometres. Nonetheless, there have been arguments within the country that China´s proximity to the Arctic region and the effects of regional climate change on Chinese weather patterns have justified greater China´s engagement with any major existing and emerging regimes addressing Arctic affairs.”[70]

China sollte sich allerdings auch fragen, ob sich seine Interessen jemals im AR durchsetzen lassen. Mit der Gründung des AR wurde nach offizieller Lesart ein Forum geschaffen, um die Interessen der Anrainer (Nationalstaaten und indigene Bevölkerung) sowie der interessierten Länder und anderer Beobachter zu organisieren. So argumentieren zumindest die Gründungsmitglieder. Wer den Beobachterstatus erhalten will, muss die Souveränität und alleinige Verfügungsgewalt der 8 Arktis-Anrainer über die Arktis akzeptieren, wie in den Gründungsdokumenten und Regeln für Beobachter klar festgelegt wurde.[71] Damit werden die besonderen Verfügungsrechte der 8 Anrainerstaaten Kanada, Finnland, Island, Schweden, Dänemark, Norwegen, Russland und USA sowie deren Allzuständigkeit vor raumfremden Begehrlichkeiten geschützt. Ob dieser juristische Kniff auf Dauer Länder wie China von der Entscheidungsfindung in der Arktis auszuschließen vermag, wird erst die Zukunft zeigen. Denn im Moment ist der AR lediglich eine politische Institution ohne klar definierte Konfliktlösungsregeln. Wesentliche Absprachen zwischen den einzelnen Mitgliedern werden deshalb auch bilateral und nicht im Format des AR getroffen, wie z.B. das Search und Rescue (SAR) Abkommen zwischen Kanada und Dänemark. Auch deshalb, weil Entscheidungen im Konsens getroffen werden müssen und keine klar definierten Verfahren existieren, wie im Konfliktfall entschieden werden soll. Und auch die bisherigen Ratspräsidentschaften sprechen eher dafür, dass der politischen Arbeit im AR in den beteiligten Hauptstädten der „Arctic 8“ keine allzu große Beachtung geschenkt wird. Dennoch kann als Konsens in Bezug auf Chinas Absichten gelten, was Lanteigne wie folgt beschreibt: „With the Arctic region taking on greater global strategic and economic significance, Beijing wants to avoid being left out of future decision-making processes, especially considering that two great powers, Russia and the United States, are full members of the Council and may be moving towards increasingly problematic strategic relations. In short, China is seeking to enter Arctic politics at a time when the region has become both more crowded and more diplomatically unpredictable. Nevertheless, there are strong economic reasons for Beijing to continue to press for a greater role in Arctic politics.”[72]

Auf der 3. Arctic Circle Conference im Oktober 2015 in Reykjavik erläuterte Chinas Außenminister Wang Yi die drei Prinzipien der chinesischen Arktispolitik: Respekt, Kooperation und win win.[73] China sieht die Arktis als gemeinsames Erbe aller Menschen und möchte die Alleinzuständigkeit der Anrainer begrenzen. China stellte besonders den Schutz und die souveränen Rechte der indigenen Bevölkerungen und die Freiheit der Forschung sowie freien Seewege als unverhandelbar heraus. Dies gilt auch für jene Gebiete, die auf einem Kontinentalschelf liegen. Nur wenn alle interessierten Länder gleichberechtigte Mitspieler werden können, ergäbe sich angeblich eine win win Situation für die Menschheit. Diese politischen Ziele bergen ein hohes Konfliktpotenzial, wenn China bereit sein sollte, diese Absichten auch gegen Widerstände durchzusetzen. Das Auftauchen von fünf chinesischen Kriegsschiffen in der Beringsee vor der Küste Alaska, zeitgleich mit dem Besuch des USA-Präsidenten im Hohen Norden im September 2015, stellt insofern eine Zäsur dar. Dass sich China nun zum Sprecher der souveränen Rechte der indigenen Bevölkerung machen will, ist im Angesicht des eigenen Umgangs mit indigener Bevölkerung in der Mongolei, Xinjiang oder Tibet kaum nachvollziehbar, stellt aber eine Kampfansage an den Westen, auch gegenüber den ungelösten Fragen in Grönland dar.

Wie stark die Interessen Chinas bereits tagesaktuelles Thema in Grönland sind, erhellt z.B. die politische Auseinandersetzung zwischen den beiden politischen Hauptparteien aus dem Wahlkampf im Jahr 2013, in der die Sozialdemokraten den Linkssozialisten vorwarfen, die Regeln über den Mindestlohn für chinesische Arbeitskräfte aushebeln zu wollen und die grönländischen Ressourcen zu billig an China zu verkaufen.[74] Um eine parlamentarische Mehrheit im grönländischen Parlament zu erreichen, sind lediglich 16 Stimmen nötig. Die gesamte Insel wird von einem politischen Apparat mit rund 30 Beschäftigten verwaltet. Im Auswärtigen Dienst arbeiten 15 Personen. Hier müssen nicht sehr viele Beteiligte überzeugt werden, um eine Entscheidung umzusetzen.

Der aus Frankreich stammende Arktis-Experte Mikaa Mered, der den in London ansässigen POLARISK Thinktank leitet, kommentiert Grönlands Zukunft im Nachklang der Parlamentswahlen vom 28. November 2014 wenig zurückhaltend: "Overall, the outcome of this election is very good news for investors, especially in the mining and infrastructure sectors." (…) "With Siumut remaining in power ... we expect Greenlandto stabilize itself - both from a political risk and a regulatory risk standpoint - whilst keeping the country's march toward independence."[75]

 

Chinas Interesse an Island

Auch das Interesse Chinas an Island verdient eine genauere Betrachtung. Es ist gleichwohl nicht einfach, seine Absichten zu verstehen, da es bis heute keine chinesische Arktis Strategie oder ein Weißbuch gibt.[76] Chinas Absichten sind im Moment weder transparent noch offen. Gleichwohl lassen sich aus der Fülle an Fakten interessante Rückschlüsse ziehen. Chinas Interesse an Island geht bereits auf die Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zurück. Nur vier Jahre nach der Gründung der Volksrepublik China, im Jahr 1953, wurde die Isländisch-Chinesische Kulturgesellschaft gegründet,[77] die eine der ältesten Kulturgesellschaften in Island ist. Nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen dem Reich der Mitte und der Insel in der Mitte der Arktisch-Atlantischen Ozeane im Jahr 1971 eröffnet der chinesischen Vize-Premiers Geng Biao im Jahr 1979 die chinesische Besuchsdiplomatie gegenüber Island. Diesem Besuch folgte die Visite des chinesischen Außenministers Qian Qichen im Jahr 1995, gefolgt vom Vorsitzenden des Nationalen Volkskongresses Li Peng im Jahr 2000. Höhepunkt war die Reise von Präsident Jiang Zemin im Jahr 2002 auf den unsinkbaren US amerikanischen Flugzeugträger, gefolgt von Besuchen der Politbüro Mitglieder der Kommunistischen Partei Chinas Luo Gan im Jahr 2003 und He Guoaiang im Jahr 2010. Dem schließen sich die Besuche des Premierministers Wen Jiabao im Jahr 2012 und des Vize Premiers Ma Kai im folgenden Jahr an. Kein westliches und kein anderes Land hat eine so intensive Besuchsdiplomatie betrieben, wie China. Im Jahr 2014 sprach der ehemaligen Chefdolmetscher des Chinesischen Staatspräsidenten Deng Xiaoping, der heute als Chefstratege für internationale Politik firmiert, Victor Z. Gao, über die isländisch-chinesischen Beziehungen und präsentierte China dabei als künftig weltweit führendes Land. “China is getting closer and closer to the center of the world stage.“[78] Wenige Wochen später wurde zeitgleich mit dem 2. China-Nordic Arctic Cooperation Symposium nicht nur über die Zukunft der Chinesischen Arktis-Strategie berichtet, sondern auch ein isländisch-chinesisches Aurora Borealis Beobachtungszentrum im Norden Islands in der Nähe der Stadt Akureyri eröffnet, von dem niemand zu sagen vermag, was dort noch alles beobachtet werden wird.[79] Dass China die mit Abstand größte Botschaft in Island unterhält, die bis zu 200 Diplomaten Platz bietet, rundet dieses Bild ab. Im Vergleich dazu: Deutschland ist aktuell mit drei Diplomaten akkreditiert.

Die Zunahme der Besuche seit dem Jahr 1995 lässt auf die wachsende Bedeutung Islands für die chinesische Diplomatie schließen. In einer im Oktober 2014 gehaltenen Rede des chinesischen Botschafters in Island, Zhang Weidong, lässt dieser aber auch die beeindruckende isländische Besuchsdiplomatie ins Reich der Mitte Revue passieren. „On the other hand, Chinahas also received high level visits from Iceland, including Foreign Minister Ólafur Jóhannesson in 1982, Prime Minister Steingrímur Hermannsson in 1986, Prime Minister Davíd Oddsson in 1994, Speaker Salome Thorkelsdóttir and President Vigdís Finnbogadóttir in 1995, Foreign Minister Halldór Ásgrímsson in 2001 and Speaker Halldór Blödal in 2005. President Ólafur Ragnar Grímsson officially visited Chinain 2005. He visited Chinaagain in 2007 to witness the Special Olympics and in 2010 to attend the Shanghai Expo. Prime Minister Jóhanna Sigurdardóttir visited Chinain 2013, followed by Foreign Minister Gunnar Bragi Sveinsson's trip to Chinain June 2014.”[80]

Was gleichwohl noch mehr als die Intensität hochrangiger Besuche beeindruckt, sind die engen und für beide Seiten nützlichen politischen Übereinstimmungen, in denen sich China und Island so gut zu ergänzen scheinen: „China and Iceland support each other in international arena. Chinasupported Iceland's interests in its fishing areas. Icelandappreciates China's position of democracy in international relations and its policy that all countries, big or small, are equal. Icelandsupported China's resumption of its legitimate seat in the United Nations and voted for China.”[81] Fragen muss man sich schon, was die isländische Bevölkerung davon halten soll und erwarten darf, wenn Chinas Haltung zur Demokratie in den internationalen Beziehungen von Island unterstützt wird. Fragen sind erlaubt, mit welcher Zunge isländische Politiker in China reden, wenn sie dort zu Besuch sind und ob man Island nach diesen Äußerungen des chinesischen Botschafters noch als Teil des Westens wahrnehmen sollte, oder schon als Sprachrohr des Fernen Ostens im geographischen Westen.

Die Intensität der chinesisch isländischen Beziehungen ist beeindruckend. Island ist das erste europäische Land, das ein bilaterales Freihandelsabkommen mit China unterzeichnet hat.[82] Es war erst das zweite Abkommen dieser Art mit einem OECD Mitgliedsland. Das erste Freihandelsabkommen unterzeichnete China im Jahr 2008 mit Neuseeland. Dieses Abkommen zwischen China und Island wurde im Jahr 2012, im Licht der schwindenden Bereitschaft in Island, Mitglied der Europäischen Union zu werden, durch einen Ad hoc Besuch des Chinesischen Premierministers Wen Jiabao im April 2012 befördert und wenige Monate später unterzeichnet. Man kann davon ausgehen, dass dieses Abkommen für China von Bedeutung bei der Verfolgung seiner Interessen in der Arktis ist. Dieser Vertragsabschluss sollte vor dem Hintergrund einer ähnlichen Entwicklung zwischen China und Norwegen bewertet werden. Nach dem Beginn von Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen im September 2008 wurden diese Beratungen nach Acht Runden Ende 2010 abrupt von China beendet, um damit gegen die Entscheidung des Nobelpreiskomitees zu protestieren, den Chinesischen Bürgerrechtler Liu Xiaobo auszuzeichnen. Neben der Beendigung der Verhandlungen über das Freihandelsabkommen, stoppte China den Lachsimport aus Norwegen und begann seine Muskeln gegenüber dem Königreich am Polarkreis spielen zu lassen. Alle Versuche der norwegischen Regierung, China zu verdeutlichen, dass das Nobelpreiskomittee unabhängig agiert und deren Entscheidungen nicht automatisch die Haltung der norwegischen Regierung widerspiegeln, blieben fruchtlos. Bis heute gibt es keine Anzeichen dafür, dass die Gespräche über ein Freihandelsabkommen wieder aufgenommen werden können. Abgesehen davon, dass nunmehr Norwegen das einzige EFTA Mitglied ohne Freihandelsabkommen mit China ist, wirft es ein bezeichnendes Licht auf den chinesischen Umgang mit Ländern, die sich den chinesischen Wünschen nicht unterordnen wollen oder können. Die Beeinflussung des Nobelpreiskomitees bei seiner Preisvergabe übersteigt mit Sicherheit die Möglichkeiten einer westlichen Regierung. Es ist aber bezeichnend, dass die norwegische Regierung den Dalai Lama im Mai 2014 bei seinem Besuch in Oslo nicht offiziell wahrnehmen wollte, was von westlichen Medien als Kotau gegenüber China gewertet wurde.[83] Genutzt hat es nichts. China behält seinen Bann gegenüber Norwegen aufrecht. Vielleicht auch als Warnung gegenüber den anderen neuen „Freunden“ in der schönen Freihandelszonenwelt.[84] Die Behandlung Norwegens durch China aufgrund von fundamentalen Unterschieden in der Bewertung der Menschenrechte bleibt eine gefürchtete Blaupause für die künftigen Beziehungen zwischen dem Reich der Mitte und kleinen Ländern - nicht nur im Hohen Norden.

Damit wurde eine bisher eher im Verborgenen stattfindende Entwicklung in die Öffentlichkeit gehoben, die manche schon als neues Zeitalter in der isländischen Geschichte deuten: Von Islands Rolle als US-Amerikanischem Flugzeugträger hin zum Chinesischen Hub und Tor nach Asien. Im Jahr 2009 wurde ein „currency swap agreement“ in Höhe von 3,5 Milliarden Yuan zwischen den Zentralbanken der beiden Länder unterzeichnet und 2013 verlängert.[85] Ebenfalls diskutiert wurde die finanzielle Beteiligung chinesischen Kapitals in Höhe von 95% an der im Zuge der Wirtschaftskrise angeschlagenen Islandsbanki.[86] Die im Juli 2015 bekannt gewordene Absicht des chinesischen Unternehmens NFC, eine Aluminiumfabrik im Nordwesten der Insel zu errichten, komplettiert das Lagebild.[87] Für stärkere öffentliche Aufmerksamkeit sorgte die Kaufabsicht des ehemaligen Propagandachefs der Kommunistischen Partei Chinas und jetzigen Milliardärs, Huang Nubo, der 30.000 Hektar Land im isländischen Hochland im Nordosten der Insel erwerben wollte, um dies touristisch zu erschließen. Dem Ansinnen wurde zunächst von der isländischen Regierung nicht entsprochen, bleibt aber nach Aussagen von Nabo auf seiner Agenda.[88] Der von China angekündigte Anstieg chinesischer Touristen von heute 10.000 auf zunächst 100.000 pro Jahr, was ca. 10% des Jahrestourismus entspräche, würde den Bau eines chinesischen Spa und Golf Paradieses im unbewohnten isländischen Hochland in einem profitablen Licht erscheinen lassen. Im Hintergrund laufen Vorbereitungen für die Aufnahme von Direktflügen zwischen China und Island. Im Augenblick führt die Flugroute vor allem über Kopenhagen, künftig soll dann eine Direktverbindung die Anreise erleichtern. Im Jahr 2011 feierten beide Länder das 40-jährige Bestehen diplomatischer Beziehungen mit einer wissenschaftlichen Expedition zum Nordpol. Im August 2012 legte der chinesische Eisbrecher „Schneedrache“ (Xue Long) nach der Befahrung der Nordostpassage in Reykjavik an und bestätigte Chinas Anspruch und Fähigkeiten, diese Route künftig zu nutzen.[89] China wird diesen im Jahr 1994 von der Ukraine erworbenen Eisbrecher bald durch einen weiteren Eisbrecher ergänzen. Deutschland verfügt zurzeit mit der Polarstern nur über ein bald 35 Jahre altes Forschungsschiff mit Eisbrecherfähigkeiten, das im Januar 2015 allerdings durch einen Schaden im Antrieb seine Forschungstätigkeit vorfristig beenden musste.[90] Immerhin schreibt Deutschland gerade den Neubau eines zweiten Forschungseisbrechers aus, der ab 2019 eingesetzt werden soll.[91]

Island ist aber nicht nur das Tor zur Arktis, sondern auch das Tor zum Atlantik und eignet sich für den Abtransport der in Grönland gewonnenen Rohstoffe genauso wie zur Verteilung des Schiffsverkehrs zwischen Europa und Amerika. Und Chinahat Zeit. In den Worten Huang Nubos: „Many people think Icelandis very remote but if you think about it in the long run, in 10 years…. If the ice caps melt in the North Pole, then Icelandproperty will become very expensive because it's the only way that a lot of ships need to pass to go to Europe."[92] Gleichwohl hat Nubo Verhandlungen in Norwegen, nördlich von Tromso und in der Nähe der Stadt Longyearbyen auf der Insel Spitzbergen begonnen, um dort Land zu erwerben. Nördlich von Tromso in Lyngen wurde er mit einem norwegischen Landbesitzer handelseinig und besitzt nunmehr 1 Mio. m2 Land nördlich des Polarkreises, von dem unklar ist, welchen Interessen es dienen soll.[93] Ein weiteres interessantes Detail war eine Rede des isländischen Präsidenten Olafur Ragnar Grimsson im April 2013, in der er sich dafür aussprach, China und anderen asiatischen Ländern eine größere Mitsprache in der Arktis einzuräumen.[94]

 

Grönland und Island, Melos im 21. Jahrhundert?

Geopolitik auf der „lines of communications“

Seit dem Jahr 1939 hatte sich das Büro des deutschen Abwehrchefs Wilhelm Canaris mit der strategischen Bedeutung Islands, Grönlands und weiterer Inseln im Nordatlantik befasst. Offenbar war die strategische Bedeutung dieser Inseln auch an anderen Kartentischen nicht verborgen geblieben. Nach der Besetzung Dänemarks durch Deutschland am 9. April 1940 befinden sich die beiden dänischen Kolonien Island und Grönland in einer völkerrechtlich schwierigen Lage. Die Briten besetzen Island als Folge der deutschen Besetzung von Dänemark am 10. Mai 1940 unter Verletzung seiner Neutralität und stationieren dort 25.000 Soldaten. Die strategischen Planungen der deutschen Luftwaffe und Marine zur Besetzung Islands (Unternehmen Ikarus) werden von Hitler im Sommer 1940 nicht weiter verfolgt, weil dieser glaubte, einen Separatfrieden mit England erreichen zu können.[95] Wie wesentlich die Beherrschung der beiden Inseln im Atlantik für den Ausgang des Zweiten Weltkrieges war, belegt die Geschichte des Weltkrieges selbst. Die geostrategische Bedeutung Islands und Grönlands wurde von den angelsächsischen Seemächten als so bedeutsam eingeschätzt, dass die USA noch ein halbes Jahr vor ihrem offiziellen Kriegseintritt in den Zweiten Weltkrieg im Juli 1941 die Besetzung Islands von den Briten übernahmen, um die britische Armee zu entlasten.[96] Durch die Nutzung von Island und Grönland als militärische Stützpunkte (unsinkbarer Flugzeugträger), konnte die Kontrolle über den Atlantik und das Aufrechterhalten der transatlantischen Transitrouten zwischen Europa und Amerika sichergestellt werden. Dies war für die Erreichung der alliierten Kriegsziele alternativlos und kriegsentscheidend. Die strategische Bedeutung der beiden Inseln blieb auch während der Zeit des Kalten Krieges bestehen. Das jahrzehntelange politische Fingerhakeln zwischen der Sowjetunion und dem Westen um Einfluss auf Island sprechen Bände und gingen sogar in die Weltliteratur ein.[97] Island wurde von seinen Verbündeten innenpolitisch so manches durchgehen gelassen, so lange die NATO Mitgliedschaft und die damit einhergehenden Verpflichtungen nicht ernsthaft in Gefahr gerieten. Die Kabeljaukriege zwischen Island und Großbritannien sowie Deutschland belegen anschaulich, wie rücksichtslos aber letztlich erfolgreich Island aufgrund dieser besonderen Rolle als unsinkbarer Flugzeugträger des Westens im Atlantik für sich Vorteile generieren konnte. Die in Konfrontation mit diversen europäischen Nachbarn brachial durchgesetzte Ausweitung der Sonderwirtschaftszone auf 200 Meilen in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts ist ein wichtiges politisches Lehrstück auch für künftige Konflikte mit Island. Island findet in Konflikten mit deutlich größeren und einflussreicheren Gegnern immer wieder Partner, die diesen Nachteil ausgleichen oder setzt seine wichtige geopolitische Lage zur Durchsetzung der eigenen Interessen im Sinne einer Pendeldiplomatie ein, in der der Eine gegen den Anderen so lange ausgespielt wird, bis Island sein Ziel erreicht hat.[98] So verwundert es nicht, dass beim Kabeljaukrieg neben den Interessen der isländischen Fischereiindustrie im Hintergrund auch das Interesse der USA an einem größeren maritimen Schutzraum um ihren „unsinkbaren Flugzeugträger“ Einfluss auf den Gang der Dinge gehabt hat. Die Ausweitung der Schutzzone auf 200 Meilen hielt ja nicht nur fremde Fischfänger, sondern auch Schiffe mit anderen Aufgaben auf Abstand. Schließlich waren auch die USA an einem abgeschirmten Seegebiet interessiert.

Beobachter stellen die Frage, ob Chinas massiver Auftritt in der Arktis ohne die unangekündigte Schließung der US Militärbasis in Keflavik im Jahr 2006 möglich gewesen wäre. Diese Schließung belastet die Isländisch-US-amerikanischen Beziehungen bis heute. Sie markiert eine Zäsur in der transatlantischen Sicherheitsarchitektur und hat unbestreitbar ein Vakuum hinterlassen. Dass die USA diese Luftwaffenbasis nunmehr in Folge der Zunahme von russischen Aufklärungsflügen für ad hoc Air-Policing-Missionen nutzen, wird in Island aufmerksam registriert. Auch die USA Besuchsdiplomatie hat sich seit 2014 intensiviert. Mit der stellvertretenden Außenministerin Victoria Nuland, besuchte nach langer Zeit wieder ein hochrangiges USA Regierungsmitglied Reykjavik. Der Neuerwerb eines größeren Botschaftsgebäudes ist ein weiteres Zeichen der verstärkten USA Präsenz. Für 2015 wurden hinter den Kulissen bereits die Besuche des 93 Jahre alten, sicherheitspolitischen Schwergewichts Andrew W. Marshall, der vor einem exklusiven Teilnehmerkreis sprechen sollte, sowie der Besuch des Verteidigungsministers Chuck Hagel im 2. Quartal geplant. Nach Hagels Rücktritt und der Nominierung seines Nachfolgers Ashton Carter wird dieser Besuch zunächst nicht realisiert werden und auch Andrew W. Marshalls Besuch kam nicht zustande. Mit der Übernahme der Präsidentschaft im Arctic Council ab April 2015 durch die USA wird sich die Präsenz der USA auf der „lines of communications“ im Atlantik weiter verstärken. Dass es der Obama Administration von Oktober 2013 bis Dezember 2014 nicht gelang, den Botschafterposten in Reykjavik zu besetzen, da der USA-Senat dem ehemaligen Obama Wahlkampfunterstützer Robert Barber, der den Botschafterposten erhalten sollte, monatelang sein Vertrauen verweigerte, hat die Beziehungen auch nicht gerade gefördert.[99]

Aber auch China hatte mit der Besetzung seines Botschafters Ma Jisheng ganz eigene Probleme. Der seit Januar 2014 durchgehend abwesende Botschafter wurde einer Information aus chinesischen Kreisen folgend der Spionage für Japan beschuldigt und kehrt nicht wieder auf die Insel zurück.[100] Ein neuer Botschafter wurde dann allerdings im November 2014 bestellt, wie der isländische Medienkanal ruv.is meldete: „China’s new Ambassador to Iceland, Zhang Weidong, presented his letter of credence to President of Iceland Ólafur Ragnar Grímsson on Tuesday. (…) Zhang’s résumé states that he earlier served as China’s Ambassador to Micronesia.” Also ein ausgewiesener Experte für Seeverkehr und Handel, jenen Zukunftsthemen, die die Arktis im 21. Jahrhundert prägen werden. Sollte sich China als raumfremde Großmacht dauerhaft am Polarkreis engagieren, wird das die politischen Gravitationskräfte maßgeblich beeinflussen. Das Auftauchen einer neuen Macht auf der transatlantischen „lines of communications“ hat das Potenzial, aus ökonomischem Wettbewerb politische Rivalität und in letzter Konsequenz sogar militärische Auseinandersetzungen heraufzuzwingen. Denn da, wo sich politischer Anspruch und Raum überschneiden, liegt das Feld der Entscheidung, militärisch, politisch, ökonomisch, in einem Wort: strategisch. Dies zu erkennen ist geopolitisches Denken, danach zu handeln Staatsklugheit. Und realpolitisch denkende Zeitgenossen erinnern sich nur zu gut an jene Episode aus dem 5. Buch von Thukydides „Der Peloponnesische Krieg“, der die Geschichte der Insel Melos erzählt. Eine Mahnung, die seit 2500 Jahren bis in unser noch junges 21. Jahrhundert zu hören ist.[101]

 



[1] Willett, Lee: Frozen over: Maritime security challenges in the High North, in: Jane´s navy international. – 117 (2012), H. 10, S.21-24, gehört zu jenen Autoren, die zwar kenntnisreich die künftigen militärischen Szenarien analysieren, aber die Achillesverse Grönland auf der line of communication genau so übersieht, wie die Mehrheit der sog. Experten.

[3] Dazu gehören Beiträge wie der von Christoph Humrich und Klaus Dieter Wolf, in: Osteuropa 2-3, 2011, Krieg in der Arktis? Konfliktszenarien auf dem Prüfstand, Logbuch Arktis, Der Raum, die Interessen und das Recht; Kürsener Jürg: Die Nordostpassage: profitabler als die Suezroute, in: Schweizer Soldat, 89, 2014, H. 4, S.38-43; Helga Haftendorn: Arctic Security: New Challenges in a Diverse Region (Aspen Paper).

[4] http://www.foreignaffairs.com/articles/141211/walter-russell-mead/the-return-of-geopolitics, wenngleich diesem auch durch den Gegenartikel von G. John Ikenberry aus Princeton in derselben Ausgabe widersprochen wurde: https://www.foreignaffairs.com/articles/china/2014-04-17/illusion-geopolitics. Robert Orsi von der Universität Tokio setzt sich u.a. kritisch mit Ikenberry auseinander und untermauert Geopolitik durch ein auf Hegels Denken basiertes philosophisches Fundament. In: „Order and Change in Global Politics: Accessing the „return of geopolitics“. In: http://pari.u-tokyo.ac.jp/eng/unit/ssu/articles/orsi20141110.html; Robert Kaplan befasst sich mit seinem 2013 veröffentlichten Buch ebenfalls mit der Rückkehr der Geopolitik. Kaplan Robert D.: The Revenge of History. What the Map tells us about coming conflicts and the battle against fate. New York, 2013.

[5] Siehe u.a. das Plädoyer des eh. Inspekteurs der Deutschen Marine, für ein strategisches Denken in Räumen. Feldt, Lutz: Maritime Räume: Ein Plädoyer für strategisches Denken, in: Marineforum. Ausgabe A: Zeitschrift für maritime Fragen. – 89 (2014), H. 5, S.4-6.

[6] Dean,Sidney E: Chinas rivalisierende Partner: Noch ist es nur der Streit um Rohstoffe, in: Marine Forum. Ausgabe A: Zeitschrift für maritime Fragen. – 86 (2011), H. 11, S.8-9, macht darauf aufmerksam, dass China z.Z. als einziges Land weltweit mit der Ausbeutung vom Tiefseewasserrohstoffen beginnt.

[7] Bidder, Benjamin: Arktisches Roulette: in Der Spiegel, (2012), H. 34, S.113-115.

[8] Rinke, Andreas: Wem gehören die “global commons”? Der Wettlauf um noch nicht eroberte Gebiete hat begonnen, in: Internationale Politik. IP. – 69 (2014), H. 2: Keine Offenbarung? S.98-103, bewertet die Chancen skeptisch, diese aktuelle Form der Aneignung zu regulieren und eindämmen zu können.

[9] Voronkov, Lev S.: Russia´s new Arctic strategy, in: International affairs, A Russian journal of world politics, diplomacy and international relations, 58 (2012), H. 2, S.140-154.

[10] Siehe auch jüngste russische Filme, wie “Celestial Wives of the Meadow Mari”, von Alexey Fedorchenko (2012), oder “Territory”, von Alexander Melnik (2015), die die arktische Identität Russlands spiegeln.

[11] Luk´janov, Fedor: Eurasia on it´s way to the future, in:Moscow defense brief: MDB; your professional guide inside. – (2014), H. 3 = 41, S.2-3.

[12] Vgl.:RoyalDanishDefenceCollege, 214, Brief.Greenland and the New Arctic Political and security implications of a state- building project. Rear Admiral Nils Wang and Dr. Damien Degeorges, S.6 f.: “The United States Geological Survey (USGS) estimates that about 13% of the undiscovered oil, 30% of the undiscovered natural gas, and 20% of the undiscovered natural gas liquids in the world are located in the Arctic region. (…) However, it is estimated that 97% of the oil and gas reserves in theArctic Ocean are located within the already-determined and, until now, un-questioned Exclusive Economic Zones of the Arctic coastal states. As the majority of the known minerals in the region are located ashore, almost all known natural resources in the Arctic region are already legitimately owned by a state.” Oder bezogen auf Deutschlands Wirtschaftsinteressen im internationalen Kontext: Haftendorn, Helga: Schatzkammer Arktis: Deutschlands Interessen an Rohstoffen aus dem Hohen Norden, Internationale Politik: IP.-67 (2012), H. 4: Zu neuen Ufern, S.91-97.

[14] Seit März 2015 führt in den isländischen Meinungsumfragen die Piratenpartei. Sie würde im Moment mit 35% mehr Stimmen erzielen als die regierende Zweiparteienkoalition zusammen genommen. In dieser Partei leben Pazifismus, romantische Ideen von der Verstaatlichung der Fischereiindustrie und ist Edward Snowden der größte politische Held. Vgl: http://grapevine.is/news/2015/11/16/mmr-poll-pirates-with-over-35-on-top-for-past-nine-months/.

[16] Dazu gehört auch der Besuch des isländischen Außenministers im Pentagon am 1.7.2015, in der die Bedeutung des 1951 unterschriebenen bilateralen Sicherheitsvertrages hervorgehoben wurde. http://www.defense.gov/news/newsarticle.aspx?id=129195.

[19] Breum, Martin: The Greenland Dilemma,Copenhagen March 2015, Royal Danish defence College, S.149f.

[20] A.a.O., S.173.

[21] Haftendorn, Helga & Ermes, David: Der Kampf um den Nordpol: Wem gehört die Arktis?, in Politische Studien *München*: Zweimonatszeitschrift für Politik und Zeitgeschehen. – 65 (2014), H. 454, S.6-14.

[22] Dolota, Petra: Kanada und die Energieressourcen der Arktis, in: ZFAS: Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik. – 7 (2014), H. 3, S.301-310.

[23] Humrich, Christoph: Ressourcenkonflikte, Rechte und Regieren in der Arktis, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zur Wochenzeitschrift „Das Parlament“. 61, (2011), H. 5/6, S. 6-13. Der Autor gehört zu jenen, die zumindest im Jahr 2011 einen eskalierenden Konflikt in der Arktis als keineswegs zwangsläufig annahmen.

[25] Ingimundarson, Valur: Die Kartierung der Arktis: Bodenschätze, Großmachtpolitik und multilaterale Governance, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zur Wochenzeitung „Das Parlament“. 61 (2011), H. 5/6, S.14-23.

[26] Unklar ist, wie Kanada diese Ansprüche durchsetzen will. Das Delta zwischen den Verteidigungsplanungen und den angenommenen Herausforderungen ist bemerkenswert. Diekmeyer, Peter, Defending the true north, in: Jane´s defence weekly: JDW. – 50 (2013), H. 20, S.24-27.

[27] Siehe auch Ridgeway Khalifa, Daisy: Sorting out the far north: Arctic and Non-Arctic players look to law at the Sea, in: Sea power: The official publication of the Navy League of theUnited States, 55 (2012), H. 8, S.32-35. Denn diese VN Konvention ist keinesfalls unumstritten und birgt Konfliktpotenzial.

[29] Lage Dyndel, Gjert: The political challenge to petroleum activity aroundSvalbard, in: The RUSI journal. – 159 (2014), H. 2, S.82-88.

[30] Oreshenkov, Alexander: Arctic square of opportunities: The North-Pole and the „shelf“ of Svalbard cannot be Norwegian, in:Russia in global afffairs.-8 (2010), H. 4, S.136-144.

[31] Vgl. Gaarder, Godrun: David und Goliath – Norwegen, Russland und ihre Interessen im Hohen Norden; in: Die Arktis, Ressourcen, Interessen und Probleme, Berichte & Studien 91, Hans Seidel Stiftung 2010.

[33] Knudsen, Andreas: Grenzsuche im schmelzenden Eis: Anspruch auf Teile der Arktis; Zusammenarbeit und Konfliktlösung, in: Marineforum. Ausgabe A: Zeitschrift für maritime Fragen. – 86 (2011), H. 7/8, S.32-35.

[34] Fenenko, Aleksej V.: Russland und der Konkurrenzkampf um die Umverteilung der Polargebiete, in: MEMO. – 47 (2011), H. 4, S16-29.

[37] Mazo Jeffrey: Who owns the North Pole?: in Survival: global politics amd strategy. – 56 (2014), H. 1: God and mission in US foreign policy, S.61-69, sieht in den Gebietsansprüchen eher Imagegründe und innenpolitische Ursachen als wirtschaftliche sowie sicherheitspolitische Gründe.

[39] Vgl. Stehr, Michael: Maritime Sicherheit im 21. Jahrhundert – der Beitrag des internationalen Seerechts, S. 75 – 94, in: Jopp, Heinz-Dieter (Hrsg.), Maritime Sicherheit im 21. Jahrhundert, in: Demokratie, Sicherheit, Frieden, DFS Band 215, NOMOS, 2014.

[40] Auch im Westen wird diese Dimension des Klimawandels verstanden, wie u.a. die Teilnahme Großbritanniens am Flottenmanöver „Cold response“ im Jahr 2012 zeigt. Sie war eine kraftvolle Indikation für die strategischen Interessen von UK an der Arktis. in: Depledge Duncan and Dodds Klaus: Testing the Northern flank: The UK, Norway and exercise cold response, The RUSI journal.-157 (2012), H. 4, S.72-78.

[42] Mommsen, Klaus: Russland gibt den Startschuss: Die Militarisierung der Arktis hat begonnen, in: Marineformum, Ausgabe A: Zeitschrift für maritime Fragen. – 87 (2012), H. 12, S.10-11.

[44] Lavrov, Anton: Northern joint strategic command of the Russian Armed Forces, in:Moscow defense brief: MDB; your professional guide inside. (2014), H. 6, S.26-28.

[45] Boltenkov, Dmitry: The Russian northern fleet, in:Moscow defense brief: MDB; your professional guide inside. – (2014), H. 1 = 39, S.20-24.

[46] http://www.china.org.cn/world/2014-12/02/content_34201860.htm; “A new Russian strategic military command covering the Arctic region went operational Monday, marking a major move Moscow has been mulling to beef up its presence in the area. The command, which is subject to the Northern Fleet, will exercise leadership over all armed forces of Russia in the Arctic so as to improve structure of the military there, Interfax news agency reported. Following the establishment of the Arctic strategic command, the Northern Fleet will cease to be part of Russia's Western Military District and become an independent operational-strategic unit, according to the report. As more military personnel and hardware are expected to be directed to the command, the missions in the new training year will have to be performed in new capacity, the Northern Fleet commander Vladimir Korolyov said at a lineup ceremony at the fleet's central base in Severomorsk. President Vladimir Putin has said his country will never "surrender" the Arctic area and ordered the Defense Ministry to take every step necessary to protect the country's security and national interests in the region. Also on Monday, Russian Defense Ministry said the air forces will further hone their capability in the Arctic. (…) In October, Natural Resources Minister Sergei Donskoi said Russia was planning to submit another request to the United Nations, seeking to expand its Arctic borders by 1.2 million square kilometers.” Ganz anders argumentiert Valery Konyshev, der die russischen Interessen als rein wirtschaftlich beschreibt und davon ausgeht, dass Russland in der Arktis lediglich eine Softpower-Strategie verfolgt: Konyshev, Valery, Sergunin, Alexander: Is Russia a revisionist military power in the Arctic?, in: Defense & security analysis. 30 (2014), H. 4, S.323-335.

[47] Vgl dazu die amateurhaft wirkenden Anstrengungen selbst der USA. Insinna Valerie, Military challenged by changing arctic landscape, in: National defense: NDIA´s business & technology magazine. – 98 (2014), H. 723, S.24-27.

[49] Vgl. die Studie des US Archäologen Jared Diamond, in: Collapse, How Societies choose to fall or succeed, Penguin 2005, S.178-276.

[51]RoyalDanishDefenceCollege, 214, S.9.

[52] A.a.O.

[53]Knudsen, Andreas: Die Arktis – Nahinteressengebiet für Kopenhagen, in: Marineforum. Ausgabe A: Zeitschrift für maritime Fragen. – 87 (2012), H. 12, S.4-9.

[60] Offenbar hat China mittlerweile die insolventen westlichen Partner aufgekauft und wird das Project in eigener Regie weiterführen, vgl. http://www.adn.com/article/20150306/china-mining-and-housing-arctic.

[61] Lanteigne, Marc: China´s Emerging Arctic Strategies,University ofIceland, Institute of International Affairs. The Centre for Arctic Policy Studies, 2014, S.26f.

[62] Lanteigne, S. 28.

[68] Royal Danish Defence College, 214, a.a.O.:” Technically, Greenland could decide to become independent through a referendum, and then be recognized as a state by other states, and treated de jure as such in the international system. This independence option is explicitly mentioned in the Self-Rule Act. The main issue, however, is not whether or not Greenland technically may secede from theKingdom ofDenmark, but how to define the degree of independenceGreenland is capable of enforcing. The strategic location in theArctic and the huge potential of natural resources have already given Greenlandic self-rule a prominent “near-state” status in global affairs. The visit to Greenland in 2012 by the head of a G20 state, then South Korean President Lee Myung-bak, without a stop-over in Denmark and without the presence of the Danish Prime Minister, was for the self-ruled territory a clear sign of recognition on the world stage. This was further highlighted in 2011 when then Greenland Minister of Industry and Natural Resources Ove Karl Berthelsen visited China, and was received by China’s then Vice-Premier, now Premier, Li Keqiang.”

[70] Vgl. Lanteigne, S. 16.

[72] Vgl. Lanteigne, S. 17.

[74] Vgl. Handelsblatt vom 13.03.2013: „Die künftige Regierungschefin will mehr von ausländischen Investoren verlangen, aber auch das bislang herrschende Abbauverbot für Uran und Seltene Erden lockern. (…) Hammond hatte im Wahlkampf dem bisherigen Regierungschef einen voreiligen Verkauf heimischer Ressourcen an chinesische Interessenten vorgeworfen. Dieser hatte unter anderem durchgesetzt, dass der grönländische Mindestlohn für mehrere tausend chinesische Bergarbeiter in einem geplanten Erzbergwerk nördlich von Nuuk außer Kraft gesetzt werden kann. Hammond kündigte noch in der Wahlnacht an, sie werde diese Regelung im neuen Parlament erneut zur Abstimmung stellen. Außerdem will sie eine höhere Besteuerung ausländischer Investoren durchsetzen. Hammond tritt aber auch für eine Lockerung des bisher kompletten Abbau-Verbotes für Uran sowie für „Seltene Erden“ ein, die für Hightech-Produkte wichtig sind.“ Allerdings könnte Hammond nun bereits im November durch angesetzte Neuwahlen selbst abgelöst werden. Die Wahlen sind für den 28.11.2014 nach einem Bestechungsskandal angesetzt worden.

[76] Rainwater,Shiloh: Race to the North: China´ s Arctic strategy and its implications, in: Naval War College review. – 66 (2013), H. 2, S.62-82.

[81] A.a.O.

[84] In der westlichen sicherheitspolitischen Gemeinde wird bei der Beurteilung des asiatischen Umfeldes davon ausgegangen, dass China versucht „die Nachbarstaaten (…) in halbsouveräne Provinzen zu verwandeln, ohne sie dabei militärisch unterwerfen zu müssen, (…) durch demografische Expansion und wirtschaftliche Anbindung immer abhängiger von einer Pekinger Interessensdefinition zu machen.“ In: Umbach, Frank, Maritime Sicherheit – Fallstudie Ostasien, in: Maritime Sicherheit im 21. Jahrhundert, DSF Band 215, NOMOS 2014, S.262–300.

[87] Chinese company puts money on table; visir.is—Yesterday Klappi Development ehf and the Chinese company NFC signed a document of understanding on financing the construction of a 120,000-tonne aluminium smelter in a planned industrial zone at Hafursstadir in Skagabyggd (NW-Iceland). Prime Minister Sigmundur David Gunnlaugsson (Progressive Party) and Zhang Weidong,China’s Ambassador toIceland, gave speeches on the occasion. Plans call for Icelandic parties to own a majority of the shares in the aluminium smelter. On the other hand, NFC, according to the declaration, will guarantee at least 70% of the costs of the project. In addition, it will guarantee the operations of the aluminium smelter during its start-up.  The energy needs of the aluminium smelter will be 206 MW. The power is expected to come from Blonduvirkjun Power Station (W-Iceland). A press release states that there will be an estimated 240 permanent jobs in the Klappi Aluminium Smelter and up to 800 temporary jobs during the construction period. Hafursstadir is just south of Skagastrond. Both Saudarkrokur and Blonduos will be within smelter’s employment area.

[95] Günther W. Gellermann: Geheime Wege zum Frieden mit England. Bernard & Graefe Verlag, Bonn 1995. ISBN 3-7637-5947-6. S.27-39.

[96] Vgl. Watson, Mark Skinner:United States Army in WW II. Library of Congress Catalog Number 50-62989, S.485ff.

[97] Vgl. das Buch Atomstation des isländischen Literatur Nobelpreisträgers Halldór Laxness.

[98] Vgl. die sehr informative Dissertation von Katrin Rupprecht: Der deutsch-isländische Fischereizonenstreit 1972-1976. Krisenfall für die NATO. Bonn, 2011. Anhand der bisher eingestuften Akten des AA werden die Hintergründe isländischer Multivektorenpolitik herausgearbeitet.

[101] Thukydides: Der Peloponnesische Krieg: „Nein, im Rahmen des von uns als wahr Erkannten sucht das Mögliche zu erreichen, da ihr ebenso gut wie wir wißt, daß Recht im menschlichen Verkehr nur bei gleichem Kräfteverhältnis zur Geltung kommt, die Stärkeren aber alles in ihrer Macht Stehende durchsetzen und die Schwachen sich fügen.“ S. 269, Reclam, 1985.