Die Entwicklung des Katasterwesens im Donauraum: Ein Symposium an der Landesverteidigungsakademie Wien



In Kooperation mit dem Institut für den Donauraum und Mitteleuropa (IDM) fand am Mittwoch das Symposion über die Entwicklung des Katasterwesens im Donauraum an der Landesverteidigungsakademie statt. Zur Eröffnung sprachen Generalleutnant Erich Csitkovits, Kommandant der Akademie, und Vizekanzler a.D. Dr. Erhard Busek, Präsident des IDM. Veranstaltet wurde die Tagung vom Institut für Strategie und Sicherheitspolitik an der Landesverteidigungsakademie, unter der Leitung von Dr. Erwin Schmidl.

Anfänge des Katasterwesens

Vor 300 Jahren, 1718, begann unter Leitung des Direktors der Wiener Ingenieursakademie, des kaiserlichen Hofmathematikers und Professors Johann Jakob von Marinoni (1676–1755), die Vermessung des Herzogtums Mailand – dies gilt als die erste derartige landesweite Erfassung. Mailand war nach dem Spanischen Erbfolgekrieg österreichisch geworden. Das genaue Verzeichnis der Grundstücke (eben ein Kataster) bildete die Grundlage eines neuen, gerechteren Steuersystems.

Das Franziszeische Kataster unter Franz I

Weitere wichtige Entwicklungsschritte für das Katasterwesen in Mitteleuropa waren die Theresianische Steuerrektifikation von 1748 und die Josephinische Grundsteuerregulierung von 1789. Im Machtbereich Napoleons begannen 1808 genaue Vermessungen zur Anlage eines einheitlichen Parzellenkatasters, die nach 1815 in den Ländern des Deutschen Bundes fortgesetzt wurden. In Österreich erließ Kaiser Franz I. Ende 1817 das Grundsteuerpatent als Grundlage für die Anlage des „Franziszeischen Katasters“.

Militär erledigte Vermessungsarbeit

In den folgenden Jahrzehnten wurde das gesamte Gebiet des Kaisertums Österreich systematisch vermessen und ein einheitliches Grundbuchsystem geschaffen. Die Durchführung der Vermessungsarbeiten lag in der Regel beim Militär, wobei die kartographische Erfassung der habsburgischen Lande gleichzeitig der Ausbildung des Geländeverständnisses der angehenden Generalstabsoffiziere diente.

Wesentliches Element der Rechtsordnung

Bis in die Gegenwart stellen die seit damals geschaffenen klaren Grenz- und Besitzverhältnisse ein wesentliches Element der Rechtsordnung dar – dies zeigt sich nicht zuletzt im Vergleich zu jenen Gebieten, wo diese Tradition fehlt. Klarheit der Besitzverhältnisse und rechtliche Sicherheit aber sind wesentliche Voraussetzungen für Investitionen – und damit sind wir bei der aktuellen Relevanz dieses Themas.

Kataster für Krisengebiete

Gerade in Krisengebieten, etwa in Südosteuropa, kann eine dauerhafte Befriedung nur durch wirtschaftliche Prosperität gelingen. Für Investitionen aber ist Rechtssicherheit über Grundbesitz und -ansprüche ein wesentlicher Faktor – viele vielversprechende Entwicklungsprojekte scheiterten am Fehlen dieser Klarheit. In diesem Zusammenhang sind die internationalen Bemühungen um die Schaffung eines einheitlichen europäischen Katasters zu verstehen.

Hofrat Dr. Schmidl bei seiner Begrüßung

Generalleutnant Mag. Csitkovits im Gespräch mit Vizekanzler a.D. Dr. Busek

Die Fachexperten bei der Podiumsdiskussion