Die Schlacht am Lomba:

„Operation Moduler“ als erste Phase der Kämpfe bei Cuito Cuanavale

(August-Dezember 1987)

 

Stefan Goertz

  

Einleitung

Zwischen August 1987 und März 1988 tobte im südöstlichen Angola die größte Materialschlacht, die der Kontinent seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt hatte. Im Kontext des Kalten Krieges und des angolanischen Bürgerkrieges prallten die Stellvertreter der jeweiligen Blöcke aufeinander. Es war gleichzeitig, zusammen mit Afghanistan, der letzte Kriegsschauplatz des systemischen Konfliktes. Das Ergebnis der Militäroperationen, das New Yorker Friedensabkommen vom 22. Dezember 19881), leitete nicht nur die Unabhängigkeit Namibias ein, sondern wirkte sich auch maßgeblich auf die politischen Entwicklungen in Südafrika aus. Der folgende Beitrag schildert den ersten Teil der Operationen zwischen den Ufern des Lomba und dem Ort Cuito Cuanavale.

Hintergrund und Terrain

In den Jahren nach der Unabhängigkeit Angolas (1975) und der Machtübernahme der marxistischen Partei Movimento Popular de Libertação de Angola – Partido do Trabalho (MPLA), kam es zum Bürgerkrieg mit der União Nacional para a Independência Total de Angola (UNITA). Obwohl letztgenannte eher maoistisch geprägt war, führte die kubanische und sowjetische Unterstützung der MPLA dazu, dass UNITA, mangels Alternativen als Verbündeter des Westens betrachtet wurde. Aufgrund der geographischen Nachbarschaft zu Namibia wie auch der ideologischen Nähe von MPLA und der South West African People’s Organisation (SWAPO), sah Südafrika seine Interessen dort durch die MPLA bedroht. Schon 1975 kam es, mit Unterstützung der USA, zur südafrikanischen Intervention im Rahmen der „Operation Savannah”.2) Dieser folgten über Jahre hinweg eine Vielzahl weiterer Operationen zur Bekämpfung von SWAPO Basen und Infiltrationsrouten auf angolanischem Gebiet oder zur Unterstützung der UNITA, die sich im Südosten des Landes behaupten konnte und somit circa 1/3 des gesamten Staatsgebietes unter ihrer Kontrolle hatte. Das südliche Angola sollte, aus Sicht der Südafrikaner, keinen Bereitstellungsraum für SWAPO‘s militärischen Arm, der „People‘s Liberation Army of Namibia“ (PLAN), bieten und als „Pufferzone“ das Einsickern deren Kämpfer verhindern.

Die angolanische Regierung und deren kubanische und sowjetische Berater nahmen allerdings die Operationen der Südafrikaner grundsätzlich als ambitionierter wahr, als diese tatsächlich waren. Die Verbündeten des Warschauer Pakts glaubten darin den Versuch einer erweiterten „Invasion“ Angolas und das Ziel, die MPLA-Regierung durch die UNITA zu ersetzen, zu erkennen.3)

Mit der Ankunft des sowjetischen Generals Konstantin Kurochkin im Dezember 1985 begannen die Neuausstattung und Ausbildung durch Ostblockakteure wie Kuba und die Sowjetunion (UdSSR), die dort jeweils 15 000 und 6000 „Militärberater“ stationierten.4) Die Regierungstruppe (FAPLA) wurde in eine konventionelle Streitmacht um- und aufgerüstet, so dass die strategische Waage endgültig zugunsten der Regierung ausschlug. UNITA sollte durch einen konzentrierten, konventionellen Schlag als Bürgerkriegspartei ausgeschaltet werden.

Die erste Offensive dieser neuen Truppe wurde im August und September 1986, noch in deren Bereitstellungsräumen bei Cuito Cuanavale, durch 4000 UNITA-Kämpfer, unterstützt durch südafrikanische Haubitzen und Spezialkräfte, gestoppt und endete mit dem Rückzug nach Lucusse, Munhango und Menongue.5) Die Lehren aus diesem Rückschlag wurden gezogen, die Truppe aufgefüllt, umgruppiert, und 1987 sollte eine Wiederholung der Operation die endgültige Entscheidung erzwingen.

Am 1. Mai bat UNITA um südafrikanische Unterstützung, am 22. Juni wurde in Pretoria die Durchführung der „Operation Moduler“ autorisiert.

Das Operationsgebiet umfasste 15 000 Quadratkilometer. Dessen westliche Grenze war der von Norden nach Süden fließende Cuito, die südliche Grenze der von Westen nach Osten fließende Lomba. Insgesamt fließen in diesem Gebiet drei große und neun kleinere Flüsse, weshalb ein Großteil der Kämpfe um Brücken und Furten tobte. Entlang seines Verlaufs südlich von Cuito Cuanavale wird der Cuito durch die nach Westen fließenden Flüsse Chambinga, Hube, Vimpulu und Mianai gespeist. Eine Wasserscheide, deren nördlichster Ausläufer die östlich von Cuito Cuanavale gelegenen Chambinga Höhen ausmachen, trennt dieses Flusssystem von drei weiteren Flüssen im Osten, von denen zwei (Cunzumbia und Cuzizi) nach Süden fließen. Diese münden in den Lomba, der direkt in östliche Richtung fließt, bis er auf den ostangolanischen Kuando trifft.

Das Gebiet ist eher trocken, mit sandigen Böden und dichten Akazienwäldern, die sich weiter südlich lichten und durch Savannen ersetzt werden. Die Regenzeit erstreckt sich von November bis April und erzeugt auf den Lichtungen kurzzeitig kleine, flache Seen und sumpfartige Bedingungen entlang der Flussufer. Eine Straße verbindet Mavinga und Cuito Cuanavale, weshalb der Großteil der Operationen in Gelände stattfand, das für Panzer- und motorisierte Kräfte ungeeignet ist.

Ziele und Kräfteverhältnisse

Ziele

MPLA/FAPLA

Die angolanische Regierung und deren Verbündete verfolgten mit der Operation „Saludando Octubre” (Oktobergrüße) des Jahres 1987 das Ziel, UNITA endgültig als Kontrahent auszuschalten und deren Gebiet unter die Kontrolle der Regierung zu bringen. Dies sollte durch die Eroberung der Orte Mavinga und Jamba erreicht werden. Im Erfolgsfall würde zudem der Einfluss Südafrikas zurückgedrängt werden und verbündete Organisationen, wie SWAPO und der African National Congress (ANC), an operativem Handlungsspielraum im benachbarten Namibia, Botswana und Südafrika gewinnen.

Die Planung und Führung einer konventionellen Operation von diesem Umfang wurde durch sowjetischen und kubanischen Offiziere übernommen.6)

UNITA/Südafrika

UNITAs Primärziel war der Selbsterhalt durch die Abwehr der FAPLA-Offensive. Weitere strategische Ziele befanden sich zu diesem Zeitpunkt außerhalb der Reichweite dieser weitgehend geschwächten und zerstrittenen Bewegung.

Südafrika verfolgte mit seinen Operationen folgende Ziele:

1. Strategisch:

UNITA und deren Gebiet als „Puffer“ gegen SWAPO zu erhalten. Gelänge FAPLA die Eroberung des angolanischen Südostens, wären die Einsätze der vorherigen 14 Jahre seitens der „South African Defence Force“ (SADF) umsonst gewesen. Neue Infiltrationsrouten würden entstehen, indem SWAPO und der ANC ihre Ausbildungslager ins südliche Angola verlegen könnten, viel näher an Namibia und Südafrika. Südafrika hatte den Verlust des namibischen Mandatsgebiets (UN-Resolution 435) akzeptiert, erhoffte sich jedoch eine sozialistische, sprich: eine SWAPO-Übernahme, verhindern zu können.7)

2. Operativ:

1. Die FAPLA Offensive zu stoppen und deren Kräfte nachhaltig zu schwächen.

2. Eine Gegenoffensive mit dem Ziel, FAPLA auf das Westufer des Cuito zu verbannen, aber ohne dabei eine internationale Eskalation zu verursachen, die zu einem direkten Einsatz von Ostblocktruppen führt. Aus dieser Überlegung heraus, zu der es bei den Entscheidungsträgern durchaus stark divergierende Ansichten gab, resultierten operative Einschränkungen, die von einer „westlichen Zangenoperation“ (westlich des Cuito), einer Eroberung von Cuito Cuanavale und Einkesselung bzw. gänzlichen Zerstörung der FAPLA-Truppen auf der Ostseite des Flusses absahen. Generalmajor Roland de Vries8) fasste die unterschiedlichen Auffassungen zusammen: „…eine westliche Angriffsbewegung zielte mehr darauf ab, den Feind zu zerstören. Eine östliche Angriffsbewegung zielte eher darauf ab, den Feind zu ärgern.“

Kräfteverhältnisse und Schlachtordnung

Vom Bereitstellungsraum der vom sowjetischen Generalmajor Iwan Ryabchenko konzipierten FAPLA-Offensive, östlich der Ortschaft Cuito Cuanevale, stießen am 14. August vier Brigaden (16. und 21. Infanterie-, 47. Panzer- und 59. mechanisierte Infanteriebrigaden), mit circa 6000 Mann, 80 Panzern und 340 Schützenpanzern (BMP), Richtung Mavinga vor. Jede Brigade verfügte zudem über 50 bis 100 sowjetische Berater.9) Unterstützt wurden sie dabei von Mig 23 und SU 22 Kampfflugzeugen, Hind MI-24/25/35 und Mi-8/17 Kampfhubschrauber, die von Menongue und Cuito Cuanavale aus in das Kampfgeschehen eingreifen sollten.10) Vier weitere Brigaden, zwei selbständige Abteilungen und diverse Nachschubteile, insgesamt circa 18 000 Mann, befanden sich im Einsatz: Die 25. und 66., mit circa 70 Panzern zur Sicherung des Versorgungsstützpunktes in Tumpo und der Chambingabrücke, die 13. als Garnison von Cuito Cuanavale, die 8. zur Sicherung des Nachschubweges nach Menongue.

Im entfernten Mavinga mobilisierte UNITA das 3. und 5. Reguläre, 13. Irreguläre und das 275. Spezialkräfte Bataillon, einschließlich 24 erbeuteten T55. Drei weitere Bataillone stießen im Verlauf der Operation noch dazu, wodurch insgesamt 3800 Mann zum Einsatz kamen.11)

Die Südafrikaner bildeten zunächst aus unterschiedlichen Einheiten, darunter Teile der 61., 101. und 32. Bataillone, die schwache „20. Brigade“, bestehend aus drei Kampfgruppen („Alpha“, „Bravo“ und „Charlie“), die gemeinsam über sechs Kompanien Infanterie verfügten. Davon waren vier Kompanien motorisierte Infanterie in leicht gepanzerten Wagen vom Typ „Casspir“ und „Buffel“, wie auch zwei Panzergrenadierkompanien in Schützenpanzerwagen (SPW) vom Typ „Ratel 20“. Außerdem bestand der Verband aus einer Panzerwagenkompanie (Ratel 90), drei Zügen 8,1 cm Granatwerfer (Ratel 81) und einigen Unterstützungseinheiten, darunter ein Zug Panzerjäger. Die Panzergrenadiere und Mehrzahl der Panzerwagen stammten ursprünglich vom 61. Mechanisierten Bataillon, dem stärksten konventionellen Verband, über den die Südafrikaner bis dahin in der Region verfügten.12) Insgesamt waren 130 Wagen des Verbands im Einsatz, alle unterschiedliche Versionen des als Schützenpanzerwagen konzipierten „Ratel“.

Die Panzerkompanie des 61., ausgestattet mit dem mittleren Kampfpanzer „Olifant“13), war jedoch zunächst ausgegliedert bzw. im Hauptstützpunkt in Namibia zurückgelassen worden. Diese umstrittene Entscheidung wurde getroffen, um den „Fußabdruck“ der Südafrikaner so klein wie möglich zu halten und somit eine Eskalation zu vermeiden. Tatsächlich verband die südafrikanische Regierung mit diesem Ansatz die Hoffnung, dass die eigene Intervention weitgehend geheim bleiben könnte. Erst am 11. November wurde die Präsenz eigener Kräfte in Angola öffentlich eingeräumt. Angesichts der bis dahin schon stattgefunden Ereignisse eine geradezu absurde Kommunikationsstrategie. In der Praxis bedeutete es jedoch, dass die SADF über viel zu schwache Kräfte verfügte, um aus taktischen Erfolgen operative Durchbrüche zu erzielen.14)

Außerdem war ein Großteil des 32. Bataillons, mit fünf Kompanien, einer Batterie „Valkiri“ Raketensalvengeschützen und 12 cm Granatwerfern, wie auch zwei 2 cm Flakzügen, im Einsatz. Drei Kompanien (B, D und G) und der Panzerjägerzug dieses Eliteverbandes waren zwischen den Kampfgruppen aufgeteilt worden.15)

Artillerieunterstützung stellte das ad hoc zusammengestellte „20. Artillerieregiment“, welches zu diesem Zeitpunkt über drei Batterien verfügte:

-       „Q-Batterie“ mit acht G 5 (15,5 cm) Haubitzen

-       „P-Batterie“ mit acht 12,7 cm „Valkiri“.

-       „S-Batterie“ mit neun 12 cm Werfern

Jeder Batterie wurden, aufgrund des beweglichen und voneinander unabhängigen Einsatzes, eigene Luftabwehr- und Infanterieelemente zur Sicherung unterstellt, darunter zwei Kompanien des 32. und UNITA-geführte „Stinger“ Luftabwehrraketen.

Die SADF erkannten ab September die Notwendigkeit, ihre eingesetzten Truppen mit der bereitgehaltenen Kompanie „Olifant“ Kampfpanzer und einem zusätzlichen Bataillon Panzergrenadiere, dem 4. Infanteriebataillon (4. SAI), zu verstärken. Dadurch verdoppelte sich die Anzahl der beteiligten Truppen auf 3000 Mann. Diese Stärke wurde zu keinem Zeitpunkt der angolanischen Intervention überschritten und wird durch den Militärhistoriker Leopold Scholtz16) als „jämmerlich unzureichend“ beschrieben. Ab 23. Oktober wurde, im Rahmen dieser Verstärkung und Umgruppierung, aus der 20. Brigade die „Task Force 10“ gebildet.

Die drei Kampfgruppen verfügten dadurch, mit nunmehr insgesamt zehn Infanteriekompanien und drei zusätzlich angegliederten UNITA- Bataillonen, über mehr Schlagkraft. Der Kampfgruppe „Charlie“ wurde die herangeführte Kompanie Kampfpanzer (13 „Olifants“) zugeteilt. Die Kampfgruppen wurden nach dem Rotationsprinzip eingesetzt, mit einer Kampfgruppe abwechselnd in Reserve, wobei die Panzerkompanie, als Leistungsträger im Angriff, jeweils der Schwerpunktkampfgruppe zugeteilt wurde.

Das Artillerieregiment wurde um drei weitere Batterien (R-, 44.- und J-Batterien) verstärkt, darunter die einzigen drei G 6 Panzerhaubitzen der südafrikanischen Armee. Die hinzugekommene R-Batterie bestand aus acht G 5 Haubitzen, die durch die Granatwerfer der S-Batterie verstärkt wurden, indem Letztgenannte aufgelöst wurde.

 

Schlachtverlauf

Der Anmarsch

Am 28. August erreichten die ersten Spitzen des FAPLA-Verbandes das nördliche Ufer des Lomba. Offenes Gelände vermeidend, einer schleppenden Logistik und dem unnachgiebigen Störfeuer der hochmobilen südafrikanischen Artillerie geschuldet, betrug die Durchschnittstagesmarschleistung nur vier Kilometer. Ryabschenko hatte zudem den Spritverbrauch im afrikanischen Busch unterschätzt, was schon nach 50 Marschkilometern zu Versorgungsengpässen führte.17)

Die Tagesmarschleistung der Südafrikaner erreichte dahingegen das Zehnfache, da diese organisatorisch wie auch technisch im Vorteil waren.18) Dies verlieh ihnen eine überlegene Beweglichkeit und führte dazu, dass ihre zahlenmäßige Stärke oft falsch beurteilt wurde, weil die gleichen Truppen an unterschiedlichen Stellen des Schlachtfeldes vom Gegner detektiert und daher mehrfach gezählt wurden.

In einer Zangenbewegung, ausgeführt durch die 47. und 59. Brigade als westliche, entlang des Flussverlaufs des Cuzizi, die 16. und 21. Brigade als östliche entlang den Ufern des Cunzumbia, rückte die FAPLA-Streitmacht nach Süden vor. Beide Zangenarme verfügten über Aufklärungsabteilungen, die als „taktische Gruppen“(TG) die jeweiligen Vorhuten bildeten und Flussübergänge erkundeten und sicherten. Die westlich vorrückende Streitmacht spaltete sich am Ursprungs- bzw. Quellgebiet des Lomba. Die 59. Brigade marschierte Richtung Osten entlang dessen Nordufer, die 47. stieß an der Quelle vorbei und folgte dann am Südufer. Sie hatte dabei, mit der „TG 1“ an der Spitze, den zusätzlichen Auftrag, das Südufer von feindlichen Kräften zu säubern, um spätere Flussüberquerungen der weiter ostwärts auf den Lomba vorstoßenden Marschgruppen zu erleichtern bzw. zu unterstützen, darunter auch die der am Nordufer parallel vorrückenden 59. Brigade. Die 16. und 21. Brigade würden weiter flussabwärts auf den Lomba treffen, mit der Absicht, ebenso auf das Südufer überzusetzen. Danach sollten alle vier Brigaden mit vereinter Kraft gegen Mavinga vorrücken und den Ort einnehmen.19) Die verstärkte 16. Brigade und die „TG 2“, die linke Flanke des Aufmarsches, wurden durch Versorgungsschwierigkeiten behindert und blieben im Quellgebiet des Cunjamba liegen, während die 21.Brigade den Lomba Anfang September erreichte.

Die von Südosten heranrückenden südafrikanischen Kräfte beabsichtigten auftragsgemäß, den Vorstoß entlang des Südufers (47. Brigade) zu stoppen und gleichzeitig alle Übersetzungsversuche der anderen Brigaden zu verhindern.

Die Lombakämpfe

Erster Kontakt und erste Scharmützel fanden am 10. September statt. Die Kampfgruppe „Bravo“ der SADF stieß auf FAPLA‘s 21. Brigade, die in Teilen schon den Lomba überquert hatte. Allerdings erfolgte dieser Übersetzversuch an einer Stelle, die die 47. Brigade noch nicht erreicht hatte und folglich nicht unterstützen konnte. „Bravo“ griff an und es kam zum Einsatz der zur Erprobung eingesetzten Panzerjäger(ZT-3) unter Major Nortmann, dem stellvertretenden Kampfgruppenkommandeur. Diese vernichteten, unterstützt durch die zwei Infanteriekompanien der Kampfgruppe, die Panzerspitze der Brigade und erzwangen so den Rückzug der Angolaner. Der Brückenkopf war eingedrückt und Kampfgruppenkommandeur Hartslief tastete sich am folgenden Tag nach Westen gegen einen verlassenen UNITA-Stützpunkt vor. Dieser war inzwischen von der „TG 1“ besetzt worden, wodurch die reale Gefahr bestand, dass sich die anrückende 47. Brigade darin festsetzen könnte. Am 13. erfolgte somit der Angriff mit Artillerieunterstützung, und „Bravo“ durchbrach auf Anhieb den äußeren Verteidigungsring ohne eigene Verluste. Die FAPLA-Infanterie floh über die sumpfige Lombaau, kam dort aber nur schwer voran und mehr als 200 Soldaten wurden durch den nachsetzenden Beschuss getötet.20) Die Bunker und Gräben des Stützpunktes erwiesen sich jedoch als Fallen für die eindringenden „Bravo“ SPWs, während gleichzeitig feindliche T-54 Panzer zum Gegenangriff anrollten. Die Südafrikaner zogen sich zurück und hinterließen drei abgeschossene und zwei festgefahrene Fahrzeuge, wie auch acht Tote. „Charlie“ griff daraufhin den Stützpunkt am Abend an und kämpfte bis in die Morgenstunden. Als beide Kampfgruppen bei Tagesanbruch mit vereinten Kräften dann zum dritten Angriff antraten, fanden sie den Stützpunkt verlassen vor. FAPLA hinterließ sechs abgeschossene Panzer, Unmengen an Fahrzeugen und 380 Gefallene.21) „TG 1“ war zerstört.

Während „Bravo“ nunmehr alle weitere Übersetzungsversuche der 21. Brigade vereitelte, die täglich bis zum 23. September erfolgten, bewegte sich „Alpha“, der zu diesem Zeitpunkt den schlagkräftigsten Verband der südafrikanischen Einheiten darstellte, weiter nach Westen. Ziel war es, Fühlung zur 47. Brigade aufzunehmen und diese zu zerstören. Erschwert wurde dies dadurch, dass es Teilen der 59. Brigade gelungen war, am 12. und 13. den Lomba zu überqueren und die 47. zu verstärken.

 

Am 16. prallte „Alpha“ auf die Masse der 47.Brigade. Das Zusammenspiel von Ratel 90 Panzerwagen und Ratel 20 Schützenpanzerwagen, unterstützt durch präzise liegendes Granatwerferfeuer der Ratel 81, wie auch der aggressiv angreifenden Infanterie, traf die Angolaner unerwartet hart. Diese Brigade war in materieller und personeller Hinsicht weit stärker als die gesamte SADF-Streitmacht in Angola zusammengenommen. Die Panzerwagen der Südafrikaner konnten ihre Nachteile gegenüber dem T-54/55 lediglich dadurch kompensieren, dass sie, aufgrund der terrainbedingt geringen Sichtweite, nur auf kurze Distanz, von der Seite oder/und unter Bündelung der Feuerkraft, vorgingen. Der ungleiche Kampf zwischen T 54/T55 und Ratel 90, bei denen Letztgenannte ihre Beweglichkeit ausnutzen mussten, war weitaus aufwendiger und verschlang mehr Treibstoff und Munition als geplant. Die damit einhergehende logistische Herausforderung erzeugte eine Pattsituation. Beide Seiten gruben sich im dichten Busch ein und tarnten sich gegen Luftangriffe.

Auch in der Luft waren die Südafrikaner im materiellen Nachteil, da sie sich 400 Kilometer nördlich der Grenze befanden und die eigene Luftwaffe somit nur kurze Zeit über dem Zielgebiet verweilen konnte, während gleichzeitig die hochwertigen Flugabwehrsysteme der Angolaner dies zu einem gefährlichen Unterfangen machten. Die aufgrund des Waffenembargos eher mäßig ausgestattete „South African Air Force“ (SAAF) musste mit ihren Ressourcen haushalten, flog jedoch trotzdem während der gesamten Operation „Moduler“ andauernd Luftangriffe gegen FAPLA-Stellungen und Brücken. Eingesetzt waren 1 Squadron (Mirage F1AZ) und 24 Squadron (Buccaneer) zur Bekämpfung von Bodenzielen sowie 3 Squadron (Mirage III RZ) in Abfangjägerfunktion.22)

Am 3. Oktober kam es zur Entscheidung, als Kampfgruppe „Alpha“ die 47. Brigade im offenen Gelände stellte und, obwohl zahlenmäßig 4:1 unterlegen, angriff. Dazu gekommen war es durch Gefangenenaussagen, denen zufolge die 47. die Kampfkraft von „Alpha“ weit überschätzte und sich nicht in der Lage sah, die südafrikanischen Stellungen anzugreifen. Aufgrund fehlerhafter bzw. unzureichender Aufklärung beabsichtigte die 47. Brigade nun, mit Hilfe der Brückenbaufähigkeiten der am Nordufer aufgefahrenen 59., das Südufer zu räumen und sich mit dieser am Nordufer zu vereinen, um dadurch einen stärkeren Verband bilden zu können. Gemeinsam würde dann wieder nach Osten vorgerückt werden, sich mit den beiden übrigen Brigaden vereint, um dann mit geballter Kraft der SADF entgegen zu treten. Auf diese wertvolle Information reagierend, gliederten die Südafrikaner sofort um und zogen alle Teile des 61. Bataillons zusammen, die zuvor den jeweiligen Kampfgruppen zugeteilt worden waren. Der Auftrag lautete, in den Flussüberquerungsversuch der 47. Brigade hinein zu stoßen.23)

Hauptmann Cloete befehligte die zwölf Ratel 90 Panzerwagen der C-Schwadron, die mit ihren 9cm Kampfwagenkanonen an der Spitze der Streitmacht am frühen Morgen zum Angriff antraten. Das unübersichtliche Gelände, dichter Busch mit entsprechend eingeschränkter Sicht für die Fahrer und Kommandanten, erschwerte die Aufklärung der feindlichen Stellungen und zwang die Südafrikaner, sich im Schritttempo zu nähern. Nachdem UNITA-Späher um circa 08:00 Uhr Kontakt meldeten, sendete Cloete jenen Funkspruch, der die Schlacht am Lomba eröffnete: „Kommandeur an alle: Schwadron in Formation vorwärts …möge Gott euch beistehen.“24)

Eingegrabene Panzer und Flakgeschütze bekämpfend, stieß die Kampfgruppe gegen zunächst zähen Widerstand vor. Es machte sich bemerkbar, dass FAPLA nicht auf dem Ausbildungsstand der Südafrikaner war, die taktischen Entscheidungswege waren länger und die Motivation der Truppe sehr stark vom individuellen Charisma und Kampfgeist der Führungskräfte abhängig. Die Südafrikaner hingegen, dank fortschrittlicher und realitätsnaher Ausbildung, beherrschten das Zusammenspiel von Schützenpanzerwagen (SPW), Infanterie, direktem und indirektem Unterstützungsfeuer. Sie waren im Grabenkampf geübte, aggressive, auf Eigeninitiative und Hartnäckigkeit gedrillte Soldaten.25)

Nach drei Stunden Kampf sahen sich die Südafrikaner gezwungen, den Angriff zum aufmunitionieren abzubrechen. Danach wurde der Angriff fortgesetzt und in weiteren fünf Stunden Kampf die 47. Brigade vernichtet. Deren Reste retteten sich, unter Artillerieschutz der 59. Brigade, zum Nordufer des Lomba. Zurück blieben 150 abgeschossene Fahrzeuge aller Art, das Gerät dreier Flakbatterien und mehr als 600 Tote.26)

Nachrückende südafrikanische Artillerie belegte die Stellungen aller FAPLA-Brigaden mit präzisem Feuer und erschwerte deren Absetzbewegung. Einsätze der angolanischen Luftwaffe gegen die Artilleriestellungen blieben aufgrund deren Tarnung, hoher Mobilität und der südafrikanischen Funkaufklärung erfolglos. Die Niederlage erzeugte schwere interne Zerwürfnisse bei FAPLA und führte zum überstürzten Abzug der sowjetischen Berater, die mit Hubschraubern evakuiert wurden. Dies brach den Kampfgeist der FAPLA Soldaten und am 5. Oktober wurde der allgemeine Rückzug ins 190 Kilometer entfernte Cuito Cuanavale angeordnet. Der Totalverlust einer Brigade, und die Dezimierung einer zweiten, beendete jegliche Hoffnung auf einen Sieg.27)

Die Gegenoffensive

Die Südafrikaner setzen nach, so gut es die logistische Lage erlaubte, was später als „Chambinga Gallop“ bezeichnet wurde. Durch den Rückzug der FAPLA-Truppen geriet Cuito Cuanavale am 14. Oktober erstmals unter Artilleriebeschuss, als die Masse der südafrikanischen Kräfte Richtung Norden an Boden gewann. Am 20. bezogen weitere Batterien südlich des Mianei Stellung und unterbanden den Flugverkehr mit gezieltem Feuer auf die Landebahn. Um deren verlustreichen Beschuss zu beenden, traten Teile der 59. Brigade am 1. November zum Angriff auf die Stellungen der Q-Batterie an. Die Haubitzen zogen sich daraufhin zurück, fuhren sich jedoch im weichen Sand fest und drohten überrannt zu werden. Ein Hilferuf erreichte die Kampfgruppe „Bravo“, die noch im Eilmarsch von weiteren Einheiten, darunter eine Kompanie Panzergrenadiere und ein Zug Panzerwagen unter Major Lotter, verstärkt wurde. Knapp zwei Kilometer vor den festgefahrenen Geschützen, zerschlugen die Südafrikaner die anrückenden FAPLA-Truppen und fügten ihnen schwerste Verluste zu. Am 2. November flog die südafrikanische Luftwaffe Angriffe gegen die verbliebenen Stellungen der 59. Deren gescheiterter Angriff gegen die südafrikanischen Geschütze bedeutete, dass das Flugfeld unter Dauerbeschuss lag und nicht mehr genutzt werden konnte. Die Kubaner, die als Piloten und Bodenpersonal den Großteil der angolanischen Luftwaffe ausmachten, sahen sich gezwungen, die verbliebenen Flugzeuge nach Menongue zu verlegen.28)

Als nächstes Angriffsziel identifizierte die südafrikanische Führung die 16. Brigade, die inzwischen im Quellgebiet des Chambingaflusses lag. In der ersten Novemberwoche flog die SAAF Angriffe, um sowohl den weiteren Rückzug als auch die Versorgung der Brigade zu unterbinden. Deren Zerschlagung sollte durch einen Scheinangriff der Kampfgruppe „Alpha” eingeleitet werden, gefolgt von einem Schlag durch die inzwischen verstärkte Kampfgruppe „Charlie“. Die der 16. Brigade benachbarte 21. Brigade sollte durch einen Scheinangriff der Kampfgruppe „Bravo“ gebunden werden.

 

Die Operation begann um 04:00 Uhr am 9. November mit vorbereitendem Artilleriefeuer, gefolgt durch einen Luftschlag um 06:30 Uhr. Eine halbe Stunde später begann der Scheinangriff und hatte prompt zur Folge, dass die gepanzerten Kräfte der Brigade gegen die vermeintliche Bedrohung der Kampfgruppe „Alpha“ zum Gegenangriff antraten. „Alpha“ zog sich planmäßig zurück und „Charlie“ griff an, mit zwei abgesessenen Kompanien des 32. Bataillons (B und D) und der Panzerkompanie von Major Retief an der Spitze, zum ersten Panzergefecht südafrikanischer Panzertruppen seit 1945. Die T-54/55 gingen in Flammen auf und Retiefs Panzer überrollten die feindliche Infanterie, die überstürzt ihren Gegenangriff abbrach und zu den eigenen Stellungen floh. Der Angriff von „Charlie“ scheiterte jedoch fast am unübersichtlichen Terrain, als die Infanterie zu weit vor die gepanzerte Kräfte der Kampfgruppe vorstieß, unter Abwehrfeuer geriet und zunächst kein Einbruch in die feindlichen Stellungen gelang. Um 11:00 Uhr kam es zum schweren Luftangriff durch Mig-23, doch die Südafrikaner waren inzwischen ins Stellungssystem der Brigade eingebrochen und befanden sich im Grabenkampf. Ein weiterer Gegenstoß der Angolaner brach im Abwehrfeuer zusammen. 17 abgeschossene und vier erbeutete Panzer waren das Ergebnis.29)

Die Kampfgruppe „Charlie“ gewann weiter an Boden, doch um 12:30 Uhr wurde der Angriff abgebrochen, weil die Munition der Kampfgruppe verschossen und deren Versorgung im dichten Busch nicht möglich war. Diese umstrittene Entscheidung, bei der der Kampfgruppenkommandeur und das Brigadekommando unterschiedlicher Auffassung waren, bedeutete die Verabschiedung von dem erklärten Ziel, durch die Eroberung der Quelle des Hube, dem Gegner den Rückweg abzuschneiden und ihn zu zerstören. Die Reste der 16. Brigade konnten daher entkommen.30)

Am 11. November stießen die Südafrikaner nach und griffen erneut die weichende 16. Brigade an. Artillerie und Luftschläge begleiteten die Kämpfe, endeten jedoch am Abend, ohne eine klare Entscheidung herbeigeführt zu haben. FAPLA hatte in zwei Kampftagen 469 Gefallene sowie den Verlust von 24 bzw. 31Panzern und großen Mengen an Gerät zu beklagen, die Südafrikaner 12 Tote, 28 Verwundete, einen zerschossenen SPW, einen beschädigten Panzer und einen Rohrkrepierer bei einer G 5-Haubitze. Die 13. Brigade zog sich weiter zurück, überquerte den Chambinga und setzte sich an dessen Ufer fest. Am 13. November traten die 21. und 25. Brigaden den Rückzug an. Die Kämpfe hatten inzwischen die gesamte Chambingaregion erreicht und somit konnte Letztgenannte, wie auch die 66. Brigade, aus ihrer Sicherungsrolle herausgelöst und in den Kampf geworfen werden. Die Südafrikaner griffen weiter an und die 21. Brigade teilte zwei Tage später das Schicksal der 13. und verlor gegen Kampfgruppe „Charlie“ ihre letzten sieben T 55 und dazu 131 Soldaten. Die Südafrikaner hatten sechs Gefallene, zwei SPW und zwei Versorgungsfahrzeuge zu beklagen. Oberstleutnant Igor Zhdarkin31), verbliebener Berater des FAPLA-Distriktkommandeurs in Cuito Cuanavale, schrieb in seinem Tagebuch: „Die angolanischen Truppen sind fast komplett demoralisiert; die Brigaden sind durchschnittlich noch bei 45 % ihrer Kampfstärke“.

Die Zerstörung der 21. Brigade war nun geplant, doch ein unklares Nachrichtenbild und heftige Gewitter führten zur Fehlentscheidung, die es der Brigade ermöglichte, nachts zu entkommen. Die Flussübergänge der Rückzugswege lagen allerdings unter ständigem Artilleriefeuer, wodurch die abziehenden Einheiten auch hier noch Verluste hinnehmen mussten. Doch das eigentliche Ziel, ihre weitgehende Zerstörung, wurde nicht erreicht.

Am Ende dieser Ereignisse lagen die angeschlagenen Brigaden in einem Brückenkopf am Ostufer und erwarteten den entscheidenden Angriff der SADF. Entlang einer Nord-Südachse lagen die 59., 21., 16., 25. und 66. Brigade, während die Reste der weitgehend zerstörten 47. und 13. Brigaden am Westufer Sicherungsaufgaben übernahmen. Die 25. und 66. Brigaden, unterstützt durch „TG 2“, verteidigten die Chambinga-Brücke und somit das Tor nach Cuito Cuanavale. Der gesamten FAPLA-Streitmacht gegenüber lagen, von Norden nach Süden, KG „Alpha“, „Bravo“ und „Charlie“, wie auch die jeweiligen UNITA-Einheiten.

Am 15. November erbat die angolanische Regierung bei Kuba die dringende Verstärkung der kubanischen Kräfte in Angola, wodurch weitere 15 000 Mann in Marsch gesetzt wurden. Die ersten 300 Spezialisten kamen am 5. Dezember in Cuito Cuanavale an, stärkten dadurch die demoralisierten Reste der FAPLA-Brigaden, während der kubanische General Arnaldo Ochoa den FAPLA-Oberbefehl übernahm.

Am 18. November hatten auch die Südafrikaner Resümee gezogen und der Oberbefehlshaber des Heeres, Andreas Liebenberg, legte drei Optionen zur Auswahl vor:

  1. Die Operation „Moduler” für beendet erklären und dem zunehmenden internationalen Druck durch einen geordneten Truppenabzug entgehen.
  2. Den Angriff verstärken und Einnahme der Brücke über den Cuito bei Cuito Cuanavale, ggf. Einnahme der Ortschaft, insofern diese nicht verteidigt wird.
  3. Den Angriff vom Osten durch eine weitere „Zange“ im Westen verstärken und somit die Einnahme von Cuito Cuanevale und die Isolation der FAPLA-Verbände östlich davon.32)

Die dritte Option würde den Einsatz einer weiteren Brigade erfordern. Mit Blick auf die Bindung der Vollzeitkräfte, bestehend aus Berufssoldaten und Grundwehrdienstleistenden, konnte eine zeitnahe Aufstellung der dazu erforderlichen Kräfte nur durch die Mobilisierung von Reservisten bewirkt werden. Frühestens ab 20. Dezember wären diese im Operationsraum verfügbar, während gleichzeitig die Dienstzeit der Grundwehrdienstleistenden vieler beteiligten Einheiten ablief und deren Ablösung bis zum 15. Dezember stattfinden musste. Außerdem wäre, angesichts des internationalen Drucks, darunter die am 25. November erfolgte Abzugsforderung des UN-Sicherheitsrates33), die Einnahme einer angolanischen Ortschaft mit schwerwiegenden Folgen auf dem internationalen Parkett und einer potentiellen Eskalation des Angola-Südafrika-Namibia-Konfliktes verbunden. Die Meinungen der Generäle waren unterschiedlich und eine Entscheidung wurde daher vertagt.

 

Trotzdem wurde am 25./26. November ein letzter Versuch unternommen, die Chambingabrücke zu nehmen. Kampfgruppe „Alpha“ sollte einen Scheinangriff nördlich der Chambingahöhen einleiten, während zwei UNITA-Bataillone (3. und 5.) von Osten, am Flussufer entlang und unterstützt durch „Bravo“, verstärkt durch die Panzerkompanie, zur Brücke vorstoßen sollten. Kampfgruppe „Charlie“ wurde in Reserve gehalten. FAPLA trat diesem Vorhaben mit circa 5000 Mann und 40 Panzer entgegen. Viel gefährlicher wurden den Südafrikanern jedoch das Gelände, die dichten Minenfelder und die gut eingeschossene feindliche Artillerie. Die Vegetationsdichte behinderte die Fahrzeuge nicht nur bei der Navigation, sondern auch beim Drehen ihrer Türme. Verzögert wurde der Angriff durch UNITA, deren Ankunft sich um vier Stunden verspätet hatte. Dennoch war bis zum Nachmittag FAPLA in Ausweichstellungen gezwungen worden, auch wenn in vier Stunden Kampf nur 800 Meter an Boden gewonnen wurde. Doch dann stiegen die Verluste durch Mig-Angriffe, Artilleriebeschuss und Minenfelder spürbar an. Der Angriff wurde deshalb bei Anbruch der Dunkelheit abgebrochen. Am nächsten Morgen trat Kampfgruppe „Charlie“ mit dem 4. UNITA-Bataillon an und versuchte, die Minenfelder zu überwinden. Artillerie, Luftschläge und der Zusammenbruch der UNITA-Infanterie, die ungeschützt zwischen den SPW und Panzern lag, führten zum Abbruch der Operation.34)

Die Ablösung der Grundwehrdienstleistenden rückte nun in den Vordergrund und am 13. Dezember wurde die Operation „Moduler“ beendet und der Beginn der Folgeoperationen „Hooper“ und „Packer“ eingeleitet.

Schlussbetrachtungen

Der SADF gelang es, gemessen an den ungünstigen politischen Umständen ein herausragendes militärisches Ergebnis zu erkämpfen, während FAPLA vor dem Zusammenbruch stand. Die operativen Herausforderungen der Operation drehten sich für beide Seiten um Logistik, Koordinierung und Organisationsstrukturen.

Logistik

Im Bereich der Logistik fehlten allen Seiten leistungsfähig ausgebaute Straßen, was lange Gefechtspausen erzeugte. Die SADF hatte zu Beginn der Operation die Aufgabe, eine Luftbrücke nach Mavinga zu errichten und gleichzeitig eine Landversorgung aufrecht zu halten. Bei der Luftbrücke mussten die Transportflugzeuge (Hercules C-130) aus Sicherheitsgründen nachts die verdunkelte Landepiste von Mavinga anfliegen. Dabei wurden UNITA-Soldaten eingesetzt, um Sekunden vor der Landung Fackeln entlang des Rollfeldes zu entzünden, die dann durch den Propellerwind des landenden Flugzeuges der Reihe nach wieder erloschen um den Schutz der Dunkelheit dadurch wieder herzustellen. Die Landversorgung, von Rundu nach Mavinga (356 Kilometer) und von dort weiterel 120 bis 150 Kilometer zu den Einheiten, litt unter einem Mangel an Fahrzeugen, Fahrern und Instandsetzungskapazitäten. Dieser konnten jedoch im Verlauf der Operation weitgehend behoben werden. Die Truppe litt zu keinem Zeitpunkt unter dauerhaftem Treibstoff- oder Munitionsmangel, doch fehlte es an einer Vielzahl anderer Versorgungsgüter, vor allem an Ersatzteilen. Fahrzeuge mit Motorschäden fielen bis zu zwei Wochen aus, die Rohre der Haubitzen waren nach monatelangem Einsatz ausgeleiert. Für die Truppe war der Einsatz, bei Temperaturen um die 40 ° C und 90 % Luftfeuchtigkeit, entsprechend entbehrungsreich. Krankheitsbedingte Verluste der SADF beliefen sich bis zum 11. Dezember auf 187 Mann, die nach Rundu evakuiert worden waren.35)

Bei FAPLA waren die Zustände ähnlich. Zudem kam es dort zu Nahrungsengpässen und damit einhergehenden Desertationen. Allerdings verbesserte sich die Logistik gegen Ende der Operation dadurch, dass die Nachschubwege durch den Rückzug verkürzt wurden, während die der SADF sich entsprechend verlängerten.

Koordinierung

Das Zusammenwirken der Einheiten und Waffengattungen scheint innerhalb der SADF gelungen zu sein. Die Philosophie der mobilen Kriegsführung wurde umgesetzt, keine starren Fronten gebildet und die jeweiligen Kampfgruppen und Einheiten bewegten sich autark durch das Operationsgebiet. Bereitstellung, Ruhe oder Versorgung erfolgten grundsätzlich in ad hoc gebildeten „Lagern“, die zur Rundumverteidigung eingerichtet waren.36)

Die Beziehung der SADF zu UNITA gestaltete sich oft schwierig aufgrund sprachlicher, kultureller und organisatorischer Unterschiede. Darunter litten die Koordinierung gemeinsamer Angriffe, der Austausch von Informationen und das Vertrauen in die Kampfleistung der Verbündeten. Im taktischen Geschehen neigten UNITA-Truppen dazu, sich im Verlauf des Gefechts an die Flanken zu bewegen und nicht den Durchbruch anzustreben. So schreibt ein Augenzeuge: „Wenn man den Feind suchte, musste man nur dort hingehen wo UNITA nicht hin wollte.“37)

Bei FAPLA waren die Beziehungen zwischen dem sowjetischen, kubanischen und angolanischen Personal sehr angespannt, was dazu führte, dass Erstgenannte nach dem Lombadebakel abzogen. Unterschiedliche Vorstellungen von moderner Kriegsführung führten zu Spannungen, die die Kampfleistung stark beeinträchtigten. Der Berater Kostrachenkow 38) schreibt dazu: „many Angolans just ran away as soon as the South Africans advanced“. Dies verbesserte sich allerdings spürbar durch die Ankunft kubanischer Verstärkungen und den ersten Abwehrerfolgen gegen Jahresende.

Organisationsstruktur

Die Bildung der 20. Brigade war eine Improvisation und führte unterschiedlichste Einheiten zusammen, die bis dahin weder miteinander geübt noch gekämpft hatten. Allein dies zeigt, dass die Annahme seitens der kubanischen Führung und Teile der Geschichtsschreibung, es handelte sich bei „Operation Moduler“ um eine Offensive zur Eroberung Angolas, nicht haltbar ist.39) Diese Annahme lässt sich weder aus den für die Operation bereitgestellten Kräften noch aus der entwickelten Gliederung ableiten.

Die Aufteilung stehender Einheiten, wie das 61. und 32., auf die jeweiligen Kampfgruppen war umstritten. Kritiker bevorzugten den geschlossenen Einsatz der Bataillone als eigenständige Kampfgruppen, wie dies, durch die Verstärkung (4. SAI) und Umgruppierung im Oktober, dann auch zunehmend geschah. Die Brigade wurde jedoch, trotz ihrer Heterogenität, insgesamt flexibel und effektiv geführt. Auch die Stabsarbeit litt anscheinend kaum darunter, dass die Offiziere aus unterschiedlichen Einheiten stammten. Die umfangreiche Planung und Ausarbeitung des komplexen Angriffs auf die 16. Brigade im November wurde z.B. innerhalb von zwei Tagen abgeschlossen.

Die Operation war, trotz ihrer taktischen Erfolge, von politischem und militärischem Mikromanagement geprägt, wodurch gegen die auftragstaktisch konzipierte südafrikanische Militärdoktrin verstoßen wurde, indem deren Grundlagen „Geschwindigkeit, Überraschung, Aggression, Flexibilität“ negiert wurden. Obwohl auf höchster politischer Ebene, im Verlauf der Eskalation, die Einnahme von Cuito Cuanavale nachträglich genehmigt wurde, verwarfen die Generäle der SADF, trotz wiederholter Empfehlung der Feldkommandeure, die Option einer „westlichen Zange“. Den Schwerpunkt westlich des Cuito zu bilden, hätte die schwächste Stelle des Gegners getroffen und durch Einnahme des Ortes oder Beherrschung des westlichen Umlandes, insgesamt sechs feindliche Brigaden von der Versorgung abgeschnitten. Fünf davon wären auf dem Ostufer isoliert gewesen, ohne Hoffnung auf Verstärkung oder Entsatz.

Dazu kam, dass die verfügbaren Kräfte nie ausreichten, die taktischen Erfolge in operative oder strategische Erfolge zu verwandeln. Nur so entging die 16. FAPLA-Brigade am Hube der gänzlichen Zerstörung und gelang, zusammen mit der 59., der Rückzug über den Chambinga. Das SADF-Hauptquartier hat zu keinem Zeitpunkt den Kräfteanforderungen der Feldkommandeure stattgegeben, sondern das Prinzip „minimale Kräfte“ vertreten. Mit der Belagerung von Cuito Cuanavale, insbesondere ohne Auftrag zu dessen Eroberung, verschenkte die SADF gegen Ende der Operation ihre wichtigste Eigenschaft, nämlich ihre Mobilität und beendete somit, wie sich in den Folgeoperationen (1988) zeigen sollte, ihren Siegeszug.

Für die angolanische Regierung und FAPLA war die Operation eine militärische Katastrophe. Die konventionelle Streitmacht scheiterte am Versuch, in Afrika nach Ostblock-Doktrin Krieg zu führen. Die Mobilität der SADF, das mangelnde Verständnis für konventionelle Kriegsführung unter den FAPLA-Soldaten, die Fixierung der Ostblock-Berater auf das Halten von Stellungen und Gebiet, verwandelten die guten Siegesaussichten in ein Desaster. Schlechte Versorgung, hohe Verluste und schwache Führung zermürbten die Truppe und in der Endphase der Operation verließ FAPLA sich fast ausschließlich auf den defensiven Vorteil des günstigen Terrains, der massiven Minenfelder, eingegrabene Panzer, den Schutz ihrer Artillerie und die Nähe der eigenen Luftwaffe. Angolanische Truppen lagen trotzdem häufig unter massivem Artilleriefeuer der weitreichenden SADF-Geschütze. Der kubanische Offizier Eduardo Gonzales Sarria40) schreibt zu der eigenen Unterlegenheit bei Artillerieduellen: „Wenn man eine Salve feuerte, hatte man in weniger als zwei Minuten deren Antwort in der eigenen Stellung.“ FAPLA’s Nachteil war die weitaus größere Reichweite der G 5/G6, die mit über 40 km Reichweite ein hochpräzises Instrument darstellte. FAPLA’s Glück war, dass die SADF im Einsatzgebiet nur über 19 Rohre verfügte.41)

Die FAPLA-Führung war sich anfangs anscheinend nicht bewusst, dass die südafrikanische Funkaufklärung sie fast vollständig beschattete, wodurch jeder Anflug und Angriff bekannt war. Funksprüche, wie die von panischen Panzerkommandeuren unter Artilleriebeschuss, konnten schnell aufgefangen und zum taktischen Vorteil, z.B. Schusskorrekturen, umgesetzt werden.

Fazit

Die Operation „Moduler“ war, besonders mit Blick auf die Kräfteverhältnisse, ein militärischer Sieg der SADF und UNITA. FAPLA meldete bis zum 20. November, auf Funkaufklärung beruhend, 3627 Tote. Die Materialverluste beliefen sich auf 61 Panzer, 350 Fahrzeuge aller Art (darunter 53 BTR-60, 7 BMP-1, 23 BRDM-2), 78 Geschütze und Werfer (20 davon BM-21), vier SAM-Systeme. Dazu sechs MiG 21/23, eine Su-22, eine An-12 und sieben Kampfhubschrauber. Demgegenüber verlor die SADF 25 Tote, 42 Verwundete, vier „Ratel“, zwei Casspir, einen Sanitätskraftwagen vom Typ „Rinkhals“ und zwei Versorgungswagen. Außerdem zwei Flugzeuge, eine Mirage, die allerdings noch beschädigt in Rundu landen konnte sowie ein Aufklärungsflugzeug vom Typ „Bosbok“. UNITAs Verluste sind unbekannt.42)

Das Ziel, durch die Begrenzung der Operation eine Eskalation zu vermeiden, wurde nicht erreicht und sie führte eher zu massiver internationaler Kritik und kubanischer Verstärkung. 1988 folgten daher noch weitere Kämpfe.



2) Steenkamp, Willem, The South African Border War 1966-1989, Ashanti Publishing, Gibraltar, 1989, S. 59.

3) Geldenhuys, Jannie, At the Front: A General’s Account of South Africa’s Border War, Jonathan Ball Publishing, Cape Town, 2013, S. 155.

4) Polak, Peter, The Last Hot Battle in the Cold War, Casemate, Oxford, 2013, S. 63.

5) Geldenhuys, S. 204.

6) Polak, S. 63.

7) ebd., S. 227.

8) De Vries, Roland, Eye of the Firestorm: The Namibian-Angolan-South African Border War – Memoirs of a Military Commander, Helion & Company, West Midlands, 2013, S.414-419.

9) Polak, S. 63.

10) ebd. S. 70-72.

11) Steenkamp, Willem and Heitman, Helmoed-Römer, Mobility Conquers: The Story of 61 Mechanised Battalion Group 1978-2005, Helion & Company, West Midlands, 2016, S. 721.

12) ebd.

13) Der „Olifant“ beruhte auf dem britischen „Centurion“, wurde modernisiert und war mit einer 10,5 cm Kampfwagenkanone ausgestattet. Er war für den Kampf gegen T 62 aufgerüstet worden.

14) Steenkamp, S. 817.

15) Nortjie, Piet, 32 Battalion: The Inside Story of South Africa’s Elite Fighting Unit, Zebra Press, Cape Town, 2003, S. 241-242.

16) Scholtz, Leopold, The Battle of Cuito Cuanavale: Cold War Angolan Finale 1987-88, Africa at War Series, Helion& Company, West Midlands, 2016, S. 20.

17) Steenkamp and Heitman, S. 729.

18) Mannall, David, Battle on the Lomba, Helion & Company, West Midlands, 2014, S. 128; Geldenhuys, S.228.

19) ebd., S. 124.

20) Steenkamp and Heitman, S. 730.

21) ebd., S. 750-752.

22) Heitman, Helmoed-Römer, War in Angola: The Final South African Phase, Ashanti Publishing, Gibraltar, 1990, S. 310.

23) Steenkamp and Heitman, S. 731.

24) ebd.

25) Venter, Al, The Chopper Boys: Helicopter Warfare in Africa, Ashanti Publishing, Gibraltar, 1994, S. 138; Mac Donald, Peter, The Special Forces: A History of the World’s Elite Fighting Units, Viscount Books, London, 1986, S. 246.

26) Geldenhuys, S. 233.

27) Stiff, Peter, The Silent War: South African Recce Operations 1969-1994, Galago Publishing, Alberton, 2006, S. 548.

28) Steenkamp and Heitman, S. 733-745.

29) Stiff, S.549.

30),Scholtz, 2016, S. 17.

31) Shubin, Gennnady et al: Cuito Cuanavale: Frontline Accounts by Soviet Soldiers, Jacana Media, 2014.

32) De Vries, S. 438.

33) Resolution 602 (1987) of 25 November 1987, http://www.worldlii.org/int/other/UNSC/1987/10.pdf.

34) Scholtz, 2016, S. 28.

35) De Vries, S. 110.

36) Ebd.

37) Steenkamp and Heitman, S. 833.

38)  Shubin, Gennadiĭ Vladimirovich and Tokarev, Andreĭ Aleksandrovich, Bush War: The Road to Cuito Cuanavale: Soviet Soldiers' Accounts of the Angolan War, Jacana Press, Auckland Park, 2011, S. 27.

39) Campbell, Horace, The Military Defeat of the South Africans in Angola, Monthly Review, Vol. 64, No. 11, April 2013, http://monthlyreview.org/2013/04/01/the-military-defeat-of-the-south-africans-in-angola/

40) Polak, S. 71.

41) Wilsworth, Clive, First in, Last out, The South African Artillery in Action 1975-1988, 30° Publishing, Johannesburg, 2010, S. 303.

42) Heitman, S. 159, S. 320.