Die Schlacht um Verdun 1916

Ein fataler deutscher strategischer Alleingang ohne Beteiligung des österreichischen Bündnispartners

Anatomie einer Schlüsselschlacht des 20. Jahrhunderts und ihrer Nachwirkungen

Christian E. O. Millotat/Manuela R. Krueger

 

Um aus Schlachten der Vergangenheit für unsere Zeit lernen zu können, bedarf es intellektueller Werkzeuge zu ihrer Analyse. Nur dann gelingt es, aus ihnen Erkenntnisse herauszufiltern und sie mit heutigen Verhältnissen zu vergleichen. Bei fehlenden oder untauglichen Analysewerkzeugen haben aus diesem Grund viele Autoren häufig den Weg beschritten, Lehren aus einer Schlacht der Vergangenheit v.a. in der psychologisch-moralischen Sphäre zu suchen und sie auf Begriffe wie „Schrecken und Grauen des Krieges“, „Leiden der Soldaten“, „Verwundung und Tod“ als Lehren für die heutige Zeit zu reduzieren. Wie ein roter Faden zieht sich dieser Ansatz auch durch viele Arbeiten über die Schlacht um Verdun von 1916. Sowohl zum differenzierten Analysieren einer Schlacht der Vergangenheit als auch für die heutigen internationalen Krisenreaktionseinsätze hilft das Werk „Vom Kriege“ des Generalmajors Carl v. Clausewitz. Mit ihm wollte dieser „manchen Faltenkniff in den Köpfen der Strategen und Staatsmänner ausbügeln und zeigen, was bei einem Kriege“, also der schärfsten Form der Sicherheitsvorkehrungen eines Staates, „in Betracht zu ziehen ist“.1) V.a. fordert Clausewitz, dass der „Kriegsplan“, wir sagen heute das strategische Konzept eines Einsatzes, den „ganzen kriegerischen Akt“ zusammenfassen muss. Erst durch ihn werde der kriegerische Akt zur einzelnen Handlung, also zu einem Ganzen, in welchem sich alle besonderen Zwecke ausgeglichen haben, d.h. in ein Gesamtkonzept eingebunden worden sind. „Man fängt keinen Krieg an“, führte er aus, „ohne sich zu sagen, was man mit und was man in demselben erreichen will, das erstere ist der Zweck, das andere das Ziel. Durch diesen Hauptgedanken werden alle Richtungen gegeben, der Umfang der Mittel, das Maß der Energie bestimmt, und er äußert seinen Einfluss bis in die kleinsten Glieder der Handlung hinab.“2) Einen gemeinsamen Kriegsplan zu entwickeln ist besonders in Koalitionsstreitkräften aus unterschiedlichen nationalen Armeen zwingend notwendig, aber auch besonders schwierig.

 Im Ersten Weltkrieg haben die Gegner Deutschlands und Österreichs erst 1918 angesichts der Anfangserfolge der ersten deutschen Frühjahrsoffensive im Februar 1918 mit tiefen Einbrüchen in das Dispositiv der Engländer und Franzosen zu einer einheitlichen Kriegführung unter dem französischen Marschall Ferdinand Foch gefunden und fortan voneinander unabhängige Aktionen ihrer Armeen aufgegeben. Zwischen Deutschland und Österreich ist es nie zu einem gemeinsamen Oberkommando gekommen, in dem eine Strategie mit einem gemeinsamen Plan zur Kriegführung entwickelt wurde. Dieser Fehler hat die unterschiedlichen strategischen Konzepte der Leiter der Operationen für das Jahr 1916, Generaloberst Franz Freiherr Conrad von Hötzendorf und General der Infanterie Erich v. Falkenhayn, gefördert. Der österreichische Generalstabschef wollte 1916 in Übereinstimmung mit dem Oberbefehlshaber Ost, Generalfeldmarschall Paul v. Hindenburg, und seinem Chef des Generalstabes, Generalleutnant Erich Ludendorff, nach dem erfolgreichen Zurückwerfen der russischen Truppen aus Polen, Litauen und großer Teile Kurlands die Entscheidung des Ersten Weltkrieges durch weitere Verfolgung und Vernichtung der russischen Armee erreichen. General v. Falkenhayn, der ein exzentrisches Zerflattern deutscher Kräfte in der Tiefe des russischen Raumes befürchtete, suchte hingegen die Entscheidung im Jahre 1916 durch einen Angriff auf Verdun, über dessen Planungen er den Koalitionspartner Österreich nicht unterrichtete.3) Conrad von Hötzendorf und Falkenhayn misstrauten einander, konnten nicht miteinander, beurteilten die Bedeutung der unterschiedlichen Kriegsschauplätze, an denen sie Truppen eingesetzt hatten, unterschiedlich.

Die Schlacht von Verdun gilt als eine der Schlüsselschlachten des Ersten Weltkrieges, deren Verlauf und Ausgang zur Niederlage des Deutschen Reiches beitrug (Bild: Die Trümmer von Haucourt am Fuße der Höhe 304 vor Verdun)

Die weitere Kriegführung auf dem Balkan gegen Serbien, Rumänien, Albanien und Montenegro - für Falkenhayn waren dies Nebenkriegsschauplätze. Er beurteilte nach der Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn im Mai 1915 diesen neuen Kriegsschauplatz im Gegensatz zu Conrad von Hötzendorf ebenso. Es ging dabei zunehmend um die Österreich stützenden deutschen Truppen. Österreich hatte bis März 1915 zwei Millionen Soldaten verloren und war immer stärker auf deutsche Hilfe angewiesen. Das verletzte Conrad von Hötzendorfs Stolz. Er befürchtete, immer mehr unter deutschen Einfluss zu geraten. Obgleich seine und Falkenhayns Erfolge im Jahre 1915 durch die gemeinsame Angriffsoperation in Galizien, die mit der erfolgreichen Durchbruchschlacht von Gorlice-Tarnow im April 1915 eingeleitet und den erfolgreichen Kämpfen auf dem Balkan gekrönt worden waren, konnten sich die Leiter der Operationen der beiden Heere nicht mehr auf eine gemeinsame Strategie verständigen und verzettelten im weiteren Verlauf des Ersten Weltkrieges ihre knappen Kräfte in getrennten Aktionen. Wegen Conrad von Hötzendorfs Aktion gegen Montenegro brachen die Generalstabschefs vom 22. Dezember 1915 bis zum 19. Jänner 1916 zum Entsetzen der Offiziere im österreichischen Hauptquartier jeden Kontakt ab und trafen, jeder für sich, bedeutsame Entscheidungen für das Jahr 1916.4) Die Zusammenarbeit beider Armeen und damit die bestmögliche Ausnutzung des Vorteils der inneren Linie wäre durch ein gemeinsames Oberkommando erheblich verbessert worden. Gegen ein solches sträubte sich Conrad von Hötzendorf, der in Anbetracht der Stärkeverhältnisse zwischen beiden Armeen zugunsten Deutschlands keine Zweifel hatte, wer das Oberkommando in einem gemeinsamen Hauptquartier ausüben würde. Holger Afflerbach hat in seiner Falkenhayn-Biographie „Politisches Denken und Handeln im Kaiserreich“ von 1994 das Missverhältnis und seine Gründe zwischen den beiden Leitern der Operationen der verbündeten Armeen Österreichs und Deutschlands ebenso differenziert herausgearbeitet wie Herfried Münkler in seiner Arbeit „Der Große Krieg. Die Welt 1914-1918“ von 2014.5)

Aber auch in den heutigen internationalen Krisenreaktionseinsätzen auf dem Balkan und in Afghanistan konnte von einer Einheit der Führung im jeweiligen Einsatzgebiet nicht die Rede sein. Parallele zivile und militärische Handlungsstränge, durch die Resolutionen des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen geschaffen, unzählbare „Nicht-Regierungsorganisationen“ (NGOs), die unkoordiniert neben ihnen wirkten, politische, diplomatische und sonstige Akteure der an den Einsätzen beteiligten Nationen mit starken Eigeninteressen, die unabhängig und ohne Koordinierung mit den strategischen Konzepten der militärischen Akteure agierten, kamen hinzu.6)

Friktionen und Fehler traten in den internationalen Krisenreaktionseinsätzen unserer Zeit v.a. immer dann auf, wenn die verantwortlichen Politiker, Diplomaten, Soldaten und andere Akteure sich nicht nach den geltenden Mandaten sowie den für sie aus ihnen abgeleiteten Kompetenzen verhielten und sich in Führungsebenen, an den Verantwortlichen vorbei, einmischten oder sie übergingen.7) Dies, obwohl in unserer Zeit Übereinkunft darüber besteht, dass - wie dies Clausewitz gefordert hat - die politisch-strategische Führung den Auftrag zum Einsatz der Streitkräfte unmittelbar - heute immer in Bündnisstrukturen - erteilt und das Ziel eines militärischen Einsatzes festlegt und dass die militärische Führung von Streitkräften im Einsatz aus drei miteinander verflochtenen Ebenen besteht: Die militärstrategische Ebene legt den anzustrebenden militärischen Endzustand sowie die militärstrategischen Zielsetzungen zum Erreichen der politischen Zielsetzungen fest. Sie schlägt der politisch-strategischen Führung militärische Handlungsoptionen vor und setzt diese nach der Entscheidung in militärstrategische Weisungen um. Die operative Ebene setzt die politischen Absichten und militärstrategischen Vorgaben in streitkräftegemeinsame Weisungen an die taktische Ebene um und führt „joint operations“ der Streitkräfte. Die taktische Ebene führt die Operationen durch, die zum Erreichen der militärischen Zielsetzungen erforderlich sind. Dazu setzt sie militärische Kräfte und Mittel auf der Grundlage taktischer Führungsgrundsätze ein. Wer dieses Ordnungsgerüst verstanden hat, es beachtet und - auf der Führungsebene, auf der er eingesetzt ist - sein Handeln danach ausrichtet, macht weniger Fehler als diejenigen, die sie vermischen und sich nicht führungsebenengerecht verhalten.

Gegen viele dieser Erkenntnisse und Forderungen haben Verantwortliche in beteiligten Ländern bei der Planung und Leitung der internationalen Krisenreaktionseinsätze unserer Zeit immer wieder verstoßen, weil sie sich nicht führungsebenengerecht verhalten haben. In den Jahren 1915 und 1916 und in der im Folgenden analysierten Schlacht um Verdun im Jahre 1916 zwischen den Bündnispartnern Österreich und Deutschland ist das ebenso gewesen. Das Handeln der Akteure auf den unterschiedlichen Führungsebenen in dieser Schlacht vor hundert Jahren weist lehrreiche Parallelen zu heute auf.

 

Wege zur Schlacht

Nach der verlorenen ersten Marneschlacht im Herbst 1914 hatten sich die deutschen Truppen im Westen aus einem Dispositiv der strategischen Defensive, eingegraben von der Kanalküste durch Belgien und Ostfrankreich bis zur Schweizer Grenze, gegen die anstürmenden Streitkräfte ihrer verbündeten Gegner erfolgreich verteidigen können.

Bei Ypern 1915 mit dem ersten Einsatz von Chlorgas im Ersten Weltkrieg und im Februar 1916, als deutsche Truppen aus ihrem Verteidigungsdispositiv heraus im Raum um Verdun auf einer Breite von zunächst nur zwölf Kilometern Kräfte der französischen Armee angriffen, wichen sie von dem Konzept der strategischen Verteidigung ab und erschütterten mit ihrem Elan den französischen Gegner. Der Angriff im Raum von Verdun begann zunächst mit schwachen Kräften, nur neun deutschen Divisionen. Daraus entwickelte sich in den folgenden zehn Monaten ein Kampf, den Teilnehmer und Kriegsgeschichte als die grauenvollste Schlacht des Ersten Weltkrieges mit den größten Nachwirkungen bewerten.

Das Deutsche Reichsarchiv zählte 336.831 deutsche, der Service Historique 362.000 französische Verluste, von denen 231.000 deutsche und 264.000 französische Soldaten, also insgesamt 495.000, fielen. Diese Zahlen sind umstritten. Manche Historiker halten sie für zu hoch. Paul Jankowski nennt in seiner Arbeit von 2015, „Verdun. Die Jahrhundertschlacht“ die Zahl von 160.000 französischen und 140.000 deutschen Gefallenen - zusammen 300.000.8) Diese Kontroverse ist für die folgende Untersuchung aber nebensächlich.

Die Schlacht um Verdun war eine Schlüsselschlacht des Ersten Weltkrieges und des 20. Jahrhunderts, weil sie in einem deutschen Alleingang ohne Beteiligung des österreichischen Bündnispartners eine strategische Entscheidung, das Kriegsende, herbeiführen sollte wie zuvor die am 9. September 1914 gescheiterte erste Schlacht an der Marne und danach 1918 die vergeblichen Durchbruchversuche der deutschen Armee durch die britische und französische Front. Allen drei Schlüsselschlachten fehlte das von der politischen Führung mit militärischem Rat für beide Bündnispartner zu errichtende Dach und entbehrten einer gemeinsamen Strategie. Sie beschleunigten die militärische Niederlage des Deutschen Reiches und seines Hauptverbündeten Österreich im Ersten Weltkrieg. Ein Zugang zur Schlacht um Verdun erschließt sich durch die Untersuchung folgender Bereiche:

- einer Analyse ihrer strategischen, militärstrategischen operativen und taktischen Rahmenbedingungen im Lichte des politisch-strategischen und militärstrategischen Konzepts des Chefs der 2. Obersten Heeresleitung (OHL) vom Herbst 1914 bis August 1916, des Generals der Infanterie v. Falkenhayn;

- einer Untersuchung der operativen und taktischen Vorbereitungen durch die Angriffstruppe;

- der Darstellung ihres Verlaufs und

- einer Bewertung ihrer Nachwirkungen.

 

Strategische und militärstrategische Rahmenbedingungen

Für Deutschlands Gegner war das Kriegsjahr 1915 das erfolgloseste im Ersten Weltkrieg. Frankreich verlor in den Angriffsschlachten von 1915 etwa 350.000 Soldaten in kräftezehrenden Frontalangriffen, Großbritannien etwa 51.000. Die deutschen Verluste waren etwa halb so hoch wie die französischen.

An der Ostfront durchbrachen die 11. deutsche und die 4. k.u.k. Armee unter Generaloberst August v. Mackensen bei Gorlice-Tarnow in Galizien die russischen Stellungen und machten 750.000 Gefangene. Dem Oberbefehlshaber Ost, Generalfeldmarschall v. Hindenburg, wäre beinahe die Einschließung der russischen Hauptarmee gelungen. Serbien kapitulierte 1915. Die britische Landung bei Gallipoli wurde von den türkischen Truppen verlustreich abgewehrt.9)

Zwischen dem Ärmelkanal und der Schweizer Grenze hielten auf einer Frontlänge von etwa 700 Kilometern sechs deutsche Armeen und die Heeresgruppe Deutscher Kronprinz mit der 5. Armee als Kern, drei Armeeabteilungen und den Truppen der Festung Metz ihre Stellungen gegen die belgisch-britischen und französischen Truppen.

Die Festungen Verdun und Belfort wurden als befestigte Räume in die Feldbefestigungen der Franzosen integriert. Als 1914 die deutsche Artillerie die belgischen Forts überraschend schnell zertrümmert hatte, waren Festungen in französischen Augen als Bollwerke der Verteidigung wertlos geworden. Die französische Armee baute im Verlauf des Jahres 1915 die meisten Geschütze aus den Forts im Raum von Verdun aus, um sie in der Feldschlacht einzusetzen. Die abgerüsteten Fortanlagen wurden in die französische Stellungsfront integriert. Der so entstandene, etwa 80 Kilometer breite befestigte Raum von Verdun kam mit zehn Divisionen unter das Kommando von General Frederic-Georges Herr, einem erfahrenen Artillerieoffizier.

Am 6. Dezember 1915 leitete der französische Oberbefehlshaber, General Joseph Joffre, in seinem Hauptquartier in Chantilly die erste alliierte Koordinierungskonferenz des Ersten Weltkrieges. Mit dem Oberbefehlshaber der britischen Expeditionsstreitkräfte, Feldmarschall Sir Douglas Haig, wurde Übereinkunft erzielt, mit 40 französischen und 25 britischen Divisionen nördlich und südlich der Somme bei Amiens auf einer Breite von etwa 45 Kilometern die Stellungen der 2. deutschen Armee anzugreifen und ihr Stellungssystem zu durchbrechen. Zur Verwirklichung dieses Ziels wäre er bereit gewesen, den Raum um Verdun aufzugeben.10)

Der Oberbefehlshaber Ost, Generalfeldmarschall Paul v. Hindenburg, und sein Chef des Generalstabes, Generalleutnant Erich Ludendorff, forderten in Übereinstimmung mit dem Chef des Generalstabes der k.u.k. Armee, Generaloberst Franz Freiherr Conrad von Hötzendorf, von der OHL, die etwa 25 Divisionen starke deutsche Heeresreserve im Osten einzusetzen, gemeinsam zunächst die Russen zu schlagen und erst danach eine Entscheidung im Westen zu suchen. Dies wurde ihnen aus den dargelegten Gründen verwehrt.

Der Chef des Generalstabes des Feldheeres und Chef der 2. OHL, General v. Falkenhayn, der nach Abbruch der ersten Marneschlacht durch die Deutschen und ihrem Verlust im September 1914 Generaloberst Johannes Ludwig v. Moltke abgelöst hatte, war der Leiter der deutschen Landkriegführung. Seit 1866 hatten preußische Chefs des Generalstabes des Feldheeres das Recht, Operationen im Namen des Monarchen zu planen und zu leiten. Kaiser Wilhelm II. ließ Falkenhayn weitgehend freie Hand. Dieser verfügte damit über eine weit größere Machtfülle als der österreichische Generalstabschef und seine alliierten Gegenspieler, die viel stärker als er von der politisch-strategischen Ebene ihrer Länder kontrolliert und geleitet wurden.

Im Dezember 1915, das hat 1920 Falkenhayn in seiner Arbeit „Die Oberste Heeresleitung 1914-1916 in ihren wichtigsten Entschließungen“ behauptet, will er seine Gedanken zur Kriegführung für das Jahr 1916, ohne den österreichischen Bündnispartner zu unterrichten, in einer Denkschrift für Kaiser Wilhelm II. niedergelegt haben.11) Sie wurde bis heute nicht aufgefunden, ihre Existenz wird von Historikern bezweifelt. Herfried Münkler hat in seiner Arbeit von 2013, „Der Große Krieg, Die Welt 1914-1918“, zur Denkschrift ausgeführt, viel wichtiger als ihre Existenz sei, dass Falkenhayn nach ihren Gedanken gehandelt habe. Aus diesem Grunde habe er sie zu seiner Deutung der Schlacht um Verdun herangezogen. Dieser Auffassung wird gefolgt. Holger Afflerbach hat 1994 in seiner Arbeit „Falkenhayn. Politisches Denken und Handeln im Kaiserreich“ die angebliche Denkschrift als eine nach dem Ersten Weltkrieg verfasste, um Authentizität bemühte Selbstinterpretation Falkenhayns charakterisiert, in der er sein Scheitern in der Schlacht und seine über sie hinausgehenden Ziele verschwiegen habe. Mit der Denkschrift habe er sie als deutschen Sieg darstellen und sich als deren Sieger herausstellen wollen. Olaf Jessen ist mit seiner Arbeit von 2014, „Verdun 1916. Urschlacht des Jahrhunderts“, Afflerbachs Interpretation gefolgt und hat Falkenhayns wirkliche Ziele zu ergründen versucht: einen Durchbruch durch die französischen Stellungen bei Verdun zu erzwingen oder die Briten zu verleiten, mit ihrer noch unfertigen neuen Armee einen überhasteten, die Franzosen entlastenden Gegenangriff zu führen, diesen zu parieren und im britischen Abschnitt der Front einen Durchbruch zu erzielen und den Bewegungskrieg wieder aufzunehmen. In Hauptquartieren und Stäben laufen immer zwei Planungsprozesse nebeneinander her, die miteinander verzahnt sind: für die unmittelbar bevorstehenden und laufenden Operationen und für Folgeoperationen. So ist es sicher auch in der Obersten Heeresleitung von 1916 gewesen. Falkenhayn hat mit seinen Operateuren und in Gesprächen mit Oberbefehlshabern der deutschen Armeen Folgeoperationen nach der Schlacht um Verdun besprochen. Bei der Chefbesprechung im deutschen Hauptquartier in Mézières am 11. Februar 1916, zehn Tage vor Beginn der Schlacht, hat er erstmals seine Militärstrategie für die Schlacht um Verdun im Zusammenhang dargestellt: Angriff mit schwachen deutschen Kampftruppen nur am Ostufer der Maas und Ausbluten der dort eingesetzten französischen Truppen und herangeführten Reserven durch überlegenes Artilleriefeuer mit dem Ziel, England zu bewegen, aus der Kriegskoalition auszuscheiden. In dieser Chefbesprechung, so berichtet das Reichsarchivwerk im Band 10 von 1936, habe es Falkenhayn jedoch abgelehnt, vor dem Ausgang der Schlacht Planungen gegen möglicherweise ergriffene Gegenzüge des Gegners in Angriff zu nehmen. In dieser Arbeit wird dargestellt, wie Falkenhayn in der Schlacht um Verdun gehandelt hat. Und das hat er in seiner angeblichen Denkschrift dargestellt, wie Münkler ausgeführt hat.12) Falkenhayn zitiert seine Denkschrift wie folgt:

„Frankreich ist militärisch und wirtschaftlich bis nahe an die Grenze des Erträglichen geschwächt. Russlands Wehrmacht ist nicht voll niedergerungen, aber seine Offensivkraft doch so gebrochen, dass sie annähernd in der alten Stärke nicht wiederaufleben kann. [...] Unser Hauptfeind, der die ganze gegen uns gerichtete Koalition zusammenbrachte und zusammenhält, ist England. Ein Verständigungsversuch ist ausgeschlossen. [...]Die Zeit arbeitet für unsere Gegner, verschiebt die beiderseitigen Kräfteverhältnisse zu unseren Ungunsten. [...]Nur durch einen kräftigen Schlag kann England die Aussichtslosigkeit seines Beginnens (Deutschland in einem Ermattungskrieg langfristig niederzuringen) vor Augen geführt werden.“

Nach Abwägen verschiedener Möglichkeiten, wie England am besten zu zwingen sei, die Kriegskoalition gegen Deutschland zu verlassen und seine Kriegsziele aufzugeben, kam Falkenhayn zu folgendem Schluss:

„Es bleibt somit nur Frankreich. [...] Gelingt es, seinem Volke klar vor Augen zu führen, dass es militärisch nichts mehr zu hoffen hat, dann wird die Grenze überschritten, England sein bestes Schwert aus der Hand geschlagen werden. Das zweifelhafte und über unsere Kraft gehende Mittel des Massendurchbruchs ist dazu nicht nötig. Auch mit beschränkten Kräften kann dem Zweck voraussichtlich Genüge getan werden. Hinter dem französischen Abschnitt der Westfront gibt es in Reichweite Ziele, für deren Behauptung die französische Führung gezwungen ist, den letzten Mann einzusetzen. Tut sie es, so werden sich Frankreichs Kräfte verbluten, da es ein Ausweichen nicht gibt, gleichgültig, ob wir das Ziel selbst erreichen oder nicht. Tut sie es nicht und fällt das Ziel in unsere Hände, dann wird die moralische Wirkung in Frankreich ungeheuer sein. [...] Deutschland wird nicht gezwungen sein, sich für die räumlich eng begrenzte Operation so zu verausgaben, dass alle anderen Fronten bedenklich entblößt werden. [...] Es steht ihm frei, seine Offensive schnell oder langsam zu führen, sie zeitweise abzubrechen oder sie zu verstärken, wie es seinen Zwecken entspricht. Die Ziele, von denen hier die Rede war, sind Belfort und Verdun. [...] Verdun verdient jedoch den Vorzug“.13)

Die Verwirklichung des strategischen Ziels Falkenhayns, England, den von ihm angenommenen Hauptgegner Deutschlands, durch Ausbluten der Armee seines Verbündeten Frankreich mittels einer so noch nie angewendeten Operationsführung zur Beendigung des Krieges zu bewegen, hätte vorausgesetzt, dass der vorgesehene sparsame Einsatz eigener Kampftruppen von der militärischen Führung steuerbar gewesen wäre. V.a. beruhte sie auf seiner Annahme, dass Frankreich aus nationalen Prestigegründen den Raum um Verdun um jeden Preis halten würde. Aus diesen Gründen wurde Verdun zu einer strategisch zu wertenden Schlacht.

Obwohl die Forts des befestigten Raums von Verdun im Verlauf des ersten Kriegsjahres um 43 schwere Batterien, etwa 128.000 Schuss Munition und elf Feldartilleriebatterien abgerüstet worden waren, boten sein Gelände und die verbliebene Infrastruktur der aufgegebenen Festung weiterhin ausgezeichnete Verteidigungsmöglichkeiten. Die Stadt Verdun wird von allen Seiten von den steil abfallenden Maashöhen umschlossen. Durch ihre konzentrische Lage bilden sie eine natürliche Festung mit einem Durchmesser von 8-16 km mit der Stadt im Zentrum.

Die Maas teilt den befestigten Raum in zwei Abschnitte: Das Gelände auf dem östlichen Ufer ist durch zahlreiche Schluchten und steile, bewaldete Hänge gekennzeichnet. Westlich der Maas liegt offenes Acker- und Grasland mit flachen Hängen und breiten Tälern, die gute Beobachtungsmöglichkeiten für Artilleriebeobachter bieten.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 begann der französische Festungsbauer General Seré de Rivière damit, in diesem verteidigungsgünstigen Gelände Befestigungsanlagen anzulegen. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges gab es 18 Hauptforts und 25 Zwischenforts, von den Franzosen „ouvrages“ genannt. Die Forts auf dem östlichen Maasufer bildeten einen äußeren und zwei innere Festungsgürtel.

Zum äußeren Festungsgürtel gehörten die Forts Moulainville, Vaux und Douaumont. Im inneren Gürtel lagen die Forts Tavannes und Souville, im innersten Gürtel lagen auf den Höhen, von denen man die Stadt Verdun überblicken kann, die Forts Belrupt, Saint Michel und Belleville. Auf dem westlichen Maasufer wurden zwei weitere Festungsgürtel angelegt. Hier verlief der äußere Gürtel, der aus fünf Forts bestand, entlang dem Bourrus-Wald auf der dort verlaufenden Höhenrippe.

Die Werke waren so angelegt, dass sie, sich gegenseitig unterstützend, jeden Feind bekämpfen konnten, der versuchen sollte, eines der Nachbarforts zu nehmen. Die Geschütze der Forts, kurzläufige 7,5 cm-Zwillingskanonen und insgesamt sieben schwere 15,5 cm-Steilfeuergeschütze mit einer Schussweite von etwa 7.500 m, wurden von den Stahlpanzern ihrer versenkbaren Panzertürme geschützt. Sie konnten nur durch Volltreffer schwerster Artillerie außer Gefecht gesetzt werden. Maschinengewehre, die in gepanzerte, versenkbare Türme eingebaut waren, und so genannte Betonblockhäuser mit Maschinengewehrständen ergänzten die Bewaffnung. Die Besatzung der größeren Forts hatte Kompaniestärke, also etwa 150 Soldaten. Die modernen Panzerforts Douaumont, Vaux und zum Teil Souville waren von einer Decke aus Spezialbeton - Festungsexperten sagen ohne Armierung - von bis zu 2,50 Metern Dicke und von einer zusätzlichen Erdschicht gegen Artillerietreffer geschützt. Vor ihrer Abrüstung hatte die Festung Verdun eine Besatzung von 68.000 Soldaten.

Im Verlauf der ersten Kämpfe nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges hatte die französische Armee vorwärts des äußeren Befestigungsgürtels im Verlauf der Hügelketten im Norden zusätzliche Feldbefestigungen über eine Tiefe von 3-5 km angelegt, die von einem Angreifer überwunden werden mussten. Sie bildeten die erste Verteidigungsstellung des befestigten Raumes von Verdun. Im Dezember 1915 beklagte sich der spätere Verteidiger des Caures-Waldes, der pensionierte Oberstleutnant und Deputierte von Nancy, Emile Driant, beim französischen Kriegsminister über die mangelhaften Verteidigungsvorkehrungen im befestigten Raum von Verdun. General Joffre sandte daraufhin seinen Chef des Stabes, General Noël de Castelnau, nach Verdun, der die Anlage einer dritten Verteidigungsstellung befahl, die zwischen 1,5-4 km südwestlich der zweiten angelegt werden sollte. Sie war bei Beginn der Schlacht am 21. Februar 1916 nicht fertig geworden. Die vierte Verteidigungsstellung bildeten die artilleristisch abgerüsteten Forts, zahlreiche befestigte Ortschaften und Zwischenwerke.

Die vorderste deutsche Linie, die bis zum Abschluss des Aufmarsches vom V. Reservekorps (RK) der 5. Armee als Stellungstruppe zu halten war, verlief zwischen 100 und 600 Meter nördlich und nordöstlich parallel zur ersten französischen Feldbefestigungslinie von Malencourt - nördlich von Berthincourt - zwischen Forges-Wald und der Ortschaft Forges auf die Maas zu. Zwischen Consenvoye und Brabant verlief sie quer über die Maas und von da nach Osten über die Straße Ville-Vacherauville südlich von Ville, danach durch den Herbebois-Wald auf der Hochebene von Woevre.14)

Zwischen dem 15. und 22. Dezember 1915 überzeugte General v. Falkenhayn Kaiser Wilhelm II. von seinem strategischen Plan, die Entscheidung des Krieges 1916 bei Verdun zu suchen. Der Angriff sollte durch vier Korps der deutschen Heeresreserve mit neun Divisionen sowie 1.250 Geschützen unter dem Kommando des Oberbefehlshabers der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz und ihrer 5. Armee, Generalleutnant Wilhelm, Kronprinz des Deutschen Reiches und von Preußen, geführt werden. Diese Auswahl erfolgte aus dynastischen Gründen. Der Thronfolger sollte als erfolgreicher Feldherr brillieren.

Kronprinz Wilhelm, damals 34 Jahre alt, war nach dem Willen des Kaisers von seinem Chef des Generalstabes, Generalleutnant Konstantin Schmidt v. Knobelsdorf, abhängig. Er war für die höhere Truppenführung nicht geschult. Kaiser Wilhelm II. hatte aber seinen Sohn angewiesen, in allen Angelegenheiten dem Rat seines Chefs des Generalstabes zu folgen. Weder Kronprinz Wilhelm noch sein Chef des Generalsstabes scheinen Falkenhayns Militärstrategie, die französische Armee in eine Ausblutungsschlacht zu verwickeln, ihr durch Einsatz überlegener Artillerie untragbare Verluste zuzufügen und nur mit schwachen Kampftruppen auf dem Ostufer der Maas anzugreifen, vollständig verstanden zu haben. Das führte zu Reibereien zwischen der Führung der 5. Armee und Falkenhayn. Die Führung der 5. Armee befürchtete Flankenfeuer auf deutsche, nur auf dem Ostufer der Maas angreifende Truppen und forderte den Angriff zugleich auf beiden Maasufern. Falkenhayn wischte diese Vorschläge vom Tisch und beharrte auf einem Angriff nur auf dem östlichen Maasufer, weil er annahm, die Höhen (Côtes) auf dem Ostufer der Maas in einem so schnellen Sturmlauf nehmen zu können, dass sich Flankenfeuer nicht auswirken könne. Ungewöhnlich ist, dass er keine Weisung an die 5. Armee zur Operationsführung erließ. Er akzeptierte den vom Armeeoberkommando 5 (AOK 5) am 4. Jänner 1916 vorgelegten Angriffsentwurf, der seinen militärstrategischen Absichten entsprach. „Der Entschluss“, ist in ihm formuliert worden, „die Festung Verdun in beschleunigtem Verfahren fortzunehmen, beruht auf der erprobten Wirkung der schwersten Artillerie. … Wer im Besitz der Côtes auf dem Ostufer der Maas ist, indem er die auf ihnen gelegenen Befestigungen erobert hat, ist im Besitz der Festung.“ Im Befehl für die Angriffskorps des AOK 5 vom 27. Jänner 1916 wird das im Angriffsentwurf formulierte Angriffsziel - Nehmen der Côtes auf dem Ostufer der Maas - erstaunlicherweise nicht wiederholt, sondern „die gesamte Kampfhandlung um die Festung Verdun“ befohlen. Der Befehl selbst setzt der Truppe als Ziel, das Nehmen der ersten französischen Stellung und das Erkunden der zweiten Stellung. Er deckte die gesamte Operationsführung nicht ab, sondern beschränkte sich, in heutiger Terminologie, auf das Nehmen der ersten Stellungen der Franzosen als erstem Zwischenziel der Schlacht.15)

Für die Führung der 5. Armee wurde der offenbar vorhandene Dissens über die Absichten Falkenhayns nicht aufgelöst. Sie ging davon aus, eine Schlacht führen zu sollen, in deren Verlauf starke Reserven verfügbar gemacht würden, um Erfolge auszunutzen, z.B. einen Einbruch in die französischen Stellungen zu einem Durchbruch in die Tiefe auszuweiten. Die Operationsführung des Generals v. Falkenhayn baute aber nicht auf starke und verfügbare Reserven von Kämpfern, sondern auf die überlegene deutsche Artillerie. Im Gegensatz zur französischen Armee hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts die deutsche Heeresleitung damit begonnen, große Teile der schweren Festungsartillerie zur schweren Artillerie des Feldheeres, d.h. in bespannte, bataillonsweise einzusetzende Verbände zur Verstärkung des Feuers der Feldartillerie in der Schlacht umzugliedern, um die Angriffe der Infanterie wirkungsvoller mit Feuer unterstützen zu können und ihre Durchschlagskraft zu erhöhen. Die französische Armee verfügte 1914 zwar über eine hervorragende Feldartillerie, die mit der 7,5 cm-Feldkanone und daher mit dem leistungsfähigsten Schnellfeuergeschütz der Zeit ausgestattet war. Anders als die Führung des Deutschen Heeres vor dem Ersten Weltkrieg schuf der französische Generalstab jedoch keine schwere Artillerie für die Feldschlacht, weil er aus ideologisch begründeter Überschätzung auf den französischen Angriffsgeist und eine überlegene Leistungsfähigkeit seiner Infanterie sowie die Feuerkraft der 7,5 cm-Feldkanone setzte. Bei Kriegsausbruch waren 1.396 schwere Geschütze in das deutsche Feldheer von insgesamt 9.388 Geschützen eingegliedert. Von den 4.300 der französischen Armee waren nur 308 schwere, meistens veraltete Geschütze ohne Rohrrücklauf mit veralteten Richt- und Visiermitteln zur unmittelbaren Feuerunterstützung ihrer Infanterie auf dem Schlacht- und Gefechtsfeld.16)

Operative und taktische Vorbereitungen

Das AOK 5 plante, in der ersten Phase des Angriffs sechseinhalb Divisionen mit 60 Bataillonen einzusetzen und zweieinhalb Divisionen zunächst in Reserve, zwei Tagesmärsche vom Schlachtfeld entfernt, zu belassen. Insgesamt hatte die Angriffstruppe eine Stärke von etwa 140.000 Mann und wurde durch 1.250 Geschütze aller Kaliber unterstützt. Die Schlacht um Verdun erhielt den Decknamen „Gericht“. Die französischen Truppen im Angriffsraum bestanden zunächst aus der 72. und 51. Division des III. Korps mit 30 Bataillonen und etwa 235 Feldgeschützen sowie der wenigen in den Forts verbliebenen Artillerie.17)

Das deutsche AOK 5 unterteilte das Schlachtfeld von etwa 22 Kilometern Breite in vier Angriffsabschnitte. Zunächst sollten 306 leichte Feldgeschütze, 542 schwere Geschütze und 152 Minenwerfer, die durch die Artillerie der Flankenkorps des VII. Reservekorps (RK) mit 258 Geschützen auf dem Westufer der Maas und der Armeeabteilung Gaede unterstützt werden sollten, auf den anfangs nur 12 km breiten Raum der Angriffstruppe östlich der Maas wirken.

Der Aufmarsch von Angriffstruppe und Artillerie erfolgte ab Jänner 1916 unter strenger Geheimhaltung. Er wurde durch das schlechte Wetter Anfang Jänner und im Februar, die dichten Wälder im Aufmarschgebiet sowie zahlreiche Täuschungsmaßnahmen verschleiert. Die Truppen für den Angriff wurden in den deutschen vordersten Stellungen in so genannten Stollen untergebracht, ausgedehnten unterirdischen und besonders geschützten Unterständen. Die erste systematische Abriegelung des Luftraumes der Kriegsgeschichte durch die deutschen Luftstreitkräfte erschwerte die französische Luftaufklärung über dem Aufmarschraum. Teile der Angriffstruppen wurden im neuen Stoßtruppverfahren ausgebildet, das sich aus Kampferfahrungen entwickelt hatte. Der überwiegende Teil der Infanterie blieb jedoch einheitlich mit dem Infanteriegewehr 98 ausgerüstet und kämpfte nach den Einsatzgrundsätzen des veralteten Exerzierreglements für die Infanterie von 1906. Altes bestand bei der Angriffstruppe somit neben Neuem. Neu war, dass die Stoßtrupps in Zugstärke , die mit den neu entwickelten Handgranaten, Flammenwerfern, Minenwerfern und Infanteriebegleitgeschützen ausgerüstet waren, mit diesen gemischten Kampfmitteln und Waffen auf der untersten taktischen Ebene erstmals den Kampf der verbundenen Kräfte nach dem Prinzip der Auftragstaktik selbstständig führen konnten. Die Gegner Deutschlands blieben bis zum Ende des Ersten Weltkrieges beim Masseneinsatz der Infanterie und räumten den Teileinheitsführern, insbesondere den Unteroffizieren, weit weniger Selbstständigkeit ein als das Deutsche Reichsheer. Für die Waldkämpfe zu Beginn der Schlacht um Verdun war die Masse der deutschen Infanterie mit dem langen Gewehr 98 aber weiterhin unzweckmäßig ausgerüstet.18)

Am 27. Jänner 1916 erteilte das AOK 5 den Befehl für die Angriffskorps. Wie gezeigt, wurde in ihm „die gesamte Kampfhandlung um die Festung Verdun“ als Angriffsziel befohlen.

Am Vormittag des Angriffstages sollte mit der Beschießung der französischen Stellungen auf der ganzen, die Festung umschließenden Front die Schlacht begonnen werden. Um 17.00 Uhr sollten die Truppen in lichten Schützenlinien gegen die erste Verteidigungslinie der Franzosen vorfühlen und sie - verstärkt durch Flammenwerfer und Handgranatentrupps - nehmen sowie den Verlauf der zweiten französischen Linie aufklären. Dabei sollten Erkenntnisse für den weiteren artilleristischen Feuerkampf gewonnen werden.

Die Armeekorps (AK) erhielten folgende Aufträge:

- Das VII. RK sollte über den Haumont-Rücken in Richtung Samogneux auf die Maas vorstoßen;

- das XVIII. AK über den Caures-Wald die Höhe 344 nehmen;

- das III. AK über den Höhenrücken östlich der Straße Ville- Devant - Chaumont - Vacherauville angreifen, den Herbebois-Wald säubern und Richtung Fort Douaumont weiter angreifen.

- Der Angriffsbeginn des XV. AK wurde vom Angriffsverlauf der anderen AK abhängig gemacht.

- Das V. RK hatte den Aufmarsch der AK zum Angriff auf der ganzen Breite des Angriffsraumes zu sichern.

Obwohl die französische Seite durch Überläufer vom V. RK wusste, dass im Verdunabschnitt ein deutscher Angriff geplant war, konnten Aufmarsch und Angriffsbeginn weitgehend verschleiert werden. Die einzige Maßnahme, die von der französischen Seite rechtzeitig ergriffen wurde, war der beschleunigte Ausbau der dritten Verteidigungsstellung.

 

Die Schlacht

Die Schlacht um Verdun verlief in vier Phasen, die miteinander verzahnt waren.

- Die erste Phase, der deutsche Überraschungsangriff, fand zwischen dem 21. Februar und dem 5. März statt.

- Die zweite Phase, die Schlacht auf beiden Flanken, dauerte von März bis April 1916.

- Bis August 1916, in der dritten Phase, tobte im Raum von Verdun die Abnutzungsschlacht.

- In der vierten und letzten Phase der Schlacht vom Oktober bis Dezember 1916 erfolgte die französische Gegenoffensive.

Auf einem Schlachtfeld von zunächst 12 km, dann 22 km Breite und einer Tiefe von 12 km wurden Armeekorps, also Großverbände, vom AOK 5 nach den Grundsätzen der Taktik eingesetzt. Im Folgenden wird das Schlachtgeschehen skizziert.19)

Zwischen dem 21. und dem 25. Februar 1916 traf der deutsche Überraschungsangriff auf einer Breite von 12 km östlich der Maas die französische 72. und 51. Division sowie die eingeschobene 37. afrikanische Division und zerschlug sie in kräftezehrendem Angriff. Im Verlauf des 24. Februar 1916 nahmen deutsche Kräfte überraschend das schwach besetzte Fort Douaumont und damit den das Schlachtfeld beherrschenden Geländeabschnitt ostwärts der Maas im Handstreich.20)

Wenn am Abend des 25. Februar Reserven verfügbar gewesen wären, hätten die deutschen Angriffskräfte mit einiger Wahrscheinlichkeit Verdun nehmen und möglicherweise das Tor zur Wiederaufnahme des Bewegungskrieges im Westen aufstoßen können. Falkenhayn hielt die zur Ausweitung des deutschen Erfolgs benötigten beiden Divisionen jedoch zwei Marschtage vom Schlachtfeld entfernt im Raum von Metz zurück und setzte sie nicht operativ ein. Er wollte sein Konzept nicht ändern, bei sparsamem Kräfteeinsatz die französische Seite zu zwingen, immer mehr Truppen im Raum von Verdun einzusetzen und das französische Heer mittels seiner Artillerie auszubluten, und vergab durch diese starre Haltung wahrscheinlich die Chance auf einen größeren und weitreichenden Erfolg mit Auswirkungen auf die Gesamtkriegslage.

Falkenhayns Beurteilung der französischen Psyche, Verdun aus nationalen Prestigegründen um jeden Preis halten zu wollen, erwies sich als zutreffend. Das zeigen die Maßnahmen des französischen Oberbefehlshabers, General Joffre, die er auf Druck der französischen Regierung und auf das persönliche Eingreifen des  Vorsitzenden des französischen Ministerrats, Aristide Briant, hin ergriff, und seinen Plan verwarf, den Raum um Verdun aufzugeben, um alle Kraft auf die mit Feldmarschall Sir Douglas Haig verabredete Offensive an der Somme zu konzentrieren. Er betraute General Philippe Pétain mit dem Oberbefehl über das Schlachtfeld von Verdun und verbot die Aufgabe des Raumes östlich der Maas.

Starke französische Kräfte wurden rasch herangeführt. Am 27. Februar war das gesamte französische XX. Korps in Stellung und die Truppen der französischen 2. Armee dicht herangeführt. Alle deutschen Angriffe scheiterten. Trotz des erbitterten Kampfes wurde nirgends ein Erfolg erzielt.

General Pétain verstärkte Zug um Zug seine Artillerie und organisierte den Nachschub für seine Truppen über die einzige zur Verfügung stehende Nachschubstraße, die unter deutschem Feuer liegende Straße von Bar-le-Duc nach Verdun mit 1.700 Lastkraftwagen. Nach dem Ersten Weltkrieg erhielt sie die Bezeichnung „Heilige Straße“ (Voie Sacrée). Der Angreifer musste hingegen Kriegsgerät, Munition und Verpflegung von Trägern durch zerschossene und verschlammte Versorgungsgräben nach vorne zu den Kämpfern schleppen.

Die Ergebnisse der ersten Phase der Schlacht waren für die deutsche Seite enttäuschend. Stundenlanges Trommelfeuer hatte es nicht vermocht, die französischen Feldbefestigungen zu zerschlagen und die Verteidigung auszuschalten. Die Truppe büßte durch hohe Verluste für den Fehler Falkenhayns, den Angriff nicht zugleich auf beiden Seiten der Maas angesetzt und das französische Flankenfeuer aus Stellungen am Bourrus-Rücken ausgeschaltet zu haben. Bei seinen Planungen hatte er - wie gezeigt - dessen Wirksamwerden gegen seine Truppen falsch eingeschätzt. Moral und Kampfwille der französischen Seite blieben intakt.

Am 29. Februar 1916 verlangte der Kronprinz von General v. Falkenhayn, den Angriff unverzüglich auch westlich der Maas zu führen oder ihn abzubrechen. Falkenhayn lehnte dies ab und ließ vom 25. Februar bis 6. März die Armeeabteilung Strantz östlich der Maas angreifen. Sie kam bis in die allgemeine Linie Fort Vaux-Les Esparges voran.

Am 6. März griffen die Deutschen dann doch westlich der Maas an. Damit begann die zweite Phase der Schlacht um Verdun, die Schlacht auf beiden Flanken. Der deutsche Angriff fraß sich Schritt um Schritt mit immer größeren Verlusten bis zum 7. März bis zur Höhe Toter Mann (Mort Homme) vor.

Am 8. März griffen die Deutschen auch wieder östlich der Maas an. Der Versuch, Fort Vaux zu nehmen, scheiterte. Um jeden Meter Boden wurde erbittert gerungen. In diesen Wochen entstand der Begriff der Blutmühle von Verdun, ein Begriff, der die erbitterten und verlustreichen Kämpfe treffend beschrieb.

Nach einem Monat erfolgloser Kämpfe griffen die Deutschen am 9. April 1916 mit den neu gebildeten Angriffsgruppen v. Mudra und v. Gallwitz zugleich auf beiden Seiten der Maas an. Die auf dem Westufer angreifende Angriffsgruppe mit dem verstärkten VI. Reservekorps verfügte über 234 Geschütze, die Kräfte auf dem Ostufer mit vier Armeekorps über 530 Geschütze. Diese Angriffskräfte konnten sich an den Hängen nordöstlich der Höhe Toter Mann festsetzen. Östlich der Maas gelang es den Deutschen aber nicht, den Pfefferrücken zu nehmen. Psychologisch geschickt erließ General Pétain am 10. April einen Tagesbefehl, in dem er behauptete: „Der 9. April ist ein glorreicher Tag für unsere Waffen. Die heftigen Angriffe der Soldaten des Kronprinzen sind überall gebrochen worden. Die Deutschen werden ohne Zweifel erneut angreifen [...] Mut, man wird sie kriegen.“21)

Bis zum 1. Mai 1916 hatten 26 deutsche und 40 französische Divisionen an der Schlacht teilgenommen. Nach acht bis 20 Tagen Einsatz ließ General Pétain seine Divisionen durch unverbrauchte Kräfte ablösen und im rückwärtigen Gebiet auffrischen. Die deutschen Divisionen blieben dagegen im Einsatz, bis sie abgenutzt waren. Bei den deutschen Sturmtruppen mehrten sich Zeichen von Erschöpfung. Viele ihrer Soldaten ergaben sich dem Gegner immer rascher. Zwischen April und Mai 1916 waren die deutschen Verluste von 81.607 auf 120.000 Mann angewachsen. Ende Mai 1916 näherten sich die französischen Verluste der Zahl 185.000.

Am 21. April 1916 erklärte der Kronprinz das Unternehmen „Gericht“ für gescheitert. Falkenhayn war anderer Auffassung und befahl, die Schlacht mit mehr Tempo zu führen.

Wegen der Vorbereitungen der Sommeschlacht verlangsamte sich der Zustrom von Nachschub und Truppen auf der französischen Seite. General Pétain protestierte dagegen beim französischen Oberbefehlshaber, General Joffre. Er wurde daraufhin zum Oberbefehlshaber der französischen Heeresgruppe Mitte ernannt und weggelobt. Sein Nachfolger wurde General Robert Nivelle.

Die dritte Phase, die Abnutzungsschlacht, begann, als Ende Mai 1916 die Deutschen die Höhe Toter Mann nehmen konnten. Die Angriffe östlich der Maas wurden wieder aufgenommen. General Charles Mangin scheiterte dort trotz großen Kräfteeinsatzes und der Unterstützung durch 300 Geschütze, die im neuen Verfahren der „Feuerwalze“ eingesetzt wurden, bei dem Versuch, das Fort Douaumont wieder zu nehmen. Alarmiert durch die aufgeklärten Vorbereitungen zur Sommeschlacht, führten die deutschen Truppen einen letzten Großangriff östlich der Maas. Dabei sollte ausgenutzt werden, dass ihre Artillerie mit 2.200 gegen 1.700 französische Geschütze an Zahl überlegen war. Sie konnte das französische flankierende Feuer vom Bourrus-Rücken zunehmend erfolgreicher ausschalten.

Auf einer Breite von nur 5 km griffen zwei deutsche Armeekorps zwischen Thiaumont und Fleury sowie die Forts Souville und Tavannes an. Am 7. Juni fiel Fort Vaux. Am 11. Juni hätten die 70.000 deutschen Angreifer die Linie Thiaumont-Fleury-Fort Vaux beinahe durchbrochen. Am 11. Juli verengte das AOK 5 den Angriffsstreifen auf etwa 3.500 Meter im Abschnitt Fleury-Damloup. Der Angriff kam fast bis zum Fort Souville voran, wurde dann aber durch die französischen Verteidiger zum Stehen gebracht.

Am 24. Juni 1916 begann die britisch-französische Sommeschlacht, die von Joffre als Entlastungsoffensive für die erschöpfte französische Armee den Briten abgerungen worden war. Die deutsche Seite musste von der Verdun-Front starke Kräfte abziehen, um diesen Großangriff abwehren zu können. Der 11. Juli 1916 war der letzte deutsche Angriffstag auf dem Schlachtfeld um Verdun.

Am 8. August 1916 konnten die Truppen des Generals Mangin Thiaumont und Fleury unter hohen Verlusten zurückerobern. Am 21. Oktober 1916 gaben die deutschen Truppen das durch ständigen Artilleriebeschuss und Explosionen im Inneren für die Verteidigung unbrauchbar gewordene Fort Douaumont auf. Es wurde am 24. Oktober von den französischen Kräften besetzt, ebenso das Fort Vaux. Bis zum 15. Dezember 1916 waren die deutschen Truppen auf ihre Sturmausgangsstellungen vom 10. Juli 1916 zurückgeworfen. Die Schlacht um Verdun war zu Ende.

 

Nachwirkungen

Aus heutiger Sicht hat die Schlacht um Verdun drei Dimensionen.

- Die erste und sicher bedeutsamste Dimension dieser strategischen Schlacht liegt darin, dass Falkenhayns Strategie, ein fataler Alleingang ohne Abstimmung mit dem österreichischen Bündnispartner, mittels einer von ihm erdachten Militärstrategie der Ausblutungsschlacht England zum Ausscheiden aus dem Ersten Weltkrieg zu bewegen, scheiterte. Die deutschen Verluste konnten nicht gering gehalten werden, und die Schlacht entglitt ihm und seinen Truppenführern. Die Gegenmaßnahmen der französischen Führung waren durchschlagender als von Falkenhayn für möglich gehalten, der Angriff blieb stecken, und das Angriffsziel der Côtes auf dem Ostufer der Maas konnte nicht im Sturmlauf genommen werden. Die britischen Streitkräfte begannen am 24. Juni 1916 zusammen mit französischen Truppen die zwischen Haig und Joffre verabredete erste Sommeschlacht mit großer Kraftentfaltung. Es handelte sich dabei um kein improvisiertes Unternehmen, das Falkenhayn nach Jessens Ansicht mit dem Angriff auf Verdun hatte auslösen wollen. Kompromisslos blieb es englisches strategisches Ziel, Deutschland militärisch niederzuringen.

- Die zweite Dimension der Schlacht um Verdun ist in dem Sachverhalt zu sehen, dass sie Änderungen im operativ-taktischen, technischen und Ausbildungsbereich bewirkte. Sie ist das Verbindungsglied zu einer Reihe von Entwicklungen, die zu neuen beweglichen Kampfverfahren sowie zu Änderungen der Ausrüstung und Ausbildung führten, die im Zuge der zunehmenden Technisierung des Stellungskrieges notwendig geworden waren.

- Eine psychologische dritte Dimension wirkt bis in unsere Tage. Sie bewirkte Veränderungen in der Einstellung zum Krieg in Deutschland und in Frankreich, prägte bis in unsere Tage das deutsch-französische Verhältnis und beeinflusste die französischen Verteidigungsvorkehrungen nach dem Ersten Weltkrieg.

Bereits zu Beginn der zweiten Phase der Schlacht um Verdun war deutlich geworden, dass die Operationsführung des Generals v. Falkenhayn gescheitert war. Es war nicht möglich, wie er angenommen hatte, bei eigenen geringen und sehr hohen französischen Verlusten die Schlacht zu steuern. Sie lief ihm vielmehr aus der Hand. Am Ende waren die Verluste beider Seiten fast gleich hoch.

Bei der Planung zum Kräfteansatz ließen sich die Truppenführer von dem überkommenen Grundsatz preußisch-deutschen Führungsdenkens leiten, die Verluste der eigenen Truppe möglichst gering zu halten. Sie forderten daher sehr früh von Falkenhayn einen Angriff zugleich auf beiden Seiten der Maas, um kräftezehrendes Flankenfeuer auf die eigene Truppe auszuschalten, sowie die Bereitstellung starker Reserven, um Erfolge ausnutzen zu können. Reserven standen nach dem Fall von Fort Douaumont nicht zur Verfügung, um die französischen Stellungen zu durchbrechen, und das französische Flankenfeuer aus Feuerstellungen im Raum westlich der Maas verursachte beim deutschen Angreifer unerwartet hohe Verluste.

Falkenhayn beurteilte zwar die französische Psyche hinsichtlich der Nichtaufgabe von Verdun zutreffend, nicht jedoch die Wirksamkeit der für ihn unerwartet schnell ergriffenen französischen Gegenmaßnahmen. Er glaubte so fest an den Erfolg seiner operativen Idee, dass er es unterließ, kampfkräftige und frische Reserven dicht an das Schlachtfeld heranzuführen und die sich am 25. Februar abzeichnende Möglichkeit eines deutschen Durchbruchs durch Aufgabe seines ursprünglichen Plans auszunutzen. Als im weiteren Verlauf der Schlacht die deutschen Verlustziffern nie für möglich gehaltene Höhen erreichten, als er erkannte, dass seine Vorstellungen gescheitert waren, hatte er nicht das Format, Kaiser Wilhelm II. zu bitten, die Schlacht abbrechen zu dürfen. Hierauf abzielendes Drängen der hohen Truppenführer an der Front schob Falkenhayn zu lange beiseite.

General v. Falkenhayn hat das Versagen der politischen Führung der damaligen Zeit nicht zu verantworten, die hinnahm, dass gegen den Grundsatz des Generalmajors Carl v. Clausewitz verstoßen wurde, wonach das Ganze die Politik, der Krieg nur ein Teil von ihr ist. Eine Militärstrategie ohne das überwölbende, von der politischen Führung zu errichtende Dach einer Strategie für die Bündnispartner Deutschland und Österreich konnte nur militärische Lösungen anbieten. Sie beantwortete nicht die Frage, was geschehen sollte, wenn sie scheiterte. Eine Strategie, die bei ihrer Entwicklung nicht alle Facetten des gesamten politischen, diplomatischen sowie wirtschaftlichen Umfelds und die Ressourcen der Bündnispartner und Feindstaaten realistisch einbezieht, hat kein tragfähiges Fundament. Ihre Formulierung ist nicht Aufgabe der höchsten Soldaten der beteiligten Armeen, sondern der politischen Leitung der verbündeten Staaten, deren erste militärische Berater diese sind. General v. Falkenhayn hat in den Jahren 1914 bis 1916 als Chef der 2. OHL den französischen Durchhaltewillen und die militärische Leistungsfähigkeit Frankreichs unterschätzt. Sein Denken und Handeln war idiosynkratisch von seiner Abneigung gegen England geprägt. Das beflügelte ihn zu seinem strategischen und militärstrategischen Alleingang unter Ausschluss des österreichischen Bündnispartners. Hierin liegt eine Wurzel seines Scheiterns.

Die Schlacht um Verdun bedeutete für Frankreich mit 40 Millionen Einwohnern eine proportional weit höhere Verlustrate als für das Deutsche Reich mit 60 Millionen Einwohnern. Verdun, die letzte Schlacht, die Frankreich ohne Hilfe von Verbündeten gewinnen konnte, hat dort bis heute besonderes Gewicht. In der ihr nachfolgenden, für die Alliierten gescheiterten Sommeschlacht vom Sommer und Herbst 1916 begann der innere Zusammenhalt der französischen Armee zu bröckeln. Nach der ebenfalls erfolglosen Nivelleoffensive im Frühsommer 1917 ausbrechende Meutereien konnten nur mühsam mit Gewalt unterdrückt werden. Die französischen Politiker und sicher auch manche ihrer soldatischen Ratgeber zogen aus der Schlacht um Verdun falsche Schlüsse. Das sollte sich im Westfeldzug von 1940 für Frankreich verhängnisvoll auswirken. Während der französische Generalstab nach dem Fall der belgischen Festungen beim deutschen Vormarsch von 1914 diese für überholt gehalten hatte, bewirkte nach dem Ersten Weltkrieg ein ehemaliger Verdunkämpfer, Verteidigungsminister André Maginot, den Bau der nach ihm benannten befestigten Linie, die beim Westfeldzug 1940 Tausende der besten französischen Soldaten der Feldschlacht entzog. Die deutsche Wehrmacht umging 1940 die Maginotlinie und bezwang ihre Forts in der zweiten Phase des Feldzugs.

Im operativ-taktischen und technischen Bereich liegt die Schlacht um Verdun in einem Grenzbereich zwischen Altem und Neuem. Auf der einen Seite potenzierten sich in ihr die operativen und taktischen Fehler der Schlachten und Gefechte seit Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Auf der anderen Seite wurden in ihr neue Ansätze erprobt und weiterentwickelt, die 1917 und 1918 zur beweglich geführten Abwehrschlacht sowie neuen Angriffsverfahren mit breit gefächerter Ausrüstung durch neue technische Kampfmittel und Waffen führten. In vielen Bereichen war Verdun ein wichtiger Impulsgeber, ein Verbindungsglied zwischen den Schlachten und Gefechten davor, der Sommeschlacht im Sommer und Herbst 1916 und den Entwicklungen bis zum Kriegsende von 1918.22)

Die Verteidigung wurde in der Schlacht um Verdun noch ohne Ausnutzung der Tiefe des Raumes geführt. Geländeabschnitte mussten so verteidigt werden, dass die erste Stellung um jeden Preis gehalten werden konnte. Sie wurde daher mit vielen Kämpfern dicht besetzt. Folglich musste die Infanterie in den Schützengräben und Granattrichtern im feindlichen Artilleriefeuer so lange inaktiv ausharren, bis der Angreifer zum Sturm antrat. Das Infanteriegewehr wurde im Stellungskrieg immer bedeutungsloser, der geschliffene Spaten, Handgranate, Minenwerfer und Flammenwerfer traten an seine Stelle. Die Artillerie unterstützte die Infanterie zunächst vornehmlich durch unbeobachtetes Sperrfeuer, bevor andere, beweglichere Verfahren der Feuerleitung eingeführt wurden. Die Artillerie beider Seiten erprobte neue Verfahren und Mittel des Gaskrieges. Die Kriegsgegner lernten im Ersten Weltkrieg immer schnell voneinander.

Der Kampf eines großen Teils der Truppen nach überholten taktischen Einsatzgrundsätzen von Infanterie und Artillerie war in der Schlacht um Verdun ein maßgeblicher Grund für die hohen deutschen Verluste. Jedoch wurden zugleich neue Kampfformen wie die Stoßtrupptaktik in ihr weiter entwickelt und neue Grundsätze für eine bewegliche Verteidigung vor dem Hintergrund der in ihr gemachten Erfahrungen von den Truppenführern gefordert. Während der Schlacht entwickelten sich bei der Infanterie frühe Formen der späteren Schützengruppentaktik, in der das neue, auf der Kompanie- und Zugebene eingeführte leichte Maschinengewehr 08/15 und die Gewehrträger Schützengruppen bildeten, deren Feuerkraft durch Schnellladewaffen und Gewehrgranaten verstärkt wurden. Das Prinzip der Auftragstaktik galt immer mehr auch für die Führungsebene der Gruppe. Das erhöhte die Bedeutung der Unteroffiziere als Führer im Kampf.

Nach Falkenhayns Ablösung als Chef des Generalstabes des Feldheeres und Chef der 2. OHL im August 1916 gingen seine Nachfolger, Generalfeldmarschall v. Hindenburg und General der Infanterie Ludendorff als Erster Generalquartiermeister, mit voller Mitverantwortung für die Planung und Leitung der Operationen zielstrebig daran, die Lehren aus der Schlacht um Verdun und aus der Sommeschlacht in neue Einsatzgrundsätze zu fassen und die Truppe systematisch nach ihnen auszubilden. Das Kampffeld wurde in ein Vorfeld und eine Hauptkampfzone eingeteilt, das bisherige Gebot zum Halten der ersten Stellung um jeden Preis aufgehoben. Stellungsdivisionen sollten im Rahmen der ihnen erteilten Weisungen den Kampf selbstständig und elastisch führen, Eingreifdivisionen bildeten bewegliche Reserven, um Einbrüche zu bereinigen und durch Gegenangriff und Gegenstoß verloren gegangenes Gelände wieder zu nehmen.

Der verlustträchtige Angriff von Bataillon und Kompanie in Angriff und Gegenstoß in dichten Schützenlinien wurde aufgegeben. Gruppe und Stoßtrupp in Zugstärke waren fortan die kleinste infanteristische Kampfeinheit. Die Zahl der Sturmbataillone, besonders ausgebildete, als Sturmkeile vor den Infanterieverbänden einsetzbare Spezialverbände, wurde vermehrt und der Stahlhelm eingeführt. Am Ende des Ersten Weltkrieges verfügten 19 Armeeoberkommandos über je ein Sturmbataillon, das vor den nach der bisherigen Taktik kämpfenden Truppen eingesetzt werden sollte. Die damals entwickelten Grundsätze der beweglich geführten Abwehrschlacht sind auch heute noch in vielen Teilen gültig.23)

Aufgrund der Erfahrungen in der Schlacht um Verdun wurde die Artillerie fortan in den Schwerpunkten der Divisionsabschnitte eingesetzt und einem Artillerieführer der jeweiligen Division unterstellt. Für die Zusammenfassung in artilleristische Befehlsverbände war nicht länger die geographische Lage der Feuerstellungen, sondern das Zusammenwirken in den gleichen Zielraum maßgebend. Im lageangepassten Feuer wurde ausgebildet, Sperrfeuer und starrer Feuerplan wurden aufgegeben, die Verfahren der Feuerwalze ständig perfektioniert.24)

Die deutsche Luftwaffe erhielt in der Schlacht um Verdun vielfältige Impulse. Durch Zusammenziehen der bislang über die Westfront verstreuten Fliegerabteilungen und durch ihren zusammengefassten Einsatz über dem Schlachtfeld konnte die deutsche Seite vorübergehend Luftüberlegenheit herstellen und den Aufmarsch verschleiern.

Mit letzter Gewissheit lässt sich die Zahl der in der Schlacht um Verdun verwundeten und gefallenen deutschen und französischen Soldaten nicht ermitteln. Zahlen über Verdunkämpfer, die verstümmelt und seelisch beschädigt die Schlacht überlebten und an Spätfolgen starben, liegen nicht vor. Die Dimension der Verluste bei Verdun mit 495.000 Gefallenen auf einem Schlachtfeld von 22 km Breite und 12 km Tiefe, einem Gefechtsstreifen, der in unserer Zeit einer gepanzerten Brigade zugewiesen wird, wird erst im Vergleich mit anderen Schlachten deutlich: Im Zweiten Weltkrieg betrugen die deutschen Verluste im Feldzug von 1940 27.074 Gefallene, 18.384 Vermisste, 111.034 Verwundete, also insgesamt 156.492 Soldaten.25)

Auf Gedenksteinen und Erinnerungstafeln deutscher und französischer Städte und Dörfer für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges sind Namen von Verdunkämpfern verzeichnet. Verdun traf viele Familien in beiden Ländern. Die hohen Verluste und die nach dem Ersten Weltkrieg weiterwirkende seelische Erschütterung der Überlebenden wirkten bis in unsere Tage hinein bewusstseinsprägend. Das Geschehen um Verdun wischte in Deutschland und Frankreich endgültig Auffassungen hinweg, die Kriege als Stahlbad zivilisationsmüder Männer zu stilisieren suchten, vom romantisierten Heldentod auf der Walstatt und vom forschen Siegen hinter flatternden Fahnen und ihre verklärte Darstellung in Literatur, Malerei und in der bildenden Kunst. Nach der Schlacht um Verdun scheiterten alle Versuche europäischer Staatsführer, kriegerisches Handeln in heroisch überhöhtem Licht zu zeichnen und es als Triebkraft zum verklärten Opfergang in die Schlachten des Zweiten Weltkriegs zu nutzen.

Für viele Franzosen wurde nach dem Ersten Weltkrieg die Schlacht um Verdun zum Symbol des Durchhaltewillens ihrer Nation gegen den deutschen Feind, der nur unter heroischem, aufopferndem Einsatz aller Kräfte und Kampfmittel niedergerungen werden konnte. In Deutschland wurde die Schlacht zum Synonym des Kriegswahnsinns, eine Bewertung, die nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Deutung der Katastrophe von Stalingrad eine Symbiose einging.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Schlachtfeld um Verdun als Monument des Krieges in seinem verwüsteten Zustand erhalten und nur teilweise aufgeforstet.

Am großen französischen Soldatenfriedhof vor dem so genannten Beinhaus, in dem die Gebeine Tausender deutscher und französischer Soldaten aufbewahrt werden, besiegelten 1984 Staatspräsident François Mitterrand und Bundeskanzler Helmut Kohl die vollendete Überwindung der jahrhundertelangen Feindschaft zwischen Deutschland und Frankreich.

 


ANMERKUNGEN:

1) Carl von Clausewitz hinterlassenes Werk „Vom Kriege“ 18. Auflage mit erweiterter, historischer Würdigung von Professor Dr. Werner Hahlweg, Bonn 1973, S.180.

2) Vom Kriege, a.a.O., S.952.

3) Vgl. Holger Afflerbach: Falkenhayn. Politisches Denken und Handeln im Kaiserreich, München 1994, S.428.

4) Vgl. derselbe, S.249-254.

5) Vgl. derselbe S.426-438. Vgl. ebenso Herfried Münkler: Der große Krieg. Die Welt 1914-1918, Berlin 2014, S.426-438.

6) Vgl. Christian E. O. Millotat: Die Erkenntnisse des Generalmajors Carl von Clausewitz als Hilfen für Planung, Führung und Auswertung internationaler Krisenreaktionseinsätze mit deutscher Beteiligung. In: Clausewitz- Gesellschaft, Jahrbuch 2013, Bonn 2013, S.123-151. Zu geringeren Zahlen an Gefallenen vgl. Jankowski, Paul: Verdun. Die Jahrhundertschlacht, Frankfurt am Main 2015, S.171.

7) Ebenda.

8) Verlustzahlen nach P. C. Ettighoffer: Verdun, Das Große Gericht, dritte, neu bearbeitete Auflage, Wiesbaden und München 1976 und Hermann Wendt: Verdun 1916, Berlin 1916, Anlage 2. Nach Wert, German: Verdun, Bergisch Gladbach 1979, S.286ff, wären „nur“ 81.668 Soldaten auf deutscher Seite gefallen. Zu den unterschiedlichen Verlustzahlen in der Schlacht um Verdun und die Problematik ihres Ermittelns vgl. Matti Münch: Der deutsche Verdun-Mythos. In: Verdun. Ein Name schreibt Geschichte. hrsg. vom Volksbund Deutsche-Kriegsgräberfürsorge e.V., Landesverband Rheinland- Pfalz, Mainz 2008, S.75f. Laut dem Sanitätsbericht über das Deutsche Heer habe die 5. Armee während der Schlacht um Verdun vom 21.2. bis 10.9.1916 an Kranken, Verwundeten, Gefallenen und Vermissten insgesamt 708.524 Soldaten verloren. 68.371 seien gefallen oder vermisst.

9) Zur Kriegslage 1915 und am Jahresende 1915/16 vgl. Der Weltkrieg 1914 bis 1918, bearbeitet im Reichsarchiv, Die militärischen Operationen zu Lande, Neunter Band, Berlin 1933, S.1-311 und Zehnter Band, bearbeitet und herausgegeben von der Forschungsanstalt für Kriegs- und Heeresgeschichte, Berlin 1936, S.1-53. Vgl. ebenso Herfried Münkler: Der Große Krieg, a.a.O., Die Welt 1914 bis 1918, S.386-412. Vgl. ebenso Holger Afflerbach: Falkenhayns Politisches Denken und Handeln im Kaiserreich, a.a.O., Kapitel V.

10) Zur Konferenz von Chantilly und Haigs Ringen mit Joffre über den Einsatz des noch nicht fertig ausgebildeten neuen britischen Freiwilligenheeres, das der britische Kriegsminister, Feldmarschall Horatio Kitchener, in Großbritannien aufstellte, vgl. Correli Barnet: Britain and her Army 1509-1970. A Military, Political and Social Survey, London 1970, S.393-397.

11) Vgl. Erich v. Falkenhayn: Die Oberste Heeresleitung 1914-1916 in ihren wichtigsten Entschließungen, Berlin 1920, S.176ff. Die Denkschrift ist in Teilen ebenfalls abgedruckt in: Der Weltkrieg 1914 bis 1918, Band 10, a.a.O., S.9f.

12) Zu Falkenhayn Lagebeurteilung, die zu seiner angeblichen Weihnachtsdenkschrift für die Kriegführung im Jahre 1916 geführt haben soll, vgl. Herfried Münkler: Der Große Krieg, a.a.O., S.407-413. Vgl. ebenso Holger Afflerbach: Falkenhayn: a.a.O., Kapitel 17 und S.543ff. Zu Münklers Auffassung, die Gedanken der angeblichen Denkschrift als deckungsgleich mit Falkenhayns Denken und Handeln bei der Vorbereitung der Schlacht um Verdun und ihrer Führung annehmen zu können, vgl. derselbe, Der Große Krieg, a.a.O., S.833, Anmerkung 17. Zur Anfertigung der Denkschrift Falkenhayns nach dem Ersten Weltkrieg und ihrer Bewertung vgl. Holger Afflerbach,: Falkenhayn, a.a.O. S.544. Zu den nach seiner Ansicht wirklichen, aber von Falkenhayn in der Denkschrift verschwiegenen militärstrategischen Zielen, vgl. Olaf Jessern: Verdun 1916. Urschlacht des Jahrhunderts, 2. Auflage, München 2014, „Weihnachtsdenkschrift“ und „Ein Blick auf die Quellen“, S.364-388 sowie „Die Tappenbefragung“, S.389-406. Nach akribischer Auswertung von Befragungen hochrangiger Soldaten, die in der Schlacht um Verdun teilgenommen haben, durch Angehörige der Forschungsanstalt für Kriegs- und Heeresgeschichte unter Leitung ihres Direktors Wolfgang Foerster, kommt Jessern zu folgendem Fazit: Falkenhayns Angriff auf Verdun habe auf die Rückkehr zum Bewegungskrieg über einen raschen operativen Durchbruch im Nach- und Gegenstoß nach raschem Zermürben der französischen Kräfte im Raum von Verdun abgezielt. Das Ausbluten der Franzosen sei damit nicht Hauptziel der Schlacht gewesen, wie dies Falkenhayn in seiner 1920 verfassten Denkschrift behauptet habe. Diese habe es nie gegeben. Afflerbach, a.a.O., S.374 resümiert dagegen als Fazit der Schlacht: Falkenhayns Ziel sei es gewesen, die Franzosen bei Verdun auszubluten und ihnen so schwere Verluste zuzufügen, dass sie zu einer effizienten Kampfführung nicht mehr in der Lage waren. Zur Chefbesprechung in Mézières am 11. Februar 1916, in der Falkenhayn seine Ziele für die Schlacht um Verdun erstmals zusammengefasst den Chefs der Generalstäbe der deutschen Armeen darstellte, vgl. Reichsarchiv, Band 10, a.a.O., S.39-41.

13) Erich v. Falkenhayn: Die Oberste Heeresleitung 1914-1916, a.a.O.,S.176ff.

14) Die Darstellung des befestigten Raumes von Verdun und die Gliederung der Truppen beider Seiten wurde anhand des Kartenmaterials aus Band 10 des Reichsarchivwerks, a.a.O, und des Guide Historique Illustré, Verdun, Éditions Lorraines Frémont, Verdun o.J., durch mehrere Erkundungen des Schlachtfeldes erarbeitet. Ebenso wurden herangezogen: Schlachten des Weltkrieges in Einzeldarstellungen, bearbeitet und hrsg. im Auftrag des Reichsarchivs, Band 13, Die deutsche Offensivschlacht, Berlin 1926, Band 14. II. Teil, Das Ringen um Fort Vaux, Berlin 1926, und Die Zermürbungsschlacht, III. Teil: Toter Mann- Höhe 304, und IV. Teil, Thiaumont- Fleury, Berlin 1929, und Horne, Alistair: The Price of Glory. Verdun 1916, London 1962, S.48ff., und Ceux de Verdun, Les chemins de la mémoire, in: Le Figaro, Sonderheft 2006, Les cartes de la Bataille. Eine übersichtliche Darstellung der Festungsanlagen von Verdun befindet sich bei Marcus Massing: Der Festungsgürtel von Verdun, Studienarbeit, http://www.hausarbeiten.de/faecher/Vorschau/99894,. Html. Hausarbeiten 2000, S.3f.

15) Zum Angriffsentwurf AOK 5 vgl. Reichsarchiv, Band 10, a.a.O., S.58. Der vollständige Befehl für die Angriffskorps vom 27. Jänner 1916 befindet sich im Band 13 der Schlachten des Weltkrieges in Einzeldarstellungen, a.a.O., S.258-260, Anlage 1.

16) Zur französischen, anfänglich den Deutschen unterlegenen Ausstattung mit moderner schwerer Artillerie für die Feldschlacht vgl. General Herr: Die Artillerie in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Charlottenburg 1925, Kapitel I und Kapitel II. Vgl. ebenso Hans Linnenkohl: Vom Einzelschuss zur Feuerwalze. Der Wettlauf zwischen Technik und Taktik im Ersten Weltkrieg, Bonn 1996, S.216-229. Geschützzahlen auf S.283 und Dieter Storz: Kriegsbild und Rüstung 1914. Europäische Landstreitkräfte vor dem Ersten Weltkrieg, Herford; Berlin; Bonn 1992, S.207-213.

17) Zur Darstellung der operativen und taktischen Vorbereitungen der Schlacht wurden die in Anmerkung 14) beschriebenen Werke herangezogen.

18) Zu den neuen Kampfverfahren, die in der Schlacht um Verdun erstmals angewendet wurden, vgl. Christian Stachelbeck: Deutschlands Heer und Marine im Ersten Weltkrieg, Beiträge zur Militärgeschichte, hrsg. vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, Band 5, München 2013, S.44-50. Vgl. ebenso Timothy L Lupfer: Die Dynamik der Kriegslehre. Der Wandel der taktischen Grundsätze des deutschen Heeres im Ersten Weltkrieg, Militärgeschichtliches Beiheft zur Europäischen Wehrkunde. In: Wehrwissenschaftliche Rundschau 3, (1988), Heft 5, S.1-17. Vgl. v.a. Erich Ludendorff: Meine Kriegserinnerungen 1914-1918, Berlin 1919, S.460-468. Dort befindet sich die Begründung zur Einführung neuer Kampfverfahren im Lichte der Erkenntnisse aus den Schlachten um Verdun und an der Somme. Vgl. ebenso Hans Linnenkohl: Vom Einzelschuss zur Feuerwalze, a.a.O., S.209-215.

19) Der Verlauf der Schlacht wurde ebenfalls mit den in Anm. 14) aufgeführten Werken sowie durch Geländeerkundungen entschlüsselt. Der deutsche Befehl zum Angriff befindet sich im Band 13 der Schlachten des Weltkrieges in Einzeldarstellungen, a.a.O., Anlage 1, S.258-260.

20) Zum überraschend schnellen Nehmen von Fort Douaumont durch Oberleutnant v. Brandis und Hauptmann d. Res. Haupt und die von Falkenhayn verpasste Möglichkeit, durch Einsatz von Reserven nach Aufgabe seines militärstrategische Konzepts einer Ausblutungsschlacht einen Durchbruch in die Tiefe zu erzielen, vgl. Cord v. Brandis: Vor uns der Douaumont, Aus dem Leben eines alten Soldaten, Druffel-Verlag 1966, S.139-170.

21) Philippe Pétain: Tagesbefehl vom 10. April 1916. In: Guide Historique Illustré, a.a.O., S.30.

22) Zu den neuen Gefechtsvorschriften der Obersten Heeresleitung aufgrund der Erfahrungen in den Schlachten um Verdun und an der Somme vgl. Urkunden der Obersten Heeresleitung über ihre Tätigkeit 1916/1918, hrsg. von Erich Ludendorff, XXIV, Militärische Schriften, Berlin 1920, S.568-704 und hier insbesondere Grundsätze für die Abwehrschlacht im Stellungskriege, S.604-640 und De Angriff im Stellungskriege, S.604-640. Die Gründe für ihre Entwicklung Ihr Entstehen und ihre neuen Elemente sind dargestellt bei Erich Ludendorff: Meine Kriegserinnerungen 1914-1918, a.a.O., S.306-313.

23) Eine ausführliche Analyse der taktischen Einsatzgrundsätze der Truppengattungen bei Beginn und während des Ersten Weltkrieges bei General der Infanterie Liebmann: Die deutschen Gefechtsvorschriften von 1914 in der Feuerprobe des Krieges, in: Militärwissenschaftliche Rundschau, hrsg. vom Kriegsministerium, 2. Jahrgang 1937, 4. Heft, S.31ff. Zu den technischen Entwicklungen vgl. Linnenkohl, Hans: Vom Einzelschuss zur Feuerwalze. Der Wettlauf zwischen der Technik und Taktik im Ersten Weltkrieg, a.a.O., Bonn 1996, S.165-229. Vgl. ebenso Timothy Lupfer: Die Dynamik der Kriegslehre. Der Wandel der taktischen Grundsätze des deutschen Heeres im Ersten Weltkrieg, a.a.O., S.1-17.

24) Zur Entwicklung der Taktik der Artillerie im Stellungskrieg vgl. Hans Linnenkohl: Vom Einzelschuss zur Feuerwalze, a.a.O., S.268-285. Vgl. ebenso Anmerkung 22).

25) Vgl. Die Wehrmachtsberichte 1939-1945, Band 1, 1. September 1939 bis 31. Dezember 1941, Unveränderter Photomechanischer Nachdruck, April 1985, Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH& Co.KG, München 1985, S.244f.