Symposion: "Die k.u.k. Zeit in Bosnien und Herzegowina 1878 bis 1918" an der Landesverteidigungsakademie

 

Wien, 14. November 2018  - 2018 gilt als besonderes Gedenkjahr. Dabei denken die Meisten wohl an 1918 oder 1938, vielleicht an 1968. Der Historiker Erwin Schmidl, Leiter des Instituts für Strategie und Sicherheitspolitik der Landesverteidigungsakademie, lud zu einem Symposium über die Geschichte Bosniens und Herzegowina und zu einem Blick auf 1878 und 1908 - die anderen "Achterjahre".

Österreich-Ungarn erhält Mandat, Bosnien und Herzegowina zu besetzen

1878 erhielt Österreich-Ungarn durch den Berliner Kongress das Mandat, die osmanischen Provinzen Bosnien und Herzegowina zu besetzen und zu verwalten sowie eine militärische Präsenz im benachbarten Sandžak von Novi Pazar (zwischen Serbien und Montenegro gelegen) zu stationieren. Österreich-Ungarn verwaltete in der Folge das Land, das einen beachtlichen Modernisierungsschub in allen Bereichen erlebte. Mit der Annexion 1908, gehörte das Land weder zu Österreich noch zu Ungarn, sondern wurde als gemeinsames Territorium durch das k.u.k. Finanzministerium verwaltet.

Der Kommandant der Landesverteidigungsakademie, Generalleutnant Erich Csitkovits, begrüßte die Gäste.

Ein Blick auf das Podium.

Der Erste Weltkrieg

Ab 1914 wurde das Land in den Ersten Weltkrieg hineingezogen, der mit dem Attentat auf das Thronfolger-Paar in Sarajevo seinen Ausgang nahm. Bosnische Soldaten aller drei großen Religions- bzw. Bevölkerungsgruppen dienten in der k.u.k. Armee und galten als besonders tapfere Kämpfer.

Vom Zweiten Weltkrieg bis Dayton

Nach 1918 gehörte Bosnien und Herzegowina zum SHS-Staat (Jugoslawien) und erlebte im Zweiten Weltkrieg alle Schrecken des Partisanenkrieges. Nach 1944/45 gehörte es zum kommunistischen Jugoslawien und wurde bei dessen Zerfall 1991 bi 1995 neuerlich zum Kriegsschauplatz. Seit 1995 bemüht sich die internationale Staatengemeinschaft um eine Stabilisierung des Landes. Österreich ist seit Beginn in dieser Region stark engagiert, stellt seit 2009 den Kommandanten der EU-Truppe EUFOR/Althea.

Buchvorstellung

Neben den historischen Ausführungen von Erwin Schmidl kam auch der Diplomat und Botschafter in Ruhe, Wolfgang Petritsch, zu Wort. Er referierte über den  Friedensvertrag von Dayton/Paris 1995. Petritsch leitete von 1999 bis 2002 die zivile Implementation des Friedensvertrags. Petritsch sprach auch über aktuelle Fragen und Zukunftsaussichten des Landes. Einen weiteren Programmpunkt bildete eine Lesung aus dem neuen Buch "Das alte Bosnien: K.u.k. Sehnsuchtsorte von der Save bis zur Drina (1878 – 1918)", durch die beiden Herausgeber, Helmut Friedrichsmeier und Michael Pesendorfer.

Auch in der Pause wurde angeregt diskutiert.