„Geiselhaft in Syrien“ – Gastvortrag an der Landesverteidigungsakademie


Wien, 03. April 2018  - Am Dienstagabend lud das Institut für Höhere militärische Führung (IHMF) zu einem höchst interessanten Vortrag in die „Sala Terrena“ der Landesverteidigungsakademie ein. Carl Campeau, ehemalige Geisel einer islamistischen Gruppe in Syrien, referierte über seine Arbeit als UN-Mitarbeiter, seine Gefangenschaft und seine Flucht.

„Meine Seele kriegt ihr nie“

Carl Campeau, ein kanadischer Jurist, arbeitet für die Vereinten Nationen. 2013 war er als Rechtsberater der „United Nations Disengagement Observer Force“ (UNDOF) tätig. Im Februar 2013 wurde er auf der Fahrt von den Golan-Höhen nach Damaskus von Mitgliedern der Al-Nusra-Front, einer islamistischen Gruppe, verschleppt. Für seine Freilassung forderten die Entführer Lösegeld, doch weder die UN noch die kanadische Regierung wollten dieser Forderung nachkommen.

Acht Monate musste Campeau in Gefangenschaft verbringen. In dieser Zeit war er wiederholt psychischer Folter durch  seine Geiselnehmer ausgesetzt.  Eine Unachtsamkeit seiner Bewacher nutzte Campeau schließlich zur Flucht und konnte so seinen Peinigern entkommen.

2016 wurde einer seiner Geiselnehmer, der als anerkannter syrischer Asylwerber in Deutschland lebte, verhaftet. Der Syrer wurde wegen erpresserischem Menschenraub und Kriegsverbrechen in Deutschland angeklagt. Campeau war Hauptzeuge im Prozess. Der Syrer wurde zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteil.

Seine Erlebnisse aus der Gefangenschaft und seine Flucht hat Carl Campeau in einem Buch verarbeitet. "Meine Seele kriegt ihr nie" ist 2017 im Herder Verlag erschienen.

Brigadier Rotheneder, Leiter des IHMF, begrüßt die Gäste.

Carl Campeau bei seinen Ausführungen.