Die Österreichische Militärische Zeitschrift

Ein historischer Rückblick von den Anfängen bis zur Gegenwart

von Horst Pleiner

Im Jahr 1808 erschien erstmals eine Österreichische Militärische Zeitschrift, und diese Zeitschrift gibt es heute noch.

Mit einem Fortbestand durch 200 Jahre handelt es sich bei der ÖMZ mit Fug und Recht also um die älteste noch bestehende militärische Fachzeitschrift der Welt - eine erstaunliche Tatsache, die die Verantwortlichen mit großem Stolz erfüllen darf. Somit ist die ÖMZ selbst um ein Jahr älter als der „Brockhaus“, der 1809 erstmals als „Kurzgefasstes Wörterbuch für die in der gesellschaftlichen Unterhaltung aus den Wissenschaften und Künsten vorkommenden Gegenstände“ herausgegeben wurde. Die ÖMZ ist so über diese zwei Jahrhunderte betrachtet wohl auch zu einer Art „Brockhaus“ in allen Fragen der Sicherheitspolitik, Militärgeschichte, militärischen Technologie und des Militärischen „an sich“ geworden, in ihrer Vielfalt und Aussagekraft unerreicht, dokumentierend, analysierend und informierend. Man bedenke nur die gewaltigen politischen, wirtschaftlichen, sozialen und auch militärischen Veränderungen, die sich in diesen 200 Jahren in und für Österreich ergeben haben und damit auch für die österreichischen Streitkräfte, die Armee und die Offiziere aller Dienstgrade, zu deren Aus-, Weiter- und Fortbildung, zu deren geistiger Auseinandersetzung mit den wesentlichen Fragen des Militärs gerade diese Zeitschrift beitragen sollte und wohl auch beigetragen hat. Es erscheint daher von Interesse, diesem Bogen von Napoleon und der Kaiserzeit in Österreich bis in die Gegenwart der Republik Österreich als Mitglied der EU und nachhaltigem Akteur einer Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie Gesteller von Kontingenten im Rahmen multinationaler Operationen in weiten Teilen der Welt unter der Fahne der UNO, dem Zeichen der Solidarität im Rahmen der EU, aber auch in Kooperation mit der NATO als Beitrag einer nicht nur als Lippenbekenntnis verstandenen Partnerschaft für den Frieden zu folgen und dabei der Frage nachzugehen, wie sich diese ÖMZ all diesen Entwicklungen gestellt und angepasst hat, welche Beiträge für diese Entwicklungen geleistet wurden und wie sich die sicherlich oftmals auch kontroversiellen Auffassungen in den einzelnen Aussagen der Hefte widerspiegeln. Es war der Zeitschrift keine ununterbrochene Folge des Erscheinens beschieden; die ÖMZ konnte sich den Einflüssen eines Hofkriegsrates ebenso wenig entziehen wie den Auswirkungen der Revolution von 1848, dem Ende der Habsburger-Monarchie oder später dem Zugriff der Nationalsozialisten. Aber immer war das ausdrückliche Bemühen ersichtlich, zumindest zur aktuellen, sachlichen Information auf der Grundlage einer möglichst weitgehenden wissenschaftlichen Bearbeitung und Betrachtung beizutragen. Das Bestreben zur Vermeidung tagespolitischer Polemik lässt sich durch diese 200 Jahre ihres Bestehens bei der ÖMZ eindeutig erkennen. Aber es gab auch Episoden des Aufflackerns überaus divergierender Meinungen und Auffassungen, mancher zwischen den Zeilen erkennbarer Kritik und - wie so oft in der österreichischen Militärgeschichte - manch gut gemeinten und wohlbegründeten Vorschlages zur Verbesserung, Anpassung, Weiterentwicklung, der jedoch ungehört verhallte oder als zu progressiv nicht das Wohlwollen altersbedingt eher in vergangenen Kategorien denkender Vorgesetzter und höherer Führungspersönlichkeiten fand. Die ÖMZ war durch diese zwei Jahrhunderte auch eine Art „Schreibschule“, denn zahlreiche Autoren haben es dann zu hohen und höchsten Positionen in der Armee, aber auch im zivilen Bereich gebracht. Die Fähigkeit zur intellektuellen Auseinandersetzung, Erarbeitung eines Themas und zur Formulierung der Gedanken und Argumente wurde hier schon „geübt“ oder später dann eben als Könner nachgewiesen.

Der Anfang in schwerer Zeit 1808-1809

Mit dem am 26. Dezember 1805 unterzeichneten Frieden von Pressburg musste das Haus Habsburg die Niederlage gegenüber Napoleon eingestehen und verlor dabei nicht nur Venetien, sondern auch Tirol! Die österreichische Armee befand sich danach in einem Zustand ausgeprägter Mutlosigkeit und eingestandener Ineffizienz. Die konservative und noch nach den aus der Zeit der Kriege gegen König Friedrich von Preußen stammenden Grundsätzen geführte österreichische Armee hatte der vergleichsweise modernen Operationsführung durch Napoleon und der auf dem aktuellen Stand der Technologie und Kommunikation befindlichen Struktur der französischen Armee nicht standhalten können. Sie verwendete teilweise noch das 1769 gedruckte „Generalsreglement“, das dem kaiserlichen Vorwort entsprechend auf das Allergenaueste befolgt werden sollte.1) Daran hatte auch die progressive Haltung Erzherzog Karls2) nichts ändern können. Als Folge der durch diese Niederlage entstandenen politischen Entwicklungen im „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“ legte Kaiser Franz II. die damit verbundene Kaiserkrone am 6. August 1806 zurück und regierte fortan als Kaiser Franz I. von Österreich in den bereits am 11. August 1804 zum Kaisertum erklärten österreichischen Erblanden. Ein bezeichnendes Bild auf die überaus prekäre Situation der österreichischen Armee bietet die Ablehnung des Feldmarschallleutnants Fürst Karl von Schwarzenberg Ende August 1806, das freigewordene Amt des Präsidenten des Hofkriegsrates zu übernehmen, obwohl er dazu vom Kaiser und von Erzherzog Karl nachhaltig gedrängt worden war.3) In der Folge wurde Erzherzog Karl zur treibenden Kraft für die Reorganisation und die Verbesserung von Führung und Ausbildung in der Armee. Er ließ dafür u.a. den Behelf für „Unterrichte der Generalität“ und Planung von Beiträgen zur „Praktischen Unterrichtung im Felde“ ausarbeiten und sah die dringende Notwendigkeit, die fachliche Qualifikation der Offiziere zu heben und die Auseinandersetzung mit militärischen und militärtechnischen Fragen auf wissenschaftlicher Grundlage zu fördern. Dies sollte auch durch eine militärwissenschaftliche Zeitschrift gefördert werden, um einem möglichst breiten Kreis der Offiziere den Zugang zu diesen Themen zu eröffnen und zur Mitwirkung an der geistigen Auseinandersetzung anzuregen.
Und so erschien am 1. Jänner 1808 unter der Leitung von Feldmarschallleutnant Moritz Georg Gomez de Parientos4) das erste Heft einer „Österreichisch-militärischen Zeitschrift“(ÖMZ). Die Motivation für diese Zeitschrift und die Zielsetzung wurden in einem „Vorbericht“ zu diesem ersten Heft erläutert und dabei als Hauptthemen die Kriegswissenschaft in allen ihren Zweigen, die österreichische Kriegsgeschichte mittlerer und neuerer Zeit sowie Länderkenntnis, vorzüglich einheimische, genannt.5) Die Zeitschrift sollte sich vorzugsweise an den Kriegsstand des österreichischen Kaiserstaates wenden. Als Wahlspruch für diese jährlich mit vier Heften vorgesehene Zeitschrift wählte man eine Feststellung des Cornelius Tacitus: „Omnia quae vetustissima creduntur, nova fuere, et quod hodie tuemur exemplis, inter exempla erit.“ 6) So sollten also die Erfahrungen der letzten Kriege und Feldzüge nicht nur den obersten Befehlshabern, sondern auch weiten Schichten des aktiven und im Ruhestand befindlichen Offizierskorps verfügbar gemacht werden. Außerdem wollte die Redaktion neue militärische Bücher, Pläne und Karten bekannt machen und lud Autoren ein, Beiträge zu liefern. Die Redaktion dieser als offizieller Publikation des Kriegsministeriums erscheinenden Zeitschrift befand sich im Schriftenbüro des Kriegsarchivs, und die Beiträge wurden nur von Mitarbeitern dieser Abteilung ausgearbeitet. Im ersten Heft dieser kleinformatigen Publikation im Ausmaß von 20x13 cm fand sich u.a. eine Darstellung der Schlacht von Stockach sowie ein Beitrag über den Angriff und die Verteidigung fester Plätze. Die motivatorische Absicht ist erkennbar, hatte doch Erzherzog Karl mit rund 60.000 Mann bei Stockach am 25. März 1799 rund 40.000 Franzosen unter General Jourdan besiegt und hinter den Rhein zurückgeworfen. Und die Thematik des Kampfes um eine Festung muss in Erinnerung an die Kapitulation von General Mack am 2. November 1805 verstanden werden.
Aber die politisch-militärische Entwicklung überholte diese erste ÖMZ bereits im Jahre 1809. Das Kaiserreich Österreich hatte, bestimmt durch die Ereignisse in Spanien seit 1808 und durch die fragwürdige, als Bedrohung Österreichs wahrgenommene, seit 1807 bestehende Allianz zwischen dem Zarenreich und Napoleon, dem Kaiser der Franzosen, im Frühjahr 1809 den Krieg erklärt und die Operationen in Bayern, Oberitalien und im Großherzogtum Warschau begonnen. Der Feldzug in Bayern verlief für Erzherzog Karl unglücklich, und am 10. Mai 1809 stand Napoleon bereits vor Wien. Bei der Beschießung Wiens ging durch einen Treffer der französischen Artillerie die gesamte Auflage des Heftes 4/1809 der ÖMZ in Flammen auf. Obwohl die französische Armee im Mai 1809 durch Erzherzog Karl in der Schlacht bei Aspern am Übergang über die Donau gehindert wurde, konnte sich Napoleon in der Schlacht von Deutsch-Wagram am 5. und 6. Juli 1809 durchsetzen, und Erzherzog Karl musste am 11. Juli 1809 bei Znaim einen Waffenstillstand unterzeichnen. Dieser brachte ihn in kaiserliche Ungnade und führte zur Entlassung aus dem Oberkommando und letztlich zu einem nachteiligen Frieden. Und mit dem Abgang von Erzherzog Karl stellte auch die ÖMZ ihr Erscheinen ein.

Ein schwieriger Neubeginn unter FML Radetzky 1810-1813

Aber der neu ernannte Chef des Generalquartiermeisterstabes, Johann Graf von Radetz, sah ebenfalls die dringende Notwendigkeit der Reorganisation des österreichischen Heerwesens und des Ausbildungs- und Wissensstandes der Offiziere, v.a. des Generalstabs. In diesem Sinn trat er am 15. Oktober 1810 an den Hofkriegsrat heran und begründete die neuerliche Herausgabe einer militärwissenschaftlichen Zeitschrift. Auf Vorschlag des Präsidenten des Hofkriegsrates, Generalfeldmarschall Graf Bellegarde, wurde der Chef der literarischen Abteilung des Generalquartiermeisterstabes, Major von Rothkirch, zum Schriftleiter bestimmt und ab Beginn 1811 die monatliche Herausgabe geplant.7) Aber schon bald türmten sich für diese „neue ÖMZ“ administrative Schwierigkeiten auf, die sich aus der direkten Abhängigkeit vom Hofkriegsrat ergaben und den Druck des ersten Heftes bis Ende Februar 1811 verzögerten. Eine beigefügte Karte Siziliens als Ergänzung eines Beitrags über den Feldzug der Österreicher in Sizilien unter Mercy in den Jahren 1718-1720 erweckte aus Rücksichtnahme auf den sizilianischen Hof und aus nachrichtendienstlichen Gesichtspunkten Bedenken, und so wurde die Herausgabe des ersten Heftes ausgesetzt.8) Alle Probleme einer „offiziellen“ Zeitschrift zeigten sich in diesen Eingriffen und Vorbehalten, obwohl man dieses Vorhaben nicht grundsätzlich ad acta legen wollte. So verfiel man auf den von Oberstleutnant Rothkirch akzeptierten Vorschlag, die Zeitschrift als dessen „Privatangelegenheit“ und eigene Rechnung herauszugeben. Rothkirch wollte allerdings keiner verschärften Zensur oder Einflussnahme unterliegen, die Redaktion weiterhin im Kriegsarchiv angesiedelt sehen und uneingeschränkten Zugang zu Mitarbeitern und Quellen haben. Dies wurde ihm zugestanden, und somit erschien ab 1811 die „Neue Militärische Zeitschrift“ (NMZ) monatlich. Als Zielsetzung galt die Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnis unter den Offizieren der k.k. Armee und der Motivation für jeden Offizier, der auf „höhere Kultur“ Anspruch machen würde, seinen Geist auf nützliche Art zu beschäftigen. Den Druck besorgte die Firma Anton Strauß zu Wien. Der neue Wahlspruch der NMZ von Flavius Vegetius, der dann bis 1847 gültig blieb, lautete: „In omni autem proelio non tam multitudo et virtus indocta, quam ars et exercitium solent praestare victoriam.“ 9)
Radetzky bemühte sich in dieser Zeit auch um eine gezielte Schulung der Hauptleute und Oberleutnante zumindest in der Garnison Wien in den Hauptzweigen des Generalquartiermeisterdienstes als Ergänzung zum bisher üblichen eigenständigen Selbststudium. Hiefür wurde am 7. November 1811 ein entsprechender Lehrgang angeordnet, der als „Winterkurs“ das Fachwissen vertiefen sollte. Wie sich zeigte, waren einige der Lehrer an diesen allerdings nur zwei Mal durchgeführten Kursen auch Verfasser von Beiträgen in der NMZ. Im Heft 4/1811 erschien ein Beitrag von Hauptmann Schels als „Memoire für Offiziere, die sich zum Dienst des Generalquartiermeisterstabes bilden wollen“.10) Beachtenswert ist auch der im Heft 3/1811 vorliegende Beitrag, der sich eingehend mit dem Wesen und Zusammenhang von „Taktik, Strategie, Kriegswissenschaft und Kriegskunst“ auseinanderzusetzen versuchte. Es mag also doch ein Zusammenhang zwischen NMZ und höherer Fortbildung der Offiziere gesehen werden, und so konnten auch nicht in Wien garnisonierte Offiziere ihr Wissen vertiefen und sich mit operativen Fragen auseinandersetzen.
Dem Aufruf zur Lieferung von Beiträgen folgten aber nur wenige Offiziere, und die eingereichten Arbeiten waren meist von recht geringer Qualität. Die „wissenschaftlichen Korps“ der Artillerie und der Genie-Truppen hielten vornehme Distanz. So war es dem Schriftleiter vorbehalten, aus eigener Feder und durch die Mitarbeiter aus dem Kriegsarchiv für fundierte und kritische Beiträge zu sorgen. Daher standen militärhistorische Beiträge über den Prinzen Eugen, Montecuccoli und Wallenstein sowie über die Operationen in den Feldzügen 1756, 1762, 1807 zur Verfügung. Besonders hervorzuheben sind jedoch in drei Heften (1812) die Auseinandersetzungen mit den Theorien des französischen Brigadegenerals Jomini. Dessen 1806 zu Posen geschriebener Aufsatz über die „Kunst des Krieges“ fand Aufnahme in die NMZ und wurde ergänzt durch Beiträge über „Operationslinien mit besonderer Hinsicht auf die von Jomini aufgestellten Theorien“, die Erstellung von „Operationsplänen“ sowie eine umfangreiche Abhandlung in zwei Teilen über den „Krieg und die Kriegskunst“. Die Auflage der NMZ war ursprünglich mit 500 Stück vorgesehen, bald aber hatte man rund 800 Bezieher, und selbst der preußische General Gerhard von Scharnhorst äußerte sich 1812 lobend über diese Zeitschrift. Allerdings wurden aufgrund des Feldzugs an der Seite Napoleons in Russland 1812 und dann des erneuten Krieges gegen Napoleon nach 1813 die angesprochenen Kurse nicht mehr fortgeführt, und auch die NMZ stellte aus diesen Gründen mit dem Heft Dezember 1813 ihr Erscheinen ein. Oberst von Rothkirch ging als Generalstabschef des Korps Klenau ins Feld, wurde 1815 der Generalstabschef des Erzherzogs Johann und beendete seine Laufbahn als Kommandierender General in Graz.11)

Die Österreichische Militärische Zeitschrift im Vormärz 1817-1848

Nach dem Wiener Kongress entwickelte sich im k.k. Generalstab erneut das Bestreben, die erfolgreichen Feldzüge der drei letzten Jahre des Kampfes gegen Napoleon eingehend darzustellen und einen Kern der intellektuellen Auseinandersetzung im Rahmen des Offizierskorps und ein Medium zu dessen Weiterbildung zu schaffen. Daher wurde durch den Generalstab mit einem Schreiben vom 16. Jänner 1817 beim Hofkriegsrat der Neubeginn der ÖMZ als „amtliches Journal“ beantragt. Der mit der Angelegenheit befasste Kaiser Franz I. ordnete schon mit 29. Mai 1817 die Herausgabe der Zeitschrift als „Privatunternehmen“, also im Sinne der bis 1813 vorliegenden Bedingungen, ohne Inanspruchnahme des „Ärariums“ an, und so wurde mit 20. Juli 1817 vom Hofkriegsrat die entsprechende Genehmigung an den Generalstab erteilt. Der seit 1811 bereits einschlägig befasste Hauptmann Schels wurde mit der Leitung der Zeitschrift unter den vorher für Rothkirch geltenden Bedingungen betraut, obwohl Rothkirch zunächst eine Art ideeller Oberleitung behielt.
So erschien im Jahre 1818 die ÖMZ erneut, und schon 1819 wurde Mjr Schels als verantwortlicher Redakteur angeführt. Er blieb in dieser Funktion bis zu seinem Tod im Jahre 1847 und hat in dieser für Redakteure und Publikationen sensiblen Zeit des Vormärz die ÖMZ als wesentliches Mittel der Wissensvermittlung und geistigen Anregung für große Teile des k.k. Offizierskorps profiliert. Einen wesentlichen Bestandteil der ÖMZ bildeten die Personalnachrichten, die unter der Rubrik „Militärveränderungen“ angezeigt wurden. Schels wollte eine aktive Beitragsleistung der Offiziere fördern, in großer Bandbreite zu allen Themen und Bereichen, die auf den Krieg Bezug haben, informieren und dabei eine entsprechende Vielfalt erreichen. In dem einleitenden Aufruf im ersten Heft 1818 betont Mjr Schels die Notwendigkeit, auch kritische, ja falsche Überlegungen zuzulassen, und meint zum Inhalt der Zeitschrift: „Sie kann nicht immer bloß Gründliches und Vollkommenes geben und nicht in jedem Aufsatz jedem gefallen. Bildung ist freie Geistesentwicklung und auch in irrigen Ansichten liegt oft mehr Geist als in schulgerechter Forderung.“ 12) Diese mutige Aussage des Schriftleiters von 1818 hat ihre Gültigkeit bis in die Gegenwart nicht verloren, und es wäre zu wünschen, dass auch in militärischen Medien die Meinungsfreiheit einen ungeschmälerten Platz einnehmen möge. Das bedeutet nicht nur die Möglichkeit, sachliche Feststellungen und Erkenntnisse zu publizieren, sondern auch ohne Auswirkungen auf die dienstliche Stellung, Tätigkeit und Karriere kritische Meinungen äußern und von der gängigen „Lehre“ oder „Meinung“ abweichende Vorschläge einbringen zu können. Denn intellektuelle Auseinandersetzung befördert die Entwicklung, und das gute, treffende Argument mag, in sachlicher Formulierung vorgebracht, als Anregung, Hinweis und Maßstab verstanden werden. Nun war es auch für den Schriftleiter Schels kein leichtes Unterfangen, Autoren zu gewinnen und durch ausgewogene Formulierungen und unverfängliche Themenwahl etwa im historischen Beispiel über manche Beiträge doch Stellung zu aktuellen Fragen zu beziehen. Jedenfalls hat Mjr Schels während dieser 29 Jahre rund 200 Aufsätze erstellt, davon 121 mit kriegsgeschichtlichem Inhalt. Aber mit aktuellerem Bezug vermied er die Auseinandersetzung mit den Feldzügen 1805, 1809 oder 1812 und beschränkte sich hier auf die Darstellung der Operationen der verbündeten Heere gegen Paris 1814 sowie die Schilderung des Verlaufes des Krieges der Briten gegen Burma 1824-1826, des Krieges zwischen Russland und der Türkei 1829 sowie der militärischen Ereignisse 1831 in Belgien und Polen. Bis 1847 wurden in der ÖMZ 446 Beiträge zur Kriegsgeschichte veröffentlicht, teilweise als umfangreiche Beihefte, denen aber nur 59 Beiträge über Strategie und Taktik, 27 über Heeresorganisation, 23 über Infanterie und 25 über Generalstabs- und Geniewesen sowie eine Reihe von sonstigen militärischen und allgemein wissenschaftlichen und geografischen Darstellungen gegenüberstanden. Hervorzuheben sind der Beitrag im Heft 3/1822 über die „Grundsätze der Kriegskunst“, ein Beitrag über „Strategische Freiheit“ im Jahre 1827 in Heft 2 und 3 und dann vier umfangreiche Rezensionen. Die erste davon erschien in den Heften 2 und 4/1831 und befasste sich mit dem 1831 in Brüssel herausgegebenen Werk von Jomini „Tableau analytique des principales combinations de la guerre“. Eine weitere behandelte im Heft 4/1832 das in Paris 1831 erschienene Werk von Okonnel „Memoires sur le principes de la strategie et sur les rapports intimes avec le terrain“, und schließlich folgte in den Heften 1/1834 sowie 2 und 4/1835 die eingehende Besprechung des Clausewitz-Werkes „Vom Kriege“, das 1832 in Berlin herausgegeben worden war. Schließlich folgte im Heft 3/1836 die Behandlung des Buches „Organon der Kriegskunst“ von Guerard, das 1835 in Wien erschienen war. Die ÖMZ hatte somit die wohl wesentlichsten kriegswissenschaftlichen Veröffentlichungen dieser Jahrzehnte unverzüglich ihrem Leserkreis nahe gebracht und damit unterstrichen, dass man umsichtig diesen Bereich beobachtete und v.a. in seiner Bedeutung auch wahrnahm. Ebensolche Voraussicht bewies auch der im Heft 4/1835 erschienene Beitrag mit „Bemerkungen über den Einfluss der Eisenbahnen auf Kriegsoperationen“. Es sei daran erinnert, dass 1832 die Pferdebahn von Linz nach Budweis als erste Strecke in der Monarchie fertiggestellt worden war, und die „Ludwigsbahn“ zwischen Nürnberg und Fürth erst am 7. Dezember 1835 eingeweiht wurde.13)

Die Jahre der Revolution 1848 und 1849

Als Mjr Schels im Jahre 1847 verstarb, hatte er bereits bis zum Ende dieses Jahres die Beiträge festgelegt, und seinem Freund Oberst Anton Pannasch blieb als provisorischem Redakteur zunächst nur die Vollziehung der Vorgaben. Zu Beginn des Jahres 1848 übernahm mit Generalmajor Franz Ritter von Hannekart14) ein Mann die Leitung der ÖMZ, der durch die Teilnahme an zahlreichen Feldzügen, technische Ausbildung und wissenschaftliche Arbeit überaus prädestiniert erschien, die ÖMZ im bisherigen Sinne weiterzuführen. Sie blieb aber ein privates Unternehmen im Verlag L. Sommer. Im Heft 2/1848 fand sich der von Obst Pannasch15) verfasste Nachruf auf Mjr Schels, und als im März 1848 in Wien die Revolution gegen Metternich (und nicht gegen das Kaiserhaus) ausbrach, änderten sich auch für die ÖMZ rasch die Rahmenbedingungen. Ab dem Heft 5/1848 wurde die Leitung erneut von Obst Pannasch gemeinsam mit Obstlt Friedrich Heller von Hellwald übernommen16) und die ÖMZ mit dem Motto „Freisinnig, wahr und belehrend“ dem aktuellen Zeitgeist angepasst, von einem „Verein von Offizieren“ herausgegeben. Pannasch wurde im Mai 1848 zum Kommandanten der Wiener Nationalgarde erwählt, dann aber nicht bestellt und legte Ende Juli 1848 diese Funktion wieder zurück. Pannasch blieb aber, nun auch bereits Oberst, in der ÖMZ engagiert und brachte im Heft 4/1848 einen Beitrag über die „Vorgänge im Oktober 1848 in und um Wien“.17) Seine offenbar zu liberale Haltung und die freisinnige Darstellung dieser Vorgänge fanden nicht die Billigung „höchster“ Kreise, und so sah sich die Schriftleitung der ÖMZ im Jahre 1849 zunehmenden Schwierigkeiten und Einengungen gegenüber. Daher legten die beiden Verantwortlichen mit Ende 1849 ihre Funktionen nieder, und dies wurde genutzt, um sich der nun offenbar doch zu „liberal-aufmüpfigen“ Zeitschrift zu entledigen.18) Damit ergab sich für zehn Jahre die Unterbrechung des Erscheinens einer ÖMZ. Und das in einer Zeit, in der 1852 unter dem Chef des Generalquartiermeisterstabes Feldzeugmeister (FZM) Heinrich Freiherr von Hess die „Kriegsschule“ zu Wien ihren Betrieb als „wissenschaftliche Kriegsakademie“ aufgenommen hatte.19)

Die ÖMZ unter Valentin Ritter v. Streffleur 1859-1870

Im Krieg des Jahre 1859 gegen das Kaiserreich Frank­reich und das Königreich Piemont-Sardinien erlitt die österreichische Armee in Oberitalien in der ersten Juniwoche die Niederlagen von Turbigo, Magenta und Melegnago und schließlich am 24. Juni unter Führung Kaiser Franz Josefs die entscheidende Niederlage bei Solferino. Dem Waffenstillstand von Villafranca am 8. Juli folgten Verhandlungen, die am 10. November 1859 zur Unterzeichnung des Friedens von Zürich führten. Damit verlor Österreich die Lombardei und Frankreich erhielt als „Belohnung“ Savoyen und Nizza. V.a. aber hatten sich in der österreichischen Führung erhebliche Schwächen gezeigt,20) und die Logistik hatte in erschreckendem Ausmaß versagt.21) So darf es nicht verwundern, dass progressive Kräfte nach diesen Schwierigkeiten und Mängeln erneut an einer Fort- und Weiterbildung der Offiziere und der eingehenden Beschäftigung mit Fragen der Strategie, Operation und militärischen Technologie deutliches Interesse bekundeten.
Der Armeeoberkommandierende Erzherzog Wilhelm legte Kaiser Franz Josef am 1. November 1859 einen Bericht vor, in dem er die erneute Herausgabe einer militärischen Zeitschrift mit der Notwendigkeit begründete, durch ein modernes und gut geleitetes Militärjournal den geistigen und moralischen Aufschwung der Armee zu fördern. Schon neun Tage später verfügte der Kaiser dann die Herausgabe einer „Militärischen Zeitschrift“ und ernannte Valentin Ritter von Streffleur zum Leiter, der 1847 als Major im Infanterieregiment Nr. 27 Lehrer des damaligen Erzherzogs Franz Josef gewesen war.22) Streffleur machte sich mit Nachdruck an die Gewinnung von Autoren für die ÖMZ im In- und Ausland, konnte den Nachlass Erzherzog Karls auswerten und veröffentlichte selbst zahlreiche Beiträge, v.a. zur Statistik, Geländekunde und Kartografie. Auf Streffleur ist auch die hervorragende Qualität der zahlreich eingebrachten Pläne und Karten zurückzuführen. Die hohe Qualität der ÖMZ sicherte dieser bald eine Erweiterung des Abonnentenkreises, dessen Zahl bis 1869 auf 2.439 anstieg. Im Vergleich darf aber für die heutige ÖMZ eine Gesamtzahl von 3.100 genannt werden, von denen allerdings 1.767 dem Bundesheer und etwa 700 dem Ausland zuzuordnen sind. Im Vergleich mit der Ausdehnung und der Zahl der Offiziere der Habsburger-Monarchie zum heutigen Österreich ergibt sich aber auch für die heutige ÖMZ eine überaus beachtliche Verbreitung!
Bereits 1860, als das Denkmal für Erzherzog Karl auf dem Wiener Heldenplatz errichtet wurde, brachte die ÖMZ in drei Folgen die Betrachtungen des Erzherzogs zum „Geist des Krieges überhaupt“, aber auch zum „Generalquartiermeisterstabe“, 1861 dann den Beitrag „Über die Art des Unterrichtes im Gebiet der Taktik und Strategie“, gefolgt 1862 von einer „Strategischen Übersicht des österreichischen Kaiserstaates“ aus dem Jahre 1825 und 1862 von den Betrachtungen des Erzherzogs über „Strategie und Taktik“ aus 1845. Dennoch erscheint ein Vergleich des Gedankengutes von Erzherzog Karl mit jenem von Clausewitz nur bedingt zielführend, hatte doch Clausewitz v.a. den philosophischen Ansatz gewählt, während es Erzherzog Karl sehr konkret um Handlungsanleitungen und Anhebung der Führungsqualität ging. Karl verfolgte also in erster Linie einen praktischen Zweck.23)
Aber auch der Feldzug von 1859 fand in dieser Zeit unter Streffleurs Leitung eine intensive Würdigung durch 15 Beiträge, ergänzt durch eine Reihe von Studien zur Verpflegsversorgung. Aber die Zeit reichte offenbar nicht aus, um in der österreichischen Armee vor dem folgenreichen Krieg gegen Preußen 1866 eine Änderung herbeizuführen, obwohl man sich jedoch mancher ausrüstungsmäßiger Nachteile bewusst war. Auch dieser Feldzug fand rasch breite Darstellung in der ÖMZ, so etwa zur Nutzung der Eisenbahn durch die österreichische Armee und neun Beiträge zur Frage der Befestigung Wiens bzw. anderer Hauptstädte. Wien sollte beim Anmarsch der preußischen Armee 1866 durch einen rasch errichteten Gürtel von Schanzen nördlich der Donau gesichert werden, und die damit verbundene Problematik scheint doch heftig die Gemüter bewegt zu haben. Noch heute sind einige dieser Schanzen vom Wanderer am Bisamberg sowie vor Stammersdorf im Gelände vorzufinden.
Besonders intensiv gestaltete sich die aktuelle Berichterstattung über den Krieg gegen Dänemark aus dem Jahre 1864; immerhin 27 Berichte wurden im Kriegsjahr in der ÖMZ veröffentlicht und einige weitere folgten in den nächsten Jahren. Auch zum Verlauf des Feldzuges in Böhmen und Oberitalien 1866 erschienen im gleichen Jahr 24 Beiträge, darunter ein „offizieller“ Bericht des Erzherzogs Albrecht über die Schlacht von Custozza am 24.6.1866 sowie von FM Benedek über die „Taktische und Dienstinstruktion für die k.k. Nordarmee“.24) Dieser verlorene Krieg fand bis zum Tod von Streffleur noch in weiteren 47 Beiträgen seinen Niederschlag, der die Auswirkung dieser Entwicklung nicht nur zwischen den Zeilen erkennen lässt. Dazu kamen zahlreiche waffentechnische und waffengattungsbezogene Abhandlungen, die ihren Ausgangspunkt in der Schlacht von Königgrätz nahmen. Aber hier wurden auch Stimmen aus dem Ausland einbezogen und somit eine außerordentliche Bandbreite erzielt. Allerdings überdeckten diese Ereignisse von 1859-1866 durch ihre Unmittelbarkeit den amerikanischen Bürgerkrieg geradezu vollständig, denn es findet sich dazu in der ÖMZ kaum eine intensivere Berichtslegung. Dabei hatte doch gerade dieser Krieg einschneidende Veränderungen in der operativen und logistischen Führung gebracht und erstmals jene „modernen“ Elemente geboten, wie sie dann über den Russisch-Japanischen Krieg 1904/1905 und die folgenden Kriegswirren im 1914 ausgebrochenen „Großen“ Krieg voll zur Auswirkung gelangten. Aber ausgehend vom neuen Wehrgesetz 1866 fanden sich bis 1871 in der ÖMZ doch elf Beiträge mit direktem Bezug zur österreichisch-ungarischen Heeresorganisation.

„Streffleur’s Österreichische Militärische Zeitschrift“
Die Fortsetzung eines Erfolgsprojektes 1870-1914

Nach dem Tod Streffleurs übernahm im August 1870 Hptm im Geniestab Moritz Brunner25) die Leitung der ÖMZ, die in der Folge unter dem Titel „Streffleur’s Österreichische Militärische Zeitschrift“ (SÖMZ) herausgegeben wurde. Mit Brunner begann auch die Tradition der Entsendung von Chefredakteuren und Mitarbeitern der ÖMZ zu Manövern oder wichtigen Ereignissen. Man hatte Brunner die Gelegenheit geboten, 1870 die Festung Straßburg nach deren Einnahme zu besichtigen, und der darüber 1871 veröffentlichte Bericht über „Die Verteidigung von Straßburg 1870“ erregte großes Aufsehen. Außerdem ergänzte Brunner die SÖMZ durch ein in monatlichen Heften erscheinendes „Literaturblatt“. Darin bot sich eine bibliografische Übersicht zu Neuerscheinungen der militärischen Fachliteratur und der Kartografie des In- und Auslandes, verbunden mit kritischen Stellungnahmen. Dieses Blatt erwies sich für militärische Bibliotheken von geschätztem Wert, wurde 1903 halbjährig zusammengefasst den beiden Bänden jedes SÖMZ-Jahrganges angeschlossen und bis zu deren Ende 1914 beibehalten.
Da Brunner neben der Leitung der SÖMZ auch als Lehrer an der Technischen Militärakademie in Wien tätig war und seine Versetzung nach Trebinje anstand, legte er 1884 die Leitung der SÖMZ zurück. Hervorstechend für diesen Zeitraum war die überaus umfangreiche Auseinandersetzung und Abhandlung des Deutsch-Französischen Krieges 1870-1871. Außerdem finden sich erstmals Berichte über Manöver der k.u.k. Armee, so über die Manöver 1877 in Tirol, 1878 im südlichen Dalmatien und 1879 die Kavalleriemanöver im Raum Bruck an der Leitha. Auch der sich daraus entwickelnden Tradition blieb die ÖMZ in der Folge über rund 140 Jahre verpflichtet. In der Nachfolge Brunners wechselten sich ab dem 3. Band/1884 ein Hptm Baron Potier, Mjr Angeli, Hptm-Auditor Skala, Rittmeister Walmisberg sowie die Oberste Nosinich und Teltscher in der Funktion des Schriftleiters ab. Dies war der Qualität und dem Erfolg der SÖMZ keineswegs zuträglich, und es trat bis 1890 ein gewisser Verlust an Qualität ein, auch wenn es an Beiträgen keineswegs gemangelt haben dürfte. 1890 übernahm dann Hptm Kandelsdorfer in schwieriger Lage die Leitung der SÖMZ und blieb bis 1901 verantwortlich. Für kurze Zeit folgte 1902 Obstlt d.R. Jekelius, ehe dann 1903 Hptm Viktor Grzesicki die Schriftleitung bis 1914 übernahm.
Es übersteigt den Rahmen dieser Darstellung, auf einzelne Beiträge der Zeit von 1870-1914 einzugehen. Neben kriegsgeschichtlichen Abhandlungen und Erörterungen allgemeiner strategischer, taktischer, waffengattungs- und waffentechnisch-bezogener Themen wurde ein Überblick zu Fragen der Heeresorganisation und verstärkt nach dem Berliner Kongress auch zu ausländischen Streitkräften geboten. Zwischen 1872 und 1900 behandelten 42 Beiträge die Armee der Monarchie v.a. in den Jahren bis 1873 und dann zwischen 1884 und 1893. Außerdem enthielt die SÖMZ eine eingehende Berichterstattung über die zahlreichen Konflikte und Kriege dieses Zeitraumes, und man bemühte sich auch um die Ableitung taktischer Lehren. Dabei wurden kleinere Konflikte in Südamerika oder Afrika ebenso dargestellt wie Kolonialkriege und die großen Konflikte zwischen dem Zarenreich und der Türkei, Japan und China oder der Russisch-Japanische Krieg. Der genaue Verlauf dieses Konfliktes mit seiner von bisherigen Feldzügen doch erheblich abweichenden Charakteristik wurde in Beiheften umfassend geschildert, wobei die Berichte der zwei von der k.u.k. Armee in das Operationsgebiet entsandten Beobachter zusammengefasst veröffentlicht wurden. Hier fanden sich zahlreiche konkrete Hinweise zu den Neuerungen, doch letztlich fanden die daraus zu gewinnenden Erkenntnisse26) kaum Eingang in die Führung und das taktisch-operative Verhalten der k.u.k. Armee.27) Auch über den Italienisch-Türkischen Krieg 1912 und die Kämpfe auf der Balkanhalbinsel im Rahmen zweier Balkankriege wurde berichtet;28) auch beschäftigte man sich eingehend mit dem Maschinengewehr, seinem Einsatz und dessen Auswirkungen. Aber dies führte weder zu einer Anpassung taktischer oder operativer Verfahren und Planungen noch zu einer realistischen Einschätzung der serbischen Armee. Diese hatte in den Wirren des Balkankrieges ihre Erfahrungen gesammelt, die logistischen Schwierigkeiten gemeistert, die Probleme der Führung auch in schwierigem Gelände bewältigt und sich eine entsprechende Kriegstüchtigkeit in der Praxis erworben. Gerade diese aber fehlte den k.u.k. Streitkräften und der österreichisch-ungarischen Generalität. Man zog jedenfalls aus diesen Informationen nicht im erforderlichen Ausmaß die Konsequenzen und ging dann offensichtlich ein wenig fatalistisch 1914 in den Feldzug gegen Serbien, der sich für die Truppen unter Potiorek sehr rasch als verhängnisvoll erwies und auch bei den Operationen im Herbst 1914 in Galizien verdeutlichte, dass sich die Gegebenheiten des Krieges entscheidend verändert hatten. Dabei hatte die ÖMZ im Frühjahr 1914 in drei Heften über Entwicklung und Fortschritt der russischen Armee sowie über die Manöver im Militärbezirk St. Petersburg im Herbst 1913 eingehend berichtet, man hätte dort manchen Hinweis auf die Leistungsfähigkeit und Modernisierung entnehmen können. Gab es im Heft 7/1914 der ÖMZ einen Nachruf auf Erzherzog Franz Ferdinand, so folgte im Heft 8/1914 das Manifest „An Meine Völker“ vom 28. Juli 1914. Obst Grzesicki hatte sich zur militärischen Dienstleistung abzumelden, und in seiner Vertretung übernahm Hptm Karl Zitterhofer die Redaktion der Zeitschrift. Der Krieg hatte erneut die ÖMZ eingeholt. Mit Ende 1914 stellte die ÖMZ mehr oder weniger sang- und klanglos ihr Erscheinen ein. Im letzten Heft 12/1914 fanden sich vorwiegend historische und unverfängliche Beiträge. Dann aber doch geradezu in prophetischer Weise ein Beitrag vom Major d.R. Franz Hinterstoisser über „25 Jahre Luftfahrt“29) sowie eine Übersicht von Hptm Paul Kaltschmid über die „Kriegsschauplatzkarten 1914“ mit zehn Textskizzen und zwei Beilagen, offenbar ein Hinweis, die geschätzten Leser mögen sich von diesem Zeitpunkt an selbst ein Bild der militärischen Lage verschaffen.

Die Zwischenlösungen 1920-1944

In der im November 1918 ausgerufenen Republik Österreich erschienen 1920 erneut die „Militärwissenschaftlichen und technischen Mitteilungen“, herausgegeben vom BM für Heerwesen. Allerdings beschränkten sich die ersten Hefte dieser Mitteilungen jeweils auf einen Hauptbeitrag. Dabei wurden verfängliche Themen oder eine kritische Auseinandersetzung mit den Ereignissen des unmittelbar zurückliegenden Weltkrieges tunlichst vermieden. So brachte das Heft 1/1920 einen Beitrag von Obst Ing. Brosch über „die Technik und der Weltkrieg im Lichte österreichischer Betrachtung“. Das Heft 2/1920 beschäftigte sich mit den „Meteorologischen Beobachtungen am Steinfelder Artillerie-Schießplatz im Sommer 1918“, und das Heft 3/1920 beinhaltete eine Darstellung von Obst Ing. Rieder über die „Geschichte des 30,5 cm Mörsers“. Man begnügte sich also mit Technik und artilleristischen Aspekten und verzichtete auf operative Darstellungen. Bis Ende 1929 folgten dann zahlreiche Beiträge, v.a. über die Operationen des Jahres 1914 sowie die Kämpfe auf dem italienischen Kriegsschauplatz, aber eine Auseinandersetzung mit den strategisch-operativen Aspekten unterblieb weitgehend.
1930 gab das BM für Heerwesen dann die Zeitschriftenreihe als „Militärwissenschaftliche Mitteilungen“ heraus, wobei man sich auf sechs Ausgaben pro Jahr beschränkte. Die Themenwahl blieb unverändert, aber die aktuellen Konflikte, wie z.B. der Spanische Bürgerkrieg, fanden eine entsprechende Darstellung. Die Ausgabe zu Ende 1936 muss mit der darin enthaltenen optimistischen Sicht der weiteren Entwicklung für Österreich wohl als eine Art motivatorisch begründete „Jubelausgabe“ verstanden werden, eine Vision, die dann rasch durch die politischen Ereignisse überholt wurde. Nach dem März 1938 erschienen diese Mitteilungen mit dem Emblem des Deutschen Reiches dann monatlich bis September 1944. Der Sitz der Redaktion befand sich in Wien 62, Mariahilfer Str. 22-24! Inhaltlich waren die Beiträge auf nationalsozialistische Vorgaben orientiert, aber in den wehrpolitischen Übersichten und Darstellungen zum Kriegsverlauf ist doch immer wieder das Bemühen der Redaktion um Wahrung einer gewissen Sachlichkeit zu erkennen, soweit dies offenbar unter den Auflagen möglich gewesen sein dürfte.

Der militärpublizistische Neubeginn im Österreichischen Bundesheer 1956-1962

Nach der Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrages hatte sich die zur immerwährenden militärischen Neutralität verpflichtete Republik Österreich dem Aufbau einer eigenen Landesverteidigung und des dafür bestimmten Bundesheeres (ÖBH) zu unterziehen. Ein seiner Herkunft und Ausrichtung nach doch recht unterschiedliches Offizierskorps musste „zusammengefasst“ und auf den Dienst unter den nunmehrigen Rahmenbedingungen ausgerichtet werden.
Daher hatte man schon 1956 im Bundesministerium für Landesverteidigung (BMLV) das Bedürfnis nach der Herausgabe einer Zeitschrift zur Information und Unterstützung der Offiziere im Bundesheer artikuliert und bei Bundesminister Ferdinand Graf dafür Zustimmung gefunden. So wurden 1957 und 1958 zunächst zwölf kleinformatige Hefte „Für den Kommandanten“ (FdK) herausgegeben, die stets ein Vorwort des Bundesministers mit der Anrede „Meine Herren Offiziere“ enthielten und sozusagen als Hilfe und Fortbildung für die untere Führungsebene gedacht waren. Ab 1960 wurden nur mehr sechs Hefte gestaltet, die v.a. als praktische Unterlagen für den Unteroffiziers- und Kompanieunterricht gedacht waren, insgesamt aber den Bedürfnissen nur bedingt entsprechen konnten. So wurden 1961 nur mehr zwei der kleinformatigen „FdK“ herausgegeben und 1962 nochmals der Versuch unternommen, im Großformat umfassendere Information und Ausrichtung zu erzielen. So fand sich im Heft 1/1962 ein Beitrag von Doz. Dr. Ludwig Jedlicka zur „Modernen Traditionspflege im Bundesheer“, der gerade im Hinblick auf die späteren Diskussionen zu diesem Thema eine durch Jahrzehnte beobachtete Grundhaltung zum Ausdruck brachte und unterstreicht, dass schon frühzeitig auch anerkannte zivile Historiker wie auch der spätere Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums, Hofrat Dr. Christoph Allmayer-Beck, an der Erarbeitung der Positionierung mitgewirkt hatten. Aber nach fünf Heften wurde auch dieser verbesserte „FdK“ eingestellt, da man im Sommer 1962 mit der Herausgabe der Zeitschrift „Truppendienst“ einen neuen - und wie sich zeigen sollte überaus erfolgreichen - Weg für die Vermittlung von militärischer Information und Unterstützung der Aus-, Fort- und Weiterbildung bis zur Ebene des Bataillons beschritten hatte.

Die Zeitschrift „Landesverteidigung“ der Österreichischen Offiziersgesellschaft 1960-1962

Von 1960 bis Ende 1962 wurde parallel eine Zeitschrift „Landesverteidigung“ mit dem Untertitel „Österreichische Militärische Zeitschrift“ von der Österreichischen Offiziers Gesellschaft (ÖOG) herausgegeben, die sich mit höherem Anspruch an die mittleren und oberen Dienstgrade wandte. Den Vorsitz der Schriftleitung hatte der Präsident der ÖOG, General d.Art i.R. Dr. Emil Liebitzky, in der Schriftleitung waren noch Ministerialrat (MR) Johann Ellinger, Hofrat Dr. Allmayer-Beck und Mjr Anton Wagner. Man versuchte an die Tradition der früheren ÖMZ anzuknüpfen und war in der Auswahl der Autoren außerordentlich erfolgreich. So behandelte schon in der ersten Ausgabe der Generaltruppeninspektor (GTI) General dInf Erwin Fussenegger die „Militärischen Probleme eines Kleinstaates“, die er aus österreichischer Sicht darstellte und damit seine konsequent vertretenen Auffassungen zur österreichischen Landesverteidigung ausdrückte. Es darf dieser Beitrag als eine der insgesamt ja eher spärlichen öffentlichen Aussagen des GTI programmatischer Art eingestuft werden. Neben allgemeinen militärischen Themen wurden auch Berichte aus Österreich, aus der Fachliteratur und Buchbesprechungen aufgenommen und damit eine allgemeine aktuelle Information gewährleistet. Im Heft 2/1960/1961 findet sich ein Beitrag des Kommandanten der 9. Panzergrenadierbrigade (PzGrenBrig) ObstltdG Emil Spannocchi über „Probleme der österreichischen Panzerwaffe“. Der rührige Offizier bemühte sich seit 1958/1959 nachhaltig um eine Aufstellung von gepanzerten Verbänden im Rahmen von Brigaden und fand in dieser Zeitschrift die Möglichkeit, seine Überlegungen zu den Aufgaben der Panzerwaffe eines kleinen Heeres, zu Fragen der Gliederung, Kampfgruppenbildung und Ausrüstung darzulegen. Spannocchi ließ keinen Zweifel, dass eine ausreichende Heeres-Fliegerabwehr den Kernpunkt für die Einsatzmöglichkeiten bilden werde, und sah in erster Linie die Funktion der gepanzerten Kräfte des Kleinstaates im hinhaltenden Kampf. Taktisch wurde der Nahkampf gefordert. Schon damals gelang es Spannocchi, seine Vorstellungen und Ideen medienwirksam aufzubereiten und damit eine entsprechende Breitenwirkung im Offizierskorps des ÖBH und darüber hinaus in Öffentlichkeit und Politik zu erzielen. Jedenfalls übte dieser Beitrag, auch aufgrund der an sich fehlenden Vorschriften, eine nachhaltige Wirkung auf Aufbau, Ausbildung und Führung der neuen PzGrenBrig aus. Im Heft 2/1962 behandelte ObstltdG Otto Heller30) die „Verteidigungsbereitschaft des österreichischen Volkes“ und machte dabei einige Aussagen zur Neutralität, wobei er v.a. die Begründung der Notwendigkeit eines Heeres in den Pflichten hervorhob, die sich aus dem Neutralitätsstatus ergaben, um dann einen Überblick zu den von Bundesregierung und Außenminister Dr. Bruno Kreisky dazu eingenommenen Positionen zu geben. Überlegungen zur „Verteidigung“ der Neutralität und zum „Schutz“ der Neutralität finden sich darin, verbunden mit Hinweisen des Autors auf die seit Mitte 1960 ansteigende Beunruhigung der öffentlichen Meinung über das geringe Budget für die Landesverteidigung. Außerdem fanden sich in diesem Heft Beiträge von Werner Hahlweg über „Clausewitz, Österreich und die preußische Heeresreform 1807-1812“ sowie Hinweise auf die Verankerung des Verteidigungsgedankens im ganzen Volk am Beispiel der Schweiz. Beide Themenbereiche sollten in den folgenden Jahren in den österreichischen Militärmedien immer wieder ihren Niederschlag finden und sowohl in der Auseinandersetzung um strategisch-operative Grundsätze und Fragen auf höherer Ebene als auch im Sinne einer Motivation zur zivilen und geistigen Landesverteidigung eine gewisse Rolle spielen.

Die Wiederbelebung der „ÖMZ“ 1963

Da sich in diesem Zeitraum im BMLV erfolgreiche Bestrebungen zur Herausgabe von „offiziellen“ Zeitschriften des ÖBH durchgesetzt hatten, wurde die Zeitschrift „Landesverteidigung“ mit dem Heft 4/1962 eingestellt. Wie bereits angeführt, erschien im Sommer 1962 erstmals die vom BMLV herausgegebene Zeitschrift „Truppendienst“. Daneben aber bestand im BMLV auch Interesse an einer Zeitschrift für Probleme höherer Ordnung. Für diese wurde als Chefredakteur einer neuen ÖMZ Hptm a.D. Gustav Stöckelle gewonnen, der auch rasch die Vorarbeiten für das Erscheinen ab Jänner 1963 wahrnahm. So wurde am 5. Dezember 1962 ein Vertrag zwischen dem BMLV und dem Verlag Carl Ueberreuter/Wien für Herausgabe, Druck und Vertrieb einer militärwissenschaftlichen Zeitschrift geschlossen. Für das BMLV unterfertigte ObstdG Anton Leeb,31) der in seiner Funktion nachdrücklich für die Herausgabe einer ÖMZ eingetreten war. Damit erschien die ÖMZ ab Heft 1/1963 alle zwei Monate und behielt diesen Rhythmus bis heute bei. Als Grundsatz für die inhaltliche Gestaltung der ÖMZ nahm sich die Redaktion vor, den weiteren Aufbau der geistigen, militärischen, technischen und wirtschaftlichen Landesverteidigung zu fördern und dabei besonders dem Offizierskorps des ÖBH das geistige Rüstzeug für seine verantwortungsvolle Aufgabe zu vermitteln. Ständige Rubriken, Kurznachrichten und eine Bücherschau sollten den aktuellen Überblick und die militärische Information unterstützen. Hierbei boten die strategischen und technischen Entwicklungen dieser Jahre, am Beginn der Hauptphase des „Kalten Krieges“ mit der atomaren Rüstung, den ersten Schritten in den Weltraum, der steigenden Bedeutung der Luftstreitkräfte und den Diskussionen um eine zweckmäßige Strategie im internationalen Rahmen ein weites Themenfeld für die ÖMZ. Aber auch Fragen zur operativen Konzeption des ÖBH, der Interpretation und Handhabung der Neutralität, der Ausrüstung der Streitkräfte und der Umsetzung kriegsgeschichtlicher Erkenntnisse und Lehren standen an.

Die ÖMZ unter Hptm a.D. Gustav Stöckelle 1963-1970

Der angeführte hohe Anspruch spiegelte sich bereits im Heft 1/1963 der neuen ÖMZ deutlich wider. Neben einem Beitrag von Dr. Heribert Hudinsky32) über die österreichische Neutralität unter aktuellem und historischem Blickwinkel veröffentlichte ObstdG Albert Bach einen bemerkenswerten Beitrag mit „Gedanken zu den Erfolgsmöglichkeiten der österreichischen Landesverteidigung im Zeitalter atomarer Strategie“. Bach behandelte darin zunächst die in Österreich vorhandene Skepsis gegenüber einer Wirksamkeit der Landesverteidigung (LV) und verwies auf die bereits damals nie geprüfte Frage, ob denn diese LV mit ihrem Bundesheer dem österreichischen Volk erneutes Kriegsleid ersparen könne. V.a. aber befasste sich der Beitrag dann mit dem Kriegsbild, der Wahrscheinlichkeit begrenzter Kriegsformen und der Bedeutung der Neutralität in diesem Zusammenhang. Die intensive Befassung auf breiter Basis mit den Fragen der LV wird gefordert und auch auf Erfolgsaussichten, wie am Beispiel der Schweiz oder Schwedens erkennbar, verwiesen. Damit leitete ObstdG Bach nicht nur eine erste Phase der Diskussion zu strategisch-operativen Fragen in der ÖMZ auf höchstem Niveau und mit einer erheblichen Brisanz, sondern auch eine mehrjährige interne und mediale Diskussion über konzeptive Probleme des ÖBH ein, die auch regen und kontroversiellen Widerhall in der Politik fand. Es sei nur auf das Schlagwort von der „Verteidigung von Mittersill“ hingewiesen, das letztlich auch dafür genutzt wurde, das Misstrauen mancher Politiker gegenüber führenden Offizieren des ÖBH zum Ausdruck zu bringen. Der Beitrag löste eine Reihe von Reaktionen aus, von denen im Heft 2/1963 die Stellungnahme des HptmdRes Ämilian Schönbauer veröffentlicht wurde. Dieser wies auf den Mangel eines geografischen Vergleiches zwischen Österreich und der Schweiz bzw. Schweden sowie das unzureichende Budget und die fehlende Akzeptanz des ÖBH in der Öffentlichkeit hin. Wurden in den Anfangsjahren der ÖMZ zumindest gelegentlich Stellungnahmen bzw. Leserbriefe veröffentlicht, entschied sich später die Redaktion, auf derartige Beiträge zu verzichten und im Bedarfsfall diese nur dem jeweiligen Autor zur Kenntnis und allfälligen weiteren Behandlung zu übermitteln.
Als besonderer Erfolg der Redaktion dürfen die im Heft 3/1963 erschienenen Beiträge von GenMjr Graf von Baudissin über „Das Kriegsbild“ und von GenObst a.D. Dr. Lothar Rendulic über „Die Schlacht von Orel Juli 1943“ beurteilt werden. Somit war es gelungen, hochrangige Autoren einzubeziehen und damit eine beachtliche Erweiterung des vorhandenen Spektrums zu erzielen, auch wenn der damals noch in Fraham lebende GenObst a.D. als umstrittene Persönlichkeit eingestuft werden musste. In Reaktion auf aktuelle Entwicklungen in Südostasien wurde im Heft 4/1963 über „Die jüngsten militärischen Ereignisse in Laos und Süd-Vietnam“ durch ObstltdG Dr. Raimund Truxa33) und die dabei entscheidenden Merkmale subversiver Kriegführung sowie die Charakteristika von Aufstand und Gegenaufstand behandelt. Diese Thematik der subversiv-subkonventionellen Kampfführung hat in den folgenden Jahrzehnten immer wieder in der ÖMZ ihren Niederschlag gefunden und bildet seit dem 11. September 2001 geradezu einen zentralen Teil der Berichterstattung. Schon frühzeitig hatte also die Redaktion der ÖMZ die zukunftsweisenden Aspekte der Kleinkriegführung und die Bedeutung des verdeckten Kampfes erkannt und war damit bemüht, einen internationalen „Trend“ aufzuzeigen und eingehend zu beobachten.
Es erscheint überaus erwähnenswert, dass im ersten Jahrgang 1963 der ÖMZ immerhin acht österreichische Offiziere in leitenden Positionen sich zu Wort gemeldet und ihre Sicht der Entwicklung bzw. Ergebnisse ihrer Auseinandersetzung mit wesentlichen militärischen Themen geboten hatten. Der Leser konnte sich damit also ein Bild der „oberen und obersten“ Führung und der von dieser vertretenen Auffassungen machen. Dass auch die Aussagekraft der historischen Beiträge von Univ. Prof. Dr. Jedlicka, von Walter Hummelberger oder Rudolf Kisz­ling der ÖMZ einen beachtlichen Stellenwert erbrachte, darf zusätzlich erwähnt werden. Diese neue ÖMZ hatte sich national und international entsprechend positionieren können und fand sowohl im Inland im zivilen Bereich und bei Politik und Journalisten als auch im benachbarten Ausland großes Interesse.
Im Heft 2/1964 fand sich in Fortführung der von ObstdG Bach angeregten Diskussion und in Ergänzung einer Abhandlung von Hans Rudolf Kurz über die operativen Probleme der Schweiz34) der Beitrag von ObstdG Dr. Mario Duic35) über „Operative und strategische Probleme im neutralen Österreich“. Die Aussagen wurden vom Autor als Beitrag zur Klärung verstanden und waren umso beachtenswerter, als der Verfasser zu diesem Zeitpunkt in seiner ministeriellen Funktion intensiv am Abschluss der Arbeiten zur Herausgabe der DVBH „Die Truppenführung“ sowie an der Vorbereitung einer grundsätzlichen „operativen Weisung Nr. 1“ für das ÖBH beteiligt war. Dr. Duic hob darin hervor, in der Gestaltung der Neutralitätspolitik und der damit verbundenen Wehrpolitik wirke der Soldat in Österreich als Berater oder Antragsteller, nicht aber entscheidend mit. Von der Politik werden konkrete Weisungen erwartet, in denen die neutralitätsrechtlichen Verpflichtungen im Anlassfall bereits verarbeitet und auf die konkrete Lage zugeschnitten sind. Sollten die Mittel mit dem Auftrag nicht im Einklang stehen, wäre dies der Politik überzeugend klarzulegen und die nötige Anpassung der Mittel, sonst aber die Anpassung der Aufgabe vorzuschlagen. Daran schließen sich umfassende Erörterungen zum Verhältnis von Strategie und Operation im neutralen Kleinstaat Österreich, verbunden mit der Forderung nach dem Aufbau einer Gesamtverteidigung und einem operativen Konzept der Aufnahme des Kampfes an der Grenze mit dem Schwergewicht der entscheidungssuchenden Verteidigung in jenem Gelände, in dem im Sinne der neutralitätsrechtlichen Verpflichtungen das Maximum erreicht werde. Die kritischen Anmerkungen von ObstdG Dr. Duic wurden im Heft 6/1964 mit der Behandlung der „Problematik des österreichischen Wehrsystems“ fortgesetzt. Darin hob der Autor die Notwendigkeit von sieben vor Mobilmachung einsatzbereiten Brigaden des ÖBH als Instrument der Demonstration und der Vorbeugungspolitik hervor, stellte aber kritische Fragen hinsichtlich der Verfügbarkeit von Kräften nach einer Mobilmachung und zu den damit verbundenen Problemen. Es gab jedenfalls in dieser Zeit keine „Beschränkungen“ der Aussagen für Offiziere, und wie die genannten Beispiele zeigen, fanden sich auch der Mut und die intellektuelle Kapazität zur Formulierung kritischer Auffassungen.
Hofrat Dr. Johann Christoph Allmayer-Beck setzte sich ebenfalls im Heft 2/1964 in tiefsinniger Weise und vorbildlicher Formulierung mit der „Militärgeschichte in ihrem Verhältnis zur historischen Gesamtwissenschaft“ auseinander, und ein erster Beitrag eines Schweizer Autors behandelte sozusagen als Fingerzeig für Österreich die „Bedeutung der Landwirtschaft in der totalen Abwehrbereitschaft“.36) Das war sozusagen ein erster Beitrag zur Gestaltung und Berücksichtigung weitergehender Komponenten in der Umfassenden LV (ULV), dem in den folgenden drei Jahrzehnten noch zahlreiche Darstellungen kompetenter Autoren zu diesem so wichtigen Bereich der staatlichen Gesamtwiderstandsfähigkeit und Erhaltung der politisch-strategischen Handlungsfreiheit folgen sollten.
Schließlich setzte sich im Heft 3/1964 der Chefredakteur der ÖMZ unter dem Titel „Mehr Sicherheit ohne Waffen?“ mit dem Thirring-Plan eines international garantierten, waffenfreien Österreichs zwischen den großen Militärbündnissen auseinander und versuchte eine wehrwissenschaftliche Bewertung. Damit setzte er die frühere intensive Beitragsleistung der Chefredakteure der ÖMZ fort und unterstrich die Dimension dieser Funktion, da hier sowohl durch die Gestaltung der Hefte und die Themenauswahl eine gewisse Steuerung als auch durch die kritischen und wertenden Beiträge zu aktuellen, nationalen und globalen sicherheitspolitischen Themen und strategischen Aspekten Einfluss auf die Wahrnehmung und Meinungsbildung ausgeübt werden konnte. Mit zunehmendem Interesse von zivilen Meinungsträgern an der ÖMZ und mit steigender Verbreitung im internationalen Rahmen - auch über das deutschsprachige Umfeld hinaus - konnte die gebotene Dichte der Information auch als Vehikel genutzt werden, um entsprechende Beurteilungen zu verdeutlichen und damit nach außen einem großen Interessentenkreis zugänglich zu machen. Der angesprochene Univ. Prof. Dr. Hans Thirring seinerseits brachte seine Stellungnahme zu Stöckelles Darstellung ein, die im Heft 4/1964 aktuell unter dem Titel „Österreich und die Abrüstung“ enthalten war.
Chefredakteur Stöckelle scheute sich auch nicht, bereits im Heft 4/1964 seine Auffassung zu der seit Dezember 1963 losgebrochenen Diskussion über die Dauer des ordentlichen Präsenzdienstes im ÖBH in dem Beitrag „LV und Dienstzeit in Österreich mit besonderer Berücksichtigung ihrer wehrpolitischen Bedeutung“ einzubringen.

Die erste strategisch-operative Diskussion in der ÖMZ

Die Fortsetzung der strategisch-operativen Diskussion erfolgte durch GenMjr Bach im Heft 5/1965 mit dem Beitrag zu „Österreichs Möglichkeiten der Verteidigung“. Als Zielsetzungen für die LV als Instrument der Außenpolitik wurden die Bewahrung des Friedens und der Unabhängigkeit Österreichs mittels der Neutralität und im Falle eines Angriffes die Erhaltung der Souveränität genannt. Die Verteidigung der Souveränität hätte die Erhaltung der politischen Handlungsfreiheit, die Unversehrtheit des Staatsgebietes, den Schutz der Staatsbürger und den Schutz der organisatorischen und materiellen Lebensgrundlagen zu beinhalten. Der „hohe Eintrittspreis“ wurde dafür als Garant angesehen. Für die Überwindung der rund zehn österreichischen Brigaden müsse ein Angreifer zumindest rund zehn Divisionen ansetzen. Neben einer ausreichenden mechanisierten Komponente und geeigneten Luftstreitkräften wäre auch die Vorbereitung einer nachhaltigen Verteidigung im Gebirge erforderlich. Bach betonte, durch eine derartige Maßnahme könne der „Eintrittspreis“ in zeitlicher Hinsicht seine höchste Steigerung erhalten und dadurch einen Angreifer am ehesten von seinem Vorhaben abbringen. Damit hätte das Gebirgsgelände (bzw. die Verteidigung darin) auch die flachen Landesteile vor einer Aggression bewahrt.
In den Heften 5 und 6/1966 meldete sich der neue Kommandant der Stabsakademie, GenMjr Spannocchi, mit umfassenden Überlegungen zu „Strategie und modernem Kriegsbild“ zu Wort. Hier und in seinen folgenden Beiträgen bot Spannocchi bereits jene weiterführenden Überlegungen, die er 1969 in dem ersten Heft des „Operativen Generalstabsdienstes“ zusammengefasst hatte und die in weiterer Folge zur Grundlage seiner „Verteidigung ohne Schlacht“ wurden. Im Gegensatz zu der bisher vorherrschenden Ablehnung des Kleinkrieges sah er in einem solchen langfristig vorbereiteten, aufgelösten Kampfverfahren die einzige Möglichkeit des militärisch unterlegenen Kleinstaates, neben einem entsprechenden Eintrittspreis v.a. auch einen hohen Aufenthaltspreis für einen Aggressor „anzubieten“. Daraus entwickelte sich eine grundsätzliche und für das Bundesheer folgenreiche, letztlich aber bahnbrechende und zukunftsweisende Entwicklung hin zur Raumverteidigung. Nachdem also die strategischen Rahmenbedingungen „abgearbeitet“ waren, veröffentlichte Spannocchi im Heft 2/1969 seine Betrachtungen über „Die Operation“. Der Kommandant der Landesverteidigungsakademie übte dabei deutliche Kritik an der fehlenden Konsequenz in Definition und Umsetzung des Begriffes der Operation im Bundesheer, der fehlenden Ausrichtung auf den aktuellen Stand des Kriegsbildes und der Militärtechnologie und versuchte eine entsprechende Klarstellung für das Bundesheer. In diesem Sinne gestaltete Spannocchi dann auch die einschlägige Lehre an seiner LVAk und hielt selbst die Bezug nehmenden Vorlesungen.
Daraus entwickelte sich eine der bemerkenswertesten Diskussionen auf hoher Ebene in einer österreichischen Militärzeitschrift. Die Brigadiere Alfred Bauer und Dr. Duic gaben distanzierende Stellungnahmen ab, auf die GenMjr Spannocchi zweimalig Erwiderungen einbrachte.37) Hier wurde eine grundsätzliche Diskussion geführt, die dann nach dem Amtsantritt der SPÖ-Bundesregierung unter Bundeskanzler Dr. Kreisky ihre Fortsetzung fand. Zunächst brachte der neue BM für LV Bgdr Johann Freihsler im Heft 3/1970 eine Begründung für die notwendige Reform des Bundesheeres im Gefolge der politisch vorgesehenen Verringerung der Dauer des Grundwehrdienstes und der Ergebnisse der aktuellen Bundesheer-Reformkommission (BRK). Diese hatte sich noch auf die eher „konservativen“ Vorstellungen einer LV für Österreich mit „klassischer“ Operationsführung bezogen, und so stellte der im Heft 5 und 6/1970 vorgelegte Beitrag GenMjr Spannocchis über die „Verteidigung des Kleinstaates“ mit seinen Überlegungen zu einem in drei operativen Phasen verlaufenden Kleinkrieg eine radikale Abkehr von der gängigen Doktrin dar und brachte den GenMjr in klaren Gegensatz zur Mehrzahl seiner Amtskollegen.
Damit verlagerte sich die Auseinandersetzung wiederum auf die Ebene der operativen Führung. Bgdr Dr. Duic behandelte im Heft 6/1971 am Beispiel der Schweiz im Zweiten Weltkrieg die Frage nach der Möglichkeit, „Operationspläne in der Defensive“ auszuarbeiten und umzusetzen. Dieses Problem hatte auch für Österreich hohe Relevanz. Duic betonte in der Zusammenfassung, der neutrale Staat kenne keine Operationspläne, bevor er nicht nach einem feindlichen Angriff das Gesetz des Handelns an sich reißen könne. Aufmarschplanungen seien das Mittel rascher vorbeugender Reaktion, dürften aber niemals zur geistigen Zwangsjacke werden. Daneben gebe es jedoch eine Reihe von Bereichen, in denen friedensmäßige Planungen zweckmäßig seien, um die allgemeine Abwehrbereitschaft zu fördern. Detailplanung sei nur zur Wahrnehmung von „Alarmaufgaben“ zweckmäßig, alles Weitere müsse elastisch gehalten werden.
Darauf folgten im Heft 1/1972 eine Analyse vom Schweizer ObstiG Gustav Däniker über „Neue Herausforderungen - neue Antworten“, aus der sich die dringende Notwendigkeit weiterführender operativ-taktischer Überlegungen für den Kleinstaat und v.a. den Neutralen ableiten ließ. Im Heft 2/1972 fand sich eine Stellungnahme von GenMjr Spannocchi zu den operativen Ableitungen von Bgdr Dr. Duic und im Heft 3/1972 eine Replik des Verfassers zu Spannocchi. Spannocchi betonte im Sinne seiner bisherigen Thesen, dass Österreich im Falle einer Aggression nicht „operieren“ könne, wohl aber für die Krise und den Neutralitätsfall die Planlosigkeit akzeptiert werden könne. Für den Verteidigungsfall aber sei im Sinne eines „Verteidigungsplanes“ vorzugehen und durch friedensmäßige Vorbereitungen ein Höchstmaß an Wirksamkeit anzustreben. Allerdings könnten Bereitschaftstruppe und bewegliche Landwehr nicht im Einzelnen eingeplant werden, da sie in der Krise und im Neutralitätsschutz benötigt würden und dennoch vor Beginn der Aggression in die Tiefe gegliedert sein müssten, um ihre Vernichtung in einer falsch geschlagenen Schlacht zu vermeiden. Dieser Auffassung widersprach Bgdr Dr. Duic in seiner Stellungnahme nachdrücklich. Die Redaktion verwies auf die nach wie vor vorhandenen Auslegungs- und Definitionsunterschiede und differenzierten Auffassungen, betrachtete aber diese hochrangige und qualitätvolle Diskussion als abgeschlossen. Sie sollte in den nächsten 35 Jahren kein vergleichbares Gegenstück finden.
GenMjr Spannocchi setzte sich mit seinen Vorstellungen durch und untermauerte diese in der ÖMZ noch 1972 und dann 1973 mit weiteren Beiträgen38) zu organisatorischen Belangen und technischen Aspekten. Während Obst Freistetter in den Heften 1 und 2/1973 das „Experiment gewaltfreie Verteidigung“ kritisch betrachtete und MjrdG Heinz Danzmayer im Heft 6/1973 die Kernaspekte einer „Umfassenden Selbstbehauptung“ sozusagen als geistig-psychologische Ergänzung der militärischen Konzeption hervorhob, stellte MjrdG Günter Hochauer in den Heften 4 und 5/1973 die Grundsätze und Verfahren der „Raumverteidigung“ als glaubhaften Beitrag zur Strategie des neutralen Kleinstaates vor. Damit war auch für die ÖMZ der Übergang zur Abhaltestrategie und der zu deren Erreichung entwickelten Konzeption der Raumverteidigung gegeben. Im Jahre 1974 folgten dann schon die ersten Beiträge zur Umsetzung dieser Konzeption.39) Die rückblickende Bewertung dieser intensiven publizistischen Auseinandersetzung, in der auch „begleitende“ Beiträge aus der Feder ausländischer Autoren ihren Stellenwert aufwiesen und der Diskussion entsprechende Bandbreite verliehen, muss als einzigartig eingestuft werden. Autoren und Redaktion der ÖMZ haben hier intensiv an einem strategisch-operativen Planungsprozess direkt mitgewirkt und dessen intellektuelle Durchdringung gewährleistet. Dies kam bis heute nicht wieder. Wenn auch in den folgenden Jahrzehnten, v.a. ab Beginn der 1990er-Jahre, programmatische Aussagen in ÖMZ-Beiträgen der Bundesminister für LV sowie der Generaltruppeninspektoren oder in den militärstrategischen Betrachtungen der Kommandanten der LVAk sowie des Leiters der Generalstabsgruppe B im BMLV veröffentlicht wurden, so ergab sich daraus doch keine weiterführende Diskussion. Auch der Paradigmenwechsel im Zusammenhang mit der BHRK unter Vorsitz von BM a.D. Dr. Helmut Zilk wurde in der ÖMZ zwar dargestellt, aber es fand zu diesem doch sehr weitreichenden Komplex der Verlagerung von den nationalen zu internationalen Aufgaben und der dafür erforderlichen Strukturen usw. keine militärmediale Auseinandersetzung statt. Dass eine solche „handhabbar“ war, ohne Animositäten nach sich zu ziehen, hatte die ÖMZ ja schon bewiesen. Gerade die Diskussion auf höchstem Niveau möge doch als Maßstab verstanden werden für die Tragfähigkeit konzeptiver Vorstellungen und wäre damit ein „Vehikel“ zur Vertiefung der Akzeptanz und zur Erreichung eines hohen Grades der Zweckmäßigkeit im Hinblick auf die strategisch-operative, aber auch strukturelle Zielsetzung.

Die ÖMZ als Träger der Information über die österreichische Wehrpolitik

Die ÖMZ hatte ab 1963 das besondere Anliegen verfolgt, eingehend und aktuell über die Wehrpolitik in Österreich zu informieren. So wurde schon mit dem Heft 1/1963 diese Berichtslegung mit der Rubrik „Zur Information“ aufgenommen, die schon in bemerkenswerter und objektiv-berichtender Bandbreite Wissenswertes über wehrpolitisch relevante Themen, Vorhaben und Ereignisse einbrachte. Im Heft 1/1966 fand sich dann unter dieser Rubrik der erste umfassende Bericht über ein Großmanöver des österreichischen Bundesheeres, dem in den folgenden Jahrzehnten, solange derartige Übungen abgehalten wurden, noch zahlreiche jeweils eingehende Schilderungen als Einzelbeiträge folgen sollten. Der angeführte Bericht über die „Herbstmanöver 1965“, übrigens die einzigen Manöver des Bundesheeres, bei denen zwei Korpskommanden die übenden Parteien zu führen hatten, darf als Beispiel für das Geschick des Chefredakteurs herangezogen werden, auch kritische und unangenehme Hinweise und Bewertungen dem Leserkreis nahezubringen. So wurden eben in diesem Beitrag „Eindrücke und Urteile des Auslandes“ vorgestellt und die Falle österreichischer Animositäten damit vermieden.
Neben der sich nunmehr auf Berichte aktueller Ereignisse im Bundesheer beschränkenden Rubrik „Zur Information“ fand sich im Jahresband 1966 dann auch eine neue Rubrik mit „Berichten zur österreichischen Wehrpolitik“, die v.a. die Information zum Stand der Bemühungen um eine „Umfassende LV“ (ULV) übernahm. In diesen Berichten fanden sich u.a. 1967 ein Beitrag des Bundeskanzlers Dr. Josef Klaus zur Wehrpolitik sowie eine Darstellung über die Entwicklung des Konzeptes der militärischen LV in Österreich. Mit Beginn 1971 wurde die Rubrik „Zur Information“ mit den „Berichten zur österreichischen Wehrpolitik“ zusammengelegt, und unter diesem Titel fanden sich bemerkenswerte Abhandlungen zu allen Bereichen der ULV durch prominente Autoren.40) Im Heft 5 und 6/1971 gab der damalige Leiter des Planungsbereiches im BMLV, Bgdr Gustav Habermann, einen erwähnenswerten Überblick zur „Wehrpolitik Österreichs“, der aus heutiger Sicht tiefe Einsichten in Auffassungen und Problematik der Entwicklung zu einem Zeitpunkt ermöglichte, als durch die Bundesregierung unter Bundeskanzler Dr. Kreisky die Verkürzung der Dauer des Grundwehrdienstes erfolgt und erkennbar geworden war, dass die von der BRK 1970 erarbeiteten Empfehlungen von der Politik nicht in gewünschtem Umfang befolgt würden. Diese „Berichte zur Wehrpolitik“ wurden später dann in „Berichte zur Verteidigungspolitik“ umbenannt, bis in die Gegenwart fortgeführt und sind stets der Zielsetzung für diese Rubrik gerecht geworden.

Der Beitrag der ÖMZ zur Klärung der Traditionsfrage

Im Jahre 1967 wurde in der ÖMZ die Rubrik „Zur Tradition“ eingeführt, um über die in diesem Zeitraum verstärkten Bemühungen um den Aufbau eines Traditionsbewusstseins im Bundesheer zu informieren und gedankliches Rüstzeug für die Handhabung dieser Tradition zu bieten. Es sei an die Herausgabe des Traditionserlasses sowie die Benennung der Kasernen, aber auch an die Zuordnung von Traditionstruppenkörpern an die Verbände des ÖBH erinnert, die in dieser Zeit vorgenommen wurden. Wenn auch diese ÖMZ-Rubrik im Jahresband 1970 nur mehr einmal aufschien und Ende 1970 gestrichen wurde, so blieb die ÖMZ doch dem Anliegen grundsätzlich verpflichtet und hat sich auch nicht gescheut, Beiträge zu dieser teilweise sensiblen Thematik zu bringen. So wurde zuletzt im Heft 4/2007 von Hubertus Trauttenberg und Gerhard Vogel die „Traditionspflege im Spannungsfeld der Zeitgeschichte“ in kritisch-sachlicher Form angesprochen und in Verbindung mit den darauf erfolgenden Reaktionen ein wesentlicher Ansatz zur Aufarbeitung wohl zu lange verdrängter oder ausgeblendeter Aspekte geleistet.

Die „Allgemeine Rundschau“ als ständige Rubrik der ÖMZ

Auf die fortlaufende Berichterstattung zu internationalen Vorgängen und Entwicklungen im sicherheitspolitischen und militärischen Bereich in Form der „Allgemeinen Rundschau“ und später der „Internationalen Rundschau“ darf hingewiesen werden. Auch die Zeitschriftenschau und die Buchbesprechungen bieten eine umfassende Ergänzung zu den in der ÖMZ selbst abgehandelten Themen und erbringen einen Überblick zu wesentlichen Artikeln in Periodika sowie Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt. Wie zu Zeiten der Donaumonarchie finden diese Rubriken auch in der republikanischen Gegenwart eine besondere Wertschätzung v.a. im zivilen Interessentenkreis und bei den Nutzern der ÖMZ im Ausland.
In diesem Zusammenhang erscheint es angebracht, auf die seit 1970 zur Erläuterung von Beiträgen in immer aussagekräftigerer Qualität enthaltenen Skizzen und Grafiken hinzuweisen. Damit hat die ÖMZ in den 1980er- und 1990er-Jahren einen fast weltweit einzigartigen Standard erreicht, und dies bestätigen die zahlreichen Übernahmen von ÖMZ-Illustrationen durch andere Medien im In- und Ausland nach wie vor. Hier hat man einen eigenen „ÖMZ-Stil“ gefunden und die Einprägsamkeit gesteigert, gleichgültig, ob nun für historische Darstellungen, die Verdeutlichung aktueller militärischer Ereignisse oder zur Visualisierung struktureller Beziehungen.

Die erste Reihe der „Sonderhefte“ der ÖMZ1963-1969

Die 1960er-Jahre brachten eine überaus beachtliche Reihe von Sonderheften bzw. Einzelheften mit besonderen Widmungen und Themenschwerpunkten, die Beiträge überaus namhafter Autoren des In- und Auslandes enthielten und durch ihre kompakte Ausrichtung auf das Kernthema überaus wertvolle Zusammenfassungen und v.a. Bewertungen darstellten. So wurde zunächst das Heft 5/1963 der Erinnerung an den 300. Geburtstag des Prinzen Eugen am 18. Oktober 1963 gewidmet. Es erschien in aufwändiger Gestaltung mit zwölf Beiträgen und einer bemerkenswerten Literaturübersicht zur Geschichte des Prinzen Eugen und seiner Zeit. Die Reihe der vertretenen Autoren darf wohl als Auswahl der bedeutendsten Militärhistoriker und der Zeitgeschichte zugewandter Wissenschaftler im Österreich dieser Zeit angesehen werden, von Rudolf Kiszling über Johann Christoph Allmayer-Beck bis hin zu Walter Hummelberger, Ludwig Jedlicka und Kurt Peball. Aber man hatte auch mit Max Braubach sowie Miklos Horvath zwei hochrangige Historiker aus der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik Ungarn gewinnen können. Ergänzend dazu erhielt diese Ausgabe noch ein heute kaum mehr auffindbares Beiheft zur Erinnerung an „Tirol 600 Jahre bei Österreich“. Da das BMLV aber auch erlassmäßig verfügt hatte, in den Einheiten dieses Feldherrn aus Anlass des entsprechenden Geburtstages würdig zu gedenken und Kader sowie Wehrpflichtige über den großen Feldherrn zu informieren, fand dieses Sonderheft doch intensive Verwendung als Grundlage für die angesetzten Kompaniebelehrungen und feierlichen Akte, zumindest dort, wo derartige Verfügungen der Zentralstelle ausreichend ernst genommen wurden.
Darauf folgte aus der Feder von Dr. W. Rabensteiner das Sonderheft I/1964 zum Thema „Die geschichtliche Entwicklung der Landkarte bis zur modernen Geländedarstellung“. Dieses Heft gab einen Überblick vom Altertum bis in die Zeit von 1960 und bemühte sich unter Darstellung der militärischen Einflüsse auf diesen Vorgang um Hervorhebung des österreichischen Anteils. Auf 17 einseitigen, wenn auch leider nicht im Mehrfarbendruck wiedergegebenen Tafeln wurden eindrückliche Beispiele der Kartendarstellung beispielhaft vermittelt.
Ein weiteres Vorhaben des Chefredakteurs der ÖMZ betraf die eingehende Aufarbeitung der Vorgeschichte und des Verlaufes des Ersten Weltkrieges. Hier galt es, dem interessierten Leserkreis die neueren Erkenntnisse der wissenschaftlichen und quellenkritischen Bearbeitungen nahezubringen, haften doch dem umfangreichen „offiziösen“ Werk „Österreich-Ungarns letzter Krieg 1914-1918“ einige Unschärfen an, die sich aus der Tatsache ergaben, dass bei dessen Abfassung das Andenken der „alten“ Armee nicht geschmälert werden sollte. Nachdem mit dem Sonderheft II/1964 die „Vorgeschichte des Ersten Weltkrieges“ in sieben Beiträgen behandelt worden war, sollten die eigentlichen Kriegsjahre in fünf Heften ihren Niederschlag finden. So wurden „Die wichtigsten Operationen der österreichisch-ungarischen Armee 1914“ in einem Sonderheft I/1965 umfassend geschildert und im Oktober 1967 in einem weiteren Sonderheft „1917 - Das Jahr am Beginn einer neuen Geschichte Europas“ gewürdigt. Schließlich folgte das Heft 6/1968 als Sonderheft, das „1918“ und damit dem Ende der österreichisch-ungarischen Monarchie und dem Anfang der Republik Österreich gewidmet war. Zwei weitere geplante Sonderhefte über die wichtigsten Operationen 1915 und 1916 sowie über den Gebirgskrieg 1915-1918 wurden nicht mehr erstellt, offenbar hatten die hohen Kosten für derartige Sonderhefte und die kritische Haltung der Öffentlichkeit und die Kampagne zur Abschaffung des Bundesheeres bzw. Verringerung der Wehrdienstzeit nach der Krise um die CSSR im August und September 1968 auch ihre Rückwirkungen auf die Gestaltungsmöglichkeiten der ÖMZ. Schließlich dürfte das Ableben des Chefredakteurs im November 1969 auch eine gewisse Änderung in der Ausrichtung der ÖMZ erbracht haben.
Darüber hinaus erschienen 1966 das Sonderheft „1866 - Wendepunkte in der Geschichte Europas“ und im Herbst 1967 dann das Sonderheft zum Thema „Befestigung“, in dem General a.D. Max Stiotta einen Überblick zur Geschichte des Befestigungswesens und eine Abhandlung der strategischen, operativen und taktischen Probleme sowie der bau- und waffentechnischen Gestaltung bieten konnte.41) Mit 149 Skizzen wurden in Beiblättern und zusätzlichen Beilagen die einzelnen Bautypen und deren Merkmale dargestellt und damit eine für weitere Überlegungen wesentliche theoretische Grundlage vorgelegt. Gerade in diesem Zeitraum hatte das Bundesheer erste Sperrlinien in den Pforten im Osten und Südosten von Wien fertiggestellt, und der Kommandant der LVAk, GenMjr Emil Spannocchi, und seine Mitarbeiter konnten in der Folge manche Idee für die Visionen der „festen Anlagen“ aus diesem Sonderheft entnehmen und weiterführende Vorstellungen ableiten.
Das Heft 5/1965 wurde als Sonderheft zur Gänze dem Rückblick auf zehn Jahre Bundesheer gewidmet. Darin behandelten leitende Offiziere des Bundesheeres wesentliche Themen, und die Waffeninspektoren boten einen Überblick zur Entwicklung der einzelnen Waffengattungen, den erreichten Stand und verbanden meist damit auch einen Ausblick. Es kann also von einem „programmatischen“ Heft gesprochen werden. Hervorzuheben sind der Beitrag von Bgdr Anton Leeb über „Die Wehrpolitik der Zweiten Republik“, die Darstellung von GenMjr Bach über „Österreichs Möglichkeiten der Verteidigung“ in Form einer strategischen und operativ-taktischen Skizze, von ObstdG Dr. Duic über die „Territoriale Verteidigung im Ausland und in Österreich“ und von ObstltdG Paul Wimmer über den „Aufbau der Grenzschutztruppe“.42)

Der politisch-strategische Jahresrück- und -ausblick in der ÖMZ

Mit dem Heft 1/1964 begann in der ÖMZ die bis heute fortgesetzte Reihe der politisch-strategischen Beurteilung des zurückliegenden Jahres und der Hervorhebung entscheidender Kernaspekte und Tendenzen. Hier hatte noch der Chefredakteur der ÖMZ den Beitrag über die „Welt- und militärpolitische Lage zum Jahresanfang“ vorangestellt. Dabei wurden die Kriterien der „Abschreckung“ durch die Atomwaffen der Großmächte dargestellt und von der Politik die Bemühung um ein „Gleichgewicht der Vernunft“ gefordert. Aber Stöckelle behandelte auch die wirtschaftliche Problematik innerhalb des COMECON und verwies auf die, wie sich rund 16 Jahre später erweisen sollte, Schlüsselrolle der Konsumgüterindustrie in Relation zum Aufwand im militärisch-industriellen Komplex. In der Folge bemühte sich die Schriftleitung um eine entsprechende Aussagekraft dieser strategischen Betrachtungen im Bogen eines Jahres. Daher wurden namhafte Autoren von internationalem Ruf gebeten, ihre Sicht einzubringen, und die lange Liste dieser Persönlichkeiten, die unter verschiedenen Titeln auf politisch-strategischer Ebene tiefgründige Bemerkungen und Bewertungen einbrachten, darf als außerordentlich bewertet werden. Diese begann im Heft 1/1965 mit einem Beitrag des Bundeskanzlers Dr. Josef Klaus über „Österreichs Standort in Europa“. Darin wurde im Bezug auf die Neutralität festgestellt: „Durch einen... Willensentscheid des österreichischen Parlamentes wurde die österreichische Neutralität als ein besonderes Mittel zur Sicherung der Unabhängigkeit qualifiziert; dazu bestimmt, den österreichischen Selbstbehauptungswillen besonders zu unterstreichen... Wir sind daher seit dem Abschluss des Staatsvertrages auch bemüht, unsere Landesverteidigung immer wirksamer zu gestalten... Das Bekenntnis zur Neutralität hindert uns Österreicher in keiner Weise, uns als einen Teil der freien Welt zu betrachten und uns untrennbar mit der okzidentalen Lebensform verbunden zu fühlen.“ 43) Diesem Beitrag aus staatspolitischer Sicht folgte wiederum vom Chefredakteur der ÖMZ eine Abhandlung über die „Auswirkungen der weltpolitischen Ereignisse auf die militärische Lage zum Jahresbeginn 1965“. Darin erfolgte u.a. eine Auseinandersetzung mit dem NATO-Projekt einer multilateralen Flotte aus 25 Überwassereinheiten der europäischen Staaten, die insgesamt rund 200 Polaris-Raketen hätte tragen sollen. Außerdem wurde eine Art Kräftevergleich zwischen Ost und West gezogen, der v.a. durch die „neutrale“ und daher objektivierte Betrachtung vielfache Beachtung fand. Daran schloss sich im Folgejahr in Heft 1/1966 ein Beitrag des Journalisten Dr. Lorenz Stucki,44) der die „Welt zu Ende des Jahres 1965“ beurteilte. Im Heft 1/1967 zeigte sich in dem Überblick zur „Allgemeinen Weltlage zu Beginn 1967“ die politisch-strategische Weitsicht des Mjr Franz Freistetter, der sich in seiner Tätigkeit an der Panzertruppenschule seit 1960 auf diesem Gebiet intensiv beschäftigt hatte und schon bald einen prägenden Einfluss nicht nur auf die ÖMZ, sondern auch auf das strategische Denken in Österreich gewinnen sollte. Zu Jahresbeginn 1968 fanden sich rund sechs Monate nach dem „Sechstagekrieg“, der die Lage im Nahen Osten wesentlich verändert hatte, gleich zwei „Leitbeiträge“. Vorangestellt war der Überblick zur „Weltpolitischen Situation zur Jahreswende“ des Gesandten Dr. Simon Koller,45) gefolgt von einer „Rüstungsbilanz 1967“ aus der Feder von Dr. Curt Gasteyger,46) der im Zuge seiner Laufbahn als einer der bedeutendsten Analytiker strategischer Komplexe in Europa eingestuft werden muss. 1969 behandelte erneut Dr. Curt Gasteyger47) zu Jahresbeginn die „Militärpolitische Lage am Ende des Jahres 1968“, das durch den Einmarsch des Warschauer Paktes in der CSSR nicht nur einen Beweis der Durchsetzung der Breschnjew-Doktrin geliefert, sondern auch die militärstrategische Lage in direkter Nachbarschaft Österreichs nachhaltig verändert hatte. Zu Anfang 1970 bot der stellvertretende Chefredakteur des ORF Dr. Alfons Dalma einen Überblick zu den „Supermächten und der Stabilität“. Damit endete die Reihe der durch Gustav Stöckelle für die ÖMZ initiierten strategischen Beiträge, da nach dessen Ableben kurzfristig Obstlt Franz Freistetter die Leitung der Zeitschrift übernahm und ab dem Heft 2/1970 für die redaktionelle Linie und Gewinnung namhafter Autoren verantwortlich wurde.
So gab es unter dem neuen Chefredakteur im Heft 1/1971 zwei derartige Beiträge, einmal von Außenminister Dr. Rudolf Kirchschläger die „Gedanken zur österreichischen Außenpolitik 1970“ und von Dr. Dalma über die „Krisenherde und die Entstabilisierung“. Alfons Dalma verfasste dann auch im Heft 1/1972 die „Betrachtungen zur weltpolitischen Lage“. Auch 1973 fanden sich wiederum zwei außerordentliche Autoren; im Heft 1/1973 mit strategischen Grundsatzbeiträgen, wobei BrigGen Andre Beaufre die „Konflikte der Zukunft“ behandelte und der israelische General und Historiker Jehuda L. Wallach die „Kriege, Konflikte, Konfrontationen 1972“ einer Würdigung unterzog. 1974 folgte im ersten Heft die Darstellung der „Weltstrategischen Lage am Jahresende 1973“ mit eingehender Bewertung der Auswirkungen des „Yom Kippur“-Krieges im Nahen Osten durch den Schweizer Journalisten Urs Schwarz,48) und im Heft 1/1975 übernahm GenMjr Wilhelm Kuntner, der österreichische Delegierte bei der „Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ (KSZE) die Darstellung der „militärischen Aspekte der europäischen Sicherheit“ und unternahm damit den Versuch einer Standortbestimmung zur Jahreswende 1974/1975. Prof. Dr. Schwarz gab im Heft 1/1976 die Darstellung der „Strategischen Lage“, und BrigGen Hans-Christian Pilster aus der Bundesrepublik Deutschland behandelte anschließend die „Friedliche Koexistenz und Entspannungspolitik“, ein Thema von besonderer Bedeutung im Lichte der KSZE. Diese Linie fortsetzend behandelte General Kuntner im Heft 1/1977 aktuelle „Probleme zur Sicherheit Europas“ und lieferte auch in den Jahren 1979 und 1980 den zusammenfassenden Beitrag zur strategischen Lage mit Ende des Jahres. 1978 hatte nochmals Prof. Dr. Schwarz in Heft 1/1978 über die weltpolitische Lage Ende 1977 berichtet, und von 1981-1993 (ausgenommen 1984) kommentierte General Kuntner fortlaufend die strategische Weltlage als Rückblick und Ausblick und in politisch-strategischer Analyse. Im Heft 1/1984 berichtete Divr Karl Liko über die KSZE-Folgekonferenz von Stockholm nach Madrid, ergänzt durch einen Beitrag von General Kuntner im Heft 5/1984 über die Ergebnisse der Konferenzen hinsichtlich Vertrauensbildung und Abrüstung in Europa. In der rückblickenden Zusammenschau bieten alle diese genannten Beiträge seit 1963 einen konzentrierten Überblick zur politisch-strategischen Geschichte des „Kalten Krieges“.
Nachdem sich General Kuntner altersbedingt zurückgezogen hatte, verfasste Divr i.R. Freistetter im Heft 1/1994 die Betrachtungen zum „Jahreswechsel-Zeitenwechsel?“ und behandelte die aktuelle strategische Lage mit ihren Entwicklungen und Hintergründen. Für das Heft 1/1995 übernahm Dr. Heinz Magenheimer die Darstellung der Aspekte der Lage zum Jahreswechsel unter dem Titel „Inmitten einer Zeitenwende?“ und behandelte einleitend auch im Heft 1/1996 die Entwicklung im Jahre 1995 als „Herausforderungen und Weichenstellungen“. Seit dem Heft 1/1997 bis heute hat Prof. Dr. Lothar Rühl dann die Reihe der strategischen Betrachtungen zum Jahreswechsel in der Rückschau fortgesetzt. Dr. Rühl hat sich als früherer Staatssekretär im Bundesministerium der Verteidigung in Deutschland und als Professor für Internationale Beziehungen sowie als Vorstandmitglied der Stiftung Wissenschaft und Politik (Ebenhausen) und des SIPRI (Stockholm) internationale Anerkennung erworben und in der ÖMZ mit seinen jährlichen strategischen Analysen besondere Glanzpunkte gesetzt.

Der internationale Kurzbericht

Eine besondere Stellung nahm schon mit dem Beginn der ÖMZ im Jahre 1963 der „Internationale Kurzbericht“ ein, der aus der Feder eines strategischen Analytikers von Format in jedem Heft einen Überblick zum politisch-strategischen Geschehen der zwei Berichtsmonate gab, verbunden mit Verknüpfungen, Beurteilungen und Vorhersagen. In dieser Dichte und Einheitlichkeit hat kaum eine andere deutschsprachige Zeitschrift das Geschehen dokumentiert. Entscheidend für den hohen Standard der Aussagen waren die anerkannte Sachkenntnis, die Erfahrung sowie der Weit- und Überblick der Autoren, und es erscheint lohnend, diese näher zu betrachten.
Im Jahre 1963 gab es die ersten drei Kurzkommentare des Schweizer Journalisten Robert Ingrim, der auch 1964 zwei derartige Beiträge verfasste. Nach dem Tod Ingrims im Frühjahr 1964 übernahm der Journalist und Pressesprecher des Bundespräsidenten, Hofrat Prof. Vinzenz Ludwig Ostry, diese Aufgabe. Bis Ende 1967 lieferte diese überaus bekannte „Radiostimme“ insgesamt 17 Kommentare. Einen Kurzbericht trug Redakteur Stöckelle selbst bei (Heft 5/1966), und zwei Mal meldete sich ObstltdG Hermann Strohschneider zu Wort, der aus dem Bereich der Wehrpolitik im BMLV an die LVAk gewechselt hatte. ObstdG Strohschneider gestaltete dann im politisch-strategisch bedeutungsvollen und überaus bewegten Jahre 1968 fünf internationale Kurzberichte und vier Zusammenfassungen der „Wichtigsten Weltereignisse auf einen Blick“. 1969 fanden sich im Jahresband der ÖMZ erstmals ein Beitrag von Alfons Dalma zur Lage in Vietnam, fünf internationale Kurzberichte und sechs Überblicke zu den Weltereignissen von ObstdG Strohschneider, von dem bis Ende 1972 noch 17 weitere Beiträge dieser Art folgten.
1972 verfasste auch ObstdG Kuntner erstmals einen internationalen Kurzbericht, ehe im Jahre 1973 die Autoren ObstdG Strohschneider, Dr. Helmut Pech, MjrdG Rüdiger Stillfried und schließlich Obstlt Freistetter aufeinander folgend berichteten. Dann folgte die Periode der Kurzberichte des Chefredakteurs Freistetter, der bis Ende 1994 mit einer Ausnahme diese Beiträge gestaltete und zu einer v.a. im zivilen Umfeld von Medien und Wissenschaft geschätzten Quelle von Information und Analyse zum politisch-militärischen Geschehen aufwerten konnte.
Von 1995-1998 übernahm der neue Chefredakteur der ÖMZ, ObstdG Gerald Karner, diese Berichterstattung, gefolgt in den Jahren 1999 und 2000 von der Journalistin Livia Klingl, Verfasserin zahlreicher politisch-strategischer Kommentare und außenpolitischer Berichte in den österreichischen Medien. 2001 folgten einander Berichte von Livia Klingl, Bgdr Karner, ObstltdG Dr. Andreas Stupka und schließlich SektCh DDr. Erich Reiter, dem Verantwortlichen für strategische Studien und Sicherheitspolitik im BMLV und anerkannten, v.a. progressiven und realistischen Publizisten und Herausgeber. Seit dem Jahre 2002 hat Burkhard Bischof diese internationalen Berichte gestaltet, der sich seit 1985 im außenpolitischen Ressort der Tageszeitung „Die Presse“ einen Namen gemacht und im Herbst 2001 mit dem neuen österreichisch-polnischen Journalistenpreis ausgezeichnet worden war.

Die ÖMZ unter Chefredakteur Divr Franz Freistetter
1970-1993

Am 25. November 1969 verstarb der verdiente Chefredakteur Stöckelle im 75. Lebensjahr. Daher musste Obstlt Franz Freistetter, bis dahin Lehroffizier an der Panzertruppenschule des ÖBH in Zwölfaxing und Mitarbeiter von Stöckelle in der Redaktion der ÖMZ, sozusagen aus dem Stand die Funktion des Schriftleiters übernehmen und die Gestaltung der Hefte ab 2/1970 wahrnehmen. Obstlt Freistetter hatte visionäre Vorstellungen für die Entwicklung der ÖMZ und die von ihr wahrzunehmenden Themenbereiche. Viele Jahre später hat er im Heft 2/1988 seine Überlegungen hiezu allgemein dargestellt, nachdem er bereits im Heft 3/1973 eine grundsätzliche Betrachtung über „wehrwissenschaftliche“ Aussagen angestellt hatte. Zur Zielsetzung nach der Übernahme der Leitung stellte Freistetter fest: „Dieser Abschnitt in der Geschichte der ÖMZ bot aber auch die Veranlassung, die Gestaltung der Zeitschrift in ihrer Thematik anzupassen. Inzwischen hatte sich auch ein Generationenwechsel vollzogen, frühere Mitarbeiter waren darin eingeschlossen... Die Behandlung jener Ebenen, die über der Taktik liegen, führt zu einer Aufschlüsselung, die von operativen Problemen über solche strategischer Natur bis zum Wehrwesen und zur Kriegführung allgemein führt. Dabei ergibt die Unterteilung wiederum Teilgebiete vielfältiger Art, die auch eine... Gegenüberstellung Ost/West oder ähnliche Vergleiche einbezieht. Hier hat auch die Kriegsgeschichte ihren Platz, jedoch nicht als Mittel falsch verstandener Tradition... Schließlich handelt es sich im weiteren um die Darstellung und Interpretationen jener Vorgänge, die im internationalen Bereich vor sich gehen, militärisch bestimmt bzw. zumindest davon durchsetzt sind... Die Zeitschrift ist zunächst eine Einladung an alle Offiziere, insbesondere an die nachwachsende höhere Führungsgeneration, darin ihre... militärwissenschaftlichen Studien zu veröffentlichen... Dabei haben sich in der Fortführung (der Aufgabenstellung) zwei wesentliche Elemente ergeben. Das eine umfasst in Umsetzung der Aufgabenstellung eine Thematik, die in sich immer wiederkehrende Themenbänder aufweist. Das andere bezieht sich auf die Frage, wie denn aus der Position des Kleinstaates, in der speziellen Ausformung seiner dauernden Neutralität, die gesamte Thematik zu erfassen, zu betrachten, zu analysieren und in die eigenen Verhältnisse einzuordnen ist. Eines ist dabei... offensichtlich: Im Mittelpunkt stehen natürlich die eigenen Anliegen. Dem Gegenstand entsprechend jene der Politik, als Staatspolitik verstanden, mit Schwergewicht Sicherheitspolitik, daraus abgeleitet die Landesverteidigung und im Rahmen der umfassenden die militärische...“ 49) Zur wehrwissenschaftlichen Aussage hatte Freistetter u.a. ausgeführt: „... Die publizistische Aufgabe liegt in erster Linie in der Hilfestellung, die das gedruckte Wort erbringen kann. Sie ist dabei ein Feld der Information, eines, das dem Dialog dient, das aber auch zur Aussage anregen, ja geradezu auffordern soll... Das Angebot alleine genügt aber nicht. Sich dessen zu bedienen ist auch ein Erziehungsprozess, der aus eigenem durch den Empfänger geleistet werden kann, im allgemeinen aber der Unterstützung im Gefüge der militärischen Organisation bedarf... Wer geistig nicht am Ball bleibt, wird eines Tages merken, dass er nur noch ein Rad ist, das gedreht wird, aber selbst keinen Antrieb mehr zu geben mag... Deswegen wurde auch betont, dass es sich dabei weniger um Aussagen von zuständigen Stellen handeln kann, im Gegenteil, der Autor als Einzelperson... steht im Vordergrund... Dies bringt uns aber auch zur Erkenntnis, dass es sich bei der Pflege einer wehrwissenschaftlichen Aussage auch um die Einbeziehung eines Lernvorganges handelt, der frühzeitig aufzubauen ist und eine Disziplinierung zum fortlaufenden Studium und darin einbezogenen Vorgängen der Erarbeitung und Formung der eigenen Aussage einschließt… Der Autorenkreis hat daher ein sehr vielfältiger zu sein... Eines sollten wir uns noch vor Augen halten: Die Herausforderungen unserer Zeit sind in erster Linie geistiger Natur...“ 50) Frei­stetter hat als Chefredakteur diese Linie unbeirrt und durchsetzungswillig, aber auch -kräftig verfolgt. Die Ansiedelung der Redaktion an der LVAk brachte eine erhebliche Unterstützung, und davon hat die LVAk auch durch Veröffentlichung ihrer Erkenntnisse und Studien entsprechend profitiert. Die Kommandanten, allen voran GenMjr Spannocchi und Gen Kuntner, aber auch Gen Erich Eder,51) konnten diese Möglichkeiten nutzen und dabei prägend an der ideellen Entwicklung mitwirken, ja in manchen Fällen auch entscheidend einwirken. Die Bestellung von Obst Freistetter zum Leiter des Institutes für strategische Grundlagenforschung unter Fortführung seiner Tätigkeit im Rahmen der ÖMZ erleichterte diesem zweifellos die Tätigkeit, ermöglichte die direkte Einbindung von intellektueller Kapazität und den Aufbau und die Pflege des von ihm angestrebten Netzwerkes von Experten und Autoren, weit über das Bundesheer und die Grenzen Österreichs hinaus. Es darf als Bestätigung der Wertschätzung und fachlichen Anerkennung Frei­stetters hier angeführt werden, dass sogar Überlegungen angestellt worden waren, den Chefredakteur und Institutsleiter in den Generalstabsdienst zu übernehmen und zum OberstdG zu ernennen. Dies ist letztlich an den dienst- und personalrechtlichen Hürden gescheitert. Mit 1. Juli 1987 ist Divr Freistetter als Institutsleiter an der LVAk in den Ruhestand getreten, nicht aber als Schriftleiter der ÖMZ. 1991 wurde die Herausgabe der ÖMZ durch das BMLV übernommen und damit die ÖMZ in gewissem Sinne wieder eine „offizielle“ Publikation des BMLV. Eine solche Positionierung hat ihre Vorteile, aber bringt auch eine Reihe von Nachteilen für Schriftleitung und Redaktion. Die Ausgewogenheit von redaktioneller Ungebundenheit und Freiheit der Aussage und Berücksichtigung von Ressortinteressen sollte erhalten bleiben, ist aber letztlich doch mehr oder weniger auch eine Gratwanderung. Und v.a. durch ihre Außenwirkung in den zivilen Medien- und Politikbereich Österreichs, aber auch in einem internationalen Rahmen ist sie nicht in ein Schema offizieller Publikationssteuerung einzwängbar, soll hier nicht ein entscheidender Verlust an Aussage und Qualität eintreten.
Freistetter nahm die unter Hptm a.D. Stöckelle im Ansatz bereits vorhandenen „Themenlinien“ auf, entwickelte sie in vorausschauender Gewinnung von Autoren, in stetiger Beurteilung der aktuellen Entwicklungen und sich abzeichnender Tendenzen und erreichte damit eine über die Jahre sich verdichtende Kontinuität, die in ihrer Gesamtheit einen Überblick zur strategisch-operativen und technischen Entwicklung, im strategischen Denken und Handeln und in der Darstellung entscheidender Faktoren und ihrer Einflüsse auf das „Militärische“ in Österreich und weit darüber hinausgehend in weltweiter Sicht zu vermitteln mochte. Keiner anderen militärische Zeitschrift - und das nicht nur auf den deutschsprachigen Raum bezogen - gelang es, eine möglichst objektive Darstellung des militärischen Geschehens und der komplex-komplizierten Zusammenhänge in Bündnissen, politisch-strategischen Abkommen, in der Entwicklung von Doktrinen über Jahrzehnte hinweg kontinuierlich und aufeinander abgestimmt anzubieten und auch der Interpretation und Diskussion auf höchstem Niveau und von mehreren Blickwinkeln ausgehend Raum zu geben.
Dabei wurde auch weiterhin die österreichische Sicht und Entwicklung eingebracht, hatte aber ab 1971 nicht mehr jenen ausgeprägten Stellenwert, den diese noch unter Hptm a.D. Stöckelle aufgewiesen hatte. Zwar wurde weiterhin zur österreichischen Wehrpolitik, zur allgemeinen Entwicklung im Bundesheer und über die Einsätze des Heeres berichtet, und die ÖMZ veröffentlichte eine Reihe von Beiträgen jüngerer Generalstabsoffiziere, die sich aus deren militärwissenschaftlichen Arbeiten ergeben hatten. Aber die Anzahl der hochrangigen Autoren aus den Reihen des Bundesheeres begann doch abzunehmen, sieht man von Gen Spannocchi und Gen Kuntner ab. Umfassend wurde über die Manöver des Bundesheeres berichtet, und die praktische Erprobung der Konzeption der „Raumverteidigung“ im Rahmen entsprechender Manöver von 1974-1985 konnte in der ÖMZ beobachtet werden. Die Generaltruppeninspektoren Gen Heinz Scharff, Gen Othmar Tauschitz und später dann Gen Karl Majcen finden sich mit Beiträgen über die Milizkomponente, den Generalstabsdienst und Generalstabsoffizier sowie zur Weiterentwicklung der Konzeption des Bundesheeres und der sicherheitspolitischen Standortbestimmungen. Besondere Beachtung fand der kritische Beitrag von Gen i.R. Tauschitz im Heft 5/1992 über die „Nichtaufbietung des Miliz- bzw. Reserveheeres in Krisenfällen“ mit der Fragestellung, ob denn darin eine Angst vor der Nutzung der allgemeinen Wehrpflicht zu sehen wäre. Auch in den Zeiten des strategischen Umbruchs als Folge der Auflösung des Warschauer Paktes und der damit einhergehenden Änderungen für das Bundesheer fanden sich ab 1990 entsprechende Beiträge aus den Führungsebenen des Bundesheeres, die im Überblick und für die Allgemeinheit die aktuellen Entwicklungen - oftmals als „Reformen“ verteufelt und in militärischer Beharrlichkeit kritisiert - erläuterten und auch eine Perspektive zum Ausdruck brachten, die es dem Interessenten ermöglichen konnte, in Gelassenheit der Zukunft entgegenzublicken. Das Stichwort „Reform“ beschäftigte ja schon ab 1970 Bundesheer und Öffentlichkeit, und so finden sich auch die „Reformkommissionen“ in der ÖMZ entsprechend gewürdigt, allerdings hat sich dazu keine mediale Diskussion entwickeln können. Auch die Einsätze des Bundesheeres im Jahre 1967 an der Grenze zu Italien, im Jahre 1968 im Zusammenhang mit der Krise um die CSSR, im Rahmen der UNO seit 1960, sowie 1991 an der Grenze zu Slowenien, aber auch die verschiedenen Einsätze zur Katastrophenhilfe und schließlich zur Assistenz in der Grenzüberwachung zu Ungarn und der Slowakei ab 1990 sind entsprechend umfassend dokumentiert und zumindest teilweise auch „aufgearbeitet“ worden.
Die strategisch-operative Berichterstattung als Kernbereich der ÖMZ
Die eigentliche „Leistung“ der ÖMZ lag jedoch in der Auseinandersetzung mit den strategischen Doktrinen der Bündnissysteme und der großen Mächte, teilweise auch mit jenen kleinerer Staaten wie Israel. Hier finden sich bedeutende Autoren wie z.B. BrigGen Andre Beaufre, Korpskommandant Hans Wildbolz oder Jehuda L. Wallach, Divr Gustav Däniker, SektCh DDr Erich Reiter, Gen Ulrich de Maiziere, Milan Vego oder Sergei L. Sokolov, um nur einige anzuführen. Diese Themenlinie wurde kongenial ergänzt durch eine überaus umfangreiche Berichterstattung und eingehende Würdigung der großen Manöver v.a. in Deutschland und der Schweiz, aber auch in den übrigen dem Warschauer Pakt angehörenden Nachbarstaaten Österreichs. Die umfassenden und mit zahlreichen Lageskizzen visualisierten Berichte stammten von durch die ÖMZ entsandten militärisch-kompetenten Beobachtern und vermittelten daher auch Einblick in die operativen Grundgedanken und Vorstellungen. Darüber hinaus gab es jeweils Übersichten zu den NATO-Manöverserien an der „Nordflanke“ von Dänemark bis Nordnorwegen, im Mittelmeerbereich und im Atlantik. Demgegenüber standen - im Rahmen der Möglichkeiten - auch die Manöver des Warschauer Paktes52) einschließlich der Flottenmanöver, die ja in einigen Jahren weltumspannende Dimensionen erreichten.
War das Manövergeschehen nur Vorübung oder Demonst­ration, so gab es in diesen Zeiten des „Kalten Krieges“ auch heiße oder schwelende Konflikte. Auch darüber berichtete die ÖMZ v.a. kontinuierlich und bemühte sich - teils mit zeitlichem Abstand und teils durch Autoren aus den teilnehmenden oder betroffenen Staaten - um Zusammenfassungen und Analysen. Diese Themenlinie bildete einen der Schwerpunkte in der ÖMZ, und man hat u.a. über den Krieg in Südostasien bis 1975, den Sechstagekrieg 1967 und den Yom Kippur-Krieg 1973, den Krieg um die Falkland-Inseln und im Libanon 1982 ebenso berichtet wie über den Krieg in Afghanistan von 1979-1989, den Konflikt zwischen dem Irak und Iran und den damit verbundenen „Tankerkrieg“ in den 1980er-Jahren und schließlich über den ersten Golfkrieg des Jahres 1991 und den „inneren“ Konflikt im ehemaligen Jugoslawien ab 1991.
Auf die Behandlung der großen strategischen Abkommen zwischen den Großmächten und Bündnissen, die Darstellung der Ergebnisse der Konferenzen für Sicherheit und Zusammenarbeit sowie Vertrauensbildung und gegenseitige Abrüstung wurde bereits hingewiesen. Die ÖMZ war nachdrücklich um die Bewertung derartiger Vereinbarungen und Analyse der Auswirkungen53) bemüht und ergänzte diese Themenlinie durch eine immer wieder weitergeführte Darstellung des militärischen Potenzials von NATO und Warschauer Pakt, Frankreichs, der Volksrepublik China sowie um zahlreiche Einzeldarstellungen zu den Streitkräften einzelner Staaten, v.a. in Osteuropa. Aktueller Kräftevergleich war das „Schlagwort“ für diese Bemühungen, und diese ebenfalls mit bemerkenswerten Grafiken gestalteten Beiträge wurden zu einer bedeutenden „offenen“ Informationsquelle.

Die zweite Reihe der Beiträge zur „Operativen Führung“

Besonders hervorzuheben sind für die Zeit Freistetters auch die Bemühungen der ÖMZ um Auseinandersetzung mit dem Bereich der „Operativen Führung“ und des „Operativen Denkens“. Zahlreich sind die Beiträge zu dieser Thematik, und sie bemühten sich um überaus differenzierten Ansatz in der Betrachtung und Darstellung. Hier fand, in Summe gesehen, noch eine intellektuelle Auseinandersetzung mit diesem Aspekt statt, wobei sowohl aus historischer Sicht als auch zukunftsbezogen Überlegungen eingebracht wurden. Hervorzuheben sind die sechs Beiträge, in denen in den Jahresbänden 1974 und 1975 von Hofrat Dr. Manfried Rauchensteiner Gedanken zum „Operativen Denken in Österreich 1814-1914“ vorgelegt wurden, sowie die ebenfalls 1974 erschienenen Darstellungen des MjrdG Friedrich Dialer über die „Operativen Konzepte der UdSSR und der USA“, die sich mit deren Entwicklung nach 1945 auseinanderzusetzen versuchten. Das Interesse an derartigen Betrachtungen zur operativen Führung war verstärkt durch die in der NATO gültige und v.a. von amerikanischen Vorstellungen geprägte Doktrin und deren operative Auswirkungen im Rahmen der „Vorneverteidigung“, aber auch durch die in der UdSSR vorgegebene Auffassung einer marxistisch-leninistischen Interpretation der Führung, die letztlich alle Ergebnisse operativen Handelns als Folge eines wissenschaftlich-analytisch Vorherbestimmbaren verstand.
Das Bemühen der ÖMZ um „besondere“ Autoren wurde bereits erwähnt. BrigGen Beaufre, der außergewöhnliche strategische Denker, hat sich zwischen 1966 und 1973 immerhin mit fünf Beiträgen in der ÖMZ gefunden. Beaufres Theorien hatten nachhaltigen Einfluss auf GenMjr Spannocchi, der sich als Kommandant der LVAk in diesen Jahren auf der Suche nach modernen Vorstellungen für Strategie und Operation des neutralen Kleinstaates im Schnittpunkt militärischer Interessen der großen Bündnissysteme befand. Neben einer intensiven Auswertung der Literatur an der LVAk in einem mehrstufigen Prozess gelang es Spannocchi, auch herausragende internationale Fachleute zu Vorträgen über solche Themen an der LVAk zu gewinnen und diese Betrachtungen dann meist auch in der ÖMZ einem breiten Leserkreis zugänglich zu machen. Gen Spannocchi war aber auch selbst mit insgesamt 16 Beiträgen in der ÖMZ zwischen 1966 und 1982 vertreten und legt damit Zeugnis ab für seine nachhaltige intellektuelle Auseinandersetzung mit den theoretischen und praktischen Aspekten von Sicherheitspolitik, Strategie und Operation.

Der Generationswechsel in der ÖMZ ab 1993

Ende Juni 1993 hat Divr i.R. Freistetter auch die Schriftleitung abgegeben und sich damit endgültig in den mehr als verdienten Ruhestand begeben. Nun trat endgültig ein Generationenwechsel ein, kamen doch nunmehr die Verantwortlichen aus der „Nachkriegsgeneration“. Die Nachfolge als Chefredakteur trat mit Juli 1993 ObstdG Gerald Karner an, der bis zu diesem Zeitpunkt im BMLV Dienst versehen und sich dort mit strategisch-operativen Fragen befasst hatte. Im Jahre 1997 wurde Karner während seiner Entsendung an das War College in Carlisle kurz durch ObstltdG Clemens Hofmeister und dann durch ObstdG Christian Platzer vertreten. Mit März 2001 beendete Bgdr Gerald Karner seine verdienstvolle Tätigkeit als Chefredakteur. Bgdr Karner hatte seit 1995 durch seine allgemein verständlichen und fachkundigen Kommentare zu aktuellen Entwicklungen auf dem Balkan, im Nahen Osten usw. im österreichischen Fernsehen und Rundfunk einen erheblichen Bekanntheitsgrad erlangt und ist schließlich mit 1. Jänner 2006 fast in logischer Konsequenz in die Tätigkeit eines strategischen Beraters in den zivilen Bereich übergewechselt.
Die Nachfolge in der ÖMZ trat dann ObstltdG MMag. Dr. Andreas Stupka an, der die Blattlinie bis heute in aktuell-progressiver Weise bestimmt und dabei seine spezifischen Impulse setzen konnte.
Unter diesen Chefredakteuren wurden die unter Freistetter so intensiv entwickelten Themenlinien in aktualisierter Form konsequent weitergeführt und progressiv den neuen Rahmenbedingungen in Sicherheitspolitik und im Militärischen angepasst. Die strategische Lage hatte sich mit der Auflösung des Warschauer Paktes und dem Zerfall der früheren Sowjetunion verändert, die USA übernahmen eine verstärkte und nicht mehr voll ausbalancierte Position als Weltmacht erster Ordnung, und während in Südosteuropa die Auseinandersetzung mit den „Schatten der Vergangenheit“ vielfach in gewaltsamer und häufig krisenhafter Form erfolgte und die NATO sich einer manchmal schwierigen Sinnsuche gegenübersah, entwickelte sich die Europäische Union über den rein wirtschaftlichen Zusammenschluss hinaus zu einer politischen Dimension mit außen- und sicherheitspolitischen Visionen, die sich aber in der Umsetzung doch als schwierig und noch durch nationale „Eigenständigkeiten“, aber auch „Eigenmächtigkeiten“ belastet erwiesen. Österreich trat 1995 der EU bei, und die Aufgabenstellung des Bundesheeres verschob sich zu einem Einsatzheer, konfrontiert mit steigender Bedeutung der Mitwirkung an internationalen Operationen nicht nur unter der Flagge der UNO, sondern auch unter jener von EU und letztlich sogar NATO. Dem ersten politisch-strategischen und militärischen „Aufbruch“ folgte eine bis in die Gegenwart andauernde Periode des „Überganges“ auf dem Weg zu neuen und keineswegs jetzt schon immer klar ersichtlichen Zielen.
Die ÖMZ hat sich dieser Entwicklung gestellt, und es darf festgestellt werden: Sie hat diese Herausforderung ausgezeichnet bewältigt. Die Beiträge der letzten 15 Jahre haben die Entwicklung dargestellt, begleitet und bewertet, und man hat die Schwergewichte der Themen beibehalten. Strategie und Sicherheitspolitik sind in breitem Ansatz verstanden, umfassen inzwischen u.a. so neuartige Bereiche wie den Konflikt um Ressourcen, und man hat sich nicht gescheut, hier auch Überlegungen Platz zu gewähren, die nicht immer dem „Zeitgeist“ angepasst waren. Auf die zahlreichen Beiträge von SektCh DDr. Reiter darf in diesem Zusammenhang hingewiesen werden, der etwa hinsichtlich der Kosovo-Frage kritische Anmerkungen zum Dogma der Beibehaltung der ethnischen Vielfalt und der Unveränderbarkeit der Grenzen Jugoslawiens schon frühzeitig äußerte.54)

Das Bemühen um die operative Führung unter geänderten Rahmenbedingungen
1996-2007

Die ÖMZ bemühte sich ab 1996 um eine umfassende Betrachtung der Probleme operativer Führung in der Zeit nach dem „Kalten Krieg“. Die dazu vorliegenden Abhandlungen haben damit nach einigen Jahren der „stillen“ Betrachtung neue Perspektiven für die Zukunft eröffnet, und das eben nicht nur aus österreichischer Sicht. So hat BrigGen Christian Millotat im Heft 1/1996 diese Reihe von Beiträgen mit der Betrachtung zu „Operativen Überlegungen für das deutsche Heer in der gegenwärtigen Sicherheitslage“ eingeleitet. Darauf folgte das Heft 2/1998, das sich schwerpunktmäßig mit Aspekten der Operation befasste. Das Heft 1/1999 enthielt einen Beitrag, der die „Zukunft des Kampfpanzers als Hauptwaffensystem“ aus strategisch-operativer Sicht zu bewerten suchte. Die Aussagen des Beitrages - die sich im Lichte der folgenden zehn Jahre doch bewahrheitet haben - wurden im Bundesheer nur bedingt geschätzt, fanden aber im Ausland großen Widerhall. Mag. Friedrich Korkisch steuerte im Heft 5/1999 seine Betrachtungen zur Wirkung von Luftmacht in Gegenwart und Zukunft bei,55) ein Thema, das schon in den nächsten Jahren zu einem zentralen Aspekt operativ-strategischer Realität werden sollte. Der GTI Gen Karl Majcen behandelte in einem Rück- und Ausblick über seine 10-jährige Amtszeit im Heft 6/1999 die „Wandlungen in der Aufgabenstellung des Bundesheeres“, worin sich die umfassenden Erfordernisse ableiten ließen, sich gerade im operativen Bereich dem internationalen Standard anzupassen und in das System multinationaler Operationsführung einzubringen, wie es bei NATO und EU, aber auch der UNO gehandhabt bzw. weiterentwickelt wurde. Erneut meldete sich GenMjr Millotat dann im Heft 3/2000 mit der Darstellung der „Operativen Führung aus deutscher Sicht“ mit einem Rückblick auf ihre Entwicklung und Betrachtungen zur Bedeutung in der Gegenwart. Ein Rückblick im Heft 5/2000 auf die operativen Kriegsspiele in Österreich-Ungarn als Vorbereitung auf den Ersten Weltkrieg56) erinnerte an die Notwendigkeit von Distanz und Realitätssinn in der operativen Vorbereitung und Analyse. Schließlich setzte GenMjr Millotat seine Beitragsreihe mit einer Untersuchung der „Auftragstaktik“ als das oberste Führungsprinzip im Heer der Bundeswehr im Heft 3/2001 fort und schloss sie im Heft 1/2006 mit der Darstellung „Operatives Denken und Führen in der Bundeswehr auf dem Weg zur Einsatzarmee“ sozusagen als Ergebnis weiterführender Überlegungen hiezu in der Bundeswehr zusammenfassend ab. Der direkte Bezug zum Bundesheer wurde im Heft 3/2003 durch eine Untersuchung von MjrdG Mag. Philipp Eder hergestellt, der sich mit der „Entwicklung moderner operativer Führungskunst - Einflüsse auf das Bundesheer“ auseinandersetzte.
Intensiv gestaltete sich die Berichterstattung zur „Lage in Jugoslawien“ von 1991 bis in die Gegenwart und nach dem „Paukenschlag“ des 11. September 2001, worauf die ÖMZ das Heft 2/2002 schwerpunktmäßig dem Faktor „Terrorismus“ gewidmet hatte, über den weltweiten „Kampf gegen den Terror“ und die Konflikte im Nahen Osten. Besonders hervorzuheben sind die Darstellungen der militärischen Operationen im Irak 2003 mit einprägsamen Skizzen, wie überhaupt die Aussagekraft und Eindrücklichkeit der grafischen Ergänzungen des Textes einen Höchststand beibehalten konnten. Dies ging Hand in Hand mit dem ansprechenden Erscheinungsbild der nunmehrigen ÖMZ, die wohl mit Stolz im nunmehrigen Jahresband in goldenen Lettern die Jahreszahlen 1808 und 2008 auf der Titelseite trägt.

Die Wiederbelebung der „Kriegsgeschichte“ in der ÖMZ

Die ÖMZ hat sich seit Mitte der 1990er-Jahre wiederum intensiver auch militärhistorischen Themen zugewandt. Die Einsicht, aus der Vergangenheit auch etwas lernen zu können, hat sich abermals durchgesetzt, und die Art der Betrachtung mit entsprechender Bewertung und dem klaren Anspruch auf „Lessons Learned“ zeigt den Weg in die Zukunft auf. Auch dies steht in einem gewissen Zusammenhang mit dem bereits angesprochenen Generationenwechsel; die Distanz ermöglicht eine intensiv-kritische Auseinandersetzung mit Vergangenem, ohne Scheu, auch Unangenehmes auszusprechen. Mit welcher Intensität die ÖMZ insgesamt wahrgenommen und welcher Stellenwert ihren Aussagen außerhalb des Bundesheeres in der österreichischen, aber auch internationalen Öffentlichkeit beigemessen wird, hat sich am Beispiel eines jener militärhistorischen Beiträge dokumentiert, die sich mit Ereignissen des Zweiten Weltkrieges beschäftigt haben.
Ein österreichischer Historiker hatte im Heft 1/1994 in einem Beitrag „Zum deutsch-sowjetischen Krieg 1941“ unter Bezug auf neu zugänglich gewordene Quellen in Russland aus seiner Sicht neue Erkenntnisse dargestellt und dabei teilweise bisher feststehende Thesen in Frage gestellt. Weiters hatte er im Heft 1/1996 zwei Rezensionen zu Büchern über den Zweiten Weltkrieg beigetragen. Diese Darstellungen führten am 5. April 1996 zu einem kritischen Kommentar im „Standard“,57) aufgrund dessen in einem Brief vom 9. April 1996 der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien den BM Dr. Fasslabend um eine Stellungnahme ersuchte. Dies mündete in einen Gastkommentar des Historikers in der „Presse“ am 30. April 1996 und einer erheblichen Zahl von Bezug nehmenden Leserbriefen, von denen „Die Presse“ einige am 6. Mai 1996 veröffentlichte. Darüber hinaus hat die SPÖ am 18. April 1996 eine parlamentarische Anfrage der SPÖ an den BM f. LV Dr. Fasslabend betreffend die Verbreitung rechtsextremer Geschichtsbilder durch einen Vertreter des Ressorts gestellt, und auch der ORF hatte Interesse an einer Stellungnahme des Bundesministers geäußert. Ohne auf die Inhalte der Anfragen, Antworten und Aussagen einzugehen, darf auf den Umfang des folgenden medialen Interesses verwiesen werden. Während BM Dr. Fasslabend dem Präsidenten des Nationalrates am 14. Juni 1996 die offizielle Beantwortung übermittelte, wurde eine Studie für das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes über „Revisionistische Tendenzen im österreichischen Bundesheer?“ als Stellungnahme ausgearbeitet,58) die dann in der ÖMZ Heft 4/1996 veröffentlicht wurde. Schließlich folgten als Auswahl aus den eingelangten Stellungnahmen in der ÖMZ Heft 6/1996 ein Beitrag des Prof. DDr. Hans-Adolf Jacobsen59) zum „21.6.1941 als eine weltgeschichtliche Zäsur im Widerstreit der Meinungen“ sowie fünf Feststellungen namhafter Historiker in Deutschland und Österreich.60)

Die zweite Reihe der „Sonderhefte“ ab 1998

Die ÖMZ hat auch die Tradition der „Sonderhefte“ wieder aufgenommen. So wurde das Heft 2/1998 schwerpunktmäßig dem Thema „Zukunft der Operativen Führung und Operationsführung“ zugeordnet und in einer Reihe von Beiträgen deutscher und österreichischer Autoren der Versuch unternommen, aus der rückschauenden Betrachtung zur Entwicklung der letzten 45 Jahre Vorstellungen für die zukünftige operative Führung abzuleiten. Dies erfolgte zu einem Zeitpunkt, da die strategischen und operativen Denker zunehmend ihr Augenmerk auf die Operationen der Ebene unterhalb der herkömmlichen Kriegsformen zu richten begannen und die überkommene, konventionelle Operationsführung mit mechanisierten Großverbänden usw. einen nachhaltigen Bedeutungsverlust hinnehmen musste. Dazu kamen die Aspekte der operativen Führung und Zusammenarbeit in den vermehrt erforderlichen multinationalen Einsätzen und des zunehmenden Zwanges, die Operationen teilstreitkräfteübergreifend zu gestalten. Außerdem fand in dieses Heft ein Beitrag des ungarischen Historikers Istvan Ballo Aufnahme, der auf Archivmaterial der ehemaligen Ungarischen Volksarmee (UVA) gestützt, die operativen Planungen für eine Teilnahme der UVA an einem Angriff des Warschauer Paktes sowohl in Richtung Donautal als auch in Richtung Norditalien verdeutlichte.
Dann wurde von der Redaktion der ÖMZ in bemerkenswerter Erkenntnis heranstehender weltweiter Probleme und damit verbundener Konflikte das Heft 6/2001 dem Schwerpunkt „Wasser und damit verbundene Ressourcenfragen“ gewidmet. Die Beiträge fanden international erhebliche Beachtung, zeichnete sich hier doch in aller Deutlichkeit ab, welche Bedeutung gerade dieses in einem Land wie Österreich so reichlich vorhandene Wasser in anderen Weltgegenden mit aridem Charakter erlangen und wie sehr sich hinsichtlich der Verfügbarkeit und Nutzung von Wasser politische und wirtschaftliche Interessen von Nachbarn und Anliegerstaaten zum zentralen Konfliktpunkt aufschaukeln können. Damit hatte die ÖMZ ganz eindeutig die „Finger am Puls der Zeit“. Von diesem Heft wurde auf Betreiben der Landesschulräte durch das Bundesministerium für Unterricht und Bildung ein Sonderdruck in großer Auflage hergestellt und durch diese Behörden an die einschlägigen Lehrkräfte an den österreichischen Schulen verteilt.
Im Jahre 2003 brachte die ÖMZ in englischer Sprache das Sonderheft „Nuclear Material Protection“ als Zusammenfassung der wesentlichen Beiträge der in Salzburg vom 8. bis 13. September 2002 durchgeführten Konferenz zu dieser Thematik heraus. Dabei wurden verbesserte Maßnahmen zur Verhinderung der illegalen Weitergabe nuklearen Materials behandelt und die damit verbundene Problematik unter Vorsitz von Univ. Prof. Dr. Friedrich Steinhäusler der Universität Salzburg aufgearbeitet. Der Band sollte dazu beitragen, Politikern, Militärs und Experten Hinweise und Grundlagen zu Nuklearfragen liefern, um das angestrebte Ziel einer sicheren und friedlichen Welt zu erreichen, in der keine Massenvernichtungswaffen in die Hände von terroristischen Organisationen gelangen oder von diesen hergestellt werden können. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Institut für Europäische Sicherheitspolitik, dem European Forum of Stanford University und dem Lawrence Livermore National Laboratory sowie der Universität Salzburg ergab sich eine außerordentliche Verbreitung dieser Ergebnisse und damit ein beachtenswerter Beitrag der ÖMZ zur Stärkung der internationalen Sicherheit.
Der Jahrgang 2005 der ÖMZ wurde vorrangig dem Rückblick auf 50 Jahre Republik Österreich und 50 Jahre Bundesheer gewidmet. Hervorzuheben sind dabei die sechs Gespräche mit Zeitzeugen, die durch ihre individuelle und subjektive Sicht für den Leser und wohl auch die spätere historische Betrachtung die Möglichkeit erbringen werden, die jeweiligen Befindlichkeiten und Motivationen der „Beteiligten“ nachzuvollziehen und dabei Möglichkeiten zu nützen, die eben weit über die reine Befassung mit der Akten- und Dokumentenlage hinausgehen.61) In diesem Sinne erscheinen auch die Erinnerungen von GenMjr i.R. Dr. Duic im Heft 6/2006 über den „Aufbau des österreichischen Generalstabsdienstes 1955 bis 1965“ sowie die Betrachtungen von Gen i.R. Mag. Alfred Schätz im Heft 4/2007 zur Frage der „Nachrichtendienste im Transformationsprozess“ bemerkenswert. Gibt im erstgenannten Beitrag ein Mann der „ersten Stunde“ im Bundesheer doch mehr als einen Stimmungsbericht und lässt noch heute erahnen, mit welchen Problemen das neue Heer und seine Führungsgarnitur nach innen und außen zu kämpfen hatte, um eine Identität und einheitliche Auffassung zu Wesen und Funktion militärischer Führung und des Generalstabes zu finden. Der zweite Beitrag, obwohl nicht die erste Äußerung des Autors, darf als die erste öffentliche Wortmeldung eines langjährigen Leiters des Heeresnachrichtenamtes zu Funktion und Zielsetzungen der nachrichtendienstlichen Aufklärung hervorgehoben werden und mag als Beitrag zur Diskussion um diese doch überaus wesentlichen Instrumentarien des Staates verstanden werden. Hat doch auch die Bundesheerreformkommission (BRK) unter Vorsitz von BM a.D. Dr. Zilk diesem Thema eine Reihe von Empfehlungen gewidmet und damit deren Stellenwert auch in einem Mitgliedstaat der EU in der Gegenwart und in Zukunft unterstrichen.
Abschließende Betrachtung
Die 200 Jahre ÖMZ wurden in dieser Darstellung als ein „zählebiges“ und besonderes Erfolgsprojekt zusammengefasst, und die Würdigung erfolgte aus dem subjektiven Verständnis des Autors unter Rückgriff auf eine beachtliche Anzahl von Quellen. Es bestand jedenfalls der Bedarf an einer Zeitschrift höchster Qualität für den militärischen Bereich. Die Innenwirkung der ÖMZ in den k.k. Streitkräften, in der k.u.k. Armee, dem Bundesheer der Ersten und der Zweiten Republik sowie die Außenwirkung in Österreich auf Politik, Medien, Wissenschaft und Öffentlichkeit, aber auch im engeren und weiteren Umfeld Österreichs sind dennoch einigermaßen ersichtlich geworden, wenn auch nicht in all ihren Dimensionen und Facetten nachzuweisen. Es steht fest, dass v.a. das Fachwissen und die Persönlichkeit der Schriftleiter bzw. Chefredakteure bestimmend waren für die Themenwahl und damit für die Qualität und Aktualität der Beiträge und dass die wohl oftmals beschwerlichen Bemühungen um Gewinnung sowohl von hochkarätigen als auch von jugendlich nachdrängenden Autoren als besondere Leistung der Chefredakteure höchste Anerkennung verdienen.
Die ÖMZ wurde 1808 mit hohem Anspruch ins Leben gerufen und hat teilweise aus sich selbst heraus diesen Anspruch stets beibehalten. Angepasst an die jeweiligen politisch-strategischen und militärischen Verhältnisse hat die ÖMZ, wenn auch mit einigen Unterbrechungen oder „Zwischenspielen“ unter anderem Namen, sich stets als Plattform für die intellektuelle Beschäftigung mit ihrer Thematik und als Ausgangspunkt von weiterführenden Betrachtungen, oftmals sogar auch nachdrücklichen Auseinandersetzungen, bewährt. Die ÖMZ an sich konnte in den ersten Jahrzehnten dem strengen Griff der für allgemeine Publikationen geltenden Verordnung vom 10. September 1810 betreffend die „Leitung des Zensurwesens und das Verhalten der Zensoren“ sowie der folgenden Zensurgesetze vom 20. September 1819 und 16. August 1824 entgehen, blieb aber doch bei sensibler Thematik bis 1914 zurückhaltend und vorsichtig. Die wiedererstandene ÖMZ hat ab 1963 zunächst v.a. in der Information ihre Hauptaufgabe gesehen, dabei v.a. das Bundesheer in den Mittelpunkt gestellt, dennoch kritische Aussagen veröffentlicht und damit zur geistigen Entwicklung beigetragen. Leider hat sich der damalige GTI Gen dInf Fussenegger nicht öffentlich zu Wort gemeldet, obwohl sein kritisch-pragmatischer Geist in den Tagebuchaufzeichnungen überaus bemerkenswerte Auffassungen und weiterführende Überlegungen hinterlassen hat. Ab 1971 erreichte diese Diskussion zur Sicherheitspolitik, Strategie und Konzeption auf hoher und höchster Ebene eine neue Intensität, geprägt durch die Dynamik eines Gen dPz Spannocchi und die Ausgewogenheit und Distanz eines Gen Kuntner. Der Blick der ÖMZ hat sich ab diesem Zeitpunkt in die globale Sicht erweitert, und heute stellen die Jahresbände nicht nur für die Zeit des „Kalten Krieges“ eine einzigartige Dokumentation und Fundgrube hochwertiger Information und geistiger Durchdringung dar. Es war für Offiziere des Bundesheeres eine intellektuelle Herausforderung, sich in der ÖMZ zu Wort zu melden. Viele, auch höchste Offiziere haben dies teilweise auch häufig nicht gescheut. Insgesamt aber waren es zu wenig, und die Auflistung der Autoren zeigt eine Tendenz weg von den Offizieren aus dem Bundesheer hin zu Vertretern der Wissenschaft, Offizieren des Auslandes und Journalisten und Diplomaten. Sollte hier letztlich doch eine interne „Steuerung“ eine entsprechende Zurückhaltung oder gar Vorsicht nach sich gezogen haben, das im „Augenblick nicht gerade Opportune“ zu äußern? Gerade das sollte aber in einer Zeitschrift wie der ÖMZ jederzeit möglich sein. Die Rahmenbedingungen haben sich zwar im Laufe der Zeit geändert, die Qualität jedoch nicht, und die Strahlkraft der Zeitschrift v.a. nach außen und ins Ausland hat eher zugenommen. Möge dies der ÖMZ auch weiterhin beschieden bleiben. Zum 200. Geburtstag die besten Wünsche und weitere 200 Jahre!

ANMERKUNGEN:

1) „Generalsreglement“, gedruckt bey Johann Thomas Edler von Trattnern, Wien 1769, mit einem Vorwort von Maria Theresia von Gottes Gnaden Römische Kaiserin, Wittib usw.
2) Erzherzog Karl, geb. 5.9.1771 in Florenz, 1793 GenMjr, 1794 Generalstatthalter der Niederlande, 1796 Oberkommando über die k.k. Truppen in Süddeutschland, Sieg in der Schlacht bei Würzburg am 2. und 3.9.1796, anschl. Oberitalien, 1799 Oberbefehl in Deutschland, anschl. FM und 1801 Präsident des Hofkriegsrates, Kriegs- und Marineminister, 1805 Armeekommandant in Italien, Sieg in der Schlacht von Caldiero Ende Oktober 1805, dann Generalissimus der k.k. Streitkräfte, 1809 erneut Oberbefehl, Sieg bei Aspern und Niederlage bei Deutsch-Wagram, mit Kriegsende auch Ende der mil. Laufbahn, fortan private militärische Arbeiten, 1815 Heirat mit Henriette von Nassau-Weilburg, Aufenthalt vorwiegend in Baden bei Wien, verstorben am 30.4.1847 zu Wien.
3) Karl Fürst Schwarzenberg: „Feldmarschall Fürst Schwarzenberg“, Wien 1964, S.93. Fürst Schwarzenberg hatte zuvor schon die Stelle des Vizepräsidenten des Hofkriegsrates wahrgenommen, diese Funktion aber im März 1806 zurückgelegt.
4) Moritz Gomez de Parientos, geb. 1744 in den Niederlanden, TherMilAk zu Wiener Neustadt, 1775 Oblt u. Prof. für Taktik an der TherMilAk, 1785 Hptm im Generalquartiermeisterstab, Türkenkrieg 1788 bis 1790, 1794 VizeKdt der Festung Mainz während der Belagerung, 1800 GenMjr, 1801 Dir. des Kriegsarchivs, 1808 FML, Verf. des ersten Lehrbuches der Taktiklehre 1808.
5) Der volle Wortlaut dieses „Vorberichtes“ findet sich in: ÖMZ Heft 1/2008, S.49-50.
6) Alles, was für sehr alt gehalten wird, war einmal neu, und was wir heute durch Beispiele schauen, wird selbst als Beispiel dienen.
7) Graf Leonhard Rothkirch war als Hptm von Erzherzog Karl nach Wien berufen worden und hatte an der von Erzherzog Karl entworfenen „Anleitung zur höheren Kriegskunst - Ein Behelf zum Unterricht der Generalität“ mitgearbeitet. Außerdem hat er den Plan zu den „Beiträgen zum praktischen Unterrichten im Felde“ entworfen und war dafür 1807 außer der Rangtour zum Major befördert worden.
8) Georg Breiner: „Die österreichischen Militärzeitschriften im 19. Jahrhundert.“ Diss., Univ. Wien 1976, S.60.
9) „In jedem Treffen pflegt nicht so sehr die Menge und die ungeschulte Tapferkeit als die Kunst und die Übung den Sieg zu bringen.“
10) Der 1809 schwer verwundete Hptm Johann Baptiste Schels wurde 1813 dem Generalstab zugeteilt und hatte die „Armeeberichte“ zu bearbeiten. 1815 kam er in die Generaladjutantur des Fürsten Karl von Schwarzenberg und Ende des Jahres in die kriegsgeschichtliche Abteilung des Generalstabes.
11) Gen v. Rothkirch starb am 11. Juni 1842 in Wien.
12) ÖMZ Heft 1/1818, S.1.
13) 1825 war in England die Stockton-Darlington-Bahn gebaut worden, eine Reihe weiterer Projekte wurde in der Folge begonnen bzw. teilweise fertig gestellt. In Frankreich hatte 1828 die erste Pferdebahn zwischen St. Etienne und Andrezieux den Betrieb aufgenommen, ab 1832 wurden hier Dampflokomotiven genutzt. In den USA wurde 1828 der Bau der Baltimore-Ohio-Bahn begonnen und in der Folge weitere 12 Bahnprojekte geplant bzw. begonnen.
14) Franz Ritter von Hannerkart, geb. 1788 in Pilsen, Absolvent der k.k. Ingenieurakademie, 1809 Oblt im Generalquartiermeisterstab, 1812 Hptm, 1818 Mjr, 1830 Obstlt, 1836 Ernennung zum Direktor des Kriegsarchivs, 1845 GenMjr, 1854 im Ruhestand, 1875 verstorben.
15) Obstlt Anton Pannasch, geb. 1789 in Brüssel, 1809 von MilAk Wiener Neustadt ausgemustert, 1826 Hptm, 1836 Mjr, 1841 Obstlt, 1844 Ruhestand, Verfasser zahlreicher Bühnenwerke und zahlreicher militärischer Aufsätze und Beiträge, 1848 Vorstand der Kriegsbibliothek, 1855 verstorben in Wien.
16) Obstlt Friedrich Heller von Hellwald, geb. 1798 in Württemberg, 1818 Kadett im österr. Sappeurkorps, 1828 UntLt, 1835 in den Generalstab und das Kriegsgeschichtliche Büro eingeteilt, 1848 Obst, Feldzug 1849 in Ungarn, anschl. im Kriegsarchiv, 1850 GenMjr, Dienst in Prag, Theresienstadt und Klagenfurt, 1856 Ruhestand und FML, 1864 verstorben.
17) Kaiser Ferdinand hatte in dieser Zeit der Wirrnisse zum zweiten Mal in diesem Jahr mit der Familie Wien fluchtartig verlassen und war nach Olmütz ausgewichen. Dort dankte er am 2.12.1848 ab und überließ die Krone dem 1830 geborenen Franz Josef.
18) Obst Pannasch kehrte in seine Funktion als Direktor der Kriegsbibliothek zurück.
19) Hubert Zeinar: „Von den Anfängen des österreichischen Generalstabes zur k.u.k. Kriegsschule.“ In: „Viribus Unitis“, Wien 2003, S.66-72.
20) So ging der greifbar nahe Sieg in der Schlacht von Magenta am 4. Juli 1859 durch das Zaudern und die Unentschlossenheit General Gyulays verloren.
21) Dazu Robert Rill: „Die Südbahn im Feldzug 1859“, Bemerkungen zu Strategie und Praxis. In: „Mit Volldampf in den Süden“, 150 Jahre Südbahn Wien-Triest, Wien 2007, S.347-366.
22) Valentin Ritter v. Streffleur, geb. 18.2.1807 in Wien, Kadettenausbildung in Graz, 1831 Unterleutnant, 1847 Major, 1848 Gardegeneraladjutant der Nationalgarde für Wien und Niederösterreich; Okt 1848 Abgeordneter im Nationalparlament in Frankfurt am Main, 1849 Rückkehr nach Wien und Probleme aufgrund der Funktion in der Nationalgarde. Daher 1850 in den Zivildienst im Ministerium für Handel und Finanzen, 1859 Schriftleiter ÖMZ, verstorben 5.7.1870 in Purkersdorf.
23) Dazu J. Christoph Allmayer-Beck: „Erzherzog Karl und die Gegenwart.“ In: Landesverteidigung, Heft 1 (1960/61), Wien 1961, S.13-21.
24) FZM Ludwig August Ritter von Benedek, geb. 14.7.1804 in Sopron, TherMilAk zu Wiener Neustadt, 1824 Unterleutnant, 1835 Hptm, 1840 Mjr, 1843 Obstlt, Heirat mit Julie Amalie, der Tochter des Regierungspräsidenten von Galizien, 1846 Obst, 1847 RegtKdt InfR Nr. 33, Teilnahme am Feldzug 1848/49 in Oberitalien, Kdt einer Brigade, 1849 GenMjr und BrigKdt in Ungarn im Feldzug 1849, 1850 Inhaber des InfR Nr. 28, Chef des Generalquartiermeisterstabes bei der II. Armee in Oberitalien unter FM Radetzky, 1852 FML, 1857 Kdt IV. Korps, 1859 Kdt des VIII. Korps in Cremona, Feldzug 1859 in Oberitalien, Behauptung der Höhen von San Martino während der Schlacht von Solferino, 1859 FZM, 1860 bis 1864 Chef des Generalstabes, anschl. Kommandierender General in Italien, 1866 Oberbefehlshaber der Armee in Böhmen, Niederlage am 3.7.1866 bei Königgrätz, 1.12.1866 Ruhestand, verstorben 27.4.1881 in Graz.
25) Hptm Moritz Brunner, geb. 1839 in Wien, Absolvent der Genieakademie, 1859 Unterleutnant, 1864 höherer Geniekurs, 1866 Oberleutnant, anschl. Kriegsschule, 1868 im Kriegsministerium, 1870 Hauptmann, 1875 Erhebung in den Ritterstand, 1895 Generalmajor und Sektionschef im Kriegsministerium, 1899 FML, verstorben am 25.10.1904 in Wien.
26) Eine eingehendere Darstellung der Veröffentlichungen zum Russisch-Japanischen Krieg in Österreich-Ungarn und deren Akzeptanz bei Manfried Rauchensteiner: „Zum Operativen Denken in Österreich 1814 bis 1914.“ In: ÖMZ Heft 1/1975, S.50-51.
27) Dazu Rupert Wenger: „Lessons not learned“, Der Russisch-Japanische Krieg als Beispiel eines zu wenig analysierten Konfliktes. In: ÖMZ Heft 6/2004, S.709-714.
28) Diese Operationen wurden bis zum Heft 2/1914 in 14 Fortsetzungen behandelt und dann in drei weiteren Folgen der Einsatz der Feldartillerie während der Balkankriege untersucht.
29) Mjr Hinterstoisser war von 1898-1903 und von 1907-1912 Kommandant der k.u.k. Luftschiffer-Abteilung.
30) ObstltdG Otto Heller war Kdt. der 1. JgBrig, 1966 Ltr. der Führungsabteilung/BMLV, 1971 Leiter der Gruppe Operation, 1972 Ltr. Gruppe Inspektion, 1974 VertAtt in Bonn, Ende 1980 General und Ruhestand.
31) ObstdG Leeb war zu diesem Zeitpunkt Leiter der Abt. für Wehrpolitik im BMLV.
32) Dr. Heribert Husinsky, geb. 1923, Direktor des „Neuen Österreich“.
33) ObstltdG Dr. Raimund Truxa war zu diesem Zeitpunkt Adjutant des Staatssekretärs im BMLV; 1965 Adjutant des Bundespräsidenten Franz Jonas; 1975 Chef des Kabinetts im BMLV; 1976 Leiter der Gruppe Feldzeugwesen im BMLV; 1980 Leiter der Sektion IV im BMLV und General; Anfang 1985 im Ruhestand; 1995 verstorben.
34) In: ÖMZ Heft 4 (1963), S.321-327.
35) ObstdG Dr. Mario Duic war zu diesem Zeitpunkt Ltr der Operationsabteilung im BMLV; 1973 Kdt der LVAk; 1975 im Ruhestand.
36) Herbert Alboth aus Bern behandelt darin die Vorbereitung eines Anbauplanes für Not- und Katastrophenzeiten aus Schweizer Sicht.
37) Stellungnahmen und Erwiderungen in: ÖMZ Heft 3/1969, S.261 u. S.262, Heft 4/1969 S.332-335 sowie Heft 5/1969, S.428 u. S.429.
38) Emil Spannocchi: „Technischer Fortschritt-Rüstungswettlauf-Sicherheit.“ In: ÖMZ Heft 4/1972, S.225-229 und Heft 5/1972, S.309-312; sowie: „Die Bereitschaftstruppe.“ In: ÖMZ Heft 5/1973, S.337-341.
39) Roland Vogel: „Armee und Friedensforschung.“ In: ÖMZ Heft 3/1974, S.203-207; Erich Eder: „Skizzen zur Gesamtraumverteidigung.“ In: ÖMZ Heft 3/1974, S.222-224 sowie Heft 4/1974, S.299-301; Günter Hochauer: „Raumverteidigung und Kleinkrieg.“ In: ÖMZ Heft 3/1975, S.223-228.
40) So z.B. Dr. Heinrich Drimmel: „Geistige LV und Reform des ÖBH.“ In: ÖMZ Heft 1/1971, S.34-37.
41) GenMjr Max v. Stiotta (geb. 1887 in Triest), 1907 in Mödling als Leutnant der Pioniertruppe ausgemustert; Absolvent des Höheren Geniekurses 1911-1914 in Wien, im Ersten Weltkrieg Dienst als Geniestabsleiter, zuletzt bei der Heeresgruppe FM Boroevic. 1919 bis 1936 als Zivilingenieur tätig, im Zweiten Weltkrieg Kdt von Pionierverbänden und mit Einschließung der 6. Armee in Stalingrad deren „Kessel-Pionierführer“. Als Spezialist noch im Jänner 1943 ausgeflogen folgten einschlägige Verwendungen in Frankreich sowie im März 1945 als Pionierführer der 9. Armee an der Oder. 1948 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft entlassen folgte eine Tätigkeit bei zivilen Bauunternehmen.
42) Bgdr Leeb war Ltr der Gruppe Wehrpolitik im BMLV; GenMjr Bach war Befehlshaber der Gruppe II, ObstdG Dr. Duic war Ltr OpAbt im BMLV.
43) In: ÖMZ Heft 1/1965, S.2.
44) Dr. Lorenz Stucki, geb. 1922 in Bern, 1953-1962 pol. Redakteur der „Weltwoche“, seit 1964 freier Mitarbeiter der „Neuen Zürcher Zeitung“.
45) Gesandter Dr. Simon Koller, geb. 1912 in Kärnten, seit 1947 im Auswärtigen Dienst, 1962-1967 österr. Botschafter in Ungarn, dann Leiter der Westabteilung der Politischen Sektion des BmfAA.
46) Dr. Curt Gasteyger, seit 1964 Programmdirektor im „Institute for Strategic Studies“ (London).
47) Zu diesem Zeitpunkt bereits Direktor des strategischen Institutes in Boulogne-sur-Seine.
48) Prof. Dr. Urs Schwarz, geb. 1905 in Zürich, 1942-1968 außenpol. Redakteur der Neuen Zürcher Zeitung, 1968 Prof. am Institut für höhere Studien der internationalen Beziehungen (Genf), Verfasser zahlreicher Bücher zu strategischen Themen.
49) Franz Freistetter: „Die Österreichische Militärische Zeitschrift.“ In: ÖMZ Heft 2/1988, S.98-107.
50) Franz Freistetter: „Die wehrwissenschaftliche Aussage.“ In: ÖMZ Heft 3/1973, S.167-173.
51) Gen Erich Eder, geb. 1933 in Braunau, Kdt LVAk vom 1.3.1990 bis zum 31.1.1996.
52) Z.B: Erich Eder: „Manöver der Streitkräfte des Warschauer Paktes seit den sechziger Jahren.“ In: ÖMZ Heft 6/1975, S.482-491.
53) Z.B: Wilhelm Kuntner: „M(B)FR aus neutraler Sicht.“ In: ÖMZ Heft 5/1976, S.361-363 und o. Verfasser „Analyse der Vorschläge zu den Truppenabbauverhandlungen“. In: ÖMZ Heft 5/1976, S.364-366.
54) Mit der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo am 17.2.2008 hat sich die Voraussicht der Auffassungen DDr. Reiters erwiesen.
55) Friedrich Korkisch: „Luftkriegsdoktrin in Diskussion.“ Kann Air Power alleine politische Ziele erreichen? In: ÖMZ Heft 5/1999, S.575-586.
56) Bernhard Berger: „Gespielte Vorbereitung auf den Ersten Weltkrieg.“ In: ÖMZ Heft 5/2000, S.595-604.
57) Karl Pfeifer: „Einen Mißbrauch der Meinungsfreiheit im Bundesheer dulden?“ In: Der Standard vom 5.4.1996.
58) Autoren Univ. Lektor Mag Dr. Brigitte Bailer, Wilhelm Lasek, Univ. Ass. Dr. Walter Manoschek und Hon. Prof. Dr. Walter Neugebauer.
59) Langjähriger Direktor des Forschungsinstitutes der Deutschen Gesellschaft für Außenpolitik.
60) Dr. Hannes Kaschkat, Würzburg; Univ. Prof. Dr. Ernst Tpoitsch, Graz; Dr. Walter Post, München; Prof. DDr. Alfred de Zayas, Heidelberg; Karl-Heinz Schmick, Berlin.
61) Gespräche mit BM a.D. Dr. Robert Lichal, Wehrsprecher der SPÖ Abg.z.NR. Alois Roppert, GTI Gen i.R. Karl Majcen, Gen i.R. Ernest König, GTI Gen i.R. Othmar Tauschitz, Gen i.R. Erich Eder.