ISAF zieht ab - der Krieg in Afghanistan geht weiter

Wulf Lapins

 

Nach jahrelanger weltweiter Fahndung wurde Osama bin Laden als „Terrorist Nr. 1“ und Pate des Al Qaida-Dschihadismus am 1. Mai diesen Jahres in seinem Versteck in Pakistan getötet.1) Die Al Qaida-Netzwerke wie auch weitere autonome unstrukturierte Terrorzellen werden aber auch ohne ihre Symbolfigur auf noch unabsehbare Zeit wie ein Krebsgeschwür weltweit Regierungen und Bürger mit Tod und Verletzungen in Angst und Schrecken versetzen.2)

 

Schnell raus aus Afghanistan?

Es kann deshalb nicht überraschen, dass nach der Erschießung von Bin Laden eine heftige Debatte um einen zeitlich vorgezogenen Abzug der ISAF-Kontingente kurz entbrannte - früher, als auf dem NATO-Gipfel in London am 20. November 2010 beschlossen wurde.3) Der international renommierte Direktor der französischen Stiftung für strategische Forschung, Francois Heisbourg, erinnert an den Kontext: „Der Ausgangspunkt für die Intervention in Afghanistan war Bin Laden. Mit seinem Tod wird es immer schwerer, diese Truppenpräsenz zu rechtfertigen, unabhängig von der Lage vor Ort.“ 4) Mit Sorge verfolgte insbesondere auch NATO-Generalsekretär Rasmussen alle aufkommenden schnellen Ausstiegsforderungen. Denn auch Parlamentarier in den USA, wie der Republikaner Barney Frank, plädierten nach dem Tod Bin Ladens für ein „mission accomplished“: „Wir sind dorthin gegangen, um Osama Bin Laden zu schnappen. Nun haben wir ihn, daher denke ich, dass dies ein Argument ist.“ 5) Sein Parlamentskollege von den Demokraten, Jerrold Nadler, teilt seine Meinung: „Wir haben das geschafft, was wir uns vor langer Zeit in Afghanistan vorgenommen hatten.“ Die USA sollten jetzt damit aufhören, „unsere Truppen, unser Geld und unsere Leben zu verschwenden.“ 6) Zur Erinnerung: In seiner mit Standing Ovations stürmisch gefeierten Rede am 20.9.2001 vor dem Kongress forderte Präsident George W. Bush die Taliban-Führung in Kabul kategorisch auf: „Die Taliban müssen die Terroristen ausliefern oder ihr Schicksal teilen.“ Explizit nannte er hier Osama bin Laden. Ultimativ verlangte er: „Entweder ihr seid für uns, oder ihr seid für den Terrorismus.“ 7)

Die Taliban-Regierung lieferte bekanntlich keinen für die Attentate Verantwortlichen des 9/11 aus. Am 7. Oktober 2001 starteten die USA und Großbritannien daraufhin mit den ersten Luftschlägen auf mutmaßliche Stützpunkte von Taliban-Milizen und Al Qaida in Afghanistan. Der verhängnisvolle „War on Terror“ begann. Terroristische Gewalt und kriegsähnliche Kampfhandlungen finden in Afghanistan nun schon länger statt, als der Erste- und der Zweite Weltkrieg zeitlich zusammen dauerten. Und die Aussicht auf Sieg und/oder Frieden ist düster. Mit dem „war on terror“ und einer Politik der zum Teil regelrechten Angstschürung vor weiteren Terrorattacken - Stichwort Freigabe/Lizenz von Folter - sowie „Kill-Teams“ im Rahmen der Counterinsurgency-Strategie kompromittierten die USA zudem westliche Grundwerte.

Die völkerrechtliche Grundlage des ISAF-Einsatzes ist jedoch keineswegs durch die Liquidierung von Bin Laden entfallen. Es sind in diesem Kontext auch nicht die vermuteten derzeit noch bis zu etwa 200 Al Qaida-„Kämpfer“ in Afghanistan mit ihren Terrorattacken, die alle bis heute fortgesetzt erteilten UNO-Mandate für ISAF weiter begründen. Die frühere Symbiose zwischen Al Qaida und dschihadistischen Taliban, verkörpert durch Osama bin Laden und Mullah Mohammed Omar, gibt es seit der Zerschlagung des „Islamischen Emirats Afghanistan“8) durch die amerikanisch-britische Militärintervention als Reaktion auf 9/11 2001 in der vormaligen Art und Weise nicht mehr.

Es gibt „keinen einzigen Fall, in dem ein afghanischer Talib sich an Terrorakten außerhalb Afghanistans beteiligt hätte. Es gibt keine Afghanen in der Al Qaida-Führung und keine Araber in der Kommandostruktur der afghanischen Taliban. In dschihadistischen Begriffen: Al Qaida konzentriert sich auf den ‚fernen Feind’, die USA und ihre Verbündeten, auf dessen eigenem Territorium, während die Taliban den ‚nahen Feind’ in ihrem eigenen Land bekämpfen! - die Kabuler Regierung und was sie als Okkupationstruppen betrachten.“ 9)

Es ist somit vielmehr die kontinuierliche Einschätzung der Resolution 1386 von 2001, dass „die Situation in Afghanistan weiterhin eine Bedrohung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit“ darstellt. Eine solche internationale Friedens- und Sicherheitsbedrohung kann ihre Ursache in Flüchtlingsströmen über internationale Grenzen hinweg haben, wie der UNO-Sicherheitsrat dies in seiner Resolution 688 vom 5.4.1991 (Schutz der im nördlichen Irak verfolgten Kurden) feststellte oder wie in der Resolution 746 vom 17.3.1992 (Somalia) statuiert wurde, als „Ausmaß des durch den Konflikt verursachten menschlichen Leidens“. In der Resolution 1386 ist es die fehlende afghanische Souveränität, Unabhängigkeit, territoriale Unversehrtheit und nationale Einheit,10) die den Sicherheitsrat anhaltend zur berechtigten Sorge um Frieden und Sicherheit veranlasst.

Die derzeit gültige ISAF-Mandatierung, Resolution 1993, erteilte der Weltsicherheitsrat am 13. Oktober 2010 mit einer Gültigkeit bis Oktober 2011.

Afghanistan ist ein failing state und gefährdet damit die ohnehin fragile regionale Stabilität. Die Zusammenarbeit von verschiedenen Taliban-Gruppierungen aus Afghanistan mit jenen aus Pakistan bildet unzweifelhaft den Resonanzboden für die vom Weltsicherheitsrat festgestellte Sicherheitsgefährdung. „Seit ihrer Entstehung zu Beginn der 1990er-Jahre sind die Taliban ein Instrument der pakistanischen Armee und des ISI (…). Die pakistanische Armee will Afghanistan kontrollieren, um über die ihrer Ansicht nach notwendige ‚strategische Tiefe’ zu verfügen, sollte es zu einer militärischen Konfrontation mit Indien kommen.“ 11) Es wäre jedoch ein Trugschluss, die Taliban lediglich als von Pakistan fremd gesteuerte Aufständische zu verstehen. „Die Aufstandsbewegung wird von drei Gruppierungen dominiert, die punktuell zusammenarbeiten und sich zumindest nominell mehrheitlich Mullah Omar unterstellt haben. Es handelt sich um die eigentlichen Taliban, das Haqqani-Netzwerk und die Hezb-e Islami.“ 12)

 

Verteidigung am Hindukusch?

Die „Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt!“ 13) Dieser sicherheitspolitische Merkspruch des damaligen deutschen Verteidigungsministers ist robust, einprägsam, aber auch strittig. Wurde oder ist gar immer noch die Sicherheit in Deutschland tatsächlich akut oder mittelbar durch die Lage in Afghanistan bedroht? Eine solche Bedrohungsfeststellung ist die Voraussetzung für die notwendige Verteidigungslage. Insbesondere gegenüber jenen europäischen und außereuropäischen Staaten, die in der „Koalition der Willigen“ am Krieg gegen den Irak teilnahmen, verkündete Osama bin Laden in einer Videobotschaft im Oktober 2003 drohend: „Wir behalten uns vor, zum gegebenen Zeitpunkt und Ort abzurechnen mit Großbritannien, Australien, Polen, Spanien, Japan und Italien.“ 14) Deutschland, das nicht an diesem Einsatz teilnahm, führte er in seiner versuchten Terroreinschüchterung auch nicht auf.

Die schweren Terrorattacken in Madrid (11.3/3.4.2004) und in London (7.7.2005) lobpreisten Bin Laden und die Nummer zwei in der Al Qaida-Hierarchie, Ayman al-Zawahiri, aus ihren Verstecken heraus als Schritte zum Fernziel der „großen Säuberung der islamischen Erde von Jerusalem bis Andalusien“. Diese Anschläge wie auch das in seiner menschenverachtenden und leidvollen Dimension vergleichbare Attentat in Istanbul (8.6.2010), wurden jedoch nicht vom Hindukusch aus gesteuert.

Seit einigen Jahren unterliegt nunmehr aber auch Deutschlands innere Sicherheit einer latenten Dauergefährdung durch Terrorismus. Die Inspirationsquelle ist nunmehr wie bei den Anschlägen in Spanien und Großbritannien die Orientierung auf eine religiös-fundamentalistische Interpretation des Islam. Davon zeugen die versuchten Terrorvorhaben auf Regionalzüge mit Kofferbomben (Köln 2006), geplant gegen US-Einrichtungen (Sauerlandgruppe 2007) und auf den öffentlichen Nahverkehr (Düsseldorf 2011). Die mutmaßlichen Tatverdächtigen sind zu einer sehr konservativen Islam-Denkschule konvertierte deutsche Staatsbürger oder bereits lange schon in Deutschland wohnhafte und zunehmend religiös-fanatisierte Ausländer. Hinzu kommt bei allen eine Aufladung von Frust, Wut und Hass auf die westliche Lebensweise. Keiner von ihnen ist Afghane oder Taliban. Wir haben es jedoch mit einer Art Al Qaida-Franchising zu tun. „Auch nach dem Tod Osama bin Ladens existiert das Dschihadisten-Netzwerk Al Qaida in Deutschland weiter. Monat für Monat verlassen im Schnitt fünf Islamisten das Land, um in Ausbildungslagern den Terror zu lernen.“ 15)

Damit stellt sich tatsächlich eine Herausforderung - aber für die innere Sicherheit. Die ist in Deutschland jedoch Aufgabe von Polizei, Verfassungsschutz, Staatsanwaltschaft und Gerichten. Innere Sicherheit wird in Deutschland gewährleistet und nicht außerhalb Deutschlands militärisch verteidigt. Nur für den Fall des Staatsnotstands hat das Militär in Deutschland zur Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit eine gesetzlich klar beschriebene Hilfsfunktion.

Zudem: Das Bedrohungsniveau durch die aufständischen Taliban in Afghanistan ist durch ihre anhaltend steigende partisanenartige Kampfkraft heute um ein Vielfaches höher als 2002, als die vorgebliche Verteidigungsnotwendigkeit Deutschlands am Hindukusch postuliert wurde. Gleichwohl hat die Bundesregierung für 2014 den Abzugsbeginn der Bundeswehrkontingente festgelegt.

 

Strategiefehler in der Kriegführung

Am 26. September 2001 versicherte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, es werde beim „Kampf gegen den Terrorismus keinen Großangriff geben (…) Auch sei keine Invasion der US-Streitkräfte wie beim Angriff der Alliierten auf Frankreich 1944 (…) geplant. Überdies versprach (er), die Medien über den Kampf gegen Terrorismus nicht zu belügen. Allerdings könne er nicht versprechen, immer die ganze Wahrheit zu sagen, wenn dies den Einsatz gefährden könne“.16) Zehn Tage später, am 7. Oktober, starteten amerikanische und britische Kampfjets ihre Luftschläge gegen vermutete Stützpunkte von Taliban-Milizen und Al Qaida. Drei Tage später war die Luftabwehr der Taliban umfassend zerschlagen. Rumsfeld erklärte daraufhin, die US-Luftwaffe könne künftig rund um die Uhr Angriffe gegen die Taliban in Afghanistan fliegen.17) Die Präsenz von militärischen Spezialkräften in Afghanistan gab er bereits am 31. Oktober bekannt. Der erste massive Einsatz von Bodentruppen erfolgte am 26. November. Nota bene: Gemessen am Gesamtspektrum der militärischen Fähigkeiten der Weltmacht USA mag für Rumsfeld diese militärische Intervention tatsächlich kein „Großangriff“ gewesen sein - für Afghanistan hingegen stellte sich das anders dar.

Was als militärische Strafexpedition und Befreiung (Al Qaida und Taliban) begann, entwickelte sich Schritt für Schritt in einen Krieg ohne vorherige klare und der Öffentlichkeit kommunizierte Zielkriterien und ohne eine Exit-Strategie. Das Ziel, den Krieg gewinnen zu wollen, wurde hingegen wie ein Mantra rezitiert. Der Afghanistan-Einsatz dauert bereits länger als das nationale Kriegstrauma Vietnam. Für das Desaster am Hindukusch machen Präsident Obama und Verteidigungsminister Robert Gates (Republikaner - Ende 2006 von George W. Bush ins Amt berufen) unzweideutig Präsident Bush verantwortlich. Obama: „Sechs Jahre lang sind Afghanistan die von Kabul verlangten Mittel verweigert worden, wegen des Kriegs im Irak.“ 18) Gates: „Wir verfolgten eine Hinhaltetaktik; wir waren voll im Irak engagiert. Im ersten Monat im Amt, im Januar 2007, habe ich den Einsatz der 10. Gebirgsdivision verlängert; im Frühjahr 2007 habe ich eine weitere Brigade nach Afghanistan geschickt. Mehr hatten wir nicht; wir waren überlastet. Ich glaube, wir hatten keine umfassende Strategie in der Art, wie wir sie jetzt haben.“ 19)

Als am 25. Juni Präsident Barack Obama General David Petraeus als neuen Kommandeur von ISAF in Afghanistan vorstellte, übernahm dieser den Posten mit einer fatalen bisherigen Bilanz: „Mehr als 1.000 US-Soldaten sind bisher gefallen, die Kosten werden bald eine Billion Dollar erreichen, und die Taliban sind immer noch nicht besiegt. Im Gegenteil: Sie werden stärker.“ 20) Diese Lagebeurteilung gilt auch heute, Ende 2011 fort, mit nunmehr noch mehr Getöteten und noch höheren Ausgaben.

Der Einsatz von Bodentruppen ist immer mit dem Risiko von langen und verlustreichen Kampfhandlungen behaftet. Vietnam, Irak, Afghanistan bestätigen dies. Allein mit Luftschlägen wird hingegen auch keine Kriegführung erfolgreich sein. Diese erfordert nämlich beides: Luftwaffe und Infanterie. Die Frage lautet jedoch in diesem Kontext: Wie können Allianzen geschmiedet werden und wie sehen hierbei das Zusammenwirken und die Rollenverteilung aus? Im Krieg gegen die Serben in Bosnien reduzierte die NATO ihre Kampfeinsätze auf Luftbombardements. Im Auftrag des Pentagon bildete und rüstete eine amerikanische Militärberatungsfirma die kroatischen Streitkräfte so effektiv aus, dass diese mit erfolgreichen Gegenoffensiven große Teile von Bosnien-Herzegowina rückeroberten und damit nach dreieinhalb Jahren Krieg in Bosnien und Herzegowina auf Druck und Vermittlung der USA am 21.11.1995 in Dayton das Friedensabkommen zwischen Kroatien, Serbien und Bosnien-Herzegowina geschlossen werden konnte.

Auch im Kosovokrieg setzte das westliche Bündnis keine Bodentruppen ein und begrenzte seine militärische Rolle auf Luftschläge. Die infanteristischen Gefechte führte die Kosovo-Befreiungsarmee UCK durch. So „hätte die amerikanische Strategie auf dem Balkan auch am Hindukusch und am Golf zum Erfolg führen können: Zu Beginn des ‚Krieges gegen den Terror’ beschränkten die USA ihre Operationen gegen die Taliban und Al Qaida auf den Einsatz von Air Force und Spezialeinheiten (…). Den Krieg am Boden führte die Nordallianz in Afghanistan. Es waren ihre Truppen, die in Kabul einmarschierten. Erst danach begann die Stationierung von größeren Verbänden westlicher Infanterie - rückblickend ein schwerer Fehler. Das ursprüngliche Ziel nach dem 11. September 2001, Afghanistan den islamistischen Terrorgruppen als Rückzugsraum zu nehmen, war bereits erreicht worden. Die Nordallianz und weitere verbündete Afghanen hätten einen Staat aufbauen können, der zwar nicht einer mustergültigen Demokratie geglichen, aber zumindest keine Bedrohung für den Westen dargestellt hätte.“ 21)

„Jahrelang unterstützte Pakistans Militärregime die Taliban im Kampf gegen die Opposition im Norden Afghanistans. Nur sehr zögerlich akzeptierte Musharraf daher eine Beteiligung der Nordallianz bei der Gestaltung der politischen Zukunft des Landes.“ 22) Demgegenüber waren die Mudschaheddin der Nordallianz jahrelang von den USA finanziell und militärtechnisch für die Bekämpfung der Taliban unterstützt worden. Doch ihr im afghanischen Bürgerkrieg nach 1992 etabliertes Regime von Gewalt, Korruption und Ungerechtigkeit hatte bekanntlich den Aufstieg der Taliban, insbesondere durch ihren Rückhalt bei den paschtunischen Afghanen, erst ermöglicht.

Bei ihrem militärischen Einsatz in Libyen setzten die USA jetzt auch nur ihre Air Force ein und ließen sich wohlweislich erst gar nicht auf das Risiko von Bodenkämpfen ein. Dies ist wahrscheinlich die historische militärische Lehre aus den bisherigen verlustreichen infanteristischen Einsätzen. Zugleich ist es aber nur die Betrachtung und Verkürzung auf den militärischen Aspekt von Taktik und Strategie. Wenn hingegen jedoch die Kriegführung auf das strategische Ziel der politischen Neuordnung und -gestaltung im Interventionsland orientiert ist, muss das Territorium zwangsläufig besetzt werden (Bodentruppen), falls es im „Feindesland“ keine Kombattanten gibt.

Der militärische Einsatz zur Bekämpfung von Al Qaida war notwendig und richtig. Der daraus sich entwickelnde Afghanistankrieg ist aber durch seine gehandhabte Führung des Krieges falsch geworden. Der Krieg wurde von der Politik nicht ständig hinreichend als Ultima ratio geführt und überprüft, sodass er immer mehr zur Ultima irratio depravierte.

 

Geoökonomie und Geopolitik

Die geopolitischen Planungen der Neuordnung des Nahen Ostens sowie der Regionen Kaukasus und Zentralasien und der Kampf gegen den internationalen Terrorismus hängen zusammen mit der geoökonomischen Strategiekonzeption der Ressourcen-Exploration (Öl/Gas) und der Sicherung der Transferstabilität (Pipelines/Verkehrswege) für den enormen Energieverbrauch der USA.

„In diesem Kontext müssen auch die Antiterroroperationen gegen Afghanistan und Irak betrachtet werden. Die Herrschaft der Taliban und die Terrorbanden bin Ladens, die in Afghanistan Unterschlupf gefunden hatten, waren ohne Zweifel die Hauptgründe für die US-Militäroperation Ende 2001. Auch die im Rahmen einer politischen Neuordnung des zentralasiatischen Raumes diskutierten Pipelineprojekte waren nicht zu unterschätzende Beweggründe für ein militärisches Eingreifen. Die USA favorisierten eine zentralasiatische Gaspipeline mit einer jährlichen Durchleitungskapazität von 30 Mrd. m3 vom turkmenischen Daulatabad über Afghanistan nach Pakistan und vielleicht nach Indien. Eine weitere zentralasiatische Ölpipeline mit einer Durchleitungskapazität von 50 Millionen Tonnen pro Jahr soll von Kasachstan über Turkmenistan nach Afghanistan zur pakistanischen Hafenstadt Gwadar am Arabischen Meer verlaufen. Es war kein Zufall, dass Hamid Karsai fünf Monate nach seiner Ernennung zum Vorsitzenden der afghanischen Übergangsregierung ein Abkommen mit Turkmenistan und Pakistan unterzeichnete und damit das Vorhaben des Erdöl-Transportkorridors wiederbelebte. Bereits vor den Terroranschlägen auf die US-Botschaften in Nairobi und Daressalam im Sommer 1998 hatte sich Karsai im Auftrag des US-amerikanischen Erdölkonzerns Unocol für den Bau einer Gaspipeline durch Afghanistan eingesetzt.“ 23)

Durch den 9/11 und die Sorge der jungen, autoritären, instabilen zentralasiatischen Länder vor einem Einsickern extremistisch-religiöser Strömungen und ihrer Gefolgsleute konnten die USA in Manas/Kirgisistan einen Luftumschlagplatz aufbauen. Seit 2002 steuert die Bundeswehr den Lufttransport ihrer Soldaten zu den Stützpunkten im Norden von Afghanistan vom usbekischen Standort Termes. In erheblich zunehmendem Maße nutzen ihn auch die USA, die von hier aus bis etwa Mitte 2012 75% ihres Nachschubs abfertigen wollen. Unterstützung leistet auch Kasachstan mit gewährten Überflugrechten, und der Flughafen in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe ist ein Luftdrehkreuz für das französische Kontingent von ISAF. „Ein Blick auf die Landkarte gibt hier Aufschluss. Die zentrale Lage Afghanistans springt förmlich ins Auge. Die langen direkten Grenzen zum Iran und zu Pakistan und zu drei zentralasiatischen GUS-Republiken (Usbekistan, Turkmenistan, Tadschikistan, W.L) sind von enormer geopolitischer Bedeutung. Afghanistan wird den US-Truppen fortan als unsinkbarer Flugzeugträger dienen.“ 24)

 

Abzug oder klandestine langfristige militärische Präsenz?

Auf der 47. Internationalen Sicherheitskonferenz in München im Februar d.J. proklamierte der afghanische Präsident Hamid Karsai, dass seine Regierung bis Ende 2014 die vollständige Sicherheitsverantwortung in Afghanistan übernehmen wolle. Ein Meilenstein auf diesem ambitiösen Weg soll der Aufwuchs der afghanischen Sicherheitskräfte auf 352.000 bis Ende 2014 sein. Ob diese Größenordnung jedoch erreicht wird, ist sehr fraglich. Denn Desertionen, Tod und Verletzungen sind an der Tagesordnung und stauen den notwendigen Personalaufwuchs. Überdies sagt die Stärkezahl überhaupt nichts über den militärischen Ausbildungsstand und die Bewaffnungsqualität aus. Des Weiteren: Übernahme der afghanischen Sicherheitsverantwortung bedeutet im Umkehrschluss jedoch nicht Abzug der NATO aus Afghanistan. Ganz im Gegenteil. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen verklausulierte noch diplomatisch die geplante über 2014 hinausgehende (langfristige) Militärstationierung in Afghanistan. „Die NATO und ihre Partner werden weiterhin dafür sorgen, dass Afghanistan nie mehr ein Rückzugsort für Extremismus wird.“ 25)

Demgegenüber erklärte der NATO-Sonderbeauftragte für Kaukasus und Zentralasien, James Appathurai, in einem Interview mit der „Deutschen Welle“ zwei Wochen später ganz offen und unverblümt: „Nicht nur in der Region selbst, sondern auch unter den Allianzmitgliedern herrscht jetzt eine falsche Vorstellung vor, dass die NATO Afghanistan zum 1. Januar 2015 verlässtDas stimmt zu 100 Prozent nicht. Wir werden so lange im Land bleiben, bis die Afghanen in der Lage sind, ihre Sicherheit selbst zu gewährleisten.“ 26)

Während solche Beistandsbekenntnisse sicherlich in den Regierungszentralen im Iran, in Pakistan, der VR China und in Russland zu „zusammengepressten Lippen“ führen, werden hingegen, um im Bild zu bleiben, die Machthaber in den fünf zentralasiatischen Ländern die „Münder eher zum Pfeifen“ spitzen. Denn ein Abzug der US-Streitkräfte aus Afghanistan würde die Rolle Irans in der Region stärken. Seine Regime-Elitetruppen, die Revolutionsgarden, sollen mit ihrer fortgesetzten Ausbildung und neuen Waffenlieferungen an die Aufständischen im Irak und in Afghanistan weiterhin massiv das Ziel verfolgen, damit den totalen Rückzug der US-Militärs aus Afghanistan zu forcieren.27)

Pakistans Führung oszilliert in ihrem Verhältnis zu den USA schon seit Längerem zwischen sicherheitspolitischem Einklang und Distanz. Nun sind jedoch die seit längerem schon angespannten Beziehungen auf einem Tiefpunkt angelangt. Verantwortlich sind hierfür die seit 2008 ständigen Angriffe von US-Kampfdrohnen auf vermutete oder tatsächlich identifizierte Taliban-Stützpunkte in Pakistan, die oft auch zivile Opfer fordern. Hinzu kommen der massive amerikanische Vorwurf an Islamabad, dass sich jahrelang der weltweit meistgesuchte Terrorist, Bin Laden, in Hauptstadtnähe verstecken konnte, sowie generell Vorhaltungen und Bezichtigungen, der pakistanische Geheimdienst ISI unterstütze die aufständischen Taliban, um sich durch die Instabilität Afghanistans dort den eigenen politischen Einfluss weiterhin zu sichern. Der aus Sicht der USA tragische und irrtümliche, nach Auffassung Pakistans aber vorsätzliche und willkürliche US-Luftangriff auf zwei pakistanische Grenzposten am 26. 11. im Grenzgebiet zu Afghanistan, bei dem 24 pakistanische Soldaten getötet wurden, ist nun der berühmte Tropfen, der das Fass des pakistanisch-amerikanischen Zerwürfnisses zum Überlaufen brachte. Konsequent blieb Islamabad der Bonner Afghanistan-Konferenz am 5.12. fern und trug damit zur zusätzlichen Unsicherheit bei den Beratungen über die Zukunft Afghanistans nach dem Abzug von ISAF 2014 bei. Der Kongress in Washington beabsichtigt, Hilfsgelder von 700 Mio. USD für den pakistanischen Antiterror-Kampf zu stornieren und in Zukunft stärker mit Auflagen zu konditionieren. Seit 2001 erhielt der schwierige Partner beachtliche 10 Mrd. USD weitgehend als Militärhilfe.28)

In seiner Ansprache als neuer US-Botschafter in Kabul verneinte Ryan C. Crocker zwar ein Interesse seines Landes, Afghanistan als Plattform für die Einflusssicherung in den benachbarten Ländern zu benutzen,29) aber ungesagt blieb von ihm, dass die USA und Afghanistan in der Erarbeitung eines robusten Truppenstationierungsvertrages für US-Militärausbilder, Spezialkräfte und luftgestützte Einheiten nach 2014 bereits weit fortgeschritten sind.30) Es wird hierzu sogar über ein „New Great Game“ in der kaspischen Region spekuliert,31) das damit einen geographisch viel größeren Raum umfasst, als das historische „Great Game“ zwischen Großbritannien und Russland um Britisch-Indien. Die Taliban lehnen strikt einen weiteren Verbleib von US-Militärs ab und verweigern unter dieser Voraussetzung ihre Beteiligung an effektiven Friedensverhandlungen. Ob genau dies nun auch im Kalkül der USA liegt, ist unter politischen Beobachtern umstritten.

Die NATO hat sich mit Rücksicht auf die hohe Ablehnung des Kriegseinsatzes in Afghanistan in ihren Bevölkerungen für das Abzugsdatum Ende 2014 ausgesprochen. Die beabsichtigte fortgesetzte Stationierung von militärischen Einheiten wird darum in erheblich reduzierter Stärke stattfinden, und auch nur noch wenige Staaten werden sich daran beteiligen. Und insbesondere aus den erwähnten innenpolitischen Gründen wird diese Präsenz sicherlich auch neu definiert werden müssen. „Ende 2014 wird es in Afghanistan keine internationalen Kampftruppen der ISAF mehr geben. Und damit auch keine Kampftruppen der Bundeswehr mehr.“ 32) Gut möglich, dass in Deutschland wieder auf die ursprüngliche Einsatzbegründung rekurriert wird: Entsendung von Unterstützungsverbänden zur Stabilisierung. Das klingt dann wieder wie zu Beginn des Afghanistan-Einsatzes (2002 folgende) viel angenehmer nach Hilfe und „bewaffnetem Technischen Hilfswerk“.

Für die Länder Zentralasiens ist der Verbleib von NATO-Verbänden immerhin suboptimal. Sie werden es bestimmt verstehen, aus der Not eine Tugend zu machen, denn: „Ohne Stabilität in Afghanistan wird die Stabilität der angrenzenden zentralasiatischen Staaten immer bedroht sein, ein stabiles Zentralasien ist aber andererseits eine wichtige Voraussetzung für dauerhafte Stabilität in Afghanistan.“ 33) Solange sich Truppen des Westens in Afghanistan in welchen Rollenfunktionen auch immer befinden, werden nämlich die zentralasiatischen Regierungen für infrastrukturelle-logistische Beistandsgewährung benötigt. Das bringt Geld, und v.a. werden ihre autoritären Regime nicht politisch in Frage gestellt. Usbekistan versucht sich seit 2008 und jüngst erneut im Rahmen der Reise von Staatspräsident Islam Karimow nach Brüssel am 24.1. 2011 sogar mit einem eigenen Vorschlag zur Konfliktlösung international in Szene zu setzen, um an einer möglichen Nachkriegsordnung mitwirken zu können. So sollen die sechs Nachbarstaaten von Afghanistan - VR China, Iran, Pakistan, Usbekistan, Tadschikistan, Turkmenistan - sowie Russland, die USA und die NATO eine so genannte 6+3-Gruppe für die Stabilisierung und den Wiederaufbau von Afghanistan konstituieren. In seiner Empfehlung ist gleichwohl Afghanistan, über das verhandelt werden soll, gar nicht teilnehmend berücksichtigt. Und damit ist der Vorschlag politisch völlig irreal.

 

Friedensfähigkeit der Taliban?

Nach langer Zeit von Abrede und Denkverbot wider besseres Wissen (können) ist mittlerweile unumstritten: Militärisch ist der Krieg mit den von den NATO-Ländern zur Verfügung gestellten Kräften nicht zu gewinnen. Aber auch die heterogene Aufstandsbewegung ist nicht in der Lage zu obsiegen. Jeder militärisch ausgetragene Konflikt kann dauerhaft letztlich nur politisch geregelt werden. Seit Herbst 2010 fanden in Katar und in Berlin unter Vermittlung des Sonderbeauftragten der deutschen Bundesregierung für Afghanistan und Pakistan, Michael Steiner, geheime Kontaktgespräche zwischen Vertretern der CIA und des US-Außenministeriums und Abgesandten von Mullah Omar statt. Der afghanische Präsident Karsai bestätigte auf einer internationalen Pressekonferenz am 18. Juni in Kabul erstmals diese Friedensgespräche, „einen Tag nach dem Entschluss des Weltsicherheitsrats, die Taliban zukünftig nicht mehr auf einer gemeinsamen Sanktionsliste mit der Terrororganisation Al Qaida zu führen.“ 34)

Diese Geheimdiplomatie erinnert an die vertraulichen Friedensgespräche im Oktober 1972 in Paris über einen Friedensplan für Vietnam. Allerdings saßen sich damals mit Henry Kissinger als US-Sicherheitsberater und dem nordvietnamesischen Politbüromitglied Le Duc Tho politische Schwergewichte gegenüber. Ähnlich ist auch die Choreographie. Während der Wiederaufnahme der offiziellen Verhandlungen zwischen beiden Politikern Anfang Dezember 1972 befahl Präsident Richard Nixon schwerste Bombenangriffe gegen Hanoi und Haiphong. Auch Präsident Obama und Mullah Omar ließen geheime Gespräche führen, wie auch gleichzeitig weiter kämpfen.

Die wichtige Frage, wen die Taliban politisch und gesellschaftlich repräsentieren und ganz zentral, ob sie überhaupt verlässliche Verhandlungspartner sind, wurde durch die Ermordung des Vorsitzenden des Hohen Friedensrates Afghanistans, Burhanuddin Rabbani, am 20.9. in seinem Haus in Kabul durch zwei angebliche Abgesandte der Quetta Schura von Mullah Omar, brutal beantwortet. Es steht aber noch nicht eindeutig fest, wer genau hochrangig diese Verschwörung verantwortet. Die Gespräche mit den Taliban sind bis auf Weiteres gescheitert. Die Versöhnungsgespräche sind jetzt auf Eis gelegt.

Das Konzept eines „roll back“ der Taliban ist nicht mehr im strategischen sicherheitspolitischen Denken der USA der bestimmende Imperativ. Verbleiben die Konzepte „Eindämmung“ und „Einbindung“. So plädiert zum Beispiel Robert Blackwill, unter Condoleezza Rice ihr stellvertretender Sicherheitsberater und immer noch einflussreicher sicherheitspolitischer „Senior Expert“, für die Übergabe von traditionellen paschtunischen Siedlungsräumen im Osten und Süden von Afghanistan an die Taliban bei Abschwörung einer erneuten Kooperation mit Al Qaida. Versuche jedoch, aus ihrem Raum heraus zu expandieren, würden jene weiter in Afghanistan stationierten US-Spezialverbände jeweils militärisch zurückschlagen.35) Das bedeutet Eindämmung.

Finanziert von der Armee und der UNESCO konnten in Pakistan bis Frühjahr 2011 etwa 1.000 „Taliban light“ aus Gefangenenlagern, d.h. noch ohne religiös-fundamentalistische Ausprägung und begangene Terroranschläge, „entradikalisiert“ werden.36) Deutschland unterstützt in Afghanistan mit 50 Mio. EUR auch solche Reintegrations-Aussteigerprogramme. Stand Ende 2011: 2.700 umerzogene aufständische Kämpfer.37) Doch wer kann die Nachhaltigkeit überprüfen? Sind die afghanischen Taliban „national-religiöse“ Aufständische und in ihrer politischen Zielsetzung mit der Nationalen Befreiungsfront Südvietnams/NFB hinlänglich vergleichbar? Zentrales Ziel der Vietkong war im Vietnamkrieg die Befreiung ihres Landes von den amerikanischen Invasoren. Ihnen wurden zwar stets von den USA propagandistisch internationalistische Ziele unterstellt (Dominotheorie), was sich jedoch nach ihrem Sieg als falsch herausstellte.

Zwei Aussagen der Taliban scheinen eine gewisse Ähnlichkeit mit den damaligen Vietkong zumindest anzudeuten: Im Herbst 2009 hieß es: „Wir hatten niemals eine Agenda, anderen Ländern, einschließlich Europas, zu schaden, noch haben wir heute solch eine Agenda.“ In einem offenen Brief an den Gipfel der Shanghai Cooperation Organisation im vergangenen Jahr (2009, W.L) sprachen sie sich für „gute und positive Beziehungen mit allen Nachbarn auf der Basis gegenseitigen Respekts“ und für „konstruktive Interaktion (…) für eine permanente Stabilität und ökonomische Entwicklung in der Region“ aus.38) Handelt es sich hierbei um empirisch evidente oder lediglich nur anekdotisch evidente Aussagen? Mit anderen Worten: Wird damit ein generalisierendes und damit belastbares Bekenntnis abgegeben oder lediglich eine zwar reflektierte, aber doch auch nur singuläre Mitteilung?

Die ab 2014 verbleibenden hauptsächlichen US-Einheiten von vermutlich um die 20.000 werden ausrüstungs- und stärkemäßig sowie in ihrer Dislozierung (über diesen Komplex wird mit der Regierung Karsai noch verhandelt) jedoch die Anschlagstaktik und Kampfstrategie der Taliban aller Voraussicht nach nicht erfolgreich militärisch einhegen können.

Zur historischen Erinnerung: Der Krieg zwischen dem Vietkong und den südvietnamesischen Regierungstruppen ging trotz des Waffenstillstandsabkommens zwischen den USA, Südvietnam, Nordvietnam und der Provisorischen Revolutionsregierung (Vietkong) vom 28.1.1973 weiter. Auch der Nationale Versöhnungsrat, der Neuwahlen vorbereiten sollte, scheiterte. Am 30.4.1975 kapitulierte die Regierung von Südvietnam gegenüber der NFB/Vietkong, nachdem ihre Truppen am selben Tag Saigon eingenommen hatten. Militärisch und politisch wurden damals die Vietkong massiv von Nordvietnam unterstützt. Eine analoge Rolle spielt Pakistan heute gegenüber den Taliban in Afghanistan. Aus ihrer Bedrohungsobsession gegenüber Indien streben die Sicherheitskonservativen in Islamabad die Beherrschung der strategischen Tiefe in Afghanistan an. Eine tatsächliche Roadmap zum Frieden ist deshalb nicht zu erwarten.

 

Russlands Interesse

Für den russischen Botschafter bei der NATO, Dimitri Rogosin, gefährdet gar der Abzug der NATO-Verbände die gesamte zentralasiatische Region. „Wenn die Allianz weg ist, werden die Extremisten - die so genannten ‚Dogs of War’ - dann das Interesse an Afghanistan verlieren und ihre Aktivitäten höchstwahrscheinlich auf die ganze zentralasiatische Region ausstrecken. Das ist ein großes Problem für uns.“ 39) In Anbetracht dieser düsteren sicherheitspolitischen Aussicht hofft er auf einen verlängerten militärischen Verbleib der USA in Afghanistan - und sei dieser auch nur in verringerter Größenordnung möglich. Hauptsache: fortgesetzte militärische Präsenz. In das gleiche Horn stoßen auch weitere russische politische Schwergewichte. So warnt der stellvertretende russische UNO-Botschafter Alexander Pankin: „Sie (die internationalen Truppen) dürfen nicht Afghanistan verlassen, ohne die terroristische Aktivität unterdrückt und ohne eine wirksame afghanische Armee und Polizei aufgebaut zu haben.“ 40) Und der Sondergesandte für Afghanistan und vormaliger Botschafter in Kabul, Zamir Kabolow, ist ein Intimkenner und postuliert darum kategorisch: „Es ist zu früh für einen NATO-Abzug aus Afghanistan.“ 41)

Eine Dauerstationierung von Soldaten der westlichen Allianz ist aber wiederum auch nicht erwünscht. Ganz in diesem Sinne erklärte Präsident Dmitri Medwedew auf dem russisch-tadschikisch-afghanisch-pakistanischen Gipfeltreffen in Duschanbe am 2.9.: „Die Verantwortung darüber, was in der Region vor sich geht, tragen letztendlich unsere Länder - Russland, Tadschikistan, Pakistan und Afghanistan (…) Die Partner, die heute bei der Lösung der verschiedensten Aufgaben in der Region mithelfen, sind natürlich sehr wichtig, von ihnen hängt heute vieles ab (…) Das sind jedoch Mächte von außerhalb der Region.“ 42)

Das eigentliche - unausgesprochene - sorgenvolle russische sicherheitspolitische Interesse konzentriert sich jedoch viel stärker darauf, die Abwanderung der „Dogs of War“ in den islamisch geprägten russischen Nordkaukasus zu verhindern und sie durch die weitere Bekämpfung der Allianz in Afghanistan dort länger zu binden und auch stärker dezimieren zu lassen. Nicht minder entsetzt und nervös ist Moskau über die wachsende eigene Sicherheitsgefährdung durch den Drogenhandel. Entsprechend hieß es auf dem Gipfel: „Die russische Position ist, dass die von Afghanistan ausgehende Drogengefahr insgesamt zu bekämpfen ist, also von der illegalen Herstellung bis zur Verbreitung von Drogen, einschließlich der Vernichtung der mit drogenhaltigen Pflanzen ausgesäten Flächen und der Verschärfung der Kontrolle über die Einfuhr von Ausgangsstoffen zur Herstellung von Drogen nach Afghanistan aus dem Ausland.“ 43) Erneut kritisiert damit Moskau diplomatisch verbrämt das aus seiner Sicht zu geringe Engagement der NATO gegen die afghanische Drogenökonomie.

90% der weltweiten Opiumproduktion stammen aus Afghanistan. Die Herstellung ist 2011 alarmierend sogar noch um 61% gegenüber dem vergangenen Jahr gestiegen mit einem Ertragswert (der Endverkaufswert ist aber um ein Vielfaches höher) von etwas über 1 Mrd. EUR, was etwa 9% des afghanischen BIP entspricht.44)

In diesem Kontext ist auch das nachhaltige, in Tadschikistan hingegen auf Ablehnung stoßende Bestreben Russlands zu werten, mit eigenen Soldaten, wie bis 2005 schon einmal, erneut die tadschikisch-afghanische Grenze gegen Drogenschmuggel und einsickernde islamistische Kämpfer zu sichern.

 

Quo vadis - kranker Mann am Hindukusch?

Die Frage lautet nicht, wann, sondern ob der „kranke Mann am Hindukusch“ wieder gesunden kann. Wer würde es wagen, hierauf eine belastbare Antwort zu geben? Schachspielen kann man nur zu zweit. In Afghanistan versuchen jedoch nicht allein die USA/Verbündete und die Taliban einander schachmatt zu setzen. Der Kampf in und um Afghanistan ähnelt vielmehr einer Pokerrunde um den künftigen politischen Gestaltungseinfluss im Land und damit auch in der Großregion Zentralasien-Pakistan-Kaspi-Raum. Die robusten geopolitischen Spieler sind bekannt: USA, Russland, Pakistan, Iran - mit am Tisch sitzen aber auch die eher stillen geoökonomischen Spieler: VR China sowie Indien. Doch ihre wie auch afghanische Blütenträume über die Ausbeutung der als sehr bedeutsam eingeschätzten afghanischen Bodenschätze und damit Schaffung von vielen Arbeitsplätzen und Ankurbelung der Wirtschaft sind angesichts der hohen Korruption, der widrigen Vor-Ort-Bedingungen und der erheblichen Investitionssummen längst geplatzt.45)

Nach dem Abzug von ISAF 2014 wird der Krieg für das Land beendet sein. Das Töten und Sterben wird jedoch wahrscheinlich weitergehen durch den Krieg im Land am Hindukusch. Denn vieles spricht dafür, dass Afghanistan nach 2014 in einen Bürgerkrieg - déjà-vu der 1990er-Jahre - versinkt. Nach Angaben des ehemaligen afghanischen Innenministers Haneef Atmar haben von geschätzten „30.000 Aufständischen bislang nur acht Prozent dem Kampf abgeschworen, allerdings seien ‚99 Prozent von ihnen nicht aus dem Süden’ des Landes, wo es besonders häufig zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kommt.“ 46)

Erhebliche kriminelle Gewalt geht überdies auch von den privaten Milizen aus, die im Auftrag der US-Armee Dörfer und Infrastruktur vor den Taliban schützen sollen, selber aber „morden, vergewaltigen, plündern“.47)

Doch zwangsläufig laufen politische Prozesse nie ab. Es gibt Wege aus der Gefahr, doch diese sind sehr mühsam und erfordern viel Geduld sowie Kompromissfähigkeit. Aber beide Tugenden werden im Land und bei benötigten Außenakteuren als Schwäche diffamiert. Es gibt hierzu keine gereifte Kultur. Aus stabilitätspolitischer Sicht ist es nämlich notwendig, Afghanistan unter Berücksichtigung der schwerpunktmäßigen Siedlungsräume seiner ethnischen Volksgruppen politisch zu föderalisieren. In der multiethnischen, hochkomplexen afghanischen „Gesellschaft“ ringen ständig in einem kaum zu durchschauenden Dickicht von wechselndem Mit- und Gegeneinander politische/ökonomische Größen, Clanpotentaten und Warlords um Macht und Einfluss.

Ohne Mullah Omar als befehlenden und spirituellen „Emir“ der Taliban am Verhandlungstisch wird es keinen Frieden geben. Doch will er tatsächlich Versöhnung und Frieden? Wie langfristig belastbar oder doch nur taktisch und zu welchen Konditionen werden er und die Quetta Schura zur Anerkennung der afghanischen Verfassung und insbesondere zum Verzicht auf Gewalt stehen? Gesellschaftlicher Pluralismus oder erneute brachiale Durchsetzung radikalmissionarisch-religiöser Gesellschaftspolitik im Rahmen eines „Islamischen Emirats Afghanistan“ wie weiland 1996? Das ist nur eine von mehreren Lunten für potenziellen Bürgerkrieg.

Wie kann Pakistan mit seinen sehr verschiedenen Sicherheitsmachtgruppen zu einer konstruktiven koexistenziellen gutnachbarschaftlichen Politik mit Afghanistan bewegt werden? Saudi-Arabiens Bereitschaft müsste dafür gewonnen werden, seinen religiösen Einfluss als Instrument zur politischen Mäßigung der Quetta Schura einzusetzen. Jeden politischen Zugewinn von Riad wird allerdings Teheran zu konterkarieren versuchen. Wer kann zudem den Iran überhaupt bremsen, Afghanistan nicht als Nebenkriegsschauplatz im Sinne des Wortes gegen die USA zu instrumentalisieren?

Afghanistan wird ohne Unterstützung und Hilfen von außen ein „failed state“. Es benötigt Finanzhilfen für den dringenden wirtschaftlichen Aufbau und Garantien für seine Sicherheit. „97 Prozent des offiziellen afghanischen Bruttoinlandsprodukts speisen sich aus internationaler Hilfe. Wenn diese Geldquelle versiegt, werden unzählige Jobs verschwinden. Jobs, die vor allen Dingen für junge ausgebildete Afghanen eine Lebensgrundlage bilden. 70 Prozent der 30 Millionen Afghanen sind unter 25 Jahren. Im vergangenen Jahr bewarben sich 140.000 Studenten um gerade einmal 18.000 Studienplätze. Diejenigen, die ein Studium abgeschlossen haben, stehen schon heute oft genug auf der Straße - in einem Land, dessen Arbeitslosigkeit bei 40 Prozent liegt.“ 48)

Die internationale Gemeinschaft erkennt das sich hier aufstauende Frustrationspotenzial als potenzielles Rekrutierungsreservoir der Aufständischen. Auf der internationalen Afghanistan-Konferenz auf dem Bonner Petersberg am 5.12. vereinbarten 85 Staaten darum auch für das Land am Hindukusch bis 2024 eine „Dekade der Transformation“ und versprachen Gelder für die notwendige Finanzierung von Verwaltungs- und Sicherheitsstrukturen. Allein für ihre Polizei und Militärs errechnet die afghanische Regierung einen jährlichen Bedarf von 7,5 Mrd. USD. Im nächsten Jahr soll in Tokio eine Geberkonferenz stattfinden. Dann wird wie auf dem Basar gehandelt und im Casino gepokert werden. Die Taliban werden aber wie auf dem Petersberg auch in Japan nicht mit am Verteilungstisch sitzen.

Der Westen steht noch jahrelang unter dem Druck der tickenden Uhr knapper Haushaltsmittel. Mullah Omar und seine Taliban, Gulbuddin Hekmatyar und das Haqqani-Netzwerk hingegen verfügen über die Zeit.

 


ANMERKUNGEN:

1) Zum gut recherchierten Hintergrund der 18 Jahre dauernden weltweiten Jagd auf ihn, die mit seiner Erschießung am 1. Mai 2011 durch ein Spezialkommando der U.S. Navy Seals im pakistanischen Abbottabad endete: „Ende eines Massenmörders“. In: Der Spiegel 19/2011, S.76-91.

2) Interview mit dem BND-Präsidenten Ernst Uhrlau, ebenda, S.30. Sechs Wochen nach dem Tod von Bin Laden ernannte die auf zehn Personen geschätzte Al Qaida-Führung am 16. Juni den bisherigen Stellvertreter Bin Ladens, Aiman al-Zawahiri (Ägyper, 52 Jahre alt und im früheren bürgerlichen Leben Chirurg) zum neuen „Amir“. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,druck-768711,00.html; 16.6.2011. Bis zu seiner Einschwörung war mutmaßlich der Militärchef Seif al-Adl Interim-Chef von Al Qaida. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,druck-763145,00.html; 17.5.2011; zur Organisationsstruktur von Al Qaida vgl.: Österreichische Militärische Zeitschrift 3/2011, S.335.

3) Die Übertragung der Verantwortung für die eigene Sicherheit an die afghanische Regierung soll ab April 2011 beginnen und bis Ende 2014 abgeschlossen sein.

4) Sebastian Fischer/Phillipp Wittrock, Bin-Laden-Tod befeuert Debatte über Afghanistan-Abzug. http://spiegel.de/politik/ausland/0,1518,760329,00.html; 3.5.2011.

5) Hans Monath: Der Westen hält am Fahrplan fest. http://www.tagesspiegel.de/politik/der-westen-haelt-am-fahrplan-fest/4129900.html; 3.5.2011.

6) Fußnote 5, ebenda.

7) President Bush Addresses the Nation, http://www.washingtonpost.com/wp-srv/nation/specials/attacked/transcripts/bushaddress 092001.html; 11.11.2011.

8) Von 1996 bis 2001 fungierte Mullah Omar als faktischer „Staatschef“ des „islamischen afghanischen Emirats“. Auch heute noch ist er die unbestrittene Führungsperson bei den afghanischen Taliban.

10) „Reaffirming its strong commitment to the sovereignty, independence, territorial integrity and national unity of Afghanistan“.

11) Guido Steinberg/Christian Wagner/Nils Wörmer: Pakistan gegen die Taliban, SWP-Aktuell 30/März 2010, S.2 (ISI ist der pakistanische Geheimdienst Inter-Services Intelligence); zur pakistanischen Afghanistan-Instrumentalisierung bedingt durch seine Sicherheitsobsession gegenüber Indien vgl. Behrooz Abdolvand/Sandu-Daniel Kopp, Afghanistan: Ist der Frieden greifbar? In: Wulf Lapins (Hrsg.) Afghanistan: Gegenwart und Zukunft. Auswirkungen auf die Stabilität und Sicherheit in Zentralasien, FES Almaty 2011, S.66-79.

12) SWP-Aktuell, Fn.11, S.5. Zur weiteren Erklärung auch: Mit der Quetta-Schura haben die Taliban unter Mullah Omar eine Exilregierung im pakistanischen Quetta gebildet. Das Haqqani-Netzwerk, benannt nach Jalaluddin Haqqani, einem ehemaligen Mudschaheddin-Feldkommandeur, operiert von ihrem Stammesgebiet im pakistanischen Nord-Waziristan aus. Mullah Omar wird zwar als Mentor-Oberhaupt anerkannt, das Netzwerk agiert jedoch autonom; die Hezb-e Islami wird von dem ebenfalls früheren Mudschaheddin-Feldkommandeur Gulbuddin Hekmatyar geführt und ist für die Aufstände im nördlichen afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet verantwortlich. Jewgenij Kozhokin, Direktor des Russischen Instituts für Strategische Studien, Moskau, bezweifelte allerdings gegenüber dem Verfasser (Wulf Lapins) auf einer internationalen Konferenz „Scenarios for Afghanistan and regional security transformation“ am 9.6. In Almaty/Kasachstan, dass Hekmatyar Mullah Omar als geistige Führungsfigur der Aufstandsbewegung akzeptiert.

13) Peter Struck auf einer Pressekonferenz am 5.12.2002 im Kontext der Bekanntgabe neuer Verteidigungspolitischer Richtlinien (die damals noch gültigen stammten von 1992) und der geplanten künftigen Bundeswehrstruktur zur Erhöhung der Einsatzfähigkeit in geographisch nicht festgelegten Krisengebieten mit entsprechenden Rüstungsneubeschaffungen.

14) Michael Kloth/Hans Jürgen Schlamp: Angst kriecht durch Europas Hauptstädte http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518druck-290753,00.html; 15.3.2004.

15) Marcel Rosenbach/Holger Stark: Eine Bombe für Deutschland. In: Der Spiegel 19/2011, S.28-33.

16) Einen „D-Day“ soll es nicht geben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,druck-159370,00.html; 26.9.2001.

17) Sturm der Flugzeuge wird weitergehen, http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,druck-161612,00.html; 10.10.2001.

18) Klaus Jürgen Haller: Auf der Suche nach Auswegen, http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/1054479/drucken, S.2; 20.10.2009.

19) Ebenda, S.3.

20) Peter Gruber, David Petraeus: Obamas intellektueller Krieger, http://www.focus.de/politik/ausland/afghanistan/tid-18789/david-petraeus-obamas-intellektueller-krieger aid 522919.html; 24.6.2010.

22) Christoph Schult: Nordallianz bereitet Besetzung von Kabul vor, http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,druck-167379,00.html; 12.11.2001.

23) Rizvan Nabiev: Geopolitische Neuordnung im Kaukasus, im Mittleren Osten und in Zentralasien, http://www.eurasischesmagazin.de/artikel/drucken.asp?artikellD=60503; 25.6.2003, S.2; dazu auch: Richard Haass: Neuordnung des Nahen Ostens, http://www.project-syndicate.org/commentary/haass3/German; 1.6.2003; Zbigniew Brzezinski, Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft, Weinheim 1997.

24) Hartmut Wagner: Der 11. September war nur der Anlass für einen lang geplanten US-Krieg, http://www.eurasischesmagazin.de/artikel/drucken.asp?artikelID=20040104; 23.1.2004, S.3.

25) Stephan Israel, NATO fürchtet Debatte über Abzug aus Afghanistan http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/Nato-fuerchtet-Debatte-ueber-Abzug-aus-Afghanistan/story/21544791; 4.5.2011.

26) Appathurai: NATO bleibt auch nach 2014 in Afghanistan; http://de.rian.ru/security_and_military/20110521/259194832.html; 21.5.2011.

27) Iran soll Waffen an US-Gegner geliefert haben, http://www.spiegel.de/ausland/0,1518,771963,00.html; 2.7.2011.

28) US-Kongress will Millionen-Hilfe für Pakistan einfrieren, http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,803323,00.html; 14.12.2011.

29) Alissa J. Rubin: Envoy Says U.S. Will Start Afghan Pullout, Slowly. In: The York Times July 25, 2011.

30) Ben Farmer: US-troops may stay in Afghanistan until 2024. In: The Telegraph, 19 August 2011.

31) Jörg-Dietrich Nackmayr: Das Great Game im 21. Jahrhundert. Vom Ringen um Vorherrschaft in Zentralasien. In: Österreichische Militärische Zeitschrift 3/2011, S.282-293.

32) Afghanistan-Beauftragter: Abzug 2014 endgültig, www.evangelisch.de/themen/politik/afghanistan-beauftragter-abzug-2014-endgültig49643; 7.10.2011.

33) Beate Eschment: Stabilität und Sicherheit in Zentralasien unter besonderer Berücksichtigung Afghanistans, Friedrich-Ebert-Stiftung (Hrsg.) Juli 2009, S.5.

34) Karsai: USA sprechen direkt mit Taliban, http://www.sueddeutsche.de/politik/2.220/kampf-gegen-den-terror-und-trennen-schaerfer-zwischen-taliban-und-al-quaida-1.1110015; 19.6.2011; Reden statt bomben. In: Der Spiegel 21/2011, S.96.

35) Siehe Fußnote 31, ebenda, S.285.

36) Elisabeth Kiderlen: Zeige uns den geraden Weg, Süddeutsche Zeitung 5.5.2011, S.11.

37) Rezept für den Bürgerkrieg, Der Spiegel Nr.49/2011, S.96.

38) Thomas Ruttig: Zu wenig, reichlich spät -Stabilisierungsmaßnahmen in Afghanistan zwischen Terrorismus- und Aufstandsbekämpfung, http://www.bpb.de/popup/popup_druckversion.html?guid=ECTMJI; 25.5.2010, S.6.

39) NATO-Abzug aus Afghanistan erhöht Extremismusgefahr für Zentralasien, http://de.rian.ru/securitzty_military/20110706/259687497.html; 6.7.2011.

40) US-Rückzug aus Afghanistan: Russland baut auf Kampfkraft afghanischer Truppen, http://de.rian.ru/politics/20110706/259689574.html; 6.7.2011.

41) Russlands wachsende Angst vor einem Afghanistan. Debakel der NATO, http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/714970.print.do; vom 11.12.2011.

44) Afghanistan bleibt weltweit größter Opiumproduzent, http://tagesschau.de/ausland/afghanistanopium100.html; 14.12.2011.

46) Afghanistans Ex-Innenminister nennt Friedensprozess gescheitert, http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-11/afghanistan-taliban/komplettansicht; 26.11.2011.

47) Christoph Reuter: Plünderer im Auftrag der USA, http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,druck-801694,00.html, 10.12.2011.