Konfliktpotenzial, Konfliktprophylaxe und Konflikte im erweiterten Ostseeraum

 

Imbi Sooman

 

Obwohl Teil desselben Europa, schien der Ostseeraum aus mitteleuropäischer Sicht lange weit in der Ferne zu liegen. Dabei sind die zwei Regionen strukturell gar nicht so unähnlich, denn auch im Grenzgebiet Nordosteuropas finden wir durch die Geschichte eine Fülle an unterschiedlichen politischen West-Ost-Grenzen sowie eine symbolische West-Ost-Geographie, eingeflochten in gesamteuropäischer und globaler West-Ost-Politik. Da diese Politik sich nun in einer Krise befindet, ist auch der Ostseeraum als Grenzgebiet dem europäischen Bewusstsein näher gerückt.
Auch der Ostseeraum ist durch den Zusammenbruch der Sowjetmacht zur ungeteilten Region geworden. Daraus ergibt sich die Herausforderung, Integration auf nationaler, regionaler und europäischer Ebene zu schaffen.
Begegnung und Dialog sind daher angesagt, um die oft schwere - oder wenigstens komplizierte - gemeinsame Geschichte aufzuarbeiten und die gemeinsame Zukunft bewusst und v.a. friedlich gestalten zu können.
Seit dem Ende des Kalten Krieges wird die Auseinandersetzung mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts zunehmend von drei Faktoren geprägt:
der Beschäftigung mit Geschichtsgedächtnis, mit Geschichtspolitik und mit der Suche nach transnationalen sowie vergleichenden Zugängen zu bisher primär nationalgeschichtlich geprägten Perspektiven.
Auch hier wird versucht, kontrastiv und transnational vorzugehen und dabei die Geschichtspolitik besonders zu beachten.

„Das Baltikum“

„Das Baltikum“ ist nicht „neu in Europa“, muss sich uns aber heute erneut nähern, weil es für ein halbes Jahrhundert in Vergessenheit geraten war. Estland, Lettland und Litauen bestanden in der Sowjetzeit voll als Kulturnationen - was u.a. auch bedeutet, dass Estnisch, Lettisch und Litauisch auch dann Bildungs-, Wissenschafts- und Kultursprachen waren (nur in den Ämtern musste man Russisch sprechen) - und waren zudem bemüht, die Beziehungen mit und Erinnerungen an uns „im Westen“ lebendig zu halten.
Für Estland gelang der Kontakt mit dem Westen v.a. durch Finnland, aus dem eine „graue Zone“ geworden war: ein souveräner Staat, jedoch unter Kontrolle der alliierten Kontrollkommission, mit Auslieferungsgebot für sowjetische Flüchtlinge. Dies machte es möglich, für estnische Sowjetbürger ein kürzeres Visum für Helsinki zu bekommen und dort Leute aus dem westlichen Ausland zu treffen.
„Das Baltikum“. Die geographisch zusammenfassende Bezeichnung verbirgt große Unterschiede. Estland, Lettland und Litauen sind historisch, sprachlich, kulturell und religiös verschieden und haben unterschiedliche Beziehungen zueinander und zu ihren großen Nachbarn sowie unterschiedliche bevorzugte Partner in nordischen, europäischen und internationalen Gremien.
Bestimmend für die ganze Region östlich der Ostsee war zwar ab dem 18. Jahrhundert die Westorientierung Russlands - das Zarenreich nahm nach dem Nordischen Krieg (1700-1721) das gesamte Gebiet in Besitz -, aber wirkliche Gemeinsamkeiten der Geschichte traten erst nach der Oktoberrevolution (1917) hervor, als die drei Provinzen selbstständige Republiken wurden, setzten sich mit der mehr als 50 Jahre langen Zugehörigkeit zur Sowjetunion (ab 1945) fort und wurden mit der Wiederherstellung der Selbstständigkeit (1991) gekrönt.
Die erste Phase ihrer Autonomie (1918-1940) führte aber die drei Republiken nicht zusammen. Die unterschiedlichen Versuche seitens der Politik und Wissenschaft während der Zwischenkriegszeit, zwecksorientierte „Regionen“ zu schaffen, umfassten immer mehr als nur die drei baltischen Republiken und blieben zudem erfolglos (siehe dazu: Regionskonzepte der Zwischenkriegszeit). Jede Nation hatte ihr eigenes Geschichtsgedächtnis gebildet, und der Aufbau der neuen Republiken fand parallel statt.
In der Sowjetzeit galt Josef Stalins „Divide et impera“, d.h. die Beziehungen zwischen den baltischen Sowjetrepubliken wurden in jeder Weise erschwert.1) Heute sind Estland, Lettland und Litauen wieder selbstständig, und jede Nation will weiterhin die eigene Identität ausleben.

Komplizierte Bündnissituation des Nordens und Ostseeraumes

Die heutige regionale Bündnissituation für den ganzen erweiterten Ostseeraum hätte kaum gemischter sein können.
Norwegen und Island sind NATO-, aber nicht EU-Mitglieder. Finnland, Dänemark und Schweden sind EU-Mitglieder, aber die beiden Letzteren sind keine Mitglieder der Währungsunion. Schweden und Finnland sind keine NATO-Mitglieder. Die drei baltischen Staaten, Polen, Dänemark und Deutschland gehören sowohl der NATO als auch der EU an, und inzwischen sind Estland (seit 2012) und Lettland (seit 2014) auch Mitglieder der Währungsunion.
Die baltischen Staaten und Polen sind somit zum Vorposten des Westens geworden, statt früher Dänemark, und die politische West-Ost-Grenze ist Richtung Nordosten gerückt, in etwa dorthin, wo ein weniger bekanntes Schlachtfeld des Krimkrieges lag. Im Jahre 1854 beschossen Großbritannien und Frankreich die russischen Festungen Sveaborg (vor Helsinki) und Kronstadt (vor St. Petersburg) und zerstörten die Festung Bomarsund auf den Ålandinseln.
Die Åland-Konvention vom 30. März 1856 zwischen Russland, Großbritannien und Frankreich untersagte die Errichtung von Befestigungsanlagen und Marinestützpunkten sowie die Stationierung von Truppen auf den Inseln - eine Regelung, die während des Ersten Weltkrieges von Russland, Schweden und Deutschland nicht respektiert wurde. Seit 1921 gehört die Inselgruppe nach einer Entscheidung des Völkerbundes als entmilitarisierte Zone zu Finnland.
Und nicht weit weg, in der südestnischen Universitätsstadt Tartu, wurde am 25. Februar 1999 das „Baltic Defense College“ in gemeinsamer Regie von der NATO und EU mit Schweden, Dänemark und Deutschland im Beirat gegründet.2)
Es ist somit geschichtspolitisch logisch, dass US-Präsident Barack Obama gerade Estland (und dort auch die höchsten Vertreterinnen und Vertreter Lettlands und Litauens) im Zuge des West-Ost-Konfliktes und der Ukraine-Krise am 3. September 2014 besuchte (siehe dazu: West-Ost-Konflikte).

Entstehung und Entwicklung des Ostseeraums bis zum Zweiten Weltkrieg

Die Hanse

Im Gegensatz zu anderen Meeresregionen wie in etwa der Nordsee hat sich rund um die Ostsee als Binnenmeer ein historisch gewachsener Wirtschaftsraum entwickelt, der in seinem Aussehen und seinen Potenzialen einzigartig ist. Begonnen hat alles mit der Hanse, zuerst ein Kaufmannsbund und später (1250-1600) ein Städtebund, der sich auf den Ostseeraum konzentrierte. Ohne die staatliche Souveränität zu verlieren, schlossen sich Städte mit gemeinsamer Handelspolitik und gemeinsamen Privilegien untereinander zusammen.
Schon hier sehen wir deutliche Unterschiede zwischen den drei baltischen Republiken: War Tallinn eine kleine, verträumte Hansestadt, so stellte das so viel größere Riga ein Zentrum der Hanse dar, wovon die riesengroßen Gildenhäuser heute noch zeugen. In Litauen spielte die Hanse naturgemäß keine Rolle, da weder die alte Hauptstadt Kaunas noch Vilnius an der Ostsee liegen.
In Kaunas gab es nur eine kleinere Hanseniederlassung, ein so genanntes „Kontor“.

Regionskonzepte der Zwischenkriegszeit

Dass Regionskonzepte bald nach der Oktoberrevolution und der Eigenstaatlichkeit der baltischen Nationen im jeweiligen politischen Kontext als Mittel zum Zweck (starke Pufferzone zur Sowjetunion) dienen sollten und auch relativ unterschiedlich waren, zeigt der Diskurs in Mittel- und Nordosteuropa, der die Ostseeregion ab 1918 als eine kulturpolitische Region der kleinen Nationen präsentierte und mit kleinen Variationen während der ganzen Zwischenkriegszeit immer wieder aufblühte.3)
Der estnische Diplomat Kaarel Pusta teilte z.B. 1918 den Ostseeraum in Skandinavien, Ostbaltikum (Finnland, Estland, Lettland) und Südbaltikum (Litauen, Polen) ein.4) Der tschechoslowakische Philosoph und spätere Präsident Jan Masaryk wieder unterteilte die Zone der kleinen Staaten in Mitteleuropa in den Ostseeraum und den Donauraum.5) „Die Freiheit der Ostsee“ (estn. „Baltimere vabadus“) war in Estland ein allgemeines Schlagwort.
Das Zentrum des Interesses für Ostseekooperationen blieb aber in der ostbaltischen Region: Z.B. wurde 1933 eine Baltijas Ūnija (dt. „Baltische Union“) mit einer gleichnamigen Zeitschrift in Riga gegründet. Ihr Slogan „The Baltic Sea unites us and there is nothing that separates us“6) wurde auch und nur auf Englisch und Französisch (außer auf Lettisch) verbreitet.7)
Die vielschichtigen Diskussionen mündeten schließlich in dem Baltoskandia-Konzept des litauischen Professors Kazys Pakštas von 1934, an dem auch Schweden (Sten de Geer 1928) und Estland (Edgar Kant 1934, der jedoch Litauen, weil nicht protestantisch, ausschloss), beteiligt waren. Alle drei Herren waren Geographen: geographische Argumente sowie Argumente der mentalen Ähnlichkeit sollten politische Ziele verbergen. Polen war von allen Konzepten ausgeschlossen.8)

Teilung der Region durch den Zweiten Weltkrieg

Der Hitler-Stalin-Pakt (1939) setzte den Schlusspunkt für weitere Diskussionen. Estland, Lettland und Litauen grenzten nach dem Zweiten Weltkrieg (1945) jetzt als einzige neue Sowjetrepubliken direkt an den Westen. Die Grenze verlief durch die Ostsee, es gab also keinen eigentlichen „Ostseeraum“ mehr.
Finnland und Skandinavien haben die sowjetische Annexion der baltischen Staaten anerkannt. Andere, z.B. Großbritannien und USA, taten dies nicht, sondern hielten symbolische Botschaften aufrecht, die Konsularaufgaben hatten.
Die Grenze war jedoch durchlässig; seit Ende der 1960er-Jahre gab es schwedischen und finnischen Tourismus im Baltikum, und man konnte in Nordestland auch finnisches Fernsehen empfangen (in Südestland mit einem verbotenen Zusatzgerät, das jedoch nicht schwer zu basteln war).
Durch die Deportationen aus den baltischen Staaten und die Flucht nach Schweden und Finnland streckten jetzt „das Baltikum“ und der Ostseeraum ihre Finger weit in die Welt hinaus.

Ein halbes Jahrhundert später - der neue erweiterte Ostseeraum

Region-Building

Wie reagierte nun der Norden auf die Selbstständigkeit von Estland, Lettland und Litauen (1991)?
Aus „Nordens Historia“ (dt. „Die Geschichte des Nordens“,1997), vom Nordischen Ministerrat9) herausgegeben und daher wohl begründet als offizielles kultur- und wissenschaftspolitisches Signal der Region-Builder des Nordens zu betrachten, geht deutlich die Prozesshaftigkeit der Bestimmung der Ostgrenze „des Nordens“ - also die Osterweiterung „des Nordens“ - hervor.
Zehn prominente Historikerinnen bzw. Historiker, zwei aus jedem der dem Nordischen Ministerrat zugehörigen Länder (Island, Norwegen, Dänemark, Schweden und Finnland), schreiben zu „nordischen“ historischen Themen, die abschließende Landkarte über „den Norden“ inkludiert aber auch Estland, Lettland und Litauen.
Fast korrekt, denn schon 1992 waren die baltischen Staaten und Westrussland vom Nordischen Rat in der Tat zum „Nahbereich des Nordens“ erklärt worden.10) Die eigene „nordische“ Geschichte in diesem etablierten Kreis darstellen zu dürfen, dafür war es für den Nahbereich im Jahre 1997 offenbar doch noch zu früh, für einen Platz auf der neuen Landkarte reichte es gerade für die baltischen Republiken. Westrussland war nicht einmal dieser Platz gewährt worden.

Vertrauensbildende Maßnahmen

Heute integrieren aber die großen öffentlichen Projekte, wie das EU-Förderungsprogramm für die Ostsee, Interreg IV B (2007-2013),11) und das EU- Forschungsprogramm BONUS-169 zur Bekämpfung von Umweltproblemen in der Ostseeregion12) Westrussland, eine Tatsache, die heute, wenn der Dialog bedroht ist, von großer Bedeutung ist.
Mit „Frieden, Sicherheit und Stabilität in Europa“ als Ziel richtete der Nordische Ministerrat 1992 auch Nordische Informationsbüros in Tallinn, Riga und Vilnius - und später auch in St. Petersburg - ein. An den Universitäten der westrussischen regionalen Hauptstädte Pskow, Petrosawodsk, Nowgorod, Archangelsk und Murmansk wurden ab jetzt sämtliche nordischen Sprachen angeboten: Fremdsprachenunterricht als Mittel des Region-Buiding.
Auch Deutschland war aktiv: 1992 wurde auf Initiative des damaligen deutschen Außenministers Hans-Dietrich Genscher und seines dänischen Kollegen Uffe Ellemann-Jensen in Kopenhagen der Ostseerat gegründet. Dieses politische Gremium, dem alle elf Ostsee-Anrainerstaaten inkl. Russland sowie die EU-Kommission angehören, bleibt auch nach der EU-Erweiterung ein wichtiges Instrument zur Artikulation gemeinsamer Interessen der Ostseeregion gegenüber und innerhalb der EU.

Finnlands Rolle für den neuen Ostseeraum -  „die nördliche Dimension“

Die neuere Ostexpansion des Nordens war tatsächlich schon 40 Jahre früher durch die Aufnahme von Finnland (1955) in den 1952 gebildeten Nordischen Rat eingeleitet worden. Finnland war es auch, das während seiner EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 1999 als erster nordischer Staat „die nördliche Dimension“, die Integration im erweiterten Ostseeraum - v.a. die Normalisierung der baltisch-russischen Beziehungen -, hervorhob.13) „Die nördliche Dimension“ ist als konkrete Fortsetzung der schon erwähnten Erklärung vom Baltikum und Westrusslands zum „Nahbereich des Nordens“ 1992 zu sehen und bedeutet Konfliktprophylaxe, vertrauensbildende Maßnahmen. Viel Wert hat der Nordische Rat auf Kooperationen zwischen den baltischen Staaten und Westrussland gelegt, oft mit Schweden und Finnland als Mediatoren. Es ging um alles von Bildungs- und Kulturkooperation bis zu Verkehrssicherheitsmaßnahmen während der gemeinsamen dunklen Jahreszeit.
Es ist zu hoffen, dass dieses West-Ost-Netzwerk dazu beiträgt, die Dauer der aktuellen militärischen Spannungen wenigstens ein wenig zu verkürzen.

Die Achse Schweden/Estland - Idylle mit manchem Bruch

Idylle mit manchem Bruch
Das von Schweden erklärte „Year of the Baltic Countries 2000“ mit dem Ziel, die baltischen Staaten auf die EU-Mitgliedschaft vorzubereiten,14) mündete in die schwedische EU-Ratspräsidentschaft, die wieder die Osterweiterung als einen ihrer drei Schwerpunkte hatte und noch dazu in der ersten Hälfte des „Europäischen Jahres der Sprachen 2001“ lag.
Dabei wurde Estland durch die nordische Aufteilung der Verantwortlichkeiten für die baltischen Staaten Schweden zugeteilt (Lettland wurde Norwegen und Litauen Dänemark zugeordnet). Es gab gute Gründe für die Achse Schweden-Estland.
Anfangend mit der estlandschwedischen Minderheit, die 800-1200 von Schweden aus die estländischen Inseln bevölkert hat (bis 1944, als sie gemeinsam mit den Esten nach Schweden flohen), weiter gehend mit der Zeit Gustav II. Adolfs mit sozialen Reformen und Bildungsinitiativen sowie der Gründung der Academia Gustaviana (1632)15) - „die gute schwedische Zeit“ - und endend mit der ersten Phase der Estnischen Republik (1918-1939), die massiv von Schweden unterstützt wurde, war das Bild von Schweden in Estland fast gänzlich idealisierend.
Zu einem Bruch in der Beziehung führte die Estonia-Katastrophe, das größte Fährenunglück seit dem Zweiten Weltkrieg (September 1994, 852 Tote).
Schweden und Estland schoben sich gegenseitig die Schuld zu, wobei alte oder bislang verdeckte Animositäten zwischen den Nationen aufbrachen. „Die Esten haben zu lange unter russischer Knute gelebt. Sie sind genauso schlampig und faul wie die Russen“, so ein gängiger Vorwurf von schwedischer Seite. Sollte heißen: Kein Wunder, dass die Bugklappe der „Estonia“ im schlechten Wetter nicht hielt: Die Wartung war schlecht gewesen und der immer noch herrschende sowjetische Schlendrian die Ursache. „Typisch schwedische Arroganz“, wehrte man in Tallinn derartige Anschuldigungen ab. „Sie halten sich immer für die Besten.“

Stabile Entwicklung, Frieden und Neutralität: Gründe für Schwedens heutige Dominanz

Schweden exportiert selbstbewusst seine bewährte Demokratie und gute innere Organisation, die durch die lange Tradition der Volksherrschaft entstanden ist. Gemeinsames Beraten und Mitbestimmung fand vor mehr als 1.000 Jahren auf den Dorfversammlungen „ting“ (dt. Thinge) statt, und der Bauer war nie leibeigen.
Der lange Frieden hat zur Stabilität beigetragen. Im Sommer 2014 konnte Schweden 200 Jahre ohne Krieg feiern. Es gibt kein europäisches Land, das eine gleich lange ununterbrochene Friedensperiode aufweisen kann. Die Teilnahme Schwedens am Krieg gegen Napoleon 1813 und die beiden anschließenden kurzen kriegerischen Unternehmungen gegen Dänemark und Norwegen waren die letzten bewaffneten Konflikte Schwedens. Im Wiener Kongress verzichtete das Land auf seine kontinentalen Besitzungen und beendete damit endgültig die Großmachtpolitik, die man während des Dreißigjährigen Krieges begonnen hatte und die eigentlich schon unter Karl XII. bei Poltawa im Jahre 1709 zusammengebrochen war.
Seitdem war die Neutralität wichtig, an der man heute noch festhält. Der Beitritt zur NATO war lange kein Thema mehr, jetzt ist die Debatte wieder aufgeflammt. Die Armee ist eindeutig auf Verteidigung eingestellt. Es drohte einmal ein bewaffneter Konflikt, als 1905 die Personalunion zwischen Norwegen und Schweden seitens Norwegens aufgelöst wurde.

Schweden - ein guter Bündnispartner?

Heute befürwortet Schweden zwar die nordische militärische Zusammenarbeit, aber Finnland sieht Schwedens sparsame Verteidigung als abschreckendes Beispiel. Der Verteidigungsforscher Charly Salonius-Pasternak (Außenpolitisches Institut Helsinki): „Ich glaube, dass man in Finnland ganz schwer das schwedische Bild des ewigen Friedens versteht. Vielleicht glaubte man, dass sich Russland gerade zu einer westlichen Demokratie entwickelte, und deswegen müsse man sich keine Sorgen machen. Aber das ist keine Denkweise, die von Finnland geteilt wurde, und mit dem Fazit in der Hand sehen wir vielleicht, dass der Trend ganz gegensätzlich ist.“ 16)
Auch unter den schwedischen Sozialdemokraten gibt es Kritik. Z.B. meint Peter Hultqvist, dass die Russen aufrüsten und Schweden nicht. Im selben Beitrag steht, dass man 2013 in Schweden „Einwochen-Verteidigung“ diskutierte, während Russland gleichzeitig Luftangriffe auf das Land übte, und dass die staatliche Revision des Militärs im selben Jahr einen maroden Zustand aufgezeigt habe.
Laut Verteidigungsministerin Karin Enström (Konservative Partei) ist die Lage gut, und viele im Lande sehen Zusammenarbeit in den Bereichen Schlepperwesen, Flüchtlingspolitik, Umwelt, Drogen u.v.a. als die beste Verteidigung. Es gibt viele NGOs im Lande, ziviler Ungehorsam wird gepredigt. An der Abrüstungsinitiative nehmen auch ältere und durchaus etablierte Personen teil. Schwedens bekanntester Philosoph, Torbjörn Tännsjö, hat sie mit folgendem Kommentar unterzeichnet: „Viele kritisieren moralisch verkommene Regime in armen Ländern, welche die knappen Ressourcen ihrer Nationen auf Waffen verschwenden. Aber wer kritisiert jene, die Waffen verkaufen? Sie sind unserem Rechtswesen in entwickelten Ländern voll zugänglich und sollten umgehend zur Rede gestellt werden.“ 17)

Unterschiedliche Geschichtsgedächtnisse der baltischen Staaten

Wir definieren alle Geschichte anders. Für Deutschland z.B. fing der Zweite Weltkrieg mit dem deutschen Angriff auf Polen am 1. September 1939 an, für Polen begann er eine Woche früher mit dem Hitler-Stalin-Pakt und für die meisten Polen endete er nicht, wie für Deutschland, am 8. Mai 1945, sondern erst 1989, als das kommunistische Imperium in Mittel- und Osteuropa zusammenbrach.
Wegen der unterschiedlichen Geschichtsgedächtnisse bilden die Länder um die Ostsee keine Einheit; diese Region kann nicht als ein Mittelmeer des Nordens gesehen werden, da sie keine Leitkultur hat, sondern stattdessen ihre kulturelle Vielfalt. „We - the people living around the Baltic Sea - do not see our common history with the same eyes. We are happy to talk in terms of our common history but when we see it written in words we do not read the same text.“ 18)
Seit dem Spätmittelalter hatten Gelehrte und Geschichtsschreiber die Gemeinsamkeiten jener Landstriche betont, auf deren Territorium später die Republiken Estland und Lettland entstehen sollten. Sie stilisierten das Land und seine Einwohner zu einer wilden und barbarischen Peripherie, um dadurch die zivilisatorische Leistung der deutschen Ordensritter und der deutschbaltischen Kleriker und Kaufleute umso deutlicher hervorzustreichen. Die kulturellen Unterschiede zwischen Esten, Liven, Letten und Kuren19) wurden, wenn überhaupt, nur am Rande zur Kenntnis genommen, denn in jener stereotypen Erzählung von Zivilisation versus Barbarei hatte eine nuancierte Darstellung der vermeintlichen Barbaren keinen Platz.20)
Die moderne Geschichtswissenschaft tut sich mit all den kleinen, aber wichtigen Nuancen in vielerlei Hinsicht auch schwer:
Eine 1999 bis 2002 von der EU finanzierte estnisch-lettisch-litauische „Geschichte des Baltikums“21) wurde wegen Künstlichkeit, aufgezwungener Integration und widersprüchlicher historischer Narrative kritisiert.22)
Dass „von draußen“ (z.B. Deutschland) geschriebene Übersichtsdarstellungen in Bezug auf Geschichtsgedächtnis oft schwächeln, zeigt z.B. Indrek Kiveriks aufmerksame Rezension von Ralph Tuchtenhagens „Geschichte der baltischen Länder“,23) in der er u.a. bemängelt, dass die Vorgeschichte und der Verlauf des Nordischen Krieges (1700-1721), der in seiner Grausamkeit in den Geschichtsbildern der Esten und Letten eine wichtige Rolle spielt, völlig übersprungen wird,24) dass die Leibeigenschaft zu schnell abgehandelt wird25) oder dass „oberflächliche Verallgemeinerungen bei der sehr empfindlichen Frage des Holocaust im Baltikum“, wo die baltischen Staaten „in einen Topf geworfen“ werden, vorkommen.26)

Besondere Empfindlichkeiten im Ostseeraum

Einen Eklat löste die Dissertation des estnischen Historikers Magnus Ilmjärv, „Silent Submission“ (2004), aus.27) Er wirft die Frage auf, weshalb die baltischen Republiken im Herbst 1939 nicht politisch und militärisch zusammengearbeitet haben und warum sie sich im Gegensatz zu Finnland bedingungslos der Sowjetunion ergaben. Dabei geht er den Beziehungen zwischen den estnischen (Konstantin Päts), lettischen (Karlis Ulmanis) und litauischen (Antanas Smetona) Präsidenten und der Sowjetunion sowie den Kontakten der baltischen Staaten mit Großbritannien, Deutschland und Polen nach und zeigt schließlich, was die in der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre erklärte Neutralität der baltischen Staaten impliziert hat.
Ergebnis ist, dass durch die Zusammenarbeit mit Deutschland eine spätere Kompromissbereitschaft unvermeidlich war. Das nuancierte Bild der bis jetzt idealisierten Zwischenkriegszeit lehnte die Bevölkerung ab. Ilmjärv musste an der Universität Helsinki dissertieren und sein Buch in Schweden veröffentlichen.
Finnland ist aber in eigenen Sachen nicht weniger empfindlich, z.B. was die Aufarbeitung jener Zeit betrifft, während der sich Finnland in einer Allianz mit Hitler-Deutschland befand (1941-1944): Henrik Arnstads Buch „Skyldig till skuld. En europeisk resa i Nazitysklands skugga“ („Der Schuld schuldig - eine Reise durch Europa im Schatten von Nazideutschland“)28) wird als Nestbeschmutzung betrachtet. Auch in seinem Heimatland Schweden ist der etablierte Autor und Journalist umstritten.
Man ist in Finnland derart empfindlich, dass die Tatsache, dass ein Regisseur aus Kenia, Gilbert Lukalla, der 2012 einen Film über General Mannerheim (General im Karelienkrieg 1941-1944, Präsident von Finnland 1944-1946, Symbol für Tapferkeit und Mut, aber auch Hitler-nahe) mit dem dunkelhäutigen kenianischen Schauspieler Telley Savalas Otieno in der Titelrolle drehte, eine landesweite Empörung auslöste.
Der Produzent Erkko Lyytineni meint dagegen, dass Mannerheim ein zu mythischer Akteur sei, um aus dem Gesichtspunkt finnischer Kultur behandelt zu werden.29)

Was ist aus der nördlichen Dimension geworden?

Estland und Lettland

Klar ist, dass die nördliche Dimension durch die neue EU-Außengrenze und das Russland von Wladimir Putin schwer durchführbar ist. Andererseits hat aber die EU das vertrauensbildende Projekt übernommen (siehe dazu: West-Ost-Zusammenarbeit).
Das zweite und größere Problem ist, dass die neuen Region-Builders die Ablehnung Estlands und Lettlands gegenüber Russland gewaltig unterschätzt haben.
Estland und Lettland haben die ihnen von der EU nahe gelegte Rolle als Brücke zum Osten nicht akzeptiert, sondern wenden sich eindeutig dem Westen zu: Außer in der globalen Jugendkultur und in multilateralen Organisationen hat es wenig Zusammenarbeit mit Russland gegeben. Dafür Dauerkonflikte: Visa- und Zollfragen, Grenzdefinitionen, Minderheitenpolitik.30) Dazu kommt jetzt die neue große Angst, besonders in Estland, dass Wladimir Putin Nordostestland annektieren könnte.
Wegen der sowjetischen Besatzung, der Deportationen 1949 und der Industrialisierung und Russifizierung von v.a. Riga, Daugavpils und Nordostestland in den 1950er- und 1960er-Jahren (die Arbeiterinnen und Arbeiter aus Moskau bekamen im Gegensatz zu den Einheimischen gleich Wohnungen und andere soziale Vorteile) wurden die ethnischen Russen Estlands und Lettlands zum Gesicht der Zentralmacht. Seit der Selbstständigkeit wird von ihnen u.a. eine harte Staatsbürgerschaftssprachprüfung verlangt.
Der Konflikt um den Tallinner Bronzesoldaten im April 2007, ein Denkmal eines Sowjetsoldaten, das für die estnischsprachige Bevölkerung die sowjetische Okkupation, für die russischsprachige Bevölkerung dagegen die Befreiung Tallinns von Hitlerdeutschland symbolisiert, zeigte, wie schlecht es de facto um die Integration steht.
Die Verlegung des Kriegerdenkmals von der Tallinner Innenstadt zu einem Militärfriedhof am Rande der Stadt löste gewaltige Proteste aus der russischsprachigen Bevölkerung aus, ein Russe starb in den Tumulten.
Nach dem Bronzesoldaten-Konflikt steht es noch schlechter mit der Integration in Estland.31)
Es gibt eine anhaltende Diskussion über das neue Siegesdenkmal am Freiheitsplatz in Tallinn, mit dem der estnische Premier Andrus Ansip 2009 seine nationale und antirussische Politik fortsetzte. Zur Zeit der tiefsten Wirtschaftskrise wird der Sieg über Russland aus dem Jahre 1918 verehrt.
Eine von „Eesti Päevaleht“ („Estnisches Tagesblatt“) in Auftrag gegebene und am 17. Juli 2009 veröffentlichte Untersuchung zeigt, dass ganze 73% der Befragten mit estnischer Muttersprache, jedoch nur 28% derjenigen mit nicht-estnischer Muttersprache das Denkmal schön finden.32)

Litauen anders als Estland und Lettland

Die Tatsache, dass sich Russen schon seit 1795, als Litauen dem Zarentum Russland zugeschlagen wurde, im Lande befinden und dass in der Stalinzeit keine gezielte Russifizierung dieser Sowjetrepublik (von 8,5% russischer Bevölkerungsanteil im Jahr 1959 auf lediglich 9,4% im Jahr 1989) betrieben wurde, scheint - wie auch zu erwarten - für die Integration der dortigen russischsprachigen Minderheit eine positive Rolle gespielt zu haben.33)
Für die Staatsbürgerschaft dieser bis jetzt auf ca. 6% der Gesamtbevölkerung gesunkenen Minderheit gilt die „Null-Variante“ (alle ansässigen Russen wurden litauische Staatsbürger), und es gibt sowohl russische als auch polnische öffentliche Mittelschulen. Während die Zahl der Russischsprachigen in den letzten 15 Jahren deutlich zurückgegangen ist, bleibt die Zahl der Polnischsprechenden konstant. Dass die Zahl der russischen Schulen in ebendiesen 15 Jahren noch auf die Hälfte gesunken ist, verdeutlicht, dass viele Russen litauischsprachige Schulen besuchen. Viele von ihnen geben auch Litauisch als Ethnizität an und identifizieren sich mit dem Land, in dem sie leben.34)
Litauen hat auch keine Scheu vor engagierter Bildungskooperation mit und auch gegen Weißrussland. Eine in Minsk vom Philosophen Anatoli Michailow 1992 gegründete „freie Universität“, die 2001 ins Visier der weißrussischen Regierung geraten war, weil viele der Studierenden gegen Präsident Lukaschenko gestimmt hatten, und die dann, weil sie sich nicht von ihrer Regierung kontrollieren lassen wollte, im Sommer 2004 geschlossen wurde, nahm die Einladung des litauischen Parlaments an und konnte ihren Lehrbetrieb in Vilnius im Februar 2006 wieder aufnehmen. 160 Studierende reisen nun Woche für Woche mit dem Zug von Minsk nach Vilnius. Der Unterricht findet auf Russisch, Englisch, Französisch oder Deutsch statt.
Mission: „The mission of the European Humanities University is to facilitate and deepen the contribution that its students, graduates, and faculty can make to the quality and potential of their own lives and to their respective civil societies. By so doing, they contribute to Belarus and its integration into the European and global community. EHU intends to return to Belarus when it is convinced that academic freedom and the independence of the university can be assured.“ 35)
Wer weiß, dass die Beziehungen Weißrusslands mit der EU, die anfänglich gut waren, wegen Mangel an Rechtsstaatlichkeit der Russland traditionell loyalen Republik eingeschränkt wurden (Höhepunkt der Konflikte war 1998, als Lukaschenko die Ausweisung der EU-Botschafterin aus Minsk veranlasste, wonach die EU Weißrussland 2004 für grundlegende Missachtung demokratischer Standards verurteilte), versteht, dass Litauen vertrauensbildende Maßnahmen ernst nimmt.
Der Wunsch nach einer Pufferzone Richtung Osten als Teil der Motivation erinnert an Schwedens regionale Ostpolitik der Zwischenkriegszeit. Mit den Worten des litauischen Abgeordneten Jonas Čekuolis: „Wir wissen noch sehr gut, wie das ist, wenn man keine Freiheit hat. Wir verstehen, wie den Menschen in Weißrussland zumute ist. Und wir spüren einfach Sympathie für die Leute, die für ihre Freiheit kämpfen wollen. Außerdem sind sie unsere Nachbarn. Und wir wünschen uns ein demokratisches Nachbarland, das wir besser einschätzen können.“ 36) So weit der frühere Parlamentsabgeordnete (2000-2008), jetzt Deputy Chief für NDI (National Democratic Institute) in Jordanien, Jonas Čekuolis, zu Litauens Bildungskooperation mit Weißrussland.

Euregio Karelien als gelungenes Ergebnis der nördlichen Dimension

Durch die Selbstständigkeit Finnlands 1917 wurde eine Grenze durch Karelien gezogen, und es blieb finnischsprachige Bevölkerung in Russland.
Im von Finnland gestarteten „Fortsetzungskrieg“, (alt. „Karelienkrieg“ 1941-1944) nach dem Winterkrieg 1939-40 gegen die Sowjetunion wurden große Teile von Ostkarelien von Hitler-Deutschland und Finnland besetzt und darauf viele Teile Westkareliens von der Sowjetunion.
Ein Ergebnis der nördlichen Dimension und gleichzeitig ein Modell eines Grenzlandes - „Soft Border“ - ist nun die Euregio Karelia, die als erste Euregio-Region auf der Grenze zwischen EU und Russland 2004 von den Regionalverwaltungen der Kainuu-Region, Nordostbottniens und Nordkareliens auf der finnischen Seite und der Karelischen Republik auf der russischen Seite gegründet wurde und deren Aufgabe es ist, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu fördern und zu vertiefen.
Gesetzlich ist Euregio Karelia eine internationale Gemeinschaft, es gilt finnisches Gesetz auf der finnischen und russisches und karelisches Gesetz auf der russischen Seite.37)
Die Euregio Karelia hat sich jetzt schon in zahlreichen TACIS-Projekten eingebracht, z.B. in den Bereichen Informationsgesellschaft, Tourismus und Wasserversorgung, und u.a. bewirkt, dass der Grenzübergang Kuusamo-Suoperä für internationalen Verkehr geöffnet wurde.

Narva

Einst Europas schönste Barockstadt und in der Schwedenzeit (1582-1700) der Vorposten Schwedens zum Osten, ist Narva heute eine geteilte Stadt Narva-Ivangorod mit einer Festung auf jeder Seite der Brücke über den Narvafluss, der die Grenze Estlands zu Russland bildet. In Narva wohnen 95% Russischsprachige, die Arbeitslosigkeit ist groß, die sozialen Probleme zahlreich.
15 km nördlich der Stadt liegt der Kurort Narva Jõesuu (dt. „Narva Flussmündung“). Vor dem Ersten Weltkrieg erholte sich hier die Oberschicht aus Moskau, auch Puschkin und Tschaikowski. Heute lassen sich Oligarchen aus Russland Paläste bauen, aber es gibt auch Kurhotels für nordische Gäste, dazwischen Ruinen von Sanatorien aus der Sowjetzeit…
Im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise wurde Narva oft als Sicherheitsrisiko betrachtet. Das ohnehin schon „okkupierte Narva“ - hier wird auf die Mehrheit der russischsprachigen Bevölkerung (95%) dort hingewiesen - könne laut Vahur Afanasjew, Autor, Komponist und Filmemacher, im Artikel „Estland, der 51. Teilstaat der Vereinigten Staaten“ so wie die Krim eingenommen werden.38)
Die Estinnen und Esten sind mit dieser Befürchtung nicht alleine, siehe dazu u.a. die Aussage von François Heisbourg, Leiter des International Institute for Strategic Studies (ISS), der Narva besucht hatte: „Diese Leute leben nicht in Europa. Die estnische Technologierevolution ist an ihnen spurlos vorübergegangen, sie haben meistenteils keine Arbeit, die Unzufriedenheit ist groß. Und nun malen Sie sich einmal aus, von Moskau unterstützte Separatisten besetzten die Polizeistation und das Rathaus. Estlands Sicherheit wird von der NATO garantiert, deren Mitglied es ist. Aber was soll die in so einem Fall tun?“ 39)
Vahur Afanasjew ging sogar so weit, die politische Zugehörigkeit Estlands zu den USA als einzige sichere Lösung für die Zukunft zu betrachten. „Wenn die NATO den Artikel 5 anwendet, dann nur, wenn die USA Drahtzieher sind.“ 40)

Der Peipussee -Grenzsee zu Russland

Der Peipussee bildet zusammen mit seinem Abfluss in den Finnischen Meeresbusen - dem Narvafluss - eine natürliche Grenze zwischen Russland und Estland. Er ist der fünftgrößte Binnensee Europas, fast achtmal so groß wie der Bodensee. Auf dem Eis des Peipussees stoppte einst (1242) der Fürst von Nowgorod, Alexander Newski (den Beinamen Newski trug er nach seinem Sieg über die Schweden an der Newa 1240), nach einer spektakulären Schlacht das deutsche Ordensheer beim Vordringen Richtung Osten. Er wurde 1547 von der russisch-orthodoxen Kirche zum Nationalheiligen erklärt, und es gibt kaum eine größere Stadt im Baltikum, in der nicht eine russische Kirche nach ihm benannt ist.
Mitten durch den Peipussee verläuft die Ostgrenze der EU. Vor der Unabhängigkeit lebten viele Russen in der Region, und noch immer prägt die russische Kultur den Alltag. Mehr als 15.000 orthodoxe Altgläubige sind vor rund 350 Jahren in die kleinen Dörfer am 175 km langen estnischen Ufer emigriert, als der Zar die russisch-orthodoxe Kirche per Gesetz modernisierte. Bis heute bewahren sie die uralten Werte und Rituale des traditionellen orthodoxen Glaubens.
Seit der EU-Mitgliedschaft Estlands nutzen Schlepperbanden den See, um Asylsuchende aus dem Nahen Osten und Afrika über Russland nach Europa zu schleusen und Drogenkartelle verwenden ihn für ihre Transporte, was zur Zusammenarbeit zwischen der estnischen und der russischen Grenzpolizei geführt hat. Es ist sehr zu hoffen, dass die gemeinsamen Bemühungen in Ruhe und somit also ertragreich fortfahren können.

Kaliningrad

Als Litauen und Polen 2004 EU-Mitglieder wurden, geriet Kaliningrad („Kleinrussland“) in die Stellung einer Enklave. Das „Königsberg“ von Immanuel Kant, das Russlands zweiter Hafen an der Ostsee ist, wird mit eiserner Hand aus Moskau gesteuert. Da es 1996 zur Sonderwirtschaftszone erklärt wurde, ist es leichter für Ausländer, sich in Kaliningrad zu etablieren. Die Enklave ist Teil von fünf unterschiedlichen Euregios und eine Fährenverbindung mit der 50 km entfernten schwedischen Stadt Karlskrona wird geplant.
Eine eingehende Untersuchung an der Universität von Nischni Nowgorod aus dem Jahr 200641) kommt zum Ergebnis, dass es in Kaliningrad, obwohl es fünf Euregios (Baltic, Saule, Neman, Lyna-Lava und Sesupe) angehört, nicht gut steht mit den 4 F: Freiheit der Mobilität von Menschen, Waren, Dienstleistungen und Kapital. Die Euregios seien ineffizient und begrenzten sich auf bürokratischen Tourismus.
Einige ihrer Forderungen: Mehr Zusammenarbeit zwischen der regionalen Regierung und den Nachbarstaaten und Sonderstellung für Kaliningrad innerhalb Russlands in den Bereichen Zoll, Ökonomie, Steuer und Konsularfragen. Außerdem solle Kaliningrad als Pilotregion für den CES (Common Economic Space) zwischen EU und Russland funktionieren, die jetzt existierende Sonderwirtschaftszone SEZ (Special Economic Zone) von der EU und Russland gemeinsam definiert werden und ein Mitspracherecht für die NGOs eingeräumt werden.
Die militärstrategische Bedeutung der Lage Kaliningrads für Russland ist selbstredend: Während des Rüstungskonflikts mit den USA nach 2006 plante z.B. Russland Mittelstreckenraketen gerade in Kaliningrad aufzustellen als Antwort auf das von den USA geplante Raketenabwehrsystem in Ostpolen (siehe dazu: West-Ost-Konflikte).

West-Ost-Konflikte

Die Finger des West-Ost-Konfliktes strecken sich weit über diesen Raum hinaus, von Island bis zum Schwarzen Meer - Georgien -, und da hat auch Schweden unerwartet deutlich Stellung bezogen.
Als schwedischer Premierminister schloss sich Carl Bildt im 2008 nicht nur der estnischen Kritik des russischen militärischen Engagements in Georgien sehr scharf an (er verglich Russland mit Nazideutschland, was einen Boykott Schwedens seitens Russlands als Folge hatte),42) sondern äußerte sich auch kritisch gegen die Mittelstreckenraketen, die Russland in Kaliningrad als Antwort auf das Raketenabwehrsystem, das die USA 2006 in Ostpolen planten, aufstellen wollte. Als Barack Obama 2009 auf die amerikanischen Pläne verzichtete, tat dies auch Dmitri Medwedew.
Der im Sommer 2014 aufflammende Ukrainekonflikt intensivierte das Geschichtsgedächtnis der baltischen Staaten. „Wer ist das nächste Opfer von Russlands Aggressionspolitik?“
Vor dem Kurzbesuch Präsident Obamas in Tallinn am 3. September 2014 - direkt vor dem NATO-Gipfeltreffen in Glasgow (4./5. September) -, wo er auch den Präsidenten Lettlands und die Präsidentin Litauens traf, wurde in Estland mehrheitlich gewünscht, dass die NATO dauerhafte Basen in Estland einrichten solle, obwohl es den Artikel 5 im Kollektivvertrag gibt, der besagt, dass ein bewaffneter Angriff auf ein Mitglied des Paktes als ein bewaffneter Angriff gegen alle Mitglieder zu sehen ist.
Russland habe aber der Ukraine nicht offiziell den Krieg erklärt und Wladimir Putin könne deswegen ähnlich, also mittels „hybrider Kriegführung“, in Estland vorgehen, sodass der Artikel 5 nicht angewendet werden könne, fürchtete man.
Barack Obama gelang es jedoch, am 3. September in einer exzellenten, Wertschätzung und Loyalität den baltischen Staaten gegenüber ausstrahlenden und dazu mit vielen Details aus der Geschichte und Kultur Estlands gespickten Rede der politischen Spitze sowie der Bevölkerung Estlands das Gefühl der Sicherheit und Freundschaft zu vermitteln, vorläufig ohne zusätzliche militärische Hilfe in Aussicht zu stellen, neben der jetzt schon näheren militärischen Zusammenarbeit. Im Zuge der Ukrainekrise hat die NATO z.B. die Luftüberwachung im baltischen Raum verstärkt.
„Einst verloren Sie die Selbstständigkeit. Mit der Hilfe der NATO werden Sie diese nie mehr verlieren. Sie sind nicht mehr einsam“; Worte, die auch hart gesottenen Politikern Estlands laut eigener Aussage Tränen in die Augen trieben.
Obama betonte aber auch, dass er letztlich friedliche Zusammenarbeit mit Russland anstrebe. Gemeinsame Probleme gebe es ja genug, z.B. Kampf gegen die Drogenkriminalität oder Terroristen wie ISIS.
Nach dem NATO-Gipfeltreffen war man in den baltischen Staaten zufrieden.
Auf ihren sowie Polens Wunsch wurde die Einrichtung einer schnellen Eingreiftruppe - „Speerspitze“ - beschlossen, um innerhalb weniger Tage auf Bedrohungen reagieren zu können.
Wohl als Antwort darauf, jedenfalls zeitgleich mit dem NATO-Gipfel, ist der schon vor einigen Jahren von Präsident Toomas Hendrik Ilves ausgezeichnete estnische Geheimdienstler Eston Kohver am Freitag, dem 5. September, bei einem Einsatz an der russischen Grenze in Südestland nach Moskau verschleppt worden. Laut russischen Behörden ging es um Spionageabwehr auf russischem Boden. Kohver, der in Moskau in Untersuchungshaft sitzt, erwarten nun bis 20 Jahre Gefängnis.
Für weitere Kontroverse ist somit gesorgt.
In den Fragen des politischen Einflusses, des Fi­schens, des Gases, des Öls im Nördlichen Eismeer hat sich Russland Schweden, Norwegen und Island gegenüber sehr selbstbewusst geäußert. Dieser Konflikt war mit der heutigen Finanzkrise Islands vernetzt, das ja seinen Bankenboom mit russischem Kapital erzielt hatte und jetzt Russland als seinen einzigen Helfer sehen musste, eine Tatsache, die sicher die isländisch-russische Beziehung in der Arktis beeinflusst hat, indem dadurch das westliche Lager zersplittert wurde.
West-Ost-Zusammenarbeit
Schon vor der Perestrojka hat die Ostseezusammenarbeit die katastrophale ökologische Lage der Ostsee betroffen, ihre Belastung mit Schadstoffen und Blaualgenblüten sowie die Ausweitung der Sauerstoffmangelgebiete und die Zahl illegaler Ölverklappungen und Emissionen aus dem Schiffsverkehr.
Alles auch Fragen, denen sich v.a. Schweden - das letzte Mal während des Ratsvorsitzes ab 1. Juli 2009, der wieder die Ostseezusammenarbeit als Schwerpunkt nahm - widmet.
Gabriella Lindholm, schwedische Botschafterin in Wien 2000-2005, heute Vorsitzende von HELCOM (der Helsinkier Kommission für den Schutz des Ostseewassers), hat am 22. März 2011 auf der internationalen Konferenz für die Gesundung der Ostsee-Ökologie hervorgehoben, dass dank jener Arbeit, die in Russland geleistet wird, das Wasser der Ostsee trotz zunehmender Belastung immer reiner wird.43)

Die Rolle der EU

Die EU setzt auf die Ostseeregion: Das oben erwähnte transnationale Programm Interreg IV B Ostsee (2007-2013) will die Ostseeregion zu „einem besseren Ort zum Leben, Arbeiten und Investieren“ machen.
Das Programm betrifft ganz Schweden, Dänemark, Polen, Estland, Lettland, Litauen und Finnland sowie Teile Norddeutschlands. Norwegen, Weißrussland und die nordwestlichen Teile Russlands sind auch erfasst, obwohl sie nicht EU-Mitgliedstaaten sind.
Das ebenfalls erwähnte große internationale Forschungsprogramm BONUS fokussiert auf die Umwelt und Gesellschaftsentwicklung der Ostseeregion, wieder im Sinne der „Nördlichen Dimension“, d.h. einschließlich Russlands.
Es sind wichtige Programme, denn der Ost-West-Konflikt, den es in den 1990er-Jahren wirtschaftlich nicht gab - Russland war de facto bankrott und nur froh, die Europäer mit Öl und Gas beliefern zu können und im Gegenzug europäische Investoren ins eigene Land zu holen -,
ist jetzt auf europäischer und globaler Ebene verschärft und war dies schon vor der Ukrainekrise.
Die EU ist gefordert, ein Revival der Nördlichen Dimension zu fördern. Es ist zu hoffen, dass die erwähnten Entwicklungs- und Forschungsprogramme mittelfristig auch Visa-Erleichterungen mit sich bringen können, sodass auch spontanere und autonome Bildungs- und Kulturkooperationen mit Russland aufgebaut werden können und eine neue russische Mittelschicht heranwachsen kann, als Vorbereitung für die Integration Europa-Russland.
Je vernetzter die Welt wird, desto schwerer wird es, sie in Blöcken gegeneinander auszuspielen. Langfristig kann nur das Abschaffen der globalen Chancenungleichheit friedenserhaltend sein und auf die Dauer militärische Verteidigung ersetzen. Wir werden irgendwann hoffentlich eine größere und demokratischere Einheit sein, damit wir uns auf die Probleme des Überlebens auf unserem Planeten oder anderswo - der Nahrung und der Ökologie -
konzentrieren können.
Das Militär würde dann neue Herausforderungen bekommen.

Vergessen wir doch die Etiketten

Mit der Apostrophierung „Litwo! Ojczyzno moja! ty jesteś jak zdrowie;[...]“ (dt. „Lithauen! Wie die Gesundheit bist du, mein Vaterland![...]“)44) leitet der Autor Adam Mickiewicz seinen bekannten Roman „Pan Tadeusz“ (1834) ein.45)
Die Worte sind Teil von Litauens Nationalhymne geworden.
Vielleicht ist es nicht so wichtig, ob man heute Adam Mickiewicz, der sich in „Pan Tadeusz“ auf das damalige Großfürstentum Litauen - durch die Augen des politischen Exilanten gesehen - bezieht und dabei romantische Beschreibungen vom Himmel und den Wäldern im heutigen Litauen und Weißrussland gibt und die Geräusche beschreibt, die man in den Wäldern hört, in einem Land, wo die Bäume heilig waren, einen „polnischen“, einen „polnisch-litauischen“, einen „litauischen“ oder einen „weißrussisch-polnischen“ Poeten nennt. Er wurde im Dorf Zaosie im heutigen Weißrussland geboren und wuchs im polnisch-litauischen Großfürstentum, das in etwa das heutige Polen, Litauen, Weißrussland und die Ukraine umfasste, auf. Später führte ihn sein Leben in Europa herum.
Er schrieb in polnischer Sprache, gehörte einem alten litauischen Adelsgeschlecht an - der litauische Adel war zu seiner Zeit stark polonisiert - und sprach natürlich auch Polnisch. Seine Mutter hatte tatarische Wurzeln, stammte laut manchen Quellen aus einer jüdischen Familie.
Jedes Milieu, jeder Mensch, jeder Text, jedes Gemälde ändert uns, wenn wir offen und neugierig bleiben und lernen wollen statt abzulehnen, damit die Vielfalt auf unserer Erde ein bisschen länger bleiben darf.
Eine Kontaktzone für Vielfalt wäre der Ostseeraum, und die Integration dieses Raumes ist schon so weit fortgeschritten, dass die Prognose für friedliche Koexistenz sehr gut ist, solange wir nicht Russland als Problem verdrängen und nicht aufhören, den Dialog zu suchen.


ANMERKUNGEN:

1) Beispielsweise war es, wie ich bei einem Besuch im Jahre 1979 selbst erleben musste, in Tallinn nicht möglich, Telefonbücher oder Nummerninformationen für Riga oder Vilnius zu finden.
2) Das „Baltic Defence College“ (offizielles Akronym BALTDEFCOL, oft auch als BDCOL abgekürzt) ist eine multilaterale kooperative Ausbildungsinstitution für Offiziere aus den baltischen Staaten, den NATO- und EU-Mitgliedsländern, aber auch aus anderen europäischen Staaten wie der Ukraine, Moldawien, Bosnien-Herzegowina und Georgien. Für weitere Informationen vgl. http://www.baltdefcol.org, abgerufen am 19.6.2014.
3) Jörg Hackmann: Vom Objekt zum Subjekt. Kleine Nationen als konstituierender Faktor der Geschichte Nordosteuropas. In: Nordosteuropa als Geschichtsregion. Hrsg. v. Jörg Hackmann und Robert Schweitzer. Helsinki/Lübeck 2006, S.472-474.
4) Marko Lehti: A Baltic League as a Construct of the New Europe. Envisioning a Baltic Region and Small State Sovereignty in the aftermath of the First World War. Frankfurt am Main 1999, S.134.
5) Ebenda, S.166.
6) „Die Ostsee vereint uns und es gibt nichts, was uns trennt.“
7) Hackmann, a.a.O., S.471f.
8) Ebenda, S.473f.
9) Henrik S. Nissen (Hrsg.): Ur Nordens historia 1397-1997. 10 teman [„Aus der Geschichte des Nordens, 1397-1997. 10 Themen“]. Stockholm 1997.
10) Nordic Council of Ministers (Hrsg.): Working Programme for the Areas Adjacent to the Nordic Region. Kopenhagen 1998, S.4.
11) http://www.interreg.de/INTERREG/DE/Kooperationsraeume/Ostsee/ostsee_node.html, abgerufen am 19.6.2014.
12) http://www.bonusportal.org, abgerufen am 19.6.2014.
13) Utrikesutskottets betänkande 8/2000 rd. Verfügbar unter http://www.eduskunta.fi/triphome/bin/thw.cgi/trip/?${APPL}=utpub&${BASE}=faktautpub&${THWIDS}=0.47/1403184227_333295&${TRIPPIFE}=PDF.pdf, abgerufen am 19.6.2014.
14) Utrikesdepartementetet (Hrsg.): The Year of the Baltic Countries. Stockholm 2000. Verfügbar unter http://www.regeringen.se/content/1/c6/09/82/59/2693806d.pdf, abgerufen am 19.6.2014.
15) Die spätere Universität Tartu.
16) http://www.svt.se/nyheter/sverige/svenskt-forsvar-avskrackande-exempel, abgerufen am 19.6.2014. Eigene Übersetzung.
17) http://avrusta.blogspot.com/.../svenska-vapen-skjuter-ner-egyptiska.html, abgerufen am 21.6.2014. Eigene Übersetzung.
18) Hans Lepp: The Baltic Sea - a Multi-Cultural Meeting Place. In: Kulturelle Vielfalt im Ostseeraum. Hrsg. v. Imbi Sooman und Erwin Uhrmann. Wien 2002, S.20.
19) Die finnisch-ugrischsprachigen Liven (an den Küsten des heutigen Lettland) und die baltischsprachigen Kuren (im Süden des heutigen Lettland) zählen neben Esten und Letten zu den indigenen Ethnien des Ostbaltikums.
20) Vgl. Stefan Donecker: The Medieval Frontier and its Aftermath. Historical Discourses in Early Modern Livonia. In: The „Baltic Frontier“ Revisited. Power Structures and Cross-Cultural Interactions in the Baltic Sea Region. Hrsg. v. Imbi Sooman und Stefan Donecker. Wien 2009.
21) Zigmantas Kiaupa u.a.: Geschichte des Baltikums. Tallinn 2002.
22) Vgl. Indrek Kiverik: Rezension zu Ralph Tuchtenhagen: Geschichte der baltischen Länder (2005). In: Forschungen zur baltischen Geschichte 3 (2008), S.256.
23) Ralph Tuchtenhagen: Geschichte der baltischen Länder. München 2005.
24) Kiverik, a.a.O., S.257.
25) Ebenda, S.258.
26) Ebenda, S.259f.
27) Magnus Ilmjärv: Silent Submission. Formation of Foreign Policy of Estonia, Latvia and Lithuania. Period from mid-1920s to Annexation in 1940. Stockholm 2004. Vgl. Imbi Sooman: The Bronze Soldier in Tallinn. A Reminder of the Lack of Common History. In: The „Baltic Frontier“ Revisited. Power Structures and Cross-Cultural Interactions in the Baltic Sea Region. Hrsg. v. Imbi Sooman und Stefan Donecker. Wien 2009, S.278.
28) Henrik Arnstad: Skyldig till skuld. En europeisk resa i Nazitysk­lands skugga [„Der Schuld schuldig - eine Reise durch Europa im Schatten von Nazideutschland“]. Stockholm 2009.
29) Kaarel Arb: Pisut teistmoodi Mannerheim [„Mannerheim ein bisschen anders“]. In: Postimees, 4.10.2012, S.15.
30) Iris Kempe: Die baltischen Staaten, Russland und die EU. Regionale Konflikte als europäische Aufgabe. In: Osteuropa 2/2008.
31) Sooman a.a.O.; Kempe a.a.O, S.54.
32) http://uudised.err.ee/v/varia/749afBb2-9145-4a56-a9a1-9bc36ba2dBcB, abgerufen am 20.6.2014.
33) Imbi Sooman: Aktuelle historische Konfliktpotentiale im Ostseeraum. In: Geschichtspolitik im erweiterten Ostseeraum und ihre aktuellen Symptome. Hrsg. v. Oliver Rathkolb und Imbi Sooman. Göttingen 2011, S.13.
34) Roger Reidinger: Spielarten der sprachlichen Emanzipation. Zur Sprachensituation in Litauen, in der Ukraine und in Norwegen unter Berücksichtigung des Schulwesens. In: Transformationsprozesse im Ostseeraum und die osteuropäische Erfahrung. Hrsg. v. Imbi Sooman. Wien 2005.
35) „Die Mission des Europäischen Humanistischen Instituts ist, die Beteiligung zu vertiefen, die ihre Studierenden, Alumni und Lehrenden an der Qualität und den Möglichkeiten des eigenen Lebens und an ihren respektive Zivilgesellschaften haben können. Dadurch tragen sie zu Weißrussland und seinem Image in der europäischen und globalen Gemeinschaft bei. Die EHU hat die Absicht, nach Weißrussland zurückzukehren, wenn sie überzeugt ist, dass akademische Freiheit und die Unabhängigkeit der Universität gewährleistet werden kann.“ http://www.ehu.lt, abgerufen am 20.6.2014.
36) Im Telefongespräch mit Imbi Sooman am 30. September 2014.
37) „Euregio Karelia - as a tool for civil society“ - project. http://gov.karelia.ru/News/2001/0518_01a_e.html#05, abgerufen am 21.6.2014.
38) Vahur Afanasjew: Eesti - Ameerika Ühendriikide 51. osariik [„Estland, der 51. Teilstaat der Vereinigten Staaten“]. In: Eesti Express, 3.9.2014, S.20.
39) Gero von Randow: Kreml, Krieg und Käse. In: Die Zeit, 14.8.2014, S.3.
40) Afanasjew a.a.O.
41) Alexander Sergunin und Alexey Tyazhov: Kaliningrad, Euroregions and 4Fs (Freedoms) in the Baltic Sea Region/Four Reasons why the „Four Common Spaces“ will fail. Nizhny Novgorod 2006.
42) http://www.aftonbladet.se/nyheter/article15497158.ab, abgerufen am 22.6.2014.
43) Vgl. http://german.ruvr.ru/2011/03/22/47804367, abgerufen am 20.6.2014.
44) Übersetzt von Siegfried Lipiner (siehe Fußnote 45).
45) Vollständiger Titel: „Pan Tadeusz, czyli ostatni zajazd na Litwie“ [„Herr Thaddäus oder der letzte Einritt in Litauen“]. Übersetzt von Siegfried Lipiner. Leipzig 1882.