Politische Theorie des Krieges bei Carl von Clausewitz und Carl Schmitt aus russischer Sicht (Teil 1)

Vasily K. Belozerov

 

Die gegenwärtige Politik wird in der globalen, regionalen und innenstaatlichen Dimension immer dynamischer. Das gilt auch für ihre militärischen Erscheinungsformen, eben das, was man unter „Krieg“ versteht. Reaktionen der wissenschaftlichen Gemeinschaft - in- und auch außerhalb Russlands - zu diesen Prozessen sind im Zunehmen, was aber fehlt, ist deren Integration in die Prozesse der aktuellen Erkenntnismethodologie.
Ein solcher Prozess könnte eine Zunahme des wissenschaftlichen Interesses an den Ideen zweier deutscher Denker zur Folge haben, nämlich Carl von Clausewitz und Carl Schmitt und deren Erkenntnissen über Politik und Krieg.
Eine Herausgabe bzw. Neuherausgabe ihrer Werke erfolgte nun in Russland, wie auch Aufsätze und Diskussionsmaterialien beider Theoretiker. Dies ist verständlich, gilt doch das Werk Clausewitz‘ über den Krieg schon längst als „klassisch“, und Schmitt ist ein wichtiger Autor für die Themen Politik und Geopolitik.
Dabei blieb bisher ein Vergleich der Ansichten beider Denker außerhalb des wissenschaftlichen Interesses der Forschung. Eine entsprechende Analyse könnte die synthetische Wahrnehmung ihrer Ideen über den Zusammenhang zwischen Krieg und Politik begünstigen. Eine solche Studie würde zur Entwicklung einer ganzheitlichen politischen Kriegstheorie („Politologie des Krieges“) beitragen, aber nach wie vor gibt es in Russland keine derartige Theorie. Der Vergleich von Betrachtungen - wie jene von Clausewitz und Schmitt - wäre auch in methodologischer Hinsicht sehr interessant, weil ein solcher zum theoretischen Instrumentarium moderner politischer wie auch militärpolitischer Prozesse gehören könnte.
Da es nunmehr, unter den gegebenen völkerrechtlichen Bedingungen, kaum mehr „offiziell“ erklärte Kriege gibt, bedeutet die Ablehnung und Verneinung des Krieges an und für sich noch nicht, dass er deswegen aus dem politischen Alltag verschwindet, es ändert sich nur die Terminologie. Krieg ist bekanntlich ein Zustand, der einen Gegensatz zum Frieden bildet. Aber die Interessen der Aufrechterhaltung des Friedens verlangen Verständnis dafür, was es an möglichen Vorgängen geben kann - vom bewaffneten Zwischenfall bis zur extremen Erscheinungsform, dem totalen Vernichtungskrieg, womit sich auch Fragen stellen, wie Krieg verhindert werden kann.

Vorbemerkungen

Zunächst sei festgehalten, dass in Russland Untersuchungen, die den politischen Anschauungen Clausewitz’ gewidmet sind, fehlen. Damit verarmt die Wahrnehmung seines umfassenden schöpferischen Nachlasses. Meistens liegen Nacherzählungen seiner Biographie und einzelner Thesen aus seinem Buch „Vom Kriege“ vor. Es gibt ganz wenige Werke, wo die politische Problematik ausführlich behandelt wird, weil Clausewitz für die Wissenschaftler in Russland in der Vergangenheit nicht vorrangig war.
Zu Clausewitz gibt es einige herausragende Werke: „Das Leben und die Werke von Clausewitz“ von Andrej Snesarew («Жизнь и труды Клаузевица», ein Buch, das bereits 1924 geschrieben, aber erst 2001 veröffentlicht wurde); „Clausewitz“ von Alexander Swetschin (1935) und das in der UdSSR veröffentlichte Buch des deutschen Schriftstellers Franz Fabian „Feder und Schwert. Carl Clausewitz und seine Zeit“ («Перо и меч. Карл Клаузевиц и его время», 1956). Das heiβt, dass seit dem Erscheinen dieser Arbeiten ungefähr 60 Jahre vergangen sind. Andererseits sind die so oft aufgelegten ins Russische übersetzte Ausgaben von Clausewitz nur Neudrucke. Die anderen wichtigen Werke von Clausewitz bleiben für die russischen Leser unzugänglich. Die Übersetzung dieser Bücher ins Russische soll realisiert werden.1)
Da die obengenannten Werke von Snesarew und Swetschin über Clausewitz viel Information aus einer großen Zahl fremdsprachiger Quellen umfassen, waren viele von ihnen nicht verfügbar, u.a. infolge des Verlustes dieser Quellen. Diese beiden Autoren waren in der UdSSR den politischen Repressionen in den 1930er-Jahren unterworfen.
Außerdem sind viele deutsche Untersuchungen über die politischen Ideen von Clausewitz in Russland unbekannt. Dabei muss man feststellen, dass in einer Reihe von Werken, einschließlich der obengenannten Bücher, die Frage nach den politischen Anschauungen von Clausewitz nur selten ausführlich behandelt wurde. In Russland ist der Zugang zu solchen Untersuchungen allerdings erheblich erschwert. Zuerst bestand das Problem darin, dass Übersetzungen nicht vorhanden waren, dann, dass das Interesse der russischen Fachleute an Clausewitz eher sehr lau war bzw. man wenig Interesse für solche Fragen zeigte.2) Sogar die Bücher von maßgeblichen Autoren über Clausewitz, wie jene von Werner Hahlweg, sind nie ins Russische übersetzt worden.
Unter den Büchern, die im Ausland veröffentlicht wurden, verdient eine Anzahl besondere Beachtung, so das Sammelwerk „Freiheit ohne Krieg? Beiträge zur Strategie-Diskussion der Gegenwart im Spiegel der Theorie von Carl von Clausewitz“, das die deutsche Clausewitz-Gesellschaft e.V. vorbereitet hat.3) In diesem Werk sind mehrere Artikel veröffentlicht: Raymond Aron „Zum Begriff einer politischen Strategie bei Clausewitz“ (S.42-56), Manfried Rauchensteiner „Betrachtungen über die Wechselbeziehung von politischem Zweck und militärischem Ziel“ (S.57-74), Ulrich de Maizière „Politische Führung und militärische Macht“ (S.91-109), oder P. Paret „Die politischen Ansichten von Clausewitz’“ (S.333-349). Schon die Benennungen der Artikel des Sammelbandes helfen bei der Erfassung des politischen Nachlasses des deutschen Philosophen. Außerdem setzte sich die Forscherin Beatrice Heuser mit den Vorstellungen von Clausewitz über die Welt, Gesellschaft und den Krieg auseinander.4)
Ein Vergleich der Ansichten von Clausewitz und Schmitt über den Krieg, die Politik und das Politische ist, wie angeführt, von russischen Forschern noch nicht gezogen worden. Schmitts Selbstbesinnung zu Clausewitz’ Ideen bleibt noch abseits des wissenschaftlichen Interesses. Diese Lücke muss noch gefüllt werden.
Eine vergleichende Analyse zu Krieg und Frieden bei Clausewitz, Engels und Schmitt erfolgte von Herfried Münkler.5) Auch untersuchte der Politikwissenschaftler und Militärsoziologe Dietmar Schössler das politische und militärische Denken bei Clausewitz, Engels und Mahan.6) Auch Beatrice Heuser, mit dem Hinweis auf Schmitts Zuneigung zum Nationalsozialismus, erwähnt dessen „Anpassungen“ an die Ideen von Clausewitz.7) Es gibt auch andere Werke, die der Analyse verschiedener Aspekte des Ideennachlasses beider Denker gewidmet sind, u.a. in Bezug zur Gegenwart.8) Dabei ist fast das einzige russischen Lesern zugängliche Werk - in dem Standpunkte von Clausewitz und Schmitt verglichen werden - das eines Vertreters der französischen „Neuen Rechten“, Alain de Benoist,9) das vor Kurzem auf Russisch herausgegeben wurde.
Schließlich muss man bei der Gegenüberstellung, Analyse und Synthese der Ansätze von Clausewitz und Schmitt auf einen Umstand der ethischen Eigenschaft hinweisen. Man warf Schmitt zu Recht vor, seine Äußerungen zum Nationalsozialismus seien diesen verherrlichend und überdies antisemitisch. Kein Wunder, dass mehrere deutsche Forscher bei der Charakterisierung der Ideen Schmitts auf solche Ansichten immer wieder hinweisen. Dabei kommt man nicht umhin zu bemerken, dass einige Wissenschaftler geneigt sind, auch im Hauptwerk von Clausewitz einiges zu finden, das auf antisemitische Ansichten hindeutet. So weist Hew Strachan auf Clausewitz’ Vorfahren hin, und so gebe es inhärenten Antisemitismus im Kapitel 23 des Sechsten Buches des Werkes „Vom Kriege“.10)
Diesen Umständen muss man heute mit Verständnis begegnen, sie prägten die Weltsicht von Clausewitz und Schmitt und deren Positionen zu Politik und Krieg in den jeweiligen vergangenen Epochen. Jedoch können die „unkorrekten“ Ansichten, die heutzutage unannehmbar erscheinen, kein Grund sein, den wesentlichen und heuristischen Beitrag der beiden Wissenschaftler zur politischen Theorie zu negieren. Es scheint auch kontraproduktiv zu sein, den umfassenden schöpferischen Nachlass von Schmitt ausschließlich wegen seiner politischen Haltung und Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten in den 1930er-Jahren zu verwerfen. Schmitt war zweifellos ein leidenschaftlicher Kritiker der westlichen demokratischen Staatsordnung. Es gibt auch keinen Grund, den Nachlass von Clausewitz abzulehnen, zum Beispiel aus Rücksicht darauf, dass seine Ideen vom Nationalsozialismus benutzt und von Hitler zitiert worden sind. In diesem Zusammenhang sei angemerkt, dass die Frage nach dem historischen Schicksal der Lehre Clausewitz’ einer besonderen Durchforstung wert wäre, aber hier nicht erörtert werden soll.

Clausewitz’ Reflexion: Vom Krieg zur Politik

Zur eindeutigen und bekannten Erkenntnis des Primats der Politik gegenüber dem Militär bzw. Krieg gelangte Clausewitz nicht von Anfang an, sondern erst in den letzten Jahren seines Lebens. Diese wichtige Tatsache ist allen westlichen Forschern und Autoren (u.a. auch Hew Strachan) bekannt, findet allerdings keinen Niederschlag in den russischen Büchern und Artikeln zur Strategie.
Bekanntlich arbeitete Clausewitz an seinem Buch „Vom Kriege“ sehr lange, nämlich von 1818 bis 1830, und in dieser Zeit hat er auch andere militärhistorische Schriften verfasst, von denen einige sogar in der Zeit der Sowjetunion veröffentlicht wurden. Die Wichtigkeit dieser Werke sollte man nicht unterschätzen, weil sie sich objektiv nicht mit der einfachen Aufzählung und Beschreibung von Tatsachen begnügen, sondern weiterführende kritische Gedanken beinhalten und Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge aufzeigen.
Der politische Hintergrund der Kriegsereignisse war schon damals im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von Clausewitz. So beginnt er sein Buch, das 1823-1824 geschrieben wurde, über die Katastrophe Preußens infolge der Niederlage bei Jena 1806 mit entschlossener Feststellung einer für die oberste Staatsgewalt vernichtenden Tatsache: Preußen „sei in seinen Formen untergangen“.11) Es sei hier angemerkt, dass es damals nicht üblich war, ein Buch mit solcher Erklärung zu beginnen und eine eigene kritische Meinung zum politischen Zustand eines Staates so offen zum Ausdruck zu bringen. Das erforderte Mut, denn in diesen Jahren saß König Friedrich Wilhelm III. ebenso wie vor zwanzig Jahren auf dem Thron.
Ganz gesetzmäßig ist, dass in einer bestimmten Zeitperiode die Quantität der überarbeiteten Information über den Krieg und alles, was mit ihm verbunden war, in eine neue Qualität der Betrachtung, in die Wahrnehmung der Wirklichkeit unter einem anderen Blickwinkel überging. Die Analyse der Fachliteratur zeigt auch, dass in Russland wohl nur der hervorragende Militärtheoretiker und Clausewitz-Biograph Alexander Swetschin es wagte, auf diese Zusammenhänge deutlich hinzuweisen, etwa als er in seinem Buch über Clausewitz anmerkte: „Der Standpunkt Clausewitz’ in einigen Fragen, beispielweise hinsichtlich der doppelten Art des Krieges in Abhängigkeit von der Absicht - Niederwerfung des Gegners oder begrenztes Ziel -, wandelte sich im Verlauf der vierzehn Jahre, die er für die Fertigstellung des Werkes benötigte … Ihm war bewusst, dass es notwendig war, das Werk noch einmal zu überarbeiten. Von 124 verfassten Kapiteln erkannte er nur das erste als wirklich abgeschlossen an“.12) Außerdem behauptete Swetschin: „Das Werk von Clausewitz beinhaltet drei hauptsächlich philosophische Teile und fünf Teile, in denen einzelne Fragen des Krieges von Clausewitz auch in strategischer Hinsicht betrachtet werden“.13) Swetschin stellte fest, dass das Achte Buch nach den anderen Büchern verfasst wurde und dass in diesem „die Gedanken von Clausewitz den höchsten Grad an Klarheit erreichen und damit eine gesonderte Synthese der fünf eigenständigen Elemente der Strategie vorliegen würde. Oftmals kehrt Clausewitz im Achten Buch zu Fragen zurück, die bereits im Ersten Buch aufgeworfen wurden, beleuchtet diese aber bedeutend klarer und deutlicher“.14) Dabei weist Swetschin wiederholt auf den synthetischen Charakter des Achten Buches hin und hält dieses für ein besonderes Meisterwerk des Autors. Wie Clausewitz selbst schreibt, wollte er im (allerdings unvollendeten) Achten Buch „die politische und menschliche Seite des Krieges noch besonders“ erläutern.15)
Der synthetische Charakter der Clausewitz’schen Theorie des Krieges wird durch dessen Betrachtung als politisches Phänomen ermöglicht. Swetschin bleibt aber bei der einfachen Feststellung jenes wesentlichen Umstands, dass die erst später verfassten Bücher des Werkes „Vom Kriege“ von besonderem Wert sind. Hier wäre zu betonen, dass das Werk von Alexander Swetschin „Die Strategie“ zum ersten Mal in der UdSSR 1926 erschien und zu Recht als eine Weiterentwicklung der Idee von Clausewitz über den Krieg zu betrachten wäre.
Um die Entwicklung der Ideen von Clausewitz, mit der Dialektik von Krieg und Politik, mit dem Verstehen von Logik, dem Folgen seiner Gedanken zu erfassen, ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass verschiedene Bücher des Werkes „Vom Kriege“ in verschiedenen Zeitperioden16) geschrieben wurden. Das hatte Clausewitz selber betont, als er im Jahre 1827 in der verfassten Einleitung („Nachricht“) schrieb: „Ich betrachte die ersten sechs Bücher, welche sich schon ins reine geschrieben finden, nur als eine noch ziemlich unförmliche Masse, die durchaus noch einmal umgearbeitet werden sollten. Bei dieser Umarbeitung wird die doppelte Art des Krieges überall schärfer im Auge behalten werden, und dadurch werden alle Ideen einen schärferen Sinn, eine bestimmte Richtung, eine nähere Anwendung bekommen.“17)
Unter dieser Doppelheit meinte Clausewitz zwei verschiedene Arten der Gewaltanwendung: eine „unbeschränkte“ und eine „beschränkte“.
Als Clausewitz über diese Pläne sprach, redete er nicht über kosmetische Veränderungen im Text oder editorische Korrekturen, sondern über die Notwendigkeit, das ganze Buch zu überarbeiten. Nur das erste Kapitel des Erstens Buches hatte er, wie schon angeführt, als wirklich vollendet betrachtet. Das zeigt seine Intention, danach das gesamte Werk neu zu strukturieren, so wird es „…wenigstens dem Ganzen den Dienst erweisen, die Richtung anzugeben, die ich überall halten wollte“.18)

Die Deutungsversuche von Clausewitz

Nichtsdestoweniger kann man auch heute Behauptungen finden, in denen die Hinweise von Clausewitz auf sein methodologisches Kredo aus verschiedenen Gründen gänzlich ignoriert werden.19) Um solch ein Verhältnis zu seinem schöpferischen Erbe zu verstehen, muss man berücksichtigen, dass es in dem unvollendeten Werk viele technisch-militärische Erscheinungsformen gibt, die gerade in der ersten Phase der Ausarbeitung des Werkes geschrieben wurden. In den Jahren der Konzeption seines Werkes gab es eine technische Weiterentwicklung, die er versuchte, auch inhaltlich einzufangen.
Das Bestreben, die Besonderheit der Methode und die Logik von Clausewitz zu verstehen, ist manchmal durch Hinweise auf enge, spezielle militärische Fragen unterbrochen, wie Kräftekonzentration, Märsche, Manöver, Versorgung der Truppen usw. So sind die bildhaften und zuweilen sarkastischen Anmerkungen von Martin van Creveld anzuführen: „Vielen Lesern, Militärs wie Laien, mag die Frage nach dem wahren Wesen des Krieges akademisch erscheinen. Sie bevorzugen Kochbücher mit Rezepten, die ihnen sagen, was unter welchen Umständen und mit welchen Hilfsmitteln zu tun sei.“20) Und für die russische Ausgabe hat Martin van Creveld noch besonders hinzugefügt: „Es gibt keinen Mangel an solchen Kochbüchern, vielmehr gibt es so viele, dass, wenn diese Bücher auf der ‚Titanic‘ verschifft worden wären, das Schiff ohne Eisberg versunken wäre.“21)
Die Bildung einer ganzheitlichen politischen Theorie des Krieges ist doch bis heute erschwert, weil der Krieg ein äußerst dynamisches und veränderliches Phänomen ist. Clausewitz beschreibt den Krieg in dem breitesten Spektrum, lässt seine Äußerung in einer sehr spezifischen Form zu. Der Forscher stellt die Frage, ob „dieser Akt je einen Augenblick stillstehen“ kann.22) Nach den Ergebnissen seiner Lösung kommt er zum Schluss, dass dieser Prozess ein ununterbrochener ist. Für eine Analyse der modernen Kriege muss man daher jene Schlussfolgerung von Clausewitz berücksichtigen, die besagt, dass es wichtig ist, die wirklichen und nicht die abstrakten Kriege zu untersuchen. In dieser Hinsicht nennt Clausewitz den Krieg als ein „wahres Chamäleon, weil er in jedem konkreten Falle seine Natur etwas ändert.“23)
Darüber hinaus macht man Clausewitz sogar in Deutschland ungerechterweise den Vorwurf, durch eine übermäßige textliche Nutzung eines „philosophischen Nebels“, der für sein Hauptwerk charakteristisch ist, seine politischen Ideen verschleiert zu haben. Dabei geht es um die Zusammenhänge von Politik, Gesellschaft und Staat aus der Sicht von Clausewitz.24)
In Russland wurde ursprünglich im Unterschied zum Ausland der Wert von seinem politisch-philosophischen Erbe besonders geschätzt - darunter der so genannte „philosophische Nebel“.25) Es ist kein Zufall, dass der Berufsrevolutionär Lenin in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg besonders aus dem Achten Buch viele Auszüge machte, v.a. aus dem Abschnitt „B“ des sechsten Kapitels („Der Krieg ist ein Instrument der Politik“) und dieses mit einem Vermerk „das allerwichtigste Kapitel“ bezeichnete.26)
Dass Clausewitz seine Absichten hinsichtlich der Umarbeitung des Werkes „Vom Kriege“ ankündigte, zeigt überzeugend sein Streben, die überlegten politischen Ideen noch mehr klarzulegen.Wie die modernen Forschungen zeigen, war seine bekannte These über den „Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ schon bei der Vollendung der Arbeit bekannt geworden.27) Die Durchführung seiner Absichten konnte durch die wesentliche Reduzierung des Umfanges so über den Verzicht auf die Darlegung der fachmilitärischen Fragen gewährleistet werden. 1816 (nach anderen Angaben im Jahre 1818) äußerte Clausewitz die Absicht, die Kernaussagen seiner Arbeit, somit „den Geist in ein kleineres Volumen zu konzentrieren“, dabei eigene Gedanken in präzisen Sätzen zu fassen: „Ich dachte mir, solche kurze, sentenzreiche Kapitel, die ich anfangs nur Körner nennen wollte, würden den geistreichen Menschen anziehen ebenso sehr durch das, was weiter aus ihnen entwickelt werden konnte, als durch das, was sie selbst feststellten; es schwebte mir also ein geistreicher, schon mit der Sache bekannter Leser vor“.28) Es ist somit nicht schwer festzustellen, dass das erste Kapitel des Ersten Buches des Werkes „Vom Kriege“ gerade auf solche Art und Weise geschrieben wurde, kurz gefasst und dennoch umfangreich, unter Beachtung des inhaltlich „vorbereiteten“ Leserpublikums.
Eine solche Darstellung der Gedanken und Schlussfolgerungen wurde als Ergebnis des Strebens nach Systematisierung der Kenntnisse über den Krieg ermöglicht. Hew Strachan meint, dass gerade deshalb „das erste Kapitel des Ersten Buches sich von allem anderen im Werk ‚Vom Kriege‘ unterscheidet: Es stellt somit eine Synthese dar“.29)
Die Vorbereitung zur solchen Art der Darlegung der Gedanken erforderte eine beachtliche Zeitspanne. Kein Wunder, dass es Clausewitz letztlich nur gelang, ein Kapitel in diesem Sinne zu vollenden. Man sollte auch erwähnen, dass gerade dieses Kapitel unter anderem mit großem Abstand zu den meisten Zitierungen geführt hat.

Die Politisierung des Denkens von Clausewitz

Bis 1812 hielt Clausewitz in der Allgemeinen Kriegsschule in Berlin Vorlesungen über den „kleinen Krieg“, was ihm umgehend den Ruf als Theoretiker einbrachte. In diesem Jahr beobachtete er außerdem ein einziges Mal in seinem Leben einen wirklich großen Krieg. Bei Beginn seiner Unterrichtstätigkeit hatte er schon die Kraft des Widerstands des spanischen Volkes gegen die französischen Okkupanten und dessen Folgen erkannt. In der Ausgabe der Werke von Clausewitz, die in Deutschland in den 1960er-Jahren veröffentlicht wurde, umfassen seine Vorlesungen über den kleinen Krieg circa 400 Seiten.
Sogar unter Berücksichtigung, dass es hauptsächlich um die Handlungen der regulären Truppen geht, unterschied sich die Taktik der regulären Verbände nicht wesentlich von jenen von Insurgenten, also Truppen, die aus dem Volk herkommend rasch aufgestellt wurden. Außerdem wirken solche Verbände gegebenenfalls koordiniert: Clausewitz hielt die Wechselwirkung zwischen den spanischen Insurgenten und den in Portugal stehenden subsidiären englischen Truppen für sehr effizient.30) Insgesamt ist es, wie die militärpolitische Praxis zeigt, schwierig, beide Phänomene getrennt voneinander zu betrachten.
Die Entwicklung der Ideen von Clausewitz in Richtung Politik geschah allmählich, dafür aber konsequent. Wenn er beispielsweise in den ursprünglich geschriebenen Kapiteln das Hauptziel im Niederwerfen der gegnerischen Streitkräfte sah, unterschied er später neben der politischen und militärischen Dimension auch die psychologische, geistige und willensrelevante Dimension des Krieges. Im Endergebnis erkannte er, dass unter bestimmten Gegebenheiten der Hauptzweck einer militärischen Aktion in der Eroberung der Hauptstadt liegen könnte oder in der Ausschaltung der politischen Führung.
Und nachdem er die Kampagne von 1812 erfasst hatte, gelangte er zur Überzeugung, dass verlorene Schlachten, der Verlust des Territoriums und der Hauptstadt in einem Land wie Russland nur der Prolog zum Widerstand gegen einen Aggressor sein werden.31) Vieles spricht allerdings dafür, dass sich die Ansichten von Clausewitz während des Schreibens seines Werkes verändert hatten, etwa durch
- die Definition des Wesens des Krieges (und des Sieges in einem Krieg) mit der nachfolgenden Durchsetzung des Willens auf den Feind, v.a. durch die Niederschlagung seines Widerstandswillens. Diesem Ansatz entspricht die militärische Krafteinwirkung auf den Gegner und dessen politische Führung;
- die Idee, die zwar nicht so klar artikuliert und genug entwickelt ist, nämlich dass Krieg nicht nur einer zwischen den Staaten ist, sondern auch zwischen Sozialgruppen und Gemeinschaften;
- die Auffassung, den Krieg in einem viel breiteren Spektrum zu sehen, einmal durch die angestrebten Zielsetzungen (auch begrenzte), dann durch die gebrauchten Mittel, die Anwendung von Gewalt usw. Clausewitz war nah bei der Erkenntnis, dass der Krieg nicht nur mittels Militärgewalt geführt wird;
- die Schlussfolgerung über die Variabilität des Krieges in verschiedenen historischen Epochen und die Feststellung seiner Abhängigkeit von der Besonderheit der ihn führenden Personen und deren soziokulturellen und vielen anderen Eigenheiten;
- die Auffassung der Politik, in der verschiedene gesellschaftliche Verhältnisse zusammengeschlossen sind, als eine Determinante des Krieges zu erkennen.
Jede aus den oben genannten Positionen lässt den Schluss zu, das Buch „Vom Kriege“ aufmerksam zu lesen. Das fällt allerdings nicht jedem leicht, und der Inhalt erlaubt außerdem unterschiedliche Interpretationen. Aber schon damals warnte Clausewitz vor Missdeutungen seiner Worte und führte aus, was er unter der „Vernichtung“ der Streitkraft des Feindes versteht, dass nämlich die feindliche Armee „in einen solchen Zustand versetzt werden (muss), dass sie den Kampf nicht mehr fortsetzen kann“.32)
Um eine weit verbreitete Meinung nur zur physischen Vernichtung des Feindes zu dementieren (obwohl Clausewitz eine solche Möglichkeit nicht ausschließt), ist es angebracht, seine Gedanken über den Krieg zu zitieren: „Ist nun das Ziel des kriegerischen Aktes ein Äquivalent für den politischen Zweck, so wird er im allgemeinen mit diesem heruntergehen, und zwar umso mehr, je mehr dieser Zweck vorherrscht; und so erklärt es sich, wie ohne inneren Widerspruch es Kriege mit allen Graden von Wichtigkeit und Energie geben kann, von dem Vernichtungskriege hinab bis zur bloßen bewaffneten Beobachtung.“33)

Krieg ohne Militärgewalt als Fortsetzung der Politik

Clausewitz als echter Philosoph des Krieges verwies auch auf die Wahrscheinlichkeit eines Krieges, der im Rahmen der besonderen Politik geführt wird: „Nur insofern man unter Politik nicht eine allgemeine Einsicht, sondern den konventionellen Begriff einer der Gewalt abgewendeten, behutsamen, verschlagenen, auch unredlichen Klugheit versteht, könnte die letzte Art des Krieges ihr mehr angehören als die erstere.“34)
Nach der Meinung von Clausewitz ist es möglich, folgenderweise einen politischen Opponenten zu beeinflussen: „Nun kommen wir aber noch auf ein eigentümliches Mittel, auf die Wahrscheinlichkeit des Erfolges zu wirken, ohne die feindliche Streitkraft niederzuwerfen, nämlich solche Unternehmungen, die eine unmittelbare politische Beziehung haben. Gibt es Unternehmungen, die vorzugsweise geeignet sind, Bündnisse unseres Gegners zu trennen oder unwirksam zu machen, uns neue Bundesgenossen zu erwerben, politische Funktionen zu unserem Besten aufzuregen usw., so ist leicht begreiflich, wie dies die Wahrscheinlichkeit des Erfolges sehr steigern und ein viel kürzerer Weg zum Ziel werden kann als das Niederwerfen der feindlichen Streitkräfte. … Daß diese beiden Gegenstände wegen der verschiedenen Bedeutung auch hier nicht allemal mit der gleichnamigen bei einem anderen Zweck zusammenfallen, wird sich bei näherer Betrachtung von selbst ergeben. Daß die Unterschiede meistens nur gering sein werden, darf uns nicht irremachen, denn in der Wirklichkeit entscheiden oft bei schwachen Motiven die feinsten Nuancen für die eine oder andere Modalität der Kraftanwendung. Uns kommt es hier nur darauf an, zu zeigen, daß unter Voraussetzung gewisser Bedingungen andere Wege zum Ziele möglich, kein innerer Widerspruch, kein Absurdum, auch nicht einmal Fehler sind.“35)
Clausewitz hat in seinen Betrachtungen solche Kriege (Kriegsdrohungen) zugelassen, „…die in bloßer Bedrohung des Gegners und in einem Subsidium des Unterhandelns bestehen.“36) Und wie fast zwei vergangene Jahrhunderte zeigen, ist die Feststellung von Clausewitz keineswegs ungültig, weil „…der Krieg und die Gestalt, welche man ihm gibt, … aus augenblicklich vorhergehenden Ideen, Gefühlen und Verhältnissen“ hervorgehen.37) Es ist klar, dass alle Anklagen wegen des vermeintlichen „Blutdurstes“ von Clausewitz entweder gekünstelt und spekulativ sind oder aus dem unaufmerksamen Lesen seiner Werke entstehen.
Die Politisierung der Ansichten von Clausewitz wurde wiederum durch ein volles und endgültiges Eindringen der Volksmassen in den Krieg möglich, ein Vorgang, der sich ja vor seinen Augen abspielte. Dieses Eindringen passierte in vielen Formen, und diese Tatsache konnte er nicht ignorieren.38) Also entwickelte sich bei Clausewitz die Auffassung, dass das Phänomen des Krieges bei dessen politischen Determinanten liegt und nicht bei der Beschreibung von Kleinigkeiten (wie taktischen und anderen Vorgängen).
In der Schlussetappe des Schaffens des Werkes „Vom Kriege“ wurde das Bestreben, alles Geschriebene zu synthetisieren zum dominanten Merkmal von „Vom Kriege“. Clausewitz wollte Grundlagen finden, die seine Sicht der doppelten Art der Kriegführung stützen sollten.
Die Lösung dieses Problems hat zwangsläufig zur Betonung der Politik als dominanten und konstanten Faktor geführt, was die ganzheitliche Wahrnehmung der Kriegsrealität sicherte. So kann die entscheidende Wirkung, wie Clausewitz festgestellt hatte, nur von der Politik kommen.
Man kann daher mit Sicherheit behaupten, dass „der spätere“ Clausewitz zu der festen Überzeugung kam, den Schritt von der Schaffung einer allgemeinen Kriegstheorie zur politischen Theorie des Krieges zu vollziehen, weil diese letztlich unausweichlich war. Der Einblick in die Logik und Philosophie des Krieges führte geradezu zur politischen Philosophie des Krieges. Ohne den Bezug zur Politik wären die Werke von Clausewitz nur eine einfache Beschreibung vergangener Kriegsereignisse oder komplexe Vorschriften für die Befehlshaber und Truppen.
Die Metamorphose bestätigend und die Besonderheiten seiner Methode beschreibend, lenkt der Professor an der Universität Wien, Christian Stadler, die Aufmerksamkeit auf die folgende Tatsache: „Clausewitz ‚befreit‘ den Krieg von den Uniformen und führt ihn aus den geschlossenen Kasernen hinaus auf das politische Parkett.“39) Es bleibt hinzuzufügen, dass die Volksmassen, laut Clausewitz, in dieses politische Feld von sich aus, und recht drastisch, und mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen, eingetreten sind. Und von nun an ist es unmöglich, deren Rolle zu ignorieren.

Der Krieg in seinem breiten Spektrum

Nur unter dem Eindruck dieses Phänomens konnte man sagen, dass Kriege „das ganze Dasein der Völker umfassen“.40) Clausewitz kommentierend bemerkte Alexander Swetschin später, dass vor dem Siebenjährigen Krieg (1765-1763) traditionell „zwei Kriegsämter eigentlich einen Krieg führten. Das Volk nahm an diesem Krieg nicht teil, und die Duelle der beiden Armeen konnten nur durch Kriegs-, i.e. taktische Gründe, reguliert werden. Die ganze Entwicklung der Kriegskunst wurde in der neuesten Zeit auf das Vernichten von solchem Kriegsseparatismus gerichtet. Den Ausdruck ‚Jetzt kämpfen nicht Armeen, sondern Völker‘ muss man v.a. als die Verwandlung von militärischen Aktionen in die Situation verstehen, wo sich alle politischen, wirtschaftlichen, klassenbedingten Interessen, die es in diesem Staat gibt, widerspiegeln, und als die Behauptung, dass die Verhaltensweise im Kriege nie gefunden werden kann, wenn wir nur von Kampfvoraussetzungen ausgehen und die gemeinsamen Interessen, die den Krieg bestimmen, nicht berücksichtigen“.41)
Die Kenntnisnahme der Werke von Clausewitz lässt die Behauptung zu, dass der Kriegseintritt der breiten Volksmassen diesen umfassend verändert hat. Es erwies sich, unter dem Eindruck des Enthusiasmus und der Kriegserfolge des begeisterten Massenheeres, wie etwa des revolutionären Frankreichs, dass die Verwirklichung der Idee eines „Bürgers in Waffen“ das Kriegführen veränderte. Andererseits hatte Clausewitz später die Möglichkeit gehabt, die Ergebnisse der massiven Partisanenbewegung in Russland zu sehen.
Clausewitz wusste auch über die Kraft und den Erfolg des breiten Volkswiderstandes gegen die französischen Truppen in Spanien, „weil… die Spanier durch ihren anhaltenden Kampf gezeigt haben, was Nationalbewaffnung und Insurrektion im großen vermögen“.42)
Letztens verglich er die Stellungnahme der Bevölkerung und der politischen Führungsschicht in seiner Heimat mit anderen Ländern. Und zur Enttäuschung von Clausewitz fiel der Vergleich nicht zugunsten seiner Landsleute aus. Jedenfalls müssen alle weiteren Vorgänge als Folge der Französischen Revolution gesehen werden.
Die Überlegungen einer Einbeziehung des ganzen Volkes in den Krieg - im Ergebnis der Revolution - führte Clausewitz zur Selbstbesinnung auf die Gefahr der möglichen zerstörenden Folgen für die Politik, falls sich das Element der Feindseligkeit vom eingegrenzten Rahmen freimacht. Dann werden alle möglichen Mittel eingesetzt, und der Krieg wird eine absolute Gestalt erlangen.
Einen wichtigen Beitrag zur politischen Theorie leistete Clausewitz durch die Trennung des wirklichen Krieges vom absoluten Krieg. Auf Grundlage dieses Ansatzes umfasste er das Phänomen des Krieges im ganzen Spektrum mit Rücksicht auf den Grad des Gewalteinsatzes, auf Mittel, Ziele und Ergebnisse des Krieges.
In diesem Zusammenhang kann man den vorurteilsbeladenen Einschätzungen über den preußischen Philosophen des Krieges nicht zustimmen. So war nach der Ansicht des russischen Militärschriftstellers und Emigranten Anton Kersnowski Clausewitz „der größte von Barbaren“, „der größte Barbar des 19. Jahrhunderts“, der Begründer der menschenfeindlichen Theorie des Vernichtungskrieges und der Irrlehre.43)
Dies war allerdings eine Fehldeutung, denn in Wirklichkeit bevorzugte Clausewitz überwiegend in den Kategorien des von der Politik begrenzten Krieges zu denken. Deshalb hatte der Kenner seiner Werke Werner Hahlweg allen Grund zu behaupten: „Clausewitz ist der Anwalt einer ‚politischen‘ Kriegführung, des Vorherrschens der politischen Denkweise bei der Führung des Krieges gegenüber der militärischen.“44)
Es sei betont, dass die Werke von Clausewitz eine wesentliche Erweiterung des Verständnisses der Kriegsursachen mit sich brachten, dass Krieg v.a. ein politisches Phänomen ist, ein Phänomen mit allerdings komplizierten Begleitumständen. Besonders die Berücksichtigung des jeweiligen politischen Faktors lässt die Entstehung von Kriegen gut erklären. In einem Brief, der vom Dezember 1827 datiert, schreibt Clausewitz in diesem Zusammenhang: „Der Krieg ist nichts als die Fortsetzung der politischen Bestrebungen mit veränderten Mitteln. ... Durch diesen Grundsatz wird die ganze Kriegsgeschichte verständlich, ohne ihn ist alles voll der größten Absurditäten.“45)
Dieser Ansatz ließ ihn für die militärpolitische Realität zu wichtigen Schlussfolgerungen kommen, so über die Frage des Verhältnisses zwischen politischen Anordnungen und der Militärstrategie. Clausewitz kam zur Schlussfolgerung, dass sich die militärstrategische Denkweise den politischen Verordnungen strikt unterstellen muss. Dazu bemerkte Alexander Swetschin: „Als Clausewitz drei mögliche Kombinationen zwischen dem politischen und dem bedingt vorgegebenen ‚militärischen‘ Gesichtspunkt - Politik sich unterordnen, Politik nicht berücksichtigen, sich der Politik unterordnen - analysierte, kam er zum Schluss, dass die einzige mögliche Lösung wäre, militärische Denkweise den politischen Erfordernissen unterzuordnen, denn nur in diesem Fall soll die Kriegführung einem Monolith ähnlich sein, ohne irgendwelcher Brüche“.46)
Das verlangte die Schaffung einer neuen ausführlichen Konzeption des Krieges, die auch die laufenden Veränderungen berücksichtigt, was Clausewitz allerdings nicht untersuchte. Aber er gab zu: „Daß Kriege, welche mit der ganzen Schwere der gegenseitigen Nationalkraft geführt werden, nach anderen Grundsätzen eingerichtet sein müssen als solche, wo alles nach dem Verhältnis der stehenden Heere zueinander berechnet wurde, ist leicht einzusehen.“47)
Leider gelang es Clausewitz nicht, für den kompetenten Leser seine damals zweifellos revolutionären Gedanken bis zum Ende auszuformulieren, eben „ein erträgliches Ganzes… welches einen kleinen Oktavband bildete“, schriftlich zu verfassen und „alles Gewöhnliche, was sich von selbst versteht, hundertmal gesagt, allgemein angenommen ist“.48) Nichtsdestoweniger ist seine politische Kriegstheorie nachgefragt, trotz der erstaunlichen Entwicklung der Mittel des bewaffneten Kampfes seit damals.

Preußisch-staatliches Denken Clausewitz’ in der Schätzung von Schmitt

Clausewitz imponierte Schmitt nicht nur als Theoretiker, der an die traditionellen Ansichten über die dominierende Rolle des Staates für den geordneten Gang des politischen Lebens der Gesellschaft festhielt, sondern auch als Person, die seiner Heimat Preußen bis zum Ende treu ist. Schmitt betont ausdrücklich diesen jeweiligen Umstand: „Die politische Einheit, in der Clausewitz denkt, ist und bleibt der Staat, und zwar sein eigener konkret existierender Staat.“49) Bekanntlich meinte Clausewitz zwar, der Staat sei v.a. ein Subjekt des Krieges, gerechterweise muss aber darauf hingewiesen werden, dass es schwierig ist, in seinem Zeitalter anders zu denken und andere Alternativen zu finden.
Es ist zu bemerken, dass Schmitt, der eine Überempfindlichkeit zu den verwendeten Begriffen hatte, in seinem Artikel, der Clausewitz gewidmet wurde, ihn als „den preußischen Offizier“ zu nennen bevorzugte. Im Unterschied zu dem Philosophen Fichte, der nach der Vereinigung aller Deutschen auf dem Grund des Kampfes gegen den Franzosen strebte, ist Clausewitz dagegen „in seiner ganzen Existenz reiner Preuße, nicht nur seiner Herkunft nach und nicht nur als preußischer Offizier“.50) Somit legt Schmitt die politische Identität Clausewitz’ gerade durch seine Ergebenheit zu Preußen, aber nicht Deutschland, das als einheitlicher Staat erst einige Jahrzehnte später gebildet wurde.
Die Ansichten von Clausewitz über den Krieg und die Streitkräfte wurden von seiner Bildung, Berufsausbildung und Zugehörigkeit zum Berufsoffizierskorps bestimmt. Wie Schmitt bemerkte, erklärt dieser Umstand die Grenze seines Denkens.51) Deshalb sollte der Partisan in den Augen von Clausewitz ein Kämpfer sein, der nur eine Hilfsrolle spielen sollte. Seinerseits war Schmitt selbst, mit den Realitäten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zusammenstoßend, gezwungen, den Eintritt der nichtstaatlichen Subjekte (wie NGOs, Partisanen, Terroristen) in die Politik und in den Krieg zur Kenntnis zu nehmen.

Schmitts Reflexion: Von der Politik zum Kriege

Im Gegensatz zu Clausewitz entwickelte sich die Gedankenarbeit von Carl Schmitt über Politik und Krieg auf einer völlig anderen Basis, auch in einer anderen Reihenfolge. Allerdings konnte Schmitt der Selbstbesinnung der geistigen Leistungen seines Landsmannes nicht entkommen.
Trotz der Tatsache, dass der Krieg direkt oder indirekt in vielen Werken Schmitts präsent ist, gibt es wenig unmittelbare Erwähnungen von Clausewitz und seiner Ideen, auch nicht in seinem Werk „Völkerrechtliche Großraumordnung mit Interventionsverbot für raumfremde Mächte“.
In seinem Beitrag „Reichsbegriff im Völkerrecht“, der 1941 erschien - wird Clausewitz nur einmal erwähnt. Die zahlreichen deutschen und italienischen Staaten des 18. und 19. Jahrhunderts wurden, wie Clausewitz anschaulich aufzeigte, als die kleinen und mittleren Gewichtssteine zur Ausbalancierung zwischen den Großmächten benötigt.52) Jedoch erfordern gerade diese einzelnen Erwähnungen ein aufmerksames Durchlesen der Texte von Clausewitz.
Die politische Situation hatte sich in den 1960er-Jahren so weit verändert, dass Schmitt sich an Clausewitz anlehnen und seine Ansichten wie auch die Folgen ihrer Umsetzung ausführlich analysieren konnte. Der starke Einfluss von Clausewitz ist etwa im Werk „Begriff des Politischen“ und auch in „Theorie des Partisanen“ erkennbar. In der „Theorie des Partisanen“, wie auch im neu herausgegebenen Artikel „Begriff des Politischen“ (erschienen 1963) sind ebenfalls Ideen von Clausewitz erkennbar.
Vier Jahre später schrieb Schmitt einen Artikel, den er Clausewitz direkt widmete: „Clausewitz als politischer Denker. Bemerkungen und Hinweise“. Dieser Artikel wurde 1967 in der Zeitschrift „Der Staat“ (Nr. 4, mit deutlich konservativer Ausrichtung) veröffentlicht. Schmitt hatte den Artikel über Clausewitz und den Beitrag „Theorie des Partisanen“ zwar annähernd zur gleichen Zeit verfasst, doch wurde dieser erst nach dem bekannten Gespräch mit Joachim Schickel (1969) über die Partisanen herausgegeben.53)
Bekanntlich hat Schmitt die wesentlichen Sätze seiner Konzeption des „Politischen“ v.a. im Artikel „Begriff des Politischen“ und auch in „Theorie des Partisanen“ (mit dem speziellen Untertitel „Zwischenbemerkung zum Begriff des Politischen“) dargelegt. Daher wurde die Bezugnahme auf das Phänomen des Krieges durch die Notwendigkeit des Bezuges zum Politischen untermauert.
Die Entwicklung der Ansichten Schmitts über den Krieg kann man in verschiedenen Ausgaben des Werkes „Begriff des Politischen“ nachvollziehen. Dieser Artikel ist ein Werk, das in drei verschiedenen Fassungen (1927, 1932, 1933) erschien.54) Ursprünglich, wie in der Ausgabe von 1927 gezeigt wurde, sieht Schmitt den Krieg ziemlich traditionell, nur als bewaffneten Kampf zwischen den Staaten (Völkern) als logische Subjekte der Politik.
Der deutsche Forscher Heinrich Meier hatte festgestellt, dass Schmitt in der Ursprungsfassung des Artikels „Begriff des Politischen“ von 1927 siebenundsiebzigmal vom „Krieg“ spricht, dafür fehlt aber das Wort „Bürgerkrieg“.55) Außerdem sah Schmitt innenpolitische Konflikte nur in Zusammenhang mit den Folgen eines äußeren Krieges.
In „Begriff des Politischen“ konnte Schmitt einen Kommentar der klassischen Formel von Clausewitz, dass der Krieg die Fortsetzung der Politik ist, nicht vermeiden. Außerdem interpretiert er diese Formel nun neu: „Der militärische Kampf selbst ist, für sich betrachtet, nicht ‚die Fortsetzung der Politik mit andern Mitteln‘, wie das berühmte Wort von Clausewitz meistens unrichtig zitiert wird, sondern hat, als Krieg, seine eigenen, strategischen, taktischen und anderen Regeln und Gesichtspunkte, die aber… voraussetzen, dass die politische Entscheidung, wer der Feind ist, bereits vorliegt.“56)

Schmitt und „Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“

Schmitts Interpretation der bekannten Formel von Clausewitz erfordert einen Kommentar:
Die Behauptung über ein falsches Zitieren erweckt in diesem Fall eine gesetzmäßige Frage für jeden, dem das Werk „Vom Kriege“ gut bekannt ist. Es ist schwierig, diesen berühmten Satz von Clausewitz anders zu zitieren oder zu übersetzen (Richtig: „Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“), ohne den Sinn zu verdrehen. Wie kann man daher die Worte Schmitts in Anbetracht seines erhöhten Sprachgefühls und Engagements für die präzisen Formulierungen und Definitionen erklären? Man muss berücksichtigen, dass Schmitt, dem Clausewitz zweifellos imponierte hatte, in seiner Formel das Wort „Krieg“ nun erweitert anwendet.57)
Es ist zu berücksichtigen, dass Schmitt seine Definition des Politischen „weder bellizistisch oder militaristisch, noch imperialistisch, noch pazifistisch“ sehen wollte.58) So erklärte Schmitt, die Aberkennung der Einschränkung des Wesens des Krieges „nur“ als Instrument der Politik, um sein alternatives Verständnis des Krieges als Perspektive, Voraussetzung der Politik zu sehen, wäre zu eng. Außerdem betont Schmitt den Primat der Politik: Der Soldat muss sich nach der von Politikern getroffenen Entscheidung richten, wer der Feind ist und gegen wen man kämpfen muss. Das wäre allerdings Clausewitz mit anderen Worten.
Es gibt auch eine andere Erklärung, nämlich dass Schmitt hier ein Denkfehler unterlaufen wäre. Er hat vielleicht die Politik mit dem Krieg verwechselt.59) Bei dieser Interpretation, wenn man die Wörter in der richtigen Reihenfolge ordnet, stellt sich heraus, dass Schmitt etwa Folgendes schreiben musste:
- Der militärische Kampf selbst ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.
- Der Krieg als politisches Phänomen hat seine eigenen strategischen, taktischen und anderen Regeln und Gesichtspunkte.
Zugleich muss man bei Schmitt dessen Hermeneutik beachten, etwa, dass im Originaltext die verwendete Argumentation eine Fußnote hat, die in den russischen Ausgaben vom „Begriff des Politischen“ (wie alle anderen Fußnoten) weggelassen wurde. Hier erklärt Schmitt seinen Gedanken:
„Clausewitz (Vom Kriege, III. Teil, Berlin 1834, S.140) sagt: ‚Der Krieg ist nichts als eine Fortsetzung des politischen Verkehrs mit Einmischung anderer Mittel‘. Der Krieg ist für ihn ein ‚bloßes Instrument der Politik‘. Das ist er allerdings auch, aber seine Bedeutung für die Erkenntnis des Wesens der Politik ist damit noch nicht erschöpft. Genau betrachtet ist übrigens bei Clausewitz der Krieg nicht etwa eines von vielen Instrumenten, sondern die ‚Ultima Ratio‘ der Freund- und Feindgruppierung. Der Krieg hat seine eigene ‚Grammatik‘ (d.h. militär-technische Sondergesetzlichkeit), aber die Politik bleibt sein ‚Gehirn‘, er hat keine ‚eigene Logik‘. Diese kann er nämlich nur aus den Begriffen Freund und Feind gewinnen, und diesen Kern alles Politischen offenbart der Satz 8.141: ‚Gehört der Krieg der Politik an, so wird er ihren Charakter annehmen. Sobald sie großartiger und mächtiger wird, so wird es auch der Krieg, und das kann bis zu der Höhe steigen, wo der Krieg zu seiner absoluten Gestalt gelangt‘. Auch zahlreiche andere Sätze beweisen, wie sehr jede spezifisch politische Erwägung auf jenen politischen Kategorien beruht, insbesondere z.B. die Ausführungen über Koalitionskriege und Bündnisse (a.a.O. S.135 ff.) und bei H. Rothfels, Carl von Clausewitz, Politik und Krieg, Berlin 1920, S.198, 202“.60)
Was Schmitt meinte, als er von einem falschen Zitieren Clausewitz‘ sprach, könnte nur er selbst erklären. Es ist jedoch klar, dass er einen der wichtigsten Grundsätze von Clausewitz über den Krieg nicht verneint.

Betrachtungsunterschiede zum Krieg bei Schmitt und Clausewitz

Später erschienen Interpretationen der Publikationen von Schmitt, etwa zum „Erbe von Clausewitz“. Der Gründer und Theoretiker der französischen Bewegung „Neue Rechte“, Alain de Benoist, glaubt, dass Schmitt deswegen nicht Clausewitz folgte, weil dieser die Formel, den Krieg nur als Fortsetzung der Politik zu sehen, für unzureichend hielt.61) Nach der Ansicht von Benoist, die auf der Grundlage einer Untersuchung der Ansätze von Schmitt und Clausewitz entstand, setzt der Krieg insofern die Politik fort, als sie Feindschaft impliziert, „darüber hinaus habe er jedoch einen eigenen Blickwinkel und eigene Regeln“.62)
Alain de Benoist stimmt Schmitt zu, dass eine politische Entscheidung dem Krieg immer vorausgeht, die darauf hinweist, wer der Feind ist. Der französische Forscher zieht die Bilanz, dass Schmitt eine Position ergreift, „die der Clausewitz’ nahekommt, sich aber nicht mit ihr deckt, sondern sie vielmehr ergänzt und über sie hinausgeht. Clausewitz sieht das Politische am Krieg, Schmitt das Konfliktträchtige an der Politik“.63)
Man kann die vorgeschlagene Auslegung des Verhältnisses der Ansichten von Clausewitz und Schmitt nicht bedingungslos akzeptieren, v.a., weil Clausewitz den Krieg als ein unteilbares Phänomen, das durch die Politik determiniert ist, als ihren untrennbaren Teil sieht. Daher ist es unberechtigt, vom eigenen Wesen des Krieges zu sprechen.
Der Krieg, wie Clausewitz selbst im Achten Buch seines Hauptwerks ausführt, hat zwar seine eigene Grammatik, aber keine eigene Logik. Darüber hinaus darf man die Ansichten der „zwei Carls“ nicht als vertikal organisierte, hierarchische oder strikt geordnete Beziehungen vergleichen, sondern muss sie als gleichbedeutende und sich gegenseitig ergänzende Phänomene sehen.
In der Wirklichkeit konzentrierte sich Schmitt, ohne jeden Versuch Clausewitz zu widerlegen, nur auf jene Thesen, die mit dem Krieg selbst verbunden waren und die auch nötig waren, um den Inhalt des Begriffs des Politischen darzustellen. Gleichzeitig warnte Schmitt vor der Gefahr der Abhandlung des Krieges, unabhängig von der Politik.
Clausewitz‘ Formel wurde auch genutzt, um die Rolle des Phänomens des Krieges im Politischen zu bestimmen und festzulegen: „Der Krieg ist durchaus nicht Ziel und Zweck oder gar Inhalt der Politik, wohl aber ist er die als reale Möglichkeit immer vorhandene Möglichkeit, die oft das menschliche Handeln und Denken bestimmt und dadurch ein spezifisch politisches Verhalten bewirkt.“64) Aus dieser Anschauung lässt sich ebenfalls weder eine Widerlegung von Clausewitz konstruieren noch eine Theorie, die Clausewitz derogieren könnte.
Man kann daher festhalten, dass der Krieg eine erzwungene, allgegenwärtige, immanente „Fernsicht“ der Politik ist. Dabei ist der Krieg für Schmitt ein Grenzbegriff, anhand dessen man ihn als Ausnahmefall sehen kann, der den Zustand der politischen Beziehungen zu den anderen Mächten kennzeichnet, dessen Eintrittswahrscheinlichkeit weder die Führung noch das Volk außer Acht lassen darf.
Streng genommen sind in dieser Frage die Ansichten von Schmitt und Clausewitz gleichlautend. Bekanntlich wies Clausewitz konsequent darauf hin, dass der Krieg ein Sonderfall der Politik ist. Die ganze Eigenartigkeit des Krieges besteht in den eingesetzten Mitteln: „Der Krieg ist ein Instrument der Politik; er muss notwendig ihren Charakter tragen, er muss mit ihrem Maße messen; die Führung des Krieges in seinen Hauptumrissen erfolgt daher durch die Politik selbst, welche die Feder mit dem Degen vertauscht…“65)
Bei Fortsetzung des Gedankens von Clausewitz könnte man auch die Schlussfolgerung ziehen, dass der Umtausch der Feder in das Schwert sowie die Demonstration der Möglichkeit eines solchen Umtausches fast immer einen Platz in der Politik hat. Gleichklingend sind auch die Auswertungen beider Denker in Bezug auf den Charakter der Beziehung der gegenüberstehenden Subjekte in der Politik und im Krieg. Laut Clausewitz gilt: „Wir sagen also, der Krieg gehört nicht in das Gebiet der Künste und Wissenschaften des Lebens. Er ist ein Konflikt großer Interessen, der sich blutig löst, und nur darin ist er von den anderen verschieden. … Das Wesentliche des Unterschiedes besteht darin, daß der Krieg keine Tätigkeit des Willens ist, die sich gegen einen toten Stoff äußert … sondern gegen einen lebendigen, reagierenden.“66) Tatsächlich schreibt Schmitt über dasselbe, wobei er seine Reflexion auf die Entgegenstellung von Freund und Feind baut und sich bei der Bestimmung der Spezifität der politischen Beziehungen auf die maximal mögliche Verschärfung der Widersprüche in den verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens stützt.
Es soll jedoch beachtet werden, dass wegen der Definition des Krieges als politische Voraussetzung, v.a. im Zusammenhang mit dem Zurückführen des Krieges auf das „Politische“ und wegen der Bewertung von Freund und Feind, Schmitt regelmäßig kritisiert wird.
Die volle Ablehnung seiner Erläuterungen, die ja der Theorie von Clausewitz folgen, und die geforderte physische Vernichtung des Feindes hat auch der Professor der Universität Heidelberg, Heimo Hofmeister, präzisiert: „Freund und Feind sind Kategorien des Krieges und nicht der Politik. Die Politik kennt den Gegner als Konkurrenten, aber nicht als einen Feind, dessen Leben von vornherein dem Tod verfallen gilt.“67) Wenn Hofmeister, gleichzeitig mit Clausewitz und Schmitt, über das Verstehen des Krieges als eine Möglichkeit der Konfliktaustragung spricht, meint er allerdings: „Die Gefahr, die vom Krieg ausgeht, dass seine Grammatik zur Logik wird, verbietet, ihn als eine politische Möglichkeit, zwingt vielmehr, ihn als eine Unmöglichkeit zu denken.“68) Das ist allerdings eine völlig andere Sichtweise, die Clausewitz kritisiert, aber nicht widerlegt.
In der Fachliteratur werden Befürchtungen über die praktischen Auswirkungen des Begriffs des Politischen von Schmitt geäußert. Eine solche Folge ist beispielsweise der absolute Krieg: „Die Zuspitzung des Krieges auf eine Freund-Feind-Unterscheidung, in welcher der Feind die eigene Existenz zu negieren bestrebt ist, führt zur Annäherung an den absoluten Krieg.“69) Der deutsche Schriftsteller und Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, Michael Mertes, glaubt, dass der von Schmitt formulierte Antagonismus zwischen Freund und Feind „schließlich zum Bürgerkrieg führen soll: entweder ich den Feind vernichten werde, oder er mich vernichten wird“.70)
Die angeführten Einschätzungen sind tatsächlich ein Hinweis auf die Realität bzw. eine Verwirklichung der theoretischen Konstruktion von Schmitt, gerade in seiner extremen, radikalen Form. Die Autoren der zitierten Urteile - bewusst oder unbewusst, aber ohne Wiedergabe der Argumente - enthalten sich allerdings einer finalen Darstellung, wie und warum die „militärische Bedrohung“, die im Gegenüber von Freund und Feind liegt, in der Praxis auch gegeben ist. Ignoriert wird auch die Tatsache, dass das Politische, laut Schmitt, ohne die gleichzeitige Existenz von Freund und Feind unmöglich ist und die Vernichtung des Letzteren auch zum Verschwinden des Politischen führt.
Das Zurückführen des Politischen ausschließlich auf die instrumentelle „Funktion des Krieges“ ist sein übermäßig vereinfachtes Verständnis zu dieser Frage. Man kann rechtmäßig behaupten, dass das Konzept des Krieges von Clausewitz und der Begriff des Politischen von Schmitt auf die Anerkennung von politischen Beziehungen als Subjekt-Subjekt-Beziehungen aufgebaut sind, dass beide aus rechtlicher Sicht gleichbedeutende Subjekte sind. Für das Politische ist, laut Schmitt, die Anwesenheit beider Subjekte notwendig: des Freundes und des Feindes gleichzeitig, weil der Unterschied zwischen Freund und Feind die politische Existenz eines Volkes begründet.
Zugleich, unter Berücksichtigung der Wahrscheinlichkeit des Krieges, schaffen die Gesellschaft und der Staat eine militärische Organisation, die eine Konzentration von geistigen und anderen Ressourcen braucht. Der Unterhalt von Streitkräften wird mit der Notwendigkeit der Vorbereitung und Führung des defensiven und offensiven Krieges oder seiner Verhinderung begründet, das heißt, von der Möglichkeit, militärische Gewalt anzuwenden.71) Das Ergebnis einer dauernden Gefahr eines Krieges hat auf jede Gesellschaft und ihre politische Organisation Konsequenzen. Dazu meinte Luis Silva Santisteban: „Das Phänomen des Krieges hat einen entscheidenden Einfluss auf das politische System nicht nur, wenn er ausgebrochen ist, sondern auch im Frieden“.72)
(Wird fortgesetzt)


ANMERKUNGEN:
1) Siehe etwa: Carl Clausewitz. In:. Politische Schriften und Briefe. Hrsg. von Hans Rothfels. - München: Drei Masken, 1922.
2) Dem Autor sind folgende Werke bekannt, die in Deutsch herausgegeben sind: Hartmut Boehme: Krieg und Zufall. Die Transformation der Kriegskunst bei Carl von Clausewitz. In: Transformation der Antike. Berlin 2011; Freiheit ohne Krieg? Beiträge zur Strategie-Diskussion der Gegenwart im Spiegel der Theorie von Carl von Clausewitz. Hrsg. von der Clausewitz-Gesellschaft, Bonn, Dümmlers Verlag, 1980; Clausewitz in Perspektive. Materialien zu Carl von Clausewitz: Vom Kriege. Mit einer Einleitung von Günter Dill. Hrsg. von Günter Dill, Frankfurt a.M., 1980; Klaus Juergen Gantzel: Der unerhörte Clausewitz. In: Astrid Sahm/Manfred Sapper/Volker Weichsel: Die Zukunft des Friedens. Wiesbaden 2006. S.25-50; A. Herberg-Rothe: Das Rätsel Clausewitz. Politische Theorie des Krieges im Widerstreit. München 2001; A. Herberg-Rothe: Die wunderliche Dreifaltigkeit. Clausewitz‘ allgemeine Theorie des gewaltsamen Konflikts. In: Österreichische Militärische Zeitschrift. 2/2008, S.163-173; P. Paret: Clausewitz und der Staat, Bonn 1993; A. Perlmutter: Carl von Clausewitz: Enlightenment philosopher: A comparative analysis, Journal of Strategic Studies, 1988. Vol. 11, № 1. S.7-19; G. Ritter: Die Lehre Carls von Clausewitz vom politischen Sinn des Krieges. Historische Zeitschrift. 1943. Bd. 167; Gerhard Ritter: Revolution der Kriegsführung und Kriegspolitik: Napoleon und Clausewitz. In: Clausewitz in Perspektive, Materialien zu Carl von Clausewitz: Vom Kriege, Frankfurt/Berlin/Wien 1980. S.291-334; H. Rothfels: Carl von Clausewitz. Politik und Krieg. Eine ideengeschichtliche Studie. Reprint der ersten Auflage von 1920, mit einem Nachwort von J. Niemeyer, Bonn 1980; Dietmar Schössler: Revolutionäre: Praxis und ihre Theorie. Der moderne bewaffnete Konflikt bei Clausewitz. In Max Kaase (Hrsg.): Politische Wissenschaft und Politische Ordnung. Wiesbaden 1986. S.409-423; W. Schramm: Ritter von: Clausewitz und politische Philosophie, Außenpolitik. Zeitschrift für internationale Fragen. 9. Jg. 11/1958. Auf der Website des Institutes der Politikwissenschaft der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen ist ein Artikel von Christoph Schwarz in der Rubrik der wichtigsten Werke zugänglich. Siehe: Christoph Schwarz: Politische Theorie des Krieges bei Carl von Clausewitz. http://www.ipw.rwth-aachen.de/pub/select_tx.html.
3) Siehe: Freiheit ohne Krieg? Beiträge zur Strategie-Diskussion der Gegenwart im Spiegel der Theorie von Carl von Clausewitz. Hrsg. von der Clausewitz-Gesellschaft, Bonn, Dümmlers Verlag, 1980.
4) Siehe: Beatrice Heuser: Clausewitz lesen! - München: R. Oldenbourg Verlag, 2005. S.60-64.
5) Siehe: Herfried Münkler: Krieg und Frieden bei Clausewitz, Engels und Carl Schmitt. Leviathan. 1982. Jg. 10. H. 1. S.16-40.
6) Siehe: Dietmar Schössler. Clausewitz - Engels - Mahan. Grundriss einer Ideengeschichte militärischen Denkens. Berlin 2009.
7) Siehe: Beatrice Heuser: Clausewitz lesen! - München: R. Oldenbourg Verlag, 2005. S.59-60.
8) Siehe: Dirk Blasius: Carl Schmitt und Carl von Clausewitz. Vom preußischen Volkskrieg zum tellurischen Partisanentum. Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte. Bd. 24. № 1. S.95-108; Dan Diner: Anerkennung und Nichtanerkennung: Über den Begriff des Politischen in der gehegten und antagonistischen Gewaltanwendung bei Clausewitz und Carl Schmitt. In: Clausewitz in Perspektive. S.447-472; Erich Vad: Strategie und Sicherheitspolitik. Perspektiven im Werk von Carl Schmitt. Westdeutscher Verlag, Opladen, 1996; Wolfgang Palaver: Krieg und Politik: Clausewitz und Schmitt im Lichte der mimetischen Theorie Girads. In: Wilhelm Guggenberger/Wolfgang Palaver (Hrsg.): Eskalation zum Äußersten? Girads Clausewitz interdisziplinär kommentiert. Baden-Baden 2015. S.99-117.
9) Siehe: Carl Schmitt und der Krieg/Alain de Benoist: Ed. JF, Junge Freiheit, 2007.
10) Hew Strachan: Clausewitz’s on War. A Biography. New York, Grove Press. S.32: „He displayed the almost unconscious anti-Semitism of his times“. Dabei betont Strachan, dass dieser Satz im Hauptwerk von Clausewitz „in allen englischen Übersetzungen fehlt oder bemäntelt“ („This is omitted or moderated in all English translations“). Ebenda. S.198.
11) Carl von Clausewitz: Nachrichten über Preußen in seiner großen Katastrophe. Wien, Leipzig, Karolinger 2001. S.9.
12) Alexander Swetschin: Clausewitz. Mit einem Geleitwort von Vizeadmiral Ulrich Weisser. Olaf Rose/Hans-Ulrich Seidt (Hrsg.), Bonn, Ferd. Dümmlers Verlag, 1997, S.240.
13) Ebenda. S.245.
14) Ebenda.
15) Carl von Clausewitz: Vom Kriege. Achtzehnte Auflage, Bonn, Ferd. Dümmlers Verlag, 1973, S.181.
16) Siehe dazu: Beatrice Heuser: Clausewitz lesen! München, R. Oldenbourg Verlag, 2005. S.37-42.
17) Carl von Clausewitz: Vom Kriege. Achtzehnte Auflage. Bonn, Ferd. Dümmlers Verlag, 1973. S.179.
18) Ebenda. S.181.
19) Eine Reihe von den gegenwärtigen russischen Forschern behaupten nach wie vor, dass Clausewitz immer der Befürworter der Hauptschlacht als Hauptziel des Krieges war. Siehe: Аладьин В., Ковалев В., Малков С., Малинецкий Г. Помни войну. Аналитический доклад российскому интеллектуальному клубу / Отв. редактор О.А. Платонов. - М.: Институт русской цивилизации, 2016. С. 12; Лихоманов И.В., Десятов Д.Е. Актуальные аспекты военно-теоретического наследия Карла фон Клаузевица // Гуманитарные проблемы военного дела. 2015. № 3(4). С.57. V. Aladjin, V. Kovalev, S. Malkov, G. Malineckij: Vergiss den Krieg nicht. Der analytische Bericht des russischen intellektuellen Klubs/Der verantwortliche Redakteur O.A. Platonow. - Moskau: Institut der Russischen Zivilisation, 2016. S.12; I. Lihomanov, D. Desjatow: Aktuelle Aspekte des militärtheoretischen Erbes von Carl von Clausewitz//Humanitäre Probleme des Militärwesens. 2015. № 3(4). S.57.
20) Martin van Creveld: Die Zukunft des Krieges. 3. überarbeitete deutsche Ausgabe mit einem neuen Vorwort des Autors, September 2004. Hamburg, Murmann, 2004. S.16.
21) Кревельд М. ван. Трансформация войны. Пер. с англ. - М.: Альпина Бизнес Букс, 2005. С.14.
M. Kreveld: „Die Transformation des Krieges“. Übersetzt aus Englisch - Moskau: Alpina Business Books, 2005. S.14.
22) Carl von Clausewitz: Vom Kriege. Achtzehnte Auflage. - Bonn, Ferd. Dümmlers Verlag, 1973. S.202.
23) Ebenda. S.212.
24) Die Tradition einer solchen Auffassung der Ideen von Clausewitz ist dauerhaft und lebendig. Zum Beispiel hält Generalmajor i.R. Millotat Christian E.O. solchen Nebel für einen wesentlichen Nachteil der Theorie von Clausewitz. Siehe: Millotat Christian E.O.: Carl von Clausewitz und sein Einfluss auf Politiker und Soldaten von heute //Jahrbuch 2005 der Clausewitz-Gesellschaft e.V., Hamburg: Clausewitz-Gesellschaft e.V., 2005. S.50, 55.
25) Die französischen Übersetzer bemühten sich Ende des 19. Jahrhunderts, das Werk „Vom Kriege“ von der übermäßigen Dialektik und dem „metaphysischen Nebel“ zu befreien. Dies führte zum, laut Swetschin, „barbarischen Umgang“ mit dem Werk von Clausewitz und folglich zur Aushöhlung des Wesens seiner Lehre. Siehe: Alexander Swetschin: Clausewitz. Mit einem Geleitwort von Vizeadmiral Ulrich Weisser. Olaf Rose/Hans-Ulrich Seidt (Hrsg.), Bonn, Ferd. Dümmlers Verlag, 1997, S.245-246.
26) Wladimir I. Lenin: Clausewitz’s Werk „Vom Kriege“, Auszüge und Randglossen. Berlin (Ost), 1957. S.35.
27) Siehe: Andreas Herberg-Rothe: Die wunderliche Dreifaltigkeit. Clausewitz‘ allgemeine Theorie des gewaltsamen Konflikts //Österreichische Militärische Zeitschrift. 2008. № 2. S.165.
28) Carl von Clausewitz: Vom Kriege. Achtzehnte Auflage. Bonn, Ferd. Dümmlers Verlag, 1973. S.175.
29) „This is why Book 1, chapter 1, is different from so much else of On War: It represents a synthesis“ (H. Strachan: Clausewitz’s on War. A biography. New York, Grove Press. P. 79).
30) Siehe: Carl von Clausewitz: Der Russische Feldzug von 1812. - Essen: Magnus-Verlag, 1984. S.194.
31) Siehe: Carl von Clausewitz: Vom Kriege. Achtzehnte Auflage. Bonn: Ferd. Dümmlers Verlag, 1973. S.412.
32) Ebenda. S.215.
33) Ebenda. S.201.
34) Ebenda. S.212.
35) Ebenda. S.218-219.
36) Ebenda. S.989.
37) Ebenda. S.954.
38) Gleichzeitig erwähnte Clausewitz kaum, dass das Volk letztlich Träger der Kriegslast und Opfer des Krieges ist.
39) Christian Stadler: Krieg. Wien, Facultas Verlags- und Buchhandels AG, 2009. S.74.
40) Carl von Clausewitz: Vom Kriege. Achtzehnte Auflage. - Bonn: Ferd. Dümmlers Verlag, 1973. S.211.
41) Свечин А.А. Методы стратегического мышления. В кн.: Стратегия в трудах военных классиков. - М.: Финансовый контроль, 2003. С.25.
A.A. Swetschin: Die Methoden des strategischen Denkens. Im Buch: Die Strategie in Werken von den Militärklassikern. - Moskau: Verlagshaus „Finansovyj kontrol‘“, 2003. S.25.
42) Carl von Clausewitz: Vom Kriege. Achtzehnte Auflage. Bonn, Ferd. Dümmlers Verlag, 1973. S.412.
43) Керсновский А.А. Философия войны. In: Философия войны. Под общ. ред. А.Б. Григорьева. - М.: «Анкил - ВОИН», 1995. С.11, 18-19.
A.A. Kersnovskij: Die Philosophie des Krieges. Im Buch: Die Philosophie des Krieges. Unter der allgemeinen Redaktion von A.B. Grigorjev: - Moskau: «Ankil - WOIN», 1995. S.11, 18-19.
44) Werner Hahlweg: Das Clausewitzbild einst und jetzt. In: Vom Kriege (1973). S.65-66.
45) Carl von Clausewitz: Vom Kriege. Achtzehnte Auflage. - Bonn, Ferd. Dümmlers Verlag, 1973, S.1235.
46) Свечин А.А. Стратегия в трудах военных классиков. М.: Издательский дом «Финансовый контроль», 2003. С.311.
A.A. Swetschin: Die Strategie in Werken von den Militärklassikern. - Moskau: Verlagshaus „Finansovyj kontrol‘“, 2003. S.311.
47) Carl von Clausewitz: Vom Kriege. Achtzehnte Auflage. Bonn, Ferd. Dümmlers Verlag, 1973, S.413.
48) Ebenda. S.175.
49) Carl Schmitt: Clausewitz als politischer Denker//Der Staat, 1967. № 4, S.500.
50) Schmitt, Carl. Clausewitz als politischer Denker//Der Staat, 1967. № 4. S.501.
51) Siehe: Gespräch über den Partisanen: Carl Schmitt und Joachim Schickel//J. Schickel (Hrsg.): Guerilleros, Partisanen: Theorie und Praxis. - München: Hanser, 1970. S.21.
52) Siehe: Carl Schmitt: Völkerrechtliche Großraumordnung mit Interventionsverbot für raumfremde Mächte: ein Beitrag zum Reichsbegriff im Völkerrecht. Unveränd. Ausg. der 4., erw. Aufl. - Berlin, Leipzig, Dt. Rechtsverlag, 1941, Berlin, Duncker und Humblot, 1991, S.57.
53) „Gespräch über den Partisanen“: Carl Schmitt und Joachim Schickel//J. Schickel (Hrsg.): Guerilleros, Partisanen: Theorie und Praxis, München, Hanser, 1970, S.9-29.
54) Die Ausgabe des Artikels von 1963 ist identisch dem Text von 1932.
55) Siehe: Heinrich Meier: Carl Schmitt: Leo Strauß und „Der Begriff des Politischen“: zu einem Dialog unter Abwesenden. Mit Leo Strauss’ Aufsatz über den „Begriff des Politischen“, Stuttgart, Metzler, 1988. S.29.
56) Carl Schmitt: Begriff des Politischen. München, Verlag von Duncker & Humblot, 1932, S.21-22.
57) Siehe: Paul Ertl: Die instrumentellen Feindkonzepte von Carl von Clausewitz und Sun Tsu. In: Der Feind - Darstellung und Transformation eines Kulturbegriffs. Band 1: Grundlagen des Feindbegriffs und aktuell wirksame Feindkonzepte. 2. überarbeitete Auflage 2009/Paul Ertl/Jodok Troy (Hrsg.)//Schriftenreihe der Landesverteidigungsakademie, Wien, Jänner 2008, S.95.
58) Carl Schmitt: Begriff des Politischen. München, Verlag von Duncker & Humblot, 1932, S.21.
59) Jodok Troy: Freund oder Feind? Die Aktualität des Politischen nach Carl Schmitt in der internationalen Politik. In: Der Feind - Darstellung und Transformation eines Kulturbegriffs. Band 1: Grundlagen des Feindbegriffs und aktuell wirksame Feindkonzepte. 2. überarbeitete Auflage, 2009/Paul Ertl/Jodok Troy (Hrsg.): Schriftenreihe der Landesverteidigungsakademie. Wien, Jänner 2008, S.118.
60) Carl Schmitt: Begriff des Politischen. München, Verlag von Duncker & Humblot, 1932, S.21-22.
61) Alain de Benoist: Carl Schmitt und der Krieg/Alain de Benoist - Ed. JF, Junge Freiheit, 2007. S.14-15.
62) Ebenda. S.14.
63) Ebenda S.14-15.
64) Schmitt, Carl: Begriff des Politischen. München, Verlag von Duncker & Humblot, 1932. S.22.
65) Carl von Clausewitz: Vom Kriege. Achtzehnte Auflage. Bonn, Ferd. Dümmlers Verlag, 1973, S.998.
66) Ebenda. S.303.
67) Heimo Hofmeister: Der Wille zum Krieg oder die Ohnmacht der Politik: ein philosophisch-politischer Traktat/Heimo Hofmeister. Göttingen, Vandenhoeck und Ruprecht, 2001, S.65.
68) Ebenda. S.91.
69) Siehe: Christoph Schwarz: Politische Theorie des Krieges bei Carl von Clausewitz. S.21 (http://www.ipw.rwth-aachen.de/pub/select_tx.html).
70) Мертес М. Немецкие вопросы - европейские ответы. - М.: Московская школа политических исследований, 2001. С.220.
M. Mertes: Die deutschen Fragen - europäische Antworten. - Moskau: Moskauer Schule der Politikforschungen, 2001. S.220. Diese Publikation erschien 2001 nur auf Russisch.
71) Hinsichtlich dazu ist die Festlegung von Engels im Artikel „The New American Cyclopædia“ (Band II) interessant: „Armee - die organisierte Einheit bewaffneter Menschen, die ein Staat zum Zwecke des offensiven oder defensiven Krieges unterhält“ (Karl Marx/Friedrich Engels - Werke, (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 14, 4. Auflage 1972, unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1961, Berlin/DDR. S.5).
72) „El fenómeno de la guerra influye decisivamente en el sistema político no sólo cuando ha estallado sino también en tiempos de paz“ (Santisteban L.S. Fundamentos de ciencia política. - Lima: Universidad de Lima, Instituto de Investigaciones Filosóficas y Facultad de Derecho y Ciencias Polítcas. 1986. S.159).
Santisteban L.S. Grundlagen der Politikwissenschaft. - Lima: Lima Universität, Institution der philosophischen Forschungen, Fakultät für Recht und Politikwissenschaft. 1986. S.159.