Seestrategie im 21. Jahrhundert

Mahan und Corbett heute

 

„Because navies are expensive, they must, from time to time, make an argument for why their country should invest its public resources in maintaining one.“1)

(Samuel P. Huntington)

 

Gerald Böhm/Matthias Wasinger

Der Soldat als Berater der militärstrategischen, strategischen und politischen Führungsebene muss, um dem Primat der Politik und dessen Implikationen gerecht werden zu können,2) das Denken dieser Ebenen und die damit verbundene Gesamtstaatlichkeit im Ansatz verstehen.3) Zu diesem Zwecke hat auch der österreichische Generalstabsoffizier strategisches Denken in all seinen Ausprägungen zu verinnerlichen. In diesem Sinne muss auch die folgende Reflexion über Seestrategie verstanden werden.4) Wenn die Republik Österreich ihre Interessen im gesamteuropäischen Kontext verwirklicht sieht,5) dann muss auch die maritime Domäne mitgedacht werden, da, wie im Folgenden wiederholt dargestellt werden wird, freie Seewege eine Grundvoraussetzung für die Masse der Einsatzszenarien im 21. Jahrhundert darstellen. V.a. die EU, in ihrer Basis eine Wirtschaftsunion, baut auf der Möglichkeit zum freien Handel auf. Strategische Beratung bedingt jedoch mehr als nur die Bewältigung aktueller Krisen mit vorhandenen Mitteln, sie impliziert auch die Antizipation kommender Entwicklungen, Möglichkeiten und Herausforderungen. Somit ist es zwangsläufig auch für den österreichischen Offizier unabdingbar, sich mit maritimer Denkweise und deren Geschichte zu beschäftigen, um diese dann zu kontextualisieren und Ableitungen zu Trends und Phänomenen treffen zu können.
Bei der Beschäftigung mit maritimen Strategien wird man zwangsläufig mit den Namen Alfred Thayer Mahan und Julian Stafford Corbett konfrontiert, zwei Denker, die die Seestrategie im Allgemeinen und das strategische Handeln einzelner Staaten - wie im Folgenden auszugsweise dargestellt - bis in die heutige Zeit prägen. Es kann in diesem Zusammenhang nicht auf deutschsprachige Seestrategen verwiesen werden. Obgleich Österreich vor rund hundert Jahren noch über Seestreitkräfte verfügte, die Bundesrepublik Deutschland in der Bundeswehr aktuell eine Marine betreibt, sind beide Staaten ihrem Denken nach primär auf Landstrategien ausgerichtet.6) Somit bieten sich die Seestrategen aus dem britischen und US-amerikanischen Raum als Referenz an.7)
Doch die Lehren der Genannten entstammen dem 19. Jahrhundert. So stellt sich die Frage nach der Gültigkeit der Ausführungen Mahans und Corbetts. Als Referenz wurde das Werk „Seapower: A Guide for the Twenty-First Century“ von Geoffrey Till herangezogen, da dieses Buch einerseits als Standardwerk zu diesem Themenfeld gilt und andererseits der Autor als renommierter Marinehistoriker durchaus als Kapazität in diesem Bereich bekannt ist. Geoffrey Till, geboren im Jänner 1945 in London, lehrt seit Jahren am Kings College, ist Direktor des Corbett Centre for Maritime Policy Studies und Herausgeber einschlägiger Fachliteratur. An seinen Ausführungen soll überprüft werden, wieviel Mahan beziehungsweise Corbett noch in einem Buch über Seestrategie des 21. Jahrhunderts stecken. Welche Grundsätze haben sich bestätigt, welche Dogmen wurden widerlegt? Zur Beantwortung dieser Fragen werden im Folgenden die bestimmenden Lehren auszugsweise dargestellt, Begrifflichkeiten abgeglichen, Parallelen gesucht und Widersprüche geprüft.

Mahan und Corbett

Mahan

Alfred Thayer Mahan (1840-1914), ein amerikanischer Marineoffizier, forderte in seinem Ansatz das Erringen der Seeherrschaft durch entscheidende Schlachten zwischen Seestreitkräften, aus denen lediglich eine siegreich hervorgehen könnte. Mahan verstand unter Seeherrschaft, was man heutzutage definitorisch unter Command of the Sea versteht, nämlich die uneingeschränkte eigene Nutzbarkeit der Hohen See. Im Mittelpunkt seiner Strategie standen Schlachten maritimer Großverbände.8) Durch die erlangte Übermacht sollte nicht nur feindliches Militär abgewehrt beziehungsweise abgeschreckt, sondern auch gegnerische Handelstätigkeiten unterbunden und somit ein strategischer Effekt erzielt werden.9) Aus dieser Logik entstand die Bluewater Tendency,10) nach der maritime Einsatzmittel nicht nur die jeweils eigenen Küstenlinien beziehungsweise Binnengewässer zu beherrschen hätten, sondern ihr Potenzial auf der Hohen See entfalten sollten. Erst das Beherrschen des Meeres zusätzlich zu den eigenen Hoheitsgewässern ermöglicht freie Bewegung zur See. Auf diesem Denken basierend erfolgte während des Kalten Krieges die doktrinäre Ausrichtung der NATO im Zuge der Bündnisverteidigung, wie auf der nachstehenden Abbildung dargestellt.11)
Obgleich Mahan sich im Klaren war, dass Seeherrschaft ein durchaus dominanter Begriff war, wählte er diesen, da er aufgrund waffentechnischer und v.a. industrieller Errungenschaften,12) wie der Dampfmaschine, stets ein geschlossenes, massiertes Auftreten großer Flottenverbände erwartete.13) Mahan bezweckte damit aus Sicht der Verfasser zweierlei: Einerseits forcierte er - durchaus erfolgreich - den US-Flottenbau.14) Andererseits eröffnete er durch seine Definition die Diskussion um eine mögliche Gleichsetzung von Command of the Sea und Sea Control.15) Wenn Flottenverbände zum Zwecke der Schlacht stets geschlossen bewegt werden, so wird durch die jeweils eigene Marine ad hoc die Hohe See immer nur räumlich und zeitlich begrenzt beherrscht.
Mahan sah in seiner vorgeschlagenen strategischen Ausrichtung jedoch nicht nur die Umsetzung rein militärischer Belange. Ganz im Gegenteil, er verband diese stets mit weiteren staatlichen Interessen wie politischer Kontrolle oder wirtschaftlicher Prosperität.16) So definiert er den zirkulären Zusammenhang zwischen Handel, der zu Wohlstand führt, der einer Marine bedarf, um den Handel zu sichern.17) Mahan spricht damit v.a. eine mögliche doktrinäre Ausrichtung von Staaten an, die ihre Interessen hauptsächlich im beziehungsweise durch das maritime Umfeld verwirklicht sehen. Staaten wie Russland, die zwar eine durchaus respektable Abhängigkeit vom Zugang zum Meer haben, gelten trotzdem grundsätzlich als Landmächte, die ihre Interessen auch am Landweg sichern.18) Staaten wie die Volksrepublik China, die zwar freie maritime Handelswege benötigen, jedoch über die notwendigen Streitkräfte zur Umsetzung der Lehren Mahans, im Sinne einer Aussicht auf eine erfolgreiche Entscheidungsschlacht, nicht verfügen, haben die Möglichkeit zur Anlehnung an die folgenden Theorien Corbetts.

Corbett

Julian Stafford Corbett (1854-1922), ein britischer Jurist, wählte aus Sicht der Verfasser einen ganzheitlich anderen Ansatz. Seine deduktive Methode zur Auswertung historischer Vorschriften und Ereignisse bewies den Zusammenhang von Außenpolitik und Strategie - erste Aufgabe der Flotte ist es dabei, die Diplomatie zu unterstützen. Deshalb sieht er maritime Strategie in Interdependenz mit der Landstrategie, da diese einander bedingen und keine die jeweils andere im Subsidiärprinzip vollwertig ersetzen kann. Also sind die Seestreitkräfte nicht das einzige Mittel der Machtausübung, der Instruments of Power,19) sondern nur ein Teil dieser.20)
Auch aus seiner Bewertung waren amphibische Einsatzführungen, die zwar strategisch entscheidend sein können, jedoch aufgrund des technischen Fortschritts immer komplexer werden, der Nation mit der Seeherrschaft im Vorteil. Corbett versteht unter Seeherrschaft in diesem Zusammenhang durchaus ebenso wie Mahan denselben Zustand, den man heutzutage unter Command of the Sea versteht. Seeherrschaft verleiht der jeweiligen Nation die Fähigkeit, weitestgehend Ort und Umfang eines Konfliktes zu diktieren.
Damit gingen zwar höhere Kosten für Beschaffung und Unterhalt der Streitkräfte zugunsten geringerer Konsequenzen in Form von Risiken und Kollateralschäden der Einsatzführung einher. Im Gegensatz zu Mahan besteht Corbett jedoch nicht auf das uneingeschränkte Beherrschen der See, Command of the Sea, das er wie folgt definiert:21)
- Seeherrschaft kann durch entscheidende Schlachten erreicht werden. Dieser Ansatz benötige jedoch viel Zeit und v.a. Ressourcen, um die gegnerischen Seestreitkräfte zu vernichten. Dadurch können Mahans Lehren zu einem Bestandteil von Corbetts Theorie werden.
- Seeherrschaft ist für die Durchführung von maritimen Operationen hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich. Schwächere Nationen weichen der entscheidenden Schlacht so lange wie möglich aus.22)
Corbett widerspricht Mahan damit sogar dezidiert. Er führt an, dass das Ziel der maritimen Einsatzführung im Gegensatz zum Kampf mit Landstreitkräften nicht die territoriale Eroberung, sondern lediglich die Kontrolle von Verbindungslinien sei. Aus diesem Grund sei laut Corbett eine rein temporäre eigene Nutzung bei ebenso zeitlich eingeschränkter Möglichkeit zur Verwehrung der feindlichen Nutzung der See absolut ausreichend.23) Dies fußt allein auf Corbetts Überzeugung, dass eine doktrinäre Kräftekonzentration eben nicht vorausgesetzt werden kann. Insgesamt repräsentiert die Theorie Corbetts einen, im Gegensatz zu Mahan, gesamtheitlichen Ansatz, der sich nicht nur auf den Einsatz maritimer Kräfte abstützt.24) Offen bleibt, ob dies aufgrund einer Anpassung an die Realität auf dem Meer, wie er selbst anmerkt,25) erfolgte, oder, wie durch die Verfasser im Lichte heutiger Anwender von Corbetts Doktrin noch beleuchtet wird, ein Eingeständnis etwaiger vorhandener ressourcenmäßigen Unzulänglichkeiten ist.
Dessen ungeachtet hat Julian Corbett heutzutage ebenso noch große Bedeutung, wie an der Schriftenreihe „Corbett Paper“ des Kings College London zu erkennen ist. Diese Schriftenreihe dient nach wie vor der Weiterentwicklung ausgewählter Aspekte der maritimen Strategien.

Auf der Suche nach Seemacht - Seapower

Das Naheverhältnis zwischen militärischer und Handelsschifffahrt ist historisch gewachsen. Somit lassen sich beide nicht getrennt voneinander betrachten. Seemacht bildet die Summe mehrerer Aspekte (siehe dazu Abbildung 2). Doch gerade die Perzeption der maritimen Macht änderte sich im Laufe der Geschichte. In der napoleonischen Zeit beispielsweise verstand das britische Empire nach Till Maritime Power26) als Mischung zwischen hochgradig agilen, jedoch kleinen, schlagkräftigen Landeinheiten und extensiver Naval sowie Economic Power, da ausschließliche Seestreitkräfte sehr kostenintensiv waren/sind sowie durch Präsenz an Land eine küstennahe Einflussnahme möglich war.27)
Zur Umsetzung der Lehren Mahans28) entwickelte sich die Technik auf dem Weg zum Ersten Weltkrieg hin zu Großkampfschiffen, den so genannten „Dreadnoughts“.29)
Im Zweiten Weltkrieg hingegen kamen, v.a. auf Seite der Achsenmächte - und dort mit Masse bei der Deutschen Kriegsmarine - verstärkt U-Boote zum Einsatz. Obgleich die deutsche U-Bootwaffe v.a. in der letztlich doch verlorenen Atlantikschlacht verhältnismäßig erfolgreich war, erfolgte die Abkehr von der maritimen Machtprojektion durch Großkampfschiffe zwar doch aus freien Stücken, jedoch in Anbetracht der materiellen, industriellen und v.a. kriegswirtschaftlichen Überlegenheit der alliierten Mächte.30) Doch die deutschen Unterseeboote erleichterten die Umsetzung des geforderten Sea Denial.31) Dieses Abschneiden der britischen Versorgungswege ist als eine Anwendung von Corbetts Doktrin zu werten, jedenfalls ein indirekter Ansatz zur Unterbindung der Seeherrschaft, jedoch auch der gegnerischen Sea Control. Auf der Seite der Alliierten kam es zu einem wahrhaft evolutionären Schub im Bereich der amphibischen Einsatzführung.32) Hier zeigte sich ein Umdenken von den bevorzugten Entscheidungsschlachten nach Mahan - der direkte Ansatz mit direkt einander bekämpfenden Flottenverbänden zum Zwecke der Schlacht - hin zu den indirekten Ansätzen nach Corbett zum Erlangen der Herrschaft über die See. Die Begründung dieser Abkehr liegt in dem Faktum, dass sich, wie von Corbett vorausgesagt, die jeweils schwächere Flotte dem Gefecht entzog, um so der Vernichtung zu entgehen33), beziehungsweise so lange durch Nadelstiche die Überlegenheit des Gegners verringert, bis eine Entscheidungsschlacht möglich wird. Selbst in der Zeit des Kalten Krieges wurde die maritime Einflussnahme nicht vernachlässigt, erfolgte jedoch erneut mit unterschiedlichen doktrinären Ansätzen. Unter dem Überbau der beiderseitigen nuklearen Abschreckungsstrategie - auch zur See durch Unterseeboote - verfolgten die Westmächte eine eher Mahan’sche Doktrin der starken Handels- und v.a. Überwassermilitärflotte, um durch diese die für das Nachführen von Truppen hinderliche trennende Wirkung des Atlantiks zwischen den USA und Europa zu kompensieren. Die Staaten des Warschauer Paktes verfügten zwar auch über eine Überwasserflotte, mit Masse vertraute die dortige Führung jedoch zunächst auf Einsatzmittel, die die Umsetzung von Sea Denial erlaubten, um so ein Nachführen der alliierten Kräfte über den Atlantik nach Europa und speziell auch an die weitläufige russische Nordflanke34) zu unterbinden.35)
In eben diesem dargestellten Sinne ordnet Till Seapower als Teilinstrument immer einem nationalen Überbau unter.
Im Folgenden werden die Ausführungen Tills in seinem Werk „Seapower - A guide for the twenty-first century“ beleuchtet. Es wird dabei wiederholt auf Mahan und Corbett reflektiert werden.

Seemacht in einer globalisierten Welt

Es entwickelte sich ein Spannungsfeld zwischen klaren  „Machtfeldern” und der Grenzenlosigkeit der wirtschaftlichen und technischen Globalisierung. Somit verstärkten, beschleunigten und verbreiterten sich die Auswirkungen von Geschehnissen rund um den Globus. Dies erfordert auch die Möglichkeit des sofortigen „globalen“ Handelns beziehungsweise Wirksamwerdens im sicherheitspolitischen Kontext.36)
Eine entscheidende Wende in der Gestaltung von Seestreitkräften ist seit dem Ende des Warschauer Paktes zu beobachten. Die Funktion der Abschreckung des Gegners wurde durch die „Sicherung“ der Globalisierung verdrängt. Jedoch ist dieser Trend nicht bei allen Nationen zu erkennen, da in hegemonialen Bestrebungen oft noch die Wahrung der nationalen Souveränität Vorrang besitzt.37)
Daher sind neben der bisherigen Aufgabe - Wahrung der eigenen Souveränität nach außen - weitere Betätigungsfelder hinzugetreten, wie z.B. der Kampf gegen Piraten und Schmuggler, der Einsatz gegen den Terrorismus und die Zunahme der Fischereisicherung. Darüber hinaus sind Anpassungen der Doktrinen und Handlungsweisen durch den Wandel der Zeit erforderlich geworden:38)
- Die politische Dimension ist durch die Schnelligkeit der öffentlichen Wahrnehmung allgegenwärtig.39)
- Die steigende multinationale Ko­operation bei Einsätzen verlangsamt und verkompliziert den Entscheidungsfindungsprozess des eingesetzten Kommandanten, da dieser alle nationalen Interessen und Vorbehalte berücksichtigen muss.40)
- Durch die Proliferation moderner Waffensysteme wird einerseits die eigene Bewegungsfreiheit eingeschränkt und andererseits die eigene Einsatzführung maßgeblich beeinflusst.41)
- Der doktrinäre Ansatz, Kriege zu verhindern, sei genauso wichtig wie diese zu gewinnen, wird immer bedeutender.42)
- Der Einfluss des Comprehensive Approach mit seinen vier Instrumenten der Macht auf jegliche Operationsführung ist klar erkennbar.43)
Durch diese Forderungen der permanenten, globalen und vielseitigen Einsatzbereitschaft leitet Till zwei Konzeptionen von Seestreitkräften ab:44)
Dabei wird klar erkennbar, dass maritime Strategien dem Wandel der Zeit unterliegen und laufend angepasst werden müssen, Sea Control aber einen stabilen Faktor darstellt.
Es bleibt zu berücksichtigen, dass der Krieg gegen den Handel bzw. die Wirtschaft als direkte Einflussnahme gegen die gegnerische Prosperität auch durch militärisch unterlegene Nationen ausgeführt werden kann. Die Küstenverteidigungstheorie als Möglichkeit des Anti-Access/Area Denial (A2/AD)-Ansatzes45) wird von schwächeren Seestreitkräften genutzt. Dabei werden durch das Zusammenwirken von Luftstreitkräften, Küstenbefestigungen und küstengewässertauglichen Einheiten im quasi-stationären46) Einsatz die eigenen Küstengewässer beherrscht, womit auf die zunehmende Bedeutung der Einsatzführung im küstennahen Bereich reagiert wird.
Festzuhalten bleibt,
- dass Seestreitkräfte nicht ohne die anderen Teilstreitkräfte (beispielsweise Land- oder Luftstreitkräfte) ihr volles Potenzial entwickeln können;
- dass sich die Art des Einsatzes der maritimen Kräfte im Laufe der Zeit bzw. abhängig von der Ambition einer Nation verändern kann;
- dass Seestreitkräfte eng mit der Sicherung und dem Offenhalten der Handelswege auf See verbunden sind.

Die Zusammensetzung von Seapower und Wechselwirkungen

„Britain’s seapower ... lay not just in the navy or the battle fleet, but in the effective integration of her administration, political system, army colonies and maritime economy towards the end of the state.“47)
Nach Till setzt sich die Seemacht aus mehreren Komponenten zusammen:
Dadurch bringt Till zum Ausdruck, dass es nicht nur Größe und Schlagkraft einer Flotte sind, die die Seemacht einer Nation begründen. Vielmehr ist es das Zusammenwirken vieler Aspekte eben dieser Nation, welche schlussendlich die Seemacht bildet.
Wie bereits im vorangegangenen Kapitel angesprochen, gibt es die Forderung des Zusammenwirkens zwischen den Seestreitkräften und anderen Elementen, um der Seemacht ihr volles Potenzial zu verleihen. Im Gegenzug kann Seemacht durch eben diese anderen Elemente auch beschränkt werden. Es ist auch eine teilweise Substitution von Seestreitkräften durch andere Elemente möglich. Diese Elemente können sein:48)
- Landstreitkräfte: Hier existiert die Möglichkeit zur Bildung „leichter“ Landstreitkräfte, um diese ähnlich dem U.S. Marine Corps für den Seetransport (hier v.a. der Ship-to-Shore-Transport für die Initial Entry Force) und Sea-Basing49) vorzuhalten. Landstreitkräfte können der Seemacht „zuarbeiten“. Durch den Einsatz zur Küs­tenverteidigung kann die Bildung eines gegnerischen Brückenkopfs verhindert werden.50)
- Luftstreitkräfte (exkl. Seefliegerkräfte): Heutige „Landfliegerkräfte“ bringen die technischen Fähigkeiten51) zum Einsatz gegen maritime Einheiten bereits mit. Innerhalb des Einsatzradius können landgestützte Fliegerkräfte den Seeraum beherrschen.52)
- Joint Operation: Im Zusammenwirken ergänzen bzw. unterstützen sich die Teilstreitkräfte gegenseitig und kompensieren so die eigenen Schwächen.53)
- Koalitionen: Innerhalb von Koalitionen ist es analog zu Joint Operationen möglich, eigene Fähigkeitslücken durch eine Partnernation zu schließen - dadurch gewinnt die Interoperabilität in Bereichen der Technik und der Führungsverfahren immer mehr an Bedeutung.54)
Seestreitkräfte können nie als Selbstzweck bestehen, vielmehr muss das Zusammenwirken mit anderen Elementen der Nation bzw. den nationalen Streitkräfte oder mit multinationalen Streitkräften gesucht werden, um das jeweilige Ziel einer Operation zu erreichen.

Command of the Sea bzw. Sea Control

In ihrer absoluten Form bedeutet Command of the Sea, dass die eigene Bewegungs- und Handlungsfreiheit uneingeschränkt gegeben ist und der Gegner keine Möglichkeit hat, die Initiative durch Bewegung auf See zu ergreifen. Sea Control hingegen zeichnet sich im Vergleich dazu durch eine grundsätzliche räumliche wie zeitliche Einschränkung dieser Freiheiten aus.55) In Tills Beschreibung, wie sowohl Command of the Sea als auch Sea Control zu erreichen sind, wird klar den Ansätzen Mahans und Corbetts gefolgt. Dabei zählt er folgende Möglichkeiten auf:56)
- a close and decisive battle,
- Fleet-in-Being Strategy,
- Fleet Blockade.
Die erste Möglichkeit ist Mahan in Reinkultur - zur Erlangung der Seeherrschaft wird die gegnerische Flotte in einem entscheidenden Gefecht besiegt und soweit dezimiert, dass sie für die folgende Operationsführung keine nennenswerte Gefahr mehr darstellt57), 58)
Die zweite Möglichkeit folgt mehr den Gedanken Corbetts - wenn vermeidbar, muss keine entscheidende Schlacht geführt werden. Diese Variante verlässt sich auf die pure Abschreckung und Abhaltewirkung der vorhandenen Seestreitkräfte, ohne diese ins Gefecht zu führen und die kostbaren Einheiten zu gefährden. Es ist ein defensiver Ansatz, da durch Vermeidung, Täuschung und Hit and Run-Taktiken kleinerer Einheiten die entscheidende Schlacht vermieden werden soll.59)60) Unabhängig von der Größe des jeweiligen Flottenverbandes stellt das Erzielen eines Effektes durch eine so genannte Fleet in Being,61) in den meisten Fällen eine räumliche Bindung anderer militärischer Wirkmittel oder aber Abschreckung, den ausschlaggebenden Faktor dar.
Die letzte Möglichkeit beschreibt den dominanten Ansatz einer überlegenen Seestreitkraft - hierbei wird bei örtlicher und zeitlicher Überlegenheit der Gegner in Teilen geschlagen - sozusagen Mahans Ansatz an vielen Orten zu einem gesamten Corbett-Ansatz verbunden. Dieser Ansatz bedingt eine schlagkräftige und wirkungsvolle Seestreitkraft des Anwenders, da dieser sich an mehreren Stellen positionieren und überlegen sein muss. Entweder wird die gegnerische Flotte durch Untätigkeit neutralisiert oder an unvermeidbaren Stellen zum Kampf gezwungen62)63)
Die Erringung von Command of the Sea, aber auch von Sea Control, ist starken Seestreitkräften vorbehalten. Je nach Gegner und dessen Ambition, Lage und Stärke können alle drei Möglichkeiten zum Einsatz kommen beziehungsweise müssen zum Einsatz kommen, da sonst der Gegner die Überhand gewinnt und das Wiedererlangen der Initiative noch mehr Kräfte erfordert.

Maritime Power Projection und A2/AD

An dieser Stelle, der Nutzung des Command of the Sea in definitorischer Hinsicht nach Geoffrey Till64) zum Zwecke der Maritime Power Projection, beginnt nun endgültig die Abkehr von dem bereits seit Mahan doktrinär erfassten Ansatz des „Kampffeldes Meer“. Eingebettet in ein gesamtheitliches Strategieverständnis soll ja die Marine nicht Selbstzweck, sondern einer vieler militärischer Effektoren sein. In diesem Sinne ist die durch die Etablierung des Sea Control erlangte Bewegungsfreiheit durch die anderen eingesetzten Teilstreitkräfte zu nutzen.65) Dieser Aspekt scheint allein aus dem Grund erwähnenswert, als es sich dabei gemäß dem Werk Tills explizit nicht um einen strategischen Ansatz zur Power Projection handelt, also im gesamtstaatlichen Kontext zur Nutzung der Bewegungsfreiheit durch andere Instruments of Power, als das Militär zum Erreichen eines Gesamtzieles.66) Till bestätigt somit bereits Dagewesenes erneut, nämlich die Verwendung des maritimen Raumes durch Seestreitkräfte nach erlangter maritimer Bewegungsfreiheit.
Nach Till hat die Nutzung des größten vorhandenen Manövrierraumes, des Meeres, dezidiert dem Expeditionary Warfare67) zu dienen und umfasst somit amphibische Operationen, Operational Manoeuvre from the Sea,68) sea-based strategic missile attack of the shore, defence against maritime power projection69) und sea-based defence against missile attack.70)
Gerade diese taxative Aufzählung bestätigt aus Sicht der Verfasser, dass sowohl Grundzüge des Denkens Mahans mit um die Seeherrschaft kämpfenden maritimen Großverbänden teilweise aufgegriffen wurden und auf der anderen Seite auch Corbetts gesamtheitlicher Ansatz weiterhin Gültigkeit behält. Eine genaue Betrachtung zeigt, dass bereits vorhandenes Wissen um aktuelle Facetten und Ausprägungen erweitert wurde, nämlich im Wesentlichen um die Aspekte des so genannten Green water und der Küstenregionen (brown water), aufgekommen durch die Ambition kleiner Staaten, ihre Gewässer zur Einsatzführung zu nutzen, und die Fähigkeit zum sea-basing. Maritime power projection wurde also mit Masse im taktisch/operativen Bereich den waffentechnischen Weiterentwicklungen ohne doktrinäre Evolution angepasst.
Einen potenziell strategischen Aspekt hat die Rückbesinnung auf das sea-basing jedoch in jener Hinsicht, dass Staaten mit einer solchen ausgeprägten Fähigkeit, selektiver Bezug nehmend auf strategische Partnerschaften in Räumen nationalen Interesses handeln können.71) Ähnlich verhält es sich bezüglich der Ausnutzung von Command of the Sea beziehungsweise Sea Control im Sinne der Kontrolle der maritimen Verbindungswege. Bereits Mahan beschrieb das Meer als Ort des Aufeinandertreffens einander feindlich gesinnter Flottenverbände, um durch diese die Herrschaft über die Hohe See zu erlangen.72) Dies kann entweder durch die Seeschlacht selbst erfolgen oder andererseits durch das Dasein als so genannte Fleet-in-Being, die allein durch die Stärke ihrer Präsenz die geforderte beziehungsweise benötigte Abschreckwirkung ausübt.73)
Till wiederholt sich hier im Denken Corbetts, wenn er auf dieses Hochseeflottengefechtsdenken den Einsatz dieser Einsatzmittel im Sinne einer maritimen Strategie - Clausewitz stark vereinfachend - Ends, Ways und Means74) beifügt.
Der Angriff auf maritime Verbindungswege dient entweder dem Angriff auf die militärische Stärke des Gegners selbst, der Schädigung seiner Kriegswirtschaft oder jedoch strategischen Zwängen. Die Mittel erstrecken sich dabei vom klassischen Einsatz der Flotte selbst über Wirtschaftsblockaden/Embargos, Sanktionen unterschiedlicher Natur bis hin zur Störung dieser Verbindungswege, beispielsweise durch „Übungstätigkeiten“ von Unterseebooten oder etwa durch Minen.
Als Antwort auf diese offensiven Bedrohungen der Seewege wird eine Palette an Maßnahmen geboten. Bereits seit dem Zweiten Weltkrieg stellt der Flottenschutz ein probates Mittel zur Verteidigung maritimer Einsatzmittel dar. Um der Flächen- beziehungsweise Punktbedrohung, so genannten Chokepoints, entgegentreten zu können, wurde das Konzept des Anti-Access/Area-Denial (A2/AD)75) geschaffen, das aktuell am prominentesten von der Volksrepublik China verfolgt wird. Diese militärische Antwort ist nicht neu, sie entspricht vielmehr der grundsätzlichen Logik nach - wie übrigens auch die aktuelle amerikanische Lösung zu dieser Problemstellung, ehemals mit dem Air-Sea-Battle,76) welcher zum Multi-Domain-Battle77) weiterentwickelt wurde - dem teilstreitkräfteübergreifenden Denken Corbetts in allen sich bietenden Domänen.78)
Neuerungen sind aus Sicht der Verfasser hier lediglich im Bereich der Einsatzmittel zur Umsetzung des Forward Logistic Support, Anti-Submarine Warfare und der Bildung von Maritime Battle Groups, also ebenfalls im taktisch-operativen Bereich, zu finden.79)

Naval Diplomacy, Expeditionary Warfare, Security at Home and Away

Till bestätigt darüber hinaus, dass die Marine als zentrales Element zur Umsetzung des politischen Willens dienen kann. Traditionell kann die Marine präventiv beziehungsweise reaktiv eingesetzt werden. Die Eignung zu einem solchen Einsatz als strategisches Mittel bringen die Seestreitkräfte aus zweierlei Gründen mit sich. Einerseits zählen sie als Teilstreitkraft zur Teilmenge des Militärs an den Instruments of Power, andererseits haben sie die Besonderheit, dass sie sich durch internationales Gewässer auch in Friedenszeiten positionieren können, um so u.a. ein Drohpotenzial gegenüber anderen Akteuren darzustellen. Das Fähigkeitsportfolio der Seestreitkräfte ist in diesem Zusammenhang ein Vielfältiges.
Als Alleinstellungsmerkmal zeichnet die Marine dabei der fließende Wechsel bezüglich Ausprägung und Gewichtung der angeführten Tätigkeit aus. Ebenso kann problemlos von Expeditionary Warfare auf beispielsweise humanitäre Hilfeleistung umgestellt werden.80) Seestreitkräfte wirken dabei, intendiert oder nicht, projizierend und auch abschreckend - und dies allein durch ihre Präsenz.81)
Somit stellen Seestreitkräfte einen multipel anwendbaren diplomatischen Effektor zum Erreichen strategischer Ziele dar. Die so genannte Naval Diplomacy ist dabei ein Teil des diplomatischen Gesamtpaketes. Bereits das Bewegen eines Flottenverbandes in internationalen Gewässern in einen bestimmten Bereich kann ein klares Zeichen sein. Die Naval Diplomacy darf jedoch niemals isoliert betrachtet werden, sondern sie hat immer durch weitere politische Maßnahmen untermauert zu werden. Sie hat nach Till ihre eigenen Bedürfnisse82) und somit auch ihren Preis.83)
Letzten Endes bieten Seestreitkräfte ihren Betreibern unglaubliche diplomatische Möglichkeiten. Am Beispiel Australiens zeigt Till auf, dass gleiche Interessen beziehungsweise Bedürfnisse in einem Raum über maritime Kriegsmittel zu politisch-militärischen Koalitionen führen können. In direkter Verbindung zum breiten Fähigkeits­portfolio von Seestreitkräften sind deren strategische Einsatzmöglichkeiten im Expeditionary Warfare beziehungsweise bei der Ausübung durch Zwangsgewalt allein durch die Bewegung maritimer Einsatzmittel in internationalen Gewässern zu beurteilen. Eben diese Naval Coercion wurde laut Till in jüngerer Vergangenheit als Mittel der Wahl der Diplomatie erachtet mit dem Hintergedanken, auf diese Art und Weise die bewaffnete Auseinandersetzung vom eigenen Land und der Heimatbevölkerung ehestmöglich fernhalten zu können beziehungsweise allein durch Präsenz einen Effekt, etwa der Abschreckung und somit eines politischen Einlenkens vor einer Lageeskalation hin zum kinetischen Krieg, zu erzielen.84)
Aus Sicht der Verfasser stellte diese jedoch bereits zu diesem Zeitpunkt, also nach dem Zweiten Weltkrieg, keine Neuerung mehr dar.85) Expeditionary Warfare beschreibt den Wechsel von Mahan zu Corbett in der Hinsicht am besten, als Flotten nicht zwecks deren gegenseitiger Vernichtung auslaufen, sondern um vorerst Sea Control im eigentlichen Wortsinn herzustellen und aufrechtzuerhalten, um dann erneut die Maritime Power Projection zur Unterstützung anderer Teilstreitkräfte sicherstellen zu können.
An der Fähigkeit zum Expeditionary Warfare hängt somit eine strategische Ambition, welche die anfallenden Kosten zum Betrieb des Effektors aus Sicht der Autoren rechtfertigt. Es bedarf also einer klaren politischen Willenskundgebung. Bei vorhandenem und entsprechendem Effektor liegt dafür der Politik eine gesamte Bandbreite an Einsatzmitteln vor, welche sich von Peace Support Operations über Non-Combatant Evacuations bis hin zu Major Combat Operations erstrecken.86)

Die Südchinesische See und Zusammenfassung

Die Lage in der Südchinesischen See bietet eine optimale Plattform, um das Dargestellte abzurunden, abschließende Schlüsse zu ziehen sowie die Thematik zusammenzufassen. Im Großen konkurrieren in diesem Raum doktrinär die Ambitionen der USA und der Volksrepublik China. Maritime Power Projection, Anti-Access/Area-Denial und Air-Sea-Battle sind die Schlagworte, unter denen Mahan in Form der USA87) auf China als Verfolger des Corbett‘schen Denkens treffen. Stein des Anstoßes ist die See in ihrer Gesamtheit als Interessensbereich, also Ressourcenlager, Transportweg, physisch-greifbares Umfeld, Medium der Herrschaft und Hoheitsgebiet. Eben diese Aspekte dienen nach Till als Triebfedern des Konfliktes.88)
Diese Treiber wieder drängen die handelnden Akteure zum Agieren.89) Die USA, stets bedacht auf den Erhalt ihrer Vormachtstellung, bleiben dabei in ihrer strategischen Ausrichtung dem Denken Mahans treu. Kern sind und bleiben dabei ihre Trägerkampfgruppen, über die sie nach erlangter Sea Control die Maritime Power Projection sicherstellen.90) Da in nächster Zukunft nicht zu erwarten ist, dass die Volksrepublik China diesen materiellen und technologischen Vorsprung aufholen wird können, kontert sie mit dem Einsatz aller staatlichen Effektoren und Teilstreitkräfte unter Ausnutzung und künstlicher Errichtung ganzer Inselketten und Weiterentwicklung einzelner Waffensysteme wie der DF-2691) mit einer Reichweite von bis zu 4.000 km. Somit wurden die Insel Guam und die dortigen US-Einrichtungen erreichbar. In diesem doktrinären Denken setzt die Volksrepublik China auch ihren Flugzeugträger, eigentlich ein Mittel der Power Projection, in Anlehnung an das russische Verständnis eines Sea Denial ein.92)
Der Flugzeugträger hat in diesem Zusammenhang die Aufgabe, über einen definierten Bereich Luftüberlegenheit sicherzustellen, um so den Einsatz eines Raketenkreuzers zu ermöglichen. Dieser wiederum dient als bewegliche Waffenplattform zur Umsetzung des A2/AD.93) Die amerikanische Antwort dazu ist, wie bereits dargestellt, in Grundzügen der Multi-Domain-Battle, also der Einsatz aller Teilstreitkräfte in sämtlichen Domänen zum Neutralisieren des A2/AD.94) Letzten Endes dient dieser jedoch wieder nur dem Öffnen des Raumes, um wieder die Umsetzung der Strategie nach Mahan zu ermöglichen.95)
Aus dem dargestellten Beispiel können nachstehende Folgerungen gezogen werden:
- Die unterschiedlichen Anforderungen moderner (Konkurrenz) und post-moderner (Gemeinschaft) Seestreitkräfte abzudecken, bleiben unlösbar, da Erstere nicht automatisch Letztere abdecken.
- Die „Weiterentwicklung“ einer Marine zur post-modernen Seestreitkraft ermöglicht es einer anderen, sich zur modernen zu entwickeln (da wie bei kommunizierenden Gefäßen ein Machtausgleich erfolgt).
- Die Bedeutung des Meeres wird in Zukunft als Transportweg und Hort der Ressourcen weiter steigen.
- Grundsätzlich ist die Hohe See frei für jedermann - die Ausdehnung der territorialen Gewässergrenzen reduziert die Hohe See spürbar und erhöht die Anzahl der Grenzstreitigkeiten.
- Nicht nur die Einsatzführung aus küstennahen Gewässern weit ins Landesinnere, sondern auch die Einsatzführung in küstennahen Gewässern, um die Einsatzführung aus küstennahen Gewässern durch den möglichen Gegner zu verhindern, gewinnt immer mehr an Stellenwert im heutigen Denken.
- Die Anforderungen an Seestreitkräfte werden in den komplexen Szenarien für jene Staaten mit Hochseeambition immer höher und das erforderliche Fähigkeitsspektrum breiter.
Somit kann festgestellt werden, dass sich sowohl die Lehren Mahans als auch Corbetts im Standardwerk Geoffrey Tills wiederfinden. In diesem werden sie jedoch ins 21. Jahrhundert versetzt. Till passt in seinem Werk das Bekannte an neue Umfeldbedingungen und waffentechnische Weiterentwicklungen an. Die Lehren Mahans und Corbetts bleiben bis dato grundsätzlich valide, wobei bei detaillierter Betrachtung Mahan zwar möglicherweise ein Teil des Denkens Corbetts sein kann, Corbetts Doktrin auf Dauer jedoch den Zweck verfolgt, jene Zeitspanne zu überbrücken, bis man selbst in der Lage ist, Mahans Ansätze umzusetzen. Staaten entschließen sich offensichtlich nicht aus freien Stücken zur Umsetzung von Corbetts Seestrategie, sondern wählen, wie am Beispiel Europas oder Chinas ersichtlich - diesen Ansatz, da sie zur Umsetzung des Mahan’schen Denkens weder die personellen noch die materiellen Ressourcen besitzen. Sie verfolgen Corbetts Doktrin jedoch wahrscheinlich nur so lange, bis sie auf jene Mahans wechseln können.
Der Zweck der Seestrategie Corbetts ist jedoch das Brechen der Vorherrschaft des Hegemonen, um dann seinen Platz einzunehmen und folglich selbst, so sehr dies im heutigen Zeitalter möglich ist,96) Mahan folgend zu handeln. Diesem Denken wurden bis heute keine neuen wahrhaften Meilensteine beigefügt. Geoffrey Tills Werk jedenfalls stützt die Theorie der Anwendbarkeit Mahans und Corbetts, deren Lehren im Umfeld des 21. Jahrhunderts neu gedacht werden können und auch müssen.



ANMERKUNGEN:
1) Samuel P. Huntington. In: Rubel, Navies and Economic Prosperity (1.).
2) Clausewitz: Vom Kriege (2008) S.509.
3) Wimmer: Militär als staatliches Instrument zur Umsetzung strategischer Interessen (2014) S.8-9.
4) Ganz abgesehen davon dienen seit 2015 österreichische Soldaten sowohl im EU Operations Headquarters von EUNAVFOR MED Operation SOPHIA, also dem multinationalen, militärstrategischen Hauptquartier einer maritimen Operation, als auch im Force Headquarters auf operativer Ebene.
5) Bundeskanzleramt Österreich, Österreichische Sicherheitsstrategie Sicherheit in einer neuen Dekade - Sicherheit gestalten (Juli 2013), S.9-10.
6) Die historische Herleitung in diesem Zusammenhang würde den gebotenen Rahmen weit überschreiten. Grundsätzlich kann jedoch festgestellt werden, dass der Kampf um die Hegemonialmacht über Jahrhunderte zwischen Land- und Seemächten ausgetragen wurde. Von dem Zeitpunkt an, von dem an es sich bei diesen Auseinandersetzungen nicht mehr um innereuropäische Konflikte handelte, nahm Kontinentaleuropa stets den Part der Landmacht ein, woraus sich die strategische Ausrichtung bis in die heutige Zeit ergab. Kennedy: The rise and fall of the great powers (1988) S.488-540.
7) Till: Seapower s.FN3 (2013) S.6. Die Eingrenzung auf diesen Raum bietet sich auch an, um den Rahmen dieser Abhandlung nicht zu sprengen. Die Lehren Gorschkows beispielsweise wurden somit absichtlich außer Acht gelassen.
8) Mahan: The Influence of Sea Power Upon History 1660-1783 s.FN14 (1898) S.22-24. Dieses Denken war, dessen war sich Mahan durch auch selbst bewusst, seiner Provenienz als Marineoffizier geschuldet. Mahan: The Influence of Sea Power Upon History 1660-1783 Preface, VI.
9) Mahan: The Influence of Sea Power Upon History 1660-1783 S.82-89.
10) Reference is heard in naval circles to three metaphorical „colors“ of water: blue, green, and brown. They denote generally the proximity of land: „blue“ water, the oceanic, reaches farthest from land; „green“ water is the oceanic littoral; and „brown“ water comprises rivers, bays, and estuaries. In the Cold War, these colors had more specific meanings. Blue water meant those areas of the ocean in which only other naval forces could confront one‘s own. Green water denoted those areas of the ocean in which naval forces could be confronted and affected by land-based aircraft. Brown water was that zone of the ocean that could be covered by ground-based artillery. This distinction had some vague planning value, but the advent of long-range jet bombers carrying antiship cruise missiles made virtually all of the oceans „green“. In the era of total U.S. Navy dominance after the Cold War, the „colors“ of water all but disappeared, other than in characterizations of a navy as „blue water“, which meant oceangoing, capable of more than purely littoral operations. With the emergence of very capable sea-denial forces and oceangoing navies that might turn out to be adversaries, there is utility to readopting this shorthand, but with new definitions. The new basis of definitions would be the kind of naval forces that can operate at an acceptable degree of risk in water of each color.“ Rubel, Talking about Sea Control (2010) S.44-45.
11) Durch diese Maßnahme wurde von Seiten der NATO v.a. auf die sowjetische Bedrohung durch Unterseeboote reagiert, die einerseits die Nachführung von Truppen über den Atlantik verhindern sollten und andererseits mittels atomar angetriebener sowie bewaffneter Unterseekriegsmittel eine nukleare Gegenschlagfähigkeit der Sow­jetunion sicherstellen sollten. Mittels der Bluewater Tendency sollten demnach Einsatzmittel zur Eindämmung der sowjetischen Nordflotte als auch gegen die Unterseebootbedrohung im Arktischen Meer vorgebracht werden.
12) „Immer wieder in der Seekriegsgeschichte stellt die Nutzung modernster Technologie durch materiell unterlegene Gegner eine potenzielle Bedrohung für die Seeherrschaft einer zahlenmäßig überlegenen Seemacht dar. Eine solche Option bot zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Einsatz von U-Booten und Seefliegerkräften.“ Jentzsch/Witt: Der Seekrieg 1914-1918 (2016) S.21.
13) Mahan: The Influence of Sea Power Upon History 1660-1783 S.6-9. Mahan unterstellte somit maritimen Kräften im Sinne der Seekriegführung ebenso eine grundsätzliche offensive Ausrichtung, wohingegen für die Defensive ein Bedarf an Landstreitkräften herrschte. Mahan: The Influence of Sea Power Upon History 1660-1783 S.87.
14) Mahan: The Influence of Sea Power Upon History 1660-1783 S.83-89.
15) U.S. Government - Department of the Navy, How we fight: handbook for the naval warfighter (2015) S.58-59. Sea Control bedeutet „what navies always sought in war: the ability to prevail in the area of conflict and utilize that sea-space (and air-space) for its own purposes. A more formal definition of sea control would be the ability to dominate sea and air lanes and then to defeat a foe’s littoral, sea, air, and related space and cyberspace capabilities throughout a broad theater of operations. Sea control is the opposite of sea denial, which is the lesser ability of preventing one’s opponent from using a particular sea space, without an ability to control it for one’s own purposes. Some navies are only built for sea denial, not the full sea control mission.“ U.S. Government - Department of the Navy, How we fight: handbook for the naval warfighter S.58.
16) Mahan: The Influence of Sea Power Upon History 1660-1783 S.82-89. Im Grunde entspricht diese Philosophie bereits dem strategischen Verständnis der heutigen Zeit im Sinne eines gesamtstaatlichen Einsatzes aller verfügbaren Wirkmittel zum Erreichen eines langfristig definierten Zieles.
17) Mahan: The Influence of Sea Power Upon History 1660-1783 S.29-58.
18) Siehe dazu: Botschaft der Bundesrepublik Deutschland, Russland in Zahlen (2016) S.6-23.
19) Die Instruments of Power stellen jene Mittel eines Staates dar, mit welchem im Großen andere Akteure affektiert werden können. Es sind dies die Politik, das Militär, die Wirtschaft und das Sozial-Gesellschaftliche. Böhm/Fiedler/Wasinger: Die alliierten Landungen in Italien. In Roch (Hrsg): Viribus Unitis (2015) 5 (5.)
20) Corbett: Principles of maritime strategy (2004) S.105-106.
21) Corbett: Principles of maritime strategy S.105-106.
22) Die Marineführung versuchte im Ersten Weltkrieg durch sukzessive Schwächung der britischen Grand Fleet ein Stärkegleichgewicht zur eigenen Hochseeflotte zu erzielen. Erst dann sollte eine Entscheidungsschlacht, nach Mahan, zwischen Helgoland und der Themsemündung von deutscher Seite gesucht werden. Um die britischen Seestreitkräfte herauszulocken, unternahm die deutsche Marineführung Vorstöße gegen Blockadekräfte (z.B. die Schlacht auf der Doggerbank 1915), Minenoperationen (z.B. Minenunternehmung des Hilfsminenlegers Königin Luise am
5. August 1914) oder Beschießungen der britischen Küste selbst (z.B. der Scarborough-Raid 1914) - dieses Vorgehen wurde auch als Reizstrategie bezeichnet. Dabei sollten Teile der Grand Fleet zur Schlacht gestellt und durch überlegene deutsche Kräfte besiegt werden. Jentzsch/Witt: Der Seekrieg 1914-1918 S.40-54.
23) Corbett: Principles of maritime strategy S.78-80.
24) Corbett: Principles of maritime strategy S.105-106.
25) Corbett: Principles of maritime strategy S.86. Diese Anpassung muss jedoch auch im Sinne eines Vergleichs beider Theorien mitbedacht werden. Mahans Werk wurde 1890 veröffentlicht, Corbetts Lehren erschienen 1911. Wie im Folgenden noch beleuchtet wird, sind die waffentechnischen Weiterentwicklungen in diesen
20 Jahren zwingend mit zu beurteilen.
26) Maritime power projection is the use of, or threat of the use of, maritime power to influence events on land. It exploits sea control to achieve access to the littorals and to deliver power ashore. NATO, NATO ALLIED JOINT MARITIME OPERATIONS (1.4.2004).
27) Till: Seapower 1-2. Mahan pflichtet ihm in diesem Urteil bei. Mahan: The Influence of Sea Power Upon History 1660-1783 S.11 sowie S.64-67.
28) Massie: Dreadnought1 (1992) S.223-226.
29) Unter Dreadnought waren die ersten Großkampfschiffe zu verstehen. Ihr Name leitete sich vom britischen Schlachtschiff HMS Dreadnought, dem ersten seiner Art, ab. Dreadnoughts lösten als Schlachtschiffe die bis zu diesem Zeitpunkt verwendeten Linienschiffe ab. Massie: Dreadnought S.8-9.
30) Böhm/Fiedler/Wasinger in Roch 16.
31) Unter „Sea Denial“ ist die Fähigkeit zu verstehen, einem Kontrahenten die ungehinderte Nutzung der See zur Einsatzführung zu verwehren. Adäquate Mittel zur Umsetzung dieser Fähigkeit bilden zum Beispiel Unterseeboote und Seeminen. Böhm/Fiedler/Wasinger in Roch 16.
32) Böhm/Fiedler/Wasinger in Roch.
33) In den Pazifikschlachten des Zweiten Weltkrieges wurden jedoch nichtsdestotrotz wiederholt vermeintliche Entscheidungsschlachten geführt, nicht zuletzt, weil das Kaiserreich Japan sich die Rolle als „schwächere Flotte“ nicht eingestehen wollte. Dies führte im Laufe des Krieges zur Abnützung der kaiserlich-japanischen Marine in materieller, jedoch v.a. in personeller Hinsicht. Unter der Voraussetzung also, dass der materiell Unterlegene seine Rolle nicht annimmt, erhält das Entscheidungsschlachtdenken seine Gültigkeit.
34) Die Problematik der Nordflanke wurde gerade wieder durch die sich abzeichnende permanente Passierbarkeit der Nordwestpassage relevant. In diesem Zusammenhang müssen auch die Ansprüche Russlands am Polarkreis verstanden werden.
35) Till: Seapower S.25-26. Als Landmacht vermochte und vermag Russland die in seinem Interessensbereich unmittelbar relevanten Truppenbewegungen auch auf dem Land- beziehungsweise Luftweg zu bewerkstelligen.
36) Till: Seapower S.27-32.
37) Als Beispiel soll hier Indien genannt werden, das nach dem Ende des Kalten Krieges erst seinen Platz in der neuen Weltordnung absichern muss. Wojczewski: Indische Weltordnungspolitik, GIGA Focus 2016, 1 (3.)
38) Till: Seapower S.84-86.
39) So beschreibt der ehemalige Kommandant des U.S. Marine Corps, General Charles C. Krulak, von 1995-99, die Rolle des „Strategischen Korporals“ beziehungsweise die Anforderungen der komplexen Szenarien, des so genannten Three Block War, an den Menschen. Einfach dargestellt bedeutet dies, dass der Soldat nicht weiß, welche Art und Intensität der Feindseligkeit beziehungsweise des Konfliktes ihn hinter der nächsten Straßenecke erwartet. Diese Szenarien erfordern von den eingesetzten Soldaten ein hohes Maß an Flexibilität, interkultureller Kompetenz und Sensibilität, um den Auftrag erfolgreich umsetzen zu können. In eigenen Worten definiert General Krulak wie folgt: The (Anmerkung: U.S. Marine) Corps has described such amorphous conflicts as - the three block war - contingencies in which marines may be confronted by the entire spectrum, of tactical changes in the space of a few hours and within the space of three continuous city blocks (Krulak: The Strategic Corporal, Marines Magazine 1999).
40) Schadenböck: Von der Taktik der Landstreitkräfte S.232.
41) Binnie: UAE’s Swift hit by anti-ship missile, IHS Jane’s Defence Weekly 2016, S.5 (5.).
42) BKA, Österreichische Sicherheitsstrategie (2013) S.610.
43) Felberbauer: Comprehensive Approach 2011, 9 (2011) 5.
44) Till: Seapower S.32-41.
45) Siehe dazu Kapitel 7. Maritime Power Projection and A2/AD.
46) Dabei steht der „stationäre“ Einsatz von Seestreitkräften im eigentlichen Widerspruch zu den eigentlichen Rahmenbedingungen der hohen See; in diesen ist der Faktor Raum gleichzeitig Handlungsspielraum und Schutz.
47) Harding: Seapower and Naval Warfare 1650-1830, S.286.
48) Till: Seapower S.109.
49) Sea-basing is claimed to be more than simply a refinement of previous aspirations to support and supply military operations ashore from the sea. The Kosovo, Afghanistan, East Timor, Sierra Leone, and Iraq operations all demonstrated that a variety of physical and political factors may reduce the availability of land bases and highlighted the potential advantages of keeping supporting supplies and military assets at sea. Accordingly, the aim is to marshall logistically while float rather than ashore, and to employ a direct one stage method of supplying the end-user rather than a two-stage process, making use of depots ashore. Sea-basing also is intended to be a truly „joint“ technique-and one with the capacity to offer endusers a support system that can be precisely focused, that is, scaled and tailored to the particular current and future needs of the end-user in various changing situations. Till: Naval Transformation, Ground Forces, and The Expeditionary Impuls (2006) S.16-17.
50) Till: Seapower S.109.
51) Die Implementierung von Seezielflugkörpern auf heutigen Kampfflugzeugen ist von technischer Seite bereits gegeben, die taktischen Verfahren müssen erst von Besatzungen trainiert und geübt werden und entsprechen nicht denen an Land.
52) Till: Seapower S.110.
53) Till: Seapower S.110-113.
54) Till: Seapower S.113-114.
55) Change 1 to AJP-3.1 ALLIED JOINT MARITIME OPERATIONS.
56) Till: Seapower S.157.
57) So der Versuch der deutschen Hochseeflotte im Jahr 1916, im Zuge der Skagerrak-Schlacht Teile der britischen Grand Fleet zu vernichten und so deren Überlegenheit zu brechen. Sobald zumindest ein Kräftegleichgewicht erzielt wurde, sollte in Anlehnung an Mahan die Entscheidungsschlacht gesucht werden.
58) Till: Seapower S.158-173.
59) Diesem Ansatz folgend löste u.a. das Vorhandensein der britischen Grand Fleet das Flottenrüstungsprogramm des deutschen Kaiserreichs aus. Im Ersten Weltkrieg wurden dann große Teile der deutschen Hochseeflotte örtlich allein durch die Existenz der Grand Fleet gebunden. Durch die Reizstrategie sollte in Vorbereitung für eine Entscheidungsschlacht ein günstigeres Kräfteverhältnis geschaffen werden. Als weiteres Beispiel dient das Schlachtschiff Tirpitz der deutschen Kriegsmarine, das während des Zweiten Weltkrieges in norwegischen Fjorden lag und durch die alleinige Anwesenheit die Versorgungskonvois bedrohte und somit starke Sicherungskräfte der britischen Royal Navy band.
60) Till: Seapower S.173-178.
61) Unter einer „Fleet in Being“ versteht man maritime Kräfte, die ihre Wirkung ausschließlich durch ihr Vorhandensein erfüllen. Diese bloße Präsenz kann somit als Mittel verwendet werden, einerseits „Sea Denial“ durchzuführen und andererseits feindliche maritime Einsatzmittel zu binden. Böhm/Fiedler/Wasinger in Roch 22.
62) So wurde im Kalten Krieg im Zuge der Barrier Operations der NATO das Northern Gap (Grönland - Island - Großbritannien - Norwegen) geschlossen, um den sowjetischen Seestreitkräften den Zugang zum Atlantik zu verwehren.
63) Till: Seapower S.178-183.
64) Die ist realistisch im Sinne des Effekts des Sea Control zu verstehen.
65) Till: Seapower S.86.
66) Wimmer: Militär als staatliches Instrument zur Umsetzung strategischer Interessen S.7.
67) The projection of military power over extended lines of communications into a distant operational area to accomplish a specific objective. NATO Glossary of terms and definitions (2015), 2-E-6.
68) Employment of forces on the battlefield through movement in combination with fire, or fire potential, to achieve a position of advantage in respect of the enemy in order to accomplish the mission. NATO, NATO ALLIED JOINT MARITIME OPERATIONS (1.4.2004), LEX-7. Das operative Manöver erweitert dabei den Handlungsrahmen um die weiteren Teilstreitkräfte, im genannten Zusammenhang um die Marine.
69) Maritime platforms can contribute significant intelligence, area surveillance and communications capabilities to the joint force. They can also provide air defence over littoral areas, including against theatre ballistic missiles. It is also possible to provide logistic support for land forces from the sea, thus reducing the logistic footprint required ashore. Maritime forces can assist in protecting joint forces or territory by providing a sea-based defensive barrier, or by defending against enemy manoeuvre from the sea. Maritime platforms may also be used as command and control locations by joint or land headquarters at all stages of a joint operation. When operating in littoral environments, including confined and shallow water, maritime units may be threatened by sea mines, torpedoes, fast attack craft, air manoeuvre operations, midget submarines, shore batteries or other asymmetric attack. NATO, NATO ALLIED JOINT MARITIME OPERATIONS (1.4.2004), S.1-20.
70) Till: Seapower S.187-189. Maritime forces can contribute to air and missile defence using capabilities that require enhanced data link architecture, optimized sensors, and SAM systems. This mission requires close coordination and de-confliction between all component commanders. NATO ALLIED JOINT DOCTRINE FOR AIR-MARITIME COORDINATION (Dezember 2014), S.3-6.
71) Böhm/Fiedler/Wasinger in Roch 93.
72) Mahan, The Influence of Sea Power Upon History 1660-1783 S.29-34.
73) Till: Seapower S.210.
74) Ends, Ways und Means beschreiben vereinfacht den Dreiklang einer Strategie. Über das Instrument der Strategie werden Ziele über definierte Wege mittels Ressourcen erreicht beziehungsweise deren Erreichen geplant. Der Dreiklang aus Ends, Ways und Means funktioniert einem dreibeinigen Stuhl gleich, je ausgeglichener diese abgestimmt sind, desto geringer ist das in Kauf genommene strategische Risiko aufgrund einer Dysbalance. Entsprechen inves­tierte Ressourcen nicht den angestrebten Zielen, so werden diese nicht erreicht werden. Cerami/Holcomb: U.S. Army War College guide to strategy (2001) S.179-184.
75) A2/AD ist dabei eine der möglichen Antworten auf Maritime Power Projection. Anti-Access bedeutet, dass man Aktionen und Fähigkeiten einsetzen kann - auch über größere Distanzen -, um gegnerische Kräfte vom Zugang zu einem Operationsraum abzuhalten. Aria-Denial definiert Aktionen und Fähigkeiten - über eher geringere Distanzen -, die zwar den Zugang des Gegners zu einem Operationsraum nicht verwehren, aber dort seinen Handlungsspielraum einengen sollen. Scholik: Power-Projection vs Anti-Access/Area-Denial (A2/AD), ÖMZ 2014, S.408 (409.)
76) The Air Force and Navy together are developing a new joint air-sea battle concept for defeating adversaries across the range of military operations, including adversaries equipped with sophisticated anti-access and area denial capabilities. The concept will address how air and naval forces will integrate capabilities across all operational domains - air, sea, land, space, and cyberspace - to counter growing challenges to U.S. freedom of action. As it matures, the concept will also help guide the development of future capabilities needed for effective power projection operations. Department of Defence, Quadrennial Defense Review Report (Februar 2010) S.31-32.
77) Combined Arms for the 21st Century requires ready and resilient Army and Marine Corps combat forces capable of outmaneuvering adversaries physically and cognitively through the extension of combined arms across all domains. Through credible forward presence and resilient battle formations, future Army and Marine Corps forces integrate and synchronize capabilities as part of a joint team to create temporary windows of superiority across multiple domains and throughout the depth of the battlefield in order to seize, retain, and exploit the initiative; defeat enemies; and achieve military objectives. Army Capability Integration Center, Multi-Domain Battle (17.2.2017) S.4.
78) Scholik, ÖMZ 2014, S.410-415. Siehe dazu auch: Corbett, Principles of maritime strategy S.280-304.
79) Till: Seapower S.211-218.
80) Till: Seapower S.221-223.
81) Till: Seapower S.284-289. Seestreitkräfte bewirken dabei sowohl konventionelle Gegner als auch beispielsweise die Piraterie, Wirtschaftskriminalität oder Migrationsbewegungen.
82) Im Sinne der Schaffung, Erhaltung und Unterhaltung der Fähigkeitsträger sowie der Bildung, Ausbildung und Weiterbildung der Humanressource.
83) Till: Seapower S.228-229.
84) Till: Seapower S.253-256.
85) Böhm/Fiedler/Wasinger in Roch.
86) Till: Seapower S.258.
87) „Sea control is the foundation of seapower primacy. Credible combat power is the combination of sea control and power projection, the ability to exploit the sea as maneuver space in order to project influence and power ashore.“ U.S. Naval War College, Naval Warfare (März 2010) S.29.
88) Till: Seapower S.319-320.
89) Till: Seapower S.336.
90) Scholik: Mahan oder Corbett, ÖMZ 2013, S.140 (140.)Siehe dazu auch: U.S. Naval War College, Naval Warfare S.29.
91) Fisher: China’s victory day parade, IHS Jane’s Defence Weekly 2015, 6. (6.)
92) Anderson/Binnie/Carl/Larringa/Dominguez/Fein/Felstead/Forrester/Fryer-Biggs/Grevatt/Malenic/Tringham/Wasserbly, Annual Defence Report 2016: Europe, IHS Jane’s Defence Weekly 2016, S.18-24. (20.)
93) Im Jahr 2016 wurde dies wiederholt von der russischen Marine im Mittelmeer durch die Zusammensetzung des Trägers Admiral Kuznetsow und des Raketenkreuzers Piotr Weliki umgesetzt. Anderson/Binnie/Carl/Larringa/Dominguez/Fein/Felstead/Forrester/Fryer-Biggs/Grevatt/Malenic/Tringham/Wasserbly, IHS Jane’s Defence Weekly 2016, S.20. Der offensive Einsatz des Trägers im Mittelmeer samt Luftkomponente konnte in diesem Szenario abseits der Doktrin erfolgen, da der jeweilige Gegner nicht über Anti-Schiffskampfmittel verfügt. Komplettiert wird der Effekt des See Denial durch den verstärkten Einsatz von Unterseebooten.
94) Das Joint Concept for Access and Maneuver steigert somit durch die Bündelung aller vorhandenen Ressourcen v.a. die Effizienz. Zweck dieses Handelns bleibt jedoch die Erlangung von Sea Control. Siehe dazu: http://www.defensenews.com/story/defense/policy-budget/warfare/2015/01/24/air-sea-battle-china-army-navy/22229023/.
95) Scholik, ÖMZ 2014.
96) V.a. die heutige Waffentechnik und die Cyber-Domäne erschweren eine Umsetzung der Mahan’schen Doktrin zunehmend.