Tagung zum Ersten Weltkrieg an der Landesverteidigungsakademie


Wien, 04. Oktober 2018  - Nachdem 2014 sehr viele Studien zum Ersten Weltkrieg erschienen, scheint das öffentliche Interesse etwas abgeflaut. Dennoch befassen sich Fernseh-Dokumentationen ebenso wie wissenschaftliche Studien weiterhin mit der "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts". Dies liegt nicht zuletzt darin begründet, dass uns die Folgen dieses Krieges bis heute beschäftigen.

Konferenz mit Partnerland Deutschland

Für die Landesverteidigungsakademie war das Gedenken an den Ersten Weltkrieg der Anlass, sich in einer Serie von Symposien mit diesem Konflikt und seinen Folgen zu beschäftigen. Seit 2012 befasst sich jedes Jahr im Oktober eine Tagung mit einem Kriegsjahr bzw. einem Kriegsschauplatz, und dies in Kooperation mit einem Partnerland.

Voriges Jahr war Polen der Partner einer Konferenz, die sich besonders der Ostfront gewidmet hat; heuer ist Deutschland der Partner bei der Tagung, die einerseits dem Kriegsjahr 1918 und andererseits der Westfront gilt. Dies ist nicht zuletzt Ausdruck der engen und langjährigen Kooperation mit dem "Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften" der Bundeswehr in Potsdam.

Erwin Schmidl, Leiter des Instituts für Strategie und Sicherheitspolitik an der Landesverteidigungsakademie, bei seinen Ausführungen.

Oberst Gerhard Groß erläuterte den Ersten Weltkrieg an der Westfront.

Franz Felberbauer referierte über Kanonen und Maschinengewehre im Ersten Weltkrieg.

Oberstleutnant Christian Stachelbeck beschäftigte sich in seinem Vortrag mit der Entwicklung der deutschen Landkriegstaktik im Gefecht der verbundenen Waffen.

Entfremdung zwischen Front und Hinterland

Eröffnet wurde diese Tagung am Montag, den 1. Oktober, mit einem Einleitungsvortrag von Gerhard Hirschfeld, einem der renommiertesten deutschen Historiker. In seinem Vortrag spannte Hirschfeld den Bogen über die Entwicklung des Jahres 1918 und zeigte die zunehmende Entfremdung zwischen Front und Hinterland. Angesichts der optimistischen Propaganda, der man schließlich auch selbst glaubte, erschien der politischen Führung, aber auch vielen Zeitgenossen im Deutschen Reich und in Österreich-Ungarn der Zusammenbruch im Herbst 1918 unbegreiflich - und bereitete letztlich den Boden für die "Dolchstoßlegenden", die in der Zwischenkriegszeit weiterwirkten.

Die Tagung setzte sich vom 2. bis 4. Oktober im Österreichischen Staatsarchiv fort. Insgesamt 25 Wissenschaftler aus dem In- und Ausland erörterten Themen der militärischen, politischen und sozialen Entwicklung des Jahres 1918.