Boaz Ganor: "The Art of Counter-Terrorism" - Gastvortrag an der Landesverteidigungsakademie


Wien, 28. Mai 2018  - Montagabend hielt Boaz Ganor, einer der weltweit führenden Spezialisten auf dem Gebiet der Terrorismusbekämpfung, einen Gastvortrag an der Landesverteidigungsakademie in Wien zum Thema: "The Art of Counter-Terrorism". Ganor folgte einer Einladung der Landesverteidigungsakademie und der Forschungsgruppe für Polemologie und Rechtsethik der Universität Wien. Der Kommandant der Akademie, Generalleutnant Erich Csitkovits, durfte zahlreiche Besucher, darunter auch die israelische Botschafterin Talya Lador-Fresher zu diesem hochkarätigen Vortrag begrüßen.

Transnationaler Terrorismus

Der transnationale Terrorismus hat Europa längst erfasst. Mit den Terroranschlägen von Paris im November 2015 hat eine Zäsur eingesetzt. Lange bewährte analytische Gewissheiten gerieten nicht nur in die akademische Kritik. Denn der Terrorismus ist konvergent geworden. Ganz bewusst werden nunmehr "bewährte" Taktikten adaptiert und mitunter aus bestehenden Ansätzen patchworkartig rekonstruiert. Terrororganisationen sind anarchisch lernfähig und taktisch in hohem Maße flexibel geworden. Alles deutet auf einen systemischen Paradigmenwechsel hin, der traditionelle Bekämpfungszugänge obsolet erscheinen lässt.

Die fünf Probleme der Terrorismusbekämpfung

Ganor hat ein fünfpoliges Modell gelingender Terrorismusabwehr entwickelt. Jeder Zugang entspricht für den ausgewiesenen Experten einem Dilemma, da man stets unterschiedliche Interessen und Grundsätze abwägen müsse.

Zuerst sei ihm zufolge festzustellen, welchen Feind man bekämpfe: ob Einzeltäter ("Lone Wolf"), unabhängige Gruppe oder gelenkte Terrorzelle, da Bekämpfungsansätze auf diese spezifischen Unterschiede abzielen müssten.

Zudem sei das "Rationale", die intrinsische Motivation der Terroristen, im Sinne einer Kosten-Nutzen-Rechnung zu erschließen.

Um erfolgreich zu kontern, müssten die zuständigen Behörden gleichzeitig sowohl die Intention als auch die Fähigkeiten der terroristischen Angreifer ins Visier nehmen.

Liberale Demokratien hätten graduelle Einschränkungen der individuellen Freiheit (z.B. Personenkontrollen, Überwachungsmaßnahmen) in der Gewährleistung von Sicherheit in Kauf zu nehmen, um ebendiese zu gewährleisten.

Es bedürfe eines breiten Konsenses gegen die Gewalt islamistischer Terroristen, vor allem bei moderaten Muslimen, wo Ganor ein breites Unterstützungspotential erkennt.

Abschließend sei eine Terrorismusbekämpfungsdoktrin zu gewährleisten, die auf einem möglichst festen konsensualen Fundament in der Zivilgesellschaft beruht. 

Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich rasch eine lebhafte und höchst spannende Diskussion zwischen Boaz Ganor und dem Publikum.

Boaz Ganor ist Dekan und Inhaber des Ronald Lauder Lehrstuhls für Terrorismusbekämpfung an der Lauder School of Government, Diplomacy & Strategy sowie Gründer und Geschäftsführer des International Institute for Counter-Terrorism am Interdisciplinary Center in Herzliya, Israel. Als Berater stellte er seine Expertise unter anderem dem Exekutivdirektorat für Terrorismusbekämpfung der Vereinten Nationen, dem FBI, dem US Department of Homeland Security sowie etlichen Nachrichten-, Sicherheits- und Polizeidiensten zur Verfügung.

Boaz Ganor ist einer der weltweit führenden Spezialisten auf dem Gebiet der Terrorismusbekämpfung.

Der Kommandant der Landesverteidigungsakademie, Generalleutnant Csitkovits, begrüßte die Gäste.

Christian Stadler, Leiter der Forschungsgruppe Polemologie und Rechtsethik, bei seinen einleitenden Ausführungen.