Visum est spectaculum

Die Gladiatorenspiele im Wechselspiel mit Militär und öffentlicher Sicherheit (Teil 1)

Christoph Ebner

 

Das Verhältnis der römischen Legionen zur „Unterhaltungsindustrie“, insbesondere den Gladiatorenspielen, erschöpfte sich keineswegs in der Muße der Soldaten und der räumlichen Verbindung von Lagern und Arenaovalen. Im Gegenteil manifestierte sich die durchwegs wechselhafte Beziehung u.a. etwa im Eid des Gladiators, der sich an demjenigen des Legionärs orientierte, wie auch an dem sehr unterschiedlichen Nutzen, den Feldherren und Kaiser besonders auch in Krisenzeiten aus der Spielewirtschaft zogen. Dem gegenüber stand eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit, festzumachen an der Vielzahl waffenfähiger Männer in den Gladiatorenschulen, die ihr Bedrohungspotenzial und auch ihre zerstörerische Kraft im Spartacus-Aufstand erstmals der breiten Öffentlichkeit vor Augen führten. Die nachfolgenden Betrachtungen sollen daher die Entwicklung der Gladiatur und ihre wechselvolle Beziehung zum Militär wie auch ihren Einfluss auf die römische Sicherheitspolitik zumindest in Grundzügen anschaulich machen.

 

Die Gladiatorenspiele im Rom der Republik

Die ersten schriftlich dokumentierten Fechtspiele, die im Jahr 264 v.Chr.[1]) in Rom veranstaltet wurden, hatten wohl den Charakter von Totenopfern, dargebracht im Rahmen von Leichenfeierlichkeiten der gesellschaftlichen Eliten. Die Protagonisten, die bei den Scheiterhaufen bzw. nach den Bestattungen kämpften, waren laut Tertullian, einem christlichen Apologetiker am Übergang vom 2. auf das 3. Jahrhundert n.Chr., Kriegsgefangene und mali status servi,[2]) Sklaven von schlechter körperlicher Gestalt. Gerade Letztere versprachen in einer Gesellschaft, die in der Bearbeitung von Grund und Boden ihr Auskommen und durchaus auch Reichtum fand,[3]) keinen unmittelbaren Nutzen mehr.[4]) Sie konnten daher von ihren Herren ohne Bedenken wirtschaftlicher oder humanitärer Art in einem Kampf auf Leben und Tod „geopfert“ werden. Diese Auswahl an Fechtern lässt allerdings vermuten, dass das Publikum keinesfalls mit hochstehender Kampfkunst verwöhnt wurde. Inhalt und auch Zweck der „Spiele“ war vielmehr das blutige Opfer.

Trotz des wohl nicht nur aus heutiger Sicht zweifelhaften Unterhaltungswertes zogen diese Darbietungen das Publikum rasch in ihren Bann. Der vielleicht auch unerwartete Erfolg unterwarf Angehörige der Oberschicht bereits in den folgenden Jahrzehnten zunehmend dem gesellschaftlichen Zwang, für verstorbene Familienmitglieder Leichenspiele zu veranstalten. Aufgrund des römischen Klientelsystems und dessen Bedeutung für die politische Ämterlaufbahn[5]) mussten v.a. junge Adelige, die den cursus honorum beschreiten wollten, in der Öffentlichkeit als Wohltäter auftreten. Die Fechtkämpfe im Rahmen von Begräbnisfeierlichkeiten, von den Römern bald munera genannt, eigneten sich nun besonders dazu, die Verdienste der Vorfahren publizitätswirksam zu betonen und nicht zuletzt aus der Position des Veranstalters auch persönlichen Ruhm abzuleiten. Die zunehmende Zahl an gleichartigen Fechtspielen brachte neben Unterhaltung fürs Volk und dem prognostizierten Prestigegewinn allerdings auch den direkten Vergleich der Veranstalter, der editores. Das Publikum beäugte Ausstattung wie Kämpfer kritisch und unterzog sie nicht zuletzt in den Gesprächen auf den Straßen und in den Tavernen einem qualitativen und quantitativen Vergleich. Der Unterhaltungsfaktor wurde auf diese Weise von den Zuschauern wie auch den Veranstaltern über den religiösen Aspekt erhoben und damit geradezu zum zentralen Element der Fechtspiele. Damit erfolgte der entscheidende Entwicklungsschritt von den Leichenspielen hin zu den bekannten Gladiatorenspielen.

Um den stetig wachsenden Anforderungen entsprechen zu können, mussten jetzt nachhaltige Investitionen in die Infrastruktur der Kämpfe getätigt werden, in besonderem Maß in die Auswahl und Ausbildung der Protagonisten. Waren das bisher Männer, die für ihre Herren keinen anderen Nutzen (mehr) versprachen, so mussten sich die Auswahlkriterien nun entscheidend und nachhaltig ändern. Die neue Generation an Gladiatoren musste in der Lage sein, das Training wie auch die Kämpfe zu meistern und dem Publikum ansprechende Unterhaltung zu bieten. Dazu sollten sie nicht zuletzt so gut wie möglich im Gebrauch von Waffen unterrichtet werden.[6]) Aus dem ursprünglichen „Abschlachten“ wurde damit ein Kampf auf Leben und Tod.

Ermöglicht wurde das Wachstum der „Industrie“ durch den Strom an Sklaven, der sich aufgrund der siegreichen Eroberungskriege des 3. und 2. vorchristlichen Jahrhunderts nach Rom und auf die Apenninenhalbinsel ergoss. Gladiatorenklassen und ihre Bezeichnungen lassen sich so nicht ohne praktischen Grund auf die ethnische Herkunft und typische Bewaffnung von Kriegsgefangenen zurückführen. Dementsprechend standen etwa der Samnite, der Thraker oder auch der Hoplit[7]) in der Arena. Die nunmehrigen Gladiatoren hatten oftmals in den Armeen ihrer Heimatgebiete gekämpft und brachten daher Erfahrung in der Handhabung spezieller Waffen mit.[8]) Die Kampfstile, die in den in der Folgezeit vermehrt eingerichteten Gladiatorenschulen, den ludi, Einzug hielten und schließlich dort auch gelehrt wurden, waren somit den Besonderheiten der verschiedenen Rüstungen und Waffen geschuldet.[9]) Obwohl diese nicht typisch römisch waren, orientierten sich die Trainingsmethoden und Übungen der Fechtkämpfer an denen der Legionen.[10]) In dieser frühen Phase waren es nämlich die Eigentümer der Gladiatorentruppen selbst, die für die Fechtausbildung Sorge zu tragen hatten.[11]) Diese waren zumeist Mitglieder der Oberschicht, die sich der Mittel versichern wollten, um ihre politische Karriere zu starten bzw. weiter voranzutreiben.[12]) In der Zeit der Republik kreuzten sich Macht und Ansehen und damit eine politische Karriere beinahe zwangsläufig mit einer militärischen. Die Mitglieder der Oberschicht hatten daher zum großen Teil Erfahrungen in den Legionen gesammelt. Noch dazu erforderte ihre Rolle auf dem Schlachtfeld auch praktische Erfahrungen in der Fechtkunst,[13]) zu erkennen etwa am frührepublikanischen Ideal des Zweikampfes des römischen Feldherrn mit dem Anführer der Feinde[14]) in der Tradition der archaischen adeligen Krieger.[15]) So kann es nicht überraschen, dass sie auf die ihnen bekannten Elemente des Trainings der Legionen zurückgriffen, um die Ausbildung der zukünftigen Arenakämpfer zu strukturieren.

Wenn die Eigentümer die Verantwortung für das Fechttraining der zukünftigen Gladiatoren nicht selbst übernahmen, übertrugen sie diese an vertraute Personen, denen die Standards des Armeetrainings wohl ebenfalls durchwegs bekannt waren. Erst später und mit dem weiteren Wachstum der Industrie und der damit verbundenen Ausdehnung des Kreises der Veranstalter schalteten sich die lanistae im Sinne heutiger Sportmanager dazwischen, um genau diesen Schritt der Ausbildung zu übernehmen und einsatzbereite Gladiatorentruppen zur Miete oder zum Kauf anzubieten. Bis ans Ende des 2. Jahrhunderts v.Chr. hatte sich das Fechttraining der Gladiatoren schließlich nicht nur spezialisiert und den Erfordernissen angepasst, sondern auch in einem solchen Ausmaß weiterentwickelt, dass es weitverbreitet großes Ansehen genoss.[16])

 

Heeresreform und Überwindung gesellschaftlicher Tabus

Rutilius Rufus und die Fechtausbildung der Legionen

Der Charakter der Legionen als Milizarmee erschwerte v.a. die Ausbildung der jungen Soldaten (tirones).[17]) So lag es in der Zeit der Republik in der Verantwortung der Feldherren, genau diese Problematik in ihre Feldzugsplanungen mit einzubeziehen.[18]) In diesem Sinn nutzte etwa Tiberius Sempronius Gracchus d.Ä. den Großteil der Jahre 180 und 179 v.Chr. für das Training seines (schließlich auch erfolgreichen) Heeres.[19]) Den besonderen Anforderungen entsprechend wurde die Ausbildung der römischen Legionäre auch immer wieder angepasst und mit unterschiedlichen Vorgaben versehen.[20]) Den Fechtunterricht der Soldaten leiteten dabei die centuriones [21]) und damit Männer, die sich am Schlachtfeld als mutige und auch fähige Kämpfer erwiesen hatten.[22]) Diese zeichneten sich zumeist durch eine (für eine Milizarmee) ungewöhnlich lange Dienstzeit und die dadurch erworbenen Erfahrungen und militärischen Fähigkeiten aus.[23]) Der praktische Unterricht erfolgte am palus, dem Holzpfahl, sowie mit Holzwaffen im Kampf gegeneinander. Das Fechttraining im Heer entsprach damit in seinen Grundzügen zwar demjenigen in den Gladiatorenschulen, die weiterführenden Ausbildungsschritte waren jedoch auf den Formationskampf[24]) und die Beherrschung der typischen Waffen der römischen Armee[25]) ausgerichtet. Der Gladiator dagegen musste in noch viel stärkerem Maß im Kampf Mann gegen Mann Exzellenz beweisen. Seine Armierung war dabei oft ungewöhnlich oder orientierte sich wie bereits erwähnt an derjenigen fremder Völker. Die für die Handhabung dieser Waffen notwendigen Spezialkenntnisse vermittelten doctores, die zumeist wohl selbst ehemalige Gladiatoren waren.[26]) Die Ausbildung der einzelnen Gladiatoren wurde innerhalb der jeweiligen Waffengattung bald standardisiert, besonders nachdem mit der zunehmenden Einrichtung von Gladiatorenschulen eine entsprechende Infrastruktur geschaffen worden war. Den Fechtern wurden dort die so genannten dictata im Sinne allgemein bekannter Kommandos vermittelt, die noch Sueton zu Beginn des 2. Jahrhunderts n.Chr. dem schulmäßigen Fechten zuweist.[27])

Diese Fechttechniken hielten nun über einen Umweg wiederum Einzug in die Legionslager. Dabei waren es die Folgen der desaströsen Kämpfe gegen die Kimbern und Teutonen,[28]) welche die Voraussetzungen für eine tief greifende Reform der Legionärsausbildung bilden sollten. Nachdem nämlich bereits die ersten Aufeinandertreffen mit den Völkern aus dem Norden für die Römer Niederlagen gebracht hatten, waren es die besonderen Ergebnisse der Schlacht von Arausio[29]) im Jahr 105 v.Chr., dass zur Verteidigung Italiens kaum noch erfahrene Legionäre bereitstanden[30]) und der Armee keineswegs mehr das vorbehaltlose Vertrauen entgegengebracht wurde, die Bedrohung auch wirklich abwenden zu können. Somit war der Boden dafür bereitet, mit oder neben Neurekrutierungen auch innovative Maßnahmen zu setzen. In diesem Sinne bemühte sich Rutilius Rufus, einer der Konsuln des Jahres 105 v.Chr., in Erkenntnis der Situation nicht nur darum, diese Niederlage so schnell wie möglich vergessen zu machen, sondern auch um Verbesserungen, die helfen sollten, die Gefahr einer Invasion Italiens endgültig abzuwenden.

Wie er dabei vorging, berichtet der Schriftsteller Valerius Maximus:[31]) „Geschicklichkeit in der Führung der Waffen war für den Konsul Publius Rutilius, den Amtsgenossen des Cn. Mallius, eine wichtige Angelegenheit; und er wusste auch das Heer dafür zu gewinnen. Gegen die Grundsätze aller früheren Feldherren versammelte er um sich die Lehrer der Fechtkunst aus der Schule des Cn. Aurelius Scaurus[32]) und stellte mit vielem Scharfsinn neue Regeln über die Wendungen beim Vermeiden der Hiebe und beim Ausfallen auf. Er zeigte auf diese Weise, wie Mut und Kunst verbunden werden müssten, damit die Kunst durch das Feuer des Mutes, dieser aber mittels der Kunstregeln behutsamer würde.[33])“ Der angesprochene Rutilius holte also doctores, die bereits beschriebenen Ausbildner aus den Gladiatorenschulen, zu den Legionen, damit diese auch dort das Waffentraining leiten. Die hier bezeichnete Gladiatorenschule befand sich in Capua, das zu dieser Zeit bereits ein Zentrum der Gladiatorenausbildung in Italien war.

Rutilius galt bereits vor diesem entscheidenden Jahr und den zweifellos notwendigen Innovationen als Reformer und nicht zuletzt als Befehlshaber, der besonders auf die Disziplin seiner Soldaten achtete. Er hatte von 134 bis 132 v.Chr. unter Scipio Aemilianus als Militärtribun in Spanien gedient und dabei neben den Unzulänglichkeiten der römischen Truppen auch Wege kennengelernt, demoralisierte Verbände wieder aufzurichten. In den Jahren 109 bis 107 v.Chr. war er schließlich Legat[34]) unter Quintus Caecilius Metellus Numidicus in Numidien[35]) gewesen. Letzterer hatte den Oberbefehl über die Truppen übernommen, die zuvor mit wenig Erfolg gegen König Jugurtha[36]) gekämpft hatten, und er musste daher in Bezug auf Disziplin, aber wohl auch Ausbildung Maßnahmen setzen, um endlich militärisch erfolgreich operieren zu können.[37]) So waren es ohne Zweifel die auf den unterschiedlichen Kriegsschauplätzen gesammelten Erfahrungen, die Rutilius Rufus im Jahr 105 den bereits beschriebenen Weg beschreiten ließen.[38])

Der Konsul wollte mit dieser Maßnahme in erster Linie die Kampfkraft des Heeres stärken,[39]) indem er die Legionäre auf die Kampfesweise der Barbarenvölker vorbereitete[40]) und zu diesem Zweck die bisherige Ausbildung entsprechend adaptierte. Dieser Ansatz, um schnell und effektiv die Schlagkraft eines unerfahrenen Heeres zu erhöhen, stellte ein Novum dar, da bis zu diesem Zeitpunkt das persönliche Anwerben von Veteranen durch den Feldherrn als wohl einzige Alternative zur langandauernden Ausbildung von Rekruten und gleichzeitig auch zur Steigerung der Schlagkraft eines Heeres gesehen wurde.[41]) Rutilius setzte sich damit aber nicht zuletzt auch noch über gesellschaftliche Vorbehalte hinweg. Schließlich galten Gladiatoren und deren doctores doch als infam und damit als gesellschaftliche Außenseiter.[42]) Es entsprach nicht dem Selbstverständnis der Feldherren aus dem Senatorenstand, zur Ausbildung (und damit vielleicht sogar zur Disziplinierung) römischer Bürger auf diese Elemente, zumeist Sklaven oder Freigelassene, zurückzugreifen. Rutilius überwand also gesellschaftliche Tabus, um eine effektive Steigerung des Kampfwertes seiner Legionäre zu erreichen, wofür er diese doctores unbedingt benötigte.

Gladiatorentrainer gab es für die unterschiedlichen Waffengattungen, die sich zu dieser Zeit bereits herausgebildet hatten.[43]) Im Fall der Legionäre ist anhand der typischen Ausrüstung an ein Spezialtraining ähnlich den so genannten Großschildnern[44]) zu denken. Deren Gegner in der Arena waren neben ähnlich ausgerüsteten Fechtern zumeist bewegliche und leichte Gladiatorentypen, besonders die retiarii, die Netzkämpfer, sowie die Thraker. Diese Gattungen waren vom Kampfstil und auch der Bewaffnung wohl durchaus mit den Kriegern zu vergleichen, die den Legionen auf dem Schlachtfeld eben erst schwer zugesetzt hatten. Das Training muss also als Vorbereitung auf den individuellen Kampfstil der Gegner aufgefasst werden.

Die nunmehr vermittelten Fertigkeiten erschöpften sich aber keineswegs in der offensiven Handhabung der Waffen. In den Gladiatorenschulen wurde nämlich zusätzlich auch großer Wert auf das Verteidigen, besonders das Ausweichen, gelegt.[45]) Für die Soldaten in ihrer Ausbildung war das ungewöhnlich. Somit wurde ihnen also nicht nur das bei den Gladiatoren übliche Treffen der vitalia, lebenswichtiger Stellen,[46]) in Form der aggressiven Vorgangsweise besonders der schwer bewaffneten Gladiatoren vermittelt, sondern ebenso das Parieren und Finten,[47]) wofür etwa auch die Fußstellung und die Haltung bedeutsam waren.[48])

Auch wenn sich Rutilius hier ausdrücklich auf Personen stützte, die aus einer privatwirtschaftlichen Sphäre außerhalb der römischen Militärs stammten, bezweckte er keinesfalls, gewachsene Strukturen innerhalb der Legionen zu zerstören. Die centuriones wurden durch die doctores als Verantwortliche für die Kampfausbildung nicht abgelöst, ihr Unterricht in der Fechtkunst vielmehr durch Spezialwissen ergänzt und der Inhalt des Trainings entsprechend angepasst. Die mit der neuen Art der Handhabung der Waffen untrennbar verbundene, heute am besten als sportlich zu bezeichnende Ausbildung wurde nun in Form der in den Schulen üblichen aggressiven Lehrmethode vermittelt und erschien damit wohl noch realistischer. Schließlich war es auch gerade die physische Überlegenheit der Legionäre, der in der römischen historischen Überlieferung der folgenden Jahrhunderte immer wieder entscheidende Bedeutung für den militärischen Erfolg zuerkannt wurde.[49]) In diesem Sinn schreibt etwa Cicero,[50]) die körperliche Stärke würde helfen, nicht zu erschrecken und Verwundungen besser oder überhaupt erst zu ertragen.

In einem weiteren Schritt muss das nun Gesagte schließlich noch in einen größeren Kontext eingekleidet werden, mit dem Ergebnis, dass die Reform der Fechtausbildung ein wichtiger Mosaikstein auf dem Weg zu tiefer greifenden taktischen Reformen war. Der für die römischen Legionen bis ans Ende des 2. Jahrhunderts v.Chr. so typische Formationskampf in Form der Manipel-Taktik verlangte nämlich von den einzelnen Legionären nur beschränkte Kenntnisse im Einzelkampf und entsprach damit auch dem Charakter des römischen Milizheeres. Gladiatoren bzw. deren Trainer vermittelten nun allerdings besonders Fähigkeiten, die am effektivsten in aufgelösten bzw. lockeren Formationen eingesetzt werden konnten. Das spricht eindringlich dafür, dass Rutilius die flexiblere Kohorten-Taktik, die bereits davor etwa in den Kämpfen in Spanien Verwendung gefunden hatte, breiter als bisher einzusetzen gedachte.[51]) Diese hätte den einzelnen Legionären auf dem Schlachtfeld einerseits den Raum gegeben, die neu erworbenen Fähigkeiten auch effektiv einzusetzen, andererseits bedingte sie aber geradezu eine höhere Bewegungsschule. Dieser Notwendigkeit hätte der Konsul mit der bei Valerius Maximus beschriebenen Maßnahme nun auch entsprochen. Man muss also davon ausgehen, dass mit dieser Änderung in der Fechtausbildung bereits die Grundlagen der Reformen gelegt wurden, die besonders in der älteren Forschungsliteratur erst Gaius Marius zugeschrieben werden.[52]) Besagter Marius, der im darauffolgenden Jahr den Oberbefehl gegen die Kimbern und Teutonen übertragen bekam, nahm die Maßnahmen des Rutilius Rufus nämlich nicht bloß zur Kenntnis, sondern würdigte sie und baute erkennbar weiter auf sie auf.[53]) So zog er etwa die auf diese Weise ausgebildeten Truppen denen vor, die unter ihm und vielleicht auch bereits unter Metellus in Africa gekämpft hatten. Das scheint insofern beachtlich, als er die Einheiten, die er kannte und die auf ihn als Feldherrn vertrauten, gegen Truppen eintauschte, von deren Leistungsfähigkeit er sich erst überzeugen musste. Schließlich handelte es sich dabei zumindest zum Teil um neu ausgehobene Soldaten. In diesem Sinne ist auch die Schilderung Plutarchs zu verstehen, der betont, Marius sei in einer glücklichen Situation gewesen, da die Kimbern nach Spanien zogen und er deshalb die Zeit zugestanden bekam, nicht nur seine Soldaten (weiter) körperlich zu trainieren, sondern auch ihren Mut zu stärken und nicht zuletzt das gegenseitige Kennenlernen zwischen Feldherrn und Mannschaft zu intensivieren.[54]) Gerade da Marius als Kommandeur geschildert wird, der auf Disziplin und Ausbildung seiner Truppen großen Wert legte,[55]) muss man davon ausgehen, dass er sowohl Rutilius als auch dessen Maßnahmen schätzte[56]) und auch als richtig erkannte. Rutilius Rufus leistete mit seinen Maßnahmen also wohl einen entscheidenden Beitrag zur Umgestaltung des römischen Heerwesens.[57])

 

Moral und Religion

Dass gerade das Streben nach Drill und Ausbildung zur Charakterisierung von Feldherren der Zeit um die Wende ins 1. Jahrhundert v.Chr. verwendet wird, erscheint keineswegs überraschend. Die Feldzüge dauerten immer länger, und die Soldaten wurden nicht zuletzt dadurch vor immer größere Herausforderungen gestellt. Für den Zusammenhalt der römischen Armeen war es dabei von entscheidender Bedeutung, ein Solidaritätsgefühl zu erzeugen, das aber etwa im Gegensatz zu den barbarischen Armeen nicht auf Sippen- oder Verwandtschaftsbeziehungen der Soldaten zueinander basieren konnte. Je besser also die Ausbildung und je siegessicherer damit die Legionäre, desto größerer Respekt und Gehorsam wurde auch dem General entgegengebracht. Erst die Zuversicht auf die eigenen Fähigkeiten sowie der Stolz auf die Einheit und den Befehlshaber konnten schließlich den gewünschten Korpsgeist erzeugen. Nach wiederholten Niederlagen und angesichts eines Gefühls der Machtlosigkeit gegenüber dem Feind waren die Maßnahmen von Rutilius schließlich nicht nur eine Möglichkeit, sondern vielmehr eine Notwendigkeit, um wieder neues Selbstvertrauen zu gewinnen. Dass er sich dabei auf die inzwischen bereits entwickelte und weitverzweigte Unterhaltungsindustrie rund um die Gladiatorenspiele stützte, zeugt vom Vertrauensvorschuss und der Anerkennung, welche die Arenakämpfer unter den Legionären und nicht zuletzt unter den militärischen Anführern aus der Oberschicht genossen. Spätestens hier lässt sich feststellen, dass das Training in den ludi, das in früheren Jahren entscheidend von der Praxis in den Armeelagern beeinflusst worden war, einen großen Entwicklungsschritt getan hatte und nun seinerseits Einfluss auf den Bereich des Militärs ausüben sollte. Diese Adaption und das sich dabei manifestierende Streben nach maßgeblichen Verbesserungen erscheint der römischen Militärdogmatik auch nicht fremd, entsprach es doch genau genommen einem der höchsten Prinzipien der römischen Armee, das sich besonders in der späten Republik und in der Kaiserzeit immer stärker ausprägen sollte: „Lernen, um zu gewinnen.“ [58]) Im Gegensatz etwa zu heutigen UNO-Missionen, die v.a. dem Erhalt des Friedens dienen und Kampf wie Opfer vermeiden sollten, trat der römische Legionär an, um den militärischen Erfolg bedingungslos zu erringen. Der Kampf in den antiken Armeen war somit wie in der Arena einer auf Leben und Tod.[59]) Die Unterlegenen entgingen nur selten der Vernichtung oder zumindest der Versklavung. Eine Niederlage entsprach somit einem Gemetzel. Das Bonmot: „Ein Mann geht nicht in die Schlacht des Kampfes wegen, sondern um zu siegen“,[60]) das hier eine besondere Verkörperung erfährt, hatte jedoch keineswegs nur in der Antike, sondern für die Militärdogmatik bis ins 19. Jahrhundert entscheidende Bedeutung.

In einem weiteren Schritt nutzten der Konsul und sein Amtskollege die Unterhaltungsindustrie schließlich auch in ihrer ureigenen Form und veranstalteten im selben Jahr prunkvolle Gladiatorenspiele. Diese munera sollten die Stimmung im Volk heben, die angesichts der Germanengefahr getrübt war, und gleichzeitig die Kriegsmoral der Truppen stärken.[61]) Den Soldaten sollten die als typisch römisch angesehenen Tugenden, die zur Erringung eines Sieges notwendig waren, wie Mut, Ausdauer, Todesverachtung und der Wille zum Sieg[62]) bzw. zur Erringung von Ruhm und Ehre,[63]) nicht zuletzt aber auch eine praktische Umsetzung des Trainings, das sie durch die doctores erhielten bzw. erhalten hatten, vor Augen geführt werden. Die Gladiatoren dienten dabei als fiktives Abbild der Soldaten und ihrer idealisierten Tugenden. Wie nicht erst Cicero den körperlichen Fähigkeiten der Legionäre große militärische Bedeutung beimaß, war also auch die Festigung der mentalen Stärke der Soldaten bereits im 2. Jahrhundert v.Chr. ein zentrales Anliegen von Männern an der Spitze des militärischen Systems.[64])

Neben den idealisierten Tugenden spielte hier aber auch der religiöse Aspekt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die munera sollten ihren ursprünglichen Charakter des Opfers[65]) niemals völlig einbüßen, v.a. im militärischen Bereich, wo doch die Götter für einen Feldzug günstig gestimmt werden mussten. Die Schilderungen von Valerius Maximus erinnern an Livius und seinen Bericht über die Menschenopfer in Rom im Anschluss an die Niederlage bei Cannae und angesichts eines befürchteten Aufstands der Gallier im Norden Italiens.[66]) Wurden damals eine Griechin und ein Grieche, eine Gallierin und ein Gallier lebendig begraben, so muss man vielleicht auch im Jahr 105 die Fechtkämpfe als stilisierte Menschenopfer vor dem Hintergrund einer ähnlich desaströsen Niederlage und wiederum der Furcht vor einer barbarischen Invasion auffassen.

Die „Unterhaltungsindustrie“ wurde zwar im Jahr 105 v.Chr. mit Sicherheit nicht zum ersten Mal zur Hebung der militärischen Moral instrumentalisiert,[67]) Rutilius und sein Amtskollege begründeten allerdings eine Tradition, die bis weit in die Kaiserzeit beibehalten werden sollte. Plinius bestätigt genau das in seiner Beschreibung von Spielen Kaiser Traians zu Beginn des 2. Jahrhunderts n.Chr. Der Kaiser veranstaltete munera als vorbereitende Übung für den Krieg:[68]) „Nun wurden der Schaulust Spiele geboten! Doch nicht solche mit erschlaffender Wirkung, geeignet, die Energien der Männer zu schwächen und zu brechen, sondern Spiele, die anspornten, ehrenvolle Wunden zu empfangen und den Tod zu verachten, weil man sogar an kämpfenden Sklaven und Verbrechern den Drang zum Ruhm und das Verlangen nach Sieg beobachten konnte.“ [69]) Während die Quellen solche Veranstaltungen auch noch für das 3. Jahrhundert n.Chr bestätigen,[70]) war es wohl der Siegeszug der christlichen Philosophie, der dieser heidnischen Praxis im 4. Jahrhundert n.Chr. schließlich ein Ende bereitete.

 

Fortwirkungen der Innovationen

Die nach den Vorgaben von Rutilius trainierte Armee bildete in den folgenden Jahren den Kern der Truppen, die unter Marius sowohl Kimbern als auch Teutonen besiegen konnten[71]) und damit die Heeresreform des Marius entscheidend mittrugen bzw. erst ermöglichten. Mit der nun folgenden Aufstellung einer Berufsarmee ging eine Standardisierung der Ausbildung Hand in Hand. Die Reformen konnten somit Fuß fassen und entscheidend zur Verbesserung der Kampfkraft der römischen Legionen der späten Republik und der Kaiserzeit beitragen. So beschreibt etwa Julius Caesar in seiner Schrift „De bello Gallico“ 5,44, wie sich zwei rivalisierende Centurionen, Pullo und Vorenus, im Kampf gegen die Gallier gegenseitig übertreffen wollen und zu diesem Zweck auf sich allein gestellt das befestigte Lager verlassen. Sie wagen sich abwechselnd zu weit vor, geraten in Bedrängnis und schlagen sich schließlich gegen eine größere Menge von Feinden vor den Augen der Legionäre mit großem Erfolg, bis sie es unversehrt schaffen, ins Lager zurückzukehren. Die literarisch überhöhte und historiographisch ausgestaltete Erzählung zeigt nicht nur die Rivalität der Centurionen, sondern eindringlich auch das Ergebnis der Reformen, die Rutilius im Jahr 105 eingeleitet hatte.[72])

Nicht nur die Mannschaften der römischen Armeen der späten Republik und der Kaiserzeit profitierten aber von Kenntnissen, die aus den Arenen und Gladiatorenschulen des Reiches stammten. Auch die Kommandeure und Offiziere nutzten diese Infrastrukturen, um sich entsprechende Fertigkeiten anzueignen, was ebenfalls durch Caesars Schriften Bestätigung findet. So bringt er nämlich seine Wertschätzung gegenüber den Fechtkünsten zum Ausdruck, die sich Mitglieder der Oberschicht angeeignet hatten, indem er mit der Ausbildung von unerfahrenen Gladiatoren, die er bei seinen Spielen einzusetzen plante, gerade diese und zwar persönlich betraute.[73]) Davon versprach er sich das bestmögliche Training der zukünftigen Fechtkämpfer. Die Wertschätzung in dieser Maßnahme Caesars darf keinesfalls übersehen werden, setzte er doch in weit höherem Ausmaß als seine Zeitgenossen auf dieses Mittel der Massenunterhaltung, nicht zuletzt, um das Volk auf seiner Seite zu wissen, während er selbst im weit entfernten Gallien weilte. Man muss also davon ausgehen, dass die Adeligen durchaus in der Lage waren, die bereits genannten Fechtkommandos den auszubildenden Gladiatoren auf herausragende Art und Weise zu vermitteln.[74]) Das dafür notwendige Spezialwissen hatten sie wohl selbst in ihrer Jugend von erfahrenen Fechtern, zumeist wiederum ehemaligen Gladiatoren, erhalten. Diese Praxis wird von Juvenal auch noch für das 1. Jahrhundert n.Chr. bestätigt.[75])

Die nun beschriebenen Wechselwirkungen fanden ihren heute noch sichtbaren Ausfluss in der baulichen Verbindung von Legionslagern und Amphitheater. Spiele bedeuteten Unterhaltung und damit eine Belohnung für die Soldaten und eine Unterbrechung ihres Alltags in ferner Provinz. Das förderte die Verbindung der Truppe mit dem Feldherrn bzw. dem Kaiser als „Veranstalter“. Nicht zuletzt wurden die Ovale aber auch für das Kampftraining verwendet.[76]) Das Training war zur Aufrechterhaltung des Kampfwerts der Legionen unbedingt notwendig, und so muss man den Centurionen und den Kommandeuren wohl unterstellen, aus Gründen der Motivation bewusst zumindest Teile der Übungen in den Arenen abgehalten zu haben. Die Soldaten sahen sich dadurch in die Rolle der Sportstars dieser Zeit versetzt, wie die Gladiatoren durchaus bezeichnet werden können. Vielleicht förderte gerade das ihr Bestreben, die eigenen Fertigkeiten zu verbessern, um dem Vorbild der gefeierten Arenakämpfer nachzueifern.

 

Leibgarden und Gladiatoren

Bereits bevor Scipio Aemilianus im Jahr 134 v.Chr. den Oberbefehl über das römische Heer vor Numantia[77]) übernahm, war ihm wohl bekannt, dass es um die Moral der dortigen Truppen äußerst schlecht bestellt war.[78]) Nicht zuletzt aus diesem Grund umgab er sich mit Freunden und Klienten, die eine Art Elitetruppe oder Leibgarde bildeten.[79]) Diese ihm persönlich verpflichtete Truppe sollte seinen Schutz auf dem Feld wie im Militärlager gewährleisten, war jedoch nicht zuletzt auch ein Statussymbol.

Hier muss nun aber zwischen Schutz und Geleit unterschieden werden. Während einige dieser Personen, die wohl der Klientel des Scipio zuzuordnen waren,[80]) mit ersterer Funktion beauftragt waren, bestand das Geleit zumeist aus Ratgebern und jungen Adeligen aus befreundeten Familien.[81]) Dass sich Feldherren mit einem solchen auf ihre Person abgestimmten Gefolge umgaben, war bereits von alters her üblich[82]) und bildete die gebräuchliche Form der römischen Offiziers- und Generalstabsausbildung, da diese vom Staat und dem militärischen System anders nicht geleistet wurde. Junge Adelige, die später als Offiziere in den römischen Legionen Kommandofunktionen übernehmen sollten, erhielten auf diese Weise die Möglichkeit, von erfahrenen Befehlshabern zu lernen.[83]) Über einen Aufstieg in die höchsten Ränge bzw. die Erringung des Oberbefehls über Truppenteile entschieden schließlich aber nicht nur der militärische Erfolg und die individuellen Fähigkeiten, sondern in besonderem Maße auch der Einfluss der entsprechenden Person bzw. deren Familie im Senat und beim Volk.[84])

Vor Numantia und unter Scipio Aemilianus diente unter anderen auch der junge Marius, der auf diese Weise nicht zuletzt die Bedeutung einer solchen Leibgarde kennenlernte. Bereits bevor Letzterer den Oberbefehl über die Truppen antrat, die den Krieg gegen die Kimbern und Teutonen zu einem für Rom glücklichen Ende wenden sollten, hatte er sich wohl ebenfalls mit einer Leibgarde nach dem Vorbild Scipios umgeben. Eine Schilderung bei Frontin gibt nun zu der Vermutung Anlass, dass in diesen Garden (vielleicht sogar typischerweise) auch ehemalige Gladiatoren Aufnahme gefunden hatten. Der Schriftsteller lässt nämlich Marius einem Teutonen, der ihn zum Zweikampf herausgefordert hatte, antworten, dass dieser, wenn er nach dem Tod strebe, sein Leben mit einem Strick beenden könne. Als der Teutone dennoch auf der Herausforderung beharrte, stellte er ihm einen Gladiator von unbedeutender Gestalt und hohem Alter entgegen und meinte, wenn er diesen besiegen würde, würde er ihm persönlich im Kampf gegenübertreten.[85])

Frontin vermittelt in seiner literarisch überhöhten Erzählung dem Leser nicht nur, dass sich in der Armee des Marius zumindest ein Gladiator befunden hat, sondern ebenso, dass dieser dem Feldherrn persönlich bekannt war. Trotz des vorgerückten Alters und des damit verbundenen körperlichen Verfalls brachte Marius gerade diesem Arenakämpfer so großes Vertrauen in seine Fähigkeiten entgegen, dass er ihn wohl auch bewusst als Gegner für den Germanen vorschlug, da er nach der Meinung des Befehlshabers diesen Kampf mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit für sich entscheiden würde. Gerade die Betonung des hohen Alters spricht nun dafür, dass der Betreffende bereits aus dem aktiven Dienst in einer Gladiatorenschule bzw. der Arena ausgeschieden war. Der Eintritt in die Schulen erfolgte zumeist als Jugendlicher, die Verwendung für den Kampf damit auch nicht bis ins hohe Alter. Dass er nicht als Freiwilliger in den Legionen diente, wird gerade durch die direkte Anrede als Gladiator bezeugt. Die überwiegende Mehrzahl der Gladiatoren gehörte im ausgehenden 2. Jahrhundert v.Chr. schließlich noch dem Sklavenstand an. Der Militärdienst blieb ihnen damit selbst nach einer eventuellen Freilassung verschlossen, da der Eintritt in die Legionen römischen Bürgern vorbehalten war. Zwar wurden in Notzeiten auch Sklaven und Freigelassene in die Legionen aufgenommen,[86]) von den Kämpfen gegen die Kimbern und Teutonen finden sich jedoch keine entsprechenden Hinweise in den Berichten der Historiker.[87]) Der alte Gladiator ist somit wohl dem engsten Gefolge von Marius zuzurechnen, was sich auch in dem vorbehaltlosen Vertrauen in die Fähigkeiten des alten Mannes äußert.[88])

Dass sich gerade in der Leibgarde von wichtigen Persönlichkeiten wie auch Feldherren (ehemalige) Arenakämpfer fanden, scheint auch nicht abwegig. Während etwa Cicero auf eine Leibwache aus Rittern vertraute,[89]) war Publius Clodius Mitte des 1. Jahrhunderts v.Chr. als Volkstribun ständig in Begleitung von Gladiatoren auch auf den Straßen Roms unterwegs.[90]) Die Verwendung von ehemaligen oder auch aktiven Fechtkämpfern in Form einer Leibgarde stellte in dieser Zeit wohl die beste Möglichkeit dar, den Personenschutz von einflussreichen Persönlichkeiten zu gewährleisten. Da zahlreiche Adelige selbst Gladiatorenschulen unterhielten, die sie mit eigenen Sklaven füllten, war es ohne Weiteres möglich, dass die Fechtkämpfer nach ihrer aktiven Zeit als Leibwächter Verwendung fanden. Waren sie als Belohnung für ihre Dienste freigelassen worden, konnten sie auf diese Weise der typischen Treueverpflichtung der liberti gegenüber ihrem jeweiligen Patron nachkommen.[91]) Genauso gut konnten sie natürlich zur Erfüllung solcher Aufgaben auch vermietet oder verkauft werden. Damit verwundert es nicht, dass Gladiatoren immer wieder im Gefolge von Politikern oder Feldherren anzutreffen waren. Sie entsprachen damit einem Äquivalent moderner Spezialeinheiten oder auch Sicherheitsfirmen, die mit erfahrenen Personen mit professionellem militärischen Hintergrund für das Leben und die Gesundheit der ihnen Anvertrauten bürgen. Im Endeffekt offenbart sich hier aber auch eine besondere Art der „Pensionsvorsorge“ für ehemalige Gladiatoren, die in einer Zeit der fehlenden staatlichen Absicherung verlockend wirken musste und den Veteranen der Arena auch in vorgerücktem Alter eine lukrative Beschäftigung versprach.

Die nun beschriebenen Wachen und Leibgarden der Feldherren der Republik, bestehend aus Personen mit persönlicher Bindung oder gar einem Abhängigkeitsverhältnis, wurden in der Zeit nach Marius zunehmend durch Elitetruppen aus den Legionen ergänzt[92]) bzw. wohl zumindest zum Teil auch abgelöst. Dabei zeigt sich mit Sicherheit eine der Auswirkungen der Heeresreform des Marius.[93]) Das Abhängigkeits- und Treueverhältnis zwischen dem Feldherrn und seinen Soldaten war inzwischen mit einem Klientelverhältnis vergleichbar. Die Loyalität der Truppen gehörte damit nicht mehr (ausschließlich) Rom, sondern besonders dem Feldherrn.[94]) Die neue Entwicklung, die hier deutlich zutage trat, sollte immer mehr zur Bildung von „Privatarmeen“ beitragen und schließlich in die Bürgerkriege des 1. Jahrhunderts v.Chr. und damit das Ende der Republik münden. Selbst Octavian[95]) stützt sich zu Beginn seiner politischen Karriere auf evocati,[96]) kampferprobte Legionäre und Veteranen, die aus dem Ruhestand wieder in den aktiven Dienst eintraten.[97]) Er sollte es allerdings sein, der diese Leibgarden im Sinne der ausgehenden Republik schließlich in die Prätorianergarden überführte. Damit stand ihm gerade in Rom selbst eine Truppe von nicht zu unterschätzender Kampfkraft zur Verfügung, während bewaffneten Legionären das Betreten des pomerium, des eigentlichen Stadtgebiets Roms, verboten war.[98]) Auch außerhalb der Hauptstadt hatte die Garde Sicherungsfunktionen zu erfüllen und diente dem jeweiligen Kaiser als Elitetruppe.[99])

Bis in die Kaiserzeit verloren die speziellen Leibwachen, in denen auch immer wieder Gladiatoren aufscheinen, jedoch keineswegs vollkommen an Bedeutung. So erwähnt etwa Tacitus, dass sich Provinzstatthalter Gladiatorentrupps hielten, die sie zweifellos benötigten, um vor Ort Spiele veranstalten zu können.[100]) Der Historiker unterstellt einem Gouverneur dabei sogar, dass dieser bereit gewesen sei, Gladiatoren gegen die ihm unterstellten Soldaten einzusetzen.[101]) Im Sinne der von Tacitus fingierten Rede ist auch hier von einer Verwendung der genannten Arenakämpfer als Leibwache auszugehen, die ihren Herrn auch gegenüber den Legionären unter seinem eigenen Kommando schützen sollte.[102]) An anderer Stelle erwähnt er Arenakämpfer als Teil der Ordnungskräfte in der Leibgarde eines eben erst ernannten Oberbefehlshabers, der Ruhe unter seine Soldaten bringen sollte.[103])

Zwar konzentrieren sich diese Berichte auf die Provinzen; die Tradition, dass sich Adelige[104]) und gar Kaiser[105]) auch in Rom selbst noch mit einer Leibwache aus Gladiatoren umgaben, lässt sich allerdings bis ins 4. Jahrhundert n.Chr. verfolgen. Ein Gesetzestext aus dem Jahr 397 n.Chr. zeigt, dass sogar noch in der Spätantike ehemalige Arenakämpfer in den Dienst von Senatoren traten, was von Kaiser Honorius schließlich aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und zur Stärkung der Autorität der Stadtverwaltung verboten wurde.[106])

Die nun geschilderten Beziehungen der Unterhaltungsindustrie und ihrer Protagonisten zu Staat und Militär müssen noch weitere Ergänzungen finden. Die Gladiatur sollte nämlich etwa bedingt durch ihr quantitatives Wachstum durchaus auch ein Problem für die öffentliche Sicherheit nicht nur der Stadt Rom selbst darstellen. Neben dem militärischen Einsatz von Gladiatoren verdienen schließlich auch noch andere Parallelen und Wechselwirkungen beider Sphären eine genauere Betrachtung. Diese Ausführungen finden sich in der nächsten Ausgabe.

(Wird fortgesetzt)

  

 


ANMERKUNGEN:

[1]) Valerius Maximus (Val. Max.) 2,4,7.

[2]) Tert. spect. 12,2.

[3]) Vgl. dazu etwa Keith Hopkins: Conquerors and Slaves. Cambridge 1978, S.6.

[4]) Christoph Ebner: Vom Scheiterhaufen ins Kolosseum - Die Gladiatorenspiele als Wirtschaftsfaktor. In: MBAH 30/2012, S.69.

[5]) Die Klientel war ein auf Gegenseitigkeit beruhendes Verantwortungsverhältnis. Der Patron hatte seine Klienten etwa finanziell oder im Falle von Gerichtsverhandlungen auch aktiv zu unterstützen. Als Gegenleistung konnte er Beistandspflichten einfordern. Besonders im Hinblick auf die öffentliche Ämterlaufbahn und die Wahlen der Magistrate in der Volksversammlung waren zumindest in der Zeit der Republik die Stimmen der Klienten für die Karriere ihres Patrons zumeist von entscheidender Bedeutung.

[6]) Tert. spect. 12,1-4.

[7]) In Anlehnung an die Schwerbewaffneten, die Hopliten, die als griechische Bürgersoldaten in der starren Formation der Phalanx gekämpft und damit nicht nur die Militärgeschichte, sondern auch die Schlachtfelder bis ins 2. Jahrhundert v.Chr. dominiert hatten.

[8]) Ein anschauliches Beispiel findet man etwa in den Schilderungen von Livius (Liv. 42,34,5-11) über die Spiele, die Scipio in Spanien veranstaltete. Mangels professioneller Gladiatoren kämpften Freiwillige in ihrer jeweiligen traditionellen Ausrüstung und Kampfesweise.

[9]) Dazu kam allerdings, dass sich die Gladiatoren im Einzelkampf, also Mann gegen Mann, gegenüberstanden. Im Sinne der Ausgeglichenheit und Fairness wurden Waffen und Rüstungen von den Römern weiter angepasst. So sollten sich etwa schwere Panzerung und Beweglichkeit die Waage halten. Als Folge entwickelten sich schließlich festgelegte Paarungen, die beim Volk äußerst beliebt waren, da sie am meisten Spannung und auch Kampfkunst versprachen.

[10]) Veget. 1,11 und 3,4 nennt Gladiatoren neben Soldaten als Adressaten der Übungen am palus und beschreibt das tägliche Training am Pfahl, das wohl die einfachste und gleichzeitig auch effektivste Möglichkeit der Fechtausbildung war (siehe Iuv. 6,247). Auch die Verwendung von Übungswaffen, die schwerer waren als die Originale, hatte das Training des Soldaten und des Gladiators gemeinsam. Vgl. Veget. 1,11-13 und Sen. contr. 9 praef. 4: Gladiatores gravioribus armis discunt quam pugnant („Die Gladiatoren üben mit schwereren Waffen, als sie kämpfen“).

[11]) Bis in die späte Republik waren Gladiatoren in ihrer überwiegenden Mehrzahl Sklaven und wurden daher von ihren Eigentümern in die Fechtkunst eingeführt.

[12]) Indem sie die Gunst des Volkes bereits vor den Wahlen gewannen.

[13]) Siehe dazu die Ausführungen bei Cass. Dio 65,15,2 über die vormilitärische Ausbildung junger Römer im Rahmen der collega iuvenum. Er vergleicht ihre Kampfesweise mit derjenigen der Thraker, einer Gladiatorengattung.

[14]) So bedeutete es für die Feldherren der Frühzeit die höchste Ehre, die spolia optima, die Rüstung des feindlichen Kommandeurs, durch einen Sieg im persönlichen Zweikampf zu erbeuten und im Anschluss Jupiter Feretrius zu weihen (vgl. dazu etwa Jörg Rüpke: Domi militiae. Die religiöse Konstruktion des Krieges in Rom. Stuttgart 1990, S.217-226). Hier zeigt sich die hohe Bedeutung der Zweikämpfe im frühen republikanischen Rom (William V. Harris: War and Imperialism in Republican Rome, 327-70 B.C. Oxford [u.a.] 1979, S.38-39) sowie auch die religiöse Komponente. Beides spiegelt sich später auch in den Gladiatorenkämpfen wider.

[15]) Abgebildet beispielsweise auf Reliefs in Kampanien, wie im so genannten „Grab des heimkehrenden Ritters“ in Paestum. Es stammt aus der Zeit um das Jahr 370 v.Chr. und zeigt einen reitenden Mann in Panzer und Helm mit an der Lanze befestigten Trophäen, somit also das übliche Motiv eines siegreichen Kriegers. Vgl. dazu Ostrud Westheider u.a. (Hrsg.): Malerei für die Ewigkeit. Die Gräber von Paestum. München 2007, S.53.

[16]) Livius (Liv. 44,9,5) betont indirekt die Höherwertigkeit des Gladiatorenfechtens gegenüber der Ausbildung des Legionärs.

[17]) Gerhard Horsmann: Untersuchungen zur militärischen Ausbildung im republikanischen und kaiserzeitlichen Rom. Boppard a. Rh. 1991, S.6-11.

[18]) Wie etwa Cato im Jahr 195 v.Chr. (Liv. 34,9,11; 13).

[19]) Horsmann, a.a.O., S.18-19.

[20]) Vgl. Liv. 26,20,1-4 zur Ausbildung der Truppen des Scipio Africanus in Spanien.

[21]) Das wird etwa am Ersuchen des Numiderkönigs Syphax deutlich, von dem Livius (Liv. 24,48) berichtet, dass er mit der Ausbildung seiner ungeübten Fußtruppen den Centurio Q. Statorius beauftragen wollte.

[22]) Der Ansprache des Spurius Ligustinus, eines altgedienten Soldaten, bei Livius (Liv. 42,34,2-15) kann man entnehmen, dass die Beförderungen innerhalb des Heeres zumindest in die Positionen, die für Männer aus dem einfachen Volk erreichbar waren, vom Feldherrn nach persönlicher Tapferkeit vorgenommen wurden. Besonders Marcus Porcius Cato wird gelobt, denn er sei ein strenger Beobachter und Beurteiler seiner Soldaten gewesen, was ihm bei seinen Truppen großes Ansehen brachte.

[23]) Das Vertrauen in ihre militärischen Fähigkeiten zeigt etwa eine Schilderung bei Sallust (Sall. bell. Iug. 93,8). Marius wählte dort vier Centurionen als Begleitung und Schutz für fünf Tubabläser aus, die ein Täuschungsmanöver ausführen sollten.

[24]) Polyb. 10,20,2; Liv. 26,51,4. In Übungsschlachten, wie sie etwa auch bereits im makedonischen Heer 182 v.Chr. gepflegt wurden (Liv. 40,6,5-6), stießen die Soldaten wie in einem richtigen Gefecht zusammen. Vgl. auch die Fechtübungen, die Scipio nach der Einnahme von Carthago Nova veranlasste (Polyb. 10,20 und Liv. 26,51,3-9). Die Waffenübungen in Form einer simulierten Feldschlacht dauerten dort einen Tag. Zweikämpfe wurden also v.a. im Einheitsverband geübt (vgl. Horsmann, a.a.O., S.141).

[25]) Die entscheidende Waffe des Legionärs war das Schwert. Über die Wirkung dieser für die römischen Armeen so typischen Waffe auf dem Schlachtfeld schreibt eindringlich Livius (Liv. 31,34,4-5). Der Schriftsteller hält dabei fest, dass die Makedonen, die an Kämpfe mit Griechen und Illyrern und damit an die Wunden durch Speere, Pfeile und gelegentlich auch Lanzen gewöhnt waren, die Körper betrachteten, die der gladius Hispaniensis, das so genannte spanische Schwert, seit dem 3. Jahrhundert v.Chr. die Hauptwaffe der römischen Legionäre, verstümmelt hatte: abgehackte Arme, die Köpfe vom Rumpf getrennt, offene Eingeweide und andere abstoßende Wunden. In Panik begriffen sie, gegen welche Menschen und Waffen sie nun kämpfen mussten. In diesen Schilderungen spiegeln sich nicht zuletzt die Brutalität des Formationskampfes und auch die notwendige Entschlossenheit der römischen Legionäre.

[26]) Die lateinische Wortwurzel deutet bereits darauf hin, dass irgendetwas intensiv gelernt wurde, was wohl so zu interpretieren ist, dass diese Ausbildner selbst ehemalige Gladiatoren waren, die nach ihrer aktiven Zeit in einer solchen Funktion in den Schulen verblieben.

[27]) Diese waren auch dem Publikum bekannt und wurden von den Zuschauern den Fechtern in der Arena oft zugerufen (Tert. ad mart. 1,2; Quint. inst. 5,13,54).

[28]) Vgl. dazu allgemein Kai Rohrschneider: Der Krieg gegen Kimbern und Teutonen 113-101 v. Chr. In: Mars - Jahrbuch für Wehrpolitik und Militärwesen 6/2000, S.469-522.

[29]) Bei der Niederlage von Aurasio soll die Zahl der Gefallenen sogar jene von Cannae überstiegen haben (Liv. 67). Cannae galt bis dahin als die fürchterlichste militärische Katastrophe für Rom und hatte ein tiefes Trauma hinterlassen.

[30]) Karl Christ: Krise und Untergang der römischen Republik. 8. Aufl., Darmstadt 2013, S.156; Rohrschneider, a.a.O., S.473.

[31]) Val. Max. 2,3,2: Armorum tractandorum meditatio a P. Rutilio consule Cn. Malli collega militibus est tradita: is enim nullius ante se imperatoris exemplum secutus ex ludo C. Aureli Scauri doctoribus gladiatorum arcessitis vitandi atque inferendi ictus subtiliorem rationem legionibus ingeneravit virtutemque arti et rursus artem virtuti miscuit, ut illa impetu huius fortior, haec illius scientia cautior fieret.

[32]) Die bereits angesprochene Innenorganisation einer Gladiatorenschule der späten Republik wird hier deutlich: Der Eigentümer einer Schule stellte Fechtlehrer an, welche die Aufgabe übernahmen, für die Ausbildung der Rekruten und die Perfektionierung ihrer Kenntnisse zu sorgen. Es bleibt nur zu vermuten, ob es sich bei Cn. Aurelius Scaurus um ein Mitglied der Oberschicht gehandelt hat (ein Marcus Aurelius Scaurus war im Jahr 108 v.Chr. consul suffectus).

[33]) Übersetzung nach Friedrich Hoffmann (Hrsg.): Valerius Maximus - Sammlung merkwürdiger Reden und Thaten. Unveränderter Nachdruck der Ausgabe Stuttgart 1828, S.95.

[34]) Rutilius wird bei Sallust einmal im Rahmen einer gewonnenen Schlacht als Unterbefehlshaber erwähnt (Sall. bell. Iug. 52).

[35]) Diese historische Landschaft, gelegen in Nordafrika, umfasste Teile des heutigen Algerien und Tunesien.

[36]) Der Krieg gegen König Jugurtha von Numidien zog sich über die Jahre 111 bis 105 v.Chr.

[37]) Über die einzelnen Maßnahmen, die über die körperliche Ertüchtigung der Truppen hinausgehen, berichtet Sallust in seinem Werk über den Krieg gegen König Jugurtha jedoch nichts.

[38]) Lawrence Keppie: The Making of the Roman Army. London 1984, S.59-60.

[39]) Friedrich Münzer: Rutilius. In: RE 1 A, Sp. 1272-1273; Georges Ville: La gladiature en occident des origines à la mort de Domitien. Rom 1981, S.307.

[40]) Ähnlich etwa auch Marius, der seine Soldaten durch längere Beobachtungen die Rüstungen und Bewegungen der Feinde kennenlernen ließ, bevor er sie in die Schlacht führte (Plut. Mar. 16).

[41]) Wie es etwa Sallust nicht zuletzt für Marius vor dem Krieg gegen Jugurtha beschreibt: Sall. bell. Iug. 84,2. Vgl. auch Plut. Mar. 7,6.

[42]) In der Öffentlichkeit wurden Gladiatoren als Helden bewundert, gleichzeitig aber auch mit Infamie belegt und damit von einigen wichtigen Akten des Privatrechts und etwa einer politischen Karriere ausgeschlossen. Zur Infamie siehe Max Kaser: Das Römische Privatrecht. 2. Aufl., München 1971, S.274-275.

[43]) Vgl. Roland Auguet: Cruelty and Civilization. The Roman Games. London (u.a.) 1994, S.160.

[44]) Darunter fielen der provocator, der in seiner Bewaffnung und Ausrüstung dem römischen Legionär am nächsten kam, wie auch der murmillo oder der secutor.

[45]) Bedeutsam war diese Schulung, da - wie bereits angedeutet - manche Gladiatorentypen beweglicher, andere hingegen schwer gepanzert waren. Der Kampf sollte schließlich lange dauern und ansprechende Unterhaltung bieten.

[46]) Ein Treffen dieser Stellen war immer tödlich. Es handelte sich also um eine bewusste Konzentration auf das Niederringen des Gegners, die sogar in das Vokabular der Rhetoren (Quint. inst. 5,12,22) Einzug hielt.

[47]) Finten, beschrieben etwa bei Quint. inst. 9,1,20, stehen nochmals für die offensive Kampftaktik. Vgl. Olaf Grodde: Sport bei Quintillian. Hildesheim 1997, S.18-19.

[48]) Quint. inst. 9,4,8-9.

[49]) So nicht zuletzt Sall. bell. Iug. 44 bzw. Marius während seines Feldzuges gegen die Kimbern (Plut. Mar. 13).

[50]) Cic. Tusc. 2,16,38.

[51]) Sallust erwähnt auch für Metellus in Numidien die Gruppierung von vier Kohorten während einer Schlacht (Sall. bell. Iug. 51,3), was dafür sprechen könnte, dass dieses taktische Element zumindest in bestimmten Situationen bereits zu dieser Zeit durchaus gängig war. Rutilius könnte mit dieser Formation also bereits praktische Erfahrungen gesammelt und nun wohl dementsprechend vorbereitende Maßnahmen für einen breiteren Einsatz getroffen haben. Kritisch könnte man anmerken, dass Sallust zu einer Zeit schreibt, als die Kohorten-Taktik längst zur Norm geworden war. Er könnte damit das entsprechende Vokabular auch aus der Sicht seiner Zeit verwendet haben. Die Maßnahmen des Rutilius im Jahr 105 v.Chr. sprechen allerdings eine deutliche Sprache, besonders in Hinsicht auf seine taktischen Erfahrungen.

[52]) Siehe dazu Herbert Aigner: Die Soldaten als Machtfaktor in der ausgehenden Römischen Republik. Innsbruck 1974, S.163-164.

[53]) In der Literatur wird etwa angeführt, es sei Marius gewesen, der den Drill der Soldaten an die Gladiatorenschulen angepasst habe (Christ, a.a.O., S.158).

[54]) Plut. Mar. 13.

[55]) Frontin strat. 4,1,12. Frontin bestätigt an anderer Stelle (strat. 4,2,2) die Wahl, die Marius trifft und damit den Kampfwert dieser Truppe. Vgl. Horsmann, a.a.O, S.43 Anm.190.

[56]) Schließlich hatte Marius bereits in Africa Bekanntschaft mit Letzterem gemacht. Dort hatten sie gemeinsam als Legaten unter Metellus gedient.

[57]) Vgl. Herbert Aigner: Gedanken zur so genannten Heeresreform des Marius. In: Franz Hampl/Ingomar Weiler: Kritische und vergleichende Studien zur Alten Geschichte und Universalgeschichte. Innsbruck 1974, S.13-15. Er wurde damit zu einem wichtigen Verbündeten von Marius.

[58]) Yann Le Bohec: Die Römische Armee. Neuaufl., Hamburg 2009, S.118.

[59]) Der blutige Charakter und das Abschlachten nach römischen Siegen wird in der Gewährung von Triumphzügen sichtbar, die erst ab einer Anzahl von 5.000 gefallenen Feinden möglich sein sollten. In der Zeit der Republik, in den Jahren 252 bis 53 v.Chr., wurden insgesamt über 70 Triumphe in Rom abgehalten.

[60]) Charles Ardandt du Picq: Études sur le combat. Paris 1903, S.5; Vgl. auch Le Bohec, a.a.O, S.133.

[61]) Der konkrete Anlass dafür ist Gegenstand eines wissenschaftlichen Diskurses. Die hier beschriebenen Spiele des Jahres 105 v.Chr. werden auch dahingehend gedeutet, dass die Konsuln hier zum ersten Mal in ihrer Funktion als Amtsträger öffentliche munera abhalten ließen, was daraufhin zu einer regelmäßig wiederkehrenden Einrichtung geworden sei. Bischof Ennodius, der zur Zeit des Ostgotenkönigs Theoderich in Italien lebte, meinte nämlich, es sei dieses Jahr gewesen, in dem die genannten Konsuln das erste Mal im Namen des Staates Gladiatorenspiele ausgerichtet hätten (Ennod. paneg. 85). Dieser Text ist aber wohl nur eine falsche Übersetzung oder aber eine absichtliche Verfälschung des bereits zitierten Ausschnittes bei Valerius Maximus (Val. Max. 2,3,3). Die ältere Wissenschaft schloss nun daraus, dass von diesem Zeitpunkt an öffentliche munera einen festen Platz im römischen Festkalender hatten (siehe dazu Ernst Baltrusch: Die Verstaatlichung der Gladiatorenspiele. In: Hermes 116/1988, S.324-337). Das ist aber jedenfalls abzulehnen. Man muss im Gegenteil davon ausgehen, dass die Konsuln auf eigene Kosten und nicht mit Mitteln aus dem aerarium, der Staatskasse, die Ausrichtung der Kämpfe vornahmen.

[62]) Gute Kämpfer wurden in der Arena wie auf dem Schlachtfeld belohnt, schlechte dagegen bestraft, wobei beim Publikum und besonders bei den Legionären bewusst Assoziationen an Niederlagen vergangener Zeiten geweckt wurden.

[63]) Schon Hannibal soll im Jahr 218 Gefangene (wohl Gallier) dazu aufgefordert haben, für Leben und Freiheit zu kämpfen, um ein Dasein als Sklave zu vermeiden (Liv. 21,42-43; Polyb. 3,62-63). Das sollte wohl dazu dienen, seinen eigenen Soldaten die erwünschten Tugenden vor Augen zu führen: Ruhm des Sieges oder Tod in der Schlacht.

[64]) So meint z.B. Flavius Josephus, die Römer hätten nicht nur starke Körper, sondern auch starke Seelen (Ios. bell. Iud. 3,5,7; 3,10,2; vgl. auch Herod. 2,10,8), und weist damit nicht zuletzt auf deren Überlegenheit hin.

[65]) Vgl. Liv. 29,27,1-5 und die Opferzeremonie von Scipio beim Aufbruch seiner Truppen nach Africa. Die „Opfer“ sollten an die Ursprünge der munera erinnern und vielleicht schon für die Legionäre abgehalten werden, die im Feldzug fallen würden.

[66]) Liv. 22,57,5-6.

[67]) So beispielsweise die Spiele im Lager des Scipio in Spanien. Siehe dazu Val. Max. 9,11,1 und Liv. 42,34,5-11.

[68]) Plin. Paneg. 33,1: Visum est spectaculum inde non enerve, nec fluxum, nec quod animos virorum molliret et frangeret, sed quod ad pulchra vulnera contemptumque mortis accenderet, cum in servorum etiam noxiorumque corporibus amor laudis et cupido victoriae cerneretur.

[69]) Übersetzung nach Werner Kühn (Hrsg.): Plinius der Jüngere - Panegyrikus, Lobrede auf den Kaiser Trajan. Darmstadt 2008, S.67.

[70]) Die Historia Augusta berichtet von Septimius Severus, er habe Gladiatorenspiele veranstaltet und sei erst danach zu seinem Partherfeldzug aufgebrochen (HA Sept. Sever. 14,11). Über Maximus und Balbinus wird Ähnliches geschildert (HA Max. et Balb. 8, 5-7).

[71]) Im Jahr 102 v.Chr. in den Schlachten von Aquae Sextiae (heute Aix-en-Provence in Südfrankreich) und Vercellae (heute Vercelli in Oberitalien).

[72]) Mit der Umwandlung der Manipularlegion hin zu einer schweren Universalinfanterie war auch der letzte Schritt der Aufstellung einer Berufsarmee erfolgt, die mit der längeren Dienstzeit und der Spezialisierung auf den Beruf eine spezielle Ausbildung bedingte und gleichzeitig auch ermöglichte (Vgl. Plut. Marius 13 und Frontin 4,1,7 zu den Maßnahmen von Marius im Jahr 104. Siehe auch Michael J.V. Bell: Tactical Reform in the Roman Republican Army. In: Historia 14/1965, S.417). Gerade an dieser Episode bei Caesar zeigt sich, dass die Legionäre der späten Republik nicht nur bessere Kämpfer waren als in den Jahrhunderten davor, besonders da ihre individuellen Fähigkeiten weit intensiver geschult worden waren, sondern sie zeichneten sich auch durch enormes Selbstvertrauen aus.

[73]) Suet. Iul. 26,3.

[74]) Horsmann, a.a.O., S.139.

[75]) Iuv. 3,157-158.

[76]) Zum Üben wurden auch Gebäude benutzt (Le Bohec, a.a.O., S.125-126), jedenfalls aber Amphitheater (Vgl. Roy W. Davies: Service in the Roman Army. Edinburgh 1989, 41; Horsmann, a.a.O., S.64-65). Feldherren wie Kaiser überzeugten sich bei ihren Besuchen in verschiedenen Legionslagern davon, ob die Übungsgelände und selbst die in Form dieser Arenen auch wirklich regelmäßig frequentiert wurden. Als Beispiele sollen hier die Reisen Kaiser Hadrians nach Pannonien und Afrika dienen (Cass. Dio 69,9; HA Hadrian 10,2 und 26,2; CIL III 3676).

[77]) Die Stadt lag in der heutigen spanischen Provinz Soria.

[78]) Frontin 4,1,1.

[79]) Michael Crawford: Die Römische Republik. München 1994, S.36-38.

[80]) In der Zeit der Republik musste eine solche Leibgarde aus Sklaven, Freigelassenen und Klienten oft auch für die Sicherheit ihres Patrons in der Stadt Rom selbst garantieren oder war ein Mittel zur Durchsetzung persönlicher und politischer Ziele (siehe dazu etwa Sall. Cat. 50). So schreibt schon Juvenal (Iuv. 3, 268-308), dass eine große Menge an Begleitern und der Purpur diejenigen anzeigen würden, denen Raufbolde des Nachts aus dem Weg gehen sollten. Ammian (14,6,16) beschreibt die Trupps, unter denen sich die Angehörigen der Oberschicht in der Stadt bewegten.

[81]) So diente auch der Sohn des Metellus als 20-Jähriger im Gefolge seines Vaters in Numidien (Sall. bell. Iug. 64,4).

[82]) Rohrschneider, a.a.O., S.479 Anm.56.

[83]) Besonders in der römischen Armee der Republik gab es keine Militär- und Kaderausbildung im heutigen Sinn. Die Feldherren waren somit „Amateure“, die sich die wichtigsten Fähigkeiten, etwa diejenige der Menschenführung wie auch der Feldzugsplanung und taktische Kenntnisse, selbstständig aneignen mussten. Auch Fachliteratur stand nur in begrenztem Ausmaß zur Verfügung, wobei diese in der antiken Form ohnehin mehr dem Abbild eines Ideals als einer realistischen Darstellung der Wirklichkeit entsprach. Politik und Militär liefen allerdings über dieselbe Schiene. Das militärische Lernen erfolgte damit im Endeffekt über die Beobachtung und Begleitung eines erfahrenen Offiziers, eines Verwandten, befreundeten Aristokraten oder auch eines patronus. Damit erklärt sich auch die große Bedeutung des bereits beschriebenen engen Zirkels um den Feldherrn (Vgl. dazu Kate Gilliver: Auf dem Weg zum Imperium - Eine Geschichte der römischen Armee. Stuttgart 2003, S.9-11;16-17). Praktische Fähigkeiten, wie etwa Waffenkundigkeit, wurden vorausgesetzt und mussten auf privater Basis erlernt werden. Erst in der Kaiserzeit und mit den ständig wachsenden Herausforderungen etwa der Verteidigung des Reiches im Osten wie auch im Norden bildete sich eine Art der Offizierslaufbahn heraus, die Beförderungen nach Verdiensten und damit durch den Kaiser mit sich brachte und auf diese Weise mehr oder weniger unabhängig vom Status der entsprechenden Person war. Als Beispiel soll hier die Karriere des Maximinus Thrax dienen, der wohl noch in jungem Alter in die Armee eintrat, wo er wegen seiner körperlichen Stärke und seines militärischen Geschicks rasch Karriere machte, die ihn schließlich gar auf den Kaiserthron bringen sollte (HA Max. duo 2). Vgl. auch Horsmann, a.a.O., S.49-53.

[84]) Dieser wurde wiederum von der Anzahl an Klienten bestimmt.

[85]) Frontin 7,5: C. Marius Teutono provocanti eum et postulanti, ut prodiret, respondit, si cupidus mortis esset, laqueo posse eum vitam finire: cum deinde instaret, gladiatorem contemptae staturae et prope exactae aetatis obiecit ei dixitque, si eum superasset, cum victore congressurum.

[86]) Valerius Maximus berichtet etwa, dass nach der Niederlage von Cannae Sklaven als Freiwillige in die römischen Armeen aufgenommen wurden (Liv. 22,57,9-12; Val. Max. 7,6,1). Zusätzlich wurde eine Kommission damit betraut, 24.000 Sklaven für eine solche Verwendung aufzukaufen.

[87]) Siehe dazu Sall. bell. Iug. 84,2-4und 86,2-3 bezüglich der Maßnahmen von Marius zur Aufstockung der Legionen.

[88]) Marius habe einen Gladiator, der ihm gehörte und dessen Fähigkeiten er schätzte, wohl schon während dessen aktiver Karriere genau beobachtet und schließlich auch noch im Alter gerne in seiner Nähe gewusst.

[89]) Plut. Cic. 16,1-2. An anderer Stelle schreibt Plutarch (Cic. 29) sogar, dass Clodius selbst sich als Leibwächter Ciceros betätigte.

[90]) Cass. Dio 39,7,2 und 39,8,1.

[91]) Vgl. dazu Kaser, a.a.O., S.298-301.

[92]) Sie unterschieden sich von den restlichen Truppen wohl auch im Bereich der individuellen Bewaffnung. So beschreibt etwa Flavius Josephus (Ios. bell. Iud. 3,5,5) ausgewählte Fußsoldaten, die dem Schutz des Feldherrn dienten.

[93]) Das entspricht der faktischen und besonders wirtschaftlichen Abhängigkeit der Legionäre von ihrem Befehlshaber, der sich nicht zuletzt für ihre Rechte und Ansprüche wie auch die Versorgung nach dem Ende ihres aktiven Dienstes einbringen musste.

[94]) Bericht von Appian für die Zeit unmittelbar nach der Ermordung Caesars. Seine Veteranen befanden sich entweder in der Stadt, oder aber sie waren, obwohl sie bereits Land zur Ansiedlung erhalten hatten, nach Rom zurückgekehrt, um ihn zu eskortieren (App. civ. 2,119). Das spricht für ein enges Klientelverhältnis.

[95]) App. bell. civ. 3,67.

[96]) Besonders Caesar setzte kriegserfahrene Veteranen als Elitetruppen ein (Caesar bell. civ. 3,88,5 und 3,91,1). Appian berichtet von diesen Leibwachen, auf die Caesar verzichtete (App. bell. civ. 2,107,444), Mark Anton und sein Bruder dagegen verstärkt zählten (App. bell. civ. 5,19,77). So betonte Caesar vor dem Krieg gegen Ariovist, dass er sich, falls ihm die Truppen die Gefolgschaft verweigern würden, nur mit der 10. Legion dem Feind entgegenstellen würde, denn ihr würde er vertrauen, sie wäre seine cohors praetoria (Caes. gall. 1,42. Vgl. auch Gerold Walser: Bellum Helveticum. Studien zum Beginn der caesarischen Eroberung von Gallien. Stuttgart 1998, S.56). Wie Caesar meint, dass ihm die Legionäre seiner 10. Legion am nächsten stehen würden, konnte etwa auch Scipio Aemilianus von einer Truppe, die ein persönliches Naheverhältnis zu ihrem Patron hatte, bedingungslose Treue und auch vollen militärischen Einsatz erwarten. Nach Caesar setzten auch Marcus Antonius und Octavian auf den Einsatz solcher „Prätorianerkohorten“, etwa in der Schlacht von Forum Gallorum im Jahr 43 v.Chr.

[97]) Erst in Rom hatte Caesar die prätorianischen Kohorten, die seit dem Krieg an seiner Seite gewesen waren, aus ihrem Dienst entlassen (App. civ. 2,107).

[98]) Die Ausbildung der Gardisten war aufgrund der Zeit wie auch der ihnen in Rom zur Verfügung stehenden Infrastruktur höher einzuschätzen als die der Legionen. Über die Übungen erfolgte nicht zuletzt auch eine Anknüpfung an die Tradition der Republik und die Bildung eines besonderen Korpsgeistes, der wiederum eine enge persönliche Verbindung zum Kaiser erzeugte, indem dieser etwa auf dem Campus der Prätorianer dem Training beiwohnte (Le Bohec, a.a.O., S.127).

[99]) Als Beispiel soll hier eine von Kaiser Claudius auf dem Fuciner-See veranstaltete naumachia, eine fingierte Seeschlacht, dienen, wobei er Schiffe mit 19.000 Mann - alles verurteilte Verbrecher (zur Verurteilung von Verbrechern ad gladium vgl. Christoph Ebner: Die Konzeption der Arenastrafen im römischen Strafrecht. In: ZRG-RA 129/2012, S.257-259) - einander gegenüberstellte. Da es denkbar war, dass diese Masse an Verbrechern einen gewaltsamen Ausbruchsversuch unternehmen könnte, sicherte die Prätorianergarde den Zugang zum See (Tac. ann. 12,57).

[100]) Es war ihm auf diese Weise möglich, jederzeit Kämpfe etwa zur Erbauung oder aber als Belohnung abzuhalten. Die Anwesenheit von Gladiatoren in Legionslagern war damit wohl eine „Normalität“.

[101]) Tac. ann. 1,22: Et Vibulenus quidam gregarius miles, ante tribunal Blaesi adlevatus circumstantium umeris, apud turbatos et quid pararet intentos 'vos quidem' inquit 'his innocentibus et miserrimis lucem et spiritum reddidistis: sed quis fratri meo vitam, quis fratrem mihi reddit? quem missum ad vos a Germanico exercitu de communibus commodis nocte proxima iugulavit per gladiatores suos, quos in exitium militum habet atque armat. Übersetzung nach Erich Heller (Hrsg.): P.Cornelius Tacitus - Annalen. Mannheim 2010, S.43-44: Ein gewisser Vibulenus, ein gemeiner Soldat, ließ sich vor dem Tribunal des Blaesus auf die Schultern der Umstehenden heben und rief den aufgeregten, sein Vorhaben gespannt beobachtenden Kameraden zu: „Ihr habt zwar diesen unschuldigen, armen Kerlen Licht und Atemluft zurückgegeben: Aber wer gibt meinem Bruder das Leben, wer gibt mir meinen Bruder wieder? Ihn, der zu euch vom germanischen Heer wegen unserer gemeinsamen Interessen geschickt worden war, hat er in der vergangenen Nacht durch seine Gladiatoren umbringen lassen, die er zum Verderben der Soldaten hält und bewaffnet.“

[102]) Und das, selbst wenn die Bemerkung des Soldaten bei Tacitus „böswillig aus der Luft gegriffen“ scheint. Vgl. Heller, a.a.O., S.825 Anm.65.

[103]) Tac. hist. 3,57,2.

[104]) So hatten sich etwa auch die Caesarmörder mit einer Leibwache aus Gladiatoren umgeben, unter deren Schutz sie sich durch die Stadt bewegten (App. civ. 2,120).

[105]) Kaiser Nero soll bei seinen nächtlichen Streifzügen durch die Stadt von Soldaten und mehreren Gladiatoren beschützt worden sein (Suet. Nero 26). Sie bekamen den Auftrag, in einiger Entfernung zu bleiben und kleine Streitigkeiten, die der Kaiser auch aktiv suchte, unbemerkt vorübergehen zu lassen. Sobald aber die Angegriffenen und Beleidigten sich zu kräftig wehrten, mussten sie hervortreten und mit ihren Waffen dem Kaiser zu Hilfe zu kommen (Tac. ann.13,25).

[106]) CTh. 15,12,3: Si quos e gladiatorio ludo ad servitia senatoria transisse constabit, eos in extremas solitudines amandari decernimus. „Wenn jemand dabei angetroffen wird, dass er aus einer Gladiatorenschule in den Dienst eines Senators tritt, so entscheiden wir, dass der Betroffene in die entlegenste Einsamkeit verbannt werden soll.“