Visum est spectaculum 

Die Gladiatorenspiele im Wechselspiel mit Militär und öffentlicher Sicherheit (Teil 2)

Christoph Ebner

 

Im ersten Teil des Beitrages wurde der Einfluss der Gladiatorenspiele und ihrer Protagonisten auf die Heeresreform an der Wende ins 1. Jahrhundert v.Chr. wie auch die römische Armee der Republik und frühen Kaiserzeit nachgezeichnet. Im Folgenden sollen nun weitere Zusammenhänge und Wechselwirkungen der Unterhaltungsindustrie mit Staat und Militär ins Zentrum der Untersuchung rücken.

 

Hilfstruppen oder eine Gefahr für den Staat

Die wirtschaftlichen Umwälzungen besonders in Form der wachsenden Latifundienwirtschaft, die Heerscharen an Sklaven verschlang,107) zeigten ihre negativen Auswirkungen nicht erst in den großen Sklavenaufständen an der Wende vom 2. zum 1. Jahrhundert v.Chr.108) Es sollte aber schließlich der dritte große Konflikt sein, der Aufstand des Spartacus,109) der den Römern die Gefahren der Sklavenwirtschaft und besonders der aufgeblähten Industrie rund um die Gladiatorenspiele eindrucksvoll vor Augen führte. Das Wachstum der Gladiatur war zu schnell erfolgt, in den Ausbildungszentren fanden sich immer mehr Männer, die kriegstauglich waren. Die Lebensbedingungen in den Schulen waren schlecht, die Bewachung dagegen unzureichend. Als es schließlich in Capua zum Aufstand kam, zogen sich die Kämpfe über die Jahre 73 bis 71 v.Chr. hin, nicht zuletzt, da die Männer von Spartacus stetig Zulauf erhielten. Die Römer konnten schließlich erst mit unverhältnismäßig hohem Aufwand110) eine Entscheidung herbeiführen.

Die Ereignisse dieser Jahre wurden jedoch als Warnsignal verstanden. Man erkannte, dass der Feind praktisch direkt vor den Mauern Roms saß, da Italien selbst das geographische Zentrum der Infrastruktur rund um die Gladiatorenspiele bildete. Eine weitere Lehre, die man aus den vergangenen Kämpfen ziehen musste, war außerdem, dass selbst die Fechter aus den Schulen durchaus militärisch erfolgreich operieren konnten, solange es ihnen gelang, den Legionären ihren eigenen Kampfstil aufzuzwingen. Als Konsequenz war man nun bestrebt, die Sicherheitsvorkehrungen in den Städten wie auch am Land zu adaptieren. Zwar war den Gladiatoren in den Schulen bereits zuvor der Zugang zu Waffen außerhalb von Training und Kämpfen durch entsprechende Bewachung versagt, wie man nun allerdings erkennen musste, reichten die bisherigen Anstrengungen bei Weitem nicht aus. Um Ähnliches nun für die Zukunft zu verhindern, sah man sich als ersten Schritt dazu gezwungen, die Gladiatorenschulen unter strengere und vor allem auch militärische Beobachtung zu stellen.111) Bis in die Kaiserzeit wurden daher Soldaten in der Nähe von Orten stationiert, die als neuralgische Punkte eine erhebliche Konzentration an Gladiatoren und wohl auch Ausbildungszentren aufwiesen.112) Selbst das wurde allerdings in Zeiten sich abzeichnender neuer Krisen keineswegs als ausreichend erachtet. Gerüchte eines drohenden Sklavenaufstandes nach dem Vorbild von Spartacus ließen die Wogen in der regionalen Bevölkerung rasch hochgehen.113) So etwa im Jahr 63 v.Chr. während der Verschwörung des Catilina. Hier befürchtete der Senat, dass die Aufständischen auch Gladiatoren in ihre Truppen aufnehmen würden, wenn sie sich etwa Capuas bemächtigen konnten. Wie der Historiker Sallust berichtet, beschloss man daraufhin, „uti gladiatoriae familiae Capuam et in cetera municipia distribuerentur pro cuiusque opibus“,114) dass also die Gladiatoren in den Schulen nach Maßgabe der jeweiligen Mittel auf Capua und die übrigen Städte aufgeteilt werden sollten. Eine zahlenmäßige Konzentration dieser gefährlichen Kämpfer an einem bestimmten Ort sollte auf diese Weise vermieden und eine wohl auch verschärfte Bewachung sichergestellt werden. Auf ähnliche Weise verfuhr später auch Pompeius angesichts der drohenden Auseinandersetzung mit Julius Caesar, wie Cicero in einem Brief an Atticus bestätigt:115) „Was ich dir neulich von Caesars Gladiatoren in Capua aufgrund eines Briefes von Torquatus geschrieben habe, stimmt nicht; Pompeius hat sie, äußerst zweckentsprechend, zu je zweien auf die einzelnen Familien aufgeteilt. In der Fechterschule befanden sich 5.000 Schwerbewaffnete; angeblich waren sie drauf und dran, auszubrechen. Damit ist sehr viel für das Vaterland gewonnen.“ 116)

Allein in Capua sollen sich also 5.000 Kämpfer aufgehalten haben,117) unter denen mit großer Wahrscheinlichkeit zahlreiche Kriegsgefangene waren, die Caesar im Zuge seiner Eroberungen besonders in Gallien als persönliche Beute zugefallen waren. Cicero und Pompeius mussten nun befürchten, dass diese Schwerbewaffneten, die beinahe Legionsstärke erreichten, ausbrechen und sich nach dem Vorbild von Spartacus’ Sklavenarmee durch die Halbinsel kämpfen würden, oder aber, dass sie sich loyal zu Caesar verhalten und unter der Führung von dessen Gefolgsleuten einen zusätzlichen Unsicherheitsfaktor mitten in Italien bilden würden.118) Pompeius beschloss nun in Anlehnung an das von Sallust überlieferte Beispiel, die Männer zu entwaffnen und als Sklaven auf die familiae der Umgebung aufzuteilen. Für die Bewachung sollten und konnten also wohl keine militärischen Kräfte aufgewendet werden. Vielmehr wurden die Gladiatorensklaven in die Haushalte reicher Römer integriert, die infolgedessen auch für deren Bewachung zu sorgen hatten. Nicht zuletzt stellte das Eingreifen von Pompeius jedenfalls einen schweren finanziellen Schaden für Caesar dar. In dieser Zeit eines schwelenden Konflikts wurde ihm die Beeinflussung des Volkes mittels munera damit schwer bzw. für einen bestimmten Zeitraum sogar unmöglich gemacht.

Trotz dieser Vorkehrungen überliefert Tacitus, dass im Bürgerkrieg zwischen Pompeius und Caesar neben regulären Truppen sehr wohl auch Gladiatoren eingesetzt wurden.119) Das blieb auch kein Einzelfall, denn in Zeiten der Krisen griffen Männer an der Spitze des Staatsgefüges auch in den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten immer wieder auf die Männer in den Gladiatorenschulen zurück, selbst wenn dies gesellschaftlich „missbilligt“120) wurde. Die Ablehnung solcher Hilfsdienste lag in der sozialen Verachtung begründet, die den Gladiatoren entgegengebracht wurde. Sie waren zumindest zum Großteil Sklaven, während die Legionäre, die mit ihnen oder gar gegen sie kämpfen sollten, allesamt römische Bürger waren und gerade das als entehrend betrachteten.121) Das ambivalente Verhältnis zur Unterhaltungsindustrie wird hier deutlich sichtbar. Auf der einen Seite wurden Gladiatoren verehrt, was jedoch nicht dazu führte, dass es die römischen Bürgersoldaten auf der anderen Seite mit ihrem Stolz vereinbaren konnten, mit solchen Männern Seite an Seite ins Feld zu ziehen. Schließlich war diese Abneigung zumindest am Ende der Republik bis zu einem gewissen Maß mit Sicherheit auch der zeitlichen Nähe zum Spartacus-Aufstand geschuldet. Es sollte als Warnung für die Zukunft verstanden werden, Gladiatoren, noch dazu in großer Zahl, unter Waffen zu stellen. Trotz all dieser Widerstände und Bedenken siegten doch zumindest in Notzeiten militärische Erwägungen, und so verstärkte etwa bald darauf Marcus Antonius seine Truppen mit Gladiatoren.122)

Selbst in der Kaiserzeit wurden sie beispielsweise im Rahmen von Aufständen123) oder auch in Bürgerkriegen gegen römische Legionen ins Feld geführt. Nach dem Tod Neros und den folgenden Kämpfen um die Macht setzte etwa Kaiser Otho in seinem verzweifelten Ringen gegen Vitellius, einen weiteren Thronprätendenten, im Jahr 69 n.Chr. 2.000 Gladiatoren als Hilfstruppen ein.124) Gerade der Ablauf dieser Kämpfe, die bei Tacitus breit geschildert werden,125) lässt nun eine Betrachtung ihres militärischen Wertes und der Einsatzmöglichkeiten zu. Die Gladiatoren wurden nämlich besonders oder auch ausschließlich für Spezialeinsätze herangezogen. Im bei Tacitus geschilderten Fall dienten sie etwa im Zuge eines amphibischen Angriffes als Landungstruppen.126) Auf Seiten der Gegner standen ihnen bei diesem Unterfangen in Form einer Abteilung batavischer Söldner127) ebenfalls Spezialtruppen gegenüber. Letztere genossen in der römischen Armee einen hervorragenden Ruf als Reiter und Schwimmer sowie für ihren Mut.128) Während die Gladiatoren auf Schiffen auf eine umkämpfte Insel gebracht wurden, schwammen die Bataver dorthin, was ihnen einen entscheidenden Zeitvorteil brachte. Sie blieben im folgenden Gefecht auch siegreich, weil die Gladiatoren, wie Tacitus meint, von den Schiffen kämpfend keineswegs den Halt und die Standfestigkeit fanden, die sie für ihren Kampfstil und damit auch für den Sieg benötigt hätten.129) Die Bataver dagegen, die zuerst bei der Insel angekommen waren, konnten vom Land aus kämpfen und blieben letztlich siegreich. Tacitus ermöglicht hier nun wohl bewusst einen Einblick, wie die römischen Kommandeure diese Hilfstruppen einzusetzen gedachten. Dem entspricht auch, dass der Historiker im Gegenzug immer wieder betont, dass Gladiatoren in offener Schlacht nicht die gleiche Standhaftigkeit hätten wie Soldaten und sogar die Feldschlacht verweigern würden.130) Wenn man sie jedoch im Rahmen kleinerer Missionen in Aktion treten lies, wo sie ihre Fähigkeiten auch wirklich entfalten konnten, musste man nicht mit einer Verweigerung rechnen und konnte ihr Potenzial ausschöpfen.

Für die Notzeiten in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts n.Chr. stößt man ebenfalls auf ähnlich gelagerte Berichte. Kaiser Mark Aurel stellte angesichts der drohenden Germanengefahr und der Schwächung des Militärapparates durch die sich aus dem Osten verbreitende Pestepidemie Gladiatoren als Kampfeinheiten in seinen Dienst.131) Über die Aufgaben, die sie zu erfüllen hatten, können aufgrund der kargen Quellenlage allerdings nur Vermutungen angestellt werden. Sie könnten aber im Krieg gegen die Markomannen und Quaden wiederum dazu beigetragen haben, das Training der Truppen zu verbessern. Gerade der Kampf gegen diese Germanenstämme und ihre Verbündeten im unwegsamen Donauraum stellte nämlich enorme Anforderungen an die römischen Truppen. Abzulehnen ist dagegen wohl die Annahme, dass diese Maßnahme dazu dienen sollte, Verluste auszugleichen, die durch die Pest und den Krieg unter den Legionären aufgetreten waren. Gladiatoren waren schließlich nur in enden wollender Zahl verfügbar und mit Sicherheit teurer als etwa Rekruten, da ihnen auch wirtschaftlich ein bedeutender Wert zugerechnet werden konnte. Sie fehlten an anderer Stelle, was eine Preisexplosion und ein Hilfeersuchen an den Kaiser zur Folge hatte, der sich mit einer Marktpreisregulierung helfen musste.132) Nicht zuletzt muss nach dem Vorbild römischer Schriftsteller auch ihre Verwendbarkeit in einer geordneten Feldschlacht zumindest in Zweifel gezogen werden. Da diese Gladiatoren in der Historia Augusta als obsequentes, die Folgsamen, bezeichnet werden, könnte dies auch auf eine Verwendung als Leibgarde oder aber als Elitetruppe in der Tradition der Republik hindeuten. Nach Marc Aurel finden sich keine Berichte mehr, die einen Einsatz von Gladiatoren als Hilfstruppen bezeugen. Die Gründe dafür liegen allerdings nicht in einer Einsicht begründet, dass ihre Dienste nicht mehr vonnöten waren, sondern vielmehr in der wirtschaftlichen Schwäche des Reiches im 3. Jahrhundert. Diese konnte an der Unterhaltungsindustrie nicht spurlos vorübergehen. So wurden etwa der aufgeblähte Apparat der kaiserlichen Gladiatorenschulen wie auch die Anzahl und Ausstattung der Spieleveranstaltungen in den Provinzen reduziert.133) Damit blieb das militärische Potenzial von Gladiatoren nur dort erhalten, wo die „Industrie“ allen wirtschaftlichen Problemen und auch der Kritik des Christentums trotzen konnte, v.a. aber in der alten Hauptstadt Rom.

Im Jahr 350 n.Chr. wurde die Stadt schließlich durch den Usurpator Nepotianus134) eingenommen, der sich bei dieser Aktion ausschließlich auf Söldner und Gladiatoren135) stützte. Dabei muss angemerkt werden, dass es im Rom der Spätantike durchwegs an lokalen Ordnungskräften mangelte. In einer Zeit, in der die Kaiser nicht mehr in Rom residierten und die von blutigen Konflikten um die Herrschaft geprägt war, wollten die Männer auf dem Kaiserthron einem möglichen Usurpator keinesfalls militärische Mittel in die Hand geben. Die Stadt Rom, die für die Herrschaft immer noch symbolischen Charakter besaß, sollte also nicht zum Zentrum eines Umsturzes werden. Gleichzeitig trug diese Maßnahme aber auch dazu bei, dass die durch den Stadtpräfekten ausgeübte Zivilverwaltung gestärkt wurde. Wie der Historiker Aurelius Victor136) berichtet, schlug Nepotianus das Aufgebot, mit dem sich der Stadtpräfekt dem Usurpator entgegenstellte, und durch die Hand und die Waffen von Gladiatoren wurde er zumindest kurzzeitig zum Imperator. Mit eindringlichen Worten, „armataque gladiatorum manu“, beschreibt der Historiker, dass Nepotianus diesen Haufen zuerst bewaffnen musste, bevor er sich gestützt auf ihre Kampfkraft zum Kaiser aufschwingen konnte. Vorstellbar und angesichts der zu erwartenden Reaktion des regierenden Herrschers auf die Usurpation sogar wahrscheinlich wäre dabei natürlich, dass er, einmal siegreich in Rom angekommen, die Gladiatoren aus den dort noch existierenden Schulen genommen und bewaffnet hatte, um so eine Streitmacht aufzustellen, die es ihm ermöglichen sollte, seine neu gewonnene Macht zu verteidigen, bis sich die Lage und damit seine Stellung stabilisiert hatten. Die Unterstützung aus der Bevölkerung wie auch aus dem Militär, mit der er wohl gerechnet hatte, blieb allerdings aus. Als reguläre Truppen anrückten, konnten seine zahlenmäßig mit Sicherheit klar unterlegenen Unterstützer keinen nennenswerten Widerstand leisten.137)

Ein weiteres Beispiel der städtischen Unruhen, die durch den militärischen Einsatz von „Gladiatoren“ getragen wurde, war der so genannte Damasus-Streit. Nach dem Tod des Papstes Liberius im Jahr 366 n.Chr. wurde Damasus zwar mit großer Mehrheit zu dessen Nachfolger bestimmt, konnte aber seine Wahl schließlich nur mit Gewalt durchsetzen. Dabei bediente er sich des bewaffneten Pöbels, wörtlich der quadrigarii und der imperita multitudo, sowie der periuri und arenarii.138) Wie bereits im Fall der Usurpation des Nepotianus waren auch hier Herumtreiber, Vagabunden und gewaltbereite Massen die Träger eines gewalttätigen Konflikts. Darunter scheinen sich - wenn man den Beschreibungen folgt - auch arbeitslose Arenakämpfer und Wagenlenker befunden zu haben, die ihre Dienste an den Bestbieter verkauften, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können oder sich einen Zusatzverdienst zu eröffnen. Die in beiden nun geschilderten Fällen erwähnten Personen bewegten sich am Rande der Gesellschaft und boten sich und ihre Dienste allen an, die bereit waren, dafür zu bezahlen. Damit waren sie eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die öffentliche Sicherheit in Rom. An diesen beiden Beispielen wird eine Entwicklung absehbar, welche die besondere Verbindung zwischen Gladiatorenspielen und Militär gegen Ende des 4. Jahrhunderts n.Chr. nochmals deutlich machen sollte. Schon während dieses Jahrhunderts wurde klar, dass die wirtschaftliche Schwäche des Reiches und damit der Oberschicht wie auch der Siegeszug des Christentums und dessen kritische Haltung zu den Gladiatorenspielen139) die Unterhaltungsindustrie nachhaltig „geschädigt“ hatten. Wie nun besonders an den Ausführungen zum Damasus-Streit zu erkennen ist, waren als Folge der wirtschaftlichen Probleme in den Arenen dieser Zeit immer weniger professionelle Gladiatoren zu finden. Die entstandenen Lücken wurden mit Personen gefüllt, die sich und ihre „Dienste“ an jeden verkauften, der dafür bezahlte. Diese harenarii, wie sie in den zeitgenössischen Quellen u.a. genannt werden, stellten durch ihre Gewaltbereitschaft und Söldnermentalität nicht zuletzt eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit dar. Sie werden nicht umsonst in einem Atemzug mit Gesetzlosen genannt. Für die Veranstalter aus dem Adel, die in Rom immer noch Spiele veranstalteten, bedeuteten diese Männer daher auch keine wirkliche personelle Alternative. So setzten die Veranstalter in ihrer Not auf Soldaten als Protagonisten.140) Man muss also davon ausgehen, dass mit gewisser Regelmäßigkeit zumindest in der alten Hauptstadt römische Soldaten in die Rolle von Gladiatoren schlüpften und dafür auch von Privaten bezahlt wurden.

Diese Praxis stieß allerdings relativ rasch auf kaiserliche Ablehnung. So wurde der Einsatz von Soldaten in den Arenen unter Bußandrohung gestellt, wobei jedoch nicht die Kämpfenden für disziplinäre Verfehlungen bestraft werden sollten, sondern vielmehr die jeweiligen Veranstalter, wohl für die Korrumpierung der Soldaten.

Aus diesen Ausführungen lässt sich auch eine zumindest rudimentäre Qualifizierung der spätantiken römischen Armee ableiten: Man setzte in hohem Maß auf Söldner zumeist germanischer Herkunft, deren Anwerbung als Arenakämpfer für ihre individuellen Fähigkeiten spricht. Gleichzeitig wird hier aber zumindest indirekt ersichtlich, dass der Formationskampf und die entsprechende Ausbildung in den Legionen spätestens nach Dio­kletian und seinen Reformen sowie mit dem verstärkten Anwerben der beschriebenen Kräfte von außerhalb des Römischen Reiches immer stärker dem Einzelkampf und einer entsprechenden Taktik gewichen waren.

 

Der Soldateneid und das auctoramentum

Die gegenseitige Beeinflussung von Unterhaltungsindustrie und Legionen ist schließlich auch noch für einen Bereich zu untersuchen, dem selbst moderne Armeen durchwegs Bedeutung zumessen: die Eidesleistung. Der Historiker Livius schreibt über den Ursprung des römischen Soldateneides,141) dass dieser im Jahr 216 v.Chr. und noch vor der Schlacht bei Cannae (wohl angesichts der Gefahr durch Hannibal und der bisherigen Niederlagen im Zuge des 2. Punischen Krieges) geändert worden wäre.142) Aus der vor diesem Zeitpunkt erfolgten (freiwilligen) Erklärung, nicht dem Schlachtfeld zu entfliehen, wurde auf diese Weise eine rechtlich bindende, ein Eid.143) Er wurde zur Grundlage für standgerichtliche Verfahren wie auch Verurteilungen ohne Verfahren für Deserteure144) oder ungehorsame Soldaten.145)

Um den verbindlichen Charakter zu verdeutlichen, sollte er vor dem tribunus militum, dem Militärtribunen, gesprochen werden.146) Das ist mit einer besonderen Schutzfunktion zu erklären. Der tribunus militum musste, wie bei Livius geschildert, die Eignung des zukünftigen Legionärs überprüfen, ob er körperlich und geistig in der Lage war, eine entsprechende Verpflichtung auch wirklich einzugehen. Daneben hatte er aber wohl auch zu kontrollieren, ob es sich beim in den Militärdienst Eintretenden um einen römischen Bürger147) und nicht etwa um einen Sklaven handelte.

Diese Gestaltung des militärischen Eides beeinflusste nun auch die Gladiatur. Gladiatoren waren zumindest in der Zeit der Republik zumeist Sklaven. Das bedeutete, dass sie entweder von ihrem Herrn in die Gladiatorenschulen verkauft oder aber auf dem Markt von einem lanista angekauft wurden. Sie waren ihrem (neuen) Herrn damit mehr oder weniger auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Dieses Unterordnungsverhältnis war für die römische Sklavenhaltergesellschaft kein untypisches und bedurfte daher keiner speziellen Regelung. Bereits gegen Ende der Republik begaben sich jedoch immer häufiger auch Freie, selbst römische Bürger, in die Schulen und die Arenen. Sie teilten Tisch, Schlafstatt und die Mühen des Trainings mit den genannten Gladiatorensklaven, waren derselben Behandlung und damit auch Körperstrafen ausgesetzt, und nicht zuletzt drohte ihnen sowohl in der Ausbildung als auch bei ihren Auftritten in der Arena der Tod. Da jedoch römische Bürger im Bereich des Strafrechts weder einer Prügelstrafe noch der Todesstrafe ohne Möglichkeit der Berufung an die Volksversammlung ausgesetzt werden durften, musste hier eine rechtliche Regelung gefunden werden, um ein Vertragsverhältnis zwischen dem eintretenden Gladiator und dem Eigentümer einer Gladiatorenschule zu schaffen, das den Realitäten entsprach. Dieses so genannte auctoramentum des Gladiators,148) musste publizitätswirksam abgeschlossen werden, Parallelen zur Leistung des Soldateneides und damit zum Verpflichtungsakt des Soldaten deutlich hervortreten.

Für den Gladiatoreneid kann nun aus der Literatur zumindest rudimentär der Inhalt rekonstruiert werden:149) „Dieselben sind die Worte dieses achtbarsten und jenes verwerflichsten Kontraktes, nämlich sich brennen, fesseln und mit dem Schwert erschlagen zu lassen.“ Die Annahme, dass der Begriff auctoramentum ursprünglich aus der Militärsprache stamme, ist quellenmäßig nicht ausreichend belegt. Es scheint jedoch, dass wie die Anwerbung und Ausbildung der Gladiatoren auch der Eid an jenem der Legionäre orientiert war. So musste dieser etwa vor dem Volkstribun geschworen werden,150) dem ebenso eine Warnpflicht und Schutzfunktion zukam. Er hatte festzustellen, ob der zukünftige Gladiator geistig und körperlich in der Lage war, eine solche Verpflichtung auch wirklich einzugehen und ob er römischer Bürger bzw. nicht minderjährig war. Es sollte etwa keinem Sklaven gelingen, sich durch den Eintritt in eine Gladiatorenschule seinem Herrn zu entziehen. Nicht zuletzt unterwarf sich auf diese Weise der freie Gladiator genauso dem lanista, wie sich der Legionär der Disziplinargewalt seiner Vorgesetzten und Ausbildner auslieferte.151)

Dass die Verbindung der Gladiatur mit dem militärischen Bereich auch von den Zeitgenossen so gesehen wurde, zeigt sich etwa in einer Schrift von Symmachus, einem hochrangigen Senator in Rom am Übergang vom 4. auf das 5. Jahrhundert n.Chr. Er zollte den auctorati seinen Respekt, indem er sie rhetorisch in die Nähe der alten Legionen Roms erhob. Ähnlich diesen wären sie durch den beschriebenen Eid ausgesucht worden, wie es bereits seit langer Zeit Brauch war: „ut auctoramento lectos longus usus instituat“.152) Lectus wird hier als Terminus nicht von ungefähr verwendet, sollen doch damit genau dieses Auslesen der besten der wehrfähigen Männer und das Aufstellen einer legio mit der Auswahl der auctorati, der berufsmäßigen, freiwilligen Gladiatoren, als die absolute Elite der Arenakämpfer in Verbindung gesetzt werden. Auch oder gerade in der Spätantike, einer Zeit, in der Rom nicht mehr Hauptstadt des Reiches war und man sich der großen Tradition deshalb umso intensiver erinnern musste, schloss man mittels diese Reminiszenz an die glorreiche Vergangenheit und damit auch an die Nahbeziehung zwischen der Gladiatur und den alten Legionen Roms an.

 

Die militärische Repräsentation und die Spieleindustrie

In der Republik ging militärische Repräsentation zumeist mit einer politischen einher, besonders da sie dem gleichen Karrierestrang diente. Im Zuge dieses Strebens veranstaltete Gladiatorenspiele wurden ausschließlich von den Veranstaltern selbst finanziert. Bald jedoch versuchten erfolgreiche Feldherren, über Umwege diese private Repräsentation aus öffentlichen Geldern zu bestreiten. So berichtet Livius, dass Publius Scipio die Spiele, die er angesichts eines Aufstandes seiner Soldaten in Neukarthago153) gelobt hatte, aus der Beute des Feldzuges bestreiten durfte.154) Wie hier Scipio ist den siegreichen Feldherren jedoch nicht (nur) zu unterstellen, dass sie staatliche Mittel aus der Feldzugsbeute155) zu persönlichem Nutzen verwenden wollten, sondern sie sahen hierin auch eine Möglichkeit, eine Genehmigungspflicht des Senates für Triumphzüge und Spiele in Rom zu umgehen, indem sie diese mit einem Votum an die Götter begründeten.156) Die Standesgenossen konnten es nicht so einfach hinnehmen, dass sich militärisch erfolgreiche Anführer in ungehemmter Freizügigkeit dem Volk präsentierten und damit ihre Chancen auf eine Wahl in die höchsten politischen Ämter signifikant erhöhten. So wurde neben der prinzipiellen Genehmigungspflicht auch das Budget für die geplanten Ausgaben durch das oberste Gremium reglementiert.157)

Triumphzüge waren die eindrucksvollste Möglichkeit, wie Generäle aus der Senatorenschicht dem einfachen Volk die Eroberungen und Siege im Namen Roms plakativ vor Augen führen konnten. Sie ähnelten damit zumindest in der Republik oftmals modernen Truppenparaden. Im Unterschied zu heute wurden jedoch auch Kriegsgefangene und Beute mitgeführt, am Ende stand schließlich noch das Opfer an die Götter. Das Präsentieren von Angehörigen fremder Völker wie von Tieren oder Schätzen sollte natürlich die eigene Leistung verdeutlichen. Dazu trat gegen Ende der Republik auch noch das Nachstellen von Schlachten.158) Die besondere Bedeutung dieser militärischen Leistungsschau lag darin, dass mit dem Wachstum des Imperiums immer weniger Menschen mit militärischen Aufgaben und Abenteuern betraut und auch verbunden waren. Die Faszination für die Darstellung alter militärischer Werte, der gravitas und disciplina, wie auch für ein reales Abbild des soldatischen Heldenmutes fand daher immer mehr Anhänger.159) Die Darstellungen im Rahmen von Spielen sollten damit in einem gewissen Sinn das Publikum in eine idealisierte militärische Abenteuerwelt entführen.

Erst mit der Zeit erfolgten eine weitergehende Ausgestaltung mit allen Arten von Spielen und die damit verbundene Intensivierung der persönlichen Repräsentation des Triumphators. Die militärische Selbstdarstellung stellte sich damit immer stärker in den Dienst der Politik und gewisser Strömungen des Zeitgeistes, die nach Unterhaltung und dieser Art des Prunkes geradezu verlangten. Mit der Veranstaltung von Gladiatorenspielen im Rahmen von Triumphzügen, zumindest zum Teil auch unter Beteiligung von Kriegsgefangenen in deren typischen Rüstungen und Bewaffnungen, wurden nicht nur die militärischen Aufgaben und Herausforderungen verdeutlicht. Durch diesen Kampf auf Leben und Tod konnte der Respekt aber auch die Angst vor dem Feind abgelegt werden.160) Diese Spiele waren daher nicht zuletzt auch eine Grundlage für die Bildung eines römischen Superioritätsgefühls. Gleichzeitig wurde aber die Freigiebigkeit des Feldherrn betont, der etwa extra zu diesem Zweck auch für den Aufbau von Tribünen, eines hölzernen Amphitheaters, Sorge zu tragen hatte. Erst durch die übernommenen Aufwendungen wurden sie schließlich Sympathieträger und damit aussichtsreiche Kandidaten für die höchsten Staatsämter. Die Betonung der Freigiebigkeit des Feldherrn und der Sorge um das Volk hatte zusätzlich auch insofern Bedeutung, als dies Bürger dazu motivieren konnte, in die Legionen einzutreten. Die Aussicht, einem Feldherrn unterstellt zu sein, der es seinen Soldaten ermöglichte, Beute zu machen, konnte mit Sicherheit so manchen Römer dazu bewegen, sich dem Militärdienst zu verpflichten.

Wie Feldherren ihre Legionäre beobachteten und entsprechend den Verdiensten beförderten,161) sollten diese Spiele neben der Befriedigung der Neugier des Volkes schließlich auch zur Belohnung für die anwesenden Legionäre dienen,162) zum Ansporn, v.a. aber zur Vertiefung der persönlichen Beziehung zum Befehlshaber. Nur ausgewählte Soldaten durften ihre Feldherren nämlich auch im Moment des Triumphes nach Rom begleiten.163) Wenn dieser mit seinen Truppen in der Hauptstadt einzog, um die Verehrung des Volkes entgegenzunehmen, offenbarte sich auch die Verbundenheit der Legionäre mit ihrem Anführer. Im Laufe der Republik war gerade das persönliche Abhängigkeitsverhältnis der Soldaten von ihrem Feldherrn stärker geworden. Dieses und nicht zuletzt auch eine gewisse Vertrautheit kamen nun in den Triumphzügen zum Vorschein und offenbarten sich in den (Spott-)Gesängen der Legionäre. Waren das früher Lobgesänge,164) so wandelten sich diese spätestens mit Caesar, der ein besonderes Verhältnis zu seinen Legionären pflegte, in einen Spottgesang.165)

Nicht zuletzt aufgrund dieses persönlichen Bandes zwischen den Legionären und dem Triumphator beschränkte Augustus die Zahl der Triumphe,166) die schließlich nur mehr vertrauenswürdigen Personen und vom Princeps selbst genehmigt wurden. Augustus war schließlich selbst Nutznießer der Zustände der späten Republik und des Condottieretums der Bürgerkriege gewesen. Er wusste nur zu gut um die Gefahren auch und nicht zuletzt für seine eigene Stellung, die es nun zu festigen galt.

 

Ein kurzes Resümee

Die Unterhaltungsindustrie in Form der Gladiatorenspiele übte über Jahrhunderte hinweg entscheidenden Einfluss auf die Legionen wie auch die römische Sicherheitspolitik aus. Erst durch diese Verbindung, das Ablegen von Berührungsängsten bzw. die Innovationsbereitschaft von einzelnen Befehlshabern, erhielt die römische Kriegsmaschinerie ihren letzten Schliff. Das Zusammenspiel dieser beiden Bereiche überrascht jedoch keineswegs, bestand doch seit der Republik ein enger Zusammenhang zwischen der Kriegführung und der Geisteshaltung, die sich auch in den Gladiatorenspielen manifestierte. Selbst in der Kaiserzeit, als die überwiegende Mehrzahl der Bürger nicht mehr in Kriegszüge an den Grenzen oder gar im Zentrum des Reiches involviert war, wurde durch die Veranstaltung von munera in Rom und in den Provinzen die Ideologie des alten Rom aufrechterhalten.167) Die Bevölkerung sollte nicht vergessen, dass es das Schwert war, das Roms Macht begründet hatte und nun immer noch sicherte. So war es dann auch die rudis, das Holzschwert, das von den Legionären für Übungen verwendet wurde und im Bereich der Arenakämpfe eine ganz spezielle symbolische Bedeutung erhielt: Die Überreichung dieses hölzernen Schwertes unterstrich den Akt der Freilassung eines Gladiators bzw. der Entlassung aus dem Dienst in der Arena.

Im militärischen Bereich wurden die Spiele besonders dazu genutzt, die analogen virtutes der Soldaten und der Gladiatoren zu betonen. Die Fechtspiele leisteten damit einen bedeutenden Beitrag zur militärischen Erziehung der Bevölkerung.168) Waren es die Sklavenaufstände - dabei besonders derjenige von Spartacus -, welche die Gefahren der überbordenden Industrie erst sichtbar werden ließen, so sollten die Arena und die mit ihnen in Verbindung stehende Infrastruktur in den späteren Jahrhunderten gerade den gegenteiligen Effekt erzielen und sogar mithelfen, ähnliche Unruhen hintanzuhalten. Wie noch im Panegyricus auf Kaiser Konstantin aus dem Jahr 310 n.Chr. bestätigt wird, waren es nämlich besonders Kriegsgefangene, die durch ihre „Wildheit“ nicht für den Sklavendienst geeignet waren, die auf diese Weise den Tod fanden.169)

Stellt man sich abschließend die Frage nach Parallelen zur heutigen Zeit, so ist es gerade die politische und militärische Repräsentation, die das 20. Jahrhundert wie wohl noch keines davor geprägt hat. Die direkte Verbindung der Machtelite mit dem Militär - für die Antike an den Wechselwirkungen zwischen den Legionen und den Spielen festzumachen - war mit ein Merkmal der totalitären Herrschaften des vergangenen Jahrhunderts. Noch heute ist aber Repräsentation zwingende Voraussetzung nicht nur einer politischen Karriere, wobei der markanteste Unterschied zur römischen Zeit darin besteht, dass diese Kosten (persönlicher) Selbstdarstellung zur Erlangung von Ämtern heute entweder von der öffentlichen Hand oder mithilfe von Organisationen und Vereinen getragen werden, die sich zumindest im halbstaatlichen Bereich bewegen. Man denke nur an Sportgroßveranstaltungen, bei denen Politiker und öffentliche Würdenträger auf prominenten Plätzen wie in einer römischen Arena Volksnähe demonstrieren. In einem ähnlichen Sinn eröffnet aber etwa auch die alljährliche militärische Leistungsschau am Wiener Heldenplatz einen Anknüpfungspunkt mit der Antike. Vergleichbar mit dem Rom der Kaiserzeit sind auch im Österreich des 21. Jahrhunderts immer weniger Menschen mit militärischen Aufgaben betraut und emotional verbunden. Allzu oft werden die entsprechenden Institutionen daher als sinnlos und überkommen aufgefasst. Hier muss man sich nun aber wohl die römische Praxis zum Vorbild nehmen und gerade über die zukünftigen Aufgaben und auch die Darstellung alter wie neuer militärischer Werte ein reales und damit modernes Abbild des Soldaten zu erzeugen versuchen, um wie in einem römischen Triumphzug das Publikum in eine vielleicht auch idealisierte Abenteuerwelt zu entführen. Die militärische Repräsentation müsste zu diesem Zweck wie in Rom zum „Anfassen“ sein und die besonderen Leistungen der entsprechenden Institutionen hervorstreichen, nicht zuletzt auch auf den Gebieten der Wissenschaft.

Die Geschichte der Gladiatur soll im Leser schließlich das Bewusstsein erzeugen, dass viele Phänomene, die man für das 20. und 21. Jahrhundert in Anspruch nimmt, durchwegs bereits in vergangenen Zeiten existierten. So kommt die den Fechtkämpfern besonders in der Republik, aber auch noch in der Kaiserzeit oftmals zugerechnete Funktion als privatwirtschaftlich organisierte Gewaltakteure heute etwa in vergleichbarer Form ebenfalls privaten Sicherheitsfirmen zu, die die „besten Kämpfer“ verpflichten und quasi halbstaatliche Funktionen erfüllen.

Nicht zuletzt haben aber auch die Fragen nach der Motivation des Soldaten, der persönlichen Bindung zum jeweiligen Befehlshaber und auch zum Staat bis in die heutige Zeit nicht an Aktualität eingebüßt. Gerade in einer Zeit der Umwälzungen müssen sie immer wieder ins Bewusstsein gerufen werden. Während die Bedeutung der Disziplin, wie sie bereits Frontin schildert, in abgewandelter Form schließlich bis heute gegeben ist, wird das Vertrauen in die Vorgesetzten, wie es etwa Rutilius bewegte, entscheidende Innovationen zu setzen, in der modernen Zeit nicht mehr in dem gleichen Maß vorausgesetzt. Vielleicht wird dabei der Wert einer persönlichen Verbindung zwischen Befehlshabern und Soldaten von staatlicher Seite aber auch nur gering geschätzt.

 


ANMERKUNGEN:

107) Vgl. dazu etwa Géza Alföldy: Römische Sozialgeschichte. 4. Aufl., Stuttgart 2011, S.85-95.

108) Der erste Sklavenkrieg fand zwischen 136 und 132 v.Chr. auf Sizilien statt (Diod. 34,2), im Jahr 104 v.Chr. folgte dort schließlich auch der zweite große Sklavenaufstand (Diod. 34,2-3).

109) Plut. Crass. 8-11; App. civ. 1,116-121; Flor. epit. 2,8.

110) Plut. Crass. 10,1.

111) Fik Meijer: Gladiatoren. Das Spiel um Leben und Tod. Zürich 2004, S.37.

112) Tac. ann. 15,46: Gladiatoren in Praeneste versuchten einen Ausbruch, der allerdings von der Truppe, die dort als Wachkommando lag, verhindert werden konnte.

113) Die sozialen Umwälzungen in Italien und die Bewirtschaftung der teils riesigen Latifundien durch richtiggehende Sklavenheere leistete dem natürlich Vorschub. Vgl. Hopkins, a.a.O., S.8-25.

114) Sall. Catil. 30.

115) Cic. Att. 7,14: Gladiatores Caesaris qui Capuae sunt, de quibus ante ad te falsum ex A. Torquati litteris scripseram, sane commode Pompeius distribuit binos singulis patribus familiarum. Scutorum in ludo I[c][c] fuerunt. eruptionem facturi fuisse dicebantur. Sane multum in eo rei publicae provisum est.

116) Übersetzung nach Helmut Kasten (Hrsg.): Atticus-Briefe. 5. Aufl., München (u.a.) 1998, S.437.

117) Diese enorme Anzahl zeigt die Bedeutung, die Caesar den publikumswirksamen Spielen beigemessen hat. Zusätzlich nutzte er sie aber wohl auch, um aus ihrer Vermietung Profit zu schlagen.

118) Eine Vorstellung davon vermitteln die Schilderungen von ähnlich gelagerten Versuchen von Lentulus im Zuge des Bürgerkrieges (Caes. civ. 1,14): Capuae primum se confirmant et colligunt delectumque colonorum, qui lege Iulia Capuam deducti erant, habere instituunt; gladiatoresque, quos ibi Caesar in ludo habebat, ad forum productos Lentulus spe libertatis confirmat atque iis equos attribuit et se sequi iussit; quos postea monitus ab suis, quod ea res omnium iudicio reprehendebatur, circum familias conventus Campani custodiae causa distribuit. „Erst in Capua fassten sie wieder Mut, sammelten sich und begannen Bauern auszuheben, die man nach dem iulischen Gesetz dort angesiedelt hatte; die Gladiatoren, die Caesar dort ausbilden ließ, führte man aufs Forum; Lentulus machte ihnen Hoffnung auf Freilassung, gab ihnen Pferde und befahl, sie sollten ihm folgen; doch warnten ihn seine Freunde, weil dieses Verfahren allgemein missbilligt wurde, und so verteilte er sie später aus Sicherheitsgründen auf die Sklavenscharen des campanischen Bezirks.“ (Übersetzung nach Otto Schönberger [Hrsg.]: Der Bürgerkrieg. München 1984, S.23).

119) Tac. hist. 2,11.

120) Caes. civ. 1,14; vgl. oben Anm.118.

121) So ist etwa der Bericht bei Tacitus (Tac. hist. 2,11,2) zu interpretieren.

122) Cass. Dio 51,7.

123) Tac. ann. 3,43,4; 3,46,6; Suet. Aug. 14,3. Besonders Tacitus geht in der erstgenannten Stelle auch auf den Kampfeswert und die Ausrüstung der Gladiatorensklaven, in diesem Fall des Stammes der Häduer, ein: „Dazu fügte man aus der Schar der Sklaven solche hinzu, die für Gladiatorenkämpfe bestimmt waren und nach Stammessitte ein durchgehendes Eisengewand trugen: Cruppellarier nennt man sie; sie sind unfähig, Stöße zu versetzen, aber für Hieb und Stich unverwundbar.“ Übersetzung nach Heller, a.a.O., S.251.

124) Suet. Otho 15,4.

125) Tac. hist. 2,11; 2,23-24; 2,35; 2,43; 3,57,4; 3,76,1-2; 3,77,3.

126) Tac. hist. 2,23,3 und 2,35,1.

127) Der germanische Stamm lebte an der Rheinmündung.

128) Während des so genannten Bataveraufstandes des Jahres 69 unter Iulius Civilis konnten sie einen wichtigen Sieg gegen die römische Rheinarmee erringen, wobei es ihnen sogar gelang, die Festung Vetera nahe dem heutigen Xanten zu erobern (Tac. hist. 1,8,51-59; 2,66,69; 4,12-37,54-79; 4,14-26 und Flav. Ios. .bell. Iud. 7,4,2). Ihre militärische Schlagkraft muss deshalb als relativ hoch bewertet werden.

129) Tac. hist. 2,43,2.

130) Tac. hist. 3,76,1.

131) HA Marc. Aurel. 21,7: Armavit etiam gladiatores, quos obsequentes appellavit. „Er bewaffnete auch Gladiatoren, die er ‚die Folgsamen’ nannte“. Vgl. Jörg Fündling: Marc Aurel. Darmstadt 2008, S.110. Sie stammten wohl ebenfalls zumindest zum Großteil aus den kaiserlichen Schulen.

132) Vgl dazu Ebner, Die Gladiatorenspiele als Wirtschaftsfaktor, S.75-82. Nicht zuletzt dadurch ergab sich allerdings auch eine selbst oder gerade in den Provinzen festzustellende Schwächung der Unterhaltungsindustrie, die sich nachteilig auf das Vermögen der Veranstalter auswirken sollte. Der Kaiser sah sich daraufhin gezwungen, mittels eines Gesetzes, des so genannten „Senatus Consultum de pretiis gladiatorum minuendis“, überliefert in CIL II 6278, Marktpreise für Gladiatoren festzulegen.

133) Ebner, Die Gladiatorenspiele als Wirtschaftsfaktor, S.114-117.

134) Kay Ehling: Die Erhebung des Nepotianus in Rom im Juni 350 n. Chr. und sein Programm der urbs Roma christiana. In: Göttinger Forum für Altertumswissenschaft. Bd.4, 2001, S.141-158.

135) Orosius (Oros. hist. 7,29,11) spricht von Gladiatoren, Zosimos (Zos. 2,43,2) dagegen von einem zügellosen Räuberleben ergebenen Menschen, die Nepotianus um sich geschart habe.

136) Aur. Vict. Caes. 42,6-7.

137) Der damit verbundene Blutzoll besonders unter den Gladiatoren in Rom war mit anderen, besonders religiösen und wirtschaftlichen Faktoren mit ein Grund für den Bedeutungsverlust der Gladiatur in Rom gegen Ende des 4. Jahrhunderts. Vgl. Ebner, Die Gladiatorenspiele als Wirtschaftsfaktor, S.109-121. Die Gladiatur als Institution lebte jedoch bis ins 5. Jahrhundert fort. Siehe Christoph Ebner: Das Ende der heidnischen Gladiatorenspiele. In: Kaja Harter-Uibopuu - Thomas Kruse (Hrsg.), Sport und Recht in der Antike (Wiener Kolloquien zur Antiken Rechtsgeschichte 2), Wien 2014, 349-376.

138) Siehe dazu Otto Günther: Epistulae Imperatorum Pontificum Aliorum Avellana quae dicitur collectio. Wien 1895-1898, ep. 1,5-7.

139) Vgl. Aug. conf. 6,8,13.

140) CTh 15,12,2.

141) Eine späte Version ist bei Vegetius (Veg. mil. 2,5) überliefert. Frontin (4,1,4) bezieht sich ebenfalls auf die Zeit vor Cannae, spricht aber nicht über die Neuerungen.

142) Liv. 22,38,1-5.

143) Vgl. dazu George R. Watson: The Roman Soldier.London1969, S.49-50.

144) Um Desertionen vorzubeugen, wurden Soldaten gebrandmarkt (vgl. Watson, a.a.O., S.51).

145) Dion. Hal. 10,18,2 und 11,43: Der Eid wäre ein Treuversprechen gegenüber dem Feldherrn und dessen Macht, auch die Kapitalstrafe ohne Verfahren gegen Deserteure oder wegen Befehlsverweigerung auszusprechen. Watson, a.a.O., S.49 geht von einer jährlichen Erneuerung des Eides aus.

146) Liv. 22,38,2.

147) Das Bürgerrecht war Voraussetzung für den Eintritt in die römischen Legionen.

148) Freie Gladiatoren wurden dementsprechend auch als auctorati bezeichnet.

149) Sen. ep. 37,1-2: Eadem honestissimi huius et illius turpissimi auctoramenti verba sunt: ‘uri, vinciri ferroque necari’. Derselbe Eid ist auch bei Petronius (Petron 117) und bei Horaz überliefert (Vgl. Heindorf: Des Q. Horatius Flaccus Satiren 60). Dennoch wendet sich etwa Kunkel, a.a.O., S.222 Anm. 27, gegen einen solchen Eid und hält ihn für unglaubwürdig.

150) CIL II 6278.

151) Vgl. Donald G. Kyle: Spectacles of Death in AncientRome. London/New York 1998, S.48; Watson, a.a.O., S.44 und 49-50; Theodor Mommsen: Gesammelte Schriften. Bd. 3, Berlin 1907, S.9 Anm.3.

152) Symm. ep. 2,46.

153) Liv. 28,24-26;29;31;36.

154) Liv. 28,38,14.

155) Feldzüge hatten für den Feldherrn und für den Staat natürlich auch einen monetären Faktor. So erntete etwa Aemilius Paullus Bewunderung, da er von der reichen Kriegsbeute nach dem Feldzug gegen den Makedonenkönig Perseus angeblich nur dessen Bibliothek zur Erziehung seiner Söhne beanspruchte (Plut. Aem. 28,6). Julius Caesar, der zu Beginn seiner Karriere hoch verschuldet war, konnte nach der Eroberung Galliens nicht nur in Rom ein neues Forum erbauen, sondern er nannte auch eine große Anzahl an Gladiatorenschulen und Fechtkämpfern sein Eigen. Erst das Vermögen, das er seinem Erben Octavian hinterließ, ermöglichte es diesem (gemeinsam mit der umfangreichen Klientel Caesars), sich im Kampf gegen Mark Anton durchzusetzen und schließlich nicht nur in die höchsten Adelsschichten einzuheiraten, sondern sich als Augustus und Princeps an die Spitze des Staatsgefüges zu setzen.

156) So hält etwa Pompeius ludi votivi, die er in Spanien gelobt hatte (Cic. Verr. 1,31).

157) Ernst Künzl: Der römische Triumph. München 1988, S.30-31.

158) Suet. Claud. 21; Suet. Iul. 39,13: Julius Caesar hatte eine Feldschlacht nachstellen lassen.

159) Kyle, a.a.O., S.80 Anm.30.

160) Erkennbar etwa in folgender Episode: Nach dem Sieg gegen die Karthager veranstaltete Caecilius Metellus im Zuge seines Triumphes Circusspiele, wobei Plinius berichtet, man hätte die Elefanten kämpfen lassen und schließlich mit Wurfspießen getötet. Andere Quellen wiederum behaupten, man hätte sie lediglich im Circus herumgetrieben, um Soldaten und Publikum den Respekt vor den Tieren ein für alle Mal zu nehmen oder zumindest zu reduzieren (Plin. nat. 8,17).

161) Einem General, der seine Soldaten auch in der Schlacht beobachtete und Mut und andere Verdienste entsprechend belohnte, wurde von den Legionären großer Respekt entgegengebracht. Besonders in der Republik waren die Armee und damit auch der Feldherr von solchen verdienten Legionären abhängig, die sich freiwillig für längere Feldzüge und auch für mehrere davon verpflichteten, besonders da der typische Soldat des 3. und 2. Jahrhunderts immer noch aus dem bäuerlichen Milieu stammte.

162) Wie etwa auch Spiele in den Legionslagern, beispielsweise des Scipio in Spanien. Siehe dazu Val. Max. 9,11,1 und Liv. 42,34,5-11.

163) Liv. 42,34,10: Quintus Fulvius Flaccus nahm bei seinem Triumph nach den erfolgreichen Feldzügen in Spanien besonders verdiente Soldaten mit nach Rom, um an diesem Zug teilzunehmen. Hier kann man wohl ein besonderes Belohnungssystem erkennen.

164) So wurde etwa im Triumph für Quintus Fabius Maximus auch dessen gefallener Amtskollege Publius Decius Mus in den Liedern der Soldaten gefeiert (Liv. 10,30,9).

165) Plin. nat. 19,144. Suet. Caes. 51: Urbani, servate uxores: moechum calvum adducimus. „Römer, schützt eure Frauen ein; den kahlen Ehebrecher bringen wir mit.“

166) Künzl, a.a.O., S.32.

167) Simon James: Rom und das Schwert. Darmstadt 2013, S.154.

168) Vgl. Kyle, a.a.O., S.80: Militärische Erziehung im Töten von Männern, die sie verachten.

169) Brigitte Müller-Rettig: Der Panegyricus des Jahres 310 auf Konstantin den Großen. Darmstadt 2008, Abs.12,3.

Visum est spectaculum

Die Gladiatorenspiele im Wechselspiel mit Militär und öffentlicher Sicherheit (Teil 2)

Christoph Ebner

 

 

Im ersten Teil des Beitrages wurde der Einfluss der Gladiatorenspiele und ihrer Protagonisten auf die Heeresreform an der Wende ins 1. Jahrhundert v.Chr. wie auch die römische Armee der Republik und frühen Kaiserzeit nachgezeichnet. Im Folgenden sollen nun weitere Zusammenhänge und Wechselwirkungen der Unterhaltungsindustrie mit Staat und Militär ins Zentrum der Untersuchung rücken.

 

Hilfstruppen oder eine Gefahr für den Staat

Die wirtschaftlichen Umwälzungen besonders in Form der wachsenden Latifundienwirtschaft, die Heerscharen an Sklaven verschlang,107) zeigten ihre negativen Auswirkungen nicht erst in den großen Sklavenaufständen an der Wende vom 2. zum 1. Jahrhundert v.Chr.108) Es sollte aber schließlich der dritte große Konflikt sein, der Aufstand des Spartacus,109) der den Römern die Gefahren der Sklavenwirtschaft und besonders der aufgeblähten Industrie rund um die Gladiatorenspiele eindrucksvoll vor Augen führte. Das Wachstum der Gladiatur war zu schnell erfolgt, in den Ausbildungszentren fanden sich immer mehr Männer, die kriegstauglich waren. Die Lebensbedingungen in den Schulen waren schlecht, die Bewachung dagegen unzureichend. Als es schließlich in Capua zum Aufstand kam, zogen sich die Kämpfe über die Jahre 73 bis 71 v.Chr. hin, nicht zuletzt, da die Männer von Spartacus stetig Zulauf erhielten. Die Römer konnten schließlich erst mit unverhältnismäßig hohem Aufwand110) eine Entscheidung herbeiführen.

Die Ereignisse dieser Jahre wurden jedoch als Warnsignal verstanden. Man erkannte, dass der Feind praktisch direkt vor den Mauern Roms saß, da Italien selbst das geographische Zentrum der Infrastruktur rund um die Gladiatorenspiele bildete. Eine weitere Lehre, die man aus den vergangenen Kämpfen ziehen musste, war außerdem, dass selbst die Fechter aus den Schulen durchaus militärisch erfolgreich operieren konnten, solange es ihnen gelang, den Legionären ihren eigenen Kampfstil aufzuzwingen. Als Konsequenz war man nun bestrebt, die Sicherheitsvorkehrungen in den Städten wie auch am Land zu adaptieren. Zwar war den Gladiatoren in den Schulen bereits zuvor der Zugang zu Waffen außerhalb von Training und Kämpfen durch entsprechende Bewachung versagt, wie man nun allerdings erkennen musste, reichten die bisherigen Anstrengungen bei Weitem nicht aus. Um Ähnliches nun für die Zukunft zu verhindern, sah man sich als ersten Schritt dazu gezwungen, die Gladiatorenschulen unter strengere und vor allem auch militärische Beobachtung zu stellen.111) Bis in die Kaiserzeit wurden daher Soldaten in der Nähe von Orten stationiert, die als neuralgische Punkte eine erhebliche Konzentration an Gladiatoren und wohl auch Ausbildungszentren aufwiesen.112) Selbst das wurde allerdings in Zeiten sich abzeichnender neuer Krisen keineswegs als ausreichend erachtet. Gerüchte eines drohenden Sklavenaufstandes nach dem Vorbild von Spartacus ließen die Wogen in der regionalen Bevölkerung rasch hochgehen.113) So etwa im Jahr 63 v.Chr. während der Verschwörung des Catilina. Hier befürchtete der Senat, dass die Aufständischen auch Gladiatoren in ihre Truppen aufnehmen würden, wenn sie sich etwa Capuas bemächtigen konnten. Wie der Historiker Sallust berichtet, beschloss man daraufhin, „uti gladiatoriae familiae Capuam et in cetera municipia distribuerentur pro cuiusque opibus“,114) dass also die Gladiatoren in den Schulen nach Maßgabe der jeweiligen Mittel auf Capua und die übrigen Städte aufgeteilt werden sollten. Eine zahlenmäßige Konzentration dieser gefährlichen Kämpfer an einem bestimmten Ort sollte auf diese Weise vermieden und eine wohl auch verschärfte Bewachung sichergestellt werden. Auf ähnliche Weise verfuhr später auch Pompeius angesichts der drohenden Auseinandersetzung mit Julius Caesar, wie Cicero in einem Brief an Atticus bestätigt:115) „Was ich dir neulich von Caesars Gladiatoren in Capua aufgrund eines Briefes von Torquatus geschrieben habe, stimmt nicht; Pompeius hat sie, äußerst zweckentsprechend, zu je zweien auf die einzelnen Familien aufgeteilt. In der Fechterschule befanden sich 5.000 Schwerbewaffnete; angeblich waren sie drauf und dran, auszubrechen. Damit ist sehr viel für das Vaterland gewonnen.“ 116)

Allein in Capua sollen sich also 5.000 Kämpfer aufgehalten haben,117) unter denen mit großer Wahrscheinlichkeit zahlreiche Kriegsgefangene waren, die Caesar im Zuge seiner Eroberungen besonders in Gallien als persönliche Beute zugefallen waren. Cicero und Pompeius mussten nun befürchten, dass diese Schwerbewaffneten, die beinahe Legionsstärke erreichten, ausbrechen und sich nach dem Vorbild von Spartacus’ Sklavenarmee durch die Halbinsel kämpfen würden, oder aber, dass sie sich loyal zu Caesar verhalten und unter der Führung von dessen Gefolgsleuten einen zusätzlichen Unsicherheitsfaktor mitten in Italien bilden würden.118) Pompeius beschloss nun in Anlehnung an das von Sallust überlieferte Beispiel, die Männer zu entwaffnen und als Sklaven auf die familiae der Umgebung aufzuteilen. Für die Bewachung sollten und konnten also wohl keine militärischen Kräfte aufgewendet werden. Vielmehr wurden die Gladiatorensklaven in die Haushalte reicher Römer integriert, die infolgedessen auch für deren Bewachung zu sorgen hatten. Nicht zuletzt stellte das Eingreifen von Pompeius jedenfalls einen schweren finanziellen Schaden für Caesar dar. In dieser Zeit eines schwelenden Konflikts wurde ihm die Beeinflussung des Volkes mittels munera damit schwer bzw. für einen bestimmten Zeitraum sogar unmöglich gemacht.

Trotz dieser Vorkehrungen überliefert Tacitus, dass im Bürgerkrieg zwischen Pompeius und Caesar neben regulären Truppen sehr wohl auch Gladiatoren eingesetzt wurden.119) Das blieb auch kein Einzelfall, denn in Zeiten der Krisen griffen Männer an der Spitze des Staatsgefüges auch in den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten immer wieder auf die Männer in den Gladiatorenschulen zurück, selbst wenn dies gesellschaftlich „missbilligt“120) wurde. Die Ablehnung solcher Hilfsdienste lag in der sozialen Verachtung begründet, die den Gladiatoren entgegengebracht wurde. Sie waren zumindest zum Großteil Sklaven, während die Legionäre, die mit ihnen oder gar gegen sie kämpfen sollten, allesamt römische Bürger waren und gerade das als entehrend betrachteten.121) Das ambivalente Verhältnis zur Unterhaltungsindustrie wird hier deutlich sichtbar. Auf der einen Seite wurden Gladiatoren verehrt, was jedoch nicht dazu führte, dass es die römischen Bürgersoldaten auf der anderen Seite mit ihrem Stolz vereinbaren konnten, mit solchen Männern Seite an Seite ins Feld zu ziehen. Schließlich war diese Abneigung zumindest am Ende der Republik bis zu einem gewissen Maß mit Sicherheit auch der zeitlichen Nähe zum Spartacus-Aufstand geschuldet. Es sollte als Warnung für die Zukunft verstanden werden, Gladiatoren, noch dazu in großer Zahl, unter Waffen zu stellen. Trotz all dieser Widerstände und Bedenken siegten doch zumindest in Notzeiten militärische Erwägungen, und so verstärkte etwa bald darauf Marcus Antonius seine Truppen mit Gladiatoren.122)

Selbst in der Kaiserzeit wurden sie beispielsweise im Rahmen von Aufständen123) oder auch in Bürgerkriegen gegen römische Legionen ins Feld geführt. Nach dem Tod Neros und den folgenden Kämpfen um die Macht setzte etwa Kaiser Otho in seinem verzweifelten Ringen gegen Vitellius, einen weiteren Thronprätendenten, im Jahr 69 n.Chr. 2.000 Gladiatoren als Hilfstruppen ein.124) Gerade der Ablauf dieser Kämpfe, die bei Tacitus breit geschildert werden,125) lässt nun eine Betrachtung ihres militärischen Wertes und der Einsatzmöglichkeiten zu. Die Gladiatoren wurden nämlich besonders oder auch ausschließlich für Spezialeinsätze herangezogen. Im bei Tacitus geschilderten Fall dienten sie etwa im Zuge eines amphibischen Angriffes als Landungstruppen.126) Auf Seiten der Gegner standen ihnen bei diesem Unterfangen in Form einer Abteilung batavischer Söldner127) ebenfalls Spezialtruppen gegenüber. Letztere genossen in der römischen Armee einen hervorragenden Ruf als Reiter und Schwimmer sowie für ihren Mut.128) Während die Gladiatoren auf Schiffen auf eine umkämpfte Insel gebracht wurden, schwammen die Bataver dorthin, was ihnen einen entscheidenden Zeitvorteil brachte. Sie blieben im folgenden Gefecht auch siegreich, weil die Gladiatoren, wie Tacitus meint, von den Schiffen kämpfend keineswegs den Halt und die Standfestigkeit fanden, die sie für ihren Kampfstil und damit auch für den Sieg benötigt hätten.129) Die Bataver dagegen, die zuerst bei der Insel angekommen waren, konnten vom Land aus kämpfen und blieben letztlich siegreich. Tacitus ermöglicht hier nun wohl bewusst einen Einblick, wie die römischen Kommandeure diese Hilfstruppen einzusetzen gedachten. Dem entspricht auch, dass der Historiker im Gegenzug immer wieder betont, dass Gladiatoren in offener Schlacht nicht die gleiche Standhaftigkeit hätten wie Soldaten und sogar die Feldschlacht verweigern würden.130) Wenn man sie jedoch im Rahmen kleinerer Missionen in Aktion treten lies, wo sie ihre Fähigkeiten auch wirklich entfalten konnten, musste man nicht mit einer Verweigerung rechnen und konnte ihr Potenzial ausschöpfen.

Für die Notzeiten in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts n.Chr. stößt man ebenfalls auf ähnlich gelagerte Berichte. Kaiser Mark Aurel stellte angesichts der drohenden Germanengefahr und der Schwächung des Militärapparates durch die sich aus dem Osten verbreitende Pestepidemie Gladiatoren als Kampfeinheiten in seinen Dienst.131) Über die Aufgaben, die sie zu erfüllen hatten, können aufgrund der kargen Quellenlage allerdings nur Vermutungen angestellt werden. Sie könnten aber im Krieg gegen die Markomannen und Quaden wiederum dazu beigetragen haben, das Training der Truppen zu verbessern. Gerade der Kampf gegen diese Germanenstämme und ihre Verbündeten im unwegsamen Donauraum stellte nämlich enorme Anforderungen an die römischen Truppen. Abzulehnen ist dagegen wohl die Annahme, dass diese Maßnahme dazu dienen sollte, Verluste auszugleichen, die durch die Pest und den Krieg unter den Legionären aufgetreten waren. Gladiatoren waren schließlich nur in enden wollender Zahl verfügbar und mit Sicherheit teurer als etwa Rekruten, da ihnen auch wirtschaftlich ein bedeutender Wert zugerechnet werden konnte. Sie fehlten an anderer Stelle, was eine Preisexplosion und ein Hilfeersuchen an den Kaiser zur Folge hatte, der sich mit einer Marktpreisregulierung helfen musste.132) Nicht zuletzt muss nach dem Vorbild römischer Schriftsteller auch ihre Verwendbarkeit in einer geordneten Feldschlacht zumindest in Zweifel gezogen werden. Da diese Gladiatoren in der Historia Augusta als obsequentes, die Folgsamen, bezeichnet werden, könnte dies auch auf eine Verwendung als Leibgarde oder aber als Elitetruppe in der Tradition der Republik hindeuten. Nach Marc Aurel finden sich keine Berichte mehr, die einen Einsatz von Gladiatoren als Hilfstruppen bezeugen. Die Gründe dafür liegen allerdings nicht in einer Einsicht begründet, dass ihre Dienste nicht mehr vonnöten waren, sondern vielmehr in der wirtschaftlichen Schwäche des Reiches im 3. Jahrhundert. Diese konnte an der Unterhaltungsindustrie nicht spurlos vorübergehen. So wurden etwa der aufgeblähte Apparat der kaiserlichen Gladiatorenschulen wie auch die Anzahl und Ausstattung der Spieleveranstaltungen in den Provinzen reduziert.133) Damit blieb das militärische Potenzial von Gladiatoren nur dort erhalten, wo die „Industrie“ allen wirtschaftlichen Problemen und auch der Kritik des Christentums trotzen konnte, v.a. aber in der alten Hauptstadt Rom.

Im Jahr 350 n.Chr. wurde die Stadt schließlich durch den Usurpator Nepotianus134) eingenommen, der sich bei dieser Aktion ausschließlich auf Söldner und Gladiatoren135) stützte. Dabei muss angemerkt werden, dass es im Rom der Spätantike durchwegs an lokalen Ordnungskräften mangelte. In einer Zeit, in der die Kaiser nicht mehr in Rom residierten und die von blutigen Konflikten um die Herrschaft geprägt war, wollten die Männer auf dem Kaiserthron einem möglichen Usurpator keinesfalls militärische Mittel in die Hand geben. Die Stadt Rom, die für die Herrschaft immer noch symbolischen Charakter besaß, sollte also nicht zum Zentrum eines Umsturzes werden. Gleichzeitig trug diese Maßnahme aber auch dazu bei, dass die durch den Stadtpräfekten ausgeübte Zivilverwaltung gestärkt wurde. Wie der Historiker Aurelius Victor136) berichtet, schlug Nepotianus das Aufgebot, mit dem sich der Stadtpräfekt dem Usurpator entgegenstellte, und durch die Hand und die Waffen von Gladiatoren wurde er zumindest kurzzeitig zum Imperator. Mit eindringlichen Worten, „armataque gladiatorum manu“, beschreibt der Historiker, dass Nepotianus diesen Haufen zuerst bewaffnen musste, bevor er sich gestützt auf ihre Kampfkraft zum Kaiser aufschwingen konnte. Vorstellbar und angesichts der zu erwartenden Reaktion des regierenden Herrschers auf die Usurpation sogar wahrscheinlich wäre dabei natürlich, dass er, einmal siegreich in Rom angekommen, die Gladiatoren aus den dort noch existierenden Schulen genommen und bewaffnet hatte, um so eine Streitmacht aufzustellen, die es ihm ermöglichen sollte, seine neu gewonnene Macht zu verteidigen, bis sich die Lage und damit seine Stellung stabilisiert hatten. Die Unterstützung aus der Bevölkerung wie auch aus dem Militär, mit der er wohl gerechnet hatte, blieb allerdings aus. Als reguläre Truppen anrückten, konnten seine zahlenmäßig mit Sicherheit klar unterlegenen Unterstützer keinen nennenswerten Widerstand leisten.137)

Ein weiteres Beispiel der städtischen Unruhen, die durch den militärischen Einsatz von „Gladiatoren“ getragen wurde, war der so genannte Damasus-Streit. Nach dem Tod des Papstes Liberius im Jahr 366 n.Chr. wurde Damasus zwar mit großer Mehrheit zu dessen Nachfolger bestimmt, konnte aber seine Wahl schließlich nur mit Gewalt durchsetzen. Dabei bediente er sich des bewaffneten Pöbels, wörtlich der quadrigarii und der imperita multitudo, sowie der periuri und arenarii.138) Wie bereits im Fall der Usurpation des Nepotianus waren auch hier Herumtreiber, Vagabunden und gewaltbereite Massen die Träger eines gewalttätigen Konflikts. Darunter scheinen sich - wenn man den Beschreibungen folgt - auch arbeitslose Arenakämpfer und Wagenlenker befunden zu haben, die ihre Dienste an den Bestbieter verkauften, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können oder sich einen Zusatzverdienst zu eröffnen. Die in beiden nun geschilderten Fällen erwähnten Personen bewegten sich am Rande der Gesellschaft und boten sich und ihre Dienste allen an, die bereit waren, dafür zu bezahlen. Damit waren sie eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die öffentliche Sicherheit in Rom. An diesen beiden Beispielen wird eine Entwicklung absehbar, welche die besondere Verbindung zwischen Gladiatorenspielen und Militär gegen Ende des 4. Jahrhunderts n.Chr. nochmals deutlich machen sollte. Schon während dieses Jahrhunderts wurde klar, dass die wirtschaftliche Schwäche des Reiches und damit der Oberschicht wie auch der Siegeszug des Christentums und dessen kritische Haltung zu den Gladiatorenspielen139) die Unterhaltungsindustrie nachhaltig „geschädigt“ hatten. Wie nun besonders an den Ausführungen zum Damasus-Streit zu erkennen ist, waren als Folge der wirtschaftlichen Probleme in den Arenen dieser Zeit immer weniger professionelle Gladiatoren zu finden. Die entstandenen Lücken wurden mit Personen gefüllt, die sich und ihre „Dienste“ an jeden verkauften, der dafür bezahlte. Diese harenarii, wie sie in den zeitgenössischen Quellen u.a. genannt werden, stellten durch ihre Gewaltbereitschaft und Söldnermentalität nicht zuletzt eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit dar. Sie werden nicht umsonst in einem Atemzug mit Gesetzlosen genannt. Für die Veranstalter aus dem Adel, die in Rom immer noch Spiele veranstalteten, bedeuteten diese Männer daher auch keine wirkliche personelle Alternative. So setzten die Veranstalter in ihrer Not auf Soldaten als Protagonisten.140) Man muss also davon ausgehen, dass mit gewisser Regelmäßigkeit zumindest in der alten Hauptstadt römische Soldaten in die Rolle von Gladiatoren schlüpften und dafür auch von Privaten bezahlt wurden.

Diese Praxis stieß allerdings relativ rasch auf kaiserliche Ablehnung. So wurde der Einsatz von Soldaten in den Arenen unter Bußandrohung gestellt, wobei jedoch nicht die Kämpfenden für disziplinäre Verfehlungen bestraft werden sollten, sondern vielmehr die jeweiligen Veranstalter, wohl für die Korrumpierung der Soldaten.

Aus diesen Ausführungen lässt sich auch eine zumindest rudimentäre Qualifizierung der spätantiken römischen Armee ableiten: Man setzte in hohem Maß auf Söldner zumeist germanischer Herkunft, deren Anwerbung als Arenakämpfer für ihre individuellen Fähigkeiten spricht. Gleichzeitig wird hier aber zumindest indirekt ersichtlich, dass der Formationskampf und die entsprechende Ausbildung in den Legionen spätestens nach Dio­kletian und seinen Reformen sowie mit dem verstärkten Anwerben der beschriebenen Kräfte von außerhalb des Römischen Reiches immer stärker dem Einzelkampf und einer entsprechenden Taktik gewichen waren.

 

Der Soldateneid und das auctoramentum

Die gegenseitige Beeinflussung von Unterhaltungsindustrie und Legionen ist schließlich auch noch für einen Bereich zu untersuchen, dem selbst moderne Armeen durchwegs Bedeutung zumessen: die Eidesleistung. Der Historiker Livius schreibt über den Ursprung des römischen Soldateneides,141) dass dieser im Jahr 216 v.Chr. und noch vor der Schlacht bei Cannae (wohl angesichts der Gefahr durch Hannibal und der bisherigen Niederlagen im Zuge des 2. Punischen Krieges) geändert worden wäre.142) Aus der vor diesem Zeitpunkt erfolgten (freiwilligen) Erklärung, nicht dem Schlachtfeld zu entfliehen, wurde auf diese Weise eine rechtlich bindende, ein Eid.143) Er wurde zur Grundlage für standgerichtliche Verfahren wie auch Verurteilungen ohne Verfahren für Deserteure144) oder ungehorsame Soldaten.145)

Um den verbindlichen Charakter zu verdeutlichen, sollte er vor dem tribunus militum, dem Militärtribunen, gesprochen werden.146) Das ist mit einer besonderen Schutzfunktion zu erklären. Der tribunus militum musste, wie bei Livius geschildert, die Eignung des zukünftigen Legionärs überprüfen, ob er körperlich und geistig in der Lage war, eine entsprechende Verpflichtung auch wirklich einzugehen. Daneben hatte er aber wohl auch zu kontrollieren, ob es sich beim in den Militärdienst Eintretenden um einen römischen Bürger147) und nicht etwa um einen Sklaven handelte.

Diese Gestaltung des militärischen Eides beeinflusste nun auch die Gladiatur. Gladiatoren waren zumindest in der Zeit der Republik zumeist Sklaven. Das bedeutete, dass sie entweder von ihrem Herrn in die Gladiatorenschulen verkauft oder aber auf dem Markt von einem lanista angekauft wurden. Sie waren ihrem (neuen) Herrn damit mehr oder weniger auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Dieses Unterordnungsverhältnis war für die römische Sklavenhaltergesellschaft kein untypisches und bedurfte daher keiner speziellen Regelung. Bereits gegen Ende der Republik begaben sich jedoch immer häufiger auch Freie, selbst römische Bürger, in die Schulen und die Arenen. Sie teilten Tisch, Schlafstatt und die Mühen des Trainings mit den genannten Gladiatorensklaven, waren derselben Behandlung und damit auch Körperstrafen ausgesetzt, und nicht zuletzt drohte ihnen sowohl in der Ausbildung als auch bei ihren Auftritten in der Arena der Tod. Da jedoch römische Bürger im Bereich des Strafrechts weder einer Prügelstrafe noch der Todesstrafe ohne Möglichkeit der Berufung an die Volksversammlung ausgesetzt werden durften, musste hier eine rechtliche Regelung gefunden werden, um ein Vertragsverhältnis zwischen dem eintretenden Gladiator und dem Eigentümer einer Gladiatorenschule zu schaffen, das den Realitäten entsprach. Dieses so genannte auctoramentum des Gladiators,148) musste publizitätswirksam abgeschlossen werden, Parallelen zur Leistung des Soldateneides und damit zum Verpflichtungsakt des Soldaten deutlich hervortreten.

Für den Gladiatoreneid kann nun aus der Literatur zumindest rudimentär der Inhalt rekonstruiert werden:149) „Dieselben sind die Worte dieses achtbarsten und jenes verwerflichsten Kontraktes, nämlich sich brennen, fesseln und mit dem Schwert erschlagen zu lassen.“ Die Annahme, dass der Begriff auctoramentum ursprünglich aus der Militärsprache stamme, ist quellenmäßig nicht ausreichend belegt. Es scheint jedoch, dass wie die Anwerbung und Ausbildung der Gladiatoren auch der Eid an jenem der Legionäre orientiert war. So musste dieser etwa vor dem Volkstribun geschworen werden,150) dem ebenso eine Warnpflicht und Schutzfunktion zukam. Er hatte festzustellen, ob der zukünftige Gladiator geistig und körperlich in der Lage war, eine solche Verpflichtung auch wirklich einzugehen und ob er römischer Bürger bzw. nicht minderjährig war. Es sollte etwa keinem Sklaven gelingen, sich durch den Eintritt in eine Gladiatorenschule seinem Herrn zu entziehen. Nicht zuletzt unterwarf sich auf diese Weise der freie Gladiator genauso dem lanista, wie sich der Legionär der Disziplinargewalt seiner Vorgesetzten und Ausbildner auslieferte.151)

Dass die Verbindung der Gladiatur mit dem militärischen Bereich auch von den Zeitgenossen so gesehen wurde, zeigt sich etwa in einer Schrift von Symmachus, einem hochrangigen Senator in Rom am Übergang vom 4. auf das 5. Jahrhundert n.Chr. Er zollte den auctorati seinen Respekt, indem er sie rhetorisch in die Nähe der alten Legionen Roms erhob. Ähnlich diesen wären sie durch den beschriebenen Eid ausgesucht worden, wie es bereits seit langer Zeit Brauch war: „ut auctoramento lectos longus usus instituat“.152) Lectus wird hier als Terminus nicht von ungefähr verwendet, sollen doch damit genau dieses Auslesen der besten der wehrfähigen Männer und das Aufstellen einer legio mit der Auswahl der auctorati, der berufsmäßigen, freiwilligen Gladiatoren, als die absolute Elite der Arenakämpfer in Verbindung gesetzt werden. Auch oder gerade in der Spätantike, einer Zeit, in der Rom nicht mehr Hauptstadt des Reiches war und man sich der großen Tradition deshalb umso intensiver erinnern musste, schloss man mittels diese Reminiszenz an die glorreiche Vergangenheit und damit auch an die Nahbeziehung zwischen der Gladiatur und den alten Legionen Roms an.

 

Die militärische Repräsentation und die Spieleindustrie

In der Republik ging militärische Repräsentation zumeist mit einer politischen einher, besonders da sie dem gleichen Karrierestrang diente. Im Zuge dieses Strebens veranstaltete Gladiatorenspiele wurden ausschließlich von den Veranstaltern selbst finanziert. Bald jedoch versuchten erfolgreiche Feldherren, über Umwege diese private Repräsentation aus öffentlichen Geldern zu bestreiten. So berichtet Livius, dass Publius Scipio die Spiele, die er angesichts eines Aufstandes seiner Soldaten in Neukarthago153) gelobt hatte, aus der Beute des Feldzuges bestreiten durfte.154) Wie hier Scipio ist den siegreichen Feldherren jedoch nicht (nur) zu unterstellen, dass sie staatliche Mittel aus der Feldzugsbeute155) zu persönlichem Nutzen verwenden wollten, sondern sie sahen hierin auch eine Möglichkeit, eine Genehmigungspflicht des Senates für Triumphzüge und Spiele in Rom zu umgehen, indem sie diese mit einem Votum an die Götter begründeten.156) Die Standesgenossen konnten es nicht so einfach hinnehmen, dass sich militärisch erfolgreiche Anführer in ungehemmter Freizügigkeit dem Volk präsentierten und damit ihre Chancen auf eine Wahl in die höchsten politischen Ämter signifikant erhöhten. So wurde neben der prinzipiellen Genehmigungspflicht auch das Budget für die geplanten Ausgaben durch das oberste Gremium reglementiert.157)

Triumphzüge waren die eindrucksvollste Möglichkeit, wie Generäle aus der Senatorenschicht dem einfachen Volk die Eroberungen und Siege im Namen Roms plakativ vor Augen führen konnten. Sie ähnelten damit zumindest in der Republik oftmals modernen Truppenparaden. Im Unterschied zu heute wurden jedoch auch Kriegsgefangene und Beute mitgeführt, am Ende stand schließlich noch das Opfer an die Götter. Das Präsentieren von Angehörigen fremder Völker wie von Tieren oder Schätzen sollte natürlich die eigene Leistung verdeutlichen. Dazu trat gegen Ende der Republik auch noch das Nachstellen von Schlachten.158) Die besondere Bedeutung dieser militärischen Leistungsschau lag darin, dass mit dem Wachstum des Imperiums immer weniger Menschen mit militärischen Aufgaben und Abenteuern betraut und auch verbunden waren. Die Faszination für die Darstellung alter militärischer Werte, der gravitas und disciplina, wie auch für ein reales Abbild des soldatischen Heldenmutes fand daher immer mehr Anhänger.159) Die Darstellungen im Rahmen von Spielen sollten damit in einem gewissen Sinn das Publikum in eine idealisierte militärische Abenteuerwelt entführen.

Erst mit der Zeit erfolgten eine weitergehende Ausgestaltung mit allen Arten von Spielen und die damit verbundene Intensivierung der persönlichen Repräsentation des Triumphators. Die militärische Selbstdarstellung stellte sich damit immer stärker in den Dienst der Politik und gewisser Strömungen des Zeitgeistes, die nach Unterhaltung und dieser Art des Prunkes geradezu verlangten. Mit der Veranstaltung von Gladiatorenspielen im Rahmen von Triumphzügen, zumindest zum Teil auch unter Beteiligung von Kriegsgefangenen in deren typischen Rüstungen und Bewaffnungen, wurden nicht nur die militärischen Aufgaben und Herausforderungen verdeutlicht. Durch diesen Kampf auf Leben und Tod konnte der Respekt aber auch die Angst vor dem Feind abgelegt werden.160) Diese Spiele waren daher nicht zuletzt auch eine Grundlage für die Bildung eines römischen Superioritätsgefühls. Gleichzeitig wurde aber die Freigiebigkeit des Feldherrn betont, der etwa extra zu diesem Zweck auch für den Aufbau von Tribünen, eines hölzernen Amphitheaters, Sorge zu tragen hatte. Erst durch die übernommenen Aufwendungen wurden sie schließlich Sympathieträger und damit aussichtsreiche Kandidaten für die höchsten Staatsämter. Die Betonung der Freigiebigkeit des Feldherrn und der Sorge um das Volk hatte zusätzlich auch insofern Bedeutung, als dies Bürger dazu motivieren konnte, in die Legionen einzutreten. Die Aussicht, einem Feldherrn unterstellt zu sein, der es seinen Soldaten ermöglichte, Beute zu machen, konnte mit Sicherheit so manchen Römer dazu bewegen, sich dem Militärdienst zu verpflichten.

Wie Feldherren ihre Legionäre beobachteten und entsprechend den Verdiensten beförderten,161) sollten diese Spiele neben der Befriedigung der Neugier des Volkes schließlich auch zur Belohnung für die anwesenden Legionäre dienen,162) zum Ansporn, v.a. aber zur Vertiefung der persönlichen Beziehung zum Befehlshaber. Nur ausgewählte Soldaten durften ihre Feldherren nämlich auch im Moment des Triumphes nach Rom begleiten.163) Wenn dieser mit seinen Truppen in der Hauptstadt einzog, um die Verehrung des Volkes entgegenzunehmen, offenbarte sich auch die Verbundenheit der Legionäre mit ihrem Anführer. Im Laufe der Republik war gerade das persönliche Abhängigkeitsverhältnis der Soldaten von ihrem Feldherrn stärker geworden. Dieses und nicht zuletzt auch eine gewisse Vertrautheit kamen nun in den Triumphzügen zum Vorschein und offenbarten sich in den (Spott-)Gesängen der Legionäre. Waren das früher Lobgesänge,164) so wandelten sich diese spätestens mit Caesar, der ein besonderes Verhältnis zu seinen Legionären pflegte, in einen Spottgesang.165)

Nicht zuletzt aufgrund dieses persönlichen Bandes zwischen den Legionären und dem Triumphator beschränkte Augustus die Zahl der Triumphe,166) die schließlich nur mehr vertrauenswürdigen Personen und vom Princeps selbst genehmigt wurden. Augustus war schließlich selbst Nutznießer der Zustände der späten Republik und des Condottieretums der Bürgerkriege gewesen. Er wusste nur zu gut um die Gefahren auch und nicht zuletzt für seine eigene Stellung, die es nun zu festigen galt.

 

Ein kurzes Resümee

Die Unterhaltungsindustrie in Form der Gladiatorenspiele übte über Jahrhunderte hinweg entscheidenden Einfluss auf die Legionen wie auch die römische Sicherheitspolitik aus. Erst durch diese Verbindung, das Ablegen von Berührungsängsten bzw. die Innovationsbereitschaft von einzelnen Befehlshabern, erhielt die römische Kriegsmaschinerie ihren letzten Schliff. Das Zusammenspiel dieser beiden Bereiche überrascht jedoch keineswegs, bestand doch seit der Republik ein enger Zusammenhang zwischen der Kriegführung und der Geisteshaltung, die sich auch in den Gladiatorenspielen manifestierte. Selbst in der Kaiserzeit, als die überwiegende Mehrzahl der Bürger nicht mehr in Kriegszüge an den Grenzen oder gar im Zentrum des Reiches involviert war, wurde durch die Veranstaltung von munera in Rom und in den Provinzen die Ideologie des alten Rom aufrechterhalten.167) Die Bevölkerung sollte nicht vergessen, dass es das Schwert war, das Roms Macht begründet hatte und nun immer noch sicherte. So war es dann auch die rudis, das Holzschwert, das von den Legionären für Übungen verwendet wurde und im Bereich der Arenakämpfe eine ganz spezielle symbolische Bedeutung erhielt: Die Überreichung dieses hölzernen Schwertes unterstrich den Akt der Freilassung eines Gladiators bzw. der Entlassung aus dem Dienst in der Arena.

Im militärischen Bereich wurden die Spiele besonders dazu genutzt, die analogen virtutes der Soldaten und der Gladiatoren zu betonen. Die Fechtspiele leisteten damit einen bedeutenden Beitrag zur militärischen Erziehung der Bevölkerung.168) Waren es die Sklavenaufstände - dabei besonders derjenige von Spartacus -, welche die Gefahren der überbordenden Industrie erst sichtbar werden ließen, so sollten die Arena und die mit ihnen in Verbindung stehende Infrastruktur in den späteren Jahrhunderten gerade den gegenteiligen Effekt erzielen und sogar mithelfen, ähnliche Unruhen hintanzuhalten. Wie noch im Panegyricus auf Kaiser Konstantin aus dem Jahr 310 n.Chr. bestätigt wird, waren es nämlich besonders Kriegsgefangene, die durch ihre „Wildheit“ nicht für den Sklavendienst geeignet waren, die auf diese Weise den Tod fanden.169)

Stellt man sich abschließend die Frage nach Parallelen zur heutigen Zeit, so ist es gerade die politische und militärische Repräsentation, die das 20. Jahrhundert wie wohl noch keines davor geprägt hat. Die direkte Verbindung der Machtelite mit dem Militär - für die Antike an den Wechselwirkungen zwischen den Legionen und den Spielen festzumachen - war mit ein Merkmal der totalitären Herrschaften des vergangenen Jahrhunderts. Noch heute ist aber Repräsentation zwingende Voraussetzung nicht nur einer politischen Karriere, wobei der markanteste Unterschied zur römischen Zeit darin besteht, dass diese Kosten (persönlicher) Selbstdarstellung zur Erlangung von Ämtern heute entweder von der öffentlichen Hand oder mithilfe von Organisationen und Vereinen getragen werden, die sich zumindest im halbstaatlichen Bereich bewegen. Man denke nur an Sportgroßveranstaltungen, bei denen Politiker und öffentliche Würdenträger auf prominenten Plätzen wie in einer römischen Arena Volksnähe demonstrieren. In einem ähnlichen Sinn eröffnet aber etwa auch die alljährliche militärische Leistungsschau am Wiener Heldenplatz einen Anknüpfungspunkt mit der Antike. Vergleichbar mit dem Rom der Kaiserzeit sind auch im Österreich des 21. Jahrhunderts immer weniger Menschen mit militärischen Aufgaben betraut und emotional verbunden. Allzu oft werden die entsprechenden Institutionen daher als sinnlos und überkommen aufgefasst. Hier muss man sich nun aber wohl die römische Praxis zum Vorbild nehmen und gerade über die zukünftigen Aufgaben und auch die Darstellung alter wie neuer militärischer Werte ein reales und damit modernes Abbild des Soldaten zu erzeugen versuchen, um wie in einem römischen Triumphzug das Publikum in eine vielleicht auch idealisierte Abenteuerwelt zu entführen. Die militärische Repräsentation müsste zu diesem Zweck wie in Rom zum „Anfassen“ sein und die besonderen Leistungen der entsprechenden Institutionen hervorstreichen, nicht zuletzt auch auf den Gebieten der Wissenschaft.

Die Geschichte der Gladiatur soll im Leser schließlich das Bewusstsein erzeugen, dass viele Phänomene, die man für das 20. und 21. Jahrhundert in Anspruch nimmt, durchwegs bereits in vergangenen Zeiten existierten. So kommt die den Fechtkämpfern besonders in der Republik, aber auch noch in der Kaiserzeit oftmals zugerechnete Funktion als privatwirtschaftlich organisierte Gewaltakteure heute etwa in vergleichbarer Form ebenfalls privaten Sicherheitsfirmen zu, die die „besten Kämpfer“ verpflichten und quasi halbstaatliche Funktionen erfüllen.

Nicht zuletzt haben aber auch die Fragen nach der Motivation des Soldaten, der persönlichen Bindung zum jeweiligen Befehlshaber und auch zum Staat bis in die heutige Zeit nicht an Aktualität eingebüßt. Gerade in einer Zeit der Umwälzungen müssen sie immer wieder ins Bewusstsein gerufen werden. Während die Bedeutung der Disziplin, wie sie bereits Frontin schildert, in abgewandelter Form schließlich bis heute gegeben ist, wird das Vertrauen in die Vorgesetzten, wie es etwa Rutilius bewegte, entscheidende Innovationen zu setzen, in der modernen Zeit nicht mehr in dem gleichen Maß vorausgesetzt. Vielleicht wird dabei der Wert einer persönlichen Verbindung zwischen Befehlshabern und Soldaten von staatlicher Seite aber auch nur gering geschätzt.

 

ANMERKUNGEN:

 

107) Vgl. dazu etwa Géza Alföldy: Römische Sozialgeschichte. 4. Aufl., Stuttgart 2011, S.85-95.

108) Der erste Sklavenkrieg fand zwischen 136 und 132 v.Chr. auf Sizilien statt (Diod. 34,2), im Jahr 104 v.Chr. folgte dort schließlich auch der zweite große Sklavenaufstand (Diod. 34,2-3).

109) Plut. Crass. 8-11; App. civ. 1,116-121; Flor. epit. 2,8.

110) Plut. Crass. 10,1.

111) Fik Meijer: Gladiatoren. Das Spiel um Leben und Tod. Zürich 2004, S.37.

112) Tac. ann. 15,46: Gladiatoren in Praeneste versuchten einen Ausbruch, der allerdings von der Truppe, die dort als Wachkommando lag, verhindert werden konnte.

113) Die sozialen Umwälzungen in Italien und die Bewirtschaftung der teils riesigen Latifundien durch richtiggehende Sklavenheere leistete dem natürlich Vorschub. Vgl. Hopkins, a.a.O., S.8-25.

114) Sall. Catil. 30.

115) Cic. Att. 7,14: Gladiatores Caesaris qui Capuae sunt, de quibus ante ad te falsum ex A. Torquati litteris scripseram, sane commode Pompeius distribuit binos singulis patribus familiarum. Scutorum in ludo I[c][c] fuerunt. eruptionem facturi fuisse dicebantur. Sane multum in eo rei publicae provisum est.

116) Übersetzung nach Helmut Kasten (Hrsg.): Atticus-Briefe. 5. Aufl., München (u.a.) 1998, S.437.

117) Diese enorme Anzahl zeigt die Bedeutung, die Caesar den publikumswirksamen Spielen beigemessen hat. Zusätzlich nutzte er sie aber wohl auch, um aus ihrer Vermietung Profit zu schlagen.

118) Eine Vorstellung davon vermitteln die Schilderungen von ähnlich gelagerten Versuchen von Lentulus im Zuge des Bürgerkrieges (Caes. civ. 1,14): Capuae primum se confirmant et colligunt delectumque colonorum, qui lege Iulia Capuam deducti erant, habere instituunt; gladiatoresque, quos ibi Caesar in ludo habebat, ad forum productos Lentulus spe libertatis confirmat atque iis equos attribuit et se sequi iussit; quos postea monitus ab suis, quod ea res omnium iudicio reprehendebatur, circum familias conventus Campani custodiae causa distribuit. „Erst in Capua fassten sie wieder Mut, sammelten sich und begannen Bauern auszuheben, die man nach dem iulischen Gesetz dort angesiedelt hatte; die Gladiatoren, die Caesar dort ausbilden ließ, führte man aufs Forum; Lentulus machte ihnen Hoffnung auf Freilassung, gab ihnen Pferde und befahl, sie sollten ihm folgen; doch warnten ihn seine Freunde, weil dieses Verfahren allgemein missbilligt wurde, und so verteilte er sie später aus Sicherheitsgründen auf die Sklavenscharen des campanischen Bezirks.“ (Übersetzung nach Otto Schönberger [Hrsg.]: Der Bürgerkrieg. München 1984, S.23).

119) Tac. hist. 2,11.

120) Caes. civ. 1,14; vgl. oben Anm.118.

121) So ist etwa der Bericht bei Tacitus (Tac. hist. 2,11,2) zu interpretieren.

122) Cass. Dio 51,7.

123) Tac. ann. 3,43,4; 3,46,6; Suet. Aug. 14,3. Besonders Tacitus geht in der erstgenannten Stelle auch auf den Kampfeswert und die Ausrüstung der Gladiatorensklaven, in diesem Fall des Stammes der Häduer, ein: „Dazu fügte man aus der Schar der Sklaven solche hinzu, die für Gladiatorenkämpfe bestimmt waren und nach Stammessitte ein durchgehendes Eisengewand trugen: Cruppellarier nennt man sie; sie sind unfähig, Stöße zu versetzen, aber für Hieb und Stich unverwundbar.“ Übersetzung nach Heller, a.a.O., S.251.

124) Suet. Otho 15,4.

125) Tac. hist. 2,11; 2,23-24; 2,35; 2,43; 3,57,4; 3,76,1-2; 3,77,3.

126) Tac. hist. 2,23,3 und 2,35,1.

127) Der germanische Stamm lebte an der Rheinmündung.

128) Während des so genannten Bataveraufstandes des Jahres 69 unter Iulius Civilis konnten sie einen wichtigen Sieg gegen die römische Rheinarmee erringen, wobei es ihnen sogar gelang, die Festung Vetera nahe dem heutigen Xanten zu erobern (Tac. hist. 1,8,51-59; 2,66,69; 4,12-37,54-79; 4,14-26 und Flav. Ios. .bell. Iud. 7,4,2). Ihre militärische Schlagkraft muss deshalb als relativ hoch bewertet werden.

129) Tac. hist. 2,43,2.

130) Tac. hist. 3,76,1.

131) HA Marc. Aurel. 21,7: Armavit etiam gladiatores, quos obsequentes appellavit. „Er bewaffnete auch Gladiatoren, die er ‚die Folgsamen’ nannte“. Vgl. Jörg Fündling: Marc Aurel. Darmstadt 2008, S.110. Sie stammten wohl ebenfalls zumindest zum Großteil aus den kaiserlichen Schulen.

132) Vgl dazu Ebner, Die Gladiatorenspiele als Wirtschaftsfaktor, S.75-82. Nicht zuletzt dadurch ergab sich allerdings auch eine selbst oder gerade in den Provinzen festzustellende Schwächung der Unterhaltungsindustrie, die sich nachteilig auf das Vermögen der Veranstalter auswirken sollte. Der Kaiser sah sich daraufhin gezwungen, mittels eines Gesetzes, des so genannten „Senatus Consultum de pretiis gladiatorum minuendis“, überliefert in CIL II 6278, Marktpreise für Gladiatoren festzulegen.

133) Ebner, Die Gladiatorenspiele als Wirtschaftsfaktor, S.114-117.

134) Kay Ehling: Die Erhebung des Nepotianus in Rom im Juni 350 n. Chr. und sein Programm der urbs Roma christiana. In: Göttinger Forum für Altertumswissenschaft. Bd.4, 2001, S.141-158.

135) Orosius (Oros. hist. 7,29,11) spricht von Gladiatoren, Zosimos (Zos. 2,43,2) dagegen von einem zügellosen Räuberleben ergebenen Menschen, die Nepotianus um sich geschart habe.

136) Aur. Vict. Caes. 42,6-7.

137) Der damit verbundene Blutzoll besonders unter den Gladiatoren in Rom war mit anderen, besonders religiösen und wirtschaftlichen Faktoren mit ein Grund für den Bedeutungsverlust der Gladiatur in Rom gegen Ende des 4. Jahrhunderts. Vgl. Ebner, Die Gladiatorenspiele als Wirtschaftsfaktor, S.109-121. Die Gladiatur als Institution lebte jedoch bis ins 5. Jahrhundert fort. Siehe Christoph Ebner: Das Ende der heidnischen Gladiatorenspiele. In: Kaja Harter-Uibopuu - Thomas Kruse (Hrsg.), Sport und Recht in der Antike (Wiener Kolloquien zur Antiken Rechtsgeschichte 2), Wien 2014, 349-376.

138) Siehe dazu Otto Günther: Epistulae Imperatorum Pontificum Aliorum Avellana quae dicitur collectio. Wien 1895-1898, ep. 1,5-7.

139) Vgl. Aug. conf. 6,8,13.

140) CTh 15,12,2.

141) Eine späte Version ist bei Vegetius (Veg. mil. 2,5) überliefert. Frontin (4,1,4) bezieht sich ebenfalls auf die Zeit vor Cannae, spricht aber nicht über die Neuerungen.

142) Liv. 22,38,1-5.

143) Vgl. dazu George R. Watson: The Roman Soldier.London1969, S.49-50.

144) Um Desertionen vorzubeugen, wurden Soldaten gebrandmarkt (vgl. Watson, a.a.O., S.51).

145) Dion. Hal. 10,18,2 und 11,43: Der Eid wäre ein Treuversprechen gegenüber dem Feldherrn und dessen Macht, auch die Kapitalstrafe ohne Verfahren gegen Deserteure oder wegen Befehlsverweigerung auszusprechen. Watson, a.a.O., S.49 geht von einer jährlichen Erneuerung des Eides aus.

146) Liv. 22,38,2.

147) Das Bürgerrecht war Voraussetzung für den Eintritt in die römischen Legionen.

148) Freie Gladiatoren wurden dementsprechend auch als auctorati bezeichnet.

149) Sen. ep. 37,1-2: Eadem honestissimi huius et illius turpissimi auctoramenti verba sunt: ‘uri, vinciri ferroque necari’. Derselbe Eid ist auch bei Petronius (Petron 117) und bei Horaz überliefert (Vgl. Heindorf: Des Q. Horatius Flaccus Satiren 60). Dennoch wendet sich etwa Kunkel, a.a.O., S.222 Anm. 27, gegen einen solchen Eid und hält ihn für unglaubwürdig.

150) CIL II 6278.

151) Vgl. Donald G. Kyle: Spectacles of Death in AncientRome. London/New York 1998, S.48; Watson, a.a.O., S.44 und 49-50; Theodor Mommsen: Gesammelte Schriften. Bd. 3, Berlin 1907, S.9 Anm.3.

152) Symm. ep. 2,46.

153) Liv. 28,24-26;29;31;36.

154) Liv. 28,38,14.

155) Feldzüge hatten für den Feldherrn und für den Staat natürlich auch einen monetären Faktor. So erntete etwa Aemilius Paullus Bewunderung, da er von der reichen Kriegsbeute nach dem Feldzug gegen den Makedonenkönig Perseus angeblich nur dessen Bibliothek zur Erziehung seiner Söhne beanspruchte (Plut. Aem. 28,6). Julius Caesar, der zu Beginn seiner Karriere hoch verschuldet war, konnte nach der Eroberung Galliens nicht nur in Rom ein neues Forum erbauen, sondern er nannte auch eine große Anzahl an Gladiatorenschulen und Fechtkämpfern sein Eigen. Erst das Vermögen, das er seinem Erben Octavian hinterließ, ermöglichte es diesem (gemeinsam mit der umfangreichen Klientel Caesars), sich im Kampf gegen Mark Anton durchzusetzen und schließlich nicht nur in die höchsten Adelsschichten einzuheiraten, sondern sich als Augustus und Princeps an die Spitze des Staatsgefüges zu setzen.

156) So hält etwa Pompeius ludi votivi, die er in Spanien gelobt hatte (Cic. Verr. 1,31).

157) Ernst Künzl: Der römische Triumph. München 1988, S.30-31.

158) Suet. Claud. 21; Suet. Iul. 39,13: Julius Caesar hatte eine Feldschlacht nachstellen lassen.

159) Kyle, a.a.O., S.80 Anm.30.

160) Erkennbar etwa in folgender Episode: Nach dem Sieg gegen die Karthager veranstaltete Caecilius Metellus im Zuge seines Triumphes Circusspiele, wobei Plinius berichtet, man hätte die Elefanten kämpfen lassen und schließlich mit Wurfspießen getötet. Andere Quellen wiederum behaupten, man hätte sie lediglich im Circus herumgetrieben, um Soldaten und Publikum den Respekt vor den Tieren ein für alle Mal zu nehmen oder zumindest zu reduzieren (Plin. nat. 8,17).

161) Einem General, der seine Soldaten auch in der Schlacht beobachtete und Mut und andere Verdienste entsprechend belohnte, wurde von den Legionären großer Respekt entgegengebracht. Besonders in der Republik waren die Armee und damit auch der Feldherr von solchen verdienten Legionären abhängig, die sich freiwillig für längere Feldzüge und auch für mehrere davon verpflichteten, besonders da der typische Soldat des 3. und 2. Jahrhunderts immer noch aus dem bäuerlichen Milieu stammte.

162) Wie etwa auch Spiele in den Legionslagern, beispielsweise des Scipio in Spanien. Siehe dazu Val. Max. 9,11,1 und Liv. 42,34,5-11.

163) Liv. 42,34,10: Quintus Fulvius Flaccus nahm bei seinem Triumph nach den erfolgreichen Feldzügen in Spanien besonders verdiente Soldaten mit nach Rom, um an diesem Zug teilzunehmen. Hier kann man wohl ein besonderes Belohnungssystem erkennen.

164) So wurde etwa im Triumph für Quintus Fabius Maximus auch dessen gefallener Amtskollege Publius Decius Mus in den Liedern der Soldaten gefeiert (Liv. 10,30,9).

165) Plin. nat. 19,144. Suet. Caes. 51: Urbani, servate uxores: moechum calvum adducimus. „Römer, schützt eure Frauen ein; den kahlen Ehebrecher bringen wir mit.“

166) Künzl, a.a.O., S.32.

167) Simon James: Rom und das Schwert. Darmstadt 2013, S.154.

168) Vgl. Kyle, a.a.O., S.80: Militärische Erziehung im Töten von Männern, die sie verachten.

169) Brigitte Müller-Rettig: Der Panegyricus des Jahres 310 auf Konstantin den Großen. Darmstadt 2008, Abs.12,3.