„Was so ein Krieg aus dem Menschen macht!“

Berichte von Arthur von Lüttwitz aus dem Burenkrieg

Lukas Grawe

 

Im Zuge des sich zum 100. Mal jährenden Ausbruchs des Ersten Weltkriegs erfuhr nicht nur der Konflikt selbst, sondern auch dessen Vorgeschichte innerhalb der Geschichtswissenschaft und der interessierten Öffentlichkeit wieder eine erhöhte Aufmerksamkeit.1) Bestätigt wurde dabei die These, dass der „Große Krieg“ zwar in vielen Bereichen eine Zäsur darstellte, in anderen Gebieten aber lediglich als Katalysator zahlreicher Entwicklungen wirkte, die bereits in der Vorkriegszeit begonnen hatten.2) Obwohl von 1914 bis 1918 alleine aus den britischen Dominions mehr als 900.000 Soldaten auf Seiten Großbritanniens kämpften,3) war der Erste Weltkrieg nicht der erste Krieg, in dem das Britische Empire auf die Einberufung von Freiwilligen und die personelle Unterstützung seiner Dominions und Kolonien angewiesen war. Bereits eineinhalb Dekaden vor Beginn des „Großen Krieges“ war es ein Konflikt mit einem als unzivilisiert und rückständig geltenden Gegner in Südafrika - den Buren -, der von 1899 bis 1902 die Kräfte des britischen Empire umfassend auf die Probe stellte.
Dieser „Second Anglo-Boer War“, im deutschen Sprachgebrauch als Zweiter Burenkrieg bezeichnet, „war nicht nur der teuerste Konflikt, den London bis dahin je geführt hatte, er war auch der verlustreichste Kampf seit dem Krimkrieg.“4) Mehr als 22.000 britische Soldaten fielen in den Auseinandersetzungen, statt der ursprünglich kalkulierten 10 Mio. Pfund verschlang der Krieg über 230 Mio. Pfund.5) Folglich bewegte der Konflikt „wie kaum ein anderer Krieg in Übersee“ die Gemüter in Großbritannien und in ganz Europa.6) Entzündet hatte er sich v.a. an den zunehmenden politischen und wirtschaftlichen Gegensätzen zwischen der britischen Kolonialherrschaft und den beiden unabhängigen und überwiegend von niederländisch-stämmigen weißen Siedlern bewohnten Burenrepubliken Oranje-Freistaat und Transvaal. Bereits die durch die britischen Behörden durchgesetzte Sklavenbefreiung hatte für erste Misstöne gesorgt. Spätestens die Entdeckung von Gold- und Diamantenvorkommen auf dem Gebiet der Burenrepubliken ab 1886 und die damit verbundene massive Einwanderung von Ausländern (uitlanders) ließen die latenten Spannungen jedoch eskalieren. Die ausländerfeindliche Haltung des Präsidenten von Transvaal, Paulus „Ohm“ Krüger, und der burische Widerstand gegen die politische und rechtliche Gleichstellung der großen Zahl von „Gold-Diamantengräbern“ lieferte der britischen Regierung letztlich den Scheinvorwand, sich zum Fürsprecher der Ausländer in den Burenrepubliken zu machen. Schließlich hatte London auch ein ausgewiesenes geopolitisches Interesse an den beiden Burengebieten: die Ausbeutung der dortigen Bodenschätze und die Realisierung des Kap-Kairo-Plans, einer durchgängigen Eisenbahnverbindung von Südafrika bis nach Ägypten, die ein zusammenhängendes britisches Territorium, darunter auch die Auflösung der Burenrepubliken, erforderlich machte.7)
Trotz der verheerenden Verluste und der großen Kosten hatte die britische Regierung ein frühzeitiges Einlenken wie noch während des ersten Konflikts mit den beiden Burenrepubliken ausgeschlossen.8) Schließlich war der Feldzug für Großbritannien im Hinblick auf die zunehmende Überdehnung der eigenen Macht zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine richtungweisende Markscheide - auch mit Blick auf das Prestige als Großmacht.9) Der langwierige Verlauf und die aus britischer Sicht dürftigen Ergebnisse des Krieges trugen schließlich in ganz wesentlichem Maße zur Aufgabe des britischen Prinzips der „splendid isolation“10) sowie auf lange Sicht zur Entwicklung des Apartheid-Systems in Südafrika bei.11)
Der Burenkrieg war aber nicht nur von innen- und außenpolitischer Bedeutung, sondern auch von militärischer. Die rasante Entwicklung der Waffentechnik sowie die wachsenden Möglichkeiten der Transport- und Kommunikationsmittel beeinflussten die Kriegführung beider Seiten maßgeblich. Folglich wurden den internationalen Gepflogenheiten entsprechend sowohl die britischen Streitkräfte als auch die Kämpfer der Buren von mehreren ausländischen Offizieren begleitet, deren Aufgabe es war, diese neuen Entwicklungen zu studieren und den Kriegsverlauf zu beobachten.12) Die Praxis der Entsendung solcher „Kriegsattachés“ konnte dabei auf lange Traditionen zurückblicken und wurde bereits im
18. Jahrhundert durchgeführt.13) Im Verlauf des Burenkriegs nahmen auf beiden Seiten insgesamt 20 Offiziere an der Beobachtung der Kampfhandlungen teil. Die Berichte von einigen dieser besonderen Militärattachés, beispielsweise der russischen und französischen Beobachter, sind bereits veröffentlicht worden.14) Sie geben einen Einblick in die Kriegführung der beiden Kontrahenten und schildern neue technische und taktische Innovationen.
Bislang unbeachtet geblieben sind hingegen die privaten Schilderungen der Kriegserlebnisse von Arthur von Lüttwitz (1865-1928), des deutschen Beobachters der britischen Armee. Da die von ihm an den preußischen Großen Generalstab und das preußische Kriegsministerium versandten offiziellen Militärberichte aus dem Burenkrieg bei der Zerstörung des Potsdamer Heeresarchivs im April 1945 vernichtet wurden, sind seine persönlichen Aufzeichnungen von besonderem Wert. Schließlich wurden Wahrnehmung und Auswertung des zu regen Diskussionen über die „richtige“ Infanterietaktik führenden Burenkriegs durch die deutschen Militärbehörden bislang ebenfalls nur rudimentär untersucht.15) Der Große Generalstab brachte den Ereignissen in Südafrika zwar großes Interesse entgegen und wertete sie akribisch in der behördeninternen 3. Abteilung aus,16) charakterisierte die dort ablaufenden Gefechte aber als „uneuropäisch“ und warnte daher davor, Parallelen zwischen dem als Kolonialkrieg abgestempelten Burenkrieg und einem künftigen europäischen Konflikt zu ziehen. Auf einem europäischen Kriegsschauplatz müsse man mit gänzlich anderen Verhältnissen rechnen.17) Die Berichte von Lüttwitz aus Südafrika bildeten schließlich die Basis der offiziellen Generalstabsstudie über den Krieg, die allerdings kaum über minutiöse Gefechtsschilderungen hinausreichte.18)
Für die Wahl des „Kriegsattachés“ in Südafrika war Lüttwitz, der als Sohn eines deutschen Vaters und einer ungarischen Mutter in Großbritannien und Australien aufgewachsen war,19) aus der Sicht des Generalstabs prädestiniert. Er fungierte seit Juni 1898 als deutscher Militärattaché in London und war aus diesem Grund für die Begleitung der britischen Truppen in Südafrika auserkoren worden.20) Lüttwitz galt als erfahrener Generalstabsoffizier, der seit 1893 in verschiedenen Abteilungen der Berliner Militärbehörde beschäftigt gewesen war und mit einigen antibritischen Artikeln im Militär-Wochenblatt auf sich aufmerksam gemacht hatte.21) Generalstabschef Alfred von Schlieffen urteilte über ihn: „Ein Offizier von großer Frische und lebhaftem Temperament, von Natur soldatisch veranlagt, von rascher Auffassung und klarem Urteil. Militär-wissenschaftlich gut durchgebildet. Sehr brauchbarer Generalstabs-Offizier.“22) Im Anschluss an seine Rückkehr aus Südafrika im August 1900 wurde Lüttwitz gegen seinen Wunsch aus London abberufen und zum Militärattaché in Sankt Petersburg ernannt - ein Posten, auf dem er bis 1904 verblieb. Eine Spionageaffäre führte letztlich dazu, dass er abberufen werden musste: Lüttwitz hatte einem russischen Generalstabsoffizier geheimste Dokumente abgekauft. Der Skandal war durch die Verhaftung des russischen Informanten öffentlich geworden, der deutsche Attaché wurde zur Persona non grata erklärt.23) Bis 1912 übernahm Lüttwitz wichtige Positionen innerhalb der 1. Abteilung des Generalstabs, die sich mit der Beobachtung der russischen Armee befasste; seit 1908 fungierte er als ihr Chef. Im Ersten Weltkrieg amtierte er zeitweilig als Gouverneur von Brüssel und als Chef des Generalstabs des Gouverneurs von Belgien, Colmar von der Goltz, der seinen Mitarbeiter ebenfalls sehr schätzte.24) Anschließend befehligte Lüttwitz bis Kriegsende verschiedene Brigaden, Divisionen und Armeekorps.25)
Durch die Allerhöchste Kabinetts-Ordre vom 21. Oktober 1899 war Lüttwitz als deutscher Militärbeobachter der englischen Operationen in Südafrika bestimmt worden, während seine Aufgabe in London fortan von Anatol von Bredow wahrgenommen wurde.26) Schlieffen erstattete derweil laufend dem Kaiser über neue Entwicklungen auf dem Kriegsschauplatz Bericht.27) Zudem instruierte der Generalstabschef Lüttwitz, er solle v.a. den waffentechnischen Neuerungen wie dem rauchschwachen Pulver und dem Vollmantelgeschoss, das dank einer gestreckten Flugbahn wesentlich größere Distanzen zurücklegen konnte, besondere Aufmerksamkeit entgegenbringen.28) Am 8. November reiste der deutsche Beobachter aus Liverpool ab.29) Noch in den Vormonaten hatte er einen Krieg zwischen den Buren und dem Empire für unwahrscheinlich und unpopulär gehalten und mit dieser Meinung auch nicht zurückgehalten.30) Weshalb Lüttwitz trotz dieser nachrichtendienstlichen Fehleinschätzung, ein Krieg zwischen Briten und Buren werde nicht ausbrechen, zum offiziellen Beobachter gemacht wurde, bleibt angesichts fehlender Quellen unklar. Offenbar gab die bereits erwähnte sonstige Expertise den Ausschlag.
Denn Lüttwitz hatte sich geirrt: Am 11. Oktober eröffneten die Burenrepubliken die Feindseligkeiten und drangen dabei in die britischen Kolonien Natal und Kapkolonie vor. Zahlenmäßig den schwachen britischen Truppen zunächst überlegen, schlossen die Buren die britischen Garnisonen in Kimberley, Mafeking und Ladysmith ein, beschränkten sich anschließend aber auf die Verteidigung, da ihnen ein klares strategisches Kriegsziel fehlte.31) In der Folge trat die unzureichende taktische Weiterentwicklung der britischen Armee seit dem Krimkrieg (1853-1856) zutage. Die britischen Truppen rückten häufig in dichten Schützenlinien über offenes Gelände vor und erlitten hohe Verluste gegen die modern ausgerüsteten Buren. Folglich scheiterten mehrere hastig durchgeführte britische Entsatzversuche und Gegenoffensiven in einigen kleineren, aber blutigen Schlachten.32) Dies war die militärische Lage, als Lüttwitz und fünf andere ausländische Offiziere,33) die wie der deutsche Militär die britischen Kriegsanstrengungen beobachten sollten, nach einer 21-tägigen Schiffsreise am 28. November 1899 den Hafen von Kapstadt erreichten. Schnell verpasste ihnen die britische Presse den Beinamen „Europe‘s Military Intelligence“.34)
In der Hauptstadt der britischen Kapkolonie wurde der Tatendrang der Militärbeobachter jedoch zunächst für einige Wochen ausgebremst, da der Oberbefehlshaber der britischen Truppen in der ersten Phase des Krieges, Redvers Buller, möglichst wenig Einblick in seine Operationsführung geben wollte.35) Bullers Reserviertheit war dabei v.a. durch die zahlreichen militärischen Rückschläge bedingt, die seine Truppen zu Beginn des Krieges erlitten.36) Vorerst mussten sich die Beobachter daher mit Besuchen der britischen Kriegshäfen begnügen. Erst Mitte Dezember konnten sie die ersten Schlachtfelder bei Colenso und Magersfontein besichtigen, allerdings erst nach dem Ende der dortigen Kämpfe. Von den laufenden Operationen blieben die Attachés aber nach wie vor ausgeschlossen.37) Dieser Umstand änderte sich erst unter dem neuen britischen Oberbefehlshaber Lord Frederick Roberts,38) der den ausländischen Beobachtern mehr Freiheiten einräumte. Ab dem 11. Februar 1900 konnten Lüttwitz und seine Kollegen die britische Hauptstreitkraft begleiten und dabei die Gefechte in Natal, im Oranje-Freistaat und in Transvaal ausführlich studieren,39) die zunächst dem Entsatz der eingeschlossenen britischen Städte, sodann der Besetzung der Burenrepubliken und der Vernichtung der burischen Truppen dienten.40) Roberts war im Gegensatz zu Buller nunmehr auch bereit, seine Truppen abseits des Eisenbahnnachschubs vorgehen zu lassen, was ihm mehr operative Möglichkeiten einräumte und rasch zu Erfolgen in Form von Einkesselungen gegen die zahlenmäßig nun hoffnungslos unterlegenen Buren führte.41)
Um abseits von eigenen Beobachtungen an Informationen zu gelangen, war für die Attachés v.a. ein reibungsloser Verkehr mit höheren britischen Offizieren wichtig. Diese gewährten den ausländischen Beobachtern teilweise sogar Einblick in geheime Gefechtsberichte. Aber auch Terrainerkundungen und Truppeninspizierungen erweiterten den Wissensstand der Attachés.42) Die kriegerischen Unternehmungen wurden dabei stets durch Aufenthalte in den südafrikanischen Großstädten, beispielsweise in Kapstadt, Johannesburg, Pretoria, Bloemfontein oder Durban, unterbrochen. Die „Kriegsattachés“ muteten gesellschaftliche Events, üppige Bälle und ausgiebige Rasentennis-Partien angesichts der andernorts laufenden Kriegshandlungen äußerst befremdlich an.43) In diesen Phasen zwischen den einzelnen Operationen lernte Lüttwitz zahlreiche bekannte Persönlichkeiten kennen, die sich in Südafrika niedergelassen hatten oder ebenfalls am Burenkrieg teilnahmen. So führte der deutsche Offizier u.a. ein langes Gespräch mit dem britischen Politiker und Magnaten Cecil Rhodes über die Verwaltung der britischen Kolonien in Afrika und über eine deutsch-britische Annäherung,44) traf die berühmten Schriftsteller Arthur Conan Doyle und Rudyard Kipling45) und ließ sich von Winston Churchill dessen spektakuläre Flucht aus burischer Gefangenschaft schildern.46)
Trotz dieser idyllischen Unterbrechungen waren die Beobachtungsmissionen der ausländischen Offiziere keineswegs ungefährlich. Schließlich nahmen sie an Gefechten teil und setzten sich damit Gefahren aus, die auch den Soldaten der kriegführenden Parteien drohten. Der auf Seiten der Buren tätige russische Offizier Wassili Gurko geriet beispielsweise in britische Gefangenschaft, wurde später aber wieder frei gelassen, während der niederländische Offizier Matthias Jan Nix, der ebenfalls auf Seiten der Buren die Kriegsereignisse beobachtete, durch einen Granatsplitter tödlich verwundet wurde.47) Die größte Gefahr bildeten jedoch Krankheiten. Während sich der japanische Offizier Hachiro Hiraoka eine Atemwegsinfektion durch Explosionsrauch zuzog und der Österreicher Robert Trimmel einen heftigen Sonnenstich erlitt, erkrankten der französische Beobachter d’Amade und der Italiener Gentilini an Typhus und überstanden die Krankheit nur knapp.48) Auch an Lüttwitz gingen die Strapazen des Krieges nicht spurlos vorüber, er verlor angesichts des Mangels an Lebensmitteln mehr als 10 kg seines Körpergewichts.
Nach der Einnahme von Bloemfontein, der Hauptstadt der Burenrepublik Oranje-Freistaat, erklärte Lord Roberts den Krieg in Südafrika im Frühsommer 1900 im Wesentlichen für beendet und wies die ausländischen Beobachter an, den Kriegsschauplatz zu verlassen. In großen Teilen des britischen Empire fanden bereits ausgelassene Siegesfeiern statt.49) Mit der Annexion des Oranje-Freistaats als „Orange River Colony“ am 24. Mai und dem Transvaal am 1. September 1900 hatte die britische Regierung ihren Sieg auch nach außen hin zur Schau gestellt.50) Tatsächlich hatten die regulären Operationen und damit die ersten beiden Phasen des Krieges ihr Ende gefunden, ohne dass sich die Burenrepubliken geschlagen gaben. Sie verlegten sich fortan vielmehr auf einen Guerillakrieg, der v.a. durch Angriffe aus dem Hinterhalt sowie die Zerstörung von Nachschubs- und Kommunikationslinien charakterisiert wurde.51) Die Briten beantworteten diese Art des Krieges mit einer Politik der „verbrannten Erde“ und der Errichtung von „concentration camps“, welche die burischen Kämpfer von ihren Familien separieren sollten. Etwa 120.000 Farmbewohner, v.a. Frauen und Kinder, wurden hier interniert.52) Die katastrophalen Lebensbedingungen innerhalb der Lager forderten mehr als 28.000 zivile Todesopfer. Hinzu kamen noch einmal ebenso viele Opfer unter der eingeborenen afrikanischen Bevölkerung, darunter ebenfalls überwiegend Zivilisten.53)
Der Krieg, der als „Gentlemen’s War“ begonnen hatte, radikalisierte sich nun zu einem äußerst brutal geführten Konflikt.54) Beide Seiten griffen in großem Ausmaß auf indigene afrikanische Hilfstruppen zurück, die im Falle einer Gefangennahme selten verschont wurden. Das häufig überlieferte Bild von einem Krieg Weißer gegen Weiße spiegelt demnach nicht die Realität wider.55) Letztlich hatten die Briten den Verlust von 22.000 Soldaten zu beklagen, während die Buren etwa 7.000 Kämpfer verloren.56) Erst im Jahr 1902, nach beinahe zwei Jahren Guerillakrieg, streckten die Buren die Waffen und stimmten am 31. Mai dem Frieden von Vereeniging zu, der ihnen weitreichende Autonomie unter der Herrschaft der britischen Krone in Aussicht stellte.57) Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die ausländischen Attachés jedoch schon lange nicht mehr vor Ort. Die meisten Offiziere hatten bereits Anfang Juli 1900 Südafrika verlassen. Die Aufmerksamkeit des deutschen Generalstabs hatte sich seit dem Frühsommer desselben Jahres ohnehin auf die Operationen der internationalen Verbände in China zur Niederschlagung des „Boxeraufstands“ konzentriert. Anders als seine Kollegen erhielt Lüttwitz trotz mehrfacher Nachfrage keine Nachricht aus der Heimat und bestieg am 8. August schließlich auf eigene Faust ein Schiff in Richtung England, wo er am 24. August eintraf.58) Seine militärischen Erkenntnisse fasste er nicht nur in mehreren Berichten und einer von ihm inspirierten kurzen Veröffentlichung zusammen,59) sondern erläuterte diese auch im Rahmen einer Audienz bei Wilhelm II.60) Resümierend fasste der deutsche Offizier seine zurückliegenden Erfahrungen in einem Brief an seine Frau mit den Worten zusammen: „Dieser Krieg ist für mich eine große Lebenserfahrung. Ich habe Tod und Zerstörung ins Angesicht gesehen und meinen Gott gefunden.“61)
Welchen Wert haben aber die Schilderungen des deutschen Beobachters aus dem Burenkrieg für die Forschung? Anders als es vermutlich die offiziellen Berichte getan hätten, erhellen die privaten Aufzeichnungen weniger die einzelnen Verläufe der Kriegsereignisse und Gefechte als vielmehr den organisatorischen Ablauf von Beobachtermissionen sowie den Alltag der ausländischen Offiziere und der britischen Soldaten innerhalb ihrer Quartiere. So beschreibt Lüttwitz detailliert die Auswirkungen der Lebensmittel- und Wasserknappheit, der extremen klimatischen Bedingungen, berichtet von Sandstürmen, großen Temperaturschwankungen oder sintflutartigen Regengüssen und von grassierenden Krankheiten wie Typhus und Fleckfieber. Lüttwitz selbst musste während des Feldzugs den Tod seines Burschen hinnehmen, der an den Folgen einer Typhus-Erkrankung verstarb,62) was den Offizier zu der Aussage verleitete: „Den feindlichen Kugeln sich auszusetzen oder sich mit dem Säbel in der Faust auf den Gegner zu stürzen, ist für jedes richtige Soldatenherz etwas Schönes und Erhebendes - vor der unerbittlichen heimtückischen Krankheit erfaßt selbst den Tapfersten bleiches Grausen!“63)
Darüber hinaus enthalten Lüttwitz‘ Darstellungen mehrfach interessante Schilderungen der Buren und der indigenen afrikanischen Völker, beispielsweise der Zulus, nicht frei von gängigen Stereotypen und Vorurteilen und teilweise sogar rassistisches, antisemitisches und sozialdarwinistisches Gedankengut enthaltend. Lüttwitz fügt sich damit in die damals vorherrschenden Ansichten innerhalb weiter Teile des deutschen Offizierskorps ein.64) Schließlich geben Lüttwitz‘ Ausführungen aber auch einen Einblick in den Wandel der Kriegführung gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die gestiegene Wirkung von Schusswaffen und die Entwicklung des rauchschwachen Pulvers begünstigten den Verteidiger und führten dazu, dass Angriffe nicht mehr wie noch in den Napoleonischen Kriegen in dichten Schützenlinien vorgetragen werden konnten. Angreifende Soldaten mussten fortan auf ihren Spaten zurückgreifen und auch auf eine Ausnutzung des Geländes achten. Diese „Leere des Schlachtfelds“, der Einsatz schwerer Artillerie und der ausgiebige Gebrauch der Buren von Schützengräben wiesen bereits auf Entwicklungen hin, die einige Jahre später das Gesicht des Ersten Weltkriegs maßgeblich prägen sollten. Aber auch die Einbeziehung der Zivilbevölkerung bedeutete einen ersten Schritt hin zu einer zunehmenden Totalisierung von kriegerischen Auseinandersetzungen.65) Auch wenn die Briefe einer Einzelperson immer nur anekdotischen Charakter tragen, liefern die Schilderungen von Arthur von Lüttwitz zwar nur einen kleinen, aber interessanten Einblick in die sich wandelnde Kriegführung und die Vorstellungswelt eines deutschen Generalstabsoffiziers im Vorfeld der „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts.
Inwiefern unterscheiden sich aber die Schilderungen des deutschen Offiziers von den Berichten seiner ausländischen Kameraden? Neben Lüttwitz bestand die internationale Beobachtergruppe auf Seiten der Briten noch aus dem Russen Pavel Stachowitsch,66) dem Franzosen Albert d’Amade,67) dem US-Amerikaner Stephen L‘Hommedieu Slocum,68) dem Italiener Domenico Augusto Gentilini69) und dem Österreicher Robert Trimmel.70) Später gesellten sich noch der Spanier Don Augusto Esteban y Larzabal,71) der Japaner Hachiro Hiraoka und der Türke Aziz Bey hinzu. Allerdings liegen der Forschung bislang lediglich die Berichte von Slocum und Stachowitsch vor, während die Berichte von Trimmel zwar nicht abgedruckt, aber durch den Historiker Erwin A. Schmidl wissenschaftlich analysiert wurden. Der Vergleich mit den Schilderungen von Lüttwitz wird dabei durch den Umstand erschwert, dass die Briefe des deutschen Offiziers für den privaten Rahmen verfasst wurden, während die veröffentlichten Berichte der anderen drei Beobachter an die heimischen Militärbehörden gerichtet waren und somit offiziellen Charakter tragen.
Trotz dieser Einschränkungen lassen sich einige interessante Schlussfolgerungen treffen. So finden sich beispielsweise in den Schilderungen von Stachowitsch keinerlei Beurteilungen über die südafrikanische indigene Bevölkerung, während Lüttwitz diese mit einem sozialdarwinistischen und rassistischen Grundtenor vornimmt. Es ist unklar, ob sich der russische Beobachter generell mit derartigen Urteilen zurückhielt oder ob er lediglich in seiner dienstlichen Korrespondenz zurückhaltend agierte. Allerdings lässt sich festhalten, dass nationale Stereotypisierungen, wie sie für die Schilderungen des deutschen Beobachters wie auch allgemein für deutsche Generalstabsberichte jener Zeit üblich sind,72) durch Stachowitsch nicht vorgenommen wurden. Schmidls Auswertung der Berichte von Trimmel schweigt in diesem Punkt gänzlich. Auch in Slocums Berichten, die vollständig veröffentlicht wurden, lassen sich keine Schilderungen von nationalen Stereotypen finden. Der Eindruck, Lüttwitz schenke diesem Punkt am meisten Beachtung, wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass der deutsche Beobachter auch seine ausländischen Kollegen in stereotyper Form beschreibt.73)
Im Hinblick auf die Schilderungen zum Verlauf der Beobachtungsmission und zum Ablauf der Gefechte ähneln sich die Berichte von Lüttwitz, Stachowitsch und Trimmel sehr stark. Die drei Beobachter beschrieben das enervierende Warten auf den ersten Frontbesuch als sehr belastend und ärgerlich, erste Zweifel an der Sinnhaftigkeit ihrer Aufträge kamen auf. Die lange Zeit des Wartens führte daher bei Stachowitsch und Lüttwitz dazu, dass ihre Sympathien ins Lager der Buren wanderten, während Trimmel und Slocum eher als anglophil in ihrer Berichterstattung anzusehen sind.74) Slocums Berichterstattung differiert insofern, da sie mit Abstand die detailliertesten Gefechtsschilderungen liefert, während dem Leben der Attachés im Camp in seinen Schilderungen weniger Platz eingeräumt wird.
Alle vier Attachés berichteten jedoch kritisch über das anfängliche britische Angriffsverfahren, bei dem das Vorgehen in dichten Schützenlinien zu hohen Verlusten führte. Stachowitsch führte dies v.a. auf unfähige Generale und den Gegensatz zwischen den regulären britischen Truppen und den Kolonialtruppen zurück.75) Ebenso wie Trimmel betonte der Russe auch die mangelhafte Wirkung der britischen Artillerie gegen Feldbefestigungen - ein Umstand, den Lüttwitz ebenfalls aufgriff und der sich während des Ersten Weltkriegs bestätigen sollte. Das Agieren der Buren wurde hingegen von allen als sehr geschickt beschrieben, v.a. ihre Schießfertigkeit wurde gelobt. Slocum bezeichnete ihren Kampf sogar als heldenhaft und betonte: „I do not know what history will say of these people, but personally, words fail me to express adequately my admiration for their tenacious and brave defense under the conditions in which they were placed.“76)
Alle Attachés kamen angesichts der gestiegenen Feuerkraft zu dem Schluss, dass Frontalangriffe auf gegnerische Stellungen nicht mehr möglich seien. Offensives Vorgehen könne nur noch durch Angriffe auf die gegnerischen Flanken Erfolg haben.77) Während Lüttwitz sich in seiner offiziellen Berichterstattung wohl nicht vehement für eine defensive Kriegführung ausgesprochen haben dürfte, da andernfalls seine Karriere ernsthaften Schaden genommen hätte, äußerte sich Trimmel gegenüber den österreichisch-ungarischen Militärbehörden durchaus freimütig. Seine kritischen Anmerkungen über die zu offensive Taktik der k.u.k. Armee wurden jedoch unter Verschluss gehalten, eine Verbreitung von Trimmels Ansichten wurde gezielt verhindert.78)
Allerdings wurde auch die Kampfesweise der Buren vereinzelt kritisiert. V.a. Stachowitsch bemängelte, dass die Buren ihre anfängliche personelle Überlegenheit nicht ausgenutzt und offensiver agiert hatten. Ihr Verharren in der Defensive während der gesamten regulären Phase des Feldzuges wurde durch den russischen Beobachter scharf kritisiert.79) Slocum sah dies ähnlich. Der in seiner Haltung probritisch eingestellte amerikanische Offizier fand darüber hinaus viele Worte des Lobes für die Leistungen der britischen Infanterie und für den Mut von Mann und Offizier. Allerdings kritisierte er die britischen Offiziere für ihre mangelnde Professionalität: „They would pile up a little parapet of stones, visible for a long distance, and consequently a target for the enemy’s guns and a source of death in itself when struck by a shell, but they would rarely ever dig a trench. I never could understand this serious fault.“80) Alle Beobachter waren sich darin einig, dass mit der Ankunft von Roberts und der Ablösung Bullers eine sinnvolle Maßnahme ergriffen wurde. Die folgenden britischen Operationen wurden daher nicht mehr derart kritisch hinterfragt wie die anfänglichen Entsatzoperationen zu Beginn des Feldzugs.
Parallelen lassen sich auch hinsichtlich der Berichterstattung über die logistisch-infrastrukturellen Verhältnisse ausmachen. Während Trimmel diesen Punkt ebenfalls anschnitt und v.a. die Versorgungsschwierigkeiten der britischen Armee aufgriff,81) beschrieben Lüttwitz und Stachowitsch beinahe minutiös die zum Teil katastrophalen Zustände im britischen Lager vor Paardeberg.82) Beide berichteten von verwesenden Tierkadavern inmitten der kampierenden englischen Truppen, von unzureichender Wasseraufbereitung sowie von mangelhaft eingerichteten sanitären Anlagen. Dass die Verbreitung von Krankheiten nicht bereits in Paardeberg einsetzte, bewerteten sowohl Lüttwitz als auch Stachowitsch als glücklichen Zufall. Was der deutsche Offizier über die Typhusepidemie an die heimischen Behörden berichtete, muss angesichts fehlender Quellen offen bleiben. In seinen nachträglich verfassten Erinnerungen schilderte er die Typhusfälle allerdings sehr genau,83) sodass die Vermutung nahe liegt, dass er ähnliche Berichte auch nach Berlin versandte. In den offiziellen Schilderungen des russischen Beobachters wurde die Krankenwelle hingegen gar nicht erwähnt. Auch Schmidls Analyse über Trimmel erwähnt die Typhusepidemie nicht.
Der amerikanische Beobachter Slocum ging ebenfalls auf die Bedingungen in Paardeberg ein, beschrieb die desolaten Zustände jedoch nur kurz.84) Ebenso wie seine Attaché-Kollegen berichtete aber auch er von den Schwierigkeiten der Briten, den Nachschub zu organisieren. Da die Buren jedoch kaum zur Offensive vorgingen, hätten sich die Briten eine gewisse Schlampigkeit in der Organisation ihres Nachschubs erlauben können, urteilte der amerikanische Offizier.85) Er war es auch, der den heimischen Behörden am detailliertesten von den eingesetzten Kommunikationsmitteln berichtete, während die anderen Beobachter ihre dahingehenden Eindrücke eher kurz fassten.
Fasst man diese Ergebnisse zusammen, so lässt sich festhalten, dass sich in der Berichterstattung der vier Militärbeobachter große Gemeinsamkeiten feststellen lassen, auch wenn einzelne Einschätzungen unterschiedlich ausfallen. Gerade hinsichtlich der Bewertung der britischen Kriegführung ähneln sich die Urteile sehr. Die Berichte von Lüttwitz fügen der bisherigen russisch-amerikanisch-österreichischen Perspektive nun auch eine deutsche Sichtweise hinzu. Interessant dürfte dabei v.a. sein, dass sich Lüttwitz offensichtlich weit mehr als seine Kollegen mit nationalen Stereotypisierungen beschäftigte. Dies erlaubt dem Historiker von heute einen Einblick in die Sichtweise eines im deutschen Generalstab sozialisierten Offiziers im Hinblick auf indigene afrikanische Völker. Auch die Schilderungen des deutschen Beobachters über den Gesundheitszustand des britischen Heeres in Südafrika lassen sich in den bisherigen Quellen der Beobachtungsmission nicht in dieser Ausführlichkeit finden. Während die Berichte Slocums und Stachowitschs ihren dienstlichen Charakter nicht verhehlen und sie daher v.a. auf die Gefechte eingehen, setzt sich der deutsche Beobachter in seinen privaten Schilderungen weitaus stärker mit dem Alltag der Offiziere innerhalb der britischen Lager auseinander. Dem heutigen interessierten Leser wird damit veranschaulicht, wie internationale Militärzusammenarbeit um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert funktionierte, wie internationale Beobachtungsmissionen abliefen und mit welchen Erwartungen die jeweiligen Akteure ihre Aufgaben angingen.

Besonderheiten der vorliegenden Quelle

Lüttwitz‘ Briefe und private Berichte aus dem Burenkrieg befinden sich in seinem Nachlass, der unter der Bestandssignatur N 887 im Bundesarchiv-Militärarchiv in Freiburg lagert. Sie sind Teil seiner acht Bände umfassenden und unveröffentlichten Memoiren unter dem Titel „Aus einem bewegten Soldatenleben, 1875-1918“, die seine militärische Laufbahn bis in das Jahr 1908 schildern. Für die Zeit bis zum Ende des Ersten Weltkriegs, die offensichtlich ebenfalls behandelt werden sollte, fehlen weitere Bände. Zwischen 1919 und 1928 maschinenschriftlich niedergeschrieben,86) greift Lüttwitz in seinen Erinnerungen auch auf von ihm verfasste Briefe und Berichte zurück. Dies trifft v.a. auf Band 5 zu, der die Erlebnisse des Verfassers in Südafrika behandelt und zu einem Großteil auf Briefen von Lüttwitz an seine Mutter Irma basiert. Von November 1899 bis Ende Juli 1900 verschickte Lüttwitz 34 solcher „Berichte“, die er mit Ausnahme der Anrede in seinen Memoiren nahezu vollständig wiedergibt. Von diesen „Berichten“ ist nachfolgend ein Großteil in gekürzter Form abgedruckt worden. Der Originallaut der Briefe wird zumeist durch mehrere Seiten lange Anmerkungen unterbrochen, die aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg stammen. Interessante Passagen aus den nachträglichen Schilderungen wurden dabei gesondert abgedruckt, um die Gefahr einer Verwechselung der Entstehungszeiträume auszuschließen. Bis auf wenige Ausnahmen wurde allerdings auf eine Aufnahme der nachträglichen Anmerkungen verzichtet, da sie überwiegend aus minutiösen Gefechtsbeschreibungen bestehen. Ebenso sind langatmige Beschreibungen der Landschaft, die sehr viel Raum in den Schilderungen einnehmen, weggelassen worden. Daneben greift Lüttwitz bei den Schilderungen seiner Kriegserlebnisse auch auf Briefe an seine Frau Mary sowie auf für ihn selbst bestimmte Aufzeichnungen zurück, die ebenfalls mit nachträglichen Ergänzungen versehen wurden. Einige Schreiben, die die „Berichte“ von Lüttwitz an seine Mutter in wesentlichen Punkten ergänzen, sind daher ebenfalls in Auszügen aufgenommen worden.
Die Briefe, Aufzeichnungen und nachträglichen Schilderungen von Lüttwitz beinhalten im Original einige Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler, die stillschweigend korrigiert wurden. Hingegen ist an der alten Rechtschreibung nichts geändert worden. Die Schreibweise südafrikanischer Ortsnamen, die Lüttwitz nicht einheitlich wiedergibt, orientiert sich an der heutigen Schreibweise. Sämtliche Abkürzungen wurden aufgelöst. Ergänzungen des Editors und Auslassungen sind durch eckige Klammern kenntlich gemacht. Der Anmerkungsapparat dient schließlich dazu, wichtige Hintergrundinformationen zu Personen und Ereignissen zu liefern, die Lüttwitz in seinen Ausführungen thematisiert, ohne sie inhaltlich einzubetten.
Wir dürfen darauf hinweisen, dass zusätzlich zum Artikel die Abschriften von Originaldokumenten des Bundesarchivs, Abt. Militärarchiv Freiburg, auf die sich die Quellenangaben im Beitrag beziehen, für die Dauer eines halben Jahres auf der Homepage der ÖMZ (www.oemz-online.at) abgerufen werden können.


ANMERKUNGEN:
1) Als Beispiele seien hier genannt: Dominik Geppert/William Mulligan/Andreas Rose (Hrsg.): The wars before the Great War. Conflict and international politics before the outbreak of the First World War. Cambridge 2015; Stig Förster (Hrsg.): Vor dem Sprung ins Dunkle. Die militärische Debatte über den Krieg der Zukunft, 1880-1914. Paderborn 2016 und Jack S. Levy/John A. Vasquez (Hrsg.): The Outbreak of the First World War. Structure, Politics, and Decision-Making. Cambridge 2014. Zu den neuen Forschungen zum Ersten Weltkrieg siehe allgemein: Martin Sabrow: Die Rückkehr des Ersten Weltkriegs in das deutsche Zeitgedächtnis. Vom Aufarbeitungsjahr 2013 zum Erinnerungsjahr 2014 (Teil 2). In: Indes. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft 3/2014, S.134-144; Alan Kramer: Recent Historiography of the First World War (Part I). In: Journal of Modern European History 12/2014, S.5-28; Ulrich Wyrwa: Zum Hundertsten nichts Neues. Deutschsprachige Neuerscheinungen zum Ersten Weltkrieg (Teil I). In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 62/2014, S.921-940; Annika Mombauer: Der hundertjährige Krieg um die Kriegsschuld. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 65/2014, S.303-337 und Michael Epkenhans: Der Erste Weltkrieg - Jahrestagsgedenken, neue Forschungen und Debatten einhundert Jahre nach seinem Beginn. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 63/2015, S.135-165.
2) Aribert Reimann: Der Erste Weltkrieg - Urkatastrophe oder Katalysator? In: Aus Politik und Zeitgeschichte 29,30/2004, S.30-38.
3) Peter Wende: Das Britische Empire: Geschichte eines Weltreichs, München 2008, S.244.
4) Andreas Rose: „Unsichtbare Feinde“. Großbritanniens Feldzug gegen die Buren. In: Tanja Bührer/Christian Stachelbeck/Dierk Walter (Hrsg.): Imperialkriege von 1500 bis heute. Strukturen - Akteure - Lernprozesse, Paderborn 2011, S.217-239, hier S.237f. und Cord Eberspächer: „Albion zal hier ditmaal zijn Moskou vinden!“. Der Burenkrieg (1899-1902). In: Thoralf Klein/Frank Schumacher (Hrsg.): Kolonialkriege. Militärische Gewalt im Zeichen des Imperialismus. Hamburg 2006, S.182-207, hier S.182f.
5) Rose: „Unsichtbare Feinde“, S.238.
6) Eberspächer: „Albion zal hier ditmaal zijn Moskou vinden!“, S.182 und Erwin A. Schmidl: Der Zweite Anglo-Burenkrieg 1899-1902. Ein Rückblick nach 100 Jahren. In: Österreichische Militärische Zeitschrift 38/2000, S.179-188, hier S.179.
7) Zu den Ursachen des Zweiten Burenkriegs siehe Rose: „Unsichtbare Feinde“, S.218-220 und Eberspächer: „Albion zal hier ditmaal zijn Moskou vinden!“, S.183-185.
8) Bereits während des sogenannten „Ersten Burenkriegs“ ging es letztlich um die Frage der Selbstständigkeit der Buren. Der Konflikt dauerte von Dezember 1880 bis März 1881 und endete nach wenigen blutigen Gefechten mit einem burischen Sieg, da die britische Regierung ein weiteres Engagement nicht für notwendig hielt. In der Folge erlangte der Transvaal seine Unabhängigkeit, wenn auch unter formeller britischer Herrschaft. Siehe dazu in aller Kürze Martin Marix Evans: Encyclopedia of the Boer War, 1899-1902. Santa Barbara 2000, S.37f.
9) Rose: „Unsichtbare Feinde“, S.239. Zum Burenkrieg siehe v.a. die beiden umfassenden Gesamtdarstellungen von Thomas Pakenham: The Boer War. London 1979 und von Martin Bossenbroek: Tod am Kap. Geschichte des Burenkriegs. München 2016; sowie die Darstellung von Winston Churchill, der den Zweiten Burenkrieg als Kriegsberichterstatter der Morning Post erlebte: Winston Churchill: The Boer War. London 1989. Einen Überblick über die Literatur geben Fred R. van Hartesveldt: The Boer war. Historiography and annotated bibliography. Westport, Conn., London 2000 und Nicol Stassen: German publications on the Anglo-Boer war = Duitse publikasies oor die Anglo-Boereoorlog = Deutsche Publikationen über den Anglo-Burenkrieg. Pretoria 2007. Eine lexikalische Darstellung liefert Marix Evans: Encyclopedia of the Boer War.
10) Eberspächer: „Albion zal hier ditmaal zijn Moskou vinden!“, S.191. Zu den weitreichenden Auswirkungen des Krieges siehe Donal Lowry: „The Boers were the beginning of the end“? The wider impact of the South African War. In: Donal Lowry (Hrsg.): The South African war reappraised. Manchester, New York 2000, S.203-245.
11) Der Friedensvertrag von 1902 vermied aus Rücksichtnahme auf die Buren die Regelung der Wahlrechtsfrage für Nicht-Weiße - ein Umstand, der deren dauerhafte politische Entmündigung festschrieb. Erwin A. Schmidl: Der Burenkrieg von 1899-1902: ein „Kleiner Krieg“? In: Verband Österreichischer Geschichtsvereine (Hrsg.): Bericht über den Achtzehnten Österreichischen Historikertag in Linz veranstaltet vom Verband Österreichischer Geschichtsvereine in der Zeit vom 24. bis 29. September 1990. Wien 1991, S.244-248, S.247 und Schmidl: Der Zweite Anglo-Burenkrieg, S.187.
12) Maureen O’Connor Witter: Sanctioned Spying: The Development of the Military Attaché in the Nineteenth Century. In: Peter Jackson/Jennifer Siegel (Hrsg.): Intelligence and Statecraft. The Use and Limits of Intelligence in International Society. Westport 2005, S.87-107, hier S.94-99 und David R. Jones: Military Observers, Eurocentrism and World War Zero. In: Yokote Shinji/John W. Steinberg/David Wolff/Steven G. Marks/Bruce W. Menning/David Schimmelpenninck van der Oye (Hrsg.): The Russo-Japanese war in global perspective. World War Zero. Bd. 2. Boston 2007, S.135-178, hier S.150-156. Kurze Biographien der Attachés auf beiden Seiten finden sich bei Jay Stone/Erwin A. Schmidl: The Boer War and military reforms. Lanham 1988, S.322-326.
13) Stone/Schmidl: The Boer War and military reforms, S.189.
14) Cornelis de Jong: Verslae van neutrale Militere Waarnemers tydens de Anglo-Boereoorlog. Kapt. J. Allum. In: Scientia Militaria. South African Journal of Military Studies 4/1974, H. 1, S.1-34; Cornelis de Jong: Verslae van neutrale Militere Waarnemers tydens de Anglo-Boereoorlog. Kapt. Jonkheer J. H. Ram. In: Scientia Militaria. South African Journal of Military Studies 4/1974, H. 2, S.1-12; Cornelis de Jong: Verslae van neutrale Militere Waarnemers tydens de Anglo-Boereoorlog. Lt. C. J. Asselbergs and Lt. M. Nix. In: Scientia Militaria. South African Journal of Military Studies 5/1975, H. 1, S.46-65; Cornelis de Jong: Reports of Neutral Military Observers during the Anglo-Boer War. The Reports of two Russian Military Attachés 1899-1900. In: Scientia Militaria. South African Journal of Military Studies 5/1975, H. 3, S.1-21; Cornelis de Jong: Reports of Neutral Military Observers during the Anglo-Boer War. Captain Demange and Lieutenant Raoul-Duval, French Military Attachés with the Boers. In: Scientia Militaria. South African Journal of Military Studies 6/1976, H. 1, S.52-56; Cornelis de Jong: A neutral military observer in the Anglo-Boer War in 1900. The Norwegian Captain Julius Allum. In: Kleio 8/1976, S.17-28; Henk de Jong: Past as Future. The South African War, Dutch Observers and Military Memory. In: Scientia Militaria. South African Journal of Military Studies 41/2013, S.34-64; Gennady Shubin: Russian perceptions of the Boer and British Armies: An introduction through Russian documents. In: Scientia Militaria. South African Journal of Military Studies 30/2000, S.13-31 und M. C. E. van Schoor: Depeches van die Russiese Attaches, kol. Stakhovitch en lt.kol. Gurko. In: Christiaan de Wet-annale 3/1975, S.123-201.
15) Dieter Storz: Kriegsbild und Rüstung vor 1914. Europäische Landstreitkräfte vor dem Ersten Weltkrieg. Herford 1992, S.55-61; Christian Thomas Müller, Anmerkungen zur Entwicklung von Kriegsbild und operativ-strategischem Szenario im preußisch-deutschen Heer vor dem Ersten Weltkrieg. In: Militärgeschichtliche Mitteilungen 57/1998, S.385-442, hier S.395-398; Bernd F. Schulte: Die deutsche Armee, 1900-1914. Zwischen Beharren und Verändern. Düsseldorf 1977, S.173-191; Eric Dorn Brose: The Kaiser‘s Army, 1870-1918. Technological, tactical, and operational Dilemmas in Germany during the Machine Age. New York, Oxford 2001, S.85-94 und Nicholas Murray: The rocky road to the Great War. The evolution of trench warfare to 1914. Washington 2013, S.81-122. Lediglich am Rande hat sich die Forschung mit der deutschen Haltung und den deutsch-britischen Beziehungen während des Burenkrieges beschäftigt. Siehe dazu Ulrich Kröll: Die internationale Buren-Agitation 1899-1902. Haltung der Öffentlichkeit und Agitation zugunsten der Buren in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden während des Burenkrieges. Münster 1973; Harald Rosenbach: Das Deutsche Reich, Großbritannien und der Transvaal (1896-1902). Anfänge deutsch-britischer Entfremdung. Göttingen 1993; Martin Kröger, Imperial Germany and the Boer War. In: Keith Wilson (Hrsg.): The International Impact of the Boer War. Chesham 2001, S.25-42 sowie - mit einem Schwerpunkt auf die deutsche Presse - Steffen Bender: Der Burenkrieg und die deutschsprachige Presse. Wahrnehmung und Deutung zwischen Bureneuphorie und Anglophobie, 1899-1902. Paderborn 2009.
16) Über die Tätigkeiten in der 3. Abteilung, die für die Beobachtung der Armeen Frankreichs und Großbritanniens zuständig war, schrieb der Generalstabsoffizier Ludwig von Estorff in der Rückschau: „Die Arbeitslast, die ich dann im Winter zu bewältigen hatte, war außerordentlich. Ich mußte allen geselligen Verkehr aufgeben und fast allen Briefwechsel mit Bekannten. Die Neujahrsnacht des Jahrhunderts verbrachte ich am Schreibtisch.“ Ludwig von Estorff: Wanderungen und Kämpfe in Südwestafrika, Ostafrika und Südafrika 1894-1910. Hrsg. v. Christoph Friedrich Kutscher. Windhoek 1979, S.78. Zur Tätigkeit der 3. Abteilung vor dem Ersten Weltkrieg allgemein siehe Lukas Grawe: Deutsche Feindaufklärung vor dem Ersten Weltkrieg. Informationen und Einschätzungen des deutschen Generalstabs zu den Armeen Frankreichs und Russlands 1904-1914. Paderborn 2017, passim.
17) Müller: Anmerkungen zur Entwicklung, S.395-398 und Eberspächer: „Albion zal hier ditmaal zijn Moskou vinden!“, S.196.
18) Großer Generalstab: Kriegsgeschichtliche Einzelschriften. Erfahrungen außereuropäischer Kriege neuester Zeit. Aus dem südafrikanischen Kriege 1899 bis 1902, Heft 32 (1. Colenso - Magersfontein, Dezember 1899). Berlin 1903; Heft 33 (2. Operationen unter Lord Roberts bis zur Einnahme von Bloemfontein). Berlin 1904 und Heft 34/35 (3. Die Kämpfe in Natal nach dem Gefecht von Colenso. Übersicht über die Ereignisse im Oranje-Freistaat und Transvaal bis zum Herbst 1900). Berlin 1905. Bezeichnenderweise wurden die folgenden Ereignisse des Krieges bis 1902 nicht in die Betrachtungen miteingeschlossen.
19) Ulrich Trumpener: The Service Attachés and Military Plenipotentiaries of Imperial Germany, 1871-1918. Notes, Bibliographies, and Documents. In: The International History Review 9/1987, S.621-638, hier S.626.
20) Tatsächlich hatten sich auch die beiden Generalstabsoffiziere Gustav Adolf von Götzen und Ludwig von Estorff auf die Aufgabe Hoffnungen gemacht, da beide als „Afrikaexperten“ der Behörde galten. Nach Lüttwitz‘ Ernennung fungierten beide als Bearbeiter der eingehenden Nachrichten in der 3. Abteilung des Generalstabs. Siehe „Aus einem bewegten Soldatenleben“, Bd. V, BArch, N 887/5, S.697 und Paul von Lettow-Vorbeck: Mein Leben. Biberach 1957, S.46.
21) Arthur von Lüttwitz: Invasionsversuche in England. In: Militär-Wochenblatt 81/1896, Sp. 87-93 und 123-130 sowie Arthur von Lüttwitz: Deutsche Seepolitik und Seestrategie. In: Militär-Wochenblatt 81/1896, Sp. 2539-2550 und 2564-2577. Dazu auch Matthew Seligmann/Frank Nägler/Michael Epkenhans: The naval route to abyss. The Anglo-German Naval Race 1895-1914. Farnham 2015, S.109f. und Alfred Vagts: The Military Attaché. Princeton 1967, S.153 und 313. Vagts verwechselt Arthur von Lüttwitz allerdings mit dessen Cousin Walther von Lüttwitz, indem er ihn mit den Vorgängen des „Kapp-Putsches“ von 1920 in Verbindung bringt.
22) GStA-PK, VIII. HA, Slg. Priesdorff, Nr. 651.
23) Zu seiner Tätigkeit in Sankt Petersburg und im Generalstab siehe Grawe: Deutsche Feindaufklärung, S.68 sowie 125-150.
24) Colmar von der Goltz betonte, Lüttwitz nehme „die Dinge nicht so tragisch ernst“. „Wir gehen im Temperament vortrefflich zusammen.“ Zitiert nach: Carl Alexander Krethlow: Generalfeldmarschall Colmar Freiherr von der Goltz Pascha. Eine Biographie. Paderborn 2012, S.428. Auch Krethlow verwechselt Lüttwitz allerdings mit dessen Cousin Walther. Adolf Wild von Hohenborn, der 1915 zum preußischen Kriegsminister avancierte und in Belgien eine härtere Besatzungspolitik favorisierte, freute sich allerdings über den Weggang der beiden Militärs: „Daß Goltz nach der Türkei als Fetisch geht, freut mich sehr, weil ich ihn von dem Gouverneursposten in Belgien los bin. Diese Märchentante als Gouverneur und Lüttwitz in seiner Aalglattheit als Chef des Stabes war eine zu harmonische, aber auch zu schlappe Ehe.“ Schon zuvor hatte er Lüttwitz als „zu weich“ charakterisiert. Zitiert nach: Adolf Wild von Hohenborn: Adolf Wild von Hohenborn. Briefe und Tagebuchaufzeichnungen des preußischen Generals als Kriegsminister und Truppenführer im Ersten Weltkrieg. Hrsg. von Helmut Reichold. Für die Veröffentlichung vorbereitet von Gerhard Granier. Boppard am Rhein 1986, S.38 und 42.
25) Zur militärischen Laufbahn von Lüttwitz siehe „Lebenslauf und militärischer Werdegang“, BArch, N 887/9; Hanns Möller-Witten: Geschichte der Ritter des Ordens „pour le mérite“ im Weltkrieg. Bd. 1. Berlin 1935, S.711-713 und Karl-Friedrich Hildebrand/Christian Zweng: Die Ritter des Ordens Pour le Mérite des I. Weltkriegs, Bd. 2 (H-O). Erstmalig mit Foto, Verleihungsbegründung, Dienstlaufbahn, Beförderungen und verliehenen Orden. Bissendorf 2003, S.388-390.
26) Siehe die umfangreichen Telegramme Bredows in PA-AA, Afrika Generalia 13 Nr. 2, Bd. 1-8, R 14771 bis R 14778.
27) Peter Winzen: Das Kaiserreich am Abgrund. Die Daily-Telegraph-Affäre und das Hale-Interview von 1908. Darstellung und Dokumentation. Stuttgart 2002, S.199.
28) „Aus einem bewegten Soldatenleben“, Bd. IV, BArch, N 887/4, S.435. In den dargestellten Berichten von Lüttwitz spiegelt sich der Auftrag Schlieffens jedoch nicht wider.
29) Ebenda, S.432f. Ein anderes Datum, nämlich den 6. November, nennt Elisaveta Kandyba-Foxcroft: Russia and the Anglo-Boer War, 1899-1902. Roodepoort 1981, S.142.
30) So betonte der deutsche Botschafter in London, Paul von Hatzfeld, in einem Schreiben an den Wirklichen Geheimen Legationsrat im Auswärtigen Amt, Friedrich von Holstein: „Ihnen gegenüber bemerke ich aber dazu (und stelle anheim, dies Graf Bülow zu sagen), daß Herr von Lüttwitz in seiner friedlichen Auffassung der Sachlage noch weiter geht, als ich es für richtig halte.“ Zitiert nach: Paul von Hatzfeldt: Botschafter Paul Graf von Hatzfeldt. Nachgelassene Papiere 1838-1901. Zweiter Teil. Hrsg. von Gerhard Ebel in Verbindung mit Michael Behnen. Boppard am Rhein 1976, S.1242.
31) Schmidl: Der Zweite Anglo-Burenkrieg, S.183.
32) Wie in vielen anderen europäischen Armeen herrschte auch in der britischen Armee die Ansicht vor, die Offensive sei der Defensive moralisch überlegen und bilde daher den einzigen Weg zum Sieg auf dem Schlachtfeld. Siehe Stephen van Evera: The Cult of the Offensive and the Origins of the First World War. In: International Security 9/1984, S.58-107.
33) Es handelte sich dabei um den US-Amerikaner Stephen L‘Hommedieu Slocum, den Franzosen Albert d‘Amade, den Österreicher Robert Trimmel, den Italiener Domenico Gentilini und den Russen Pavel Stachowitsch. Im weiteren Verlauf des Feldzugs kamen noch der Spanier Don Augusto Esteban y Larzabal, der Japaner Hachiro Hiraoka und der Türke Aziz Bey hinzu. Auf Seiten der Buren beteiligten sich zudem auch niederländische und norwegische Offiziere an der Beobachtung der Kampfhandlungen. Stone/Schmidl: The Boer War and military reforms, S.322-326. Der deutsche Generalstab erhielt zudem durch den Truppengeneralstabsoffizier von Reitzenstein, der sich als Freiwilliger auf den Kriegsschauplatz begeben hatte, auch Nachrichten von der burischen Partei. Siehe Hahnke an Bülow, 22. Dezember 1899, PA-AA, Afrika Generalia 13 Nr. 2a, Bd. 1, R 14781 und Paul von Lettow-Vorbeck, Lebenserinnerungen, 1955, BArch, N 103/24, Bl. 82.
34) Stone/Schmidl: The Boer War and military reforms, S.192.
35) Zur Person Bullers und seiner Operationsführung siehe Ian F. Beckett: Buller and the Politics of Command. In: John Gooch (Hrsg.): The Boer War. Direction, experience and image. London, Portland 2000, S.41-55.
36) Die überstürzten britischen Versuche, die eingekesselten Städte zu entsetzen, waren in der „black week“ im Dezember 1899 wiederholt gescheitert, wobei die britische Armee hohe Verluste gegen die taktisch geschickt agierenden Buren erlitt. Zur ersten Phase des Krieges siehe Pakenham: The Boer War, S.151-382 und Bossenbroek: Tod am Kap, S.197-302.
37) Zur zunehmenden Unzufriedenheit der Attachés siehe auch Kandyba-Foxcroft: Russia and the Anglo-Boer War, S.143-147.
38) Zu Roberts siehe William Henry Hannah: Bobs, Kipling‘s General. The Life of Field-Marshal Earl Roberts of Kandahar, V.C. London 1972 und Tony Heathcote: The British field marshals 1763-1997. A biographical dictionary. London 1999, S.246-250.
39) Zum zeitlichen Ablauf der Beobachtungsmission der ausländischen Militärattachés siehe auch Stone/Schmidl: The Boer War and military reforms, S.191-199.
40) Zur zweiten Phase des Krieges siehe Pakenham: The Boer War, S.383-573 und Bossenbroek: Tod am Kap, S.303-380.
41) Schmidl: Der Zweite Anglo-Burenkrieg, S.184.
42) „Aus einem bewegten Soldatenleben“, Bd. V, BArch, N 887/5, S.493 und 637.
43) Stone/Schmidl: The Boer War and military reforms, S.193.
44) „Aus einem bewegten Soldatenleben“, Bd. V, BArch, N 887/5, S.575-582 sowie 584-587. Lüttwitz verfasste über das Gespräch mit Rhodes einen ausführlichen Bericht, den die Militärbehörden auch an das Auswärtige Amt weiterreichten. Vagts: The Military Attaché, S.110, Anm. 2.
45) „Aus einem bewegten Soldatenleben“, Bd. V, BArch, N 887/5, S.619f.
46) Ebenda, S.663.
47) Ebenda, S.600 und 629f. Zu Nix siehe auch de Jong: Verslae van neutrale Militere Waarnemers (Asselbergs).
48) „Aus einem bewegten Soldatenleben“, Bd. V, BArch, N 887/5, S.651f. Bei Typhus handelt es sich um eine bakterielle Erkrankung der Verdauungsorgane, die mit Fieber und Diarrhöe einhergeht und besonders zu damaliger Zeit häufig tödlich verlief. Schmidl: Der Zweite Anglo-Burenkrieg, S.188, Anm. 17.
49) Rose: „Unsichtbare Feinde“, S.217 und Eberspächer: „Albion zal hier ditmaal zijn Moskou vinden!“, S.188f.
50) Schmidl: Der Zweite Anglo-Burenkrieg, S.184.
51) Zum Guerillakrieg siehe Fransjohan Pretorius: The Experience of the Bitter-ender Boer in the Guerrilla Phase of the South African War. In: John Gooch (Hrsg.): The Boer War. Direction, experience and image. London, Portland 2000, S.166-186.
52) Rose: „Unsichtbare Feinde“, S.229. Die „Konzentrationslager“ sind trotz ihrer Namensgleichheit allerdings nicht mit den Vernichtungslagern des nationalsozialistischen Deutschen Reichs gleichzusetzen. Siehe dazu Jonas Kreienbaum: „Ein trauriges Fiasko“. Koloniale Konzentrationslager im südlichen Afrika, 1900-1908. Hamburg 2015 und Andrzej Józef Kamiński: Konzentrationslager 1896 bis heute. Geschichte, Funktion, Typologie. München 1990, S.34-39.
53) Schmidl: Der Zweite Anglo-Burenkrieg, S.187.
54) Ebenda, S.184.
55) Zur Rolle der indigenen afrikanischen Bevölkerung während des Krieges siehe William Nasson: Africans at War. In: John Gooch (Hrsg.): The Boer War. Direction, experience and image. London, Portland 2000, S.126-140 und John Laband: Zulus and the War. In: John Gooch (Hrsg.): The Boer War. Direction, experience and image. London, Portland 2000, S.107-125.
56) Schmidl: Der Zweite Anglo-Burenkrieg, S.186f.
57) Im Jahr 1910 schlossen sich schließlich die Kapkolonie, Natal und die beiden Burenrepubliken zur „südafrikanischen Union“ zusammen, die den Status eines „Dominion“ erhielt. Eberspächer: „Albion zal hier ditmaal zijn Moskou vinden!“, S.190.
58) „Aus einem bewegten Soldatenleben“, Bd. V, BArch, N 887/5, S.689f.
59) Curt von Lindenau: Was lehrt uns der Burenkrieg für unseren Infanterieangriff? Vortrag, gehalten in der Militärischen Gesellschaft zu Berlin am 5. März 1902. Berlin 1902.
60) „Aus einem bewegten Soldatenleben“, Bd. V, BArch, N 887/5, S.698f.
61) Lüttwitz an seine Frau, „Aus einem bewegten Soldatenleben“, Bd. V, BArch, N 887/5, S.652.
62) Siehe dazu ebenda, S.645.
63) Ebenda, S.651.
64) Zum preußisch-deutschen Offizierskorps vor dem Ersten Weltkrieg siehe Wilhelm Deist: Zur Geschichte des preußisch-deutschen Offizierkorps 1888-1918. In: Hanns Hubert Hofmann (Hrsg.): Das deutsche Offizierkorps, 1860-1960. Boppard am Rhein 1980, S.39-58.
65) Eberspächer: „Albion zal hier ditmaal zijn Moskou vinden!“, S.191.
66) Stachowitsch (1862-193?) stieg bis zum Generalleutnant auf und beteiligte sich auch am russisch-japanischen Krieg sowie am Ersten Weltkrieg. Nach der russischen Revolution emigrierte er in den Westen. Zu Stachowitsch und seiner Berichterstattung siehe de Jong: Reports of Neutral Military Observers (Russian Attachés); Kandyba-Foxcroft: Russia and the Anglo-Boer War, v.a. S.141-154; Shubin: Russian perceptions of the Boer and British Armies und Apollon Davidson/Irina Filatova: The Russians and the Anglo-Boer War 1899-1902. Kapstadt, Pretoria, Johannesburg 1998. Andere Informationen liefert Stone/Schmidl: The Boer War and military reforms, S.322.
67) Albert d’Amade (1856-1941) diente nach seiner Zeit in Südafrika u.a. als Militärattaché in London, als Mitarbeiter des Deuxième Bureau und als Befehlshaber der französischen Streitkräfte in Marokko. Während des Ersten Weltkriegs befehligte er u.a. das französische Landungsdetachement bei Gallipoli. Siehe Spencer C. Tucker: World War I: The Definitive Encyclopedia and Document Collection. Vol. 1. Denver, Colorado, Oxford 2014, S.82f. und Stone/Schmidl: The Boer War and military reforms, S.322.
68) Stephen L‘Hommedieu Slocum (1859-1933) diente während des Ersten Weltkriegs als Verbindungsoffizier an der amerikanischen Botschaft in London. Seine Berichte aus dem Burenkrieg sind teilweise abgedruckt in: War Department (Hrsg.): Boer War Operations in South Africa 1899-1901. Extracts from the reports of Captain S. l’H. Slocum and Captain Carl Reichmann. Mellville 1988. Zu seiner Dienstlaufbahn siehe Stone/Schmidl, The Boer War and military reforms, S.322.
69) Domenico Augusto Gentilini (1862-1907) galt als Experte für militärtechnische Fragen. Aus gesundheitlichen Gründen musste er bereits 1904 aus der Armee ausscheiden. Er starb 1907 an den Folgen einer Typhus-Erkrankung, die er sich während des Burenkriegs zugezogen hatte. Ebenda, S.322.
70) Robert Trimmels (1870-1958) Berichte stießen im österreichisch-ungarischen Generalstab auf wenig Interesse, was den Offizier zeitlebens belastete. Er stieg später bis zum Generalmajor auf und erlitt in den ersten Monaten des Ersten Weltkriegs einen Nervenzusammenbruch, da er sich für die hohen Verluste der k.u.k. Truppen mitverantwortlich fühlte. Anschließend befehligte er verschiedene Verbände an der Italienfront. Zu Trimmels Dienstlaufbahn und seiner Berichterstattung aus dem Burenkrieg siehe ebenda, S.189-221.
71) Don Augusto Esteban y Larzabal (1855-1918), spanischer Beobachter des Burenkriegs, galt in seiner Heimat als Artillerieexperte. Peter B. Boyden/Marion Harding/Alan J. Guy (Hrsg.): Ashes and blood. The British Army in South Africa, 1795-1914. Chelsea 1999, S.482 und Stone/Schmidl: The Boer War and military reforms, S.323.
72) Zu den Denkschriften des deutschen Generalstabs, die teilweise sehr stark von Stereotypisierungen durchzogen werden, siehe Grawe: Deutsche Feindaufklärung, passim.
73) Lüttwitz, „Aus einem bewegten Soldatenleben“, Bd. V, N 887/5, S.459-462.
74) Stone/Schmidl, The Boer War and military reforms, S.195.
75) de Jong: Reports of Neutral Military Observers (Russian Attachés), S.11.
76) War Department (Hrsg.): Boer War Operations in South Africa, S.37.
77) Slocum betont: „A careful study of the war in South Africa by European powers, showing, as it does, the great possibilities of the defensive with smokeless powder, magazines, rifles, and increased artillery range, will do more to preserve the peace of Europe than a hundred Hague conventions.“ Ebenda, S.81.
78) Stone/Schmidl, The Boer War and military reforms, S.201-204.
79) de Jong: Reports of Neutral Military Observers (Russian Attachés), S.8.
80) War Department (Hrsg.): Boer War Operations in South Africa, S.79.
81) Stone/Schmidl, The Boer War and military reforms, S.208f.
82) de Jong: Reports of Neutral Military Observers (Russian Attachés), S.15f. und Lüttwitz, „Aus einem bewegten Soldatenleben“, BArch, N 887/5, S.567-572.
83) Lüttwitz, „Aus einem bewegten Soldatenleben“, Bd. V, BArch, N 887/5, S.630-632.
84) War Department (Hrsg.): Boer War Operations in South Africa, S.35.
85) Ebenda, S.38.
86) Vorwort von Lüttwitz, „Aus einem bewegten Soldatenleben“, Bd. I, BArch, N 887/1, S.1.