Österreichische Militärische Zeitschrift

 

Die Österreichische Militärische Zeitschrift (ÖMZ) ist mit ihrem Gründungsdatum 1808 das weltweit älteste[1] gesamt-militärwissenschaftliche Fachperiodikum. Sie bietet Analysen in ihren Kernbereichen Sicherheits-, Verteidigungs- und Rüstungspolitik, Kriegstheorie einschließlich Polemologie, Strategie und operative Führung.

Die Zeitschrift ist ein Organ des österreichischen Bundesheeres und erscheint in deutscher Sprache im zweimonatigen Rhythmus. Die ÖMZ hat eine Auflagenstärke von 4.500 Stück pro Ausgabe, kann auf 3.353 Abonnements verweisen, wird in der Druckausgabe vor allem im deutschsprachigen Raum gelesen und erfreut sich darüber hinaus auch einer zwar hinsichtlich der Stückzahlen begrenzten, aber doch weltweiten Verbreitung.

Medieninhaber ist die Republik Österreich, der Herausgeber ist das Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport.

Mit dem Internet-Auftritt soll nunmehr die Reichweite der Zeitschrift erhöht, damit eine Überschreitung der Sprachbarriere ermöglicht und eine Plattform für einen internationalen militärwissenschaftlichen Austausch im Bereich europarelevanter, sicherheitsaspektierter Themen geboten werden.

Geschichte der Zeitschrift

Nach den verheerenden Niederlagen des österreichischen Kaiserstaates 1805 gegen Napoleon schien eine Neuausrichtung der österreichischen Streitkräfte unausweichlich, wollte man die Wahrscheinlichkeit einer neuerlichen Niederlage gegen Napoleon herabsetzen. Treibende Kraft dieser Neugestaltung nicht nur des Heer-, sondern des gesamten Staatswesens war Erzherzog Karl von Österreich-Teschen, der am 9. Januar 1801 zum Hofkriegsratspräsidenten ernannt worden war.
 

Der Erzherzog startete ein ehrgeiziges Reformprogramm zur Reorganisation der Armee[2] und zur Umgestaltung des Hofkriegsrates in ein modernes Kriegsministerium. In einer Eingabe an seinen Bruder Kaiser Franz II./I. empfahl er die Einrichtung einer militärwissenschaftlichen Forschungs­einrichtung. So wurde aus dem Archiv des Hofkriegsrates, dem 1711 eingerichteten "Hofkriegs­räthlichen Kanzleiarchiv", das "Kriegsarchiv", das neben seiner Aufgabe des Sammelns, Erschließens und Ordnens auch die Tradition der österreichischen Militärgeschichtsschreibung und -forschung übernahm.

Dazu schuf Erzherzog Karl von Österreich ein eigenes Publikationsorgan, die "Österreichische Militärische Zeitschrift", die erstmals am 1. Januar 1808 unter der Leitung des Archivdirektors Feldmarschallleutnant Moritz Gomez de Parientos (1744 - 1810) erschien und mit Unterbrechungen (zum Beispiel in Kriegszeiten) fortlaufend bis heute weitergeführt wird [3]

Bedeutung, Wesen und Wirkung, Zielsetzung

Im Rahmen der militärwissenschaftlichen Forschung in Österreich hat es sich die ÖMZ zur leitenden Aufgabe gemacht, über sicherheitspolitisch und militärstrategisch relevante Entwicklungen, Forschungsergebnisse sowie Ableitungen – wo möglich auch Prognosen – zu informieren und wissenschaftlichen Qualitätskriterien entsprechende Beiträge als Basis für die höhere militärische Führungsausbildung und als Unterstützung für laufende Unternehmensentscheidungen zu erzeugen und anzubieten.

Militärgeschichtliche Beiträge werden auf operativ nutzbare Ableitungen hin ausgerichtet. Zu diesem Zweck werden aus der Analyse geschichtlicher Ereignisse oder Entwicklungen allgemeine, aus den historischen Rahmenbedingungen herausgehobene Funktionsprinzipien abstrahiert, die nach entsprechender Adaptierung auf aktuelle militärische Problemstellungen angewandt werden können.

Im Sinne der Kriegsursachenforschung als einem konstitutiven Teilaspekt des interdisziplinären Faches der Polemologie[4] werden für die Entstehung von Krisen und Konflikten relevante Zusammen­hänge sowie Wechselwirkungen erfasst und systematisch analysiert, um damit einen Beitrag zur leitenden Zielsetzung der Kriegsverhinderung leisten zu können.

Die ÖMZ erstellt begleitende Publikationen zu aktuellen Forschungs- und Kooperationsvorhaben des Verteidigungsministeriums und macht die Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeiten, v.a. Ressortangehöriger, einem in der Regel hoch qualifizierten, internationalen Fachpublikum zugänglich.

Es gilt die Maxime, auch kontroversielle, perspektivische Sichten bezüglich eines Themas zuzulassen bzw. bewusst zu suchen, um dem Leser die Bewertung der dargelegten Argumentationslinien selbst zu überlassen und ihm über diesen „dialektischen“ Ansatz ein tieferes Eindringen in die Problematik zu ermöglichen.

Die jährliche Evaluierung mithilfe eines selbst entwickelten Steuerungsinstrumentes erlaubt es, die Zeitschrift auf die definierten thematischen Schwergewichte und das angestrebte Verhältnis zwischen den Hauptkategorien Politik, militärische Kernthemen, Historie, Recht und weitere Wissenschaftszweige sowie zwischen deren Unterkategorien hin auszurichten. Es können damit die Entwicklung der Themen und Autoren nachverfolgt bzw. gezielt nachgesteuert werden. Bisher konnte damit erreicht werden, dass sich bei einem gesamtheitlich gleich gebliebenen Anteil militärhistorischer Substanz, die Anzahl der militärhistorischen Beiträge erhöht hat, denen durch eine angeschlossene operative Ableitung praktische Nutzanwendung beschert wurde. Darüber hinaus konnte auch die Zahl der Autoren gesteigert werden, die über eine höhere wissenschaftliche bzw. akademische Qualifikation verfügen.

 

Das Peer-Review-Verfahren

Im Hinblick auf die Qualitätssicherung und die Objektivierung des internationalen Stellenwertes der ÖMZ als einem militärwissenschaftlich-polemologischen Fachperiodikum, und um den in der ÖMZ publizierenden Autoren einen entsprechenden wissenschaftlichen Anerkennungswert zu sichern, kommt seit dem Jahr 2013 ein „Peer-Review“-Verfahrens für, ausgewählte, nicht zeitkritische Einzelbeiträge zur Anwendung.

Dieses Verfahren soll auch zur Unterstützung junger Autoren dienen, die eine weiterführende wissenschaftliche Karriere verfolgen.

Der Themenkanon

Der derzeitige Themenkanon umfasst folgende inhaltliche Haupt- und Unterkategorien:

  • Politik

-          Politik allgemein

-          Sicherheitspolitik

-          Militär- / Verteidigungspolitik

-          Geopolitik / Geostrategie

-          Rüstungspolitik

-          Terrorismus

  • Militärische Kernthemen (ohne Militärhistorie)

-          Strategie (Doktrinen, Konzepte, Weißbuch)

-          Operative Führung (inklusive Logistik)

-          Psychologische Kriegführung, Informationskriegführung

-          Führung allgemein (inkl. Lehre und Führungsausbildung), innere Führung, Einsatz

-          Ausbildung allgemein (inklusive tertiäre Bildung)

-          Streitkräftestruktur, -planung und Organisationsentwicklung

-          Rüstung & Beschaffung

-          Kommunikation und Wehrpolitische Bildung

-          Kriegstheorie und Polemologie/Kriegsursachenforschung

-          Wehrethik

  • Historie (Militärhistorie inkl. jüngere Geschichte)
  • Recht (Staats- und Völkerrecht, Rechtsaspekte internationaler Operationen)
  • Andere Wissenschaftszweige

-          Wissenschaft allgemein, Research & Development (R&D bzw F&E), Technologie, Wissenschaftsmethodik

-          Wirtschaft und Finanz, Betriebswirtschaft

-          Psychologie, Soziologie, interkulturelle Kompetenz

-          Philosophie (exkl. Wehrethik)

 

Der Sprung zum militärwissenschaftlichen Akteur

Über die Synergie aus den folgenden Ansätzen, soll das Periodikum vom „Reproduzenten“ von Wissen zu einem auch inhaltsgenerierenden militärwissenschaftlichen Akteur, und so zu einem glaubhaften „Botschafter“ einer europäisch orientierten, modernen Militärwissenschaft aufwachsen.

  • die Präsentation von Forschungsergebnissen der ÖMZ bei Veranstaltungen und Ausbildungs­vorhaben der österreichischen Landesverteidigungsakademie und auch bei internationalen militärwissenschaftlichen Symposien,
  • die Leitung von Forschungsprojekten die zu Artikelserien über komplexe, militärisch relevante Themenbereiche führen,
  • die Schaffung eines österreichischen militärwissenschaftlichen Internet-Auftrittes mit der Ent-wicklungsmöglichkeit zu einer Publikations-/Diskussionsplattform mit europäischer Reich­weite,
  • die Durchführung eines Peer-Review-Verfahrens zur Hebung des wissenschaftlichen Qualitätsanspruches und
  • ein verstärktes Engagement im Rahmen der European Military Press Association (EMPA).

Digitale Version - Bestellmöglichkeit

Die Jahresausgaben von 2004 bis zum letzten vollen Publikationsjahr können auch als CD über die Redaktion bestellt werden. 

Internet-Auftritt

Die übergeordnete Zielsetzung des Internet-Auftrittes ist die Schaffung einer militärwissenschaftlichen Plattform zur Publikation, zum internationalen Austausch und zur Diskussion von Beiträgen zu europarelevanten, sicherheitsaspektierten Themenstellungen.

Auf dieser Homepage werden sowohl ausgewählte, vorwiegend dem Peer-Review-Verfahren unterzogene, Inhalte der Printausgabe als auch darüber hinausgehende Beiträge zunächst in deutscher und englischer, später ebenfalls in französischer Sprache über das World Wide Web angeboten.

Dieser Internetauftritt soll die Printausgabe nicht ersetzen oder konkurrenzieren, sondern sie ergänzen und ihr zu einer über den deutschen Sprachraum hinausgehenden Reichweite verhelfen.

Die ÖMZ soll damit zu einem internationalen, inhaltsgenerierenden, wissenschaftlichen Journal aufwachsen, dessen Reichweite über den deutschsprachigen Raum hinausreicht.

Durch die Möglichkeit der Veröffentlichung in englischer, später ebenfalls französischer Sprache soll die ÖMZ als wissenschaftliches Journal auch für internationale Autoren interessant werden.

Dadurch könnten internationale Kooperationen im Forschungs- und Bildungsbereich angestoßen und eine Plattform für europarelevante, sicherheitsaspektierte, insbesondere aber militärwissenschaftliche Themenbereiche angeboten werden. 

 

Literatur

  • Carl Zitterhofer: Streffleurs Militärische Zeitschrift 1808-1908. Eine Geschichte dieser Zeitschrift anläßlich ihres 100jährigen Bestehens mit einem Generalregister der Militärischen Zeitschrift 1808-1907 und des Organs 1870-1906. Seidel und Sohn, Wien 1908 (Nachtrag 1908-1912, Wien 1913).
  • Horst Pleiner: Die Österreichische Militärische Zeitschrift - Ein historischer Rückblick von den Anfängen bis zur Gegenwart. In: Österreichische Militärische Zeitschrift - Festschrift anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Österreichischen Militärischen Zeitschrift. Sonderheft Wien 2008.


Anmerkungen:

[1]        Sogar das Royal United Services Institute – Journal (RUSI) ist jünger als die ÖMZ. Der Ursprung des Instituts lässt sich bis zu einem Appell im Jahre 1829 zurückverfolgen, mit dem ein „strictly scientific and professional approach to the study of military affairs“ gefordert wurde (14. Sept. 2011). Die eigentliche Gründung durch den Duke of Wellington erfolgte im Jahre 1831 (14. Sept. 2011). Die Publikation wird im Jahre 1857 aufgenommen (14. Sept. 2011).

[2]       Vgl. Horst Pleiner: Die Österreichische Militärische Zeitschrift. - Ein historischer Rückblick von den Anfängen bis zur Gegenwart. In: Österreichische Militärische Zeitschrift – Festschrift anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Österreichischen Militärischen Zeitschrift. Sonderheft, 2. Auflage, Wien 2008. S. 40

[3]       Vgl. Horst Pleiner: Die Österreichische Militärische Zeitschrift. - Ein historischer Rückblick von den Anfängen bis zur Gegenwart. In: Österreichische Militärische Zeitschrift – Festschrift anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Österreichischen Militärischen Zeitschrift. Sonderheft, 2. Auflage, Wien 2008. S. 40 ff.

[4]       Der Begriff der Polemologie wurde vornehmlich von dem französischen Soziologen Gaston Bouthoul geprägt, der ihn, ähnlich wie sein Kollege Julien Freund, in der Wissenschaft bekannt machte. Es handelt sich dabei wiederum um ein Teilgebiet der Theorie der Internationalen Beziehungen, das vornehmlich die Gründe der Entstehung von Kriegen (bzw. Konflikten), ihre Funktionsweise, den sozialen Wandel im Kriege und die Konsequenzen von Kriegen untersucht, wobei Methoden verschiedener Fachrichtungen zum Tragen kommen. Vgl. Polémologie (24. Jan. 2012); Polemologie (24. Jan. 2012); (19. Jan. 2012). Siehe zu dieser Thematik auch: Paul Ertl / Jodok Troy (Hrsg.): Der Feind – Darstellung und Transformation eines Kulturbegriffs. Band 1: Grundlagen des Feindbegriffs und aktuell wirksame Feindkonzepte. 2., überarbeitete Auflage, Wien 2009; Band 2: Ausgewählte Bereiche der Feindkonzeption. 2., überarbeitete Auflage, Wien 2009 (= Schriftenreihe der Landesverteidigungsakademie; 1/2008 und 2/2008).