Widerstreitende Interessen und Strategien im Hohen Norden im 21. Jahrhundert

Laura Ohlendorf

 

Wer hätte gedacht, dass sich ernsthaft jemand wegen der Arktis streiten wird? Die erste Assoziation, die sich einem beim Hohen Norden und den fernen arktischen Gewässern aufdrängt, ist doch die einer einsamen Eiswüste. Nicht einmal wirklich Land gibt es dort oben. Was hat sich geändert, dass wir uns für dieses Thema erwärmen? Die immer kleiner werdenden Eisschollen haben nicht nur zu traurigen Eisbärblicken geführt, sondern vor allen Dingen zu glänzenden Augen bei Nutzenmaximierern. Natürlich erzeugte das auch Betroffenheit. Aber wenn wir alle nur das Wohl des arktischen Lebensraumes im Blick hätten, dann würde es doch keinen Widerstreit geben, oder? Dass es widerstreitende Interessen und Strategien im Hohen Norden gibt, ist aber unbestritten. Allein der medienwirksame Streit um den Nordpol zeigt, dass sich nicht alle Akteure am Polarkreis freundlich zunicken.1) Sogar über die Militarisierung des Hohen Nordens wird gesprochen. Das lässt uns hier in den mittleren Breiten aufhorchen, denn zu den widerstreitenden Parteien gehört Russland. Dass Russland unter Putin gerne auch nationale Interessen mit Mitteln jenseits diplomatischer Verhandlungen durchsetzt, hat die „Landgewinnung“ auf der Krim gezeigt. Es stellt sich die Frage: Wird es zu einer Militarisierung des Hohen Nordens kommen? Sind die Interessen im Hohen Norden so wichtig, dass sie zur Strategie führen: „Meins, mit allen Mitteln“? Wird die kalte Nordflanke also bald heiß?

Ein Stück Nordpol, bitte!

Im Folgenden wird der so genannte „Wettlauf“ um den Hohen Norden dargestellt. Zuerst wird die Bühne „Arktis“ beleuchtet: Wie sieht das Miteinander am Nordpol aus? Wer sind die arktischen Akteure, wo divergieren ihre Interessen und Strategien, gibt es bereits Militärpräsenz am Polarkreis? Bei all dem viel zitierten Kampf um Ressourcen soll ein Faktor nicht außer Acht gelassen werden: Identität und deren nationalistische Instrumentalisierung.
Dann werden die gewonnenen Erkenntnisse bewertet. Kann von einer Militarisierung, einer Aufrüstung der Arktis gesprochen werden? Welchen Einfluss hat hier Symbolpolitik? Kann ein Konflikt in einer militärischen Eskalation enden?
Abschließend wird gefolgert: Wie kann eine zukünftige arktische Sicherheitsarchitektur aussehen und welche Implikationen ergeben sich für die sicherheitspolitische Positionierung Deutschlands?

Der Wettlauf um den Hohen Norden - Konfliktlinien in der Arktis

Der Hohe Norden - eine neue Bühne in den internationalen Beziehungen

Von grundlegendem Interesse ist: Wie sieht die Bühne aus, auf der sich die politischen Akteure im Hohen Norden begegnen? Welche Farbe haben die internationalen Beziehungen hier, in diesem lange vernachlässigten Raum? Ein pessimistisches Schwarz der Neorealisten, die das Recht des Stärkeren als bestimmenden Faktor sehen?2) Ein optimistischeres, helles Orange der Institutionalisten, die an die Vernunftbegabtheit der Menschen glauben und an den Einfluss internationaler Institutionen?3) Oder eher ein nüchternes Grau der liberalen Intergouvernementalisten, die die Staaten als abwägende, egoistische Nutzenmaximierer sehen, deren Präferenzen letztendlich über ihr Verhalten in der internationalen Politik entscheiden?4)
Fakt ist, die Arktis ist kein rechtsfreier Raum, in dem jeder tun und lassen kann, was er will. Wie bereits bemerkt, handelt es sich hauptsächlich nicht um Land, sondern um Wasser. Die Spielregeln finden sich also im internationalen Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (SRÜ). Das haben alle Akteure, bis auf die USA, ratifiziert. Der US-Senat verhinderte bislang eine Ratifizierung. Im SRÜ sind die seewärtigen Grenzen der Meeresanrainerstaaten definiert. Bis zu zwölf Seemeilen von Land haben die Anrainerstaaten Hoheitsrechte, also die gleichen Rechte wie an Land. Danach kommen 200 Seemeilen, in denen die Staaten ausschließliche Wirtschaftsrechte haben. Hier geht es um die Ausnutzung der natürlichen Ressourcen.5) Und gerade sehr große, noch unerschlossene Ressourcenvorkommen werden im Bereich der Arktis vermutet.6) Daher prophezeite die Medienlandschaft für die Arktis einen „Wettlauf um Bodenschätze“.7)
Auf den ersten Blick scheinen jedoch die territorialen Zuständigkeiten geregelt zu sein. Eine Klausel des Seerechtsübereinkommens ermöglicht aber die Erweiterung der Seegrenzen: Wer nachweisen kann, dass der an die 200-Seemeilen-Zone angrenzende Meeresboden zum eigenen Festlandsockel gehört, darf die ausschließliche Wirtschaftszone erweitern: von 200 auf 350 Seemeilen.8) Die Entscheidung über die Anträge trifft die zu den Vereinten Nationen gehörende Festlandsockelgrenzkommission (FSGK).9) Hier haben bereits Arktisanrainer Anträge eingereicht, um ein Stück vom Nordpol zu bekommen.
Neben dem internationalen Recht gibt es eine internationale Institution, die sich der Arktis widmet: der Arktische Rat. Ein Forum, geschaffen, um die internationale Zusammenarbeit im Hohen Norden zwischen den arktischen Anrainerstaaten zu erleichtern.10)
Entdecken wir hier also einen orangen Schein auf der Arktisbühne? Existiert hier die regulierende Kraft von Institutionen und Recht? Die Anhänger neorealistischer Theorien der internationalen Beziehungen würden jetzt aber darauf verweisen, dass der Arktische Rat keine verbindlichen Entscheidungen fällt. Es gilt das Konsensprinzip. Mitspracherecht haben nur die arktischen Anrainerstaaten. Sicherheitspolitische Themen sind ausgeschlossen.11) Des Weiteren fehlt eine Sanktionsinstanz. Eine Instanz, die garantiert, dass sich auch alle an das Recht und die getroffenen Entscheidungen halten. Diese gibt es weder beim Arktischen Rat noch bei der FSGK. Daher war auch die Aufregung sehr groß, als ein kleines U-Boot 2007 die russische Flagge auf dem Meeresboden des Nordpols platzierte. Dieser Vorfall vermittelt den Eindruck, als herrsche doch das Recht des Stärkeren auf der arktischen Politikbühne.
Tatsächlich halten sich aber bislang alle an das vereinbarte Recht. Russland relativierte die Flaggenstockaktion und schickt seine Forschungsteams los um nachzuweisen, dass der russische Festlandsockel sich bis zum Nordpol erstreckt.12)
Aber was würde passieren, wenn das Ergebnis der Kommission nicht zu Russlands Gunsten ausfällt? Hält sich dann immer noch Russland, unter Putin, an die internationalen Vereinbarungen? Oder bricht das Eis dann an dieser Konfliktlinie? Hier legt sich ein Grau über die Arktis - und nährt die Ansicht der liberalen Intergouvernementalisten, dass die internationalen Beziehungen in Konflikt statt Kooperation enden können, wenn die Präferenzen der Staaten unvereinbar sind13) und wenn die Kosten-Nutzen-Rechnung der Staaten aufgeht. Also: Lohnt es sich für mich, mit den anderen Staaten in Konflikt zu geraten, um mein Ziel zu erreichen, mein Interesse durchzusetzen? Daher wird im Folgenden ein Blick auf die Präferenzen der Akteure geworfen. Was wollen sie und warum?

Arktische Akteure - Wer will was?

Wenn man über dem Nordpol schwebt und auf die Erde schaut, sieht man acht Staaten innerhalb des Polarkreises: Grönland (vertreten durch Dänemark), Kanada, die USA, Russland, Norwegen, Island, Finnland und Schweden. Das sind die „Arktischen Acht“. Dabei haben Finnland und Schweden keinen Zugang zum Arktischen Meer, und Island liegt nur knapp innerhalb des Polarkreises. Daher wird gerne eine Abgrenzung durch die „Arktischen Fünf“ vorgenommen, deren Küsten am Nordpolarmeer liegen und die nicht nur mit der Fußspitze über den Polarkreis kommen.14)
Im Folgenden werden konfliktbehaftete, sicherheitspolitisch wichtige Interessen und Strategien dieser Akteure skizziert. Strategie wird dabei verstanden als umfassender, abstrahierter Begriff, als Nutzung aller vorhandenen Möglichkeiten, die einem Staat zur Verfügung stehen, um seine Ziele zu erreichen.15)
Den Nordpol jeweils für sich alleine hätten gerne: Kanada, Dänemark und Russland. Alle drei haben entsprechende Anträge bei der FSGK eingereicht. Dafür sind nachvollziehbare, aussagekräftige Beweise nötig. Der Vermessungsaufwand hierfür ist groß. Klein dagegen wird die Ausbeute sein: Das Meer ist an dieser Stelle zu tief für die Rohstoffnutzung. Wenn, dann gibt es einen symbolischen Gewinn.16) Die Entscheidung der Kommission steht noch aus und wird voraussichtlich noch lange Zeit in Anspruch nehmen.

Dänemark

Dänemark vertritt Grönland in außenpolitischen Belangen und ist dadurch zum arktischen Akteur geworden. Die USA haben einen geostrategisch wichtigen Stützpunkt auf Grönland. Zu bilateralen Spannungen kam es 2015, als statt einer grönländischen eine US-stämmige Betreiberfirma auf der mietfreien Militärbasis eingesetzt werden sollte.17) Ein Wegfall dieses Stützpunktes wäre ein großer Nachteil für die USA, gerade weil Grönland, genau wie Island, eine wichtige geostrategische Bedeutung für die arktischen „lines of communication“ hat und ein „atlantic stepstone“ der NATO ist.
Eine mögliche Konfliktlinie befindet sich aber nicht nur auf zwischenstaatlicher, sondern auch auf innerstaatlicher Ebene. Grönland akzeptiert die außenpolitische Vormundschaft Dänemarks, da die Bevölkerung auf die dänische finanzielle Unterstützung angewiesen ist.18) Was aber, wenn Grönland im Zuge der Erderwärmung auf seinen Ressourcenreichtum zugreifen kann? Eine Unabhängigkeit des Landes mit weniger Einwohnern als Wilhelmshaven, ohne NATO-Mitgliedschaft, trägt eine politische Brisanz in sich.19)

Norwegen

Norwegens schwarzes Nordseegold geht langsam zur Neige. Der wichtigste Industriezweig Norwegens braucht die neuen Rohstofffelder.20) Die Arktis ist offiziell Nummer Eins auf der Prioritätenliste. Der Grenzstreit in der Barentssee mit Russland wurde durch gemeinsame Verhandlungen 2010 gelöst.21) Der Nachbar Russlands setzte lange auf eine bilaterale norwegisch-russische Zusammenarbeit. Im Zuge der Krimkrise wurde dann die militärische Zusammenarbeit mit Russland bis auf Weiteres ausgesetzt.22) Norwegen versucht die Sicherheit in der Arktis zu einem NATO-Thema zu machen. Multi- und bilaterale Kooperation ist die Hauptstrategie Norwegens zur bestmöglichen Nutzenmaximierung.23)

USA

Für die USA schwand die geopolitische Bedeutung der Arktis als Einsatzgebiet strategisch-nuklearer U-Boote nach Ende des Ost-West-Konflikts.24) Doch seit der Krimkrise werden US-Politiker unruhig. Hillary Clinton warnte im April 2014 vor Russlands arktischen Expansionsbestrebungen. Sie forderte einen Schulterschluss mit Kanada gegen Russlands Grenzverschiebungen im Hohen Norden.25)
Der damalige Präsident Barack Obama besuchte Alaska im September 2015. Dies war in der Geschichte der USA ein außergewöhnliches Ereignis. Hier ging es jedoch um den Klimawandel. In dem militärischen Arktisstrategiepapier - der „Arctic Roadmap“ der U.S. Navy - wird die Gefahr eines militärischen Konfliktes in der Region als gering bewertet. Die Marine wird erst 2030 in der Lage sein, vollumfänglich in arktischen Gewässern zu operieren.26) Auf der Agenda Obamas nahm die sicherheitspolitische Dimension der Arktis noch keinen bedeutenden Platz ein. Die Arctic Roadmap wurde jedoch Februar 2014, vor der Eskalation der Krimkrise, veröffentlicht. Dennoch gibt es bislang, auch nicht unter Präsident Donald Trump, eine öffentliche Abkehr von der alten Einschätzung. Ein neues Spannungsfeld eröffnet sich jedoch durch Trumps Interesse an der wirtschaftlichen Ausbeutung der arktischen Gebiete. Seine Administration versucht den durch Obama implementierten gesetzlichen Schutz der arktischen Gewässer rückgängig zu machen.27) Insgesamt betrachtet drängt sich die geopolitische Bedeutung der Region wieder in das amerikanische Bewusstsein.

Kanada

„Our North, Our Heritage, Our Future“ heißt das kanadische Arktis-Strategiepapier.28) In Kanadas Augen gehört die Nordwestpassage zu ihren Hoheitsgewässern. Die kanadische Souveränität soll hier verteidigt werden. Dies seien internationale Gewässer, behaupten die USA und die Europäische Union (EU).29) Nach Russlands Flaggenstockaktion 2007 reagierte Kanadas damaliger Premierminister Stephen Harper mit der Ankündigung, für mehr militärische Präsenz in den arktischen Gebieten zu sorgen.30) Trotzdem verhinderte Kanada 2010, dass die Arktis als NATO-Bündnisgebiet betrachtet wird.31) Ein Grund könnte die Absicht sein, den Einfluss von anderen Staaten in der arktischen Region zu minimieren. Mit Russ­lands Ausbau militärischer Fähigkeiten werden jedoch auch in Kanada selbst Stimmen laut, die ein Gegengewicht durch die NATO fordern.32)
Gleichzeitig bekennt sich Kanada zur Kooperation, Diplomatie und zu internationalem Recht. Wie es auch die anderen Mitglieder der Arktischen Fünf in der Ilulissat-Erklärung von 2008 vereinbarten.33)
Kanada verfolgt die Strategie, deutlich und selbstbewusst klarzustellen, dass der Hohe Norden von bedeutendem nationalen Interesse ist. Um besonders den Souveränitätsanspruch deutlich zu machen, versucht Kanada vor allen Dingen, die eigenen militärischen Mittel und Möglichkeiten zu stärken.34)

Russland

„Die Arktis gehört uns“35) - so kommentierte der Kreml den zweiten, verbesserten Festlandsockel-Antrag vom August 2015. Für Russland ist die Arktis der zukünftige Ressourcenlieferant. Einher mit diesem Antrag gehen eine neue Arktisstrategie und eine neue Marinedoktrin. Ziel ist es, Russlands Seemacht zu stärken. Zu ihrem souveränen Gebiet gehört in russischen Augen die Nordostpassage. Die Nutzung dieses Seeweges ermöglicht die militärische Kräfteverlegung zwischen Pazifik und Atlantik und ist somit von geostrategisch wichtiger Bedeutung. Die Arktis insgesamt zählt nun offiziell zu den wichtigsten Interessen Russlands,36) und die Wichtigkeit dieses Interesses soll anscheinend auch mit harten Fakten untermauert werden. Dies stellt einen Wendepunkt dar: Militärische Machtdemonstration als neue Strategie. Denn bislang hielten viele Beobachter die arktische Bühne für einen Ort des friedfertigen Miteinanders, selbst trotz europäischen Frosts.37) Auch Russland betonte immer wieder die eigene Kooperationsabsicht. Es war sogar die Rede von einer „Arctic Saga“ - friedfertige, produktive und verbindliche Zusammenarbeit durch umfassende Institutionalisierung im Hohen Norden.38) Denn eigentlich haben Alleingänge in der unwirtlichen Gegend geringe Aussichten auf Erfolg, und gerade Russland fehlt die technische Expertise, um ohne Unterstützung an die so wichtigen Ressourcen zu kommen.39)
Russland besitzt mit Abstand die größte arktische Grenze der Anrainerstaaten.40) Aus diesem Grund bewerten andere Stimmen Russlands Ausbau des militärischen Potenzials als Teil des natürlichen Interesses, seine souveränen Grenzen abzusichern, und nicht als Säbelrasseln.41) Im Fall der Nordpolfrage signalisierte Russland die Bereitschaft, bilateral mit Dänemark über den Grenzverlauf zu verhandeln.42) Also doch Gesprächsbereitschaft im Rahmen des internationalen Rechts? Während der Arctic Circle Conference 2015 in Reykjavik wurde zudem der Wille zur internationalen Kooperation immer wieder bekräftigt und als alternativlos beschrieben.43) Die Einschätzung russischen Verhaltens erweist sich als schwierig. Russland scheint eine zweigleisige Strategie zu verfolgen: Militärische Machtdemonstration und gleichzeitig Nutzung von bi- und multilateraler Zusammenarbeit sowie des internationalen Rechts.
Insgesamt betrachtet gibt es unter den Arktisanrainern zwar konfliktbehaftete Interessen, aber es überwiegt zurzeit der zumindest von allen bekundete Wille zur Kooperation.

Die Zaungäste - Deutschland und China

Zu den Zaungästen der Arktis gehören mehrere Akteure - auch die EU und Frankreich. Im Rahmen dieser Arbeit werden die Heimatposition Deutschlands und die Position des aufstrebenden Chinas skizziert.
Das ferne Deutschland hatte lange Zeit keine einheitliche Arktisstrategie. Erst 2013 entschied sich die Bundesregierung, dem Thema mehr Aufmerksamkeit zu schenken: in den Leitlinien deutscher Arktispolitik. Es wird u.a. die freie Nutzung der arktischen Schifffahrtswege gefordert. Nur dieses Interesse hat wirklich konfliktbehaftetes Potenzial.44) Das Risiko eines Wettlaufs um die geopolitisch immer wichtiger werdende Region wird anerkannt, und die negativen Konsequenzen werden wahrgenommen, die eine Destabilisierung des Hohen Nordens für die Sicherheitsinteressen in unserer Heimat hätten. Deutschlands Strategie ist die Förderung friedlicher, multilateraler Kooperation in internationalen Institutionen und anhand geltenden Rechts.45) Deutschland hätte gerne eine orangefarbene Arktisbühne. Denn auch wenn wir als arktisferner Akteur nur Zaungast sind, so könnte Deutschland doch direkt im Rahmen der NATO-Bündnissolidarität betroffen sein. Fünf Staaten der Arktischen Acht sind NATO-Mitglieder.46)

China

Der chinesische Vizeadmiral Yin Zhuo sagte 2010: „The Arctic belongs to all the people around the world, as no nation has sovereignty over it […] China must play an indispensable role in Arctic exploration as we have one-fifth of the world‘s population.“47) China hat seit 2013 einen dauerhaften Beobachterstatus im Arktischen Rat48) und investiert in arktische Forschungsteams und Eisbrecher. Sein Interesse gilt v.a. den Rohstoffvorkommen und deren möglicher Ausbeutung.49) Angesichts des Rohstoffhungers des riesigen Reiches wird die Durchsetzung dieses Interesses immer wichtiger.
Ein großer Nachteil für diesen nicht-arktischen Akteur ist der fehlende Stützpunkt in Arktisnähe. Grönland könnte, neben der geostrategischen Alternative Island, eine mögliche Basis für einen chinesischen Arktisstützpunkt sein. Island und Grönland - den beiden kleinen arktischen Staaten, die nach finanzieller Unterstützung streben - macht China den Hof. Durch wirtschaftliche und finanzielle Verflechtung beabsichtigt der Zaungast China, einen Fuß über den Polarkreis zu bekommen.50) Mit dieser geschickten strategischen Positionierung könnte das Land ein neuer, einflussreicher Akteur auf der Arktisbühne werden. Damit würde die geopolitische Struktur ein neues Gesicht bekommen und eventuell für weitere sicherheitspolitische Instabilitäten sorgen.

Panzer am Polarkreis - Militärpräsenz im Hohen Norden

45.000 Soldaten, Dutzende Kriegsschiffe, Flugzeuge, konventionelle und strategisch-nukleare U-Boote waren Teil des bislang größten Manövers der russischen Nordmeerstreitkräfte. Damit hat Russland im März 2015 gezeigt, was für eine militärische Schlagkraft im Hohen Norden mobilisiert werden kann. Es war eine Alarmierungsübung. Dies stellt eine zusätzliche Brisanz der Machtdemonstration Russlands dar, deren arktische Truppen hauptsächlich auf der Kola-Halbinsel, östlich von Finnland, stationiert sind.51)
Seit Dezember 2014 existiert ein streitkräfteübergreifendes russisches Einsatzkommando für die Arktis.52) Gleichzeitig investiert Russland in geeignete Rüstungsprojekte. So wurde zum Beispiel der neue Kampfpanzer Armata speziell für extreme Kälte entwickelt.53) Im Rahmen der neuen Militärdoktrin wurde eine umfassende Modernisierung und Beschaffung angekündigt. Besonderer Fokus liegt auf der Atom-U-Boot-Flotte im Nordmeer.54) 50 Stützpunkte in der russischen Arktis aus Sowjetzeiten sollen reaktiviert werden.55) Auf der russischen Inselgruppe Franz-Josef-Land östlich von Spitzbergen wurde im Oktober 2015 eine große Militärbasis eröffnet.56) Eine kleinere Militärübung fand im August 2015 in Sibirien statt. Das Ziel war die Verteidigung einer wirtschaftlichen Einrichtung in der Arktis.57)
Dies alles scheint wie ein riesiger Wink mit dem Zaunpfahl. Russland kann und wird die eigenen Interessen in der Arktis auch mit militärischen Mitteln vertreten. Eine Investition in die russische Nordmeerflotte ist aber auch überfällig: Die russischen Marineeinheiten sind veraltet und bedürfen dringend der Modernisierung. Russlands Nordmeerflotte ist deutlich von der Einsatzfähigkeit des Kalten Krieges entfernt. Auch, was die Anzahl der bestehenden Einheiten angeht.58)
Die USA besitzen nur zwei veraltete Eisbrecher. Ihre Marine ist nicht gerüstet für arktische Gewässer. Der Grund ist mangelndes Interesse für die Arktis.59) Mit Obamas Besuch in Alaska im September 2015 kam zumindest die Ankündigung, den Bau neuer Eisbrecher angesichts Russlands Aufrüstung voranzutreiben.60) Der im Juli 2015 angekündigte Abzug von 2.500 Soldaten aus Alaska wurde aber nicht zurückgenommen.61) Eine Tatsache, die für scharfe Kritik durch die Opposition gesorgt hat.62)
Kanadas Ankündigung von 2007, für mehr militärische Präsenz zu sorgen, wird nur schleppend in die Tat umgesetzt.63) Erst im März 2015 folgte die Bekanntgabe, millionenschwere Investitionen in militärische Arktiskapazitäten zu tätigen. Dazu gehört der Baustart von fünf neuen Patrouillenschiffen im September 2015.64)
Norwegens Heereskommando wurde 2009 in den Norden verlegt, und es wurde gleichzeitig ein streitkräfteübergreifendes Einsatzkommando für die Verteidigung der arktischen Region geschaffen. Zusätzliche finanzielle Mittel wurden für den Verteidigungshaushalt zur Verfügung gestellt. Eine schnelle Eingreiftruppe Nord soll spätestens 2017 einsatzfähig sein.65) Die Priorität liegt auf der Anschaffung von militärischer Ausrüstung für den Hohen Norden und der Ausbildung ihrer Truppen für den Einsatz im arktischen Klima. Der Fokus Norwegens liegt insgesamt auf der Verteidigung der Nordflanke.
China sorgte im September 2015 für Aufregung, als zeitgleich mit Obamas Besuch fünf chinesische Kriegsschiffe in der Beringsee vor Alaska gesichtet wurden. Bewertet wurde das Verhalten als Machtdemonstration, als Umsetzung der neuen globalen Militärstrategie.66) Das im Mai 2015 veröffentlichte chinesische Weißbuch weist explizit die Verteidigung chinesischer Interessen im Ausland und die Sicherung von Ressourcen und Energieversorgung als Aufgabe der Streitkräfte aus.67)
Zusammenfassend verstärkt sich die Militärpräsenz im Hohen Norden. Die Arktis gewinnt militärisch an Bedeutung, v.a. für Russland, während Kanada und die USA sich militärisch bedächtiger präsentieren.

Die arktische Identität Russlands

Das „Wir-Gefühl“ - eine gemeinsame Identität, ein darauf basierender gemeinsamer Konsens über Verhaltensnormen - entwickelt sich nach dem Soziologen Turner durch die Zugehörigkeit des Einzelnen zu einer sozialen Einheit.68) Dieser soziale Kontext verleiht dem Selbst eine Bedeutung. Es schafft mit den Worten des Soziologen Simon „sinnvolle soziale Existenz“.69) Die Wirkmächtigkeit kollektiver Identität erklärt, warum Macht in Form von autoritärer Herrschaft akzeptiert wird.70)
Putin geriet 2012, nach seiner Wiederwahl zum Präsidenten, in eine Legitimitätskrise.71) Nach dem Versuch, sich über demokratische Ansätze zu legitimieren, inszeniert sich Putin jetzt als „Heerführer“,72) der die Nation einigen muss, um das Volk gegen den externen Feind verteidigen zu können. Putin nutzt diese Legitimitätsquelle, die vom Politikwissenschaftler Cameron Ross als „Nationalismus von oben“73) bezeichnet wird, um seine Landsleute für sein Regime zu mobilisieren. Diese neue Strategie war nötig, um seine Macht zu erhalten. Es ist die Rechtfertigungsgrundlage für den Aufbau seiner autoritären Herrschaft. Putin verspricht, die russische Nation wieder stark zu machen. Er verspricht, dass Russland nie wieder in die Knie gezwungen wird, und er propagiert, dass hierfür mit starker Hand geführt werden muss - denn der alte Feind im Westen wird wieder zur Bedrohung.74)
Die Annexion der Krim befürwortet die Mehrheit der Russen.75) Die damit einhergehenden nationalistischen Parolen treffen den Nerv der Bevölkerung in Russland. Und: „Like the Crimea, the Arctic has a major place in russian identity.“76) Mit diesem Vergleich macht der Politikwissenschaftler Geir Hønneland die Bedeutung der Arktis für Russlands Identität deutlich und lässt mitschwingen, welche Konsequenz daraus erwachsen kann. Die Arktisexpertin Dr. Kathrin Keil bestätigt: „Die Arktis hat für viele Russen eine starke emotionale Bedeutung.“77)
Die Schlagwörter des Nationalismus - Stolz, Ehre, Stärke - haben mit ihrem emotional-heroischen Tonfall in der heutigen Zeit, gerade für Deutschland als post-heroische Gesellschaft, einen unguten Beigeschmack. Putin nutzt ihn, um sich zu inszenieren. Über die Staatsmedien verbreitet er Bilder: Putin beim Hantelstemmen im Fitnessstudio. Putin, der sich bei den Feierlichkeiten zum Jahrestag der Krimannexion auf einer Bühne von mehreren Tausend begeisterten, Fähnchen schwenkenden Menschen feiern lässt. Er inszeniert einen Film mit dem Titel: „Krim. Rückkehr in die Heimat“. Dort sagt er: Die Atomwaffen waren gefechtsbereit.78)
Auf der einen Seite eine Warnung an seine Widersacher. Auf der anderen Seite ein Teil seiner Selbstdarstellung, seiner Legitimitätsschaffung: Putin, der starke, stolze, unbeugsame Staatslenker, der für die Rettung seines Volkes, für die Verteidigung der Heimat, für die Rückkehr Russlands zur Großmacht zu allem bereit ist. In Verbindung mit der arktischen Identität und dem daraus erwachsenden, instrumentalisierbaren Nationalismus, der populistischen Heroisierung der russischen Arktis, ist dies eine Mischung mit Eskalationspotenzial.

Die Nordflanke - kalt, lauwarm oder bald heiß? Die Aufrüstung der Arktis und der Einfluss von Symbolpolitik

Was zeigt das Fieberthermometer der Nordflanke? Zuerst soll geklärt werden: Warum rüsten Staaten auf? Dieses Problem war in der Hochzeit des Ost-West-Konfliktes Untersuchungsgegenstand der politischen Theorie. Nach den Theoretikern Kenneth Waltz und John Herz79) geht es den Staaten um Sicherheit. Aus diesem Sicherheitsstreben heraus schaffen die Staaten Mittel, um sich zu verteidigen, denn im ursprünglichen Staatensystem gibt es keinen Sicherheitsgaranten. Diese Anschaffung militärischer Stärke nehmen wiederum andere Staaten als Bedrohung wahr und reagieren ebenfalls mit Aufrüstung. Obwohl das eigentliche Ziel aller eine Steigerung der Sicherheit ist, führen doch die Handlungen der einzelnen Staaten zur Schaffung größerer Unsicherheit. Es kommt zum Sicherheitsdilemma in der unregulierten internationalen Staatenwelt.
Warum nehmen wir aber zum Beispiel Frankreich nicht als Bedrohung wahr? Weil eine Bedrohung durch zwei Faktoren entsteht: Absicht und Potenzial.80) Wird Russland als Bedrohung durch die anderen arktischen Akteure wahrgenommen? Als eine Bedrohung, die zu einer Militarisierung und Aufrüstung der Arktis führen könnte?
Hat Russland das Potenzial dazu? Russlands militärische Schlagkraft liegt weit hinter dem Niveau aus Kalten-Kriegs-Zeiten zurück. Russland hat großen Modernisierungsbedarf. Dennoch sind die russischen Streitkräfte immer noch ein ernst zu nehmender Gegner. Der verstärkte Ausbau russischer Militärpräsenz, die Einrichtung eines Arktis-Einsatzkommandos und die demonstrative Durchführung von Manövern im Hohen Norden stärken Russlands Potenzial.
Wie kann Russlands Absicht bewertet werden? Eigentlich führten der Zusammenbruch der UdSSR und das Ende der ideologischen Grabenkämpfe zu dem Glauben an eine friedliche Zukunft. Die Abrüstung begann. Jetzt hat Russland die Post-Mauerfall-Sicherheitslandschaft in Europa verändert.
Ein nervöses Hin- und Herrutschen auf europäischen Stühlen folgte,81) denn internationales Recht ist die Hemmschwelle zwischenstaatlicher militärischer Gewaltanwendung. Explizit zu benennen ist die Charta der Vereinten Nationen und deren Gewaltverbot. Hiermit hat die internationale Staatengemeinschaft versucht, das Sicherheitsdilemma zu lindern. Aber wenn ein internationaler Akteur nicht mehr die Absicht hat, sich an die Regeln zu halten, schwindet das Vertrauen, und es wächst die Furcht vor einer Bedrohung der Sicherheit. Grundsätzlich ist das Misstrauen gegenüber Russland im Westen gewachsen.
Welche Absicht verfolgt Russland mit dem Ausbau der Militärpräsenz in der Arktis? Ist dies Teil der normalen Landesverteidigung, der legitimen Sicherung der riesigen Grenze des russischen Territorialgebietes? Aber eine objektive, neuartige Bedrohung der russischen Landesgrenze in der Arktis ist nicht nachvollziehbar. Putin will anscheinend die nach dem Politikwissenschaftler Robert J. Art definierten vier Funktionen militärischer Gewalt nutzen: neben Abwehr und Abschreckung zur Landesverteidigung auch Erzwingung der eigenen Interessen und „Wichtigtuerei“.82) Ein Blick auf Putins arktisches Ansinnen hat gezeigt, dass einerseits die Rohstoffsicherung, andererseits die nationalistisch-patriotische Förderung und Verteidigung des russischen Einflussgebietes zu den wichtigen Interessen in der Arktis gehört. Die Symbolpolitik, das Feiern der mächtigen russischen Nation, der starke Mann Putin - all diese Bilder begeistern die deutliche Mehrheit des russischen Volkes.83) Das fehlende Interesse der USA an der Region hat ein Machtvakuum erzeugt. Russland könnte daher seine Einflussausweitung in der Arktis auch leicht umsetzen. Letztendlich sind die patriotischen Parolen und die Darstellung der Macht durch den Einsatz von Militär ein politisches Erfolgsrezept in Russland.
Zusammenfassend kann die wachsende russische Militärpräsenz in der Arktis als beginnende Militarisierung der Region bewertet werden. Als ein Verhalten, das sich in den Augen der anderen Anrainerstaaten als mögliche Bedrohung manifestiert und somit zur Aufrüstung führen kann. Erste Anzeichen für eine Aufrüstung im Hohen Norden werden auch sichtbar. Die norwegische Verteidigungsministerin sagte mit Blick auf Russland:84) „[…] we in early 2015 find ourselves facing a more turbulent security situation than we have seen in a long while. I view the situation with the utmost gravity. The situation is made all the more serious due to the fact that it further strengthens the need to make changes in our own Armed Forces.“85) Als Konsequenz fordert sie eine grundlegende Verbesserung der eigenen militärischen Fähigkeiten. Die Absicht Russlands, militärisch zu intervenieren, wird im norwegischen Open Source Intelligence-Bericht von 2015 einerseits noch als unwahrscheinlich bewertet, andererseits wird gewarnt, dass sich Absichten ändern können. Auch hier wird explizit auf Putins Schaffung eines externen Feindes zur innenpolitischen Machtstabilisierung hingewiesen.86)
Dennoch gibt es auch deeskalierende Töne von der norwegischen Verteidigungsministerin: „We share a desire for safety and stability in the High North.“87) Deswegen wird, trotz ausgesetzter militärischer Kooperation, die norwegisch-russische Zusammenarbeit im Hohen Norden in den Bereichen Grenzkontrolle, Küstenwache und SAR weiterhin aufrechterhalten.88) Norwegen bedient sich einer Doppelstrategie. Absicht ist es, zusammen mit den Bündnispartnern ein „new normal“89) zu schaffen.
Vladimir Barbin, Russlands Vertreter im Arktischen Rat, sagte auf der Arctic Circle Conference im Oktober 2015: „There are no challenges or problems in the Arctic that can be solved with military means.“ Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass es einen Unterschied zwischen Rhetorik und Realität geben kann. Weiterhin sagte Barbin, die Arktis sei eine Zone der Kooperation, die nicht von Problemen in der internationalen Arena beeinflusst wird.90) Dieses außenpolitisch janusköpfige Verhalten Russlands zeigt, dass der Zweck über die Wahl der Mittel entscheidet. Die weitergeführte Kooperation der Anrainer mit Russland trotz Ukrainekrise beweist die Abhängigkeit in der Region.
Die Nordflanke rückt immer mehr in den Fokus. Die Sicherheitslandschaft hat sich verändert. Aber die Nordflanke ist zurzeit nicht heiß, sondern eher warm. Putins Interesse an der Arktis hat sich immens gesteigert und seine Absicht und sein Potenzial auf Durchsetzung seiner Interessen sind genauso stark gestiegen. In Putins Augen hat wohl die Kosten-Nutzen-Rechnung ergeben, dass es sich lohnt, wenn nötig, mit den anderen Staaten in Konflikt zu geraten, um seine Interessen im Hohen Norden durchzusetzen. Aber es überschneiden sich Russlands Interessen mit denen anderer Akteure bislang nur an der Nordpol-Zugehörigkeit und der Nordostpassage. Die hier Russland gegenüberstehenden Kontrahenten werden nicht auf militärischem Wege ihren Anspruch auf den Nordpol durchsetzen. Ihre Kosten-Nutzen-Rechnung geht nicht auf: Die arktischen Interessen der anderen Staaten sind nicht wichtig genug. Am Nordpol kann keine Rohstoffausbeutung stattfinden. Die wirtschaftlichen Vorteile der Nordostpassage relativieren sich bei näherem Hinsehen: Schwierige, riskante Navigationsbedingungen schränken verlässliche, pünktliche Transitpassagen ein.91) Dies reflektiert sich im vorhandenen Potenzial: Kanadas militärische Aufrüstung bleibt weit hinter den angekündigten Versprechen zurück. Dänemark hat keine militärische Schwerpunktsetzung auf Grönland. Norwegen rüstet auf, jedoch zur Landesverteidigung an seiner Nordflanke. Solange Russland hier nicht interveniert, besteht auch kein Konflikt. Zusammenfassend ist das militärische Potenzial der Nordpolkonkurrenten nicht groß genug, um damit ihre Interessen durchzusetzen.
Es existieren sicherlich konfliktbehaftete Interessen in der Arktis, aber bislang fehlt Russland der Gegenspieler für eine mögliche militärische Auseinandersetzung. Daher scheint insgesamt ein tatsächlicher militärischer Konflikt in der Arktis unwahrscheinlich. Dennoch wird Russlands Auftreten als bedrohlich wahrgenommen und löst Aufrüstungstendenzen aus.
Das Blatt könnte sich wenden, wenn die USA ihrem arktischen Gebiet mehr Aufmerksamkeit schenken und sich dort durch russischen Einfluss bedroht sehen. Dann könnte der Druck auf Kanada wachsen, die NATO ins Boot zu holen. Oder wenn sich die Interessen Chinas und Russlands in einem Gebiet überschneiden. Denn Chinas Appetit auf die Arktis scheint erst in den Anfängen zu stehen. Der Zaungast möchte eine größere Rolle spielen und ebenfalls ein Stück von der Arktis. China hätte das Potenzial und könnte rücksichtslos genug sein, um seine Interessen, wenn nötig, auch mit militärischen Mitteln durchzusetzen. Letztendlich darf eine mögliche Ausweitung, ein „spill-over“ anderer Konflikte auf die Region, nicht außer Acht gelassen werden. Noch werden die politischen Spannungen zwischen Russland und dem Westen in Folge des Syrien- und Ukrainekonfliktes losgelöst von der Arktiszusammenarbeit betrachtet.

Zukünftige arktische Sicherheitsarchitektur - Implikationen für Deutschlands sicherheitspolitische Positionierung

Die arktische Sicherheitslage wird instabiler. Russlands militärische Muskelspiele in der Arktis haben viele aufgeschreckt. Das Ziel einer zukünftigen arktischen Sicherheitsarchitektur muss Kooperationsförderung und Konfliktvermeidung sein, um die Stabilität in der Region zu sichern. Die Staaten dürfen hier nicht in die alten Reflexe des Kalten Krieges zurückfallen. Dafür muss die Bedrohungsperzeption minimiert werden. Der Anteil an Symbolpolitik als Teil einer Erklärung für die steigende Militärpräsenz und die in Teilen konfrontative Rhetorik Russlands sollten berücksichtigt werden. Symbolpolitik hat zwei Seiten: Einerseits kann aggressiv wirkende militärische Machtdarstellung zu Konflikten führen. Kompromisse, ein „Zurückweichen“ passen nicht in das Bild der unbeugsamen, starken Großmacht. Andererseits kann darauf entsprechend gelassen reagiert werden, wenn die Militärpräsenz als militärische „Wichtigtuerei“ begriffen wird. Mit dieser Wahrnehmung kann eine Eskalation verhindert werden. Gelassenheit statt Aufrüstung, wenn es um die widerstreitenden Interessen am Polarkreis geht.
Neben diesem Mindset muss Transparenz geschaffen werden. Dafür sollte der Arktische Rat als Forum genutzt werden, um auch sicherheitspolitische Themen zu diskutieren.
Die Tabuisierung von Sicherheitspolitik in dieser Institution ist nicht mehr zielführend. Diesen Vorschlag könnte Deutschland in einer Vermittlerrolle anstoßen. Grundsätzlich muss Deutschland der sicherheitspolitischen Entwicklung im Hohen Norden mehr Aufmerksamkeit schenken. Gleichzeitig sollte im europäischen Norden mit den NATO-Bündnispartnern Geschlossenheit und Stärke demonstriert werden. Dazu sollte verstärkt ein Schwerpunkt auf gemeinsame Manöver mit den nordischen Bündnispartnern an unserer Nordflanke gelegt werden, um auf ein Testen der Bündnissolidarität am Polarkreis vorbereitet zu sein; aber auch, um ein Zeichen des Zusammenhalts zu setzen. Die Sicherheitslandschaft hat sich verändert und wir sollten uns auch an unserer Nordflanke auf ein „new normal“92) einstellen.


ANMERKUNGEN:
1) Vgl. Gitta Lauster/Stormy-Annika Mildner: Wem gehört der Meeresboden?, In: IP, November/Dezember, Berlin, 2009, S.30-36, S.32.
2) Vgl. Peter Filzmaier/Leonore Gewessler/Otmar Höll/Gerhard Mangott: Internationale Politik, WUV Facultas, Wien, 2006, S.77.
3) Vgl. Filzmaier/Gewessler/Höll/Mangott: Internationale Politik, 2006, S.81f.
4) Vgl. Gert Krell: Weltbilder und Weltordnung, Einführung in die Theorie der Internationalen Beziehungen, Nomos, Baden-Baden, 3. Aufl., 2004, S.189.
5) Vgl. Ingo Winkelmann: Wem gehört die Arktis? SWP-Aktuell 56, November 2007, S.3.
6) Vgl. U.S. Geological Survey (USGS) (Hrsg.), Circum-Arctic Resource Appraisal: Estimates of Undiscovered Oil and Gas North of the Arctic Circle. In: USGS Fact Sheet 2008-3049, 2008.
7) Wettlauf um Bodenschätze: Russland stationiert Raketen in der Arktis. In: spiegelonline.de, 6.4.2015, URL: http://www.spiegel.de/politik/ausland/russland-stationiert-raketen-in-der-arktis-a-1027218.html, (29.10.2015);u.a.: Anrainerstaaten starten Wettkampf um die Arktis, In: handelsblatt.com, 2.8.2010, URL: http://www.handelsblatt.com/politik/international/ rohstoffvorkommen-anrainerstaaten-starten-wettkampf-um-die-arktis/3505092.html (29.10.2010).
8) Vgl. Lauster/Mildner: Wem gehört der Meeresboden? IP, Nov.-Dez./2009, S.33.
9) Vgl. Ebd., S.32.
10) Vgl. Christian Le Mière/Jeffrey Mazo: Arctic Opening, Insecurity and Opportunity, The International Institute for Strategic Studies, Routledge, New York, 2013, S.39.
11) Vgl. Ebd., S.40.
12) Vgl. Christoph Humrich/Klaus Dieter Wolf: Krieg in der Artkis? In: Osteuropa, 61. Jg., Heft 2-3/2011, S.225-242, S.226.
13) Vgl. Gert Krell: Weltbilder und Weltordnung, Einführung in die Theorie der Internationalen Beziehungen, Nomos, Baden-Baden, 3. Aufl., 2004, S.191f.
14) Vgl. Le Miére/Mazo: Arctic Opening, 2013, S.13; The Ilulissat Declaration, 2008, URL: http://www.oceanlaw.org/downloads/arctic/Ilulissat_Declaration.pdf. (17.8.2015).
15) Vgl. Heinz Bril: Geopolitische Analyse, Beiträge zur deutschen und internationalen Sicherheitspolitik 1974-2004, Biblio Verlag, Bissendorf, 2005, S.44.
16) Vgl. Jochen Bittner: Fünf vor acht/Russland in der Arktis, Kalter Krieg im ewigen Eis? Zeit.de, 20.8.2015, URL: http://www.zeit.de/politik/2015-08/russland-nordpol-arktis-erdgas-oel-aufruestung (15.9.2015).
17) Vgl. US court intervenes in Thule Air Base contract, 28.5.2015, The Local DK, URL: http://www.thelocal.dk/20150528/us-court-thule-air-base-greenland (6.9.2015).
18) Vgl. Nils Wang/Damien Degeorges: Greenland and the New Arctic, Political and security implications of a state-building project, Royal Danish Defense Collage, Copenhagen, January 2014, 11f., URL: http://forsvaret.dk/FAK/eng/publications/Documents/Greenland%20 and%20the%20New%20Arctic.pdf (27.10.2015).
19) Vgl. Nikolay Petersen: The Arctic Challenge to Danish Foreign and Security Policy. In: James Kraska (Hrsg.): Arctic Security in an Age of Climate Change, Cambridge University Press, New York, 2011, S.145-165, S.164.
20) Vgl. Bastian Girg: Tauwetter am Nordpol: Kalter Krieg um Rohstoffe? Die Arktis im Zeichen des Klimawandels, SWP, Berlin, Mai 2008, S.6f.
21) Vgl. Bartenssee: Norwegen und Russland beenden Streit, Focus online, 27.4.2010, URL: http://www.focus.de/panorama/vermischtes/barentssee-norwegen-und-russland-beenden-streit_aid_502614.html (7.9.2015).
22) Ine Eriksen Soreide: Strengthening and renewing our Armed Forces for the future - hard choices and dilemmas, annual address to Oslo Militaere Samfund, 9.2.2015, Minister of Defence Ine Eriksen Soreide. URL: https://www.regjeringen.no/en/aktuelt/-et-forsterket-og-fornyet-forsvar-for-fremtiden--vanskelige-valg-og-dilemmaer/id2395229/ (2.6.2015).
23) Vgl. norway’s arctic policy, Norwegian Ministry of Foreign Affairs, 11.10.2014, S.6, URL: https://www.regjeringen.no/globalassets/departmentene/ud/vedlegg/nord/nordkloden_en.pdf (10.8.2015).
24) Vgl. Heather A. Conley/Terry Toland/Jamie Kraut/Andreas Østhagen: A new Security Architecture for the Arctic? An American Perspective, CSIS Report, January 2012, S.20f.
25) Vgl. Atle Staalesen: Hillary warns against Russia in Arctic, Barentsobserver, URL: http://barentsobserver.com/en/arctic/2014/04/Hillary-warns-against-russia-arctic-03-04 (8.6.2015).
26) Vgl. U.S. Navy Arctic Roadmap 2014-2030, Navy Task Force Climate Change, February 2014, S.19.
27) Vgl. Trump executive order aims to allow Arctic drilling, BBC.com, 28.4.2017, URL: http://www.bbc.com/news/world-us-canada-39753223, (20.7.2017).
28) Vgl. Government of Canada, Canadas Northern Strategy, Our North, Our Heritage, Our Future, 2009.
29) Vgl. Ron Huebert: Canada and the Newly Emerging International Arctic Security Regime: In: James Kraska (Hrsg.): Arctic Security in an Age of Climate Change, Cambridge University Press, New York, 2011, S.193-217, S.195.
30) Vgl. Ebd., S.214f.
31) Vgl. Helga Haftendorn: Die Arktis - Krisenregion oder Kooperationsfeld? Aufsatz, 2015, S.7.
32) Vgl. John Ivison: Canada under increasing pressure to come up with coordinated NATO response to Russia in Arctic, 23.4.2014, URL: http://news.nationalpost.com/news/canada/canada-under-increasing-pressure-to-come-up-with-co-ordinated-nato-response-to-russia-in-arctic (6.9.2015).
33) Vgl. The Ilulissat Declaration, 28. Mai 2008, Illulissat, Grönland, URL: http://www.oceanlaw.org/downloads/arctic/Ilulissat_Declaration.pdf (6.9.2015).
34) Vgl. Huebert: Canada and the Newly Emerging International Arctic Security Regime, 2011, S.217.
35) Artur Tschilingarow, gesehen in: „Die Arktis gehört uns“, Russland bekräftigt Gebietsansprüche, ntv.de, 8.8.2015, URL: http://www.n-tv.de/politik/Russland-bekraeftigt-Gebietsansprueche-article15678431.html, (9.8.2015).
36) Vgl. Neue Marinedoktrin, Russland plant neue Atom-Eisbrecherflotte, spiegelonline, 26.7.2015, URL: http://www.spiegel.de/politik/ausland/russland-wladimir-putin-aendert-marinedoktrin-a-1045421.html (9.8.2015).
37) Vgl. Volker Perthes: Arktische Kooperation trotz europäischen Frosts, SWP, Berlin, 9.5.2014.
38) Vgl. Planungsamt der Bundeswehr, Klimawandel und Sicherheit in der Arktis nach 2014, Hat die friedliche und kooperative internationale Arktispolitik eine langfristige Zukunft? Planungsamt der Bundeswehr, Dezernat Zukunftsanalyse, Berlin, Juni 2014, S.17f.
39) Ekaterina Klimenko: Russia’s Evolving Arctic Strategy, Drivers, Challenges and New Opportunities, SIPRI Policy Paper, 42, Stockholm International Peace Research Insitute, Solna, September 2014, S.8.
40) Vgl. Kristian Åtland: Im Norden nichts Neues? Die Arktis in Russlands Sicherheitspolitik. In: Osteuropa, 61. Jg., 2-3, 2011, S.243-256, S.243.
41) Vgl. Andreas Kuersten: Russia’s Arctic Interests, The Opinion Pages, To the Editor, NYTimes.com, 12.5.2015, URL: www.nytimes.com /2015/05/12/opinion/russias-arctic-interests.html (9.9.2015).
42) Atle Staalesen: Russia Ready to Talk North Pole With Denmark, Arctic Newswire, 7.8.2015, http://www.adn.com/article/20150807/russia-ready-talk-north-pole-denmark (31.8.2015).
43) Vgl. Vladimir Barbin: Rede im Rahmen der Plenarsitzung „Russia in the Arctic“, Arctic Circle Conference, Reykjavik, 17.10.2015, gesehen in: barentsobserver.com, 18.10.2015, URL: http://barentsobserver.com/en/arctic/2015/10/our-arctic-policy-transparent-18-10 (22.10.2015).
44) Vgl. Leitlinien deutscher Arktispolitik, Auswärtiges Amt, November 2013, URL: www.auswaertiges-amt.de/cae/serclet/contentblob/658714/publicationFile/185889/Arktisleitlinien.pdf (19.8.2015), S.9f.
45) Vgl. Ebd., S.11f.
46) NATO-Mitglieder der Arktischen Acht: die USA, Kanada, Dänemark, Island, Norwegen.
47) Gesehen in: International Institute for Strategic Studies, China’s strategic Arctic interests, IISS Strategic Comments Vol.20, Nr. 6, Introduction.
48) Vgl. Arktischer Rat gibt China und fünf weiteren Ländern Beobachterstatus, welt.de, 15.5.2013, URL: http://www.welt.de/newsticker/news2/article116223272/Arktischer-Rat-gibt-China-und-fuenf-weiteren-Laendern-Beobachterstatus.html (6.9.2015).
49) Vgl. Ryszard M. Czarny: The High North: Between Geography and Politics, Springer, Berlin, 2015, S.26ff.
50) Vgl. Andreas Kuersten: Russian Sanctions, China, and the Arctic, Russia’s souring relations with the West have given China an Arctic opening, The Diplomat.com, 3.1.2015, URL: http://thediplomat.com/2015/01/russian-sanctions-china-and-the-arctic/ (6.9.2015).
51) Vgl. Katarzyna Zysk: Military Aspects of Russia’s Arctic Policy. In: James Kraska (Hrsg.): Arctic Security in an Age of Climate Change, Cambridge University Press, Cambridge, 2011, S.85-106, S.89.
52) Vgl. Bruce Jones: Russia Activates new Arctic Joint Strategic Command, HIS Jane’s Defence Weekly, 1.12.2014, http://www.janes.com/article/46577/russia-activates-new-arctic-joint-strategic-command (31.8.2015).
53) Vgl. Atle Staalesen: Is Armata made for Arctic? 11.5.2015, barentsobserver, URL: http://barentsobserver.com/en/security/2015/05/armata-made-arctic-11-05 (31.8.2015).
54) Vgl. Nikolai Novichkov: Russia’s New Maritime Doctrine, IHS Jane’s Defence Weekly, 13.8.2015, URL: http://www.janes.com/article/53643/russia-s-new-maritime-doctrine (5.9.2015).
55) Vgl. Heather A. Conley/Caroline Rohloff: The New Ice Curtain, Russia’s Strategic Rearch to the Arctic, Centre for Strategic and International Studies, Washington, August 2015, S.9, URL: http://csis.org/files/publication/150826_Conley_NewIceCurtain_Web.pdf (31.8.2015).
56) Vgl. Russland stellt Militärbasis am Nordpol fertig, ZEIT-online, 21.10.2015, URL: http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-10/russland-militaerbasis-arktis (21.10.2105).
57) Vgl. Muskelspiele am Polarkreis, Russlands Kriegsmarine trainiert im Norden, 24.8.2015, ntv.de, URL: http://www.n-tv.de/politik/Russlands-Kriegsmarine-trainiert-im-Norden-article15784671.html (31.8.2015).
58) Vgl. Åtland, Im Norden nichts Neues, 2011, S.224f.
59) Vgl. Steven Lee Meyers: U.S. is playing Catch-up With Russia in Scramble for the Arctic. In: The New York Times, 29.8.2015, URL: http://www.nytimes.com/2015/08/30/world/united-states-russia-arctic-exploration.html?emc=edit_ae_20150829&nl=todaysheadlines&nlid =16527364&_r=2 (31.8.2015).
60) Vgl. Obama to propose building of new icebreakers to protect US interests in the Arctic, FoxNews.com, 1.9.2015, URL: http://www.foxnews.com/politics/2015/09/01/obama-to-propose-building-new-icebreakers-to-protect-us-interests-in-arctic/ (5.9.2015).
61) Vgl. J. Freedberg, Sydney Jr, Army Cuts Hit Alaska, Georgia, Texas Hardest, breakingdefense.com, 9.7.2015, URL: http://breakingdefense.com/2015/07/army-details-cuts-alaska-georgia-texas-hit-hardest/ (5.9.2015).
62) Adam Shaw: „Strategic Blunder“: Republicans slam Obama administration as Russia tries Arctic land grab, FoxNews.com, 8.8.2015, URL: http://www.foxnews.com/politics/2015/08/08/gop-lawmakers-blast-obama-administration-after-russia-attempts-massive-arctic/ (5.9.2015).
63) Vgl. Adam Lajeunesse: The Canadian Armed Forces in the Arctic: Purpose, Capabilities and Requirements, Candian Defence and Foreign Affairs Institute, Calgary, May 2015, S.11f., URL: https://d3n8a8pro7vhmx.cloudfront.net/cdfai/pages/544/attachments/original/1432260016/Canadian_Armed_Forces_in_the_Arctic.pdf?1432260016 (5.9.2015).
64) Vgl. Canada to spent billions on Arctic military equipment, rt.com, 14.3.2015, URL: http://www.rt.com/news/240741-canada-arctic-resources-military/ (5.9.2015).
65) Vgl. O’Dwyer, Gerard, Norway Prioritizes High North Equipment, Defensenews.com, 11.3.2015, URL: http://www.defensenews.com/story/defense/policy-budget/warfare/2015/03/03/norway-russia-arctic-northern-high-north-archer-cv90/24272749/ (5.9.2015).
66) Vgl. Interesse an der Arktis, Fünf Kriegsschiffe nahe der US Küste gesichtet: Was macht China in der Beringsee? FOCUSonline, 3.9.2015, URL: http://www.focus.de/politik/ausland/interesse-an-der-arktis-fuenf-kriegsschiffe-nahe-der-us-kueste-gesichtet-was-macht-china-in-der-beringsee_id_4920981.html (6.9.2015).
67) Vgl. Johnny Erling: Peking rüstet seine Armee für den globalen Einsatz, 26.5.2015, welt.de, URL: http://www.welt.de/politik/ausland/article141505608/Peking-ruestet-seine-Armee-fuer-den-globalen-Einsatz.html (6.9.2015).
68) Vgl. C. Turner/Michael A. Hogg/Penelope J. Oakes/Stephen D. Reicher/Margaret S. Wetherell: Rediscovering the social group: A self-categorization theory, Oxford, 1987.
69) Bernd Simon: Identität und Macht, In: Osteuropa, 64. Jg, Heft 8, „Das Volk und sein Ich - Autoritäre Herrschaft und Legitimität“, 2014, S.63-72, S.67.
70) Vgl. Ebd., S.71.
71) Vgl. Nikolaj Petrov: Legitimität, Repression, Kollaps, Entwicklungsstadien des Putin-Regimes, In: Osteuropa, 64. Jg., Heft 8, „Das Volk und sein Ich - Autoritäre Herrschaft und Legitimität“, 2014, S.85-98, S.85f.
72) Ebd., S.86.
73) Cameron Ross: Das Paradox: Putins populäre Autokratie. In: Osteuropa, 64. Jg., Heft 8, „Das Volk und sein Ich - Autoritäre Herrschaft und Legitimität“, 2014, S.99-112, S.109f.
74) Vgl. Russland - Freund oder Feind? TV-Dokumentation, Phoenix, 21.09.2015; Simon, Identität und Macht, 2014, S.71.
75) Jasper Eitze/Michael Gleichmann: Zehn Mythen der Rechtfertigung russischer Politik in der Ukraine-Krise. In: Analysen&Argumente, Ausgabe 149, Konrad-Adenauer-Stiftung, Mai 2014, S.6.
76) Gesehen in: Staalesen, Atle, Hillary warns against Russia in Arctic, in: barentsobserver, 3.4.2014, URL: http://barentsobserver.com/en/arctic/2014/04/hillary-warns-against-russia-arctic-03-04.
77) Kathrin Klein, gesehen in: Arktis: Russland setzt auf Militärpräsenz, Streitkräfte und Strategien, NDR Info, 20.3.2015, URL http://www.ndr.de/info/sendungen/streitkraefte_und_strategien/Arktis-Russland-setzt-auf-Militaer-Praesenz,streitkraefte322.html (31.8.2015).
78) Vgl. Nina Jeglinski: Putin Doku über die Krim, „Unsere Atomwaffen waren bereit“, Handelsblatt.com, 16.3.2015, URL: http://www.handelsblatt.com/politik/international/putin-doku-ueber-die-krim-unsere-atomwaffen-waren-bereit/11509422.html (15.9.2015).
79) Vgl. Kenneth Waltz: Theory of International Politics, Addison-Wesley Publishing Company, 1979; und: John Herz: Idealistischer Internationalismus und das Sicherheitsdilemma, in: ders., Staatenwelt und Weltpolitik, Hamburg 1974, S.39-56.
80) Vgl. Christopher Daase: Der erweiterte Sicherheitsbegriff. In: Internationale Politik als Überlebensstrategie, Ferdowsi, Mir A., Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München, 2009, S.137-153, S.148.
81) Vgl. Christopher P. Cavas: Russia Concerns Prompts First Ever US, Nordic Deputy Defense Ministers’ Meeting, Defensenews.com, http://www.defensenews.com/story/defense/policy-budget/leaders/2015/09/09/meeting-us-nordic-deputy-defense-ministers-work-norway-iceland-finland-sweden-denmark-oslo-bodo-marines-russia-putin/71977298/ (15.9.2015).
82) Vgl. Robert J. Art: To What Ends Military Power? In: International Security, Vol. 4, Issue 4, 1980, S.3-35, S.5.
83) Vgl. Umfrage: Putin in Russland so beliebt wie nie, spiegelonline, 27.3.2015, URL: http://www.spiegel.de/politik/ausland/trotz-ukraine-krise-wladimir-putin-in-russland-sehr-beliebt-a-1026042.html (31.8.2015).
84) Vgl. Ine Eriksen Soreide: Strengthening and renewing our Armed Forces for the future - hard choices and dilemmas, annual address to Oslo Militaere Samfund, 9.2.2015, Minister of Defence Ine Eriksen Soreide, URL: https://www.regjeringen.no/en/aktuelt/-et-forsterket-og-fornyet-forsvar-for-fremtiden--vanskelige-valg-og-dilemmaer/id2395229/ (2.6.2015), Basic international rules have been violated […] When it is breached, the threshold for using military force is lowered.
85) Eriksen Soreide: Strengthening and renewing our Armed Forces for the future, 9.2.2015.
86) Vgl. FOCUS 2015, Annual Assessement by Norwegian Intelligence Service, February 2015, S.17, URL: https://forsvaret.no/fakta_/ForsvaretDocuments/Focus2015-ENG_hele_lav_19.05.pdf (5.9.2015).
87) Eriksen Soreide: Strengthening and renewing our Armed Forces for the future, 9.2.2015.
88) Vgl. Ebd.
89) Expert Commission on Norwegian Security and Defense Policy, Unified Effort, Norwegian Ministry of Defense, 2015, S.5, URL: https://www.regjeringen.no/globalassets/departementene/fd/dokumenter/unified-effort.pdf (22.10.2015).
90) Vladimir Barbin: Rede im Rahmen der Plenarsitzung „Russia in the Arctic“, Arctic Circle Conference, Reykjavik, 17.10.2015.
91) Vgl. Kathrin Keil/Andreas Raspotnik: The Myth of Arctic Shipping - Why the Northern Sea Route is Still of Limited Geo-Economic Importance, The Arctic Institute, 8.9.2013, URL http://www.thearcticinstitute.org/2013/09/the-myth-of-arctic-shipping-why_8.html (21.9.2015).
92) Expert Commission on Norwegian Security and Defense Policy, Unified Effort, 2015, S.5.