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SIMBABWE NACH DER ÄRA MUGABE

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In einer Radiobotschaft, die der damalige Guerillakämpfer Robert Mugabe (1924-2019) aus dem Exil 1976 verkündete, während der Bürgerkrieg zum Sturz der weißen Minderheit in Rhodesien tobte, gab er seine Vision über eine befreite Gesellschaft nach dem Sieg über die weißen Eliten im Lande bekannt: „Unsere Stimmen müssen zusammen mit unseren Waffen gehen“, sagte er. „Letztlich sollte jede Stimme das Produkt des Gewehrs sein.“ Das Gewehr garantiere die freie Stimmabgabe, so Mugabe damals. Als immer autoritärer regierender Führer Simbabwes in den 37 Jahren seiner Herrschaft ist er nie von seinem Instrument brutaler Gewaltanwendung im Ernstfall abgewichen. Er versuchte stets allen Umsturzversuchen gegenüber seinem Regime zuvorzukommen und war am Ende stolz darauf, nicht nur sieben Universitätsabschlüsse zu besitzen, sondern auch „viele Auszeichnungen im Einsatz von Gewaltmaßnahmen“. Machterhalt galt für Mugabe stets als Selbstzweck. Sein letztliches Ziel war die totale Kontrolle im Lande. „Simbabwe gehört mir! Ich werde niemals, niemals, niemals abtreten“, sagte er vor seinen Anhängern nach der Entfesselung einer Terror- und Einschüchterungskampagne im Lande, um die Wahlen 2008 zu gewinnen. Von 1980 bis 1987 hatte Mugabe zunächst das Amt des Ministerpräsidenten inne. Von 1987 bis 2017 amtierte er als mit immer diktatorischeren Mitteln agierender Präsident Simbabwes. Als Mugabe 2015 als mögliche Nachfolgerin seines Amtes bei den nächsten Wahlen seine Ehefrau Grace vorschickte und den aussichtsreichen Kandidaten, Vizepräsident Emmerson Mnangagwa entließ, übernahm die Armee im Rahmen eines unblutigen Putsches gegen Mugabe die Kontrolle im Lande.  Am 21. November 2017 wurde in beiden Kammern des Parlaments ein Amtsenthebungsverfahren gegen Mugabe eingeleitet. Mugabe verkündete daraufhin seinen Rücktritt. Unter seiner Ära war Simbabwe infolge von Misswirtschaft und Vetternwirtschaft geprägt. Am Ende seiner Herrschaft erreichte die Inflationsrate des Landes 500 Milliarden %. Es wird sich aber nach dem Ende Mugabes erst zeigen, ob der sogenannte „Mugabeismus“ in Staat und Gesellschaft letztlich in modifizierter Form weiterlebt und Simbabwe bankrott und verarmt zurücklässt. Robert Mugabe stirbt schließlich im September 2019 an einem Krebsleiden. Obwohl ihn die politische Elite im Lande als „panafrikanischen Führer“ und „Helden der Unabhängigkeit“ im Rahmen einer pompösen Trauerfeier bezeichnet, so wird Mugabe schließlich nicht neben den anderen Kämpfern für die Unabhängigkeit auf dem „Heroes’ Acre“ nahe Harare beigesetzt, sondern auf dem örtlichen Friedhof in seinem Geburtsort Kutama im Süden Simbabwes.

Das simbabwische Militär lancierte im November 2017 die Operation „Restore Legacy“, um Langzeitpräsident Robert Mugabe aus dem Amt zu zwingen und eine Machtübergabe an seinen ehemaligen Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa zu ermöglichen. Die Intervention wurde ausgelöst durch Mugabes Schritt, hochrangige Militärpersonen - darunter Armeechef Constantino Chiwenga - in den Hintergrund zu drängen und einen ihrer engsten politischen Verbündeten, Mnangagwa, etwas mehr als eine Woche zuvor zu entlassen. Der Präsident begründete diese „Nacht der langen Messer“ damit, dass einige der einflussreichsten Persönlichkeiten des Landes eine Verschwörung geplant hätten, um seine Autorität zu untergraben. Doch letztendlich sollte Mugabes Schachzug nur dazu führen, dass seine Machtposition geschwächt wurde. In den drei Jahren nach dem ZANU-PF-Kongress 2014 hatte das Rennen um die Nachfolge von Mugabe die Regierungspartei in zwei konkurrierende Fraktionen gespalten: In die sogenannte „Lacoste“-Fraktion, angeführt von Mnangagwa, mit starken Verbindungen zum Militär und zu zentralen politischen Entscheidungsträgern des Staates; und in die Gruppe „G40“ (von Generation 40), eine weniger kohärente Gruppierung jüngerer Politiker, zu der auch sieben prominente Minister gehörten und die mit der zweiten Frau des Präsidenten, Grace, verbunden war, aber nie effektiv geführt wurde. Fast vier Jahrzehnte lang bis Ende 2017 gelang Mugabe stets ein kluger Spagat, indem er eine Fraktion gegen die andere ausspielte und interne Rivalitäten förderte, die alle Akteure nur dem Zentrum gegenüber verantwortlich machten. Als er jedoch Mnangagwa entfernte, stand der Präsident auf der Seite von G40, destabilisierte das Regime und setzte damit eine Vorgehensweise in Gang, die letztlich zu seinem eigenen Untergang führen würde. Die politischen Ambitionen von Grace Mugabe waren in der Gesellschaft kaum populär. So gab es wenig Unterstützung für ihre Ziele. Zu jener Zeit war Robert Mugabe der irrigen Meinung, dass Mnangagwa und Chiwenga leicht politisch neutralisiert werden könnten. Ihr Einfluss war aber deutlich größer, als er damals dachte. Beide reagierten rasch, um Robert Mugabe unter Hausarrest zu stellen.

Obwohl der schleichende Einfluss des Militärs sowohl innerhalb der Partei als auch des Staates kein neues Phänomen ist, scheint die Zeit seit dem Staatsstreich 2017 diesen Prozess zu intensivieren. Vor allem seit seiner Ernennung zum stellvertretenden Präsidenten sind Chiwenga und andere militärische Führungspersönlichkeiten weiter in Schlüsselbereiche der Wirtschaft vorgedrungen, wo sie wichtige Funktionen in der Landwirtschaft, bei der Rohstoffgewinnung und in staatliche staatlichen Unternehmen übernommen haben.

Die politisch-ökonomische Krise im Lande hat sich mit der neuen Regierung von Mnangagwa keineswegs gebessert. Sie hat sich vielmehr vertieft. So scheint die Ära von Mnangagwa große Ähnlichkeiten zur vergangenen Herrschaft Mugabes aufzuweisen.


Abgeschlossen: Mitte Jänner 2020





Anmerkungen und weiterführende LINKS:

Nicole Beardsworth / Nic Cheeseman / Simukai Tinhu, „ZIMBABWE: THE COUP THAT NEVER WAS, AND THE ELECTION THAT COULD HAVE BEEN“. In: African Affairs 472/2019, Seite 580-596.

Martin Meredith, „MUGABE’S MISRULE - And How It Will Hold Zimbabwe Back“. In: Foreign Affairs 2/2018, Seite 129-138.

Blair Rutherford, „(Dis-)Graceful Leadership: On Familial Logics and Politics in Zimbabwe“. In: Cahiers d'études africaines 2019/2, pages 625 à 654. (ABSTRACT)

Why Zimbabwe's Military Abandoned Mugabe | Foreign Affairs

Teddy Mungwari, „Media framing of ZANU PF Internal Succession Struggles: Mnangagwa and the Military Factor“. In: American Journal of Social Sciences and Humanities 1/2018, pp 1-21.

Ray Ndlovu, In the Jaws of the Crocodile - Emmerson Mnangagwa's Rise to Power in Zimbabwe, Struik Publishers (Pty) Ltd 2018, 240 Seiten.

Blog: Zimbabwe’s Military Coup: Ramifications and Implications

Tyanai Masiya / Godfrey Maringira, „The Use of Heroism in the Zimbabwe African National Union-Patriotic Front (ZANU-PF) Intra-Party Factional Dynamics“. In: Strategic Review for Southern Africa 2/2017, pp3-24.

Mugabe's demise: What's next? - Chr. Michelsen Institute

Articles sur Lacoste faction – The Conversation - L’expertise universitaire, l’exigence journalistique

Zanu-PF’s new factions: Forget Lacoste and G40, now it’s uniforms versus civvies

ARC Blog - Zimbabwe's threshold - Africa Risk Consulting

The Dangerous Game:  Relations Between Zimbabwe’s Independent Media And Zanu PF - Reuters Institute Fellowship Paper University of Oxford 2018

Team Lacoste vs G40: ED 'poisoning' triggers vicious fight

Mugabe Holds On - Council on Foreign Relations (2017)

Analysis: Emmerson Mnangagwa – the man behind Zimbabwe’s ‘coup’