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Edwin R. Micewski

Jus post bellum frigidum: Drei Jahrzehnte globaler Sicherheit nach Ende des Kalten Krieges
Eine transzendentalphilosophische Kritik

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titleZusammenfassung

Als der Kalte Krieg vor fast dreißig Jahren endete, löste dies weltweite Euphorie aus - schien doch die Verwirklichung einer stabilen und gerecht(er)en Weltordnung in Reichweite zu sein. In Erwartung einer umfassenden konventionellen und nuklearen Abrüstung sowie der Verwirklichung eines neuen weltweiten politischen und militärischen Humanismus wurde große Hoffnung auf die Herausbildung eines adäquaten Jus post bellum frigidum gesetzt. Die Begeisterung fand ihren intellektuell-philosophischen Höhepunkt in Francis Fukuyamas Verkündigung eines „Endes der Geschichte,“ darauf hindeutend, dass mit dem Sieg der freien Welt die Geschichte als kohärenter Evolutionsprozess ein Ende gefunden und mit der liberalen Demokratie ihre endgültige Regierungsform erreicht hatte.

Die strategischen Gemeinschaften von Nationen und Allianzen - zivile und militärische Experten in Regierungs- als auch Nichtregierungsorganisationen - sahen sich plötzlich mit paradigmatisch veränderten sicherheitspolitischen Umfeld- und Entwicklungsbedingungen konfrontiert und die transatlantische Sicherheitsarena fand sich nach Auflösung der Sowjetunion und des Warschauer Pakts alsbald im Zustand nachhaltiger Hyperaktivität.

Mannigfache Aufgaben bezüglich internationaler Zusammenarbeit und der Stabilisierung neuer Konflikt- und Unruhezonen, der Förderung der Demokratisierung in Ost- und Südosteuropa sowie wirtschaftlicher und bildungsmäßiger Unterstützung standen an. Der Autor dieses Beitrages teilte die anfängliche Begeisterung hinsichtlich der Errichtung einer neuen Weltordnung nach dem Kalten Krieg und leitete und unterstützte Bildungsbemühungen zur Demokratisierung in Ost- und Südosteuropa in den 1990er-Jahren und zu Beginn der 2000er-Jahre.

Dieser Beitrag blickt auf die drei Jahrzehnte, die seit dem Ende des Kalten Krieges vergangen sind, zurück und unterwirft die getätigten Schritte der internationalen Gemeinschaft einer Kritik auf Basis der Theorie des Gerechten Krieges und klassischer transzendentalphilosophischer Ideen der sozialen und politischen Philosophie. Er vertritt und untermauert die These, dass ideengeschichtliche Bildungsmängel im Bereich der politischen Theorie, der Sozial- und Moralphilosophie sowie Gelehrsamkeitsdefizite in der politischen Philosophie der nationalen und internationalen Beziehungen nachteilige und für die gerechte Stabilisierung globaler Beziehungen kontraproduktive Praktiken zur Folge hatten. Die Absenz einer vernünftigen politischen Philosophie der internationalen Beziehungen - einschließlich der Parameter einer globalen politischen Ethik - führte zu Fehlentscheidungen politischer Administrationen im euroatlantischen Raum, mit schwerwiegenden Konsequenzen für die internationale Ordnung und die Kooperation zwischen früheren Gegenspielern im Kalten Krieg. Mangelndes philosophisches Verständnis und die Nichtbeachtung ontologischer Mindeststandards für die politische Koexistenz von Völkern und Staaten in der transatlantischen Politik verhinderte die Bildung eines ausgewogenen post bellum frigidum.

Der Beitrag konfrontiert die v.a. im Westen vorherrschende, auf Szientismus und Strukturalismus sowie selbstbezüglicher Interessenpolitik beruhende politische Kultur mit der Herausforderung, dass (allein) die transzendentale politische Philosophie die Grundsätze für eine ordnungsgemäße Regelung menschlicher Angelegenheiten liefert bzw. liefern kann - und dies bevor sowie unabhängig von historischen und wissenschaftlichen Erfahrungen, die wir gemacht haben oder je machen werden. Sie gibt keine konkrete Handlungsanleitung und bewahrt auch nicht vor dem Scheitern und den Zufälligkeiten des Lebens. Aber sie gibt Orientierungswissen, dessen Beachtung zwar Erfolg nicht garantieren - dessen Missachtung jedoch, wie das Versagen der westlichen Eliten in der Implementierung einer globalen Friedensordnung nach dem Kalten Krieg beweist, der erfolgreichen Bewältigung politischer Aufgaben im Wege steht.

Umfassende Bildung und auf dieser beruhendes intellektuelles und moralisches Bewusstsein könnte unseren sozialen Ordnungen wieder angemessene Wertorientierung geben und den Kräften des Nihilismus in Staat und Gesellschaft, Politik und Kultur entgegentreten, so der Autor. Klare Kriterien zwischen richtig und falsch, menschlich und unmenschlich, gerecht und ungerecht, müssen wieder sowohl in der Innenpolitik als auch in der Art und Weise, wie wir nationale Sicherheit und internationale Beziehungen gestalten, eingeführt werden. Nicht länger dürfen Konzeptionen und Forderungen sozialer und politischer Gerechtigkeit an den dogmatischen Hedonismus von Einzelpersonen und Minderheiten, an Identitätspolitik und politische Korrektheit, an wirtschaftlicher Gier und eine die Ethik ausblendende Politik für globale Sicherheit gebunden bleiben.

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titleSummary

When the Cold War ended almost thirty years ago, it triggered worldwide euphoria - after all, the realization of a stable and just world order seemed to be within reach. In anticipation of comprehensive conventional and nuclear disarmament and the realization of a new global political and military humanism, great hope was placed on the formation of an adequate Jus post bellum frigidum. The enthusiasm reached its intellectual-philosophical climax in Francis Fukuyama's proclamation of an „end of history,“ suggesting that with the victory of the free world, history had come to an end as a coherent process of evolution and that liberal democracy had reached its final form of government.

The strategic communities of nations and alliances - civilian and military experts in government and non-governmental organizations - were suddenly confronted with paradigmatically changed security policy environments and development conditions, and the transatlantic security arena soon found itself in a state of sustained hyperactivity after the dissolution of the Soviet Union and the Warsaw Pact.

A variety of tasks relating to international cooperation and the stabilisation of new conflict and unrest zones, the promotion of democratisation in Eastern and South-Eastern Europe as well as economic and educational support were on the agenda. The author of this article shared the initial enthusiasm for the establishment of a new world order after the Cold War and led and supported educational efforts for democratization in Eastern and Southeastern Europe in the 1990s and early 2000s.

This article looks back on the three decades that have passed since the end of the Cold War and subjects the steps taken by the international community to a critique based on the theory of Just War and classical transcendental philosophical ideas of social and political philosophy. He argues and substantiates the thesis that lack of education in the history of ideas in the field of political theory, social and moral philosophy as well as scholarship deficits in the political philosophy of national and international relations have resulted in detrimental practices that are counterproductive for the just stabilization of global relations.

The absence of a reasonable political philosophy of international relations - including the parameters of a global political ethics - led to wrong decisions by political administrations in the Euro-Atlantic area, with serious consequences for the international order and cooperation between former opponents in the Cold War. A lack of philosophical understanding and disregard for minimum ontological standards for the political coexistence of peoples and states in transatlantic politics prevented the formation of a balanced post bellum frigidum.

This article confronts the prevailing political culture, especially in the West, based on scientism and structuralism as well as self-referential interest politics, with the challenge that (only) transcendental political philosophy provides or can provide the principles for a proper regulation of human affairs - and this before and independently of historical and scientific experiences that we have made or will ever make. It does not give any concrete instructions for action and does not protect against the failure and randomness of life. But it provides orientation knowledge, the observance of which does not guarantee success - but whose disregard, as the failure of the Western elites in the implementation of a global peace order after the Cold War proves, stands in the way of the successful completion of political tasks.

Comprehensive education, and intellectual and moral consciousness based on it, could give our social orders an appropriate value orientation and counter the forces of nihilism both in the state and in society, politics and culture, according to the author. Clear criteria between right and wrong, humane and unhumane, just and unjust, must be reintroduced both in domestic politics and in the way we shape national security and international relations. Conceptions and demands of social and political justice must no longer be tied to the dogmatic hedonism of individuals and minorities, to identity politics and political correctness, to economic greed and a policy for global security that ignores ethics.

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titleSommaire

La fin de la guerre froide, il y a près de trente ans, a suscité une euphorie mondiale parce qu’un ordre mondial stable et équitable semblait à portée de main. Dans l'attente d'un désarmement conventionnel et nucléaire global ainsi que de la réalisation d'un nouvel humanisme politique et militaire mondial, de grands espoirs ont été placés dans la formation d'un adéquat « jus post bellum frigidum » (droit de l'après-guerre froide). L'enthousiasme a atteint son point culminant sur le plan intellectuel et philosophique avec la proclamation par Francis Fukuyama d'une « fin de l'histoire », indiquant que la victoire du monde libre avait mis fin à l'histoire en tant que processus d'évolution cohérent et que la démocratie libérale avait atteint sa forme de gouvernement définitive. Les communautés stratégiques de nations et d'alliances - experts civils et militaires au sein d'organisations gouvernementales et non gouvernementales - se sont soudainement trouvées confrontées à un changement paradigmatique de l'environnement et des conditions de développement de la politique de sécurité, et l'arène de sécurité transatlantique s'est rapidement trouvée en état d'hyperactivité durable après la dissolution de l'Union soviétique et du Pacte de Varsovie. De nombreuses tâches ont été confiées en matière de coopération internationale et de stabilisation de nouvelles zones de conflit et de troubles, en matière de promotion de la démocratisation en Europe de l'Est et du Sud-Est, ainsi qu’en matière de soutien économique et éducatif. L'auteur de cet article a partagé l'enthousiasme initial pour l'établissement d'un nouvel ordre mondial après la guerre froide. Il a dirigé et soutenu les efforts éducatifs pour la démocratisation en Europe de l'Est et du Sud-Est dans les années 1990 et au début des années 2000. Cet article revient sur les trois décennies qui se sont écoulées depuis la fin de la Guerre froide et soumet les mesures prises par la communauté internationale à une critique basée sur la théorie de la guerre juste et sur les idées transcendantales classiques de la philosophie sociale et politique. Il défend et étaye la thèse selon laquelle les carences de formation dans l'histoire des idées de la théorie politique, de la philosophie sociale et morale ainsi que les déficits d'érudition dans la philosophie politique des relations nationales et internationales ont entraîné des pratiques préjudiciables et contre-productives pour la stabilisation équitable des relations mondiales. L'absence d'une philosophie politique raisonnable des relations internationales - y compris les paramètres d'une éthique politique globale - a conduit à des décisions erronées des administrations politiques dans la région euro-atlantique, avec de graves conséquences pour l'ordre international et la coopération entre les anciens adversaires de la Guerre froide. Le manque de compréhension philosophique et le non-respect des normes ontologiques minimales pour la coexistence politique des peuples et des États dans la politique transatlantique ont empêché la formation d'un post bellum frigidum équilibré. L'article confronte la culture politique occidentale, basée sur le scientisme et le structuralisme ainsi que sur la politique d'intérêts égoïstes, au défi que (seulement) la philosophie politique transcendantale fournit ou peut fournir les principes d'une bonne gestion des affaires humaines - et cela avant et indépendamment des expériences historiques et scientifiques que nous avons faites ou que nous ne ferons jamais. Elle ne donne pas de directives d'actions concrètes et ne préserve pas non plus de l'échec et des aléas de la vie. Mais elle fournit un savoir d'orientation dont l'observation ne garantit pas le succès - mais dont la méconnaissance, comme le prouve l'échec des élites occidentales dans la mise en place d'un ordre de paix mondial après la guerre froide, constitue un obstacle à la réussite des tâches politiques. Selon l'auteur, une éducation complète et une conscience intellectuelle et morale basée sur celle-ci pourraient redonner à nos ordres sociaux une orientation appropriée de valeurs et contrer les forces du nihilisme dans l'État et la société ainsi que dans la politique et la culture. Des critères clairs entre le bien et le mal, l'humain et l'inhumain, le juste et l'injuste, doivent être réintroduits tant dans la politique intérieure que dans la manière dont nous concevons la sécurité nationale et les relations internationales. Les conceptions et les exigences de justice sociale et politique ne peuvent plus être liées à l'hédonisme dogmatique d'individus et de minorités, à la politique identitaire et au politiquement correct, à la cupidité économique et à une politique de sécurité globale qui ignore l'éthique.

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Walter Posch

Kommunismus und Linksextremismus in und aus der Türkei - Teil 3
Im Schatten der PKK: Der Kampf geht weiter 2014-2020

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titleZusammenfassung

Die Wiederbelebung der linksextremen bewaffneten Untergrundgruppen in der Türkei kann um das Jahr 2010 herum datiert werden. Die Gründe hierfür wurden noch nicht erschöpfend aufgearbeitet. Bei einigen Punkten herrscht jedoch Klarheit: so spielt der Generationswechsel ebenso eine Rolle wie die gesellschaftlichen Veränderungen in der von Erdoğans AKP geprägten Türkei. Dagegen hatten sich bereits 2007 Bürgerproteste, die sogenannten Republikstreffen formiert. Dem sind internationale Faktoren hinzuzurechnen, wie die Finanzkrise von 2008, die in linken Kreisen als Bestätigung der marxistischen Kapitalismuskritik gelesen wird. Und schließlich wirkte sich das weltweit neu erwachte Interesse an linken Diskursen an den Universitäten und in der Popkultur aus, wo Personen wie Ernesto „Che“ Guevara als radical chic unkritisch rezipiert wurden. 2013 zeigten sich die wichtigsten Untergrundgruppen bei den Gezi-Protesten erstmals wieder außerhalb ihrer Stadtviertel. Diese Proteste begannen als Bürgerproteste gegen die Verschandelung und Bauspekulation eines zentralen Platzes in İstanbul. Im Zuge dieser Proteste wurden die Zivilgesellschaft von den aktiveren Linksextremisten rasch ausmanövriert und die Polizeibrutalität provozierte die entsprechenden Gegenreaktionen. Unter den acht Opfern befanden sich je ein Mitglied der DHKP-C und der TİKB. Es ist aber davon auszugehen, dass alle Untergrundorganisationen an den Protesten teilnahmen. Nach den Gezi-Ereignissen entstanden neue radikale Gruppen, die sich zum bewaffneten Kampf entschlossen. Noch vor dem Angriff der Terrormiliz „Islamischer Staat“ auf Sinjar und Kobanê im Sommer 2014 gingen sie gemeinsam mit Kämpfern etablierter Gruppen in die kurdische Region „Rojava“ in Nord- und Ostsyrien, wo sie mit der PKK in Kontakt traten.

Wenn diese Entwicklung sich fortsetzt, kann das für Europa bedeuten, dass die PKK im Laufe der Jahre in der Lage sein wird, die politische Koordination mit diesen Gruppen zur losen politischen Kontrolle über sie umzugestalten. Eine wichtige Voraussetzung dafür existiert bereits dahingehend, dass die linksextremen Untergrundorganisationen sich auch in Europa auf „Rojava“ als ihr eigenes politisches Projekt berufen müssen. Auch das war im Laufe der Proteste in Wien bereits sichtbar, wo die Fahnen von „Rojava“ und die militärischen Abzeichen der YPG und YPJ mitgeführt worden sind, obwohl die Proteste nicht von der PKK/KCK organisiert worden sind. Für die hier behandelten, aus der Türkei stammenden kommunistischen Untergrundgruppen kann das bedeuten, dass ihre Zukunft in der Türkei und in Europa bestenfalls im Schatten der bekannteren und wichtigeren PKK stehen wird.

Schließlich sei noch festzuhalten, dass die Region „Rojava“ nicht nur die Kurden und linke bzw. linksextreme Kreise unter den türkeistämmigen Migranten in Deutschland und Österreich motiviert und politisiert hat, sondern dass „Rojava“ als linksextremes Gesellschaftsprojekt auch großen Einfluss auf die linksradikale und linksextreme Szene in Europa ausübt. Denn in der romantisch verklärten Übertragung der „Revolution in Rojava“ auf europäische Verhältnisse bedeutet es nichts anderes, als die Stärkung des Narrativs von der Revolution und der revolutionären Gewalt gegenüber Rechtsstaat und bürgerlicher Demokratie.

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titleSummary

The revival of the far-left armed underground groups in Turkey can be dated around 2010. The reasons for this have not yet been exhaustively investigated. On some points, however, there is clarity: generational change plays just as much a role as social changes in Turkey, which is shaped by Erdoğan's AKP. On the other hand, citizen protests, the so-called republic meetings, had already formed in 2007. International factors must be added to this, such as the financial crisis of 2008, which is read in left-wing circles as a confirmation of the Marxist critique of capitalism. And finally, the newly awakened interest in left-wing discourses at universities and in pop culture, where people like Ernesto „Che“ Guevara were received as radical chic uncritically, had an effect. In 2013, the most important underground groups appeared outside their districts for the first time during the Gezi protests.

These protests began as citizen protests against the defilement and construction speculation of a central square in İstanbul. In the course of these protests, civil society was quickly outmaneuvered by the more active left-wing extremists and police brutality provoked the corresponding backlash. Among the eight victims were one member each of the DHKP-C and the TİKB. It can be assumed, however, that all underground organizations took part in the protests. After the Gezi events, new radical groups emerged that decided to engage in armed struggle. Even before the attack of the terrorist militia „Islamic State“ on Sinjar and Kobanê in the summer of 2014, they went together with fighters from established groups to the Kurdish region „Rojava“ in northern and eastern Syria, where they came into contact with the PKK.

If this development continues, it may mean for Europe that over the years the PKK will be able to transform political coordination with these groups into loose political control over them. An important prerequisite for this already exists in that the left-wing extremist underground organizations in Europe must also refer to „Rojava“ as their own political project. This was also already visible in the course of the protests in Vienna, where the flags of „Rojava“ and the military badges of the YPG and YPJ were carried, although the protests were not organized by the PKK/KCK. For the communist underground groups from Turkey discussed here, this may mean that their future in Turkey and in Europe will at best be overshadowed by the more well-known and important PKK.

Finally, it should be noted that the „Rojava“ region has not only motivated and politicized the Kurds and left-wing or left-wing extremist circles among migrants of Turkish origin in Germany and Austria, but that „Rojava“ as a left-wing extremist social project also exerts great influence on the left-wing radical and left-wing extremist scene in Europe. For in the romantically transfigured transfer of the „revolution in Rojava“ to European conditions, it means nothing more than the strengthening of the narrative of the revolution and revolutionary violence against the rule of law and bourgeois democracy.

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titleSommaire

La renaissance des groupes armés clandestins d'extrême gauche en Turquie peut être datée aux alentours de 2010. Les raisons de ce phénomène n'ont pas encore été étudiées de manière exhaustive. Certains points sont toutefois clairs : le changement de génération joue un rôle, tout comme les changements sociaux dans la Turquie marquée par l'AKP d'Erdoğan. En 2007 déjà, des manifestations citoyennes, appelées « Rencontres de la République », avaient été organisées pour protester contre ces changements. A cela s'ajoutent des facteurs internationaux, comme la crise financière de 2008, qui est lue dans les milieux de gauche comme une confirmation de la critique marxiste du capitalisme. Enfin, le regain d'intérêt pour les discours de gauche dans le monde entier a eu des répercussions dans les universités et dans la culture pop, où des personnes comme Ernesto « Che » Guevara ont été reçues sans esprit critique comme un radical chic. En 2013, les principaux groupes clandestins se sont montrés pour la première fois en dehors de leurs quartiers lors des manifestations de Gezi. Ces protestations ont commencé comme des manifestations citoyennes menées contre le défigurement et la spéculation immobilière d'une place centrale d'İstanbul. Dans le cadre de ces protestations, la société civile a été rapidement manœuvrée par les extrémistes de gauche plus actifs, et la brutalité policière a provoqué les contre-réactions correspondantes. Parmi les huit victimes, on comptait un membre du DHKP-C et un membre du TİKB. On peut toutefois supposer que toutes les organisations clandestines ont participé aux manifestations. Après les événements de Gezi, de nouveaux groupes radicaux ont vu le jour et ont décidé de s'engager dans la lutte armée. Avant même l'attaque de Sinjar et de Kobanê par la milice terroriste « État islamique » l’été 2014, ils se sont rendus avec des combattants de groupes établis dans la région kurde du « Rojava », au nord et à l'est de la Syrie, où ils sont entrés en contact avec le PKK. Si cette évolution se poursuit, cela pourrait signifier pour l'Europe que le PKK sera en mesure, au fil des années, de transformer la coordination politique avec ces groupes en un contrôle politique lâche sur eux. Une condition préalable importante existe déjà dans la mesure où les organisations clandestines d'extrême gauche doivent se référer, aussi en Europe, au « Rojava » comme leur propre projet politique. Les drapeaux du « Rojava » et les insignes militaires des YPG et YPJ ont déjà été portés par des manifestants à Vienne, bien que ces manifestations n'aient pas été organisées par le PKK/KCK. Pour les groupes communistes clandestins originaires de la Turquie dont il est question ici, cela peut signifier que leur avenir en Turquie et en Europe sera placé au mieux dans l'ombre du PKK, qui est une organisation plus connue et plus importante. Enfin, il convient de noter que la région du « Rojava » n'a pas seulement motivé et politisé les Kurdes et les milieux de gauche ou d'extrême gauche parmi les migrants d'origine turque en Allemagne et en Autriche, mais que le « Rojava », en tant que projet de société d'extrême gauche, exerce également une grande influence sur les milieux de la gauche radicale et de l'extrême gauche en Europe. En fait, dans la transposition romantique de la « révolution au Rojava » aux conditions européennes, cela ne signifie rien d'autre que le renforcement du récit de la révolution et de la violence révolutionnaire face à l'État de droit et à la démocratie bourgeoise.

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Markus Reisner

Die Rolle der militärischen Widerstandsgruppe um Major Carl Szokoll im März/April 1945
Eine Analyse im Spiegel zeitgenössischer sowjetischer Berichte

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titleZusammenfassung

Am 16. März 1945, zwei Tage nachdem die Plattenseeoffensive der deutschen Heeresgruppe Süd gegen die sowjetische 3. Ukrainische Front gestoppt worden war, griffen gleichzeitig die Truppen der sowjetischen 9. und 4. Gardearmee im Nordosten und der 26. und 27. Armee im Südosten des Plattensees an. Bereits innerhalb des ersten Tages gelang es, die deutschen Stellungen zu durchbrechen. Dies markierte den Beginn der sogenannten „Wiener Operation“ der sowjetischen Streitkräfte. Am 29. März 1945 wurde vom sowjetischen 14. selbstständigen Gardemotorradaufklärungsbataillon die deutsche Reichsgrenze bei Klostermarienberg überschritten. Die sowjetischen Soldaten fanden eine fast unbesetzte Reichsschutzstellung vor. Eilig aus dem Wehrkreis XVII in die Reichsschutzstellung entsandten deutschen Alarm- und Volkssturmeinheiten wurden in heftigen Kämpfen mit den sowjetischen Truppen zerschlagen oder vernichtet. Ihr Einsatz war zu spät erfolgt. Die Stawka hatte der 3. Ukrainischen Front bereits am 1. April 1945 neue Direktiven erteilt. Die operative Gruppierung der 6. Gardepanzerarmee sowie der 4. und 9. Gardearmee sollte durch das Wiener Becken auf Wien vorstoßen, die Stadt einnehmen und im Zeitraum zwischen 12. und 15. April den Raum Tulln bis St. Pölten zu gewinnen. Die sowjetischen Truppen hatten in der westungarischen Tiefebene pro Tag zum Teil 25 bis 30 km zurückgelegt. Nun verringerte sich diese Geschwindigkeit erheblich. Wie bereits im Raum der Reichsschutzstellung hatte man auch im Wienerwald sowjetische Fernaufklärung eingesetzt. Es wurde von dieser erkannt, dass die natürliche und verteidigungsgünstige Barriere des Wienerwaldes nur eingeschränkt von den deutschen Truppen genutzt wurde. Dieser entscheidende Umstand erlaubte es mit der 6. Gardepanzerarmee Wien im Westen zu umfassen. Somit sollten die Verteidigungsanstrengungen des Gegners in Wien selbst zunichte gemacht werden.

Die geplanten Maßnahmen der militärischen Widerstandsgruppe um Major Carl Szokoll sollten unter dem Decknamen Operation „Radetzky“ anlaufen und waren über Szokoll und seine Verbindungsleute zumindest in Teilbereichen auch mit anderen zivilen Widerstandssplittergruppen der losen gesamtösterreichischen Widerstandsgruppe „O5“ abgesprochen. Ziel aller Anstrengungen der militärischen Gruppe war es, den Vormarsch und Angriff der Sowjets auf Wien durch aktive Mithilfe zu beschleunigen und somit langwierige Kämpfe und eine mögliche weiträumige Zerstörung Wiens zu verhindern. Die von der österreichischen militärischen Widerstandgruppe im März und April 1945 getroffenen Maßnahmen wurden in der Nachkriegsliteratur in Aufsätzen und Beiträgen zum Thema bereits wiederholt durchleuchtet. Dabei wurden v.a. die persönlichen Berichte von Major Szokoll und Oberfeldwebel Käs, aber auch sowjetische Nachkriegsliteratur und ausgewählte zeitgenössische Dokumente für die Darstellung des Erfolges und Misserfolgs der Widerstandsgruppe herangezogen. Aufgrund der dem Autor vorliegenden Dokumente der verschiedenen sowjetischen Verbände von den Führungsebenen der Front, über Armee und Korps bis hin zur Division, ist es nun erstmals möglich, auch eine objektive Bewertung der Ereignisse aus Sicht der vormarschierenden sowjetischen Truppen durchführen zu können.

Abschließend ist daher festzustellen, dass die Operationsführung der 3. Ukrainischen Front beim unmittelbaren Kampf um Wien maßgeblich von den Aufklärungsergebnissen der sowjetischen Frontaufklärer bestimmt wurde. Die von der Widerstandsgruppe um Major Szokoll überbrachten Informationen wurden von den Sowjets vermutlich als willkommene Ergänzung ihrer Planungen angenommen, beeinflusst wurden sie davon aber nicht. Den Mut und dem Umstand, dass sie einen wesentlichen Beitrag zur Befreiung Österreichs leisten wollten, bezahlten schließlich einige Angehörige der Gruppe um Szokoll mit ihrem Leben.

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titleSummary

On March 16, 1945, two days after the Balaton offensive of the German Army Group South against the Soviet 3rd Ukrainian Front had been stopped, the troops of the Soviet 9th and 4th Guards Armies attacked simultaneously in the northeast and the 26th and 27th Armies in the southeast of Lake Balaton. Already within the first day it was possible to break through the German positions. This marked the beginning of the so-called „Vienna Operation“ of the Soviet armed forces. On March 29, 1945, the Soviet 14th Independent Guard Motorcycle Reconnaissance Battalion crossed the German Reich border at Klostermarienberg. The Soviet soldiers found an almost unoccupied Reich protection position. German alarm and Volkssturm units hurriedly sent from military district XVII to the Reich Protection position were smashed or destroyed in fierce battles with the Soviet troops.

Their deployment had been too late. The Stavka had already issued new directives to the 3rd Ukrainian Front on April 1, 1945. The operational grouping of the 6th Guards Tank Army as well as the 4th and 9th Guards Army was to advance through the Vienna Basin on Vienna, take the city and win the area of Tulln to St. Pölten in the period between 12 and 15 April. The Soviet troops had covered 25 to 30 km per day in the western Hungarian lowlands. Now this speed decreased considerably. As in the area of the Reich Protection Position, Soviet long-distance reconnaissance had also been used in the Vienna Woods. It was recognized by them that the natural and defensive barrier of the Vienna Forest was only used to a limited extent by the German troops. This decisive circumstance made it possible to encompass Vienna in the west with the 6th Gardepanzer Army. Thus, the defensive efforts of the enemy in Vienna itself were to be foiled.

The planned measures of the military resistance group around Major Carl Szokoll were to start under the code name Operation „Radetzky” and were agreed via Szokoll and his liaisons, at least in some areas, with other civil resistance splinter groups of the loose all-Austrian resistance group „O5”. The aim of all efforts of this military group was to accelerate the advance and attack of the Soviets on Vienna through active assistance and thus to prevent prolonged fighting and a possible large-scale destruction of Vienna. The measures taken by the Austrian military resistance group in March and April 1945 have already been repeatedly examined in post-war literature in essays and contributions on the subject.

In particular, the personal reports of Major Szokoll and Oberfeldwebel Käs, but also Soviet post-war literature and selected contemporary documents were used to present the success and failure of the resistance group. On the basis of the documents available to the author of the various Soviet units from the command levels of the front, through the army and corps to the division, it is now possible for the first time to carry out an objective assessment of the events from the point of view of the advancing Soviet troops.

In conclusion, therefore, it should be noted that the operational conduct of the 3rd Ukrainian Front in the immediate battle for Vienna was largely determined by the reconnaissance results of the Soviet front reconnaissance. The information provided by the resistance group around Major Szokoll was probably accepted by the Soviets as a welcome addition to their plans, but they were not influenced by it. The courage and the fact that they wanted to make a significant contribution to the liberation of Austria were finally paid for by some members of the group around Szokoll with their lives.

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titleSommaire

Le 16 mars 1945, deux jours après l'arrêt de l'offensive du lac Balaton par le groupe d'armées sud allemand contre le 3e front ukrainien, les troupes de la 9e et 4e armées de garde soviétiques, situées au nord-est, et de la 26e et 27e armées, situées au sud-est du lac Balaton, ont lancé une attaqué simultanée. Dès le premier jour de l’attaque, les positions allemandes ont été enfoncées. Cela a marqué le début de ce que l'on appelle « l'opération de Vienne » des forces armées soviétiques. Le 29 mars 1945, le 14e bataillon indépendant de reconnaissance de garde soviétique (à moto) a franchi la frontière allemande du Reich à Klostermarienberg. Les soldats soviétiques ont trouvé une position de protection du Reich presque inoccupée. Des unités allemandes d'alerte et du Volkssturm, envoyées rapidement du Wehrkreis (région militaire) XVII vers cette position de protection du Reich, ont été écrasées ou détruites lors de violents combats avec les troupes soviétiques, simplement parce qu’elles étaient arrivées trop tard. Le 1er avril 1945, la Stavka (quartier-général des forces armées soviétiques) avait déjà donné de nouvelles directives au 3e front ukrainien: le groupement opérationnel de la 6e armée blindée de garde ainsi que la 4e et 9e armées de garde devaient avancer vers Vienne à travers le bassin viennois, s'emparer de la ville et occuper la région de Tulln jusqu’à St-Pölten entre le 12 et le 15 avril. Les troupes soviétiques avaient parfois parcouru 25 à 30 km par jour dans la petite plaine de Hongrie. A ce point, néanmoins, la vitesse a commencé à diminuer. Comme dans la région de la position de protection du Reich, des reconnaissances soviétiques à longue portée avaient été mises en place dans le Wienerwald (Bois de Vienne). Cette reconnaissance a trouvé que la barrière naturelle et défensive du Wienerwald n'était utilisée que de manière limitée par les troupes allemandes. Cette circonstance décisive a permis d’envelopper Vienne à l'ouest avec la 6e armée blindée de garde. Ainsi, on voulait réduire à néant les efforts de défense de l'ennemi à Vienne même. Les mesures prévues par le groupe de résistance militaire autour du commandant Carl Szokoll devaient être lancées sous le nom de code « opération Radetzky ». Ces mesures avaient été coordonnées avec d'autres groupes civils de résistance, du moins dans certains domaines, par le commandant Szokoll et ses agents de liaison. Ces groupes de résistance faisaient partie du mouvement de résistance « O5 », qui couvrait toute l'Autriche. L'objectif de tous les efforts du groupe militaire était d'accélérer l'avancée et l'attaque des Soviétiques sur Vienne par une aide active et d'éviter ainsi des combats prolongés et une éventuelle destruction étendue de Vienne. Les mesures prises par le groupe de résistance militaire autrichien en mars et avril 1945 ont déjà été passées en revue à plusieurs reprises dans la littérature d'après-guerre, dans des articles et des contributions sur le sujet. Dans ce contexte, les rapports personnels du commandant Szokoll et de l'adjudant-chef Käs, mais aussi la littérature soviétique d'après-guerre et une sélection de documents contemporains ont été utilisés pour décrire le succès et l'échec du groupe de résistance « Szokoll ». Grâce aux documents des différentes unités militaires soviétiques dont dispose l'auteur, documents qui couvrent les niveaux de commandement du front jusqu'à la division en passant par l'armée et le corps d'armée, il est désormais possible, pour la première fois, de procéder à une évaluation objective des événements du point de vue des troupes soviétiques en avance. En conclusion, on doit donc constater que la conduite des opérations du 3e front ukrainien lors de la bataille pour Vienne a été largement déterminée par les informations fournies par les troupes de renseignement du front soviétique. Les informations transmises par le groupe de résistance du commandant Szokoll ont probablement été acceptées par les Soviétiques comme un complément bienvenu à leurs plans, mais elles ne les ont pas influencés. Certains membres du groupe autour de Szokoll ont finalement payé de leur vie leur courage et le fait qu'ils voulaient apporter une contribution essentielle à la libération de l'Autriche.

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Bernhard Richter

Das „Trendszenario 2022“

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titleZusammenfassung

Das jährlich erstellte Trendszenario ist ein wesentlicher Baustein der strategischen Vorausschau im BMLV. Die konzeptive Grundlage für den Prozess der strategischen Vorausschau finden findet sich in der Teilstrategie Verteidigungspolitik. Hier ist zuallererst der verteidigungspolitische Managementprozess definiert, der sich wiederum in drei Kernprozesse unterteilt. Die strategische Vorausschau ist im Kernprozess 1 festgelegt: Wesentliche Aufgabenstellung ist dabei die Festlegung und permanente Überwachung einer Früherkennungsarchitektur von strategischen Schlüsselfaktoren mit jährlicher Berichtslegung. Darauf aufbauend sind mögliche verteidigungspolitische Profilvarianten zu erarbeiten.

Die Grundlage für das Trendszenario 2022 ist das zukunftsanalytische Modell der „Umfeldszenarien 2035“ aus dem Jahr 2020. Während die Umfeldszenarien einen langfristigen Betrachtungshorizont von ca. 15 Jahren haben, bietet das Trendszenario eine mittelfristige Vorausschau (Beobachtungszeitraum 3-5 Jahre) und wird jährlich anhand relevanter Entwicklungen (Trends & Entwicklungen) im Modell angepasst. Die zentralen Bausteine dieser Szenarien sind die sogenannten Schlüsselfaktoren, die wiederum den analytischen Rahmen dieser Früherkennungsarchitektur bilden.

Der gesamte verteidigungspolitische Managementprozess ist in dem im BMLV betriebenen Softwaretool „Foresight Strategy Cockpit“ operationalisiert und kann dort im Rahmen des Expertennetzwerkes in kollaborativer Form bearbeitet werden.

Die vorliegenden Umfeldszenarien sind ein Update und eine Weiterentwicklung dieser Umfeldszenarien mit einem Zeithorizont bis 2035. Diese Szenarien basieren auf Schlüsselfaktoren wie globale machtpolitische Entwicklungen, Rolle der USA, Chinas, Russlands, globale wirtschaftliche Entwicklungen, relevante Entwicklungen der EU etc. Für diese Schlüsselfaktoren wurden alternative Entwicklungsmöglichkeiten erarbeitet (Zukunftsprojektionen), die anschließend über eine Konsistenzanalyse zu Szenarien zusammengefügt wurden. Im Rahmen dieser Konsistenzanalyse wird durch die Szenario-Software im Rahmen einer multidimensionalen Skalierung eine grafische Darstellung des Zukunftsraumes erstellt. In dieser Visualisierung des Zukunftsraumes werden sehr ähnliche Szenarien nahe zueinander und stark unterschiedliche Szenarien weiter voneinander entfernt dargestellt. Das Zukunftsraum-Mapping stellt sozusagen eine „Landkarte der Zukunft dar“.

Das mittelfristige Trendszenario 2022 liegt im Erwartungsraum. Es liegt sehr genau auf den strategischen Trennlinien der Unsicherheitsparameter. Wenn man jetzt diese unterschiedlichen Analyse- und Beurteilungsschritte übereinanderlegt, ergibt sich ein sehr valides Bild dieser Analysen und gibt klare Hinweise über zukünftige Herausforderungen im Raum begrenzter Unsicherheit.

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titleSummary

The annual trend scenario is an essential component of the BMLV's strategic foresight. The conceptual basis for the process of strategic foresight can be found in the defence policy sub-strategy. First and foremost, the defence policy management process is defined here, which in turn is divided into three core processes. The strategic foresight is defined in core process 1: The main task is the definition and permanent monitoring of an early detection architecture of strategic key factors with annual reporting. Based on this, possible defence policy profile variants are to be developed.

The basis for the trend scenario 2022 is the future analytical model of the „Environmental Scenarios 2035” from 2020. While the environmental scenarios have a long-term horizon of about 15 years, the trend scenario offers a medium-term forecast (observation period 3-5 years) and is adjusted annually on the basis of relevant developments (trends & developments) in the model. The central building blocks of these scenarios are the so-called key factors, which in turn form the analytical framework of this early detection architecture.

The entire defence policy management process is operationalised in the „Foresight Strategy Cockpit” software tool operated by the BMLV and can be worked on there in a collaborative form within the framework of the expert network.

The present environmental scenarios are an update and a further development of these environmental scenarios with a time horizon up to 2035. These scenarios are based on key factors such as global power political developments, the role of the USA, China, Russia, global economic developments, relevant developments in the EU, etc. For these key factors, alternative development possibilities were developed (future projections), which were then combined into scenarios via a consistency analysis. As part of this consistency analysis, the scenario software creates a graphical representation of the future space as part of a multidimensional scaling. In this visualization of the future space, very similar scenarios are presented close to each other and very different scenarios further remote from each other. The mapping of future space represents a „map of the future”, so to speak.

The medium-term trend scenario for 2022 is in line with expectations. It lies very precisely on the strategic dividing lines of the uncertainty parameters. If you now superimpose these different analysis and assessment steps, you get a very valid picture of these analyses and give clear indications about future challenges in the area of limited uncertainty.

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titleSommaire

Le scénario de tendances, élaboré chaque année, est un élément essentiel de l'anticipation stratégique au sein du ministère de la Défense autrichienne. La base conceptuelle du processus de l'anticipation stratégique se trouve dans la stratégie partielle dite « politique de défense ». Cette politique définit tout d'abord le processus de gestion de la politique de défense, qui se subdivise à son tour en trois processus clés. L'anticipation stratégique est définie dans le processus central numéro 1 dont la tâche essentielle consiste à définir et à surveiller en permanence une architecture de détection précoce des facteurs stratégiques clés, avec l’établissement d'un rapport annuel. Sur cette base, il convient d'élaborer des variantes de profil possibles en matière de politique de défense. Le scénario de tendances pour 2022 se fonde sur le modèle d'analyse prospective des « scénarios d'environnement 2035 » de l'année 2020. Alors que les scénarios d’environnement ont un horizon d'observation à long terme d'environ 15 ans, le scénario de tendances offre une prévision à moyen terme (période d'observation de 3 à 5 ans) et est adapté chaque année dans le modèle en fonction des évolutions pertinentes (tendances & développements). Les éléments centraux de ces scénarios sont ce que l'on appelle les facteurs clés, qui constituent à leur tour le cadre analytique de cette architecture de détection précoce. L'ensemble du processus de gestion de la politique de défense est opérationnalisé dans l'outil logiciel « Foresight Strategy Cockpit » (Cockpit de Stratégie Prévisionnelle), exploité au sein du ministère de la Défense autrichienne. Le processus de gestion peut y être traité sous forme collaborative dans le cadre d’un réseau d'experts. Les présents scénarios environnementaux sont une mise à jour et un développement de ces scénarios d’environnement à l'horizon 2035. Ces scénarios se basent sur des facteurs clés tels que les évolutions mondiales de politique de puissance, le rôle des États-Unis, de la Chine et de la Russie, les évolutions économiques mondiales, les évolutions pertinentes de l'UE, etc. Pour ces facteurs clés, des possibilités d'évolution alternatives ont été élaborées (projections futures), qui ont ensuite été assemblées en scénarios par une analyse de cohérence. Dans le cadre de cette analyse de cohérence, le logiciel de scénario établit une représentation graphique de l'espace futur dans le cadre d'une mise à l'échelle multidimensionnelle. Dans cette visualisation de l'espace futur, des scénarios très similaires sont représentés proches les uns des autres, et des scénarios très différents sont représentés éloignés les uns des autres. La cartographie de l'espace du futur représente en quelque sorte une « carte du futur ». Le scénario de tendances 2022, scénario à moyen terme, se situe dans l'espace des attentes. Il se situe très précisément sur les lignes de partage stratégiques des paramètres d'incertitude. Si l'on superpose maintenant ces différentes étapes d'analyse et d'évaluation, on obtient une image très valide de ces analyses, image qui donne des indications claires sur les défis futurs dans l'espace d'une incertitude limitée.

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Holger Alisch/Stephan Maninger

Die Ukraine: Der Weg in den Krieg - Eine realistische Perspektive

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titleZusammenfassung

Die Historikerin Barbara Tuchman beschrieb 1984 in „Die Torheit der Regierenden“ die sich wiederholenden Fehler (Selbstüberhebung, Dekadenz, Torheit oder Starrsinn) von staatlichen Entscheidungsträgern bei deren Identifizierung von „nationalen Interessen“ und bei der Wahl der Mittel, um eben jene zu sichern. Im September 2014 veröffentlichte der bekannte US-Politikwissenschaftler John J. Mearsheimer - sieben Monate nach der Besetzung der Halbinsel Krim durch russische Streitkräfte - einen viel beachteten Artikel mit dem Titel „Why the Ukraine Crisis is the West’s Fault“. In diesem Artikel attestierte er den postheroischen Entscheidungsträgern der westlichen Außen- und Sicherheitspolitik grobe Fehler in ihrer Wahrnehmung und Kalkulation der globalen wie regionalen Machtverschiebungen und der innersten Natur der internationalen Politik. Das dauerhafte Ignorieren der Logik der „balance of power“, der weiter bestehenden internationalen Anarchie, das blinde Vertrauen auf die Macht ökonomischer Interdependenz sowie auf die Chimäre, wertemäßiger Annäherung - trugen bis 2014 sehr zur damaligen Krise auf der Krim und in den östlichen Oblasten der Ukraine bei. Weiterhin wird ein geo- und machtpolitisch begründeter Konflikt zu einer Frage der Ideologie oder des Charakters einzelner Staatsmänner umgedeutet.

Folgender Beitrag orientiert sich an der Denkschule des Realismus in der Beleuchtung der Außen- und Sicherheitspolitik aus bundesdeutscher Perspektive.

Die innere Zerstrittenheit zwischen der ukrainischen Bevölkerung des westlichen Landesteils und den russisch-sprechenden Bewohnern des Ostens (und Südens) der Ukraine - ein klassischer, ethnonationalistischer Konflikt - wird gemeinsam mit dem klar zum Ausdruck gebrachten Unwillen Moskaus, ein Abgleiten Kiews an die Seite der USA zu akzeptieren immer wieder Anlass zu Muskelspielen, wechselseitigen Drohungen und Schuldzuweisungen bieten. Nur eine auf Dauer angelegte Kombination von drei offen kommunizierten strategischen Weichenstellungen kann hier tatsächliche Abhilfe schaffen:

1) Ein konventioneller Krieg mit NATO-Beteiligung bleibt aufgrund des Nuklearwaffenrisikos unwahrscheinlich. Die NATO sollte dennoch ihre Schutzgarantien für die Mitglieder an der östlichen Flanke der Allianz nicht nur verbal bekräftigen, sondern weitere Maßnahmen ergreifen, um bei einer hybrid oder konventionell von statten gehenden Verletzung der Souveränität, etwa der baltischen Staaten, schnell und schlagkräftig reagieren zu können. Gleichwohl sind die geostrategischen Ziele und die nationalen Interessen der Russen klar, begrenzt und berechenbar, weshalb diese Maßnahmen eher abschreckend wirken und die Risiken einer „Eskalation durch Schwäche“ reduzieren sollen.

2) Die europäischen Staaten, v.a. Deutschland, sollten ihre irrationale Aversion gegen sicherheitspolitische Vernunft und Realismus überdenken. Ideologisch motivierte Realitätsleugnung erzeugt gefährliche Hybris und erhöht die Wahrscheinlichkeit für folgenreiche Fehlkalkulationen. Dazu gehört, dass man die bisher vollzogenen Veränderungen der Grenzen der Ukraine (gezwungenermaßen) zur Kenntnis nehmen muss. Viele vorwiegend russisch geprägte Teile des Landes werden bei einem Fortgang des Konfliktes vermutlich de facto zur Russischen Föderation gehören. Am Ende wird sich hier für westliche Regierungen eine ungeliebte Lehre aus den Balkankriegen der 1990er-Jahre wiederholen.

3) Die Anfälligkeit der kritischen Infrastruktur sollte gegen Hybridkriegführung (Desinformation, Cyberangriffe etc.) besser geschützt werden. Cyberangriffe gegen den Bundestag waren schon zweimal erfolgreich, während sich die gesamte Sicherheitsarchitektur, v.a. mental, auf Nebenkriegsschauplätze zu konzentrieren scheint.

4) Auch wenn es das natürliche und völkerrechtlich verbriefte Recht der Ukraine ist, um eine Mitgliedschaft in die NATO nachzusuchen, sollte sie zumindest vorläufig nicht in die Allianz aufgenommen werden. Vielmehr könnte nach dem Vorbild Finnlands oder Jugoslawiens während des letzten Ost-West-Konfliktes eine bündnisfreie Rolle für das Land angestrebt werden.

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titleSummary

In 1984, the historian Barbara Tuchman described in „The Folly of the Rulers” the repetitive mistakes (self-aggrandizement, decadence, folly or stubbornness) of state decision-makers in identifying „national interests” and in choosing the means to secure them. In September 2014, seven months after the occupation of the Crimean peninsula by Russian forces, the well-known US political scientist John J. Mearsheimer published a highly regarded article entitled „Why the Ukraine Crisis is the West's Fault”. In this article, he attested to the post-heroic decision-makers of Western foreign and security policy gross errors in their perception and calculation of global and regional power shifts and the innermost nature of international politics.

The permanent ignoring of the logic of the „balance of power”, the continuing international anarchy, the blind reliance on the power of economic interdependence as well as on the chimera of value-based rapprochement - very much contributed to the crisis in Crimea and the eastern oblasts of Ukraine until 2014. Still, a geopolitical and power-political conflict is reinterpreted as a question of ideology or the character of individual statesmen.

The following article is based on the school of realism in the light of foreign and security policy from a German perspective.

The internal strife between the Ukrainian population of the western part of the country and the Russian-speaking inhabitants of the east (and south) of Ukraine - a classic, ethno-nationalist conflict - together with Moscow's clearly expressed unwillingness to accept Kiev's slide to the side of the US, will repeatedly provide reasons for muscle-flexing, mutual threats and accusations. Only a long-term combination of three openly communicated strategic settings of the course can actually remedy this situation:

1) A conventional war involving NATO remains unlikely due to the risk of nuclear weapons. Nevertheless, NATO should not only verbally reaffirm its guarantees of protection for the members on the eastern flank of the Alliance, but also take further measures to be able to react quickly and effectively in the event of a hybrid or conventional violation of sovereignty, such as of the Baltic states. Nevertheless, the geostrategic goals and national interests of the Russians are clear, limited and predictable, which is why these measures are intended to act as a deterrent and reduce the risks of an „escalation through weakness”.

2) The European states, especially Germany, should reconsider their irrational aversion to security policy reason and realism. Ideologically motivated denial of reality creates dangerous hubris and increases the likelihood of momentous miscalculations. This includes (forced) taking note of the changes of Ukraine's borders that have taken place so far. Many predominantly Russian-influenced parts of the country will probably de facto belong to the Russian Federation if the conflict continues. In the end, western governments will repeatedly take an unpopular lesson from the Balkan wars of the 1990s.

3) The vulnerability of critical infrastructure should be better protected against hybrid warfare (disinformation, cyber attacks, etc.). Cyber attacks against the Bundestag have already been successful twice, while the entire security architecture, especially mentally, seems to focus on secondary theatres of war.

4) Although it is Ukraine's natural and international right to seek membership of NATO, it should not be admitted to the Alliance, at least for the time being. Rather, following the example of Finland or Yugoslavia during the last East-West conflict, a non-aligned role for the country could be aspirated.

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En 1984, l'historienne Barbara Tuchman a décrit dans « La folie des gouvernants » les erreurs répétées (suffisance, décadence, folie ou entêtement) des décideurs étatiques dans leur identification des « intérêts nationaux » et dans le choix des moyens pour garantir ces mêmes intérêts. Dans cet article, elle attestait que les décideurs post-héroïques de la politique étrangère et de sécurité occidentale commettaient des erreurs grossières dans leur perception et leur calcul des glissements de pouvoir tant mondiaux que régionaux et de la nature intime de la politique internationale. L'ignorance permanente de la logique de la « balance of power » (équilibre des pouvoirs), de l'anarchie internationale persistante, la confiance aveugle dans la puissance de l'interdépendance économique ainsi que dans la chimère d'un rapprochement des valeurs - ont largement contribué à la crise qui a éclaté en Crimée et dans les oblasts orientaux de l'Ukraine jusqu'en 2014. En outre, un conflit fondé sur la géopolitique et le pouvoir est transformé en une question d'idéologie ou de caractère de certains hommes d'État. L'article suivant s'oriente à l'école de pensée du réalisme dans l'éclairage de la politique étrangère et de sécurité dans la perspective de l'Allemagne fédérale. Le conflit interne entre la population ukrainienne de la partie occidentale du pays et les habitants russophones de l'est (et du sud) de l'Ukraine - un conflit ethno-nationaliste classique - ainsi que la réticence clairement exprimée par Moscou d'accepter un glissement de Kiev aux côtés des Etats-Unis donneront toujours lieu à des jeux de muscles, des menaces réciproques et des accusations. Seule une combinaison à long terme de trois choix stratégiques ouvertement communiqués peut apporter un réel remède à cette situation:

1) Une guerre conventionnelle impliquant l'OTAN reste improbable en raison des risques liés aux armes nucléaires. L'OTAN ne devrait toutefois pas se contenter de réaffirmer verbalement ses garanties de protection pour les membres situés sur le flanc oriental de l'Alliance, mais prendre d'autres mesures afin de pouvoir réagir rapidement et avec force en cas de violation hybride ou conventionnelle de la souveraineté, par exemple des États baltes. Néanmoins, les objectifs géostratégiques et les intérêts nationaux des Russes sont clairs, limités et prévisibles; c'est pourquoi ces mesures ont plutôt un effet dissuasif et visent à réduire les risques d'une « escalade par faiblesse ».

2) Les Etats européens, en particulier l'Allemagne, devraient reconsidérer leur aversion irrationnelle pour la raison et le réalisme en matière de politique de sécurité. Le déni de réalité motivé par l'idéologie engendre une dangereuse hubris et augmente la probabilité d'erreurs de calcul, erreurs lourdes de conséquences. Cela implique d’accepter (par la force des choses) des modifications des frontières de l'Ukraine qui ont été effectuées jusqu'à présent. Si le conflit se poursuit, de nombreuses parties du pays à prédominance russe feront probablement partie de facto de la Fédération de Russie. Au final, les gouvernements occidentaux verront se répéter ici une leçon peu appréciée des guerres des Balkans des années 1990.

3) La vulnérabilité de l'infrastructure critique devrait être mieux protégée contre la guerre hybride (désinformation, cyberattaques, etc.). Des cyberattaques contre le Bundestag allemand ont déjà été menées avec succès à deux reprises, alors que l'ensemble de l'architecture de sécurité, surtout mentale, semble se concentrer sur des théâtres d'opérations secondaires.

4) Même si l'Ukraine a le droit naturel et garanti par le droit international de demander son adhésion à l'OTAN, elle ne devrait pas être admise dans l'alliance, du moins pour le moment. On pourrait plutôt, à l’exemple de la Finlande ou de la Yougoslavie lors du dernier conflit Est-Ouest, viser un rôle non aligné pour ce pays.