Raketenabwehr - Ausgewählte physikalisch-technische Aspekte

Peter Sequard-Base

 

Das Thema Raketenabwehr bildet nach dem Afghanistaneinsatz der NATO das einzige Artikel 5 Projekt der westlichen Verteidigungsallianz. Dieser Artikel regelt den „Bündnisfall“. Die folgenden Ausführungen wollen einen kurzen Abriss über einige der wichtigsten physikalisch-technischen Aspekte der Raketenabwehr bieten. Das Amt für Rüstung und Wehrtechnik (ARWT) des Österreichischen Bundesheeres (ÖBH) beschäftigt sich schon seit über einem Jahrzehnt mit den technischen Fragestellungen betreffend der Abwehr ballistischer Raketen und hat dazu auch das Computersimulationsmodell RAAB (RAketenABwehr) entwickelt, mit dessen Hilfe die Kinematik der ablaufenden Prozesse untersucht werden kann. Weiters organisiert das ARWT (bisher gemeinsam mit der Universität Innsbruck, Institut für Politikwissenschaft) jährlich den interdisziplinären „Österreichischen Workshop zur Raketenabwehr“, der sich in erster Linie an die Fachleute aus dem deutschsprachigen Raum richtet, aber auch bereits zahlreiche Gäste aus dem zentraleuropäischen Raum begrüßen durfte. All diese Aktivitäten entspringen dem Bemühen, ein Minimum an Einblick in dieses wichtige Projekt der NATO zu gewinnen. Ausgehend von allgemeinen Raketenparametern, der Diskussion der verschiedenen Flugphasen einer ballistischen Rakete, dem Begriff der Raketenabwehrarchitektur sowie der Auseinandersetzung mit einigen ausgewählten Detailfragen, soll nun versucht werden, die Thematik Raketenabwehr - von einem physikalisch-technischen Standpunkt aus betrachtet - zu veranschaulichen.

Exemplarisch sei hier die im Rahmen des EPAA (European Phased Adaptiv Approach) für das Jahr 2015 in Rumänien in der Nähe von Deveselu geplante Indienststellung eines Silofeldes mit SM3 Block1 B Abwehrflugkörper angeführt. Es wäre die erste an Land befindliche operationelle Starteinrichtung für die normalerweise auf den AEGIS-Schiffen eingesetzten SM3 Flugkörper. Gegenwärtig sind die SM3 Block1 A Flugkörper auf den Schiffen installiert. Die Version Block1 B, wie sie für Deveselu vorgesehen ist, entspricht einer Weiterentwicklung der Version Block1 A, wobei der Hauptunterschied im Detektorsystem des so genannten Kill Vehicle liegt. Die Version Block1 A arbeitet mit einem Infrarot-Detektor der nur in einem Wellenlängenbereich detektiert, während die Version Block1 B über eine Detektion in zwei verschiedenen Wellenlängenbereichen verfügt. Der Vorteil bei der Detektion in zwei Wellenlängenbereichen liegt u.a. in der Möglichkeit, damit die Temperatur des Zieles zu vermessen um Störziele, gewollte aber auch ungewollte, besser zu erkennen und die Wahrscheinlichkeit, den gefährlichen Wiedereintrittskörper anzufliegen, damit erhöht wird.