Die österreichische Militärpharmazie einst und jetzt: Vom Ersten Weltkrieg zur Gegenwart

Thomas Rehor

 

Die Militärpharmazie nimmt bis heute eine Sonderstellung innerhalb der Pharmazie ein und kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Ihre Geburtsstunde ist jenes Reskript vom 15. Jänner 1794, mit dem Kaiser Franz II. die Arzneimittelbelieferung der Habsburgerarmee von zivilen Apotheken auf eine militäreigene Institution übertrug. Das Zentrum der sanitären Versorgung der Armee blieb bis 1918 die so genannte Militärmedikamentendirektion, seit 1867 k. u. k. Institution, mit Sitz in Wien am Rennweg 12. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden das militärische Sanitätswesen und damit verbunden auch der pharmazeutische Bereich mehrmals reorganisiert. Das betraf auch die Aus- und Fortbildung, die u.a. in den chemischen Laboratorien des k. u. k. Militär-Sanitäts-Komitees im Wiener Josephinum abgehalten wurde. Diese Laboratorien waren für medizinisch-chemische, forensisch-toxikologische, hygienisch-bakteriologische Analysen und Lebensmitteluntersuchungen reichhaltig ausgestattet. Hier absolvierten die Militärapotheker gemeinsam mit den Militärärzten einen Teil ihrer Ausbildung. Dieses Wissen mussten sie bald innerhalb der Salubritätskommissionen und in den Feldlaboratorien im Ersten Weltkrieg umsetzen. Übrigens: Im Josephinum befanden sich bis zum Umzug sämtlicher pharmazeutischer Universitätsinstitute (1994) in das neue Universitätszentrum II das Institut für Pharmakognosie und das Institut für Pharmazeutische Technologie, in dem Generationen von Pharmazeuten einen Teil ihrer universitären Ausbildung absolvierten. Im Vergleich zu 1914 ist die Militärpharmazie der Gegenwart nicht nur ziviler, sondern auch internationaler geworden. In der strategisch-operativen Ausrichtung der Militärpharmazie wird im Rahmen der Sanitätsgüterlogistik der Umfang der Bevorratung der Sanitätsausstattung nicht nur für das Inland sondern auch für das Ausland festgelegt. Das bedeutet, dass sich aufgrund der internationalen Ausrichtung der Militärpharmazie die Sanitätsausstattung im Österreichischen Bundesheer zunehmend internationalen Normen, z.B. den Standardization Agreements (STANAG) der NATO anpassen muss. Die k. u. k. Militärmedikamentendirektion war bis zum Ende des Ersten Weltkrieges direkt der 14. Abteilung des Kriegsministeriums unterstellt und wurde vom Direktor, der wiederum vom Kaiser ernannt wurde, angeführt. Im ehemaligen Kriegsministerium waren Pharmazeuten nur in untergeordneter Stellung vertreten. Auch dieses Bild hat sich geändert. Heute sind die Militärapotheker in die fachlichen Entscheidungsprozesse im BMLVS wesentlich stärker eingebunden. Ihr Stellenwert ist nicht zuletzt daran ersichtlich, dass der direkt beim BMLVS eingeteilte Militärapotheker mit dem Dienstgrad Brigadier nun auch in die Generalsränge vorgestoßen ist, während der Direktor der ehemaligen k. u. k. Militärmedikamentendirektion als Oberstabsapotheker 1. Klasse höchstens in die VI. Rangklasse zum Oberst aufsteigen konnte. Und, last but not least, steht nun auch Pharmazeutinnen der Weg in die Militärpharmazie, wie die Militärapothekerin im Wiener Heeresspital zeigt, offen.