Sondereinsatzkräfte der US-Reservestreitkräfte

Raymond E. Bell Jr.

Die prominentesten und bekanntesten US-Sondereinsatzverbände sind die Green Berets des US-Heeres und die Elitetruppe der SEALs der US-Marine, wobei der Begriff SEAL als Akronym aus den Wörtern Sea, Air, Land die Einsatzorte Meer, Luft, Boden der Spezialeinheit zum Ausdruck bringt. Weniger bekannt ist, dass zu den Sondereinsatzkräften auch die leichten Infanterieverbände der Rangers des Heeres sowie Verbände für zivile Angelegenheiten und psychologische Operationen zählen. Ungefähr die Hälfte der Sondereinsatzkräfte gehört der Army an, der Rest den anderen Teilstreitkräften. Sowohl die Nationalgarde als auch die Reservestreitkräfte haben ebenfalls starke Kontingente an Sondereinsatzkräften.
In der Geschichte der USA - bevor diese ihre Unabhängigkeit erlangten - erfüllten Siedler, die man als Reservisten einstufen kann, die Aufgaben von Sondereinsatzkräften. Die ersten Siedler, Zivilisten, griffen zu ihren Musketen und zogen aus, um ihr Zuhause zu verteidigen. Manchmal war zwar Kampf unvermeidlich, manchmal konnten aber in Verhandlungen mit den amerikanischen Ureinwohnern friedliche Lösungen für Konflikte zwischen Menschen höchst unterschiedlicher Kulturkreise gefunden werden.
Die ersten organisierten militärischen Verbände waren Milizen lokaler Natur, die sich nur angesichts lokaler Bedrohungen versammelten. Als die Europäer Leute in die „Neue Welt“ entsandten, hießen sie auch Berufssoldaten, sich auf den Weg zu machen und zu helfen, diese Milizen aufzustellen und zu führen. Während der Franzosen- und Indianerkriege des frühen 18. Jahrhunderts stellten die Siedler oft zusätzliche Kräfte für die regulären britischen Soldaten. Die bekanntesten dieser Siedler-Milizionäre waren Rogers’ Rangers, entschlossene und erfahrene Milizsoldaten, die für die Briten Hinterhalte, Kommandounternehmen und Aufklärungsaufgaben durchführten. Unter der Führung von Major Robert Rogers zeichneten sich diese Rangers durch kühne Taktiken und Aufklärungstechniken, insbesondere im Bereich der Fernaufklärung, aus.
Als die amerikanische Bevölkerung nach Westen, zum Pazifischen Ozean, aufbrach, übernahm eine aktive oder reguläre Armee den Hauptteil der Last, den bis dahin die Siedler und die frühen Milizen bezüglich des Schutzes amerikanischer Bürger getragen hatten. Sondereinsätze wurden im Allgemeinen von Angehörigen der regulären (Berufs-)Armee, insbesondere im Umgang mit amerikanischen Ureinwohnern in den westlichen Territorien, durchgeführt. Erst nach dem Vietnamkrieg organisierte die Reservekomponente Nationalgarde der US-Armee Sondereinsatzkräfte. Heute ist die Gemeinschaft der Sondereinsatzkräfte eine teilstreitkräftegemeinsame Streitmacht, in die aktives und Reservepersonal eng integriert sind.

Sondereinsatzverbände der US-Armee-Reservestreitkräfte

Zum Verständnis, wie Soldaten der Reserve der US-Armee sich in die Gemeinschaft der Sondereinsatzkräfte einfügen, ist das Wissen um die Struktur des Sondereinsatzkräftekommandos der US-Armee (USASOC) erforderlich. Die Reservekomponenten sind nicht in allen verschiedenen Teilen des Kommandos vertreten, wobei noch zwischen Armee-Nationalgarde (ARNG) und Armee-Reserve differenziert wird.
Nur Verbände der Sondereinsatzkräfte sind in der ARNG anzutreffen; Einheiten für zivile Angelegenheiten und psychologische Operationen gibt es keine in der aktiven Armee, sondern nur in der Reserve.
Bei näherer Betrachtung der bekanntesten Sondereinsatzkräfte, der Green Berets, fällt auf, dass die beiden Sondereinsatzkräfte-Verbände der ARNG, die 19. und 20. Brigade (Special Forces Groups, SFGs), unterstellte Teile in nicht weniger als 18 Gliedstaaten haben. Bei ihrer Aufstellung war vorgesehen, dass Einheiten der 19. SFG die Pazifikanrainerstaaten und Asien als Operationsgebiet haben würden, während die 20. SFG auf Europa, Afrika und Lateinamerika orientiert war. Heute aber, angesichts des weltweiten Einsatzes von Sondereinsatzkräften, werden Teile der SFGs überall dort eingesetzt, wo der Bedarf am größten ist.
1995 verlegten die beiden ARNG Sondereinsatzkräfte-Brigaden Elemente (Einsatzabteilungen A bzw. ODAs) ins ländliche Haiti, um durch deren Präsenz vor Ort sicherzustellen, dass die Präsidentschaftswahlen ordnungsgemäß verliefen. Der Einsatztrupp ODA 2012 der 20. SFG der ARNG-Sondereinsatzkräfte, bestehend aus den beiden Offizieren Hauptmann Alfred McGinnis und Oberleutnant Paul O’ Leary sowie zehn hochrangigen Unteroffizieren, war in der Stadt Mirebalais stationiert. Sechs weitere ODAs der 20. SFG operierten ebenfalls in haitischen Ortschaften und Städten sowie aus ihnen heraus. Sie wurden um sechs ODAs der 19. SFG der ARNG verstärkt. McGinnis und O’ Leary waren älter als ihre Kameraden aus dem Aktivdienst. Das Personal der Sondereinsatzkräfte der ARNG in Haiti war durchschnittlich 26 bis 47 Jahre alt. Diese Leute waren jedoch physisch genau so fit wie ihre Kameraden in der aktiven Armee, weil sie eisern spezielle Diäten hielten und viel trainierten. McGinnis hatte mit britischen Sondereinsatzkräften gearbeitet und war ein ausgebildeter Fallschirmspringer für Absprünge aus großer Höhe. Im Zivilberuf war McGinnis Lehrer in einer Sonderschule in Columbus, Georgia, wo er behinderte Kinder unterrichtete. In seinem Aktivdienst in Haiti beschrieb er seine militärische Aufgabe als „klassische Mission: Leute zu gewinnen“.
Bis zur Operation Iraqi Freedom 2003 wurden ARNG-Einheiten als Teil der strategischen Reserve der Armee gesehen, der außer als zu Trainingszwecken nicht zum Aktivdienst einberufen werden sollte, solange kein größerer Konflikt die massive Einberufung von Armeetruppen erforderlich machte. Das US-Engagement im Irak nach dem Sturz Saddam Husseins resultierte jedoch in der Aktivierung einer Vielzahl von ARNG-Einheiten, darunter Elementen der SFGs der ARNG durch den US-Präsidenten.
Zu Beginn der Operation Iraqi Freedom wurden nur einzelne Soldaten der ARNG-Sondereinsatzkräfte mit speziellen Kenntnissen in den Aktivdienst einberufen, um dort Personallücken in SFGs der aktiven Armee zu füllen. Bald wurde aber klar, dass es mit diesen Individuen nicht getan war, und wenig später wurde die A-Kompanie des 1. Bataillons der 19. SFG zur Gänze einberufen. Es war dies die erste, bei Weitem aber nicht die letzte Sondereinsatztruppe der ARNG, die einberufen wurde, um im Irak Dienst zu versehen. 2011 war die Unterstützungskompanie der 19. SFG - unter den letzten US-Truppen im Irak - ein Schlüsselelement der vereinigten amerikanischen teilstreitkräfteübergreifenden Sondereinsatzkräfte für die Arabische Halbinsel.
Als dann der NATO- und ISAF-Einsatz in Afghanistan Fahrt aufnahm, wurden Elemente der 20. SFG aktiviert und in dieses Land entsandt, um dort mit Teams der Sondereinsatzkräfte im Aktivdienst zusammenzuarbeiten. Obwohl SFG-Personal in Afghanistan höchst aktiv ist, wird die Teilnahme von Sondereinsatzkräften der ARNG nicht extra betont, weil diese voll in die Einsatzkräfte integriert sind.
Die Brigaden für psychologische Kampfführung (PSYOPSG(roups)) der US-Armee-Rerserve arbeiten ebenfalls eng mit ihren Gegenparts im Aktivdienst zusammen. Die 4. PSYOPSG und die ihr unterstellten Bataillone der aktiven Armee sind eng mit zwei PSYOPSG, der 2. und 7., der aktiven Armee verzahnt. Die zwei Brigaden sind Verbände zur taktischen psychologischen Kampfführung, von denen jede über mehrere Bataillone verfügt, denen wieder taktische Kompanien unterstehen. Die 2. PSYOPSG hat traditionell Divisionen der aktiven Armee in Europa, Lateinamerika, Afrika und im Nahen Osten unterstützt. Zur Unterstützung der heutigen Brigade-Kampfgruppen entsendet eine PSYOPS-Kompanie unterstellte Elemente wie zum Beispiel Lautsprecherteams, um damit taktische Einsätze zu unterstützen. Solcherart kann ein dreiköpfiges Team mit auf einem hochbeweglichen Gefechtsfahrzeug (Humvee) montierten Lautsprechern bestens eine Gruppe Infanteristen unterstützen.
Armee-Reservisten mit besonderen Sprachkenntnissen fühlen sich insbesondere zur PSYOPS-Gemeinschaft hingezogen, und viele von ihnen haben außenpolitische Erfahrungen aus dem Zivilleben hinsichtlich der Region, auf welche die PSYOPS-Einheit orientiert ist. Akademiker und Universitätsstudenten aus dem Feld der internationalen Beziehungen mit Reservedienstgrad finden den Dienst in PSYOPS-Verbänden besonders interessant und angemessen.
Die Kommanden für zivile Angelegenheiten der Armee-Reserve sind unter dem Befehl von Brigadegenerälen eng mit der 95. Brigade für zivile Angelegenheiten (CAB) der aktiven Armee verzahnt. Es gibt vier Kommanden für zivile Angelegenheiten, von denen jedem einzelnen Brigaden, Bataillone und Kompanien unterstellt sind. Diese Kommanden sind das 350., 351., 352. und 353. und sie orientieren sich an den größeren Regionalkommanden der aktiven Armee. So unterstützt beispielsweise das 352. Kommando das Central Command ARCENT der Armee, das für die Länder des Nahen Ostens verantwortlich ist.
Im Zweiten Weltkrieg übernahm Personal für zivile Angelegenheiten Funktionen der Militärregierung. Als diese Aufgaben im Lauf der Zeit immer weniger wurden, wandelten sich diese Verbände mit Regierungsfunktionen in solche mit Beratungsaufgaben für die einheimischen Regierungen.
Auf der Kommandoebene für zivile Angelegenheiten besteht das Personal in der Regel aus kleinen Zellen, die von höheren Offizieren - meist mit Dienstrang Oberst - geführt werden. Eine Zelle mit dem Zuständigkeitsbereich öffentliche Sicherheit könnte beispielsweise aus mehreren Stabsoffizieren bestehen. Der Zellenchef könnte ein Oberstleutnant in der US-Armee-Reserve und im Zivilberuf Polizeichef einer mittelgroßen amerikanischen Stadt sein, bevor er zum Aktivdienst einberufen wurde.
Die Operation Desert Storm in Kuwait und im Irak und die darauf folgende humanitäre Operation Provide Comfort in den kurdischen Provinzen des nördlichen Irak ab 1991 fanden unter massivem Einsatz von Elementen für zivile Angelegenheiten der Armeereserve statt. Die Aktivierung diesbezüglicher Verbände erwies sich für die Angehörigen des 352. Kommandos für zivile Angelegenheiten als frustrierende Erfahrung, weil ihre Kollegen aus der aktiven Armee ihnen mit Geringschätzung begegneten. Gleichermaßen waren die Resultate der Anstrengungen der Reservisten enttäuschend, weil die Aktivitäten hinsichtlich ziviler Angelegenheiten vom stärker kampforientierten Personal der aktiven Armee nicht angemessen gewürdigt wurden.
Auch die Operation Iraqi Freedom - von der Regierung Präsident Bushs auf der Basis eines minimalen Kräfteansatzes begonnen - lief für den Bereich zivile Angelegenheiten ebenfalls nicht nach Wunsch. Es gab keinen kohärenten Plan für den Umgang mit dem Irak nach der Vernichtung von Saddam Husseins Regime. Schlimme Fehler in der Beurteilung, wie man mit den Insurgenten nach der Zerschlagung der irakischen Streitkräfte umgehen sollte, führten zu multiplen Problemen im Bereich zivile Angelegenheiten, durch die das wenige Personal der wiederum aktivierten 354. Brigade für zivile Angelegenheiten des 352. Kommandos auf eine harte Probe gestellt wurde.
Als die afghanischen Taliban auf dem Gefechtsfeld besiegt waren, wurde auf die Bedürfnisse einer neu eingerichteten afghanischen Regierung wenig Rücksicht genommen. Aber aufgrund der gleichzeitigen Operationen im Irak gelangte man zu einer realistischeren Einschätzung der notwendigen Anstrengungen im Zivilbereich. Das 96. Bataillon für zivile Angelegenheiten der aktiven Armee wurde beispielsweise auf Brigadegröße gebracht und erhielt viele Bataillone für zivile Angelegenheiten unterstellt. Seither haben Armee-Reservisten für zivile Angelegenheiten multiple Entsendungen im Irak und in Afghanistan abgedient.
Die Erfahrungen mit dem Koordinationszentrum für humanitäre Hilfe (HACC) der 354. CAB der Armee-Reserve im Irak kurz nach der Invasion des Landes 2003 sind ein gutes Beispiel für die Arbeit von Organisationen im Bereich zivile Angelegenheiten. Das HACC war eine Ad hoc-Organisation auf der Basis des Field Manual 41-10 „civil military operations center concept“ und setzte sich aus Teilen der Brigade und den ihr unterstellten Bataillonen zusammen. Der Auftrag des HACC lautete, das kritische Bindeglied zwischen dem irakischen Volk, den Koalitionsstreitkräften, der internationalen Hilfsgemeinschaft und den US-Regierungsbehörden zu bilden, die den Auftrag hatten, den darniederliegenden Irak wieder aufzubauen.
Im Wesentlichen ging es den Zentren in Bagdad darum, die mit der Befreiung verbundenen Anstrengungen den 6.000.000 Stadtbewohnern näher zu bringen und für die traumatisierte Hauptstadt ein Stück Normalität wiederherzustellen. Dies schloss mit ein, die notwendigen Aufgaben wieder zu erfüllen, die eine Stadtregierung normalerweise ausführen würde. Gleichzeitig wurden Versuche unternommen, die Myriaden von Problemen zu lösen, die sich aus den fortgesetzten Kämpfen mit Antagonisten ergaben, sowie die Friktionen zu beseitigen, die sich aus dem Überangebot von Behörden ergaben, die alle bei der Wiedererrichtung notwendiger Dienste mitwirken und humanitäre Hilfe leisten wollten.
Nachdem die 354. CAB nach sechs Wochen das feste Fundament für eine permanente Einrichtung geschaffen hatte, übertrug sie ihr Mandat auf das irakische Hilfszentrum. Zeit seines Bestehens erfüllte das HACC 116 verschiedene Missionen, viele davon betreffend die Koordination mit humanitären Organisationen mit besserem Verständnis für die Bedürfnisse der Zivilbevölkerung und besserer Ausrüstung, diese zu erfüllen.
Die Sondereinsatzkräfte der US-Armeereserve und ARNG haben sich durch ihre wichtigen Beiträge zu den Konflikten im Irak und in Afghanistan eine hohe Reputation für Leistungsfähigkeit erworben. Dies wurde möglich durch den Professionalismus, den Teilzeit-Reserveoffiziere und -soldaten bei der Erfüllung der ihnen zugewiesenen Aufgaben an den Tag gelegt haben. Sie haben sich den Respekt ihrer Kameraden im Aktivdienst erworben, und ihre Präsenz vor Ort unterscheidet sich nicht von der ihrer Partner in den laufenden Operationen.

Sondereinsatzkräfte der Nationalgarde der Luftstreitkräfte (ANG) sowie der Luftstreitkräftereserve

Es bedurfte einiger Zeit, bis die Reservisten und Gardisten in der US-Armee jene Beachtung erlangt hatten, die ihrer heutigen Kompetenz gerecht wird. Andererseits hat Personal der Luftstreitkräfte-Reserven mit jenem in den aktiven Luftstreitkräften seit Jahren eng zusammengearbeitet. Sowohl ANG als auch das Kommando der Luftstreitkräftereserve (AFRC) bestehen aus erfahrenem und kompetentem Personal, von dem viele Personen schon seit Jahren im Reservesystem dienen. Daraus ergibt sich ein hoher Grad von Stabilität und Professionalismus, was die Stellenbesetzung anbelangt. Zusätzlich haben viele Angehörige des Flugpersonals in ihrer aktiven Zeit in den Luftstreitkräften große Erfahrung gewonnen und fliegen nach ihrem Übertritt in das AFRC oder ANG auch weiterhin die modernsten Flugzeuge der U.S. Air Force. Im Zivilberuf fliegen viele Piloten Verkehrsmaschinen unter der Woche und militärisches Fluggerät in ihrer Freizeit.
Die ANG spielt eine minimale, gleichzeitig aber wichtige Rolle als ein Element des Kommandos Sondereinsatzkräfte der Luftstreitkräfte (AFSOC). Die wenigen speziell ausgerüsteten Flugzeuge der ANG verbringen aber dennoch viel Zeit mit der Erfüllung von AFSOC-Missionen im globalen Rahmen.
Es gibt nur einen einzigen Flugverband der ANG mit einer dezidierten Sondereinsatzkräfte-Widmung: das 193. Geschwader für Sondereinsätze (SOW) der ANG Pennsylvanias. Von dieser Art Geschwader gibt es nur eines in den gesamten US-Luftstreitkräften. Heute fliegt das 193. SOW speziell konfigurierte Flugzeuge des Typs EC-130J Commando Solo II - massiv modifizierte Hercules-Flugzeuge mit der Ausrüstung, psychologische Operationen aus der Luft zu erfüllen. Man kann in diesen Flugzeugen luftgestützte Radio- und Fernsehsender sehen, die bestimmte Gebiete bestreichen und ihre Nachrichten zielgruppenorientiert absetzen können.

Während der Operation Iraqi Freedom in der ersten Aprilwoche 2003 brachte beispielsweise die 193. Abteilung Radionachrichten nördlich des irakischen Euphrat. In der darauf folgenden Woche ergänzte die Joint PSYOPS Task Force das Repertoire um Fernsehsendungen. In einer der ersten dieser Sendungen wurde ein Interview mit Angehörigen der irakischen Opposition gebracht, dazu kamen Informationen über humanitäre Hilfe sowie einheimische Kultur und Kunst. Die Nutzung des Commando Solo-Flugzeugs der ANG Pennsylvanias belastete die Ressourcen der 193. Abteilung, war aber nach Meinung der Besatzungen lohnend und wirksam.
Das Flugzeug Commando Solo II, eine verbesserte C-130, wurde 2004 beim 193. SOW in Dienst gestellt. Beginnend mit 1980 hat das Geschwader jeden US-Krieg und viele militärische Notfalleinsätze unterstützt, und man hat das 193. Geschwader als den am häufigsten eingesetzten Verband der gesamten ANG bezeichnet.
Das AFRC hat mit dem 919. SOW ebenfalls eine Sondereinsatzformation, die Flugzeuge der Typen MC-130P Combat Shadow and MC-130E Combat Talon fliegt. Die MC-130E ist ebenfalls eine speziell modifizierte Hercules-Transportmaschine globaler Reichweite für Fallschirmjäger- und Versorgungstransporte bei Tag und Nacht und jedem Wetter, zur Unterstützung nicht nur amerikanischer, sondern auch alliierter Sondereinsatzverbände. Die MC-130P Combat Shadow wird für die Luftbetankung von Hubschraubern der Sondereinsatzkräfte sowie für Langstrecken-Versorgungs- und Truppeninfiltrationsmissionen im Dienste von Sondereinsatzkräften eingesetzt. Das Geschwader kommt auch bei humanitären Missionen zwecks medizinischer und anderer Hilfeleistung an Länder der westlichen Hemisphäre zum Einsatz.
Das 919. SOW ist als „Partnergeschwader“ („associate wing“) bekannt, das sowohl aus aktiven Luftstreitkräfte-Teilen als auch AFRC-Elementen besteht. Das Geschwader hat drei Staffeln: die 711. Sondereinsatzstaffel (SOS), die Combat Talon-Flugzeuge fliegt; die 5. SOS, die zusammen mit der angeschlossenen 9. SOS Combat Shadow-Flugzeuge einsetzt, die ebenfalls bei der aktiven 8. SOS zum Einsatz kommen. Das Geschwaderhauptquartier in Duke Field befindet sich in der Nähe des AFRC-Einsatzkommandos Hurlburt Field in Florida. Das 919. SOW hat Staffeln sowohl in Duke als auch Hurlburt Fields stationiert. Diese räumliche Nähe ermöglicht es Reservisten, Zugang zu physischen Ressourcen der aktiven Sondereinsatzverbände zu haben und über Methodologien und Techniken des aktiven Sondereinsatzpersonals auf dem Laufenden zu bleiben.
AFRC-Piloten, die diese Missionen durchführen, sind auch erfahrene ehemalige Piloten der aktiven Luftstreitkräfte. Weil sie als Reservisten fliegen und ihre Ausbildungszeit exklusiv darauf verwenden können, ihr Flugkönnen zu verbessern, haben sie nicht die administrativen Verantwortlichkeiten wie aktive Piloten. Als Ergebnis davon ist das Leistungsniveau der Reservisten oft höher als das von weniger erfahrenen aktiven Piloten der Luftstreitkräfte. Ähnliches gilt auch für den Professionalismus der Piloten in der ANG.

Sondereinsatzverbände der US-Marinekorps-Reserve

Das Kommando Sondereinsatzverbände des US-Marinekorps ist die Komponente des Korps im U.S. Special Operations Command. Weil die Marinekorps-Reserve eine gesamtstaatliche Reserve zum Unterschied der Militärkräfte der Gliedstaaten ist, gibt es hier auch kein Äquivalent einer Nationalgardeformation. Die 4. Marinekorps-Reservedivision samt zugehörigem Luftgeschwader ist voll in die Streitkräftestruktur des Marinekorps integriert und verfügt über keine Sondereinsatzkräfte in der Art und Weise, wie sie die Reservekomponenten der Armee besitzen.
Das Marinekorps entsendet Expeditionsverbände (MEUs) in verstärkter Infanteriebataillonsgröße zu Schiff zwecks Zusammenarbeit mit den verschiedenen Flotten der US-Marine. Diese MEUs firmieren als befähigt für Sondereinsätze („Special Operations Capable“ (SOC)) und sind daher in der Lage, Operationen durchzuführen, die in dieselbe Kategorie fallen wie die der Rangers der US-Armee, die ebenfalls als Teil der Gemeinschaft der Sondereinsatzkräfte gesehen werden.
Wo Marinekorps-Einheiten zu Land operieren wie beispielsweise im Irak und in Afghanistan, können Sie um Reservisten verstärkt werden, die der 3. und 4. Brigade für zivile Angelegenheiten (3 and 4 CAG) angehören. Gemäß der Definition der Gemeinschaft der Sondereinsatzkräfte gelten diese 3 and 4 CAGs dann als Sondereinsatzverbände.

Sondereinsatzverbände der US-Marine

Der Beitrag der US-Marine zu Sondereinsätzen ist das U.S. Naval Special Warfare Command. Die bekanntesten Sondereinsatzkräfte der Marine sind die Elitetruppe der SEALs (Sea Air and Land)-Soldaten. Bei ihnen handelt es sich um hoch qualifizierte und physisch extrem fitte Marinesoldaten, die ihre Professionalität im Mai 2011 im Kommandounternehmen zur Ergreifung Osama bin Ladens unter Beweis stellten. Es gibt keine äquivalente Reservekomponente zu den SEAL-Formationen. Anders als die US-Armee hat die US-Marine einen anderen Weg eingeschlagen, wie sie Sondereinsatzkräfte kategorisiert. Die Marine integriert Personal individuell in aktive Verbände, anstatt spezielle Einsatzverbände aufzustellen, die solche Operationen durchführen. Daher ist es möglich, dass Personal mit früherer Verwendung in aktiven Sondereinsatzverbänden der Marine in solchen Einheiten als Reservisten Verwendung findet. Die Ausbildung für solche Verwendungen ist so hart und die Auswahlkriterien sind so spezifisch, dass nur vorher bestens ausgebildetes Personal für den Dienst in SEAL-Verbänden akzeptiert wird.
Es gibt aber ein 2006 aufgestelltes Kommando mit der Bezeichnung Navy Expeditionary Combat Command, das zu mehr als zur Hälfte von Reservisten gebildet wird. Es ist vorgesehen zur Unterstützung von Einsatz-Kommanden, aber auch zur Friedensschaffung durch Partnerschaften weltweit - gewisse Funktionen, die auch schon den Verbänden der US-Armeereserve übertragen wurden. Während ein Schulbau in einer philippinischen Landgemeinde durch Baueinheiten der Marine-Reserve (auch als Seabees für Baubataillone, „Construction Battalions“ bekannt) stark einem ODA der Sondereinsatzkräfte der US-Armeereserve ähnelt, die im gleichen Szenario Überwachungs- und Beratungsaufgaben übernehmen, ist es schwierig, Pionierbaueinheiten der Marine als Sondereinsatzstreitkräfte zu titulieren.
Andererseits ist das maritime Team für zivile Angelegenheiten der Marine (MCAT) 104, eine Komponente des Maritimen Ausbildungskommandos für zivile Angelegenheiten und Sicherheit, mit dem Auftrag, zivilen Beistand zu leisten, 2009 nach Ruanda verlegt worden, um dort mit den ruandischen Streitkräften 276 Häuser für gefährdete Bürger zu errichten. MCAT 104, bestehend sowohl aus aktiven als auch Reservematrosen, war damit Teil der vereinigten teilstreitkräfteübergreifenden Taskforce Horn von Afrika. Die Aufgabe dieser Taskforce war es, die Beziehungen mit Partnerstaaten zu vertiefen und Aktivitäten im Bereich zivile Angelegenheiten in Zusammenarbeit mit einheimischen Kräften durchzuführen.

Sondereinsatzkräfte der Reserve als Teil der teilstreitkräfteübergreifenden Gemeinschaft für Sondereinsätze

Die US-Armee hat wahrscheinlich die am deutlichsten definierten Sondereinsatzkräfte in ihren Spezialverbänden, PSYOPS und Gemeinschaften für zivile Angelegenheiten, die allesamt starke Reservekomponenten aufweisen. Die US-Luftstreitkräfte haben einige einzigartig spezialisierte Sondereinsatzkräfte der Reserve, während die US-Marine und das Marinekorps individuelle Reservisten in Formationen des Aktivdienstes integriert haben. Tatsache ist jedoch, dass diese Aktionen, die als Sondereinsätze gelten könnten, einen derartig starken Integrationsfaktor in der Teilstreitkraft aufweisen, dass eine Unterscheidung zwischen aktivem Personal und Reservisten kaum oder nur sehr schwer möglich ist. Teilstreitkräfteübergreifende Operationen, in die verschiedene Komponenten der unterschiedlichen Teilstreitkräfte involviert sind, sind heute die Norm in der Gemeinschaft der Sondereinsatzkräfte. Reservisten spielen in allen Teilstreitkräften eine wichtige Rolle, abhängig von spezifischen Anforderungen, wobei die dienstliche Expertise in einer speziellen Aktivität ausschlaggebende Bedeutung hat. Dass Hubschrauber von Sondereinsatzkräften der US-Armee die SEALs der US-Marine nach Pakistan flogen, damit dort Osama bin Laden aufgefunden und eliminiert werden konnte, dient als dramatisches Beispiel für die Durchführung solcher Operationen.
Leadership ist in der Gemeinschaft der Sondereinsätze eine teilstreitkräfteübergreifende Angelegenheit, in der Reservisten ihrer Ebene der Involvierung angemessene Positionen innehaben. Ein Brigadegeneral der ARNG dient beispielsweise als Stellvertretender Kommandant des USASOC, wo er bei der Integration von Sondereinsatzaktivitäten mit den Sondereinsatzprogrammen anderer Teilstreitkräfte assistiert. Ein Generalmajor der Reserve steht dem (Luftgestützten) Kommando für zivile Angelegenheiten und psychologische Operationen der US-Armee vor und überwacht die gesamte Gemeinschaft für psychologische Operationen und zivile Angelegenheiten, die überwiegend aus Reservekomponenten gebildet wird. 2009 stand das U.S. Navy Expeditionary Combat Command - zuständig für Aktivitäten des Typs Sondereinsätze - unter dem Befehl des Konteradmirals der Reserve Carol Pottenger.

Zusammenfassung

Bis zu einem gewissen Grad sind alle US-Streitkräfte, sowohl des Aktivdienstes als auch der Reserve, mit Aktivitäten bezüglich Sondereinsätzen befasst. Die meisten kampfbezogenen Aktivitäten werden von Angehörigen des Aktivdienstes durchgeführt, die durch rigoroses Training und extensive Erfahrungen ein hohes Niveau an Expertise erlangt haben. Ein Großteil der erforderlichen Expertise und Erfahrung für Missionen abseits von Krieg ruht jedoch hauptsächlich bei den verschiedenen Reservekomponenten - gleich, ob es sich um Armee, Luftstreitkräfte, Marine, Marinekorps, ARNG oder ANG handelt. Viel Kompetenz dieses Personals garantiert einen sanften Übergang von Zivilberufen zu militärischem Spezialwissen. Die Integration der Sondereinsatzkräfte in die Streitkräfte ist aber so umfassend, dass nur sehr selten eine Unterscheidung zwischen Teilstreitkräften oder zwischen Aktivdienst und Reservekomponente möglich ist. Das gesamte in den Aktivitäten der Sondereinsatzkräfte involvierte Personal muss ein hohes Leistungsniveau erreichen und halten, damit diese Kräfte wirksam sind. Die Beurteilung des Erfolgs von Sondereinsätzen ist schwierig, aber die Geschichte hat gezeigt, dass Sondereinsatzkräfte - seien es aktive Soldaten oder Reservisten - Schlüsselrollen auf allen heutigen Gefechtsfeldern einnehmen.