Soziologische Analyse der Evolution der russischen Militärelite im 21. Jahrhundert

 

Igor V. Obraztsov1)

 

Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit basiert auf den Ergebnissen einer soziologischen Untersuchung von Absolventen der Generalstabsakademie der russischen Streitkräfte aus den Jahren 2000 – 2008 mit einem Sample von N=885 Befragten.

Folgende Merkmale hochrangiger russischer Offiziere wurden untersucht: sozio-demografische Eigenschaften, Mentalität, Werthaltungen sowie ihre Motivation im Studium bzw. im Militärdienst.

Folgende Hypothese wird formuliert und bestätigt: die Strukturen der russischen Streitkräfte unterliegen einem Veränderungsprozess, ebenso wie die letzten Offiziers-Generationen; „sowjetische Offiziere“ werden durch „russische Offiziere“ ersetzt. Der Unterschied zwischen diesen Generationen hat nicht nur zeitlichen Charakter – während der Sowjet-Ära absolvierten „sowjetische Offiziere“ die Militärakademien und wurden als Berufsoffiziere eingesetzt, wohingegen „russische Offiziere“ denselben Prozess nach 1991 durchliefen – sondern es gibt auch eine Verschiebung im mentalen Charakter mit Veränderungen der Werthaltungen, der Einstellungen gegenüber politischen Geschehnissen im In- und Ausland, der politischen Orientierung sowie der Meinungen über politische und militärische Verbündete und Gegner. Intergenerative und interorganisationale Unstimmigkeiten, hauptsächlich verursacht durch den Zustrom neuer Offiziere in die Militär-Elite, spiegeln sich in den häufig widersprüchlichen und inkonsequenten Reformunternehmungen der russischen Streitkräfte im letzten Jahrzehnt wider. Große Aufmerksamkeit ist der Analyse von Besonderheiten der modernen Militär-Elite gewidmet, die als „russisch“ bezeichnet wird, aber nach wie vor über eine Sowjetära-Mentalität verfügt. Untersuchungsergebnisse aus dem Jahr 2008 lieferten Hinweise darauf, dass in den Jahren 2009 – 2014 überwiegend „russische Offiziere“ in den Streitkräften der Russischen Föderation dominieren würden, obwohl auch „sowjetische Offiziere“ unter hochrangigen Offizieren vertreten sein würden. Indizien legen nahe, dass sich das auch im nächsten Jahrzehnt fortsetzen wird.

Die heutigen russischen Eliten

In ihrer Beschreibung der Strukturveränderung der herrschenden Elite, die sich während der zwei Präsidentschaftsperioden unter Putin herausgebildet hat, betonen sowohl russische Forscher wie auch ihre westlichen Kollegenden, dass sich ein Trend zu einer " Vorherrschaft von Soldaten" zeigt.

So beobachtete beispielsweise Olga Kryschtanowskaja (Leiterin des Zentrums für Eliten-Studien am Institut für Soziologie der Russischen Akademie der Wissenschaften) einen starken Zuwachs in der Zahl von „Personen mit Dienstgradabzeichen“ in der russischen Elite (vgl. Abb. 1).

Kryschtanowskaja schreibt: "Alle Zweige und Ebenen der Macht werden von Soldaten durchdrungen, die in unterschiedlichen Gruppen innerhalb der Elite zwischen 15% und 70% konstituieren… So machten beispielsweise Militärangehörige 35% der in den Jahren 2000 bis 2003 ernannten stellvertretenden Verteidigungsminister aus. Der höchste Anteil an Militärangehörigen im Range von stellvertretenden Ministern findet sich im Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung, im Ministerium für Industrie, Wissenschaft und Technologie, im Ministerium für Informationstechnologie und Kommunikation, in der Bundesbehörde für Presse und Massenkommunikation sowie im Justizministerium."2)

In den Folgejahren hat sich die beschriebene Situation weiterentwickelt. Unabhängige Experten stellten fest, dass nach Putins neuerlicher Machtübernahme im Jahr 2012 der Anteil von Soldaten und Offizieren der Sondereinheiten um 30% gestiegen ist. Die russischen Journalisten Andrei Soldatow und Irina Borogan verwendeten den Begriff „der neue Adelsstand“, geprägt durch den ehemaligen FSB-Direktor Nikolai Patruschew zur Beschreibung dieser aufkommenden Gruppe von Militärangehörigen in Machtpositionen in ihrem Buch „Der Neue Adelsstand: Die Wiederherstellung des Russischen Sicherheitsstaates und das fortdauernde Vermächtnis des KGB“.3)

Unbeschadet des Umstandes, dass der Begriff "Militarisierung" landläufig dafür verwendet wird, die Entwicklung von Putins Regime zu beschreiben, bemerkte Thomas Gomart nichtsdestoweniger,  dass es sich dabei um eine Fehlinterpretation handelt: Von allen der Sicherheit verpflichteten Diensten fühlt sich Putin am meisten vom Militär beunruhigt, weswegen viele Sicherheitsexperten von einer "FSB-isierung  oder - noch besser - einer "Sonderverbändisierung"  zu sprechen vorziehen. Möglicherweise ist es aber zutreffender, von einer "Machtdelegierung" zu sprechen, mit der der Einfluss von Personen aus den "Machtstrukturen" umrissen wird.

Die „Militarisierung“ von Regierungsstrukturen scheint auf dem Einströmen von Armee-Offizieren zu basieren, und folglich gewannen die Streitkräfte eine wichtigere Position in Russland. Einige Armee-Offiziere haben es tatsächlich geschafft, in die höchsten Ebenen der Macht einzudringen (beispielsweise der ehemalige Generalstabschef Anatoli Kwaschnin), aber tatsächlich konstituieren sie nur einen kleinen Teil im System der Machthaber („silowiki“).

Wie Kryschtanowskaja ausführte: "… die Mehrheit von ihnen kam aus Unterabteilungen des FSB (Föderaler Sicherheitsdienst, ehemals Komitee für Staatssicherheit – KGB)], während sie ihren Status als Reserveoffiziere im Militär beibehielten, die Mehrzahl von ihnen aus Unterabteilungen des FSB (Föderaler Sicherheitsdienst, ehemals Komitee für Staatssicherheit – KGB) stammte], während sie ihren Status als Reserveoffiziere des Militärs beibehielten.5)

Dieser Status impliziert, dass ein Offizier in einer „externen“ Organisation positioniert wird (nicht in der Struktur des FSB), aber das Gehalt und die Vergünstigungen der Mutterorganisation beibehält, und über seine Arbeit an beide berichten muss – einen zivilen Minister, der der unmittelbare Vorgesetzte ist, sowie an den FSB.

Daher verwenden Kryschtanowskaja und andere Autoren den Begriff „Soldaten“ in Bezug auf eine ganze Gruppe von „silowiki“ (Personen, die in Machtministerien gedient haben), aber primär und in erster Linie „Tschekisten“ (ehemalige Chrezvychajnaya Komissiya ChK –Außerordentliche Kommission 1918) in Bezug auf  FSB-Offiziere.

Darüber hinaus hat die „Militarisierung“, oder, präziser gesagt, die „Tschekistisierung“, auch Auswirkungen auf das Verteidigungsministerium. Im Jahr 2001 wurden zwei FSB-Offiziere, Nikolai Pankow und Viktor Goremykin ins Verteidigungsministerium versetzt und machten eine schnelle Karriere. Jetzt haben sie die Position von Staatssekretären inne: nämlich Vize-Verteidigungsminister bzw. Leiter der Allgemeinen Personaldirektion.6)

Während Anatoli Serdjukow (der die Föderale Steuerbehörde von Russland in den Jahren 2004 – 2007 leitete,7) und davor ein  Möbelhaus in St. Petersburg besaß) von 2007 bis 2012 die Position des Verteidigungsministers innehatte, schafften es beide vorgenannten FSB-Offiziere, die eigentliche Kontrolle über alle Offiziers-Besetzungen im Verteidigungsministerium zu erlangen. Daher ist das „neue Image“ der russischen Armee tatsächlich rund um die Kontrolle von Putins Leuten aufgebaut, denn offensichtlich hat dieser nicht das volle Vertrauen in hochrangige Armee-Offiziere. Darüber hinaus ist politische Kontrolle (im Bereich der Informationsverbreitung) offensichtlich kombiniert mit administrativer Kontrolle (ausgeübt über eine Vielzahl von Ernennungen), und die Fälle Pankow und Goremykin repräsentieren ein Beispiel dafür. Sogar nach Serdjukows Entlassung übten diese beiden Amtsträger ihre Aufgaben weiter aus.

Daher gehören Armee-Generäle sicherlich zur russischen Elite, aber ihr Einfluss ist hauptsächlich durch die administrativen Grenzen des Verteidigungsministeriums eingeschränkt. Die wahre Macht im Staat wurde von den Beamten des Föderalen Sicherheitsdienstes gewonnen – den „Tschekisten“, die sich nicht nur in Regierungs- und Wirtschaftsorganisationen integriert haben, sondern, seit Putin an die Macht kam, auch im Verteidigungsministerium.

Pawel Ewdokimow – ein Mann aus der Tschekisten-Clique glaubt, dass die „Machtübernahme durch die Tschekisten auch ein Zeichen des Niedergangs der alten nationalen, inklusive der alten militärischen Elite, ist, weil sie abgebaut hatte, unfähig war, den Krieg in Afghanistan zu gewinnen, nicht gegen „Perestrojka“ kämpfen wollte und geringe Führungskraft in Zusammenhang mit dem Staatskomitee für den Ausnahmezustand demonstrierte. Es bedurfte zweier Tschetschenien-Feldzüge voll von Blutvergießen, um endlich das Aufkommen einer neuen Art von Militär-Offizieren zu sehen, die auf traditionelle nationale Werte fokussieren würden. Allerdings hatten zu diesem Zeitpunkt Tschekisten bereits die vollständige Kontrolle über Russlands neue geopolitische, militärische, strategische und wirtschaftliche Politik gewonnen.

Aufgrund dessen hatte es sich herausgestellt, dass die Militär-Elite nicht länger ein integraler Bestandteil der politischen und wirtschaftlichen Strukturen des neuen Russlands war. Nichtsdestoweniger untermauert die Übertragung entscheidender Funktionen ans Militär (die Streitkräfte) durch die politische Elite die Bedeutung des Militärs in Russland.

Die Generalstabsakademie – die „Alma Mater“ für militärische Kader höchster Qualifikation: Ihre Stellung und ihre Rolle im System der militärischen Ausbildung in Russland

Die Hauptquelle für Kandidaten, die in die Militär-Elite eintreten, bleibt unverändert. Es ist die Militärakademie des Generalstabs (MAGS) – die älteste Institution der militärischen Ausbildung in Russland (gegründet 1832).

Von 1832 bis 1918 bereitete diese Institution (damals unter dem Namen Zar Nikolaus Militärakademie) 5.432 Offiziere für den Generalstab der russischen Armee vor. Von 1918 bis 1921, während Russland im Bürgerkrieg lag, gab es zwei Generalstabs-Akademien: die Rote Armee-Militärakademie in Moskau und die „weiße“ Nikolaus Militärakademie in Kazan, Jekaterinburg und Wladiwostok (sie veränderte den Standort abhängig vom Rückzug General Kolchaks Weißer Armee).

Nach der Machtübernahme durch die Sowjets existierte die Akademie in Form der operativ-taktischen Fakultät an der Frunse Militärakademie (von 1924 bis 1936); später wurde sie in die Militärakademie des Generalstabs der UdSSR-Armee umgewandelt (sie existierte von 1936 bis 1991).

In der Sowjetunion hatte nur einer von Tausend Leutnanten, die irgendeine der militärischen Akademien absolviert hatten, die Möglichkeit, an der Militärakademie des Generalstabs zu studieren. Von 1945 bis 1991 graduierten insgesamt 5.064 Offiziere an der Akademie (tatsächlich eine sehr geringe Anzahl, verglichen mit vier bis fünf Millionen Personen, die in dieser Zeit normalerweise in der Sowjet-Armee dienten).

In der Sowjetunion war das militärische Ausbildungssystem mehrstufig und verzweigt. Im Jahr 1991 hatte das Verteidigungsministerium der UdSSR ein Netz von 166 militärischen Ausbildungsinstitutionen, unter anderem 18 Militärakademien mit einer dreijährigen Ausbildungsdauer (die Militärakademie des Generalstabs mit einer zweijährigen),9) drei Militärinstitute, sieben militärische Fakultäten an zivilen Universitäten und Instituten, 48 höhere Militärschulen mit einer fünfjährigen Ausbildungsdauer (Kommando: 6, Kommando/Technik: 8, Technik:  34), 82 höhere Militärschulen mit einer vierjährigen Ausbildungsdauer (11 höhere militärpolitische Schulen) und acht Militärschulen der Sekundarstufe (luftfahrttechnisch) mit einer dreijährigen Ausbildungsdauer. 119 der insgesamt 166 sowjetischen militärischen Ausbildungsinstitutionen waren im Gebiet der Russischen Föderation disloziert.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion (1991) hat das System der militärischen Ausbildung erhebliche Veränderungen durchgemacht. 77 militärische Ausbildungsinstitutionen (16 Militärakademien, 3 Universitäten und 58 Institute) wurden abgeschafft; andere wurden reorganisiert. Die Ausbildungsdauer in allen militärischen Ausbildungsinstitutionen der ersten Stufe, d.s. die ehemaligen höheren Militärschulen, wurde auf bis zu fünf Jahre verlängert, und eine Umbenennung in Militäruniversitäten bzw. Militärinstitute wurde begonnen. Die Ausbildungsdauer in militärischen Ausbildungseinrichtungen der zweiten Stufe, d.s. Militärakademien von Waffengattungen der Streitkräfte, wurde auf zwei Jahre reduziert. Die Ausbildungsdauer in militärischen Ausbildungseinrichtungen der dritten Stufe, d.h. an der Militärakademie des Generalstabs, blieb unverändert.10)

Von 1992 bis 2009 graduierten 2.065 Offiziere an der Akademie. Ein Teil von ihnen (viele sind bereits in Ruhestand) konstituiert die militärische Elite des modernen Russlands.

In den folgenden Jahren konnte eine kontinuierliche Abnahme der Zahl an militärischen Ausbildungseinrichtungen festgestellt werden. Als Ergebnis der jüngsten Reorganisationen beinhaltet das System der militärischen Ausbildung der Russischen Föderation 19 militärische Ausbildungsinstitutionen (seit 1. September 2014): 3 militärische Unterrichts- und Forschungszentren (der Bodentruppen, der Luftwaffe und der Kriegsmarine), 2 militärische Universitäten, 4 militärische Institutionen und 10 Militärakademien.

Die Militärakademie des Generalstabs hat ihren Status beibehalten, wurde aber einer massiven Schrumpfung unterzogen: die Zahl der Abteilungen wurde von 18 auf 2 reduziert; die Anzahl an Studierenden hat sich auf ein Drittel verringert. Die Akademie, auch „Schule für Generäle“ (oder „Generals-Schule“) genannt, qualifiziert nach wie vor die russische Militär-Elite.


Wichtigste qualitative Merkmale von Offizieren, die an der Militärakademie des Generalstabs graduiert haben

Allgemeine Informationen über die Untersuchung

Von 2000 bis 2008 absolvierten mehr als tausend Oberste und Generäle die Militärakademie des Generalstabs. Sie alle traten in der Ära von Putins Präsidentschaft (2000 – 2008) in die militärische Elite ein. Die Mehrzahl von ihnen setzte ihren Dienst unter Präsident Dmitri Medwedew in den Jahren 2008 – 2012 fort, ebenso wie unter Putins erster Präsidentschaftsperiode nach seinem neuerlichen Machtantritt (2012 – 2018).

Ihnen wurde die Aufgabe zugeteilt, die Führung großer Militäreinheiten und Truppen während des zweiten Tschetschenien-Krieges (1999 – 2009)11) sowie des russisch-georgisch- südossetischen Konflikts (August 2008) zu übernehmen, ebenso wie in der „soft power“-Besetzung der Krim und in den Kämpfen in der Südostukraine seit 2014. Und sie sind es, die unmittelbar teilhaben am Aufbau des „neuen Images“ der russischen Streitkräfte.

Was sind die sozio-demografischen, moralischen und beruflichen Eigenschaften dieser Personen? Die Ergebnisse der soziologischen Studie, die in der Akademie über neun Jahre hinweg durchgeführt wurde (2000 – 2008), können uns bis zu einem gewissen Grad helfen, diese Frage zu beantworten.12)Jedes Jahr wurden mehr als 75% der Kadetten im 2. Ausbildungsjahr13) im Zuge einer Untersuchung befragt (die Daten wurden mittels schriftlichem Fragebogen erhoben). Insgesamt beantworteten 885 von 1.039 Offiziers-Studenten (d.s. 83,9%) den anonymen Fragebogen (die Respondenten mussten nur allgemeine personenbezogene Angaben machen, die keinen Rückschluss auf Namen oder Nummer der Studierenden-Gruppe zuließen). Die gesammelten Daten (die Antworten der Studierenden) wurden in identischer Art und Weise verarbeitet, und jedes Jahr wurden die Offiziers-Kadetten zum selben Zeitpunkt befragt – Anfang Juni, kurz vor ihrem Studienabschluss an der Akademie.

Dienstgrade und sozio-demografische Eigenschaften

Dienstgrade: Offiziere (Oberste und Generalmajore) immatrikulieren für gewöhnlich im Anschluss an einen Dienst auf strategischer Ebene (als Brigade- und Divisions-Kommandanten bzw. in anderen hochrangigen Stabs-Positionen) an der Militärakademie des Generalstabs. Nach der Graduierung besetzen sie hohe Kommando-Positionen auf Korps -, Armee-, Militärkommando-Ebene als höchste Offiziere der Streitkräfte der Russischen Föderation. Überwiegend kamen diese Offiziere direkt von den Truppen an die Akademie (63%), und 36% traten der Akademie im Anschluss an einen Dienst bei den zentralen militärischen Führungseinrichtungen bei.

Vertreter des Verteidigungsministeriums machten 82,3% der Studierenden aus; 17,7% stammten aus anderen „Machtstrukturen“ wie dem Föderalen Grenzdienst, dem Innenministerium etc. Unter den immatrikulierten Studenten machten Generalleutnante 0,3%, Generalmajore 8,5%, Oberste 89% und Oberstleutnante 2,2% aus.

Alter: Oberste unter 42 und Generalmajore unter 48 Jahren können in die Akademie eintreten.14) Das Durchschnittsalter der Studierenden betrug innerhalb der angegebenen Periode 41,5 Jahre (das Maximum von 42,5 Jahren wurde im Zeitraum 2000 – 2003 erreicht, das Minimum von 40,9 Jahren wurde 2005 – 2007 verzeichnet). Ab 2004 zeigt sich ein Trend zu einer wachsenden Anzahl von Studierenden, die jünger als 35 Jahre sind.

Nationalitäten-Zusammensetzung: Die Studenten an der Militärakademie des Generalstabs spiegeln die Nationalitäten-Zusammensetzung des Offizierskorps der Streitkräfte wider:15) 80% waren russisch, 8 - 10% waren ukrainisch, 3 - 8% der Studenten waren weißrussisch, und die rund 5% Verbleibenden waren Angehörige 20 verschiedener Nationalitäten, wie tatarisch, baschkirisch, tschuwaschisch, mordwinisch, armenisch, georgisch, ossetisch, inguschetisch, jüdisch etc.

Familienstand: 98,5% der Offizier waren verheiratet, 63% hatten zwei Kinder, 5% hatten drei oder mehr Kinder, 37% hatten ein Kind.

Im Verlauf des Dienstes wechselte der Großteil der Offiziere relativ häufig von einem Dienstort an einen anderen, ein Befragter 16 Mal. Für die meisten der Offiziere war es der achte Transfer, und die Umzüge verursachten die Ausgabe erheblicher Geldbeträge.

Ausbildung: 97% der Offiziere hatten zu dem Zeitpunkt, an dem sie an der Militärakademie des Generalstabs immatrikulierten, bereits die militärische Ausbildung der zweiten Stufe abgeschlossen. Für gewöhnlich hatten sie beides absolviert, Militärschulen (Institute, Universitäten) für Kadetten und Militärakademien der verschiedenen Waffengattungen der Streitkräfte, der Ministerien und Organisationen; oder sie hatten Militärakademien im Ausland, wie Ostdeutschland, Polen, Ungarn oder Bulgarien besucht.

Kampferfahrung: 26 - 48% der Offiziere (abhängig vom Jahr der Untersuchung) hatten Erfahrung in der Teilnahme an Kriegen oder lokalen Konflikten sowohl im „nahen Ausland“ (armenisch-aserbeidschanischer Konflikt in Berg-Karabach, Transnistrien, Tadschikistan, Tschetschenien, Dagestan, Abchasien) als auch im „fernen Ausland“ (Afghanistan, Angola etc.).

Vorläufige Schlüsse: Innerhalb des untersuchten Zeitraums bildete die Akademie Offiziere aus, die im Zeitraum von 1956 – 1971 geboren wurden, und die von 1976 bis 1991 die Militärschule und von 1984 – 2002 die Militärakademie abgeschlossen hatten. Daher sind Studierende an der Militärakademie des Generalstabs – ihren sozio-demografischen Merkmalen zufolge – hauptsächlich „sowjetische Offiziere“. Sie dienten ihre ersten (5 – 15) Jahre im Militär, erhielten ihre erste und (bei den meisten Offizieren) zweite höhere Ausbildung, als die Sowjetunion und die sowjetischen Streitkräfte noch existierten.

Soweit es die nähere Zukunft betrifft, treten die ersten „russischen Offiziere“, die von 1972 – 1974 geboren wurden, und die fast keine Erfahrung im Dienst für die sowjetischen Streitkräfte haben, an der Militärakademie des Generalstabs nach 2009 in Erscheinung.16)

 

Wertesystem und Dienstmotivation der Akademie-Absolventen

Studienmotivation: Für die überwiegende Mehrzahl der Offiziere (80% oder mehr während des untersuchten Zeitraums) basierte das Studium an der Akademie auf sozial-orientierten Motiven, nämlich der Möglichkeit, Wissen zu erlangen, das notwendig für den weiteren Dienst ist, sowie besseren Karriere-Aussichten nach der Graduierung.

Motivation für den weiteren Dienst:17) Die Mehrzahl der Offiziere hatte langfristige Pläne für den weiteren Dienst: 60 - 65% planten, bis zum Pensionsalter zu dienen, 3 - 6% für die Laufzeit eines fünfjährigen Vertrages. Allerdings waren auch pragmatische Motive vertreten: 6 - 9% planten, bis zum Erwerb einer eigenen Wohnung zu dienen, 2 - 3% bis zum Anspruch auf eine erhöhte Pensionszahlung.

6 - 17% der Offiziere (abhängig vom Alter) hatten noch keine endgültige Entscheidung bezüglich ihres künftigen Dienstes getroffen und nannten folgende Gründe:

  • Mangel an klaren Aussichten hinsichtlich der Zuteilung von Offizieren im Anschluss an die Graduierung (aufgrund der möglichen weiteren Reduzierung der Streitkräfte), was zu Unsicherheit über den weiteren Lebensweg führt.
  • Der Militärberuf bietet nicht viele Möglichkeiten für einen angemessenen Lebensstandard, sogar für Offiziersfamilien (insbesondere verglichen mit den Gelegenheiten, die der „zivile“ Staatsdienst oder das Unternehmertum bieten, beispielsweise in Moskau).

 

Wertesystem: Darunter wird für gewöhnlich die Kombination aus Motiven, Bedürfnissen, Interessen und weiteren Determinanten des menschlichen Verhaltens verstanden.

Die Studie zeigt, dass sozial-orientierte Motive mit militärständischem Charakter das Wertesystem der graduierenden Offiziere dominieren. Sie können wie folgt gereiht werden (nach der Wichtigkeit, d.h. nach Häufigkeit der Nennung):18)

  • Militärdienst als Möglichkeit, eine Tätigkeit auszuüben, die man mag (60,2-72,5%);
  • Zugehörigkeit zu einer Gruppe von Leuten, für die Begriffe wie Ehre, Würde und militärische Pflicht von großer Bedeutung sind (35,5-48,3%);
  • Beteiligt sein an der Verteidigung des Vaterlandes (30,9 - 38,8%);
  • Gutes Team und Kollegen (12,3 - 19,2%);
  • Weiterführung der Familientradition im Militärdienst (9,0 - 16,1%);
  • Möglichkeit, andere zu befehligen (7,1 - 11,6%);
  • Militärische Traditionen, Rituale und Uniform (2,3 - 7,2%);
  • Disziplinierte Lebensweise (2,3 - 7,1%);
  • Möglichkeit zum Umgang mit militärischer Ausrüstung und Rüstungssystemen (1,1 - 3,4%) etc.

Hinsichtlich Motiven mit materiellem und pragmatischem Charakter (die überwiegend damit verbunden sind, die eigenen sowie die Bedürfnisse der Familie zu decken), wurden folgende Antworten gegeben:

  • Möglichkeit, Wohnungs-/Unterbringungsprobleme zu lösen (14,7 - 26,7%);
  • Erzielen eines hohen sozialen Status mit Hilfe einer militärischen Karriere (12,2 - 23,2%);
  • Erwerb nützlichen Wissens und nützlicher Fähigkeiten (6,3 - 17,0%);
  • Möglichkeit, für sich selbst und die Familie zu sorgen (3,3 - 8,1%);
  • Gelegenheit, verschiedene Länder und Regionen zu besuchen (1,1 - 6,5%);
  • Möglichkeit auf eine kostenfreie Ausbildung, die später hilfreich sein wird, einen „zivilen“ Beruf zu finden (1,1 - 4,5%);
  • Militärische Sondervergünstigungen und -Privilegien (1,1 - 3,4%);
  • Eine Art und Weise, in harten Zeiten durchzukommen (1,1 - 2,1%) etc.

Die Wertigkeiten der Offiziers-Kadetten stimmen mit der Verteilung der Wertigkeiten des gesamten Offizierskorps überein, wie Abbildung 2 zeigt.

Ein weiteres Charakteristikum der Werthaltungen von Offiziers-Studenten ist deren Beurteilung russischer Militärführer und Kommandanten der Vergangenheit: Für die Mehrzahl der Akademie-Absolventen stellen militärische Befehlshaber des Großen Vaterländischen Krieges Paradebeispiele beruflicher und militärischer Pflichterfüllung dar. Dabei handelt es sich in erster Linie um Marschalle wie Georgi Schukow (20,0 - 39,5%), Konstantin Rokossowksi (18,0 - 23,9%), Alexander Wassilewski (3,4 - 9,3%) und Generalissimus Josef Stalin (1,1 - 5,6%); für Marine-Offiziere darüber hinaus auch Flottenadmiral Nikolai Kusnezow (2,3 - 7,4%). In Hinblick auf militärische Befehlshaber vorangegangener Epochen führt Generalissimus Alexander Suworow die Liste an (9,0 - 19,9%).

 

Ausmaß der Politisierung der Offiziere: Einen der Hauptindikatoren, der die politische Orientierung charakterisiert, stellt das Beispiel von „derzhavnichestvo“ (der Ideologie von Russlands Großmacht-Status) dar, ebenso wie bestimmte patriotische Ansichten. Obwohl der Grad der Politisierung in den jüngsten Jahren zugenommen hat, sind nur 12,9% der Offiziere Anhänger politischer Parteien,19) und im Großen und Ganzen bilden die Absolventen der Militärakademie des Generalstabs eine politisch indifferente Gruppe.

Ausmaß an Religiosität: Religion ist ein wichtiger Indikator für den Seelenzustand der Offiziere.20) 19,0 - 51,6% (abhängig vom Alter) bezeichneten sich selbst als religiös, und aufgrund von Charakteristika der Nationalitäten-Zusammensetzung identifizierte sich die Mehrzahl von ihnen mit der orthodoxen Kirche; 24,8 - 44,0% gaben an, sie seien nicht religiös, der Rest schwankte zwischen Glauben und Agnostizismus.

Es wurde festgestellt, dass das Ausmaß an Religiosität bei Offizieren direkt proportional zu ihrer Erfahrung in der Teilnahme an Kriegen oder lokalen Konflikten zunimmt.

Vorläufige Schlüsse: Einerseits wird der Werte-Kanon der Akademie-Absolventen überwiegend von sozial-orientierten (militärständischen) Idealen und Haltungen dominiert. Eine Vorherrschaft von Werten, die zu einer Zeit gebildet wurden, als die Offiziere in den sowjetischen Streitkräften dienten, ist offensichtlich. Dahingehend bleiben die Offiziers-Studenten der Militärakademie des Generalstabs überwiegend „sowjetische Offiziere“.

Andererseits zeigt sich ein Trend zu einer wachsenden Bedeutung von Motivationen mit materiellem und pragmatischem Charakter. Dieser ist besonders typisch für Offiziere, die an der Akademie immatrikulierten, nachdem sie in zentralen militärischen Führungseinrichtungen gedient haben.

Einschätzung militärischer Verbündeter und Gegner: Unter der Aufforderung, potenzielle militärische Verbündete anzugeben, nannten die graduierenden Offiziere nicht nur Staaten des sogenannten „nahen Auslands“ wie Weißrussland (74,2 - 95,1%), Armenien (10,2 - 21,7%), Kasachstan (5,7 - 18,5%), Ukraine (1,5 - 5,4%) und die GUS im Allgemeinen (2,1 - 7,6%), sondern auch Staaten des „fernen Auslands“ wie China (1,1 - 13,6%) und Indien (1,5 - 10,2%).

Bezüglich möglicher militärischer Gegner Russlands wurden die folgenden Staaten genannt (wenngleich dieses Thema in keinen offiziellen Dokumenten zur militärischen Sicherheit, Verteidigung und Truppenentwicklung berührt worden ist): USA (49,0 - 75,3%), NATO-Staaten (21,6 - 51,7%), China (18,0 - 28,7%), Japan (8,1 - 16,3%), die baltischen Staaten (7,0 - 18,4%), Georgien (4,6 - 10,8%) sowie die Türkei (1,2 - 8,1%).

Insgesamt kann geschlossen werden, dass Studierende an der Militärakademie des Generalstabs an Innen- und Außenpolitik interessiert sind und versuchen, ihre eigenen Einschätzungen und Vorhersagen zu treffen, wie sich die politisch-militärische Situation in einigen Regionen oder in der ganzen Welt entwickeln wird. Die Hauptinformationsquellen zu solchen Themen (neben den Vorlesungen an der Akademie) sind die Massenmedien inklusive militärischer Quellen.

 

Conclusio

Die Struktur der Militär-Elite, die Einfluss im Verteidigungsministerium ausübt, wird „russischer“ mit jedem Jahr, in dem „sowjetische Offiziere“ verdrängt werden und eine neue Form der Mentalität, die mehr auf Pragmatismus basiert, evident wird. Dennoch hat die neue Generation der „russischen Offiziere“ eine Mentalität geerbt, die typisch für „sowjetische Offiziere“ ist, die auf der Ideologie eines russischen Großmacht-Status basiert und patriotische Ansichten aufrechterhält.

Die Verbesserung des Lebensstandards der Offiziere sowie der Einsatz finanzieller Anreize, kombiniert mit dem Appell an die patriotischen Gefühle der Offiziere, hilft dabei, diese zu einem gehorsamen Instrument für die ambitionierten Pläne und Vorhaben der „tschekistischen“ Anführer, die aktuell an der Macht sind, zu machen. Das ist die Essenz der gegenwärtigen Evolution der Militär-Elite im modernen Russland.


ANMERKUNGEN:

1 )I.V. Obraztsov, Department of Sociology, Moscow State Linguistic University, Ostozhenka str. 38, 119034, Moscow, Russia e-mail: igorobraztsov@rambler.ru

2) Olga Kryshtanovskaya, Shots: Putin's people. In: Rossijskaia gazeta, 30. Juni 2003: “All branches and levels of power are being pervaded with servicemen, who constitute from 15 to 70% in different groups within the elite… For example, servicemen made up 35% of deputy ministers of defense appointed between 2000 and 2003. The highest proportion of servicemen holding the posts of deputy ministers can be found in the Ministry for economic development, Ministry for Industry, Science and Technologies, Ministry for Information Technologies and Communications, Federal Agency on Press and Mass Communications and Ministry of Justice”.

 

3) The New Nobility: The Restoration of Russia’s Security State and the Enduring Legacy of the KGB[Der Neue Adelsstand: Die Wiederherstellung des russischen Sicherheitsstaates und das fortdauernde Vermächtnis des KGB]. VonAndrei Soldatov and Irina Borogan. New York:Public Affairs, 2010.

4) Thomas Gomart, Russian Civil-Military Relations: Putin’s Legacy [Russische Zivil-Militärbeziehungen: Putins Vermächtnis], Carnegie Endowment, 2008, pp. 56-57.

5) ibid.: “the majority of them have come from subdivisions of the FSB (Federal Security Service, former Committee for State Security – KGB)”

6) http://www.mil.ru/847/852/1155/index.shtml

7) http://www.mil.ru/847/851/index.shtml

8) Evdokimov P. Chekisty vo vlasti [Chekists in power [Tschekisten an der Macht]] IN:  Spetsnaz Rossii.  2003.  №17 (http://www.chekist.ru/ article/678)

9) 18 Sowjetische Militärakademien: Panzertruppenakademie, Artillerieakademie, Luftwaffenakademie, Luftwaffentechnische Akademie, Militärakademie der Sowjet-Armee (militärischer Geheimdienst), Militärisch-technische Akademie, Militärisch-medizinische Akademie, Marineakademie, Lenin Militärisch-politische Akademie, Armee-Luftverteidigungsakademie, Generalstabsakademie der Sowjetischen Streitkräfte, Frunse Militärakademie (Landstreitkräfte), Dscherschhinski Militärakademie (strategische Raketentruppen), Funktechnik-Luftverteidigungsakademie, Kommando-Luftverteidigungsakademie, Fernmeldeakademie, Militärlogistik- und Transportakademie, Chemische Abwehr-Akademie

10) Ein Charakteristikum der russischen Militärausbildung ist das dreistufige Offiziers-Curriculum, festgesetzt für einen jeweils bestimmten Grad. Erste Stufe: Militärschule (Institut, Universität) für Kadetten. Diese werden ausgebildet, um eine erste Dienststellung in einer taktischen Einheit anzutreten: Zug – Kompanie – Bataillon. Zweite Stufe: Militärakademien für Waffengattungen der Streitkräfte, an denen die Offiziere, die bereits 5 bis 10 Jahre in der Armee gedient haben, eine weitere Beförderung in der Einheit erfahren: Regiment – Brigade – Division. Dritte Stufe: die Militärakademie des Generalstabs, an der Offiziere (Oberste oder Generalmajore), die als Brigade- und Divisionskommandanten oder in anderen hochrangigen Positionen gedient haben, ausgebildet werden. Im Anschluss an die Graduierung besetzen sie hohe Kommandopositionen auf der Korps-, Armee-, Militärkommando-Ebene als Spitzen-Offiziere der Streitkräfte der Russischen Föderation.

11) Am 23. September 1999 unterschrieb der russische Präsident Boris Jelzin ein Dekret, in dem die Vorbereitung einer Anti-Terror-Operation in der Republik Tschetschenien und die Bildung des vereinten Militärtruppenbündnisses angekündigt wurden. Die Kampagne bestand aus zwei Phasen: September 1999 – April 2002 (aktives Kampfgeschehen, das die Auslöschung großer separatistischer Armee-Einheiten beinhaltete) sowie Mai 2002 – April 2009 (Guerilla-Krieg). Terroristische Anschläge finden bis zum heutigen Tag statt.

12) Leiter des Forschungsteams: Professor Igor Obraztsov. Assistenten: Igor Schakhow und Sergei Kotow.

13) Die Daten in der Tabelle beziehen sich nur auf die Absolventen der Basis-Fakultät. Daneben gibt es zwei weitere Fakultäten an der Akademie: die zweite (Sonder-) Fakultät (für die Ausbildung von Offizieren aus dem Ausland) und die dritte Fakultät (für die Weiterbildung von zivilen und militärischen Führungskräften aus den Macht-Ministerien).

14) Die Berechnung wurde wie folgt vorgenommen: zwei Jahre Studiendauer an der Akademie zuzüglich mindestens fünf Jahre Dienstdauer im Anschluss daran, unter Berücksichtigung von Altersbeschränkungen (Pensionierungsalter), das 50 für Oberste und 55 – für Generäle beträgt.

 15) Im Jahr 1995 waren 80,5% der russischen Offiziere russisch, 11,7% ukrainisch, 3,8% weißrussisch; 2,1% waren Angehörige nomineller ethnischer Gruppen autonomer Republiken; 1,9% machten Personen anderer Nationalitäten aus.

 16) Die Durchführung einer vergleichbaren weiterführenden Untersuchung im genannten Zeitraum wird sehr wichtig und notwendig sein, um Veränderungen in der Zusammensetzung des Offiziers-Korps festzustellen.

 17) Russische Offiziere können aus dem Armeedienst in den Ruhestand treten, nachdem sie eine Mindestdienstzeit (für gewöhnlich 25 Jahre) abgeleistet oder nachdem sie ein bestimmtes Mindestalter erreicht haben: 40 bei Zugführern, 45 bei Majoren und Oberstleutnanten, 50 bei Obersten und 55 - 60 bei Generälen. Nach ihrer Pensionierung beziehen sie eine monatliche Rente von 6.000 - 18.000 Rubel (vergleichbar mit 200 - 600 US-Dollar), abhängig von Position und militärischem Dienstgrad. Das führt dazu, dass die Mehrzahl der pensionierten Offiziere weiterhin berufstätig ist. Wenige von ihnen schaffen es, einen Beruf zu finden, in dem sie ihre professionellen Fähigkeiten einsetzen können. Die meisten von ihnen gehen in kleinere Privatunternehmen oder Sicherheitsfirmen. Offiziere mit einer höheren Ausbildung in den Geisteswissenschaften (die Sozialwissenschaften eingeschlossen) können an Universitäten lehren. 

 18) Die Befragten konnten mehrere Antwortkategorien wählen, daher kann die Gesamtsumme 100% überschreiten.

 19) Den Daten des Zentrums für militärsoziologische, psychologische und juridische Forschung der Streitkräfte der Russischen Föderation zufolge betrug der Anteil an Anhängern einiger politischer Parteien unter den dienstälteren Offizieren der Streitkräftegesamt 7 - 8% im Jahr 1993 und 15 - 16% im Jahr 1997.

 20) Den Daten des soziologischen Zentrums der Streitkräfte der Russischen Föderation zufolge betrug der Anteil der Soldaten, die sich selbst als religiös bezeichnen, 25% im Jahr 1992, 27% im Jahr 1993, 37% im Jahr 1996, 48% im Jahr 1997, 37% im Jahr 1998, 32% im Jahr 1999, 36% im Jahr 2000 und 43% im Jahr 2003.