Research Note: Gegenelitäre Machtorganisation: Theoretische Grundlegung und Konzeption

Clemens Alexander Eicher und Robert Moser

 

 

Einleitung

 

Mit dem Ende der systemweiten Paktkonfrontation hat die aktuelle dritte Globalisierungswelle ab 1991 eingesetzt[1]. Diese zunehmende Ausdehnung der Kreisläufe von Produktion, Verteilung und Finanz jenseits der nationalstaatlichen Grenzen bewirkte auch veritable Mitnahmeeffekte in den Bereichen Transport, Verkehr oder Kommunikation. Dieser relative Freilauf der zwischengesellschaftlichen Transaktionen ist kein Ergebnis einer Erosion von Regulationen, sondern ist als Output/Outcome von politischen Entscheidungsprozessen zu verstehen. Diese Entwicklungen gingen auch nicht spurlos am operativen Milieu des internationalen Staatensystems vorüber. Während die Handlungsspielräume für nationalstaatliche Regierungen verkleinert worden sind, nahmen diese für nichtstaatliche Handlungseinheiten in Gestalt[2] von multinationalen Unternehmen, Unternehmensverbänden, Kirchen, Sekten und sonstigen religiösen Organisationen und Verbänden sowie für das organisierte Verbrechen oder Terrororganisationen sichtlich zu. Durch die Veränderungen im operativen Milieu betreten verstärkt nichtstaatliche Handlungseinheiten in der Gestalt von Anti-Regime-Organisationen und auch separatistischen, irredentistischen oder autonomistischen Organisationen die Weltbühne und konkurrieren mit bestehenden Regierungen um die Macht im Staate. Üblicherweise werden diese nichtstaatlichen Organisationen dieser Art sowohl im politischen, publizistischen als auch im wissenschaftlichen Diskurs als Terrororganisationen oder terroristische Organisationen bezeichnet. Es liegt auf der Hand, dass durch die Verwendung dieses Attributes, welchem eine negative Akzentuierung zugeschrieben wird, auch primär Assoziationen solcher Art bedient werden. Grundsätzlich wäre dies kein großer Verlust für den wissenschaftlichen Diskurs, wenn sich dieser Mangel nicht auch in der inhaltlichen Auseinandersetzung fortsetzen würde und somit der Diskursverlauf über weite Strecken nicht mehr informativ-designativ, sondern, wie etwa der politische Diskurs, valuativ-präskriptiv gestaltet[3] (gehalten) ist. Als Ergebnis stellen sich Fehlperzeptionen ein, die sich am sinnfälligsten darin widerspiegeln, dass unabhängig vom Wirkmitteleinsatz alle Anti-Regime-Organisationen sowie autonomistische, irredentistische oder separatistische Organisationen per se als Terrororganisationen bezeichnet werden. Um diesem Trend entgegenzuwirken, wollen die Autoren dieses Artikels das Konzept der Gegenelitären Machtorganisation vorstellen und den wissenschaftlichen Diskurs damit darüber anregen.

 

Gegenelitäre Machtorganisation

 

Begrifflichkeit

 

Nichtstaatliche Organisationen sind organisatorische Zusammenschlüsse von Personen auf privater Basis, die als gegenelitäre Machtorganisationen politische, gesellschaftliche, aber auch soziale oder ökonomische Vorstellungen verknüpfen und diese nach außen vertreten. Nichtstaatliche Organisationen können horizontal in gewinnorientierte und nicht gewinnorientierte, sowie vertikal in transnationale und nicht-grenzüberschreitende Einheiten unterschieden werden[4]. Die Klasse der profitorientierten NGOs wird von Unternehmen sowie mafiösen Organisationen bzw. politischen Unternehmern und ihren transnationalen Spielarten gebildet. Die Klasse der Non-Profit-Organisationen setzt sich aus den Subklassen Personenverbände, Unternehmensverbände, Kirchen sowie Machtorganisationen zusammen, die transnationale Kooperative bilden, um ihre jeweiligen Interessen in einer globalisierten Welt bestmöglich zu fördern.

Im Ensemble der NGOs im Allgemeinen und der Non-Profit-Organisationen nehmen Machtorganisationen, die untereinander um die politischer Macht bzw. Herrschaftsausübung  konkurrieren, eine besondere Stellung ein, denn ihre Funktion besteht darin, gesellschaftlich verbindliche Entscheidung zu fällen und mit Hilfe der Wirkmittel Recht und Budget zu implementieren. Konkret bildet das Konfliktobjekt indirekt die Macht im Staate – im Sinne von Herrschaft und Herrschaftsausübung – und direkt den Zugang zu den Schaltstellen des Herrschaftsapparates. Besagte nichtstaatliche Handlungseinheiten sind dauerhafte Zusammenschlüsse von gleichgesinnten Personen, die gemeinsam bestimmte Vorstellungen hinsichtlich der Gestaltung der diversen gesellschaftlichen Subsysteme teilen und diese durch Übernahme von Regierungsverantwortung realisieren möchten.

Soweit die Konkurrenz um den Erwerb von politischer Macht/Position im Herrschaftsapparat durch Normen und Vorschriften in festgeschriebenen Bahnen verläuft, also institutionalisiert ist, und der Ehrgeiz der Entscheidungsträger (Elite) einer solchen nichtstaatlichen Handlungseinheit nicht die komplette Ausschaltung der politischen Konkurrenz, um den dauerhaften Verbleib in Amt und Würden zu sichern, einschließt, sind solche organisierten Einheiten als Parteien zu bezeichnen!

Wenn der Ehrgeiz der Entscheidungsträger einer Machtorganisation die Ausschaltung jeglicher politischer Konkurrenz sowie eine grundlegende Revision der politischen Strukturen und oder Ordnung miteinschließt, dann kann man diese in Anlehnung an die Studie „Power and Society“[5] aus der Feder von Harold D. Lasswell und Abraham Kaplan als Konterelite, und ihre jeweiligen Organisationen als Gegenelitäre Machtorganisationen bezeichnen.

Zur Herbeiführung einer Veränderung der politischen Strukturen oder Ordnung steht solchen Organisationen eine Palette von Wirkmitteln zur Verfügung. Diese kann man grob in Gewaltmitteleinsatz und Subversion unterscheiden[6]. Wo die organisierte und systematische Anwendung von Gewalt eine tragende Rolle spielt, handelt es sich in aller Regel um gezielte Tötungen, Terror-Operationen, Guerilla-Operationen oder die Anwendung von klassischer konventioneller Kriegstaktik. Ergänzend oder auch tragend kann die Taktik der Subversion eingesetzt werden; in diesem Falle wird der Versuch unternommen, die politische Klasse der Fähigkeit zur Herrschaft über einen Teil des Territoriums oder gar über das gesamte Staatsgebiet über Infiltration und/oder Kontermobilisation des Massenpublikums zu berauben.

 

Agenda Setting

 

Auch die sozialwissenschaftliche Aufarbeitung des Agenda-Settings solcher Organisationen ist mit Wendungen wie 'sozialrevolutionäre Bewegung' und den Hinweisen auf Autonomie und Selbstbestimmung der Völker oder Ethnien das Maximum an präziser Darstellung erreicht.

Um sowohl die Breite als auch die Tiefe von gegenelitären Agenden zu erfassen, erscheint es sinnvoll, auf das Konzept des (Internationalen) Revisionismus zurückzugreifen. Obwohl das Konzept „Revisionismus“ erst vor 20 Jahren von Barry Buzan[7] im wissenschaftlichen Diskurs etabliert wurde, um politische Strömungen zu klassifizieren, die eine dauerhafte Veränderung von Ordnung und/oder Struktur im internationalen Staatensystem anstreben, ist es nicht allzu geläufig. Der internationale Revisionismus kann nach Buzan orthodox, radikal oder revolutionär sein. Orthodoxer Revisionismus beschränkt sich auf das Ziel, die eigene Position in der Machtstruktur zu verbessern, während die revolutionäre Variante darüber hinaus darauf abzielt, die geltenden Spielregeln fundamental zu verändern. Die radikale Variante liegt zwischen beiden und will eine elementare Verbesserung der Machtposition mit einer moderaten Reform der Spielregeln verbinden.

Da politische Strömungen mit einer solchen Ausrichtung auch eine eigene Vision interner Herrschafts-und Gesellschaftsordnungen beherbergen (insbes. radikaler und revolutionärer Revisionismus), kann diese Systematik auch zur Sortierung von herrschaftsinternen Konflikten auf der staatlichen Mikroebene zur Anwendung gebracht werden. Wie beim internationalen Revisionismus können auch bei der internen Spielart die Veränderungswünsche sowohl die Struktur- als auch die Ordnungsebene betreffen. Soweit die Strukturebene von Veränderungswünschen betroffen ist, handelt es sich um reale Tatbestände oder eine Kombination von Handlungsmöglichkeiten. Der US-amerikanische Soziologe Marion J. Levy führt hierzu aus: “Simply speaking, structural-functional analysis consists of nothing more complicated than phrasing empirical questions in one of the following several forms or some combination of them: (1) What observable uniformities (or patterns) can be discovered or alleged to exist in the phenomena studied? (2) What conditions (empirical states of affairs) resultant from previous operations can be discovered or alleged to exist in the phenomena studied? (3) When process (or action, i.e. changes in the patterns, conditions, or both depending on one’s point of view, are discernible between any two or more points in time) can be discovered (or alleged) to take place in terms of observable uniformities, what resultant conditions can be discovered? The first question asks, ‘What structures are involved?’ The second asks, ‘What functions have resulted (or have been performed)?’ And the third asks ‘What functions take place in terms of a given structure(s)?”[8].

Soweit die Veränderungswünsche einer Gegenelite die Strukturebene betreffen, kann ein kompletter sowie dauerhafter Personalaustausch in den Spitzenpositionen des Herrschaftsapparates angestrebt werden, ohne jedoch den Herrschaftsanspruch der Zentralregierung für einen bestimmten Teil eines Staatsverbandes in Frage zu stellen. Nun gibt es zahlreiche Fälle, wo revisionistische Zielsetzungen in Bezug auf das interne Machtgefüge auch unmittelbar auf die Herrschaftsgeographie durchschlagen können, denn staatliche Herrschaftsausübung ist nun mal territorial gebunden. Es handelt sich hier um sogenannte Territorialkonflikte. Eine wie auch immer ideologisch-orientierte gegenelitäre Machtorganisationen ist bestrebt, die institutionalisierte Machtausübung für ein bestimmtes (Siedlungs-)Gebiet an sich zu reißen (Autonomie)[9], ohne jedoch aus dem Staatsverband auszuscheiden; oder ein bestimmtes (Siedlungs-)Gebiet aus einem Staatsverband herauszulösen, um (a) in einem anderen sozio-kulturell näherstehen Staatsverband aufzugehen (Irredentismus) oder (b) einen eigenen souveränen Staat (Separatismus)[10] zu etablieren.

Den Wurzelgrund hierfür bildet ein Staatensystem, dessen (Mit)Glieder mehrheitlich nicht auf einer Nation ruhen, sondern eine relativ starke sozio-kulturelle Fragmentierung aufweisen[11] und in welchem unterschiedliche Völker auf mehreren Staatsterritorien siedeln. Experten schätzten, dass heute mehr als 550 sozio-kulturelle Gebilde existieren, die vom Integrationsgrad her einen (National-)Staat etablieren könnten. Konkret siedeln in 120 Staaten politisch bedeutende ethnische Minderheiten[12]. Im Zeitraum 1945 bis 2001 waren mehr als 450 ethnopolitische Gruppen in Konflikte involviert, die oft gewaltsame Formen annahmen[13]. Allerdings sind fragmentierte Gesellschaftsstrukturen keine hinreichende Bedingung, sondern vielmehr ein Oberflächenphänomen[14], das von Gegeneliten instrumentalisiert wird, um aktive und passive Unterstützung aus dem Massenpublikum zu generieren.

Der Kategorie Separatismus sind alle antikolonialen Bewegungen zuzuschlagen, die in Afrika und Asien den Kolonialherren die Unabhängigkeit abgetrotzt haben, sowie zeitnahe Beispiele wie die baskische ETA in Spanien, kurdische Aufständische im Irak sowie islamische Bewegungen in der chinesischen Provinz Xinjiang. Eine zeitnahe Umsetzung ihrer separatistischen Bestrebungen konnten gegenelitäre Machtorganisationen in Osttimor (Indonesien) und im Südsudan vorweisen. Auch gegenelitäre Machtorganisationen mit einer irredentistischen Ausrichtung sind noch aktiv: Teile der IRA streben den Austritt aus dem Vereinten Königreich an, um im Staatsverband der Republik Irland aufzugehen; einige islamische Bewegungen in der Kaschmir-Region streben den Austritt aus dem indischen Staatsverband an, um Pakistan angegliedert zu werden. Irredentistische Bewegungen finden dort ein optimales Biotop, wo das Siedlungsgebiet einer ethnischen Gruppe die Staatsgrenze des eigenen Nationalstaates überspannt und diese jenseits dieser Grenze von Diskriminierung oder gar Repression betroffen ist. Das separatistisch-irredentistische Potential ist also sehr groß und wird auch zukünftig die Basis für mehr oder weniger gewaltsame Auseinandersetzungen innerhalb oder jenseits formaler Staatsgrenzen bilden.

Damit kommen wir nun zur Ordnungsebene: Zielen Veränderungswünsche auf die Ordnungsebene ab, so ist das Regelwerk zur Steuerung des innerstaatlichen und gesellschaftlichen Betriebes gemeint; konkret die interne Herrschafts-, Willensbildungs- und Gesellschaftsordnung[15]. Die Herrschaftsordnung kann monistisch oder zum Pluralismus ausgestaltet sein. Besondere Aufmerksamkeit gilt in diesem Kontext dem Prozess der Verteilung der Positionen im Herrschaftsapparat, dem Machtprozess[16]. Die Teilhabe am Machtprozess kann allen unbescholtenen Mitgliedern der Bürgerschaft erlaubt sein oder auch auf eine privilegierte Personengruppe begrenzt sein. Die Willensbildungsordnung – die Art und Weise wie gesellschaftlich verbindliche Entscheidungen getroffen werden – kann monopolisiert oder zur Konkurrenz ausgestaltet sein. Schließlich ist noch zu notieren, ob die Gesellschaftsordnung partiell oder total ist. Dort, wo die allgemein verbindlichen Entscheidungen so viel Spielraum gewähren, dass sich in den einzelnen funktionalen Teilsystemen des Gesellschaftssystems ein relativ großer Teil der Ordnung, Struktur und Prozessabläufe durch systeminterne Interaktionen herausbildet und festgelegt wird, stellt sich eine partielle Gesellschaftsordnung ein. Wenn jedoch die Regelungsbreite und –tiefe eine selbständige Herausbildung von Ordnung, Struktur und Prozessabläufen in allen anderen funktionalen Teilsystemen unterbindet, handelt es sich um eine totale Gesellschaftsordnung.

Grundsätzlich müssen alle wichtigen Positionen im Herrschaftsapparat von eigenen Gefolgsleuten besetzt sein und die politische Elite dauerhaft zerschlagen werden, um dauerhafte Veränderungen auf der Ordnungsebene einzuleiten bzw. umzusetzen.

 

Dr. Bard O´Neill identifiziert in diesem Kontext vier Typen von Insurgenten[17], wo der Ehrgeiz der Gegenelite über die bloße Machtergreifung hinausgeht und sich darauf richtet, weitere funktionale Teilsysteme des Gesellschaftssystems zu verändern.

 

Anarchisten streben danach die Polity, also die formelle Dimension – Gesetze und staatliche Agenturen – eines Staats zerstören, weil sie als illegitim angesehen wird. Anarchie bedeutet in diesem Kontext nicht Herrschaftslosigkeit, sondern Gesetzlosigkeit, also Willkürherrschaft. Gegenwärtig existieren keine politisch signifikanten gegenelitären Machtorganisationen, die einen anarchistischen Kurs verfolgen.

 

  • Egalitäre Bewegungen sind bestrebt, das bestehende Gesellschaftmodell in eine klassenlose Gesellschaft umzuwandeln. Für diesen Zweck und um den Erhalt der klassenlosen Gesellschaft zu gewährleiten, ist eine streng zentralistische Polity zu entwickeln bzw. zu implementieren. Zeitnahe Beispiele sind die Kommunistische Partei Perus oder die Front für die Befreiung von Nepal.
  • Traditionalisten streben danach, eine bestehende politische und gesellschaftliche Struktur innerhalb eines Staats nach prä-modernen Vorbildern umzugestalten. Diese Ideologien werden durch Religionen oder tradierte Überlieferungen von Stammeskulturen gespeist. Zeitnahe Beispiele dieses Subtyps sind die neo-islamische ISIS, die radikale Kach-Bewegung von Rabbi Meier Kahane in Israel oder christlich-fundamentalistische Bewegungen in den USA.
  • Pluralistische Bewegungen sind bestrebt, ein bestehendes internes Regime wie folgt zu reformieren: Die Herrschaftsorganisation soll zum Pluralismus umgestaltet werden. Die Willensbildungsorganisation soll zur Konkurrenz umgestaltet werden. Die Gesellschaftsorganisation soll partieller Natur sein; d.h. bestimmte Lebensbereiche sind der politischen Einflussnahme entzogen. Zeitnahe Beispiele für diesen Subtypen sind der südafrikanische ANC, die UNITA in Angola oder die nationale Widerstandbewegung in Uganda.

 

 

Seit dem Ende des Kalten Krieges betreten vermehrt  gegenelitäre Machtorganisationen mit einer islamisch-revisionistischen Agenda die Weltbühne und ihre Aussichten auf eine erfolgreiche Umsetzung ihrer Agenda dürften sich im zunehmenden Maße als aussichtsreich erweisen, denn der Bestand an Staatsruinen bzw. gescheiterten Staaten wird auch künftig (in islamisch-geprägten Weltregionen) hoch bleiben.

 

Intraorganisatorisches Design

 

Zur Organisationsform von nichtstaatlichen Handlungseinheiten im Allgemeinen, zu Machtorganisationen im Besonderen und zu gegenelitären Machtorganisationen ganz speziell werden kontinuierlich wissenschaftliche Fachpublikationen verlegt. Vor allem in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit gegenelitären Machtorganisationen im Kontext „Neuer Terrorismus“ werden elementare Erkenntnisse aus der Organisationswissenschaft zu wenig und gar nicht berücksichtigt; stattdessen wird das Stoffgebiet vor allem unter dem Emblem „Vernetzter Terrorismus“ behandelt. Es ist jedoch auch bei der wissenschaftlichen Bearbeitung dieses Stoffgebietes – gegenelitäre Machtorganisation – unabdingbar, auf Ausdrücke aus der betriebswirtschaftlichen Organisationslehre zurückzugreifen, die bereits eine bewährte Ausprägung und vor allem Signalwirkung besitzen. Die betriebswirtschaftliche Organisationslehre geht bei der Behandlung organisatorischer Phänomene von einer Zweiteilung aus, der Zustands-und Beziehungsstruktur (Aufbauorganisation) sowie der Prozessstruktur (Ablauforganisation).

 

Aufbauorganisation

 

Die Funktion einer Aufbauorganisation besteht im ersten Schritt darin, unter Berücksichtigung der Vorgaben durch ein Zielsystem, aufgabenteilige Einheiten (Stellenbildung) zu schaffen und ordnet diesen wiederum Aufgaben und Kompetenz zu. Im zweiten Schritt besteht die Funktionserfüllung in der horizontalen wie vertikalen Koordination der verschiedenen Organisationeinheiten zueinander. Besagte Zustands- und Beziehungsstrukturen sind nicht als statisch zu betrachten, sondern unterliegen wie die Prozess-Struktur einem permanenten Wandel. Dieser Wandel resultiert einmal aus der Veränderung der Gesamtaufgabe oder einzelner Teilaufgaben - durch interne oder externe Einflüsse - und zum anderen aus dem Versuch, die Aufbauorganisation zu optimieren.

Bezogen auf gegenelitäre Machtorganisationen kann festgehalten werden, dass das vorliegende Datenmaterial[18] ausreichend vorhanden und bearbeitet ist, um aus strukturell-funktionaler Sicht ein Grundmodell einer solchen Organisation moderner Prägung zu entwickeln. Konkret können folgende Segmente/Stellen[19] ausgemacht werden:

•    Kontereliten legen die politische bzw. ideologische Stoßrichtung fest und treffen alle intraorganisatorischen Entscheidungen in Bezug auf Aufrechterhaltung, Eskalation sowie Deeskalation des Konflikts. Sie bewegen sich zwar immer noch auf der gewaltfreien Ebene der Konfliktaustragung, aber organisierte Gewaltanwendung zur Realisation ihrer jeweiligen Agenda ist ideologisch legitimiert. Grundsätzlich wird im Rahmen der organisatorischen Planung von jeder Konterelite die Schaffung eines gewaltbereiten Aggregats berücksichtigt. In welchem Umfang Gewaltmittel zum Einsatz gebracht werden, hängt von der gewählten Strategie im Rahmen der Konfliktaustragung ab. Innerhalb dieses Segments kann noch zwischen einer Art „Führerfigur“ und der sogenannten ideologischen Kerngruppe unterschieden werden. An der Spitze dieses Segments steht eine Art „Führerfigur“. Dieser Einzelperson werden Autorität, Expertise, Charisma und/oder Prestige zugeschrieben, weshalb sie die  gegenelitäre Machtorganisation nach außen repräsentiert und nach innen integrierend wirken soll. Die ideologische Kerngruppe sind jene Personen, die im Kollektiv mit dem Repräsentanten alle verbindlichen Entscheidung auf der strategischen Ebene fällen. Zeitnahe Beispiele für die Rolle des „Repräsentanten“ sind der Hamas-Gründer Sheikh Ahmed Yassin, Osama bin Laden oder der Gründer der Muslimbruderschaft, Hasan alBanna. Al-Banna nimmt hier eine Sonderstellung ein, denn seine Persönlichkeit war so stark ausgeprägt, dass er im Alleingang alle verbindlichen strategischen Entscheidungen für die Muslimbruderschaft während seiner Amtszeit traf. Als Proponenten für die ideologische Kerngruppe kann man Aiman az-Zawahiri oder Abd al-Aziz ar-Rantisi ins Feld führen.

•     Mangers(..) can provide both top leadership and grass-roots with valued resources:

From the grass-roots` perspective (…) they can provide skills and expertise, and may facilitate access to finance and training camps. For the top leadership (…) provide an efficient and trusted channel through which to facilitate connections, weed out „timewasters“, and reduce the risks involved in reaching out for the movement`s grass-roots“[20].

Sie sind also für die Bereitstellung der materiell-personell-organisatorischen Grundlagen verantwortlich und sowohl indirekt als auch direkt in Terror-oder Guerilla-Operationen involviert. Dieses Segment bildet das Center Gravity, denn es werden konkrete Kontakte zu den Entscheidungsträgern als auch zu den unteren Chargen gehalten.

•   Paramilitärs sind mit der Durchführung von Gewaltoperationen in Gestalt von Terror- oder Guerilla-Operationen sowie konventioneller Gefechtsführung betraut.

•   Radikale sind ideologisch eingeschworen und ihre Bindung ist so weit vorangeschritten, dass man bereit ist, an illegalen Aktionen – von der Vorbereitung bis zur Durchführung von Gewaltaktionen – proaktiv teilzunehmen. Man befindet sich hier im Raum der ideologischen Vorfeldorganisationen, die jedoch noch nicht unmittelbar in die Verübung von Gewaltakten involviert sind. Konkrete Beispiele wären linksradikale Vereine, Koranschulen oder agitierende Wohlfahrtsorganisationen. Im Westen werden sie strafrechtlich nicht verfolgt, da diese nur an politischer Agitation bzw. Hetze mitwirken. Solche Verbote bestehen in westlichen Demokratien ausschließlich gegen nationalsozialistische/faschistische oder linksradikale Organisationen. Gegen den islamischen Revisionismus ist jedoch kein Verbotsgesetz bekannt.

•   Aktivisten sympathisieren aus unterschiedlichen politischen, ideologischen oder soziokulturellen Motiven mit der Gegenelite, jedoch ist eine materiell-personell-organisatorische Unterstützung ausgeschlossen. Dieses Segment ist in kleinster Weise politisch organisiert und seine Einstellung zum organsierten Gewalteinsatz kann aufgrund fehlender Daten nicht verifiziert werden. Historische Beispiele belegen jedoch, dass, sobald der Erwerb von politischer Macht und der Griff an die Schalthebel der Macht näher rücken, eine Mobilisierung bei den Aktivisten einsetzt.

Wie sich also zeigt, steht jede Regierung vor dem Dilemma, dass die in Konkurrenz stehende gegenelitäre Machtorganisation weitaus größer, umfassender und diffuser ist, als das eigentliche Gewaltaggregat, das im Rahmen der inneren Sicherheit durch Polizei- oder Militäreinheiten bekämpft wird. Da sich die Masse der  gegenelitären Machtorganisation auf der gewaltfreien Ebene befindet, ist der Einsatz von Gewalt gegen sie zumindest in westlich-demokratischen Staaten undenkbar und steht im krassen Gegensatz zu den in diesen Staaten verankerten Menschen- und Bürgerrechten. Es gibt bis jetzt keine schlüssigen Konzepte, wie solchen Gruppierungen unterhalb der gewaltsamen Ebene entgegenzutreten sei.

 

 

Ablauforganisation

 

Damit kommen wir zur Ablauforganisation. Die Ablauforganisation beschreibt die inhaltliche, räumliche und zeitliche Abfolge von Aktivitäten, um zielsystematische Vorgaben zu erfüllen. Sie regelt den Ablauf der innerorganisatorischen Aktivitäten unter Berücksichtigung der Anforderungen an das gewünschte Ergebnis und sowie des Leistungsvermögens von Personen und verfügbaren Ressourcen. Auf dieser Ebene ist auch der inner- wie außerwissenschaftliche Diskurs um den „Neuen Terrorismus“ bzw. „networked terrorism“ angesiedelt[21]. Dieser Diskurs wäre bereits schon weiter gediehen, wenn man der betriebswirtschaftlichen Planungstheorie[22] im Allgemeinen und dem planerischen Zielsystem im Besonderen mehr Aufmerksamkeit geschenkt hätte und dabei die Kluft zur Disziplin „Unternehmensplanung“ überbrückt hätte. Dieser Versuch wird in diesem Abschnitt unternommen.

Um diese Vorhaben umzusetzen, ist es sinnvoll, sich dem planerischen Zielsystem[23] zuzuwenden, um eine vorläufig grobe Abbildung der Ablauforganisation einer  gegenelitären Machtorganisation zu modellieren. Das ideale Konzept eines planerischen Zielsystems besteht aus vier Schichten. Man unterscheidet die Prämissen von der strategischen, der taktischen und der operativen Ebene.

  • Prämissen: An der Spitze des planerischen Zielsystems thronen die Prämissen, also ein Set von Vorgaben, gegen das sowohl Output als auch Outcome einer jeden weiteren Stufe der Zielhierarchie gemessen wird. „Planning premises means literally that which goes before, previously set forth, or stated as introductory, postulated, or implied. … Planning premises cut through every part of the planning process. In developing them, important choices are required in deciding which premises are applicable, which are most important, which should be studied in depth, and how much resource should be used to define them“[24].

Die Prämissen bilden in Summe den Entwurf der Realitätsebene. Konkret werden die Werte der Führungselite, der Organisationszweck sowie die Organisationsumwelt grob skizziert.

  • Strategische Ziele: Die strategischen Ziele beschreiben, welche Gestalt der Organisationsumwelt gegeben werden soll; und die Position, welche die jeweilige Organisation darin anstrebt. So werden auf dieser Ebene des Planungssystems nur globale und langfristige Ziele und grundsätzliche Realisationsmöglichkeiten holzschnittartig dargestellt.
  • Taktische Ziele: Hier werden die strategischen Ziele operationalisiert, also in greifbare Handlungsanweisungen in Gestalt von Handlungsprogrammen zerlegt. „Medium-range programming is the process in which detailed, co-ordinated, and comprehensive plans are made for selected functions of a business to deploy resources to reach objectives by following policies and strategies laid down in the strategic planning process“[25].

Hier nehmen die Durchführungsrichtlinien, der Ressourcenrahmen für alle nachfolgenden Realisationshandlungen als auch die Kommunikationsmodi konkrete Züge an. Besagte Programme verweisen summarisch auf Myriaden von Realisationshandlungen.

  • Operative Ziele: Auf dieser Ebene setzt die operative Tätigkeit ein. Myriaden von Realisationshandlungen (Operationen) werden gesteuert bzw. koordiniert, um die angestrebte Gestalt der Organisationsumwelt sowie die Position, welche man darin einnehmen möchte, zu erreichen. Bei den Realisationshandlungen können Nichtroutine-Operationen von Routine-Operationen unterschieden werden. Nichtroutine-Operationen setzen auf der operativen Ebene dort ein, wo neue Handlungsprogramme zur Umsetzung der strategischen sowie taktischen Zielsetzungen etabliert oder bestehende Handlungsprogramme weitgehend verändert werden. Individuelles sowie kollektives Verhalten wird durch diese Operationsart institutionalisiert, d.h. es wird durch Normen und Regeln im bestimmten Bahnen gehalten. Sinngemäß liegen Routine-Operationen als Ergebnis von Nichtroutine-Operationen vor, wenn den Realisationshandlungen ein Wiederholungscharakter zugemessen wird.

 

Nachdem ein planerisches Zielsystem zur wissenschaftlichen Bearbeitung von GMO bisher keine Berücksichtigung gefunden hat, handelt es sich bei der nachfolgenden tabellarischen Darstellung der ablauforganisatorischen Seite einer gegenelitären Machtorganisation um eine theoriegestützte Übersicht in Vollversion.

Mit dieser tabellarischen Übersicht ist nun jener Boden aufbereitet, um die Veränderungen auf der operativen Ebene von  gegenelitären Machtorganisationen im organisationswissenschaftlichen Sinne zu erfassen und analytisch sinnvoll darzustellen. Im wissenschaftlichen wie im nichtwissenschaftlichen Diskurs wird in diesem Zusammenhang von „Netzwerkterrorismus“ oder „Neuem Terrorismus“ gesprochen, wobei hier anzumerken ist, dass die globale Vernetzung von  gegenelitären Machtorganisationen nichts Neues ist. In Zeiten der systemweiten Paktkonfrontation wurde von kommunistischer Seite ein systemweites Netzwerk der Kooperation, bestehend aus diversen gegenelitären Machtorganisationen, geschmiedet, um Regime in der westlichen Einfluss-Sphäre zu destabilisieren, das in Finanz-und Organisationskraft den heutigen revisionistisch-islamischen Netzwerken wie Al-Qaeda um nichts nachsteht[26]. In der Retrospektive dürfte eher Gegenteiliges der Fall sein! Ein gravierender Unterschied besteht aber darin, dass heute diese Organisationen nicht mehr von Moskau oder einer anderen Metropole zur Verfolgung von nationalen Interessen geführt bzw. kontrolliert werden, sondern in zunehmendem Maße in Konkurrenz zu Washington, Moskau oder Peking treten, wenn beispielsweise das saudi-arabische Regime oder andere Regime im Nahen Osten oder Afrika ins Visier genommen werden. Darüber hinaus fördern die dritte Globalisierungswelle[27] – welche mit dem Ende des Ost-West-Konfliktes in 1990/91 begann – sowie die revolutionären Entwicklungen in der Informationstechnologie[28] und die Ausdehnung des Gürtels von Staatsruinen in bestimmten Weltregionen das Aufkommen bzw. Erstarken von Gegeneliten.

Um die neue von der traditionalen Organisationsform in der Gestalt von Hierarchien zu unterscheiden, werden Begriffe wie Netzwerkterrorismus oder strategischer Terrorismus gebildet, deren semantischer Sinngehalt zumindest fragwürdig ist! Dies hat vor allem damit zu tun, dass die Wissenschaftszunft sich befleißigt, für Phänomene, die sie vielleicht neu entdeckt, und für die Begriffe, mit denen sie diese fasst, auch neue Termini zu finden. Dass dieses eine Phänomen in einer anderen Form in der Menschheitsgeschichte bereits existierte und von der wissenschaftlichen Zunft schon mit einem Terminus technicus versehen wurde, der eine bewährte Ausprägung besitzt und eine gesicherte Signalwirkung entfaltet, wird gern übersehen. Ein exemplarisches Beispiel aus jüngster Zeit ist der Terminus „Schurkenstaaten“[29]. Mit diesem Terminus werden Staaten bezeichnet, in denen die politische Elite oder lediglich die  regierende politische Elite sogenannte Tarnorganisationen aktiv wie passiv unterstützt und somit gegen geltende Konventionen des Völkerrechtes vorsätzlich verstößt. Das Völkerrecht kennt den älteren Begriff ”Pariastaaten“. „Governments or regimes that consistently violate some or many of these norms are usually ostracized in the society of states. We thus have the concept of „pariah“ states[30]. Dieses Konzept ist breiter und umfasst somit auch die sogenannten „Schurkenstaaten“ („rogue states“).

Kommen wir zurück zu den Organisationsformen einer Ablauforganisation unter besonderer Berücksichtigung des Wirkmitteleinsatzes. Hier können wir auf die Prinzipien der Befehls- und Auftragstaktik[31] aus der Kriegskunst zurückgreifen. Ein Befehl beinhaltet folgende Informationen: Welche Einzelperson oder Personengruppe setzt welches Wirkmittel an einem bestimmten Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt ein. Dies erfordert wiederum eine straffe materiell-personell-organisatorische Struktur in traditionellem Sinne. Mit der Führung durch Befehl sollen Einzelhandlungen sowie Handlungskomplexe in bestimmten Bahnen gehalten werden, die der Absorption von Unsicherheit dienen. Wo immer eine Gegenelite den Versuch unternimmt, territoriale Zugewinne zu erzielen, zu verteidigen oder gar einen Machtwechsel zu erzwingen, kommt das klassische militärische Modell zur Anwendung. Die Ablauforganisation der IRA war während den 1980er Jahren auf diese Art und Weise organisiert[32].

Kommt die Auftragstaktik zur Anwendung, wird vom Entscheider nur festgelegt, wer welches Wirkmittel einsetzt. Alle weiteren Parameter - wer, wo, wann und wie - werden von der damit beauftragten Einzelperson oder Personengruppe entschieden. Der Vorteil des letztgenannten Prinzips liegt darin, dass eine  gegenelitäre Machtorganisation durch schnelles Verwerfen bestehender Pläne und Entwerfen von neuen Plänen sowie durch personelle Veränderungen flexibel auf Veränderungen im operativen Umfeld reagieren kann. Diese Organisationsform wird von Gegeneliten gewählt, wenn die territoriale Frage nicht im Fokus steht, sondern die Destabilisierung des Systems im eigenen Staatsverband, oder die Regierung eines anderen Staatsverbandes durch Druck dazu zu bringen, die Unterstützung für die bekämpfte Regierung einzustellen. Die Ablauforganisation der PLO war während den 1970er Jahren auf diese Art und Weise organisiert[33].

 

 

Abschließende Bemerkungen

 

Mit diesem Artikel wurde der erste Versuch unternommen, das Konzept der gegenelitären Machtorganisation im Kontext der Debatte um das Wirkmittel „Terrorismus“ im Allgemeinen und nichtstaatliche Organisationen, welche dieses Instrument zur Interessendurchsetzung nutzen, in den wissenschaftlichen Diskurs einzuführen. Dazu wurde einerseits auf das etablierte Konzept der Gegeneliten nach Lasswell/Lerner zurückgegriffen und andererseits beziehen sich die Autoren bei der organisationswissenschaftlichen Darstellung einer gegenelitären Machtorganisation auf die etablierte und allseits akzeptierte Unterscheidung zwischen Aufbau-und Ablauforganisation aus der Organisationslehre. Zur Darstellung der ablauforganisatorischen Seite wurde auf das betriebswirtschaftliche Planungsschema nach George A. Steiner zurückgegriffen, welches dem militärischen Planungsschema – Strategie, Operation und Taktik – ähnelt; jedoch werden in der Betriebswirtschaftslehre die Begriffe für die mittlere und untere Planungsebene vertauscht, indem die taktische Ebene die mittlere und die kleinste als operative Ebene genannt werden[34]. Vor allem die klare und strukturierte Darstellung der ablauforganisatorischen Seite einer gegenelitären Machtorganisation soll die Debatte um den „Neuen Terrorismus“ oder „Networked Terrorism“ in ein organisationwissenschaftliches Korsett einbetten.

In der wissenschaftlichen Literatur werden die Zielsetzungen solcher nichtstaatlicher Organisationen unter den Stichwörtern Anti-Regime, Separatismus, Irredentismus oder Autonomie behandelt. Um eine Höchstmaß an Differenzierung in Bezug auf die Zielsetzung von Gegeneliten zu gewinnen, wurde bei der Entwicklung einer tragfähigen Typologie einerseits auf das Konzept des Revisionismus zurückgegriffen und andererseits wird zwischen der Struktur-und Ordnungsebene bei der Klassifizierung der gegenelitären Intentionen unterschieden.

Neben dem Zugewinn für den wissenschaftlichen Diskurs besitzt das vorgestellte Konzept auch ein relevantes Potential für alle jene Praktiker, die sich in den diversen politischen Administrationen mit dem Problemfeld (Issue Area) Aufstand-und Aufstandsbekämpfung beschäftigen müssen, weil eine oder mehrere gegenelitäre Machtorganisationen den Sturz der politischen Elite oder eine Veränderung der Herrschaftsgeographie im eigenen Staatsverband - oder eines Allianzpartners - anstreben. Den Praktikern aus der politischen Administration wird gutes Analyseinstrument in die Hände geben, um den Status Quo zu erheben und darauf aufbauend die praktizierte Aufstandsbekämpfung[35] zu modifizieren oder gar eine effiziente und effektive Gegenstrategie zu entwickeln.


Anmerkungen:

[1]James Kurth: Globalization: Political Aspects. In: Neil J. Smelser/Paul B. Baltes (Ed.), International Encyclopedia of the Social and Behavioral Sciences, 26 vols, vol. 9, New York 2001 S. 6284-6287.

[2]Klaus Faupel: Der Ort der Regionalen Außenpolitik im System der internationalen Politik. In: Kärntner Jahrbuch für Politik 1998, S. 151-174.

[3]Charles Morris, Signs, Language and Behavior, New York 1946, S. 125

[4]Klaus Faupel, Ort der Regionalen Außenpolitik im System der internationalen Politik, in: Kärntner Jahrbuch für Politik 1998, S. 151-174

[5]Harold D. Lasswell/Daniel Lerner, Power and Society, New Haven 1950, S. 266

[6]Bard E. O`Neill, Insurgency and Terrorism: From Revolution to Apocalypse, 2nd. Ed., Potomac Books 2005, S. 46

[7] Barry Buzan: People, States and Fear. New York 1991, S. 311

[8] Marion J. Levy Jr., Structural-Functional Analysis, in: David L. Sills (Ed.), International Encyclopedia of the Social Sciences, 17 vols./vol. 6, New York 1972, S. 22

[9] Svante Cornell, Autonomy as a Source of Conflict: Caucasian Conflicts in Theoretical Perspective, in: World Politics, 54(2)/2002, p. 245-276

[10] Martin Griffiths/Terry O`Callaghan: International Relations: The Key Concepts. London 2002, S. 168, 287; Klaus Jürgen Gantzel /Torsten Schwinghammer, Warfare since the Second World War, London 2000, S. 20

[11]Robert H. Jackson, Plural Societies and New States: A conceptual Analysis, Berkeley 1977, S. 10f

[12]Barry Hughes, Continuity and Change in World Politics, Englewood Cliffs N.J. 1994, S. 234

[13]Charles W. Kelgey, World Politics, 11th Ed., New York 2007, S. 238.

[14] Paul Collier/Anke Hoeffler: Greed and Grievance in Civil War, Washington 2001, S. 10

[15]Clemens A. Eicher, Der anomische Machtprozess: Ein Analyserahmen zur ungeregelten und (gewaltsamen) Verteilung der wichtigsten Positionen im Herrschaftsapparat auf nationalstaatlicher Ebene, in: Österreichische Militärische Zeitschrift, 2/2011, p. 196f; Ted Robert Gurr, Persistence and Change in Political Systems, 1800-1971, in: American Political Science Review, 68/1974, p. 1485

[16]Clemens A. Eicher, Der anomische Machtprozess: Ein Analyserahmen zur ungeregelten und (gewaltsamen) Verteilung der wichtigsten Positionen im Herrschaftsapparat auf nationalstaatlicher Ebene, in: Österreichische Militärische Zeitschrift, 2/2011, p. 197;  Charles W. Taylor/ David A. Jodice: World Handbook of Political and Social Indicators, 3rd ed., Vol. II: Political Protest and Gouvernement Change. Yale 1983, S. 92.

[17] Bard E. O`Neill, Insurgency and Terrorism: From Revolution to Apocalypse, 2nd. Ed., Potomac Books 2005, S. 20

[18] Brian A. Jackson et al (Ed.):Aptitude for Destruction, Volume 2: Case Studies of Organizational Learning in Five Terrorist Groups, RAND 2005; Aaron Mannes, Profiles in Terror: The Guide to Middle East Terrorist Organizations, Oxford 2004; David C. Rapoport (Ed.), Inside Terrorist Organizations, London 2001

[19]Department of the Army: U.S. Army Counterinsurgency Handbook. New York 2007, S. 1-12; John A. Warden III, Air Theory for the Twenty-First Century, in: Karl P. Magyar (Ed.), Challenge and Response: Anticipating U.S. Military Security Concerns, Mawxell 1994, S 311-332

[20]Peter Neumann/Ryan Evans/Raffaello Pantucci, Locating Al Qaeda's Center of Gravity: The Role of Middle Managers, in: Studies in Conflict and Terrorism, 34(11)/2011, S. 829

[21] Ian O. Lesser, et al. (Ed.), Countering the New Terrorism, RAND 1999; Olivier Roy et al., America and the New Terrorism: An Exchange, Survival 42 (2)/2000, S. 156-172; Matthew J. Morgan, The Origins of the New Terrorism, in: Parameters 34(1)/2004, S. 29-43; Marc Sageman, Leaderless Jihad: Terror Networks in the Twenty First Century, Philadelphia 2008. Gegenteilig: Bruce Hoffman, The Myth of Grass-Roots Terrorism: Why Osama bin Laden Still Matters, in: Foreign Affairs, 87/2008, S. 133-138.

[22]George Albert Steiner, Top Management Planning, London 1969, S. 31f; George Albert Steiner, Strategic Planning, New York 2008, p. 18f; Jürgen Wild, Grundlagen der Unternehmungsplanung, Opladen 1982, S. 166f; Harald Ehrmann, Unternehmensplanung, Ludwigshafen, 2002, S. 21f

[23]Jürgen Berthel, Zielorientierte Unternehmungsplanung, Die Formulierung von operationaler Zielsysteme, Stuttgart 1973, S.87ff; Jürgen Wild, Grundlagen der Unternehmungsplanung, Opladen 1982, S. 53f

[24]George Albert Steiner, Top Management Planning, London 1969, S. 199

[25]George Albert Steiner, Top Management Planning, London 1969, S. 35

[26] Vgl. Ray S. Cline, Yonah Alexander, Terrorism: The Soviet Connection, New York 1984

[27] James Kurth: Globalization: Political Aspects. In: Neil J. Smelser/Paul B. Baltes (Ed.), International Encyclopedia of the Social and Behavioral Sciences, 26 vols, vol. 9, New York 2001, S. 6284-6287

[28] John Arquilla/David Ronfeldt, Networks and Netwars: The Future of Terror, Crime, and Militancy, RAND 2001, S. 1f.

[29]Vgl. Martin Griffiths / Terry O`Callaghan, International Relations: The Key Concepts, London/New York 2002, S: 280f.

[30] Kalevi Jaakko Holsti, International Politics: A Framework for Analysis, Englewood Cliffs 1995, S. 296

[31]Vgl. DVBH(zE) Truppenführung, 2004, S.39f

[32]Vgl. John Horgan / Max Taylor, The Provisional Irish Republican Army: Command and Functional Structure, in: Terrorism and Political Violence 9(3)/1997, S. 3ff

[33]Vgl. James Adams, The Financing of Terror, New York 1986, S. 123

[34]Vgl. Hew Strachan, The Lost Meaning of Strategy, in: Survival 47(3)/2005, S. 33-54;Jürgen Wild, Grundlagen der Unternehmungsplanung, Opladen 1982, S. 166-171;Harald Ehrmann, Unternehmensplanung, Ludwigshafen 2002, S. 243-244

[35]Vgl. Clemens Alexander Eicher, Terrorismus und Aufstandsbekämpfung: Ein systematischer Überblick über den Objektbereich, in: Österreichische Militärische Zeitschrift, 2/2009, S. 147-154