Israels Sicherheitsbedrohungen im Wandel der Zeit

Marcel Serr

 

Die Formen von Israels Sicherheitsbedrohungen reichen von Invasionen über Terroranschläge bis hin zu wirtschaftlichem Boykott und internationaler Isolation. Der folgende Beitrag konzentriert sich auf militärische Bedrohungen im historischen Verlauf. Dabei wird zunächst die Bedrohung durch konventionell gerüstete Staaten betrachtet. Anschließend wird auf die Sicherheitsgefahr, die von nichtstaatlichen, irregulären Akteuren ausgeht, eingegangen. Dann erfolgt die Analyse der Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen. Eine wesentliche Komponente der israelischen Sicherheit stellt die enge Beziehung zu den USA dar. Daher wird dieser Aspekt gesondert betrachtet. Abschließend werden die verschiedenen Bedrohungsformen im zeitlichen Verlauf in Phasen eingeteilt und aktuelle Trends skizziert. Israels Sicherheitsbedrohungen lassen sich im zeitlichen Verlauf in drei Phasen einteilen:

1. Existenzkampf und Konsolidierung (1948-1967)

In der Gründungsphase stand Israels Existenz auf dem Spiel - besonders in der Anfangsphase des Unabhängigkeitskrieges. Erst nachdem die IDF die arabischen Armeen zurückgeschlagen und zu Waffenstillständen gezwungen hatten, begann eine Phase der Konsolidierung. Die Grenzen Israels waren jedoch militärisch schwer zu verteidigen. Zudem blieb die Sicherheitslage angespannt.

2. Regionale Dominanz (1967-1979)

Im Sechstagekrieg erfochte Israel einen außergewöhnlichen Sieg, der die geostrategische Lage und das Kräftegleichgewicht im Nahen Osten nachhaltig veränderte. Israel wurde zur regionalen Großmacht. Die staatliche Existenz war damit gesichert. Mit den territorialen Eroberungen sicherte sich Israel zudem leichter zu verteidigende Grenzen und strategische Tiefe; der Nutzen offenbarte sich beim ägyptisch-syrischen Überraschungsangriff 1973. Durch den Friedensvertrag mit Ägypten konnte zudem der gefährlichste Gegner neutralisiert werden. Die Isolation Israels in der Region war damit beendet.

Phase 3: Aufstieg nichtstaatlicher Akteure zur primären Bedrohung (seit 1980er-Jahren)

Nach dem Friedensvertrag mit Kairo nahm die Gefahr staatlicher Kriege gegen Israel ab, denn ohne den mächtigsten arabischen Staat waren die anderen Nachbarstaaten zu keinem erfolgsversprechenden Angriff fähig. Damit wurde in den 1980er-Jahren die Bedrohung durch palästinensische Terrororganisationen und der Hisbollah zur primären Sicherheitsbedrohung.

Die aktuelle Situation setzt den Trend der primären Bedrohung durch irreguläre Akteure fort. Das Assad-Regime ist als potenzielle Bedrohung vorerst ausgeschieden; der Libanon stellt als staatliche Entität keine ernsthafte Sicherheitsbedrohung dar; Ägypten ist derzeit mit dem Kampf gegen den IS-Ableger im Sinai beschäftigt. Ein konventioneller zwischenstaatlicher Krieg ist daher für Israel derzeit unwahrscheinlich.

Die Schwächung der arabischen Staaten schafft ein Vakuum, das die nichtstaatlichen Akteure ausfüllen. Dies führte auch zu einer Verstärkung ethnischer und religiöser Identitäten. Die daraus erwachsenden Bedrohungsszenarien für Israel sind unübersichtlich. Einigkeit herrscht darüber, dass sich der Nahe Osten auch zukünftig unvorhersehbar verändern und dies Israel ein hohes Maß an Flexibilität und Anpassungsvermögen abringen wird.