Idealtypische Planungsfehler

Analyse der Planungen für die Phase Post-Hostilities der Operation Iraqi Freedom 2001-2004

Karoline Resch

 

D. S. Geller und J. D. Singer haben bereits im Jahr 1998 in ihrem Buch „Nations at War. A Scientific Study of International Conflict“ festgestellt, dass „individual-level ego-defensive mechanisms“ im Gruppenrahmen bei Entscheidungen verstärkt werden. Wenn man die dysfunktionalen Symptome von Geller und Singer nachprüft, können für die Planungen die folgenden eindeutig bestätigt werden:

- Gross ommissions in surveying objectives: Aus der strategischem Ziel („stable and democratic Iraq“) wurden keine Konsequenzen, notwendigen Maßnahmen und Mittel abgeleitet.

- Failure to examine major costs and risks of the preferred choice: Informationen über mögliche Friktionen und einen höheren Personalbedarf für langfristigen Erfolg wurden ignoriert; in Planung wurde bei Auflösung der irakischen Armee die Opportunitätskosten dieser Entscheidung nicht berücksichtigt.

- Poor information search: Informationen, die innerhalb und außerhalb der Institutionen verfügbar waren, wurden nur ungenügend für die Planungen herangezogen.

- Selective bias in processing information at hand: Informationen, die die eigenen Planungsannahmen stützten, wurden verstärkt herangezogen, andere vernachlässigt.

- Failure to work out detailed implementation, monitoring, and contingency plans: Planungen wurden nur ungenügend implementiert und erst (zeitlich verzögert) verstärkt vorangetrieben.

Zusätzlich zu den dysfunktionalen Symptomen gab es noch organisatorische Konflikte, unklare Kompetenzverteilungen und Unterordnungsverhältnisse, die Planungsfehler noch verstärkten. Neben dem Fortschreiben von dysfunktionalen Symptomen höherer Ebenen auch auf unteren Ebenen gab es in den einzelnen Teilbereichen Gründe für Planungsfehler und grundlegende Fehler in den Entscheidungen. Diese sind:

- Strukturelle Gründe für die Mängel in der Planung waren einerseits in der mangelnden Regelung der zivil/militärische Verantwortungen ersichtlich.

- Kulturelle Gründe lagen einerseits in der konservativen Grundhaltung der Militärs und des Fehlens eines offenen Umgangs mit ziviler Expertise. Dadurch wurden Annahmen fortgeschrieben und die Entscheidungen übergeordneter Ebenen nicht ausreichend kritisch hinterfragt. - Politische Gründe lagen in der starken Einflussnahme einzelner Angehöriger der Bush-Administration auf sicherheitsrelevante Annahmen (US-Vizepräsident Dick Cheney) und der Favorisierung von Varianten, die keine langfristigen Maßnahmen im Irak erfordern würden. Aus der Analyse ist ableitbar, dass die dysfunktionalen Symptome nach Geller und Singer sicherlich als Kategorien von Planungs- und Entscheidungsfehlern noch immer relevant sind und zukünftigen Planern als Warnung dienen sollten.