„Das Ende der Friktionen? - Big Data-Analysen in militärischen Entscheidungsprozessen“

Florian Fleischmann/André Röhl

 

Die Notwendigkeit, Entscheidungen in einem durch Komplexität, Ungewissheit und Unbestimmtheit geprägten Umfeld treffen zu müssen, ist seit jeher ein Merkmal militärischer beziehungsweise sicherheitspolitischer Entscheidungsprozesse. Big Data-Analysen besitzen das Potenzial, qualifizierte Antworten auf nahezu jede beliebige Fragestellung zu liefern. Dies funktioniert allerdings nur, wenn auch die richtigen Fragen gestellt werden:

Welches Ziel soll in welchem Kontext wann erreicht werden?

- Welche Rahmenbedingungen/Parameter (intern und extern) beeinflussen die Erreichbarkeit dieses Ziels?

- Welche Informationen werden benötigt, um mit der Zielsetzung verbundene Entwicklungen prognostizieren bzw. modellieren zu können?

- Wo befinden sich die Informationen?

- In welcher Form (strukturiert, unstrukturiert, semi-strukturiert) liegen die benötigten Daten vor?

Generell gibt es zwei Möglichkeiten, Big Data zu nutzen. So kann die erforderliche Struktur (Technik, Algorithmen und Analyse-Kompetenzen) komplett intern aufgebaut werden, oder eine Organisation greift über so genannte Shared Services auf das Know-how externer Anbieter zurück. In beiden Fällen müssen grundsätzlich zwei Anforderungen erfüllt sein:

- Einhaltung aller relevanten Vorschriften zum Datenschutz und zur Datensicherheit;

- Geeignete Mitarbeiter-Qualifikationen/Analyse-Fähigkeiten zur Interpretation von Daten (Mathematiker, Datenbankspezialisten etc.).

Auf der technischen Seite wächst die Zahl der Anbieter, die Big Data-Analysen als Shared Service bereitstellen. Das bedeutet:

- Die erforderliche Technik/Software ist webbasiert, der Anwender muss keine Investitionen in Hardware bzw. Instandhaltung vornehmen

- Ausgehend von den Fragestellungen des Kunden, erstellt der Anbieter präzise Analysen und Visualisierungen auf Basis der erforderlichen Datenquellen

- Der Anwender kann sich auf Lösungen konzentrieren, statt viel Aufwand mit der Beschaffung und Aufbereitung der erforderlichen Daten betreiben zu müssen.

Alles in allem bleibt die Big Data-Technology ein Instrument, das trotz Automatisierungen und Verknüpfungen einen Entscheidungsprozess nur unterstützen, nicht ihn ersetzen kann. „Friktionen“ werden dadurch nicht abgeschafft, aber doch zumindest deutlich verringert. Der auch bereits bei Clausewitz niedergelegte Grundsatz, Entscheidungsprozesse durch eine Kombination aus „operativer Intelligenz“ und rationaler Methodik, auszugestalten, bleibt jedoch nach wie vor maßgeblich.