Die Arktis

Testfeld für eine neue, globale geopolitische Architektur unter besonderer Berücksichtigung von China (Teil 2)

Jörg-Dietrich Nackmayr

 

Das vermehrte Engagement Chinas im arktischen Raum beendet mittelfristig die Alleinzuständigkeit der Arktisanrainer im Hohen Norden. China gelingt es mittels strategischer Investitionen in den Ressourcenabbau, in die maritime und touristische Infrastruktur in Island und Grönland in Form von Häfen für den Abtransport von Gas und Mineralien sowie die Abfertigung von Passagierschiffen ein Infrastrukturnetzwerk aufzubauen. Chinas Versuche, Einflusszonen in der Arktis zu markieren, führen im Gegenzug zu einer gemeinsamen Abwehrhaltung aller Arktisanrainer. Russland und die USA übernehmen hierbei die Führung. Während die geopolitischen Spannungen in anderen Teilen der Welt zwischen Russland und dem Westen immer wieder auch zunehmen, führt Chinas Auftreten am Nordpol zu einer stärkeren Kooperation. Strittige Grenzfragen insbesondere jene, die mit den Besitzansprüchen aus dem Kontinentalschelf zusammenhängen, werden trilateral gelöst. Der Seeverkehr in den Sommermonaten führt ab den 2030er-Jahren direkt über den geographischen Nordpol. Dieses Seegebiet wird von den Anrainern gemeinsam überwacht. Investitionen von raumfremden Nationen unterliegen künftig besonderer nationaler Genehmigung. Dänemark fördert mittlerweile mit Investoren aus der Europäischen Union, Kanada und den USA die Rohstoffe Grönlands mittels eines Treuhandvertrages. Dank deutlich gestiegener Rohstoffpreise nach einer langen Tiefpreisphase im ersten und zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts, können aus den Gewinnen Infrastruktur und Sozialleistungen in Grönland finanziert werden. Der landwirtschaftlich nutzbare Raum in Grönland nimmt in Folge des Klimawandels weiter zu. War die verfügbare Grünfläche bereits im Jahr 2015 größer als die Fläche Norwegens, ist sie in der Mitte des 21. Jahrhunderts schon größer als alle skandinavischen Länder zusammen genommen. Grönland erlebt einen wirtschaftlichen Aufschwung auch durch die Einwanderung von Europäern nach Kalaallit Nunaat. Grönland erhält noch in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts die staatliche Unabhängigkeit, bleibt aber Teil des Königreiches Dänemark und bildet mit der ehemaligen Kolonialmacht ein Commonwealth eigener Art. Die bestehende Sicherheitsarchitektur bleibt unangetastet.

Das Manuskript wurde Mitte Juli 2015 fertig gestellt. Dieser Beitrag ist als Politikanalyse konzipiert, um einen Diskurs anzuregen und auf mögliche Herausforderungen für die Sicherheitslage im Hohen Norden hinzuweisen. Dem Autor ging es darum, das Auftauchen einer raumfremden Macht in der Arktis und die damit verbundenen Auswirkungen auf die transatlantische Sicherheitsarchitektur zu beleuchten. Eine in der Literatur bisher unterbelichtete Fragestellung.