Die Ungarische Universität für öffentliche Dienste

Harald Pöcher

 

Im Jahre 2012 wurde in Budapest die „Nemzeti Közsolgálati Egytem/Nationale Universität für die öffentlichen Dienste“ gegründet und als Sitz der Universität das geschichtsträchtige Gebäude am Ludovica ter auserkoren, das bereits 1808 als erste Ausbildungsstätte für die höhere militärische Ausbildung in Ungarn vorgesehen war. Mit der Gründung der neuen Universität verfolgte die Regierung Orban bewusst eine Verbesserung der höheren Ausbildung von öffentlichen Bediensteten durch den Zusammenschluss des Wissens der ehemaligen Verteidigungsuniversität, der Polizeioffiziershochschule und der Fakultät für die öffentliche Verwaltung der Corvinus Universität. Hinzu kam 2015 durch Neugründung eine Fakultät für Europa- und internationale Studien. Der vorliegende Aufsatz blickt hinter die Kulissen der neuen Universität und versucht dadurch die Vorteile herauszuarbeiten, welche die neue Universität den Studierenden während des Studiums bietet und welche beruflichen Chancen nach einem positiv absolvierten Studium die Studenten erwarten können. Des Weiteren vergleicht der Autor die Ausbildung der öffentlich Bediensteten in Ungarn mit der Ausbildung der öffentlich Bediensteten in Österreich und gibt auf den Resultaten dieses Vergleiches aufbauend, Empfehlungen für die Ausbildung der öffentlich Bediensteten in Österreich. Es bestehen zwischen der Aus-, Fort- und Weiterbildung von öffentlichen Bediensteten große Unterschiede. Während in Ungarn alle zukünftigen öffentlichen Bediensteten unter einem Dach in einer Universität ein Studium absolvieren können, ist die Ausbildung in Österreich zersplittert und auch für Eingeweihte ziemlich unübersichtlich. Bedenkt man, dass eine Zersplitterung bei ähnlichen Ausbildungsinhalten immer mit Effizienznachteilen gegenüber eine zentralen Ausbildung einhergeht, ist das ungarische System dem österreichischen System höher einzuschätzen. Weit höher ist aber das ungarische System deswegen einzuschätzen, da alle öffentlichen Bediensteten, welche eine akademische Ausbildung an der Universität für öffentliche Dienste absolviert haben, einen Universitätsabschluss vorweisen können, und nicht wie in Österreich, sofern sie das Studienangebot der jeweiligen berufsausbildungsspezifischen Akademien in Anspruch nehmen, lediglich einen Abschluss einer Fachhochschule vorweisen können. Diese Feststellung des Autors soll nicht als eine Abwertung der Institution Fachhochschule verstanden werden, aber im Stufenbau des akademischen Studiums steht eben eine Fachhochschule unter einer Universität. Aus der Sicht des Autors kann es daher in Österreich nur empfehlenswert sein, das Modell der ungarischen Universität für öffentliche Dienste zum Anlass zu nehmen, um über eine Aus-, Fort- und Weiterbildung von öffentlichen Bediensteten unter einem Dach an einer neu zu gründenden Universität nachzudenken. Der Vorteil einer Österreichischen Universität für öffentliche Dienste liegt auf der Hand. Durch Synergieeffekte könnte die Aus-, Fort- und Weiterbildung der öffentlichen Bediensteten kostengünstiger durchgeführt werden, alle Gruppen der öffentlichen Bediensteten könnten voneinander lernen und es würde auch der Korpsgeist der öffentlichen Bediensteten neu belebt werden und dabei auch Animositäten zwischen den Gruppen abgebaut werden können.