Szenarien für den MENA-Raum

Bernhard Richter

 

Im Herbst 2013 wurde federführend durch das Büro für Sicherheitspolitik ein Szenarienprojekt für die zukünftige Entwicklung des MENA-Raumes (die Region von Marokko bis zum Iran) durchgeführt. Mit diesem Szenarienprojekt sollten im Rahmen des Lagebildprozesses die möglichen zukünftigen Entwicklungen der MENA-Region erarbeitet und in weiterer Folge Ableitungen und Handlungspfade für die österreichische Sicherheitspolitik analysiert werden. In diesem Aufsatz werden die wesentlichen Teilschritte des Projektes und die Ergebnisse der Analyse dargestellt. Als zukunftsanalytische Methode wurde das Konzept „Denken in Szenarien“ gewählt. Dieses Szenario-Projekt „MENA-Region“ wurde im Rahmen einer interministeriell zusammengestellten Projektgruppe realisiert, wobei das Büro für Sicherheitspolitik des Bundesministeriums für Landesverteidigung und Sport hier die Projektleitung darstellte. Die Expertengruppe setzte sich aus Vertretern der sicherheitsrelevanten Ressorts (BMLVS, BMI, BMeiA, Bundeskanzleramt) und aus externen Experten und Forschern zusammen. Im Rahmen dieser Arbeitsgruppe wurden - unter Projektleitung des BMLVS/Büro für Sicherheitspolitik fünf Szenarioworkshops abgehalten. In diesen Workshops wurden die „Einflussfaktoren“ und „Schlüsselfaktoren“ als Basis für die Szenarien identifiziert. Für diese Schlüsselfaktoren wurden wiederum „Zukunftsprojektionen“ erarbeitet, die mittels einer morphologischen Analyse zu konsistenten Szenarien gebündelt wurden. Insgesamt wurden durch das Szenarienteam sechs mögliche Szenarien für die MENA-Region entwickelt. Für diese Szenarien wurde eine Szenarienbewertung und in einem weiteren Workshop eine Konsequenzenanalyse durchgeführt. Die Szenarien stellen keine Strategien oder Entscheidungen dar, sondern sind Werkzeuge zur Entscheidungsunterstützung und zu Entwicklung nachhaltiger Strategien. Über den Zweck hinaus Strategiefindungsprozesse zu systematisieren und zukunftsrobuste Entscheidungen zu treffen, ist das Konzept „Denken in Szenarien“ vom Erkenntniszusammenhang ein Hauptinstrument, um Orientierungswissen zu entwickeln und ein Forum für den strategischen Dialog zu schaffen. Aus Sicht des Verfassers hat das gegenständliche Projekt dazu beigetragen. Über den eigentlichen Zweck dieses Projektes hinaus (nämlich Szenarien für MENA-Region) zu entwickeln, wurde durch dieses Projekt (und auch durch die vorangegangenen Szenarienprojekte im Rahmen des gesamtstaatlichen Lagebildprozesses) eine Art „Comunity-Building“ für strategische Zukunftsanalyse auf gesamtstaatlicher Ebene gefördert.