Die Schüsse von Sarajevo

Das Attentat, das die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ ausgelöst hat

Peter Mulacz

 

Mit dem Misserfolg der Zweiten Türkenbelagerung war die Expansivkraft des Osmanischen Reiches in den Westen gebrochen; das folgende 18. Jahrhundert sah nicht nur die Türkenkriege (Stichwort: „Prinz Eugen“), sondern auch die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der Hohen Pforte.1) Von seiner Gründung bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts hatte das Osmanische Reich bereits neun Kriege mit Russland geführt, mit dem zehnten begann der Krimkrieg (1853-56), dessen Auslöser der Diebstahl des Sterns von Bethlehem war, was den Prätext zur Frage der Schutzmacht über die Christen in Palästina (das ja damals Teil des Osmanischen Reiches war) lieferte. Russland drängte auf freien Zugang zum Mittelmeer sowie in Richtung Balkan, um die orthodoxen slawischen Völker von der Osmanischen Herrschaft zu befreien (Panslawismus). Durch die Beteiligung von Frankreich, Großbritannien und Sardinien, die dem russischen Expansionsdrang Einhalt zu gebieten suchten, entstand daraus ein europäischer Krieg, aus dem sich allerdings das Habsburgerreich militärisch heraushielt. Zwei Jahrzehnte später endete der elfte Russisch-Türkische Krieg (1877-1878) mit einem Sieg des Zarenreichs, das fast bis an die Grenzen Istanbuls heranrückte; der Frieden von San Stefano brachte Russland große Gebietszuwächse. Die europäischen Mächte sahen das Gleichgewicht der Macht dadurch gestört, sodass es kurz darauf am Berliner Kongress von 1878 unter Bismarcks Vorsitz zu einer Revision kam. U.a. stellten die Berliner Verträge die Insel Zypern unter britische sowie die Provinzen Bosnien und die Herzegowina unter österreichisch-ungarische Besetzung und Verwaltung, wobei diese Gebiete freilich formell unter der Oberhoheit der Pforte blieben. Das bereits früher teilautonome Fürstentum Serbien wurde unabhängig (später, ab 1882, Königreich). Das einst mächtige Osmanenreich war endgültig zum „Kranken Mann am Bosporus“ geworden.

Die österreichisch-ungarische Okkupation Bosnien-Herzegowinas war nicht, wie erwartet, ein „Spaziergang mit einer Blasmusikkapelle“,2) sondern wuchs sich zu einem regelrechten Feldzug aus, der unter dem Kommando von FZM Joseph Philippović von Philippsberg geführt wurde, drei Monate dauerte und Tausende Tote forderte. Insbesondere die bosnischen Muslime, die nun unter die Administration von „Ungläubigen“ gekommen waren, leisteten erbitterten Widerstand. Die Bevölkerung der beiden Provinzen war ethnisch gemischt und bestand aus einem serbischen Teil (orthodox, cyrillische Schrift), einem muslimischen Teil, der als Bosniaken bezeichnet wurde (arabische Schrift) und den bosnischen Kroaten (katholisch, lateinische Schrift); dazu gab es in den Städten auch jüdische Gemeinschaften, die sich aber politisch nicht artikulierten. Die beiden bitterarmen Provinzen waren überaus rückständig, daher war ein Modernisierungsschub die primäre Aufgabe der österreichisch-ungarischen Administration, die vom k.u.k. Finanzministerium (als einem der gemeinsamen Ministerien der beiden Reichshälften) ausgeübt wurde.
Während der folgenden drei Jahrzehnte wurden bedeutende Summen in die Infrastruktur investiert: Straßen- und Eisenbahnbau (760 mm-Schmalspur in diesem schwierigen Terrain) und Bau von Schulen, Krankenhäusern und anderen Sozialeinrichtungen.

 Das Jahr 1908 sah nicht nur das Thronjubiläum Kaiser Franz Josephs, sondern im Osmanischen Reich die jungtürkische Revolution, die in Österreich zu Befürchtungen Anlass gab, es könnte zu einer Revision der Verhältnisse in den beiden Provinzen kommen und die dort getätigten Investitionen wären verloren. Um dem zuvorzukommen, erklärte der Kaiser: „Ich habe Mich bestimmt gefunden, die Rechte Meiner Souveränität auf Bosnien und die Herzegowina zu erstrecken …“, was Erzherzog Franz Ferdinand mit dem Ausspruch „Im allgemeinen bin ich überhaupt bei unseren desolaten inneren Verhältnissen gegen alle solche Kraftstückeln.“ 3) kommentierte, sehr zu Recht, denn die Annexion wuchs sich zu einer veritablen politischen Krise aus, die Europa - wieder einmal in diesen Jahren - an den Rand eines Krieges brachte, von den innenpolitischen Turbulenzen im Vielvölkerstaat ganz zu schweigen. Schließlich wurde die Krise beigelegt: Österreich-Ungarn zahlte dem Osmanischen Reich die Summe von zweieinhalb Millionen türkischer Pfund und musste auch noch andere Konzessionen machen.
Zwei Jahre später stattete der 82-jährige Kaiser den beiden neuen Provinzen, deren Verwaltung beim k.u.k. Finanzministerium verblieben war, einen Besuch ab, wobei insbesondere in den beiden Hauptstädten Mostar und Sarajevo rigorose Sicherheitsvorkehrungen bestanden. In der Tat stand auch ein Attentäter bereit, der 18-jährige Mittelschüler Bogdan Žerajić, der allerdings aufgrund der Abschirmung des Kaisers nicht zur Ausführung seiner Pläne kam. Daher suchte er sich bei nächster Gelegenheit ein Ersatzziel und schoss auf FZM Marijan Freiherr Varešanin von Vareš, der als „Landeschef“ sowohl der militärische Oberkommandierende wie auch das Haupt der zivilen Verwaltung war; alle fünf Schüsse gingen fehl, die sechste Kugel schoss er sich selbst durch den Kopf.

 

Titelseite der Domenica del Corriere mit einer Fantasiezeichnung von Achille Beltrame, wie das Attentat von Sarajewo sich ereignet haben könnte

Trotz des Misslingens seines Attentats wurde er in den Kreisen der bosnisch-serbischen extremistischen Jugend zum Märtyrer, so betrieben die späteren Attentäter Princip und Čabrinović einen regelrechten Kult um sein Grab.4) Varešanin suchte um seine Ruhestandsversetzung an, sein Nachfolger in beiden Funktionen wurde FZM Oskar Potiorek, der zuvor - nach jahrelanger Dienstleistung als Stellvertreter des Generalstabschefs FZM Graf Beck(-Rzikowsky) - als Kommandierender General des III. Korps verwendet worden war. Sein engster Mitarbeiter als Flügeladjutant und Stabschef war Obstlt. d.G. Erik von Merizzi, mit dem ihn eine enge, über das Dienstliche weit hinausgehende „Männerfreundschaft“ verband. Die beiden Offiziere lebten miteinander in einer Art freiwilliger Isolation und Abkapselung im Konak, sodass sie im Offizierskorps der Garnison „die Marsbewohner“ genannt wurden.5)
Als Endresultat der beiden „Balkankriege“ von 1912 und 1913 mussten die Grenzen auf dem Balkan neu gezeichnet werden; insbesondere musste das Osmanische Reich große Gebiete an die Nachbarländer abtreten, während Serbien seine Ausdehnung um 80% vergrößern konnte, hochgerüstet und kriegserfahren hervorging und sich als Regionalmacht etablieren konnte.
Das leistete dem serbischen Nationalismus in Bosnien, der seit Langem in den diversen „Kulturvereinigungen“ gepflegt worden war, noch weiteren Vorschub; die verschiedenen Geheimorganisationen - als wichtigste „Mlada Bosna“ (Junges Bosnien) und „Vereinigung oder Tod“, meist „Schwarze Hand“ genannt - hatten trotz unterschiedlicher ideologischer Ausrichtung das gemeinsame Ziel, Bosnien und die Herzegowina von der habsburgischen Herrschaft zu befreien. Die Führung der „Schwarzen Hand“ lag bei Oberst Dragutin T. Dimitrijević (genannt Apis), dem Chef des Geheimdienstes der serbischen Armee, der bereits 1903 maßgeblich an der blutrünstigen Ermordung des damaligen serbischen Königs Aleksandar Obrenović und der Königin beteiligt gewesen war. Der serbische Extremismus baute in der nationalen Propaganda den Erzherzog-Thronfolger systematisch zum Feind der Serben auf und rief auch offen zu dessen Ermordung auf, während dieser in Wirklichkeit den Präventivkriegsplänen des Generalstabschefs G.d.I. Franz Conrad von Hötzendorf stets Absagen erteilt hatte („Conrads Idee ist ein Wahnsinn. Ein Krieg mit Russland ist unser Ende. Wenn wir gegen Serbien auftreten, so steht Russland hinter ihm und wir haben den Krieg mit Russland. Sollen sich der Kaiser von Österreich und der Zar gegenseitig vom Thron stoßen und der Revolution die Bahn freigeben?“) und in seinen Plänen für einen föderalistischen Umbau der Monarchie das südslawische Element zu stärken beabsichtigte. Von Seiten der bosnisch-serbischen Extremisten wurden auch Attentatspläne, die allerdings nicht zur Ausführung kamen, gegen den Landeschef FZM Potiorek gewälzt, der nicht nur als Repräsentant Österreichs verhasst war, sondern insbesondere deswegen, weil er 1913 für einige Monate den Ausnahmezustand verhängt hatte.

Die Verschwörer

Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este, General der Kavallerie und Admiral der Marine, sollte in seiner Eigenschaft als Generalinspekteur der gesamten bewaffneten Macht (seit 17. August 1913) an den „größeren Manövern in Bosnien-Hercegovina 1914“ teilnehmen, die unter dem Kommando des Armeeinspektors FZM Potiorek stattfanden.6) Das wurde Mitte März 1914 u.a. in der „Reichspost“ bekannt gegeben, weitere Meldungen erschienen u.a. am 5. April („Die Neue Zeitung“) und am 19. Mai („Neue Freie Presse“);7) einen Zeitungsausschnitt dieses Inhalts sandte noch im März der bosnische Serbe Mihajlo Pušara,8) städtischer Beamter in Sarajevo, an seinen Freund Nedeljko Čabrinović, einen Setzer in einer radikal-sozialistischen Buchdruckerei in Belgrad, der seinerseits einen weiteren Freund, Gavrilo Princip, davon informierte, dass nun die Gelegenheit gekommen sei, das Vermächtnis des Žerajić zu erfüllen und die lang geplante politische Aktion auszuführen, was sämtliche späteren Stilisierungen und Spekulationen, dass der Mord an den Hoheiten gerade am Vidovdan, dem serbischen Trauertag, stattfand, obsolet macht. Die Verschwörer waren mit einer Ausnahme bosnische Serben und alle besaßen die bosnisch-herzegowinische Landesbürgerschaft. Die meisten von ihnen waren noch keine zwanzig Jahre alt und drei von ihnen (Princip, Čabrinović und Grabež) hatten aufgrund ihrer Tuberkuloseerkrankung auch nur eine geringe Lebenserwartung, was sie besonders anfällig für politische Radikalisierung machte. Dass die Mörder des Erzherzogs an derselben Krankheit litten, von der auch er befallen gewesen war (sie aber erfolgreich auskurieren konnte), ist eine besondere Ironie der Schicksals. Obwohl zumeist als „Studenten“ apostrophiert, waren sie bloße Mittelschüler bzw. Schulabbrecher. Čabrinović war als einziger imstande, selbst für seinen Lebensunterhalt zu sorgen, von seiner politischen Einstellung her war er primär Anarchist; Princip hingegen, der krankheitshalber den regulären Schulbesuch in Sarajevo abgebrochen hatte, lebte vom Geld seines älteren Bruders und versuchte in Belgrad eine Externistenmatura zu machen;9) er war primär radikaler Nationalist, las viel und schrieb auch selbst Gedichte. Während der Balkankriege hatte Princip versucht, als Kriegsfreiwilliger aufgenommen zu werden, erhielt auch eine rudimentäre Ausbildung, wurde aber schließlich von dem serbischen Major Vojin Tankosić als „zu klein und zu schwach“ abgelehnt. Wegen der für das Attentat benötigten Waffen, insbesondere der „Bomben“ (Handgranaten), wandten sich Princip und Čabrinović an einen früheren „Komidatschi“ (Partisanen) namens Milan Ciganović, der in der Folge die notwendigen Kontakte zu Mjr Tankosić herstellte, der dem Geheimdienst angehörte und Mitglied der „Schwarzen Hand“ war. Schlussendlich waren es sieben Verschwörer; außer den „Männern der ersten Stunde“, Čabrinović und Princip, rekrutierte der 23-jährige Lehrer Danilo Ilić vier weitere junge Männer; schließlich waren die Verschwörer in zwei Zellen zu je drei Personen organisiert, die von Ilić koordiniert wurden und vier Revolver und sechs Bomben vom Typ „Kragujevac“ aus serbischen Armeebeständen erhielten, die z.T. erst am Tag des Attentats ausgegeben wurden; weiters erhielten sie alle Zyankalipulver, um im Fall ihrer Gefangennahme Selbstmord begehen zu können, um zu verhindern, dass sie eventuell unter Folter ihre Kameraden und die Hintermänner verraten würden. Darüber hinaus war eine Reihe von Personen insofern in die Verschwörung involviert, als sie beim Schmuggel der Waffen über die Grenze zwischen Serbien und Bosnien behilflich gewesen waren.
Somit erfolgte die Planung und Vorbereitung des Attentats, dessen Idee von Princip und Čabrinović ausgegangen war, mit Unterstützung serbischer staatlicher Organe, d.h. der Armee bzw. des Geheimdienstes, und mit Wissen und Billigung der Regierung,10) und wohl auch mit Wissen des Königshauses. Die innenpolitische Situation in Serbien war ungewöhnlich, es standen Neuwahlen ins Haus, und der König war gerade (zeitweilig) zugunsten des Kronprinzen Aleksandar zurückgetreten. Nikola Pašić, Gründer der Radikalen Volkspartei und Ministerpräsident, politisch vom mächtigen Geheimdienstchef Dimitrijević abhängig, befand sich nun in einem Dilemma. Tat er nichts und gelang das Attentat, war Serbien auf der internationalen Bühne diskreditiert; wurde ruchbar, dass er davon wusste, würde er als Mitwisser zur Verantwortung gezogen; andererseits, wenn das Attentat aufgrund seiner Warnung an Österreich misslang, so war er zumindest politisch ein toter Mann, vielleicht auch - der Schatten von 1903! - physisch. So beauftragte er (ein diesbezüglicher Notizzettel11) ist erhalten) den serbischen Gesandten in Wien, mit ein paar Andeutungen vorstellig zu werden, die sich je nach Ausgang der Sache so oder so auslegen ließen; außerdem ließ er die Grenze sperren, aber zum Zeitpunkt dieser Alibiaktion befanden sich die Waffen längst in Bosnien. Der serbische Gesandte Jovan M. Jovanović sprach nun nicht beim Außen-, sondern beim Finanzminister Biliński vor und erging sich in unbestimmten Andeutungen wie etwa, bezogen auf die Manöver,12) „… dass irgendein junger Serbe statt einer Platzpatrone eine scharfe Kugel nehmen und sie abschießen könnte …“, was Biliński mit einem nonchalanten „Lassen Sie uns hoffen, dass sowas niemals passiert …“ vom Tisch wischte und offiziell weiter nichts unternahm. (Was Jovanović zehn Jahre später darüber schrieb,13) ist zumindest unzuverlässig.) Doch der Besuch des serbischen Gesandten im Finanzministerium wird gerüchteweise in Wien bekannt und stand dann auch in der Zeitung. (Übrigens hielt sich auch der Erzherzog einen „Observer“-Dienst,14) der ihm alle wichtigen Pressemeldungen lieferte.) Georg von Hohenberg berichtet dazu als Anekdote, dass Fürst Auersperg im Belvedere vorsprach und den Erzherzog warnte, der ihm entgegnete: „Ich bin Ihnen sehr dankbar - ich weiß, dass es gefährlich ist, aber ich muss jetzt fahren, weil wenn ich nicht fahre, fåhrt der alte Herr, und das wär‘ noch ärger.“ Dies konnte sich freilich in dieser Form nicht abgespielt haben, weil sich der Erzherzog damals in Chlumetz aufhielt. An anderer Stelle sagte der Erzherzog: „Ihre Warnung ist ja gewiss berechtigt, aber unter einen Glassturz lasse ich mich nicht stellen. In Lebensgefahr sind wir immer. Man muss nur auf Gott vertrauen.“

Die Manöver in Bosnien-Herzegowina Juni 1914

Als am 23. Juni der Zug in Chlumetz, von wo aus der Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand und seine (morganatisch angetraute) Frau Sophie, Herzogin von Hohenberg, zunächst gemeinsam nach Wien aufbrachen, in den Bahnhof einfuhr, waren die Bremsen des Hofwaggons rotglühend und rauchten; der Waggon konnte nicht benutzt werden, und die Hoheiten mussten in einem Dienstabteil eines gewöhnlichen Waggons reisen. Der Erzherzog kommentierte den Vorfall gegenüber seiner Frau mit dem ihm eigenen schwarzen Humor: „Siehst du, so fängt es an, zuerst ein heiß gelaufener Waggon, dann ein Attentat in Sarajevo und wenn das alles nichts hilft, eine Explosion am ‚Viribus’…“.15) Von Wien aus reisten die beiden getrennt, sie per Bahn über Budapest, er bestieg am Südbahnhof den ersatzweise zur Verfügung gestellten Waggon des Ministerpräsidenten, in dem jedoch aufgrund eines technischen Gebrechens das Licht ausgefallen war, weshalb Kerzen aufgestellt waren, was er mit der Bemerkung quittierte: „Was sagen Sie zur Beleuchtung? Wie in einem Grab, nicht?“ In Triest angekommen, traf er kurz seinen Cousin Erzherzog Ludwig Salvator, den bedeutenden Wissenschaftler, und schiffte sich dann am Flaggschiff Viribus Unitis ein, mit dem er bis zur Mündung der Narenta (heute Neretva) fuhr, wo die Viribus Unitis vor Anker ging und der Erzherzog auf die kaiserliche Dampfjacht Dalmat umstieg. Mit der Dalmat ging es stromaufwärts („Die Fahrt durch die Narenta war sehr schön und interessant. Empfänge der Landbevölkerung rührend und sehr patriotisch.“)16) bis Metković, der Endstation der bosnisch-herzegowinischen Landesbahnen. Per Sonderzug ging es in einem Hofwaggon weiter nach Mostar, wo es einen größeren Empfang gab mit Ehrenformation, Musikkapelle und Veteranenabordnung, gefolgt von einer Stadtrundfahrt im Auto in der Begleitung von FZM Potiorek. Dann ging es wieder per Bahn weiter nach Sarajevo, wo der Erzherzog und seine Entourage am
25. Juni um 15:00 Uhr bei strömendem Regen ankamen und von den Automobilen des Freiwilligen Automobilkorps abgeholt und nach Bad Ilidže, dem nahe gelegenen Kurort, gebracht wurden, wo im Hotel Bosna das „Höchste Hoflager“ eingerichtet war - dort traf der Erzherzog wieder mit seiner Frau, die bereits vor ihm angekommen war, zusammen.
Das k.k. Österreichische Freiwilligen Automobilkorps17) geht auf eine Initiative des Jugendstilkünstlers Gustav Gurschner zurück; später wurde auch ein Motorcyclisten- bzw. Freiwilligen-Motorfahrer-Korps gegründet, schließlich wurden diese Formationen als Freiwilligen-Motor-Korps zusammengefasst. Das Automobilkorps war aus Mitgliedern des Österreichischen Automobil Clubs (der später im ÖAMTC aufgegangen ist) gebildet, der sich damals aus Standesherren, Industriellen und Großbürgern zusammensetzte. Die Herren, die zumeist als Ordonnanzoffiziere eingeteilt waren, hatten einen PKW („über 16 HP“) und einen Kraftfahrer zu stellen; soweit sie nicht gedient hatten, wie das z.B. bei den Grafen Harrach und Boos-Waldeck der Fall war, erhielten sie den Dienstgrad eines Leutnants im Landsturm und wurden nach der Teilnahme an einigen Übungen (die zumeist vier Mal im Jahr stattfanden) zu Oberleutnanten befördert. Die Angehörigen des Automobilkorps hatten auch eine eigene Uniform, wobei jedoch die Kraftfahrer zumeist den damals üblichen Staubmantel mit der schwarz-gelben Armbinde der Automobilkorps trugen.
Bei den bosnischen Manövern waren vom freiwilligen Motorkorps sieben „Automobilisten“ und zwei Motorradfahrer im Einsatz.18) Einer der PKW - ein Gräf & Stift „Doppel-Phaeton“ (Motor: Vierzylinder mit 28/32 PS) mit dem Wiener Kennzeichen A III 11819) - war von dem Oblt./LdStm. Franz Graf Harrach gestellt, der mit seinem Kraftfahrer Zgf i.d. Res. Leopold Lojka (und einem Reservefahrer, der aber in Sarajevo gleich heimgeschickt wurde) die ganze Strecke von seinem Schloss im mährischen Groß-Meseritsch (ca. 40 km von Prag) über Wien bis ins Manövergebiet auf der Straße zurückgelegt hatte20) und bereits am 18. Juni in Sarajevo angekommen war, von wo aus er in den nächsten Tagen das Manövergebiet im Raum Tarčin ebenso eingehend erkundete („120 Kurven“) wie auch das Straßennetz der Stadt Sarajevo.
Alexander Graf Boos zu Waldeck besaß einen von einem Knight-Motor angetriebenen Mercedes21) der Bauart „Landaulet“, der vielfach fälschlich als Limousine angesprochen wurde. Dieser Typ verfügte im aufgeplanten Zustand über eine völlig geschlossene Passagierkabine mit Seitenscheiben in den Türen und über eine (nicht versenkbare) Scheibe hinter dem Fahrersitz, bot also bei Schlechtwetter den besten Schutz, während alle anderen Fahrzeuge zwar über Verdecke verfügten, aber seitlich offen blieben.
Während der Erzherzog vom Bahnhof in Sarajevo nach Bad Ilidže des Schlechtwetters wegen mit dem Wagen des Grafen Boos gefahren war, klarte es am späteren Nachmittag auf und der Erzherzog benutzte nun den Wagen des Grafen Harrach, um spontan mit seiner Frau kurz in die Stadt zu fahren, worauf Potiorek später, als er von dieser „Extratour“ erfuhr, sehr pikiert reagierte, war er doch für die Sicherheit des Erzherzogs verantwortlich. In Sarajevo ließen die Herrschaften das Auto stehen und bummelten zu Fuß durch den Basar, kauften ein paar Kleinigkeiten als Souvenirs für die Kinder,22) wurden natürlich erkannt und mit „živio“- (= Vivat)-Rufen hoch leben gelassen.
Die beiden nächsten Tage verbrachte der Erzherzog im Manövergelände, wobei die Bewegung teils zu Pferd, teils im PKW erfolgte, und zwar je nach Wetter mit dem Auto des Grafen Boos oder dem des Grafen Harrach, mit dem er seit dem Manöver 1909 in Böhmen befreundet war. Währenddessen absolvierte die Herzogin ein „Damenprogramm“, besuchte Schulen, Krankenhäuser, Kirchen, Klöster und auch die Teppichfabrik.
Die Manöver liefen erfolgreich nach Plan ab, der Erzherzog war blendender Laune und lud G.d.I. Conrad sogar ein, mit ihm aus derselben Schüssel zu essen. Nach Schluss sandte er ein Telegramm an den Kaiser: „[…] der zustand der truppen ihre ausbildung sowie ihre leistungen waren ganz vorzueglich ueber jedes lob erhaben . […] beinahe keine marode . alles frisch und munter . morgen besuche ich sarajevo und reise abends ab . in tiefster ergebenheit sich zu fuessen legend euer majestaet unterthaenigster franz.“
Abends gab es im Hotel Bosna ein großes Diner, zu dem weltliche und geistliche Würdenträger geladen waren. Der Erzherzog, der Sehnsucht nach seinen Kindern hatte, ventilierte, das Programm umzustoßen - ein Zug, für den er bekannt und gefürchtet war- und den morgigen Besuch in Sarajevo zu streichen und gleich heimzufahren. Da meldete sich Obstlt. d.G. von Merizzi zu Wort und gab zu bedenken, dass nicht nur die Bewohner der Stadt, die diese beflaggt und festlich geschmückt hatten, ein Recht darauf hätten, ihren künftigen Herrscher zu sehen, sondern dass eine Absage auch ein Affront gegen den verdienten FZM Potiorek wäre, der alles so perfekt arrangiert habe - und der Erzherzog gab dem Einwand nach, das Programm blieb wie geplant.
Auch die Verschwörer blieben bei ihrem Plan, obwohl Ilić von Belgrad die Order erhalten hatte, das Vorhaben abzubrechen.

Sonntag, 28. Juni 1914, - incipit tragoedia

Nach der Frühmesse in der Kapelle des Hotels Bosna diktierte der Erzherzog noch schnell ein Telegramm an seine Kinder (die Telegramme gingen damals hin und her wie heute SMS), dann fuhr man per Sonderzug nach Sarajevo, wo man mit wenigen Minuten Verspätung ankam. Der erste Programmpunkt war eine ganz kurze Besichtigung des nahe dem Bahnhof gelegenen riesigen Defensionslagers (auch Philippović-Lager), wo der Kdt des XV. Korps, G.d.I. von Appel, eine kurze Einweisung gab. Dann begab man sich zu den Kraftfahrzeugen; kurz wurden nochmals Sicherheitsaspekte diskutiert, weil nur ca. 30-40 Polizisten für die ganze Strecke von ca. 1,5 km zur Verfügung standen. Der Regierungs(vize)kommissär Dr. Edmund Gerde, dem die Gendarmerie unterstand, bot seine Männer an, doch FZM Potiorek lehnte ab - und der Erzherzog, der gerne ohne „Beschützer“ unterwegs war und solche häufig wegzuschicken pflegte, erst recht. Es herrschte strahlender Sonnenschein und der Erzherzog entschied, nicht das als Leibwagen vorgesehene Landaulet des Grafen Boos zu benutzen, sondern den Doppel-Phaeton des Grafen Harrach, in dem nun im Fonds links der Erzherzog, rechts die Herzogin Platz nahmen, die ihren Sonnenschirm aufspannte. Auf den Klappsitzen in der mittleren Reihe saßen links FZM Potiorek und rechts der Fahrzeugbesitzer Graf Harrach, vorne links neben dem Fahrer Lojka (der ja aufgrund der herrschenden Linksfahrordnung rechts sitzt) war der Hofkammerbüchsenspanner Gustav Schneiberg in seiner prächtigen Uniform aufgesessen. Die ersten beiden Fahrzeuge waren Dienstwagen des Landes, wobei am Spitzenfahrzeug Polizeioffiziere aufgesessen waren und am zweiten Auto der Bürgermeister, Fehim Curčić Effendi, sowie der Regierungs(vize)kommissär Dr. Gerde. Nun folgte, als drittes Fahrzeug, der Gräf & Stift mit den Hoheiten, danach der Mercedes des Grafen Boos, der Obersthofmeister Mjr. a.D. Carl Frh. v. Rumerskirch, Gräfin Vilma Lanjus (die Hofdame der Herzogin) und Obstlt. d.G. Erik von Merizzi transportierte, der sich auf dem linken Klappsitz (der rechte blieb leer) quer hinsetzte, um den Gästen nicht den Rücken zuzuwenden und um sie während der Fahrt besser auf die Sehenswürdigkeiten der Stadt aufmerksam machen zu können. Auf dem fünften Wagen, den der Fiat-Generalvertreter in Österreich, Oblt. i.d.R. Adolf Egger, stellte, fuhren u.a. der Leiter der Militärkanzlei des Thronfolgers, Oberst d.G. Dr. Carl Bardolff, und Stabsarzt Dr. Ferdinand Fischer mit, während der Dienstkämmerer, Lt. i.d.R. Baron Dr. Andreas Morsey, mit anderen den sechsten Wagen benutzte. Schließender war als siebentes Fahrzeug das des Lt. i.d.R. Grein mit seinem gleichrangigen Bruder. Kaum setzte sich die Fahrzeugkolonne in Bewegung und fuhr mit ca. zehn Stundenkilometern, da wandte sich der Erzherzog mit den Worten an Lojka: „Ich bitte, Chauffeur, fahren Sie langsamer, ich möchte mir alles genau ansehen.“ Man setzte also dann in einem schnellen Schritttempo fort.
In Kürze war der Appel-Kai erreicht, die Uferstraße entlang des Flusses Miljacka, von wo die Strecke geradeaus in Richtung Rathaus führt. Doch bald, bei dem repräsentativen Gebäude der k.u.k. Militär-Post- u. Telegraphen-Anstalt, ließ der Erzherzog anhalten, der Dienststellenleiter erstattete Meldung, und die Herzogin erhielt das Antworttelegramm auf die morgendliche Depesche. Während die Hoheiten sitzen blieben, stieg Schneiberg aus, und Harrach wechselte auf den Platz vorne neben dem Fahrer.
Nach dem kurzen Aufenthalt ging es weiter - hier stand die erste Gruppe der Verschwörer. Mehmedbašić (der einzige Muslim) ließ die Fahrzeuge ohne Aktion passieren. In kurzer Entfernung stand Čabrinović, gegenüber Popović und nahe diesem Čubrilović. Čabrinović vergewisserte sich noch bei einem nahe stehenden Polizisten, in welchem Automobil der Erzherzog fuhr (obwohl dieses ohnehin mit einer großen Fahne gekennzeichnet war), schraubte dann die Sicherung seiner Bombe ab und machte sie beim Herankommen des Fahrzeugs scharf, indem er den Sicherungsstift an einem Mast der Straßenbahn-Oberleitung einschlug, was ein lautes und scharfes Geräusch machte, einem Knall nicht unähnlich, und warf die Bombe. Graf Harrach glaubte bei dem Knall zuerst an einen Reifenplatzer,23) doch Lojka, der aus dem Augenwinkel einen dunklen Gegenstand genau auf das Auto zufliegen sah, gab Vollgas. Die Herzogin, die auch etwas fliegen sah, beugte sich instinktiv vor, dann spürte sie etwas am Nacken - einen Gegenstand24) oder nur den Luftzug? Die Bombe prallte vom Arm des Erzherzogs ab und landete auf der Persenning, mit der das Verdeck abgedeckt war (diese Persenning ist auf den Bildern deutlich zu sehen, heute aber nicht mehr erhalten). Schließlich fiel sie von dort aufgrund irgendwelcher Erschütterungen herunter und landete auf der Straße. Einige Sekunden waren seit dem Scharfmachen vergangen; die Verzögerung bis zur Detonation betrug 12-13 Sekunden. Es lag also ein rauchendes graues Objekt, etwas größer als eine Zigarettenschachtel, links auf der Fahrbahn; auf dem Gehsteig in der Nähe zerrte ein Mann mit einem weißgekleideten Mädchen das Kind eilig von der Gefahrenstelle weg - das beobachteten die Insassen des Wagens von Oblt. i.d.R. Egger, der hinter dem des Grafen Boos fährt. Als das Landaulet Boos’ mit der Hinterachse auf der Höhe der Bombe war, detonierte diese neben dem Wagen mit einer bis in den zweiten Stock reichenden gelben Stichflamme und riss ein Loch von ca. 30 x 30 cm in die Fahrbahn. Fensterscheiben barsten und Splitter flogen durch die Gegend, es gab zahlreiche Verletzte unter den Umstehenden und auch unter den Schaulustigen an den offenen Fenstern. Der Erzherzog rief zunächst: „Rasch weiterfahren! So etwas habe ich mir immer erwartet.“, ließ aber dann, sobald er glaubte, aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich heraußen zu sein, anhalten und schickte Graf Harrach nach hinten, um nachzusehen, was passiert war. Beide Hoheiten blieben im Wagen und drehten sich um, der inzwischen zu Fuß nachgekommene Schneiberg stellte sich auf das Trittbrett neben dem Erzherzog, um ihm mit seinem Körper Deckung zu bieten.
Einige Splitter trafen die Rückwand des Harrach’schen Wagens, dellten diese ein bzw. blieben in der Aluminiumbeplankung der Karosserie stecken. Das Fahrzeug des Grafen Boos - in unmittelbarer Nähe des Detonationsorts -war am stärksten betroffen: Obstlt. d.G. von Merizzi blutete heftig aus einer Kopfwunde (er wurde von Gräfin Lanjus erstversorgt), Graf Boos hatte sechs oder sieben Splitter in Arm und Schulter abgekriegt, und die Ölwanne des Autos war leckgeschlagen, sodass es stehen gelassen werden musste und die unverletzten Insassen sich auf die anderen Fahrzeuge aufteilten, während von Merizzi und Boos in einer nahe gelegenen Ordination ärztlich versorgt wurden, ehe sie ins Garnisonsspital transportiert wurden. Vom darauf folgenden Fahrzeug kam der Obersthofmeister Frh. v. Rumerskirch angelaufen, der nach den Hoheiten sehen wollte, die glücklicherweise unverletzt geblieben waren. Harrach kam zurück und meldete einen Schwer- und einen Leichtverletzten. Während dieser ganzen Zeit stand das Fahrzeug mit den Hoheiten mitten unter den oben erwähnten Verschwörern, die aber keine Aktion setzten - ganz im Gegensatz zum vereinbarten Plan, zuerst mit einer Bombe Verwirrung zu stiften und dann gezielte Pistolenschüsse einzusetzen.
„Das war irgendein Irrer“, sagte der Erzherzog, und setzte hinzu: „Meine Herrschaften, fahren wir mit dem Programm fort.“ Mit erhöhter Geschwindigkeit fuhr, was von der Kolonne übrig war, nun zum Rathaus, wo ein Empfang geplant war; die beiden ersten Fahrzeuge hatten nicht angehalten, so dass Harrachs Gräf & Stift nunmehr das Spitzenfahrzeug war.
Gleich nach dem Bombenwurf sprang Čabrinović über die Ufermauer in den Fluss, versuchte, sich mit dem Zyankali zu vergiften, verstreute aber in der Aufregung das Pulver; zwei Personen sprangen ihm nach, einer setzte ihm gleich eine Pistole an den Kopf. Die beiden brachten ihn an die andere Uferseite und übergaben ihn dort der Polizei. Princip, der etwas weiter flussaufwärts Aufstellung genommen hatte, lief nach der Detonation zu Čabrinović, um ihn zu erschießen, damit dieser keine Aussage machen kann, kam jedoch zu spät, um diese Absicht auszuführen25) - also flanierte er herum, sprach mit diesem und jenem Passanten, um keine Aufmerksamkeit zu erregen, und begab sich schließlich auf die andere Straßenseite und suchte sich bei dem feinen Imbiss-Lokal „Delicatessen Schiller“ an der Ecke gegenüber der Lateinerbrücke am Anfang der Franz Joseph-Straße einen Platz mitten unter den Schaulustigen, in der Gewissheit, dass sein Leben aufgrund der Festnahme Čabrinovićs nunmehr verwirkt war.
Die Kolonne mit den Hoheiten passierte auf ihrem Weg zum Rathaus außer Princip auch den letzten der Verschwörer, Trifon (Trifko) Grabež, der aber in Inaktivität verharrte. Beim Rathaus war der rote Teppich ausgerollt, Curčić Effendi, der den Knall der Detonation für einen Schuss der neuen Artillerie-Batterie auf der Gelben Bastion gehalten hatte, deshalb nicht stehen geblieben war und gar nicht mitbekommen hatte, was passiert war, wunderte sich, warum die Hoheiten so lange nicht kamen. Als das Fahrzeug schließlich vorfuhr, sprang Schneiberg vom Trittbrett, FZM Potiorek klappte den Notsitz zusammen und die Herzogin ihren Sonnenschirm, Graf Harrach (vorne) und der Erzherzog (hinten) stiegen gleichzeitig aus, dann die Herzogin, der Graf Harrach galant die Hand reichte, um ihr zu helfen, als letzter Fahrgast FZM Potiorek. Dann verließ auch Lojka seinen Sitz, lief um das Auto herum und inspizierte gemeinsam mit dessen Besitzer die Schäden. Währenddessen hatte der nichts ahnende Bürgermeister, dessen Deutsch mangelhaft war, bereits begonnen, seine vorbereitete Rede abzulesen: „Eure Kaiserliche Hoheit und Königliche Hoheit! Eure Hoheit! Hochbeglückt sind unsere Herzen- “, da fuhr ihm der Erzherzog scharf dazwischen: „Herr Bürgermeister! Was hab‘ ich von Ihren Reden? Das ist ja hübsch - da kommt man zu Besuch in diese Stadt und wird mit Bomben empfangen. Das ist empörend!“, dann neigte sich die Herzogin zu ihrem Mann und flüsterte ihm etwas ins Ohr, worauf er zu Curčić sagte: „So, jetzt fahren Sie fort“, und dieser nun seine Grußadresse hielt. Der Erzherzog antwortete mit einem vorbereiteten Text - das Manuskript, das bei Oberst d.G. Dr. Bardolff im Wagen war, war blutbespritzt - und fügte ex tempore noch ein paar Sätze dazu, in denen er seinen Dank aussprach für die ihm „bereiteten jubelnden Ovationen, umso mehr, als ich darin den Ausdruck der Freude über das Missglücken des Attentats erblicke“. Mit einem Satz in serbokroatischer Sprache schloss er seine Rede.
Man begab sich nun die Stufen hinauf; ein kleines Mädchen, die Tochter des Landtagspräsidenten, überreichte der Herzogin einen Blumenstrauß, der fast größer war als sie selbst. Im Inneren des Gebäudes fanden simultan zwei Empfänge statt, nach islamischer Manier nach Geschlechtern getrennt: einer für die Damen im ersten Stock und einer für die Herren im Parterre. Mittlerweile war auch aus dem Garnisonsspital angerufen worden, dass beide Offiziere glücklicherweise nur leicht verletzt waren.
Der Erzherzog hatte nun seine Fassung wieder gewonnen und sagte ironisch, was von Anwesenden wie folgt notiert wurde: „Hoffentlich wird er fest bestraft, doch nein, nur einige Jahre, dann ist Amnestie und er bekommt noch Franz Joseph Orden.“ bzw. „Der Attentäter bekommt bei unseren Verhältnissen sicher noch das Goldene Verdienstkreuz. Ganz bestimmt wird er jedoch Hofrat.“ - Anspielungen auf diverse Ereignisse. Und er setzte hinzu: „Ich glaub‘, heut‘ werden wir noch ein paar Kugerln bekommen …“ (wobei damals auch die Granatsplitter unter „Kugeln“ subsumiert wurden).
V.a. möchte er seine Frau in Sicherheit wissen, sie möge sich unter Weglassung des geplanten Besuchs des Volkskundemuseums gleich in den Konak (den Amtssitz des Landeschefs, wo das Diner auf der Agenda stand) fahren lassen oder vielleicht noch besser gleich zum Bahnhof. Mit diesen Vorschlägen schickte er seinen Dienstkämmerer, Baron Dr. Morsey, in den ersten Stock, wo dieser artig anklopfte und wartete, bis ihm aufgetan wurde. Die Herzogin lehnte das alles ab: „Solange der Erzherzog sich heute in der Öffentlichkeit zeigt, verlasse ich ihn nicht.“ Inzwischen diskutierten im Parterre der Erzherzog und die Herren, was nun am besten wäre: das Programm fortzusetzen, abzukürzen oder ganz zu streichen und zum Bahnhof zu fahren? FZM Potiorek machte die (statistisch unsinnige) Bemerkung, dass es keine zwei Attentate an einem Tag gäbe, und sagte: „Eure Kaiserliche Hoheit können ruhig weiterfahren, ich übernehme dafür die Verantwortung.“ Das war natürlich ebenfalls unsinnig, denn erstens hatte er die Verantwortung bereits und brauchte sie nicht mehr zu übernehmen, und zweitens war diese „Verantwortung“ mit keinerlei Sanktionen bewehrt. Es wundert nur, dass der Erzherzog, der oft als so schroff beschrieben wird, diesen Satz hinnahm. Jedenfalls entschied sich der Erzherzog, das Programm wie geplant fortzusetzen, allerdings mit der Modifikation, zunächst die beiden verletzten Offiziere im Garnisonsspital zu besuchen. Das bedeutete, fast die ganze Strecke gerade zurückzufahren und nicht, wie auf der Route zum Museum, auf der Höhe der Lateinerbrücke (beim „Schiller-Eck“) in die Franz Joseph-Straße abzubiegen. Oberst d.G. Dr. Bardolff instruierte Dr. Gerde über die geänderte Streckenführung, beauftragte ihn, diesen Befehl an die Kraftfahrer weiterzugeben, und schloss mit der Aufforderung, alles genau zu wiederholen, worauf Dr. Gerde mit einem bloßen „Ja, gewiss“ die Stufen hinabeilte. Hatte er - ein Ungar, der aber gut Deutsch konnte - etwa verstanden, Bardolff hätte den Auftrag gegeben, dass die Kraftfahrer ihm gegenüber den Befehl über die Änderung der Strecke wiederholen sollten?
Unmittelbar vor der Abfahrt übergab Graf Harrach der Herzogin noch einen Splitter, den er aus dem Karosserieblech seines Autos herausgebrochen hatte, als Souvenir, wofür sie ihm dankte - sie wolle sich diesen Splitter als Andenken an die glückliche Errettung fassen lassen.26)
Als die Autos bestiegen wurden, wirkte die Herzogin gefasst, aber sehr blass. Graf Harrach stellte sich neben den Erzherzog zu dessen Schutz auf das Trittbrett, wo zuvor Schneiberg gestanden war, der jetzt nicht mehr mitfuhr. Der Erzherzog wehrte lachend ab, aber Harrach blieb stehen, so weit wie möglich nach rechts gebeugt, um den Thronfolger zu decken. Die Polizeioffiziere fuhren jetzt nicht mehr mit, das Spitzenfahrzeug war nun das, in dem Dr. Gerde saß, gefolgt von Harrachs Auto mit den Hoheiten und daran anschließend den anderen Fahrzeugen.
Beim „Schiller-Eck“ folgte der erste Wagen mit Dr. Gerde der ursprünglichen Route und bog rechts ab, anstatt geradeaus zu fahren – warum, ließ sich nachher nie klären. Überdies schnitt das Fahrzeug die Kurve und geriet so bei der Ecke auf die rechte Fahrbahnseite (die Straßen, auf denen sich die Fahrzeugkolonne bewegen soll, waren natürlich abgesperrt). Lojka im zweiten Fahrzeug hatte nur den Auftrag, dem Führungsfahrzeug nachzufahren, und das tat er auch - spurgenau. Auch FZM Potiorek passte nicht auf und merkte das Abbiegen zu spät: „Halt - was ist denn das? Wir fahren ja falsch, wir sollen geradeaus fahren!“, aber da war das Fahrzeug schon eingebogen, und zwar ebenfalls auf der rechten Fahrbahnseite. Lojka hielt an, drehte sich um und fragte: „Soll ich reversieren?“ „Ja, reversieren!“ wurde ihm beschieden. Nun war das Einlegen des Retourgangs bei einem nicht synchronisierten, geradeverzahnten Getriebe etwas, was seine Zeit brauchte, bis die Vorgelegewelle zum Stillstand gekommen war (wobei ein Fahrer, der seinen künftigen Kaiser als Passagier hatte, es gewiss vermeiden wollte, ein Krachen im Getriebe oder einen Ruck zu produzieren und daher wohl noch ein paar Sekunden draufgab), und zuvor musste noch die Zündung händisch auf Nachzündung gestellt werden. Mit einem Wort, das Fahrzeug stand, einen Schritt vom Gehsteig entfernt, für eine Weile still - wie es der Zufall oder das böse Geschick will, genau dort, wo Princip Aufstellung genommen hatte, der etwa auf der Höhe des Lenkrads, also von Lojka aus gesehen auf zwei Uhr, stand. Princip zögerte, als er eine Dame im Auto sitzen sah, was ihm, wie er später aussagte, nicht bekannt war. Aber dann überkam es ihn, er will den Erzherzog und den Landeschef beseitigen. Die Bombe zu werfen war in dieser Situation nicht möglich. So zog er die Pistole; zufällig stand neben ihm ein Polizist, der seinen Arm hob und ausholte, um ihm die Pistole aus der Hand zu schlagen, jedoch stand nahe dem Polizisten Simon Pušara (oder, nach anderen Berichterstattern, Mihajlo Pušara), der seinerseits dem Polizisten einen Stoß versetzte, sodass dessen Schlag ins Leere ging. Princip, der im Topcider Park in Belgrad gerade ein Magazin hatte verfeuern dürfen, was man wohl nicht als Schießausbildung bezeichnen kann, schoss ohne zu zielen,27) wandte sogar seinen Kopf zur Seite; unmittelbar nach dem ersten Schuss feuerte er den zweiten ab. Beide Schüsse erwiesen sich in der Folge als tödlich. Das erste Projektil durchschlug in einem Winkel von ca. 45° die Karosserie und traf die Herzogin knapp oberhalb der blumenbesteckten Schärpe, die sie wie einen Gürtel trug, in den Bauch - sie schrie auf und erhob sich reflektorisch ein Stück, fiel dann auf den Sitz zurück. Der zweite Schuss ging, wohl aufgrund des Rückstoßes, höher und traf den Erzherzog in den Hals, das Projektil drang knapp unter der Generalsborte ein. Ein Strahl Blut kam aus seinem Mund und traf Graf Harrach im Gesicht; als die Herzogin dies sah, rief sie: „Um Gottes willen was ist Dir geschehen?“ Das waren ihre letzten Worte, dann fiel sie vornüber, teils dem Erzherzog auf die Knie, teils Potiorek auf dessen Hand. Der Erzherzog sagte noch: „Sopherl, Sopherl stirb mir nicht, bleib mir für meine Kinder!“, eine Äußerung, die von manchen28) als Beginn der Legendenbildung angesehen wird, mit Argumenten, die sich jedoch leicht widerlegen lassen. Es gibt gute Gründe, den Hergang so, wie er geschildert wurde,29) als tatsächlich anzunehmen. Auf die Frage des Grafen Harrach: „Kaiserliche Hoheit müssen furchtbar leiden?“ antwortete der Erzherzog noch mit schwacher Stimme: „Oh nein, es ist nichts …“, was er mehrfach, immer schwächer, wiederholte, in ein Röcheln übergehend, bis er das Bewusstsein verlor.
Der Kopf des Erzherzogs war nach vorne gesunken, sein Generals-Stulphut mit dem grünen Federbusch war ihm vom Kopf gefallen (nachher fand man den Boden des Autos mit grünen Federn bedeckt), Graf Harrach hielt ihn am Kragen fest, damit er nicht vornüber fiel; inzwischen waren die Herren seiner Entourage aus den folgenden Autos herbeigelaufen, wobei Frh. v. Rumerskirch, Oberst d.G. Dr. Bardolff und Mjr. d.G. Höger sich ebenfalls links und rechts auf das Trittbrett stellen; Bardolff versuchte vergebens, die Uniform des Erzherzogs zu öffnen. Lojka fuhr gleich im Retourgang über die Lateinerbrücke, drehte erst am anderen Ufer um und fuhr auf Potioreks Befehl so schnell es ging in den nahe gelegenen Konak, wo ärztliche Hilfe schnell verfügbar war.
Gleichzeitig kam es am „Schiller-Eck“ zu handgemengeartigen Szenen. Ein kroatischer Theologiestudent hielt Princip am Kragen fest, dem inzwischen die (gesicherte) Bombe auf den Gehsteig gefallen war, was längere Zeit unbemerkt blieb; Princip versuchte, sich zu erschießen, was nicht gelang, so klemmte er die Pistole zwischen seine Beine und versuchte, sich mit dem Zyankali umzubringen, was aber nur zu Verätzungen führte. Der Theologiestudent überlegte, Princip, wenn er ihn schon am Kragen hatte, gleich zu erdrosseln, besann sich dann aber, dass er dem „ewigen Richter“ nicht vorgreifen sollte. Von allen Seiten schlugen die Umstehenden auf Princip ein; ein gewisser Ferdo Behr (der kein Bosnier ist), anscheinend voll Mitleid mit dem Täter, nicht aber mit den Opfern des Anschlags, schrie: „Schlagt ihn nicht so, ihr bringt ihn ja noch um“ und versetzte, um zur Verwirrung beizutragen und damit Princip die Möglichkeit zur Flucht zu bieten, einem der Polizisten einen kräftigen Faustschlag in den Bauch. Princip dachte jedoch gar nicht an Flucht („Ich bin kein Verbrecher, ich bin ein Freiheitsheld“), während hingegen Behr nun festgenommen wird - das Bild dieser Festnahme ging um die Welt, aber fast immer mit der falschen Angabe,30) es würde sich um die Festnahme des Mörders Princip handeln. Auch die jüngeren Offiziere mischen sich mit gezogenem Säbel in das Handgemenge ein, Lt. i.d.R. Baron Dr. Morsey drängte sich mit dem Ruf „Wer mich angreift, stirbt!“ durch die Menge zu Princip durch, auf seiner weißen Hose fand er später zwei Abdrücke des Pulverschmauchs von der Mündung von Princips Pistole, er hieb mit seinem Säbel auf Princip hin (das Blut auf der Klinge wusch er dann nie ab) und traf dabei irrtümlich einmal auch die Hand des Theologiestudenten, der das tapfer wegsteckte (es handelte sich um einen Paradesäbel, also war die Klinge nicht geschliffen), umgekehrt schlug Mihajlo Pušara mit einer Eisenstange auf den Dragonerhelm des Barons Morsey ein, wodurch der Helm etliche Dellen erhielt.31) Auch die beiden anderen Leutnants, die Brüder Grein, hauten mit ihren Säbeln kräftig drein. Ein Polizist versuchte vergebens, Baron Morsey mit den Worten zu stoppen, das ginge ihn nichts an, wobei unklar blieb, ob der Polizist ein Sympathisant der serbischen Sache war oder bloß auf die Zuständigkeit der Polizei zur Festnahme eines Verbrechers hinweisen wollte.
Mjr. d.G. Erich von Hüttenbrenner hatte inzwischen ein paar Sanitätsoffiziere herumstehen gesehen und sofort zur Hilfeleistung in den Konak befohlen.
Die Herren, die noch am „Schiller-Eck“ verblieben waren, begaben sich nun in den Konak, teils im Laufschritt zu Fuß, teils mit den Fahrzeugen.
Als der Wagen des Grafen Harrach mit den Hoheiten, FZM Potiorek und den am Trittbrett mitfahrenden Offizieren beim Konak angekommen war, sprang Mjr d.G. Höger gleich ab und telefonierte ins Garnisonsspital, dass Ärzte dringend in den Konak gebracht werden sollten.
Inzwischen trugen helfende Hände die Herzogin, die man für bewusstlos hielt, in den ersten Stock - mit Verzögerung, weil man erst den Schlüssel herbeischaffen musste. Sie wurde auf das Bett im Schlafzimmer des FZM Potiorek gelegt, und Gräfin Lanjus versuchte noch eine halbe Stunde lang, sie durch kalte Umschläge auf die Stirne aufzuwecken.
Der bewusstlose Erzherzog, im Auto allein gelassen, war mittlerweile umgekippt; auch er wurde hinaufgetragen und auf die Chaiselongue in Potioreks Arbeitszimmer gebettet. Zunächst fand man das Einschussloch nicht. Ihm die Uniformbluse zu öffnen misslang, zumal sich der Verschluss des Kragens als widerspenstig erwies. Tage zuvor hatte der Erzherzog stolz erzählt, er habe ein neues Patent erfunden, einen verbesserten Kragenverschluss - nun wusste niemand, wie man ihn öffnen sollte. Schließlich schnitt man die Uniformbluse einfach hinten auf. Dazu wurde der Bewusstlose aufgesetzt, wodurch sich ein großer Schwall Blutes ergoss, was ihm sichtlich Linderung zu bringen schien: Die Atmung wurde wieder etwas kräftiger, und die Ärzte - mittlerweile waren fünf Ärzte um das Lager versammelt - schöpften Hoffnung, den Patienten wenigstens transportfähig machen zu können, damit er im Garnisonsspital operiert werden könne. Aber diese Hoffnung erwies sich als trügerisch, sehr schnell begann der totale Verfall, und nach wenigen Minuten hauchte er, seinen Kopf von der Hand des Barons Morsey gestützt, sein Leben aus. Morsey drückte ihm ein Sterbekreuz, das er immer bei sich trug, auf die Lippen und gab ihm einen Rosenkranz in die Hand, sein langjähriger Obersthofmeister Frh. v. Rumerskirch drückte ihm die Augen zu.
Gräfin Lanjus schmückte die Leiche der Herzogin mit dem Blumenstrauß, den ihr das kleine Mädchen überreicht hatte. Sehr bald kam P. Puntigam S. J. herbei und spendete dem Paar (bedingungsweise) das Sakrament der Letzten Ölung, später kam auch der Erzbischof und verrichtete Gebete am Sterbelager.
FZM Potiorek schrieb in seiner „Wahrheitserinnerung“: „Er [Seine Hoheit] wurde sogleich in mein Arbeitszimmer getragen und auf die dort stehende Chaiselongue gelegt. Auf der Chaiselongue blutete er sehr stark und auf dieser ließen sich die Blutspuren später ebenso wenig wie auf der Tapete beseitigen.“ Sehr pietätvoll …
Aus dem Entwurf des Kommissionsprotokolls: „Bei der Ankunft im Konak war Seine kaisl. Hoheit in tiefster Bewußtlosigkeit, die Atmung war ganz oberflächlich, die Pupillen reagierten ganz schwach, das Herz schlug leise, der Puls war kaum tastbar; aus der Halswunde ergoß sich ein dünner Strahl Blut. Nach ca. 5-6 Minuten trat der Tot [sic!] ein etwa 11 h.“
Bei der Herzogin war die Baucharterie getroffen, was zu schneller innerer Verblutung führte, beim Erzherzog die Halsvene unterhalb des Kehlkopfs, weiters waren zwei oder drei Knorpelringe zertrümmert, das Projektil blieb in der Halswirbelsäule stecken. Der Totenschein wurde auf 11 Uhr ausgestellt.
Der Barone Morsey und Frh. v. Rumerskirch sandten Telegramme nach Österreich, ebenso Oberst d.G. Dr. Bardolff (Telegramm an die Militärkanzlei Ischl): „seine kaiserliche hoheit erzherzog franz ferdinand und herzogin heute vormittags einem ruchlosen toedtlichen atentat bei rundfahrt durch sarajevo zum opfer gefallen = oberst bardolff“.
Die Schüsse aus der Pistole des Gavrilo Princip waren gleichsam die ersten Schüsse des Ersten Weltkriegs, der drei legitimierte Kaiserreiche zum Einsturz brachte: die österreichisch-ungarische Monarchie, das Zarenreich und das Osmanische Reich; es waren die Schüsse, die den „Dreißigjährigen Krieg des Zwanzigsten Jahrhunderts“ (1914-1945) auslösten.


ANMERKUNGEN:

1) Erwin Matsch: Geschichte des Auswärtigen Dienstes von Österreich (-Ungarn) 1720-1920. Wien - Köln - Graz 1980.
2) Ausspruch von Andrassy, gemäß Internet-Dokument http://de.wikipedia.org/wiki/Okkupationsfeldzug_in_Bosnien, abgerufen am 17.12.2014.
3) Brief Ehzg. Franz Ferdinand vom 6.9.1908 an den Außenminister Frhr. v. Aehrenthal, abgedruckt in: Wladimir Aichelburg: Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este 1863-1914. Notizen zu einem ungewöhnlichen Tagebuch eines außergewöhnlichen Lebens. Europas Weg zur Apokalypse. Horn 2014. Bd. II.
4) Gregor Mayer: Verschwörung in Sarajevo. Triumph und Tod des Attentäters Gavrilo Princip. St. Pölten - Salzburg - Wien 2014. Vgl. auch Prof. Pharos: Der Prozeß gegen die Attentäter von Sarajevo. Nach dem amtlichen Stenogramm der Gerichtsverhandlung aktenmäßig dargestellt. Archiv für Strafrecht und Strafprozeß, Berlin 1918. - Reprint: Der Prozess Gegen die Attentäter von Sarajewo. Nabu Press (2012, 2014).
5) Rudolf Jeřábek: Potiorek: General im Schatten von Sarajevo. Graz - Wien - Köln 1991.
6) Detailbestimmungen für die größeren Manöver 1914 und die Anordnungen der Manöverleitung. Sarajevo 1914.
7) Pressemeldungen: - Eine Bosnienreise des Erzherzog-Thronfolgers. Reichspost, 21. Jahrgang, Nr. 116, Wien, Dienstag, den 17. März 1914, S.5 (Tagesbericht). - Eine Bosnienreise des Erzherzogs Franz Ferdinand? Neuigkeits-Welt-Blatt, 42. Jahrgang, Nr. 63, Wien, Mittwoch, den 18. März 1914, S.6. - Besuch des Thronfolgers in Bosnien. Die Neue Zeitung, 7. Jahrgang, Nr. 94, Wien, Sonntag, den 5. April 1914, S.3 (Tagesneuigkeiten). - Die Gebirgsmanöver in Bosnien im Beisein des Erzherzogs Franz Ferdinand. Neue Freie Presse, Morgenblatt. Nr. 17863, Wien, Dienstag, den 19. Mai 1914, S.6.
8) Mayer, a.a.O.
9) Ebenda.
10) Friedrich Würthle: Die Spur führt nach Belgrad. Die Hintergründe des Dramas von Sarajevo 1914. Wien - München - Zürich 1975.
11) Walter Post: 1914. Der unnötige Krieg. Gilching 2014. S.220/221
12) Post, a.a.O.
13) Neues Wiener Tagblatt, 28. Juni 1924. Vgl. auch Walter Adam: Serbiens Warnung. Eine Geschichtslüge über den Mord von Sarajevo. Reichspost, 31. Jahrgang, Nr. 178, Wien, Sonntag, den 29. Juni 1924.
14) Aichelburg, a.a.O.
15) Bericht Morseys, zit. bei Friedrich Weissensteiner (1983): Franz Ferdinand. Der verhinderte Herrscher. Wien: Österreichischer Bundesverlag. S.17, ebenso bei Wladimir Aichelburg: Sarajevo 28. Juni 1914. Das Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este in Bilddokumenten. Wien 1984, S.10.
16) Aichelburg, Erzherzog.
17) Walter Blasi: Zur Geschichte des militärischen Kraftfahrzeugwesens in Österreich-Ungarn. In: Herbert Mathis, Juliane Mikoletzky, Wolfgang Reiter: Wirtschaft, Technik und das Militär 1914-1918. Wien 2014, S.188/89. Vgl. auch Wilfried Schimon: Österreichs-Ungarns Kraftfahrformationen im Weltkrieg 1914-1918. Ein Beitrag zur Geschichte der Technik im Weltkrieg. Klagenfurt - Ljubljana - Wien 2007.
18) Detailbestimmungen, S.36.
19) M. Christian Ortner und Thomas Ilming: Das Auto von Sarajevo. Der geschichtsträchtigste Oldtimer der Welt. Schleinbach 2014.
20) Aichelburg, Erzherzog.
21) Aichelburg, Sarajevo.
22) Ebenda.
23) „Wahrheitserinnerung“, z.B. bei Theodor Sosnosky: Franz Ferdinand. Ein Lebensbild. München und Berlin 1926, S.219/229.
24) Bericht Oberst Bardolffs: Österreichisches Staatsarchiv, KA, MKSM 68-3/1/1 ex 1914. Vgl. auch: Carl Freiherr von Bardolff: Soldat im alten Österreich. Erinnerungen aus meinem Leben. Jena 1938.
25) Prof. Pharos, a.a.O.
26) Aichelburg, Erzherzog.
27) Prof. Pharos, a.a.O.
28) Gerd Holler: Franz Ferdinand von Österreich-Este. Wien - Heidelberg 1982.
29) Harrach berichtet darüber mit fast denselben Worten drei Mal: in seinem „Merkbuch für 1914“ (Aichelburg, Erzherzog, Bd. III), bei seiner Einvernahme vor dem Untersuchungsrichter und in einem Brief vom 3.7.1914 an seine Frau (dieser Brief wurde am 2.6.2014 in der Autographen-Auktion im Wiener Dorotheum zu einem Meistgebot von 10.500 EUR versteigert).
30) Hans Becker von Sothen: Bild-Legenden. Fälschungen - Fakes - Manipulationen. Graz 2013, S.50-52.
31) Dr. Andreas Freiherr von Morsey: Der Schicksalstag von Sarajevo. Reichspost, 31. Jahrgang, Nr. 177, Wien, Samstag, den 28. Juni 1924.