Männer aus dem hohen Norden

Dänen, Norweger und Schweden in österreichischen Diensten

Karl Liko

 

„Migrationshintergrund“ stellte in der Armee des alten Österreich kein besonderes Problem dar. Ausländer kamen in Scharen und integrierten sich gut. Sie kamen aus Frankreich, aus Italien und Spanien, aus Irland und Schottland, aus der Schweiz und aus den zahlreichen Fürstentümern und Duodezstaaten des Heiligen Römischen Reiches. Viele von ihnen zeichneten sich besonders aus, etliche erreichten hohe Positionen in der militärischen Hierarchie. Prinz Eugen, der wohl bedeutendste Feldherr der österreichischen Geschichte, war einer von ihnen. Sie waren zumeist katholisch, doch gab es durchaus auch Zuzug aus protestantischen Gebieten.

Nur im hohen Norden Europas schien das Interesse an einer militärischen Laufbahn im Habsburgerreich nicht besonders groß zu sein. Der Abstand zwischen den skandinavischen Ländern und dem Donauraum war doch bedeutend - und das wohl nicht nur im geographischen Sinn. Und dennoch fanden sich einige Bewerber aus den Staaten Nordeuropas, die in österreichische Dienste traten. Immerhin können hier sieben interessante Schicksale vorgestellt werden. Am Anfang steht ein dänischer Landsknechtführer aus dem Dreißigjährigen Krieg. Es folgen drei weitere Dänen, zwei Schweden und ein einziger Norweger. Ihre Reihenfolge in der folgenden Darstellung wird aber nicht von der Nationalität bestimmt, sondern vom historischen Ablauf. Und der reicht vom 17. bis in das 19. Jahrhundert.

Wallensteins Faktotum1)

„Und wäre Stralsund mit Ketten am Himmel befestigt, ich werde es herunterholen!“ Das soll Wallenstein gesagt haben, als er die Ostseestadt im Sommer 1626 belagerte.2) Wahr machen konnte er diese vollmundige Ankündigung freilich nicht. Seinen dortigen Misserfolg verdankte er in erster Linie dem Verteidiger Stralsunds, einem 29-jährigen dänischen Obersten. Henrik Holck,3) - so hieß der junge Mann - hatte damals bereits eine kurze, aber ereignisreiche militärische Laufbahn hinter sich. Geboren wurde er am 18. April 1599 auf Schloss Kronborg am Öresund, wo sein Vater Festungskommandant war.

Er hatte eine sorgfältige Erziehung erhalten, höhere Schulen besucht und Bildungsreisen in etliche Länder unternommen. Denn für ihn war eine gehobene Beamtenlaufbahn vorgesehen. Aber er wollte lieber Soldat werden und setzte das auch durch. Mit 23 Jahren schon nahm er am pfälzischen Feldzug des „tollen Christian“, des Herzogs Christian von Braunschweig, teil. Dabei fiel er erstmals durch besondere Kühnheit und taktisches Geschick auf.4) Im Niedersächsisch-Dänischen Krieg 1623-1627 diente er als Oberst unter General Baudissin5) und zeichnete sich abermals aus.

Als der kaiserliche Oberst Pechmann6) am 3. August 1627 die Dänen bei Bernstein in der Neumark schlug, war Holck der einzige dänische Offizier, der noch längere Zeit Widerstand leistete. Aber schließlich geriet auch er in die Gefangenschaft der Kaiserlichen. Fast ein Jahr lang in Prag interniert, erlangte er gegen ein Lösegeld von 4.000 Talern an den General Isolano seine Freiheit wieder. König Christian IV. beauftragte ihn sogleich nach seiner Entlassung mit der Übernahme der Verteidigung Stralsunds.

Er entledigte sich seines Auftrages - wie wir bereits wissen - mit Erfolg. Dabei war er kaltblütig genug gewesen, mitten während der Belagerung für wenige Tage nach Dänemark zu segeln, um dort seine Hochzeit zu feiern, beim König vorzusprechen und dann mit neuen ansehnlichen Verstärkungen nach Stralsund zurückzukehren.7) Nach dem Frieden von Lübeck 1629 zwischen dem Kaiser und dem dänischen König suchte Holck ein neues Betätigungsfeld. Und er fand es im Lager seiner früheren Gegner. Das war dazumal nichts Ungewöhnliches, doch in seinem Fall geschah es durchaus im Einvernehmen mit seinem Monarchen und mit dessen ausdrücklicher Genehmigung. Dass der dänische König dieses Engagement sogar mit einem gewissen Wohlwollen sah, darf nicht verwundern. Denn das Schweden Gustaf Adolfs schien immer mächtiger zu werden. Vielleicht würde es für das Nachbarland Dänemark bald gefährlicher sein als der ferne Kaiser in Wien. Von diesem, dem Habsburger Ferdinand II., erhielt Holck am 26. März 1630 „in Anbetracht seiner bekannten Kriegserfahrenheit“ die Bestallung als Oberst eines Regiments von 3.000 „hochdeutschen Knechten“ zu Fuß.

Durch energisches Auftreten, vernünftige Entschlüsse und geschicktes Verhalten zog er bald die Aufmerksamkeit Wallensteins auf sich und gewann schließlich dessen Vertrauen. Als dieser im August 1630 den Oberbefehl zurücklegen musste, diente Holck unter Tilly weiter und nahm an der Eroberung Magdeburgs teil. Als der Generalissimus 1632 aber wieder das Kommando übernahm, wurde er auf dessen Empfehlung hin sogleich zum Generalwachtmeister8) befördert. In seiner Korrespondenz mit Wallenstein übte er offene Kritik an der planlosen Kriegführung der führenden Generäle, ihrer Unfähigkeit und gegenseitigen Eifersucht und auch an den schrecklichen Plünderungen durch ihre Soldaten. Dass unter seinem Kommando stehende Truppen in dieser Hinsicht auch nicht zimperlich waren, darüber besteht kein Zweifel. Denn während er in seinen eigenen Regimentern strenge Disziplin hielt, konnte er - wie er auch in seinen Briefen an Wallenstein klagt - Übergriffe und Gewalttaten der übrigen Verbände nicht verhindern.

Sicher ist jedoch auch, dass sein besonders schlechter Ruf das Ergebnis der Propaganda seiner Feinde war, deren Nachwirkungen auch noch in der späteren deutschen Geschichtsschreibung und sogar bis in die Gegenwart feststellbar sind. Und es waren nicht nur Gegner auf protestantischer Seite, die dem „Renegaten“ besonders gram waren, sondern durchaus auch neidvolle Kameraden unter den Kaiserlichen, die „Wallensteins Faktotum“ zum „bestverleumdeten Heerführer“9) der Zeit des großen Krieges machten. Sein Schicksal blieb eng mit dem seines Protektors verbunden, der in ihm einen seiner fähigsten Unterfeldherren gefunden hatte.

Bei Lützen am 6. November 1632 war er der standhafte Führer des linken Flügels der Wallenstein’schen Armee. In der Folge wurde er zum engsten Berater des Friedländers, was dem „dänischen Günstling“ weitere Neider schuf. Im Dezember beförderte ihn der Kaiser zum Feldmarschall, und im April 1633 erhob er ihn in den Grafenstand. Aber auch der dänische König, der durch ihn inoffizielle Kontakte mit dem Kaiser und Wallenstein pflegen konnte, verlieh ihm hohe Würden und wertvolle Güter. Mit 34 Jahren stand er auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn. Doch das Dilemma zahlreicher Generäle Wallensteins, sich zwischen ihm und dem Kaiser entscheiden zu müssen, blieb ihm erspart. Denn während weiterer Unternehmungen in Sachsen erkrankte er an der Pest und starb nach kurzer Krankheit am 9. September 1633 in Troschenreuth im Vogtland. König Christian IV. bemühte sich persönlich um die Herausgabe seiner Leiche, die nach einjährigen Verhandlungen mit dem Kurfürsten von Sachsen übergeben wurde und die der dänische Herrscher „mit außergewöhnlichem Pomp“ in Kopenhagen bestatten ließ.

Noch ein dänischer Feldmarschall

Der Bericht über den zweiten kaiserlichen Feldmarschall aus Dänemark beginnt nicht mit der Kriegs-, sondern mit der Literaturgeschichte. Es geht dabei um das erste bedeutende Werk, das in der neueren dänischen Sprache geschrieben wurde. Seine Verfasserin war eine Frau - die schöne und hochbegabte Prinzessin Leonora Christina, eine Tochter König Christians IV. aus einer morganatischen Ehe. Mit nur 15 Jahren war sie mit einem Günstling des Herrschers, dem Hofjunker Corfitz Ulfeldt, vermählt worden, der bald darauf zum mächtigsten Mann Dänemarks aufstieg. Doch nach dem Tod seines königlichen Gönners fiel Ulfeldt rasch in Ungnade.

Der abgesetzte, aber weiterhin nach Einfluss und Macht strebende Politiker verwickelte sich in gefährliche Intrigen, die sich schließlich bis zum Landesverrat steigerten. Zuletzt irrte er als Geächteter friedlos durch Europa. All dies konnte die Liebe seiner jungen Frau zu ihm nicht mindern, und sie reiste nach England, um für ihn Geld aufzutreiben, das der englische König ihm schuldete. Dieser aber entzog sich seiner Zahlungsverpflichtung in wenig königlicher Manier, indem er Leonora kurzerhand verhaften und an Dänemark ausliefern ließ. Während ihr flüchtiger Mann bald darauf im Rhein ertrank, war sie fast zweiundzwanzig Jahre lang, von 1663-1685, unter erniedrigenden Umständen, Staatsgefangene im „Blauturm“ in Kopenhagen.

„Jammersminde“ - Erinnerungen an mein Elend - heißt ihr Bericht über diese Zeit, ein menschlich wie literarisch bedeutsames Dokument. Doch dieses Hauptwerk des frühen Neudänisch war bis in das 19. Jahrhundert hinein völlig unbekannt. Der Grund dafür hängt eng mit dem Schicksal eines österreichischen Offiziers dänischer Herkunft zusammen. Es handelte sich dabei um Leo Ulfeldt,10) der als zweitjüngster Sohn Leonoras am 22. März 1651 in Kopenhagen geboren worden war. Nach der Flucht der Familie fand Leo Asyl in Österreich und trat - zunächst unter falschem Namen - in kaiserliche Dienste. 1682 erhielt er unter Montecuccoli das Kommando einer Kompanie zu Fuß. Nicht lange darauf wurde er Kommandant eines Reiterregiments und zeichnete sich im Türkenkrieg 1683-1699 mehrfach aus. U.a. konnte er damals mit 80 Kürassieren einen Pass gegen den Angriff von 2.000 Tataren erfolgreich verteidigen. Am 29. Dezember 1700 wurde er Generalfeldwachtmeister.11)

Als der spätere Kaiser Karl VI., der Vater Maria Theresias, seinen Anspruch auf den spanischen Thron geltend machte, begleitete ihn der zum Feldmarschallleutnant beförderte Ulfeldt als Truppenkommandant nach Spanien, wo die beiden 1704 in Barcelona landeten. Im nun folgenden Spanischen Erbfolgekrieg machte er sich um Karls Sache verdient und wurde 1706 Vizekönig von Katalonien. Am 20. Oktober dieses Jahres folgte seine Beförderung zum Feldmarschall. Als Barcelona 1714 schließlich doch geräumt werden musste und Spanien für das Haus Habsburg verloren war, kehrte auch er nach Österreich zurück.

Seine Mutter, die er zuletzt als 12-Jähriger gesehen hatte, durfte er mit Erlaubnis der dänischen Regierung erst als älterer Mann und insgesamt nur zwei Mal besuchen, das erste Mal „incognito“. Er starb am 11. April 1716 in Wien. Unter seinen nachgelassenen Papieren befand sich auch der Bericht Leonoras über ihre Haft, den sie für ihre Kinder angefertigt hatte. Das Dokument vererbte sich an eine Enkelin weiter, die einen Grafen Waldstein geheiratet hatte. Vom Inhalt und von der Bedeutung des dänischen Schriftstücks, das niemand mehr lesen konnte, hatten die Erben keine Ahnung. Erst ein späterer Nachkomme entdeckte es in der Waldstein’schen Bibliothek und führte es 1868 einer wissenschaftlichen Analyse zu, die in Dänemark eine literarische Sensation auslöste. Das Manuskript wurde vom dänischen Staat angekauft und bildet heute ein wertvolles Objekt im Nationalmuseum in Schloss Frederiksborg.

Ein norwegischer Theresienritter

Die Herkunft und die Geschichte des Generalmajors Adolf Nicolaus Freiherr von Alfson sind weit weniger spektakulär als die der beiden vorstehend behandelten Heerführer. Dennoch ist gerade er eine einmalige Erscheinung unter allen österreichischen Militärs. Denn er war sicherlich der einzige Norweger, der jemals in österreichischen Diensten stand. Und der es immerhin zum General gebracht und der sich überdies durch eine außergewöhnliche Leistung das Ritterkreuz des Maria-Theresienordens erworben hatte. Außerdem war er ein lebender Beweis dafür, dass in der kaiserlichen Armee auch ein Mensch aus einfachsten Verhältnissen die Chance hatte, in höchste Ränge aufzusteigen.

Denn Alf Nikolai Alfson, wie er in Norwegen genannt wurde, kam aus einer armen Kleinstadtfamilie. Er wurde am 12. Jänner 1704 im südnorwegischen Städtchen Eidsvoll12) geboren. Dem strebsamen Burschen gelang es, in eine höhere Schule aufgenommen zu werden. Bald nach deren Abschluss trat er in die dänische Armee ein, da Norwegen damals zu Dänemark gehörte. Auch dort war zu jener Zeit für eine Karriere als Infanterie- und besonders als Kavallerieoffizier adelige Abstammung von Vorteil. Die Artillerie dagegen, die als eine Art „Handwerk“ betrachtet wurde, rekrutierte ihr Offizierskorps auch aus dem Bürgertum. So erreichte der junge Alfson die Zulassung zur Ausbildung zum Artillerieoffizier und konnte sich in den Folgejahren einen Namen als begabter Artillerist machen.

1754 nahm er nach 20-jähriger Dienstzeit seinen Abschied, um dem österreichischen Heer seine Dienste anzubieten. Österreich war in jener Zeit seit der Thronbesteigung Maria Theresias durch das Preußen Friedrichs II. geradezu existenziell bedroht. Zwei Kriege waren bereits verloren gegangen, und Österreich hatte seine wertvolle Provinz Schlesien dem preußischen König überlassen müssen. Der nächste Krieg stand vor der Tür, und der Artillerie würde in dieser Auseinandersetzung besondere Bedeutung zukommen. Man war also an tüchtigen Vertretern dieser Waffengattung sehr interessiert, und Alfson fand bereitwillige Aufnahme in Österreichs Armee. Und dieses Engagement zahlte sich für Österreich wahrlich aus. Er wurde als „Ober-Stuckhauptmann“ - dieser Rang entsprach dem Major - eingestellt. Im Siebenjährigen Krieg konnte er seinen Ruf als hervorragender Experte bestätigen und immer mehr befestigen. 1758 leitete er schließlich als Oberstleutnant des Feldartilleriekorps bereits den gesamten Artillerieeinsatz bei der Verteidigung von Olmütz. Und er tat dies so erfolgreich, dass er zum Oberst befördert und mit dem Maria-Theresienorden ausgezeichnet wurde.

Als General Laudon im Jahre 1760 nach nur achttägiger Belagerung die Festung Glatz zurückeroberte, war Alfson als Befehlshaber der gegen die Festung eingesetzten Artillerie entscheidend am Erfolg beteiligt. 1763, im Jahre des Hubertusburger Friedens, wurde er zum Generalfeldwachtmeister ernannt und 1777 in den Freiherrenstand erhoben. Seine Laufbahn beendete er als Militärkommandant in Mähren. Er starb ein Jahr nach seiner Pensionierung am 17. Dezember 1779 in Olmütz.

Ein Prinz als Asylwerber

Nach zwei Dänen und einem Norweger folgt der erste Schwede in österreichischen Diensten. Wie Leo Ulfeldt war auch der spätere Feldmarschallleutnant Gustaf Prinz von Wasa als Flüchtling nach Österreich gekommen. Denn er war der Sohn jenes Königs Gustaf IV. von Schweden, der in Napoleon den leibhaftigen Antichrist gesehen hatte und mit großem Eifer, aber unzulänglichen Mitteln gegen die damals gerade noch miteinander verbündeten Franzosen und Russen ins Feld gezogen war. Nachdem er dabei nicht nur das seit dem Dreißigjährigen Krieg schwedische Pommern an Napoleon verloren hatte, musste er bald darauf auch ganz Finnland den Russen überlassen. Jetzt hatten die führenden Kreise Schwedens genug von ihrem ungeschickten Herrscher. Der schwedische Reichstag setzte ihn im Jahre 1809 ganz einfach ab, erklärte ihn und seine Nachkommenschaft des Thrones verlustig und verwies ihn des Landes.

Auch der kleine Kronprinz Gustaf, am 9. November 1799 zu Stockholm geboren, musste seine Heimat verlassen. Er fand zunächst in der Vaterstadt seiner Mutter, in Karlsruhe, Asyl. Nachdem er dort seine Kindheit hinter sich gebracht hatte, suchte er nach einer nützlichen Beschäftigung. Er fand sie in Österreich und trat im Jahr 1825 in das k. k. Heer ein.

Als Mitglied eines - wenn auch abgesetzten - Königshauses konnte der junge Mann seine Laufbahn sogleich als Oberstleutnant im Ulanenregiment Nr. 4 beginnen. Schon 1827 wurde er Oberst und im Jahr darauf Kommandant des Grenadierbataillons des Infanterieregiments Kaiser Alexander von Russland Nr. 2. Nur ein Jahr später, am 12. Dezember 1829, erfolgten die Beförderung zum Generalmajor und die Ernennung zum Kommandanten einer Brigade. Dass dieser Verband in Wien stationiert war, dürfte kein Zufall gewesen sein. Es ermöglichte ihm nämlich die Teilnahme am Leben bei Hof und erleichterte auch den Zugang zu anderen angenehmen Dingen.

Gerade in diesem Jahr hatte die schwedische Regierung jedoch in Wien interveniert und dagegen protestiert, dass er sich „Prinz von Schweden“ nenne. In seinem Vaterland herrschte ja nun die Familie Bernadotte, und nur deren Mitglieder waren Prinzen von Schweden. Kaiser Franz wollte zweifellos jeden Anschein vermeiden, es werde in Wien ein Gegenkandidat auf den schwedischen Thron bereitgehalten. So veranlasste er Gustaf zu einem Namenswechsel. Gustaf wählte den Namen der indessen ausgestorbenen Dynastie aus Schwedens Großmachtzeit,13) und der Kaiser ernannte ihn zum „Prinzen von Wasa“. Übrigens war er ein stattlicher junger Offizier, und in der Wiener Gesellschaft rankten sich Gerüchte um eine Liebschaft in höchsten Hofkreisen um seine Person. Es ging dabei um die Erzherzogin Sophie und die Herkunft ihres Erstgeborenen, des späteren Kaisers Franz Joseph. Für eine tatsächliche Vaterschaft Gustafs gibt es freilich keinerlei ernsthaften Hinweis. Es war wohl nur haltloser „Tratsch“ - ein in Wien nicht völlig unbekanntes Phänomen.

Doch das Leben ging weiter und 1830 verheiratete er sich mit einer Tochter des Großherzogs von Baden. Im folgenden Jahr wurde er Inhaber des k. k. Infanterieregiments „Gustaf, Prinz von Wasa“ Nr. 60, und am
29. Februar 1836 erfolgte die Beförderung des Prinzen zum Feldmarschallleutnant. In den vormärzlichen Friedensjahren 1836 bis 1846 führte er das Kommando der Wiener Division. Damit endete seine militärische Laufbahn. Nachdem seine aktiven Jahre in die lange Friedensperiode gefallen waren, die der Neuordnung Europas nach dem Wiener Kongress folgte, hat er trotz seines erreichten hohen militärischen Ranges niemals einen tatsächlichen kriegerischen Einsatz miterlebt.

Im Gegensatz zu den anderen Skandinaviern unter Österreichs Fahnen blieb ihm militärischer Ruhm versagt. Und im Revolutionsjahr 1848 war er bereits außer Dienst und trat nicht mehr in Erscheinung. Er lebte seither zurückgezogen in Wien. Erst ein halbes Jahrhundert nach seiner Verbannung erhielt er 1862 die Erlaubnis, seine alte Heimat Schweden zu besuchen. Es wurde aber ein unglaublich kurzer Besuch. Nach der Besichtigung eines Manövers in Dänemark durfte er nämlich inkognito über den Öresund nach Helsingborg fahren. Nachdem man ihm von einem Aussichtsturm aus einen Blick über die südschwedische Landschaft machen ließ, musste er Schweden wieder verlassen - unerkannt und unbemerkt. Er starb während eines Besuches bei seiner Tochter in Pillnitz in Sachsen am 4. August 1877. In Wien hatte er sein Palais auf dem Alsergrund, in einer Gasse, die noch heute nach ihm Wasagasse heißt.

Der Reorganisator von Österreichs Marine

1866 war zweifellos das düsterste Unglücksjahr Österreichs im 19. Jahrhundert. Der einzige Lichtstrahl ging von der österreichischen Marine unter Tegetthoff aus, die mit ihrem Seesieg bei Lissa einen echten Kontrapunkt zur Niederlage von Königgrätz gesetzt hatte. Das war umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, in welch katastrophalem Zustand sich Österreichs Seestreitkräfte nur zwei Jahrzehnte zuvor befunden hatten. Materiell und personell bestanden sie nach 1815 hauptsächlich aus den veralteten Überresten der einstigen venezianischen Flotte. Doch als im Sturmjahr 1848 die italienischen Provinzen der Monarchie in vollen Aufruhr gerieten, wandte sich auch ein Großteil der Seeleute gegen die österreichische Herrschaft.

Die Flottenbasis Venedig ging verloren, und die Masse des Offizierskorps sowie die Hälfte der Schiffe fanden sich auf der Seite der Aufständischen. Der verbliebene Rest war in einem jämmerlichen Zustand und das restliche Personal demoralisiert. Der Mann, der aus diesen Beständen mit zielbewusster Härte und unermüdlichem Eifer eine ganz neue Marine schuf, war der k. k. Vizeadmiral Hans Birch Freiherr von Dahlerup aus Dänemark. Als bürgerlicher Hans Dahlerup war er am 25. August 1790 in Hilleröd auf der Insel Seeland zur Welt gekommen, wo sein Vater als Postbeamter tätig war. Seit 1802 besuchte er die Seekadettenakademie.

Noch nicht ganz 18 Jahre alt, erhielt er sein Offizierspatent und sogleich auch seine Feuertaufe. Am 21. März 1808 wurde das Linienschiff „Prinz Christian“, auf dem er sich befand, vor der Nordspitze Seelands von britischen Schiffen angegriffen, auf Grund gesetzt und gekapert. Der junge Seeoffizier musste als Gefangener nach England gehen. Nach seiner Entlassung trat er sogleich wieder seinen Dienst an und war in der Folgezeit fast ständig auf See. Zielstrebig setzte er seine Karriere fort, vertiefte seine Navigationskenntnisse durch freiwilligen Dienst auf Handelsschiffen, war Artillerielehrer an der Marineakademie und Kommandant verschiedener Schiffe auf See.

Als Seemann hatte er sich indessen hohes Ansehen erworben, sodass ihm 1838 die ehrenvolle Aufgabe übertragen wurde, den berühmten Bildhauer Thorvaldsen und dessen Werke von Italien nach Dänemark zu bringen. Auch als Fachschriftsteller machte er sich einen Namen. Ende 1848 erhielt der inzwischen schon zum Kommodore aufgerückte Offizier vom dänischen Marineministerium das Angebot übermittelt, in österreichische Dienste zu treten, um die k. k. Marine zu reorganisieren.

Im Februar 1849 ging er nach Österreich, wurde in Olmütz vom jungen Kaiser Franz Joseph persönlich empfangen, zum Vizeadmiral und Feldmarschallleutnant befördert und zum Marinekommandanten ernannt. An der Adria angelangt, sah er sich einer schwierigen Aufgabe gegenüber. Aber durch sein bestimmtes Auftreten und seine überlegenen Kenntnisse erlangte er bald Respekt. Mit großer Energie machte er sich ans Werk und konnte in kurzer Zeit die Einsatzfähigkeit soweit wiederherstellen, dass eine wirksame Blockade Venedigs möglich wurde. Er richtete eine Flottenbasis in Triest ein und unterstützte mit den von ihm zusammengefassten Resten der Flotte den Kampf der Truppen Radetzkys.

Der Feldmarschall selbst dankte ihm nach der Einnahme Venedigs und umarmte ihn spontan auf dem Markusplatz, als ihnen dort die Schlüssel der Stadt überreicht wurden. Nach Kriegsende widmete Dahlerup alle Kräfte der Reorganisation der Marine. Der Marinestützpunkt Triest wurde weiter ausgebaut und ein neuer in Pola errichtet. Neue Schiffe wurden auf Kiel gelegt, ein Marineinfanteriekorps gebildet, eine Offiziersschule gegründet und moderne Vorschriften verfasst. Er führte die deutsche Kommandosprache ein, bekämpfte die aus venezianischer Zeit überkommene „Dornröschenschlafkrankheit“ und förderte eine saubere und effiziente Verwaltung. Zu seiner Unterstützung holte er sich einige ihm bekannte deutsche und nordische Seeoffiziere.

Natürlich ging das alles nicht ohne Reibungen ab. Auch an Sensibilität für die andersartige Mentalität seiner Untergebenen scheint es dem Mann aus dem Norden ziemlich gemangelt zu haben. So machte sich nach einiger Zeit ein wachsender Widerstand gegen den erfolgreichen Ausländer breit. 1851 waren die Intrigen gegen ihn soweit fortgeschritten, dass er beschloss, seinen Abschied zu nehmen und nach Dänemark zurückzukehren. Als Abschiedsgeschenk des Kaisers erfolgte noch seine Erhebung in den Freiherrenstand.

Doch in seiner Heimat angekommen, erlebte er eine herbe Enttäuschung. In Kopenhagen konnte oder wollte man das seinerzeitige Versprechen, ihn nach seiner Rückkehr mit einem entsprechenden Rang wiedereinzustellen, nicht einhalten. Als daher Erzherzog Ferdinand Max, der Bruder des Kaisers und spätere Kaiser von Mexiko, im Jahre 1861 Marine-Kommandant wurde und Dahlerup aufforderte, als sein Berater nach Triest zurückzukehren, folgte er diesem Ruf gerne. Nach zwei glücklichen Jahren an der Seite des Erzherzogs, in denen er sein Aufbauwerk fortsetzen konnte, traf es ihn hart, dass Österreich 1864 in einen Krieg gegen sein Heimatland Dänemark verwickelt wurde. Es wurde alles getan, um für ihn einen Loyalitätskonflikt zu vermeiden. Aber er wollte klare Verhältnisse haben und quittierte den Dienst. Seine letzten Lebensjahre verbrachte der pensionierte k. k. Vizeadmiral in der Umgebung Kopenhagens, wo er am 26. September 1872 gestorben ist.

Ein Haudegen aus Dänemarks Königshaus

Der vorletzte in der Reihe der nordischen Krieger in österreichischen Diensten war ebenfalls ein Prinz, aber im Gegensatz zum Prinzen von Wasa ein richtiger Haudegen, der an vielen Schlachten und Gefechten teilnahm. Der spätere General der Kavallerie Wilhelm zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg war ein älterer Bruder des Königs Christian IX. von Dänemark und damit ein Ururgroßonkel der derzeitigen dänischen Königin Margrethe II.

Am 10. April 1816 in Schleswig geboren, trat er schon als 19-Jähriger am 26. September 1835 in die k. k. Armee ein, wo er als Rittmeister im Husarenregiment Nr. 9 eingestellt wurde. Im Revolutionsjahr 1848 kämpfte er zunächst unter Radetzky in Norditalien. Er machte dort die Schlachten von Sommacampagna und Custozza (24.-25.Juli) sowie eine Reihe weiterer Gefechte mit. Am 6. August war er an der Wiedereinnahme von Mailand beteiligt. Anschließend wurde er in den Raum Wien versetzt und rückte mit Windisch-Graetz gegen die revolutionäre Stadt vor.

Er zeichnete sich im Gefecht von Schwechat am 30. Oktober aus und nahm noch im gleichen Jahr am Vormarsch gegen Ungarn teil. 1849 war er als Oberstleutnant im Kürassierregiment Nr. 8 in zahlreiche Gefechte und Scharmützel mit den aufständischen Magyaren verwickelt und wurde dabei nicht weniger als siebenmal verwundet. Für seine außergewöhnlichen Leistungen, besonders in der Schlacht bei Komorn am 26. April, erhielt er das Ritterkreuz des Leopoldsordens. Nach dem Ende der Kämpfe in Ungarn erfolgte seine Beförderung zum Oberst im Dragonerregiment Nr. 7.

Nun war er in Böhmen garnisoniert, wo ihn auch 1853 die Ernennung zum Kommandanten seines Regiments erreichte. Am 31. Mai 1854 wurde er Generalmajor und Brigadier in Wien. Im Feldzug von 1859 befehligte er eine Kavalleriebrigade, mit der er sich v.a. in der blutigen Schlacht von Solferino auszeichnete. Nach dem Feldzug diente er als Brigadier in Ungarn. Am 15. August 1862 folgten die Beförderung zum Feldmarschallleutnant und die Betrauung mit dem Kommando der Kavalleriedivision in Galizien. Offenbar fühlte er sich damals schon so sehr als k. k. Offizier, dass er im Jahr 1864 - im Gegensatz zu Dahlerup -während des Krieges mit Dänemark nicht den Dienst quittierte.

Es reichte ihm offenbar aus, dass er weit weg vom Kriegsschauplatz in Galizien seine Kavalleristen trainieren konnte und mit dem Konflikt um „seine“ Herzogtümer Schleswig und Holstein nichts zu tun hatte. Nach dreißigjähriger Dienstzeit, etlichen kriegerischen Einsätzen und zahlreichen Garnisonswechseln erhielt er 1865 das Kommando der 10. Truppendivision in Prag übertragen. Im Jahr 1869 beendete er seinen aktiven Dienst. Zehn Jahre später erfolgte noch die Beförderung zum General der Kavallerie ad honores. Auch die dänische Armee ehrte ihn und verlieh ihm den Titel Generalleutnant. In seinen Ruhestandsjahren konnte er sich etwas mehr den Kontakten mit dem Königreich Dänemark und seiner dortigen Verwandtschaft widmen. Er starb am 5. September 1893 in Fredensborg, dem Sommerschloss des dänischen Königshauses.

Ein österreichischer Seeheld aus Schweden

Zum Abschluss soll über den Linienschiffskapitän14) Erik Johan Gustaf af Klint aus Schweden berichtet werden. Dass er in Österreich kaum bekannt ist, ist angesichts seines Schicksals eigentlich nicht gerechtfertigt. Gerade deshalb soll ihm hier ein besonderes Gedenken gewidmet werden. Geboren wurde er am 11. Dezember 1816 in der alten Stadt Visby auf der Insel Gotland, wo sein Vater als Hauptmann der schwedischen Armee stationiert war.

Schon seine Vorfahren hatten im schwedischen Militär, im zivilen Staatsdienst und v.a. in der Marine gedient. Er selbst begeisterte sich von früher Jugend an für die Seefahrt. Nachdem er als Schiffsjunge auf Handelsschiffen und als Kadett auf Kriegsschiffen eingeschifft gewesen war, wurde der Einundzwanzigjährige 1837 Sekondleutnant in der schwedischen Marine. Doch wollte er weitere Erfahrungen auf See sammeln, unterbrach seine Offizierslaufbahn und arbeitete als einfacher Matrose und dann als Steuermann auf englischen und amerikanischen Handelsschiffen. Drei Jahre lang war er zwischen den Häfen Englands, Nord- und Südamerikas und Westindiens unterwegs.

Nach diesen Erfahrungen nahm er seinen Dienst in der schwedischen Kriegsmarine wieder auf. 1845 wurde er Oberleutnant. Doch ihn hielt es nicht lange im friedlichen Schweden. 1849 erhielt er drei Jahre Urlaub, um in der österreichischen Flotte Dienst machen zu können. An der Adria angekommen, war er zunächst kurz im Seearsenal von Venedig beschäftigt. Dann übernahm er als Kapitän des bewaffneten Schoners „Arethusa“ den Schutz der Handelsschifffahrt in der Adria und im Ionischen Meer. Dabei kam es immer wieder zu Scharmützeln und Zusammenstößen mit Schmugglern, Seeräubern und irregulären bewaffneten Elementen.

Schon in dieser Zeit beeindruckten seine seemännischen Fähigkeiten, seine fachlichen Kenntnisse, sein Mut und seine Energie seine Vorgesetzten. Um endgültig in österreichische Dienste treten zu können, nahm er 1853 seinen Abschied von Schwedens Marine. 1855 wurde ihm das Kommando der Brigg „Husar“ übertragen, die mit 16 Kanonen bewaffnet war. Er machte rasch Karriere und wurde 1856 Korvetten-, 1858 Fregatten- und 1861 Linienschiffskapitän. Mit dem bewaffneten Schraubendampfer „Donau“ nahm er am Krieg des Kaisertums Österreich gegen Sardinien und Frankreich im Jahre 1859 teil. Das Kriegsjahr 1866 erlebte er als Kommandant der Dampffregatte „Novara“.

Dieses Kriegsschiff hatte 1850 als Segelschiff seinen Stapellauf erlebt und in den Jahren 1857/58 eine viel beachtete Weltumseglung durchgeführt. 1862 war ein Umbau zum Dampfschiff erfolgt, das mit seinen 53 Kanonen ein durchaus kampfkräftiges Element darstellte. In der Seeschlacht bei Lissa am 20. Juli 1866 gehörte das Schiff zur zweiten Division, die aus Holzschiffen bestand und unter dem Befehl des Kommodore Anton von Petz stand.

Als dieser Verband in einem günstigen Augenblick die italienische Flotte im Rücken angreifen konnte, beteiligte sich auch die „Novara“ am Feuerkampf. Sie war dabei durchaus erfolgreich, erhielt selbst aber auch 47 Treffer. Bei einem davon wurde Erik af Klint tödlich verwundet. Als der Tag sich zu Ende neigte, stand der große Sieg der Österreicher fest. In den Jubel darüber mischte sich aber auch die Trauer um den tapferen Offizier. Admiral Tegetthoff selbst gab diesem Gefühl in einem Kondolenzbrief Ausdruck, den er an Erik af Klints Witwe, Mary Stewart, noch am selben Tag richtete. Er schrieb darin u.a.: „Wie tief Sie Ihr Verlust trifft, weiß ich wohl, aber seien Sie überzeugt, dass die ganze Flotte ebenso tief trauert. Erik von Klint war in jeder Hinsicht ein Ehrenmann, ein tapferer und tüchtiger Seeoffizier, geliebt und geachtet von allen, die ihn kannten.“ 15) Der Mann, der mit diesen Worten charakterisiert wurde, dieser hervorragende schwedische Marineoffizier, der in der Seeschlacht bei Lissa im Dienste Österreichs gefallen ist, hat es durchaus verdient, hierzulande nicht in Vergessenheit zu geraten. Mit ihm endet der Bericht über einige ungewöhnliche Gestalten aus unserer militärischen Vergangenheit, über die Männer aus dem hohen Norden.

 


ANMERKUNGEN:

Der Verfasser hat im Jahre 2008 Kurzbiographien einiger der hier behandelten Personen in das Online-Lexikon Wikipedia eingebracht, um sie einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Dies erklärt die Ähnlichkeit einiger Formulierungen, die aber ausnahmslos vom Verfasser stammen.

1) Diesen bezeichnenden Spitznamen für Henrik Holck machte H.-J. Arendt auch zum Titel seiner Biographie, Hans-Jürgen Arendt: Wallensteins Faktotum. Der kaiserliche Feldmarschall Heinrich Holck 1599-1633, Ludwigsfelde 2004.

2) Unverbürgter Ausspruch Wallensteins, den Schiller auch in „Wallensteins Lager“ in der Kapuzinerpredigt mit folgenden Worten wiedergibt:

„Rühmte sich mit seinem gottlosen Mund, Er müsse haben die Stadt Stralsund, Und wär’ sie mit Ketten an den Himmel geschlossen. Hat aber sein Pulver umsonst verschossen“.

3) So lautet sein Name im Dänischen; in deutschen Texten wird er auch „Heinrich Holk“ geschrieben - etwa in der ADB, Allgemeine deutsche Biographie, 52 Bde., Leipzig 1875-1912, (Bd. 12, S.735).

4) Lobend erwähnt bei Höchst am 20. Juni 1622, als ihm zwei Pferde unter dem Leib erschossen wurden, sowie bei Fleurus am folgenden 29. August und bei Stadtlohn am 6. August 1623.

5) Wolf Heinrich Baudissin oder Bauditz (1579-1646) begann seine Laufbahn in der kaiserlichen Armee, kämpfte aber bereits 1620 gegen diese in der Schlacht am Weißen Berg im Heer des „Winterkönigs“. Er trat 1625 als Reiteroberst in dänische Dienste und erhielt Ende 1626 den Oberbefehl über die dänischen Truppen in Deutschland. Nach dem Lübecker Frieden (1629) stellte er sich König Gustaf Adolf zur Verfügung und wurde schwedischer Feldmarschall. Nach einem abermaligen Frontwechsel wurde er 1636 im Kampf gegen die Schweden bei Magdeburg so schwer verwundet, dass seine militärische Laufbahn faktisch beendet war. Einer seiner Nachkommen war der Bundeswehrreformer Wolf Graf Baudissin (1907-1993).

6) Oberst Gabriel Pechmann von der Schönau war ein außergewöhnlich tüchtiger Truppenführer Wallensteins. Seinen Sieg über die Dänen bei Bernstein musste er allerdings mit seinem Leben bezahlen. Er fiel am 3. August 1627 beim Dorf Granow in der Nähe von Bernstein.

7) Die Stadt blieb den Dänen aber nicht, weil sie sich im Oktober 1628 unter den Schutz Schwedens stellte. Die Stralsunder ahnten nicht, dass die neuen „Beschützer“ die Stadt fast 200 Jahre lang - bis 1815 - unter ihrer Herrschaft behalten würden.

8) Generalmajor.

9) ADB, a.a.O. S.735.

10) In der deutschsprachigen Literatur auch „Uhlefeld“. So in ADB, Bd. 39, S.184.

11) Generalmajor.

12) Kleinstadt, etwa 70 km nördlich von Oslo, seit dem 17. Jahrhundert ein Ort mit Eisenverarbeitung, bekannt durch die 1814 dort beschlossene erste Verfassung Norwegens.

13) Nach der „Kalmarer Union“ (1397-1523), welche die drei nordischen Länder unter der Krone Dänemarks vereint hatte, führte Gustav Wasa (1496-1560) Schweden in die Unabhängigkeit und wurde 1523 dessen König. Seine Nachkommen regierten Schweden bis 1654 und Polen von 1587-1668. Dann starb das Haus Wasa im Mannesstamm aus.

14) Der österreichische „Linienschiffskapitän“ entsprach dem deutschen „Kapitän zur See“ oder dem britischen „Captain“ und war wie diese gleichrangig mit dem Oberst der Landtruppen.

15) Hofberg, H., Svenskt biografiskt handlexikon, 1906, 1. Bd., S.597.