Innovation, Hochtechnologie und Rüstungsforschung

Wolfgang Winkler

 

Die Themen Innovation und Hochtechnologie finden in allen Programmen und Reden von Politikern weltweit ihren Niederschlag und werden grundsätzlich als wesentliche Grundlage gesehen, den Wohlstand einer Volkswirtschaft zu sichern oder zu erreichen. So wendeten etwa die OECD-Staaten 2,13-2,37% ihres Bruttoinlandsproduktes zwischen 2000-2014 für Forschung und Entwicklung auf. Trotz aller Entspannungsbemühungen zeigt sich immer wieder, dass auch der altrömische Grundsatz „Si vis pacem, para bellum“ zur Friedenssicherung in der Praxis nichts von seiner Bedeutung verloren hat und die Staaten der Welt 2014 für ihre Verteidigungsbudgets im Mittel 2,3% ihres Bruttoinlandsproduktes aufwendeten. Es ist also ein Gebot wirtschaftlicher Vernunft zu analysieren, inwieweit diese beiden Zentralaufgaben der Zukunftssicherung, Innovation und Friedenssicherung miteinander sinnvoll verknüpft werden können. Grundlagen jeder Innovation sind neue systemische Lösungen für Fragestellungen mit Marktchancen. Meist basiert die Neuheit auf den Ergebnissen vorangegangener Forschung und Entwicklungen neuer Technologien, aber auch neue Geschäftsmodelle werden Innovationen bezeichnet. Dennoch ermöglichen meist die Ergebnisse von Forschung und Entwicklung die Innovationen und damit neuartige Angebote. Seit alters her ist der Satz „Der Krieg ist der Vater aller Dinge“ ein Hinweis auf die Interaktion zwischen militärischen Entwicklungen und zivilen Märkten. Heute wird diese Interaktion mit dem Begriff „Dual Use“ beschrieben, der allerdings jetzt weiter gefasst ist. Er umfasst nicht nur Technologien und Güter, die aus dem militärischen in den zivilen Bereich übergehen, sondern auch prinzipiell zivile Güter und Technologien, die militärisch nutzbar sein könnten. Zur Analyse der Bedeutung der Rüstungsforschung für Innovationen hat allerdings die letztgenannte Definition wenig Bedeutung und wird dazu in nachfolgender Analyse nicht weiter verwendet. Eine erste Betrachtung zeigt die Schwierigkeit in der Verteidigungs- und Industriepolitik in Europa, sachliche Anforderungen und moralische Ansprüche, die weniger von Bürgern als von Vertretern der Zivilgesellschaft formuliert wurden, zielgerichtet umzusetzen. Ohne eine wirkliche demokratische Legitimation wird dabei die Integration zivilgesellschaftlicher Organisationen in dem Sicherheitsforschungsprogramm versucht. Die extreme Auslegung dieser rein moralischen Aspekte könnte aber zu prinzipiellen Denkverboten führen, wenn alle Arbeiten, die die Würde des Menschen oder die Umwelt vielleicht schädigen könnten, zu unterlassen wären. Es fragt sich aber, wieweit Denkverbote auf Verdacht mit einer aufgeklärten Gesellschaft vereinbar und ihrerseits moralisch sind, wenn sie erzwungen werden und Gewissensentscheidungen der fachkundigen Beteiligten ignorieren. Weiterhin wird die Notwendigkeit einer zielorientierten langfristig orientierten Strategie angemahnt, die frühzeitig technologische Trends identifiziert, notwendige Synergien erkennt und sie fachübergreifend umsetzt. Eine pragmatische und leistungsorientierte Vorgehensweise sollte es ermöglichen, auch in Europa ähnliche Strukturen, wie in den USA aufzubauen. Ob das Modell europaweit Erfolg hat, würden so nicht abstrakte Verträge mit praxisfernen Kompromissen, sondern nur der inhaltliche Erfolg für Streitkräfte, Wissenschaft und Wirtschaft bestimmen.