Militärische Nachdenker, Vordenker, Querdenker für den Aufbau westdeutscher Streitkräfte (Teil 2) 

Wulf-W. Lapins

 

Am 26. Oktober 1950 bot Bundeskanzler Adenauer Theodor Blank die Position eines „Beauftragten des Bundeskanzlers für die mit der Vermehrung der alliierten Truppen zusammenhängenden Fragen“ zu übernehmen. Die Aufgabenzuweisung verkörperte keine Kontinuität der seit dem 1. August unter dem Tarnlabel „Zentrale für Heimatdienst“ firmierenden Dienststelle von Schwerin unter nunmehr anderer Leitung - diese wurde Ende Oktober aufgelöst. Allein der Sekretär des Himmeroder Expertenausschusses, Oberst a.D. Johann Adolf Graf Kielmansegg, sowie die Leiter der Referate Nachrichtendienst, Major a.D. Achim Oster, sowie Planung und innere Struktur, Major a.D. Axel von dem Bussche, wurden in die neue Dienststelle Blank übernommen. Kanzler Adenauer bewies mit der Nominierung des CDU-Bundestagsabgeordneten Theodor Blank, zum „Beauftragten des Bundeskanzlers für die mit der Vermehrung der alliierten Truppen zusammenhängenden Fragen“ außenpolitische Weitsicht und innenpolitisches Geschick. Er war im Krieg Offizier, aber nicht Berufssoldat gewesen und hatte praktische Erfahrungen im militärischen Bereich gesammelt. Er war erfolgreicher Abgeordneter mit eigenem Wahlkreis und wurde zumindest in der Öffentlichkeit als Angehöriger Adenauers angesehen. Der neuen Dienststelle oblag die Aufgabe, die Himmeroder Planungsvorschläge eines aufzubauenden deutschen Kontingents von zwölf Panzer-Divisionen mit einem Gesamtumfang des künftigen deutschen Heeres von 250.000 Soldaten personell, materiell und organisatorisch in die Wege zu leiten. Integriert werden sollten die deutschen Streitkräfte in die gleichfalls noch zu gründende Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) mit supra-nationaler Kommandostruktur. Zum Militärexperten für die Pariser Verhandlungen avancierte Oberstleutnant a.D. Ulrich de Maizière, der 1966 Generalinspekteur der Bundeswehr werden sollte. Verfügte das Amt Blank im Dezember 1950 erst über einen Personalbestand von etwa 20 Mitarbeitern, so expandierte er im Zuge zunehmender Planungsfortschritte auf 140 Angehörige Ende 1951 und auf etwa 700 im Jahr 1953. Nach dem Scheitern des EVG-Vertrages durch die Abstimmungsniederlage in der französischen Nationalversammlung nahm das Amt Blank die Einbindung des deutschen Verteidigungsbeitrages in das Konzept von WEU und NATO in den Fokus. Das neue deutsche Wehrwesen war für die junge Bundesrepublik zugleich eine große Chance, das alte Problem von „Staatskunst und Kriegshandwerk“ neu zu gewichten. Bei der Himmeroder Tagung fiel denn auch der Abschnitt „Inneres Gefüge“ umfangreicher aus als die „militärpolitischen Grundlagen“. Belastet von der Hypothek, Kriege im Auftrag einer verbrecherischen Politik geführt zu haben, wollten viele ehemalige Offiziere mit eindeutigen Reformbestrebungen im Militärwesen Zeichen setzen. Einige bekannte ehemalige Oberbefehlshaber und Generalstabschefs wie Hasso von Manteuffel, Siegfried Westphal, Günther Blumentritt, Georg von Sodenstern und Kurt von Tippelskirch gaben beachtliche militärstrategische und organisatorische Anregungen. Die Traditionalisten waren hier eindeutig in der Minderheit.