Strategische Bedeutung der Entwicklung in der Sahelzone

Hannelore Kußerow/Arno Meinken/Nikolaus Scholik

 

Die seit Jahren anhaltende und sich verschärfende Situation in der Sahel-Zone stellt eines der mittel- bis langfristig schwierigsten Probleme für den afrikanischen Kontinent selbst wie die an der Gegenküste liegende Europäische Union - oder, je nach Betrachtungsweise, auch die europäischen Nationalstaaten - dar. Die Autoren dieses interdisziplinären Artikels haben sich in entsprechender Vorbereitung im Rahmen des CNSS (Clausewitz Netzwerk für Strategische Studien, Hamburg, an der Führungsakademie der Bundeswehr angesiedelt) intensiv mit der Problematik auf den Ebenen Ressourcenverknappung, Bevölkerungsexplosion, Extremismus und deren sicherheitspolitische Bedeutung für Europa beschäftigt. Die Entwicklung in den Räumen Nah-Mittelost und nördliches Afrika stellen für Europa/Die Europäische Union, insbesondere durch die anhaltenden Flüchtlingsströme/Migrationsbewegungen und die Hand in Hand gehende terroristische Gefährdung ein nicht mehr zu negierendes oder verniedlichendes Gefahrenpotenzial dar. Der Artikel legt - beginnend mit einer naturwissenschaftlich fundierten Analyse der lokalen Lebens- und Entwicklungsumstände und unter Einbeziehung der Faktoren Bevölkerungswachstum und der Entwicklung terroristischer Aktivitäten in den Sahel-Staaten - die Grundlage eines Gesamtbilds, das durch eine entsprechende sicherheitspolitische Analyse der Auswirkungen ergänzt wird. Es wird somit die strategische Bedeutung dieses Raums für Europa/Die Europäische Union nachhaltig unter Beweis gestellt und eine ernsthafte politische Diskussion mit nachhaltigen Lösungsansätzen in den Kernbereichen eingefordert. Die Bewältigung der an der Südflanke Europas verstärkt ansteigenden Flüchtlingsströme stellt eine humanitäre Verpflichtung dar, die aber keinesfalls die notwendige Verbesserung der in den Staaten der Sahelzone liegenden Ursachen ersetzen kann. Weder die bereits durch stetig anwachsende humanitäre Probleme betroffenen europäischen (National)Staaten noch die Union selbst scheinen sich dieser umfassenden Problematik wirklich bewusst und bereit zu sein, ihr im Rahmen einer europäischen Strategie, die weit über den erwähnten Sahel-Plan hinausgehen müsste, entgegen zu treten. Dies würde allerdings eine vorangehende, umfassende Änderung der EU-Verträge in Richtung einer einheitlichen politischen Führung bedingen. Es muss somit klar gesagt werden, dass aller Erfahrung nach Probleme dieser Größenordnung und Bedeutung - neben anderen an der Nordost- und der Ostflanke der Union - heute und in naher Zukunft weder von den nationalen Mitgliedsstaaten der EU im Alleingang, noch einer politisch nicht vereinigten Union umsetzungsmäßig gelöst werden können.