Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr

Wolfgang Spalj

 

Das operative Zentrum aller Auslandseinsätze der Bundeswehr bildet das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Geltow bei Potsdam. Seit 2002 ist durch das BMLVS ein Verbindungsoffizier zu diesem im Sommer 2001 aufgestellten Kommando entsandt. Seit diesem Zeitpunkt wird die Funktion des so bezeichneten „Leitenden Planungsoffiziers/Potsdam“ durchgehend durch einen Generalstabsoffizier wahrgenommen, „welcher im Rahmen seiner Tätigkeit engen Kontakt zu jenen Stellen im Kommando hält, welche für die nationale österreichische Einsatzführung von wesentlicher Bedeutung sind. Darüber hinaus besteht ein allgemeiner Auftrag zur Informationsgewinnung überhaupt“. Aus der bilateralen Vereinbarung zwischen dem Bundesministerium der Verteidigung der Bundesrepublik Deutschland und dem Bundesministerium für Landesverteidigung der Republik Österreich über die Entsendung von Verbindungsoffizieren ist die Aufgabenstellung des AUT-VO zu entnehmen, die lautet: „Die Aufgabe des Verbindungsoffiziers besteht in der Vertiefung der bilateralen Zusammenarbeit zwischen den Streitkräften Österreichs und der deutschen Bundeswehr. Er trägt dafür Sorge, dass ein regelmäßiger Informationsaustausch aufgebaut und erhalten wird. So koordiniert er den Informationsbedarf zwischen Dienststellen der aufnehmenden Partei und Dienststellen der entsendenden Partei in allen Fragen der bilateralen Zusammenarbeit. Daneben soll der Verbindungsoffizier ebenso Einblick in die grundsätzlichen Strukturen, Führungs- und Einsatzgrundsätze der aufnehmenden Partei erhalten wie auch Einblicke in die entsprechenden Grundsätze der entsendenden Partei gewähren. Ziel ist die Förderung einer engen Zusammenarbeit zwischen den österreichischen Streitkräften und der Bundeswehr, damit Erfahrungen, fachliche Kenntnisse und Einsatzgrundsätze beider Streitkräfte ihnen gemeinsam zugute kommen.“ 1)

Die Aufgaben des österreichischen Verbindungsoffiziers zum EinsFüKdoBw lassen sich folgendermaßen taxativ zusammenfassen:

- Koordinierung/Vertiefung der bilateralen Zusammenarbeit hinsichtlich gemeinsamer AuslE ÖBH und DBw,

- Unterstützung der Führung von AuslE durch das EinsFüKdoBw durch Beiträge zur Lagebeurteilung,

- Bündeln/Harmonisieren von fach-/ausbildungspezifischen Anfragen von AuslE durch AUT an EinsFüKdoBw und umgekehrt,

- Information des BMVg/Nachordnung hinsichtlich AUT-Planungen zu AuslE sowie MilStrukt in der EU und umgekehrt,

- Koordinierung und Vertiefung der bilateralen Zusammenarbeit im o.a. Bereich,

- Information/Beratung des BMVg/Nachordnung in allen Angelegenheiten AuslE, mil Entwicklungen AUT.

Ein kurzer geschichtlicher Abriss der Liegenschaft des EinsFüKdoBw

Der Name Henning-von-Tresckow-Kaserne erinnert an den Generalmajor und führenden Kopf des militärischen Widerstandes gegen Adolf Hitler, der im Juli 1944 ermordet wurde. Für die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr macht sein Name den ethischen Grundsatz deutlich, dass der militärische Befehl und der soldatische Gehorsam unlösbar an Recht und Gewissen gebunden sein müssen.

Die heutige Henning-von-Tresckow-Kaserne wurde in den 1930er-Jahren als Luftwaffenschule errichtet. Während des Zweiten Weltkrieges wurde sie von rückwärtigen Teilen des Generalstabes der Luftwaffe als Führungseinrichtung genutzt.

Nach dem Krieg zunächst von sowjetischen Besatzungsgruppen belegt, beherbergte sie ab 1956 die Luftverteidigungsschule der Nationalen Volksarmee und schließlich das Kommando der Landstreitkräfte der Nationalen Volksarmee.

1990 wurde die Kaserne an die Bundeswehr übergeben, die hier zunächst das Heereskommando Ost aufstellte, aus dem 1991 das Korps- und Territorialkommando Ost hervorging. Diese beiden Kommandos führten in der Übergangsphase den Aufbau des Heeresanteils der Bundeswehr in den neuen Bundesländern.

1995 wurde hier das Kommando des IV. Korps aufgestellt. Im Sommer 2001 wurde das IV. Korps aufgelöst, und seit dem 9. Juli 2001 ist das Einsatzführungskommando der Bundeswehr der Hauptnutzer der Kaserne.

 

Die Gliederung und Aufgabenerfüllung des EinsFüKdoBw

Mit dem Dresdner Erlass vom März 2012 hat der Bundesminister der Verteidigung dem Generalinspekteur der Bundeswehr die Verantwortung für die Planung, Vorbereitung, Führung und Nachbereitung der Einsätze der Bundeswehr übertragen. Neben seinen Befehlsbefugnissen gegenüber den Streitkräften führt der Generalinspekteur seither die Einsätze der Bundeswehr über die ihm unterstellten Abteilungen, insbesondere die Abteilung Strategie und Einsatz sowie über das Einsatzführungskommando der Bundeswehr. Ferner wurde festgelegt, dass während laufender Einsätze im Ausland Weisungen für die Einsatzkontingente ausschließlich innerhalb dieses Unterstellungsverhältnisses erfolgen.

Unter Beibehaltung des Grundprinzips der dreistufigen Steuerung und Führung stellt die alleinige Zuständigkeit des Einsatzführungskommandos für die Führung von Einsätzen der Bundeswehr im Ausland auf operativer Ebene eine wesentliche Veränderung in der Führungsstruktur der Bundeswehr dar, und das EinsFüKdoBw ist direkt dem Generalinspekteur unterstellt.

Das Einsatzführungskommando koordiniert und plant die für die Einsätze im Ausland vorgesehenen Kräfte. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit den Kommandos der Teilstreitkräfte und militärischen Organisationsbereichen. Allerdings ist das EinsFüKdoBw berechtigt, in einsatzrelevanten Belangen Weisungen zu erteilen.

Die truppenstellenden Kommandos bleiben verantwortlich für die Vor- und Nachbereitung ihrer personellen und materiellen Beiträge für die Einsatzkontingente - einschließlich der einsatzvorbereitenden Ausbildung - sowie für deren personelle und materielle Durchhaltefähigkeit.

Erst mit der Verlegung in das Einsatzgebiet werden die Truppenteile dem Befehlshaber Einsatzführungskommando unterstellt (TOA). Danach erfolgt national die Führung aus „einer Hand“. Das heißt, von der strategischen Ebene „nach unten“ bzw. von der taktischen Ebene „nach oben“ gibt es nur einen Ansprechpartner, das Einsatzführungskommando der Bundeswehr.

Der Auftrag des EinsFüKdoBw wird als nationale Einsatzplanung, Einsatzführung und Einsatzauswertung auf operativer Ebene definiert und gliedert sich im Wesentlichen in nachfolgend dargestellte Aufgaben:

- Koordination und Planung der für die Einsätze im Ausland vorgesehenen Kräfte in Zusammenarbeit mit den Kommandos der Teilstreitkräfte und militärischen OrgBereiche,

- Führung (24/7) truppendienstlich und für den Einsatz aller Einsatzkontingente und sonstigen Einsatzkräfte inkl. Gesamteinsatzführung der deutschen Spezialkräfte im Einsatzgebiet,

- nationale Krisen- und Risikovorsorge in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt (AA),

- regelmäßige Entsendung von KUT zur Beratung der deutschen Auslandsvertretungen,

- Unterstützung des Auswärtigen Amtes (AA) bei diplomatischen Evakuierungsoperationen und operative Führung militärischer Evakuierungsoperationen bzw. militärischer Operationen zur Lösung von Geisellagen,

- Erarbeitung organisationsbereichsübergreifender operativer oder einsatzbezogener Grundsatz- und Planungsdokumente im nationalen und multinationalen Rahmen,

- Weiterentwicklung der Grundlagen einsatzbezogener streitkräftegemeinsamer Kontingentausbildung,

- Umsetzung identifizierter Einsatzerfahrungen in die EVA.2)

Im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr wurde auch das EinsFüKdoBw einer Umstrukturierung unterzogen und der Bereich des ehemaligen Führungsstabes aufgelöst und im BMVg Abteilung Strategie und Einsatz integriert. (Auf die Zusammenarbeit mit den entsprechenden Stellen im BMVg wird noch in weiterer Folge eingegangen.)

Das EinsFüKdoBw konnte im Rahmen der Umgliederung einen Personalaufwuchs bei Stabsoffizieren um 19%, bei SanO um 30% und bei den restlichen Offizieren um 21% verzeichnen. Bei den Mannschaftsdienstgraden kam es aufgrund der Aufgabenstellung zu einer Reduktion, allerdings ist das Personal EinsFüKdoBw insgesamt um 21% angewachsen (von ursprünglich 471 auf 592 Dienstposten). Auch bei der Besetzung der Dienstposten genießt das EinsFüKdoBw Priorität, was zu einer über 90%igen Besetzung führt. Das Schwergewicht beim Personalaufwuchs lag eindeutig im Bereich der J2-Abteilung.

Insgesamt hat das Kommando rund 600 Mitarbeiter, die aus allen Teilstreitkräften und Organisationsbereichen der Bundeswehr stammen. Sie waren Kommandeure unterschiedlichster Führungsebenen und Verbandstypen, sie waren Kommandanten von Kriegsschiffen, sie sind Piloten, Personal-, Fernmelde- oder Nachrichtenfachleute, Logistiker, Ärzte, Verwaltungsbeamte, Soldaten der Spezialkräfte, Beamte der Rechtspflege, Dolmetscher und so weiter. Viele waren zuvor in NATO-Stäben eingesetzt, sehr viele haben eigene Einsatzerfahrung. Darüber hinaus sind in das Kommando Verbindungsoffiziere aus befreundeten Staaten integriert.

Um seine Aufgaben erfüllen zu können und mit alliierten und NATO-Stäben kompatibel zu sein, unterscheidet sich die Gliederung des Einsatzführungskommandos von der üblichen Bundeswehr-Stabsstruktur. Es entspricht in seinem Aufbau vielmehr einem NATO-Hauptquartier und stellt sich folgendermaßen dar:

 

 

Dem Befehlshaber (Generalleutnant) unmittelbar unterstellt sind die Bereiche Rechtsberatung, politische Beratung, Controlling, ADSB (Administrative Datenschutzkomponente), Presse- und Informationszentrum (PIZ), Gleichstellungsbeauftragte, der Personalrat sowie der Interkulturelle Einsatzberater (IEB) und die Abteilung SpezOp. Dem Stellvertretenden Befehlshaber (Generalmajor oder Konteradmiral) unterstehen das Zentrum C-IED EinsFüKdoBw (wurde mit Umgliederung dem EinsFüKdoBw unterstellt), das Stabs- und Fernmeldebataillon und alle Beobachtermissionen sowie der Bereich KE SASPF. Neben der Abteilung Einsatzkoordination, die nachfolgend noch darzustellen sein wird, sind dem Chef des Stabes (Brigadegeneral) ein Leitungsbüro, der Bereich Parlamentarische Anfragen/Strategische Kommunikation und ein Bereich Zentrale Aufgaben zugeordnet.

 

Die Rechtsberatergruppe

Die Rechtsberater haben den Auftrag, das Kommando in allen Fragen des Einsatzrechtes und des Rechtes der Operationsführung sowie im nationalen und im Völker- und Europarecht zu beraten. Sie nehmen als Stabsoffiziere an Auslandseinsätzen teil, um den Truppen vor Ort beratend zur Seite stehen zu können. Kommt es im Einsatz zu strafrechtlichen Ermittlungen, vermittelt der Rechtsberater zur Staatsanwaltschaft bei dem dafür zuständigen Landgericht. Im Nebenamt ist der Rechtsberater Wehrdisziplinaranwalt und vertritt die Anschuldigung gegen einen Soldaten, der seine Dienstpflichten in so hohem Maße verletzt hat, dass ein gerichtliches Disziplinarverfahren notwendig ist.

 

Das Dezernat Controlling

Das Dezernat Controlling ist dem Befehlshaber des Einsatzführungskommandos direkt unterstellt und berät ihn bei der Anwendung und Weiterentwicklung des Einsatzcontrolling. Darunter fallen im Einzelnen Fachaufgaben wie die Analyse von steuerungsrelevanten Faktoren der Einsatzdurchführung, die Optimierung von Verfahrensabläufen und die Mitwirkung bei der Entwicklung einer einheitlichen Kostenrechnung der Bundeswehr.

Darüber hinaus arbeitet es dem Bundesministerium der Verteidigung zu und deckt so den einsatzbezogenen Informationsbedarf des Generalinspekteurs der Bundeswehr.

Mit der Informationsplattform Einsatzdurchführung betreibt das Dezernat Controlling ein SASPF-gestütztes und zukunftsorientiertes Informationsmanagement für die Einsätze der Bundeswehr und unterstützt auf diese Weise das Bemühen um eine bundeswehrweite Harmonisierung der Datenverarbeitungsgrundlagen.

Für ein aktives Veränderungsmanagement der Streitkräfte im Sinne einer kontinuierlichen Verbesserung interner Abläufe und Verfahren stellt das Dezernat den KVP3)-Beauftragten des Einsatzführungskommandos.

 

Das Presse- und Informationszentrum

Dem Presse- und Informationszentrum obliegt die Beratung des Befehlshabers in pressefachlichen Angelegenheiten sowie die Informationsarbeit für die Einsätze. Weiters betreibt das Presse- und Informationszentrum den Internetauftritt des EinsFüKdoBw unter http://einsatz.bundeswehr.de und die Organisation und Betreuung von sämtlichen Besuchen im EinsFüKdoBw (ca. 4.000 Personen im Jahr). Der Ltr PIZ ist der Sprecher des Befehlshabers EinsFüKdoBw.

Die Abteilung Spezialoperationen

Die Abteilung Spezialoperationen berät den Befehlshaber EinsFüKdoBw in allen Angelegenheiten und Fragen zu nationalen/multinationalen Spezialkräften und führt im Auftrag Befh EinsFüKdoBw die Spezialkräfte und Einsatzverbände der Spezialkräfte der Bundeswehr (EinsVbd SpezKrBw) im Einsatz.

 

Die Gleichstellungsbeauftragte

Die Gleichstellungsbeauftragte ist in die Entscheidungsprozesse ihrer Dienststelle eingebunden. Darüber hinaus ist sie über alle personellen, organisatorischen und sozialen Angelegenheiten frühzeitig zu informieren und wirkt bei allen entsprechenden Maßnahmen mit. Zusätzlich fungiert sie als Ansprechstelle in Fragen zum Thema Vereinbarkeit Familie und Dienst für alle Soldatinnen und Soldaten des EinsFüKdoBw.

 

Der Personalrat

Der Personalrat stellt die Interessenvertretung aller Beschäftigten (Arbeitnehmerinnen/Arbeitnehmer, Beamtinnen/Beamten und Soldatinnen/Soldaten) des Stabes EinsFüKdoBw und des Unterstützungspersonals dar.

 

Das Dezernat Beobachtermissionen

Das Dezernat Beobachtermissionen nimmt für die im Rahmen von Missionen der Vereinten Nationen (VN), der Europäischen Union (EU) und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) eingesetzten Soldatinnen und Soldaten für das Einsatzführungskommando die truppendienstliche Führung inklusive Betreuung und Fürsorge wahr. Die operative Führung der als Militärbeobachter, Stabspersonal oder „Expert on Mission“ (EoM) eingesetzten Soldatinnen und Soldaten dieser Missionen liegt je nach Mandat bei den jeweiligen internationalen Organisationen. Darüber hinaus stellt das Dezernat die Personalrotation für die Missionen sicher und ist für die Koordination und Durchführung der gesamten einsatzspezifischen Ausbildung sowie Einsatzvor- und -nachbereitung der Soldaten verantwortlich.

 

Das Zentrum Counter-IED

Das Zentrum Counter-IED wurde im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr dem Einsatzführungskommando der Bundeswehr direkt unterstellt. Es berät den Befehlshaber in allen Angelegenheiten C-IED und stellt die Fachexpertise C-IED für alle Einsatzgebiete/Operationen bereit. Für die unmittelbare Beratung ist durch das Zentrum C-IED ein Verbindungselement beim EinsFüKdoBw eingerichtet. Des Weiteren ist das Zentrum C-IED die zentrale Ansprechstelle für alle einsatzbezogenen Aufgaben C-IED für das BMVg, für die Bundeswehr und für multinationale Partner. Es plant mit, koordiniert und unterstützt bei der Führung der Kräfte, Mittel und Fähigkeiten C-IED im Einsatz und stellt dazu die IED-Bedrohung und die C-IED-Lage in allen Einsatz- und Krisengebieten fest, wertet diese aus und bewertet sie, um den Befehlshaber EinsFüKdoBw, die jeweiligen Einsatzkontingente und die Stabsabteilungen des EinsFüKdoBw in allen Angelegenheiten C-IED zu beraten. Hierzu ist das Zentrum C-IED wie folgt gegliedert:

 

Das Stabs-/Fernmeldebataillon

Das EinsFüKdoBw verfügt mit dem Stabs-/Fernmeldebataillon über einen eigenen Unterstützungsverband, der dem stellvertretenden Befehlshaber unterstellt ist. Die Abstimmung und Koordination der Stabsunterstützung erfolgt unmittelbar mit den Abteilungsleitern und dem Chef des Stabes. Der Kommandeur ist zudem Kasernenkommandant der Henning-von-Tresckow-Kaserne mit insgesamt sechs Einliegerdienststellen.

Das Stabs-/Fernmeldebataillon gliedert sich in zwei Kompanien und den Stab. Während der Stab querschnittliche Aufgaben wahrnimmt, stellt die Unterstützungskompanie einsatzbereites Personal zur Stabsunterstützung für die Abteilungen und selbstständigen Dezernate bereit, und die Stabsversorgungskompanie ist in erster Linie für den technischen Betrieb, die Realversorgung und Ausbildungsunterstützung verantwortlich.

 

Die Abteilung Einsatzkoordination

Im Unterschied zu einer allgemein gebräuchlichen Stabsgliederung wurde die Abteilung Einsatzkoordination (Ltr - OberstiG) gebildet, in der nicht nur die OPz inkl. Einsatztagebuchführung abgebildet sind, sondern auch Einsatzgruppen für die verschiedenen Einsätze gebildet wurden. Der Leiter der Abteilung Einsatzkoordination ist auch gleichzeitig Vertreter des Chefs des Stabes.

 

 

 

Die Abteilung Einsatzkoordination ist verantwortlich für alle operativen Aspekte der Auslandseinsätze der Bundeswehr. Das umfasst die Planung zukünftiger, die Fortentwicklung bestehender und die Führung laufender Einsätze sowie die Einsatzauswertung.

Hierzu verfügt die Abteilung über alle Elemente der Lagefeststellung, -beurteilung, Entscheidungsvorbereitung und Umsetzung von Entschlüssen.

Die Operationszentrale bildet das Herzstück der Abteilung und steht als ständiger Ansprechpartner zur Verfügung. Rund um die Uhr werden sämtliche Informationen aus den Einsatzkontingenten aufgenommen. In ihrer Funktion als Informationszentrale bereitet sie Informationen auf, leitet diese an die zuständigen Stellen im Einsatzführungskommando der Bundeswehr - mit Schwerpunkt der Einsatzgruppen - weiter und fasst Reaktionen zusammen. Sie leitet Weisungen an die Kontingente und übermittelt Informationen an zahlreiche Stellen im In- und Ausland.

Wirkung ist die zentrale Aufgabe von Streitkräften - sie richtet sich gegen Kräfte, Mittel und Einrichtungen eines Gegners in allen Dimensionen, d.h. am Boden, in der Luft, auf und unter Wasser, im elektromagnetischen Spektrum, Cyber-Raum und im Informationsumfeld. In der Operationsführung sind direkte und indirekte, letale und nichtletale, physische und psychologische Wirkungen ganzheitlich zu betrachten und mit Blick auf die übergeordnete Zielsetzung zu koordinieren und zu synchronisieren.

Das Dezernat Wirksamkeit im Einsatz ist dem Leiter der Abteilung Einsatzkoordination direkt zugeordnet und nimmt für die Einsatzgebiete im Rahmen des Targeting folgende Aufgaben wahr:

- Federführung in den Aufgabenbereichen Zielplanung (ZielPl), Elektronischer Kampf(EloKa), Computernetzwerkoperationen (CNO) und Operative Kommunikation (OpKom) auf operativer Ebene,

- Sicherstellung der nationalen Teilhabe auf operativer Ebene am Targetingprozess der NATO, EU oder multinationaler Koalitionen als Grundlage für die Entscheidungsvorbereitung auf strategischer Ebene für die Erbringungsdimensionen Land, Luft, See und InfoRaum,

- Sicherstellung der Koordination für das Wirken im Informationsraum,

- Bearbeitung einsatzbezogener Konzepte und Planungen sowie Beiträge zur Weiterentwicklung zu den o.g. Fähigkeiten und Verfahren,

- Planung und Führung der eingesetzten Kräfte und Mittel der o.g. Fähigkeiten und Koordinierung deren Maßnahmen im Einsatz in enger Abstimmung mit den Einsatzgruppen.

 

Dem Dezernat Lageführung ist die OpZ zugeordnet. Die Operationszentrale ist der Ort, an dem alle wichtigen Informationen aus den weltweiten Einsätzen und für die Einsätze zusammenlaufen. Fachleute aus allen Abteilungen des Einsatzführungskommandos sind hier im Schichtbetrieb Tag und Nacht ständig präsent. Sie werten die Nachrichten aus und geben sie in die Weiterverarbeitung. Die so aufbereiteten Daten dienen zum einen zur Unterrichtung der politischen Leitung und militärischen Führung, und zum anderen entstehen daraus die täglichen Befehle und Weisungen, die das Kommando an die Einsatzkontingente gibt.

Die Kommunikationstechnik in der Operationszentrale repräsentiert den modernsten Standard und entspricht zugleich allen Anforderungen der militärischen Sicherheit, wie etwa bei der Verschlüsselung von Informationen.

In manchen Fällen führt der Befehlshaber die Operationen direkt von seinem Platz in der OpZ. Über Video-, Telefon- und Datenleitungen kann er jederzeit Verbindung zu den deutschen Einsatzkontingenten aufnehmen und sich bei Bedarf auch live ein Bild von der aktuellen Entwicklung vor Ort machen.

 

Die Einsatzgruppen stellen die Drehscheibe und das Gedächtnis für den Einsatz dar. Sie bewerten alle Informationen, beurteilen die Lage, entwickeln Entscheidungsvorschläge und setzen Entscheidungen in Maßnahmen oder Weisungen an die Einsatzkontingente um.

Die Einsatzgruppe ist als „Motor“ mit den Fachabteilungen des Kommandos über die so genannte „BV-Organisation“ verzahnt. Hierfür ist aus jedem Führungsgrundgebiet jeweils ein „Bevollmächtigter Vertreter“ (BV) eingerichtet, der zum einen die Fachexpertise in die jeweilige Einsatzgruppe einbringt und zum anderen die „Scharnierfunktion“ zu seiner Fachabteilung bzw. seinem Fachdezernat als Träger der jeweiligen fachlichen Kompetenz und Zuständigkeit bildet; Letzteres auch vergleichbar dem Prinzip des „Reach Back“-Verfahrens, insbesondere im Bereich querschnittlicher Aufgaben. Dies schließt die Wahrnehmung der gesetzlichen Schutzaufgaben mit ein. Durch die „Abstützung auf die Fachabteilung (bzw. das Fachdezernat)“ kann die Zahl der Bevollmächtigten auf ein operativ zwingend erforderliches Minimum beschränkt bleiben und ermöglicht die querschnittliche, ressourcensparende Unterstützung bei optimiertem Personalaufwand innerhalb des EinsFüKdoBw.

Ein weiterer Vorteil dieser BV-Organisation ist die Sicherstellung des Informationsflusses von den Einsatzgruppen in die Fachabteilungen hinein und umgekehrt. Dadurch bleiben die Fachabteilungen über operative Entwicklungen in allen Einsatzgebieten umfassend informiert.

 

Hierzu sind die Einsatzgruppen in ständiger Interaktion mit den Einsatzteams des Verteidigungsministeriums, stehen jederzeit in engem Kontakt mit den Kontingenten und stützen sich auf die Lagefeststellung der Operationszentrale.

Inhaltliche Schwerpunkte sind die Erarbeitung von Fähigkeitsforderungen für die Kontingente, die Erstellung und Befüllung von Dienstpostenlisten im Zusammenwirken mit den truppenstellenden Kommandos, die Planung und Durchführung der Kontingentwechsel, die Überwachung der Einhaltung deutscher und internationaler Rechtsvorschriften, die Beratung der Kontingentführer und die Auswertung aller Erkenntnisse aus den Einsätzen.

Die Abteilung verfügt über fünf Einsatzgruppen, in denen jeweils Planung, Führung und Auswertung für ein Einsatzgebiet zusammengeführt werden. Hiermit werden Kapazitäten gebündelt, Schnittstellen und Informationsverluste reduziert und damit Entscheidungsabläufe beschleunigt.

Die Einsatzgruppe 1 - Schwerpunkt - führt die Einsätze regelmäßig dann, wenn Deutschland in internationalen Einsätzen die Rolle einer Lead Nation übernimmt, oder wenn ein Einsatz nach operativer Bewertung den Schwerpunkt aller Einsätze der Bundeswehr bildet.

Bei der derzeitigen Lage liegt das Schwergewicht beim RS-Einsatz, und die Einsatzgruppe AFG ist die größte im Rahmen der Abteilung. Sie ist in die Bereiche querschnittliche Aufgaben, Einsatzführung und Einsatzplanung untergliedert und besteht aus 20 Personen. V.a. im Jahr 2014 lag das Schwergewicht der Bearbeitungen der EinsGrp AFG in der Planung der Nachfolgemission von ISAF - RESOLUTE SUPPORT.

Die Einsatzgruppe 2 - Mittel - plant, organisiert und führt die deutschen Kräfte im KFOR-Einsatz im Kosovo (inklusive aller Maßnahmen, die das deutsch-österreichische ORF-Bataillon betreffen), die NATO-Unterstützungsoperation ACTIVE FENCE in der Türkei und die deutsche Ausbildungsunterstützung im Nordirak. Diese personell kleinere Einsatzgruppe besteht aus acht Personen, davon sechs Offiziere.

Die Einsatzgruppe 3 - Maritime Operationen - hat die Planung, Führung und Auswertung der maritim geprägten Einsätze der Bundeswehr als Kernaufgabe. Derzeit bilden der maritime Anteil der „United Nations Interim Force In Lebanon“ UNIFIL sowie die deutschen maritimen Anteile in der durch die EU geführten Operation „ATALANTA“ im Rahmen der EU NAVFOR SOMALIA den Focus der Bearbeitungen. Die Einsatzgruppe MAROP besteht aus sieben Offizieren und vier Unteroffizieren aus der Marine.

Die Einsatzgruppe 4 - Standby Forces - koordiniert sämtliche deutschen militärischen Beiträge im Bereich der multinationalen Krisenreaktionskräfte der NATO (NRF) und der EU (EU BG) in Bezug auf Aufstellung und Ausplanung.

Aufgrund der intensiven deutschen Beteiligung an der EUTM MALI (Übernahme der Führung der Operation mit August 2015) wurde eine eigene, kleine Einsatzgruppe Mali unter Personalverschiebungen aus anderen Einsatzgruppen gebildet und beschäftigt sich mit der Koordinierung hinsichtlich der Aufstellung, Planung und Führung der deutschen militärischen Anteile an der EUTM MALI.

 

Die verbleibenden Abteilungen

J1-Abteilung

Die J1-Abteilung hat eine Größe von knapp 70 Arbeitsplätzen und ist nahezu komplett besetzt. Die allgemeinen Aufgaben der J1-Abteilung ergeben sich aus der Bezeichnung der einzelnen Dezernate und reichen von der Sicherstellung der personellen Einsatzbereitschaft und Durchhaltefähigkeit der deutschen Einsatzkontingente (DEU EinsKtgt) der deutschen Anteile der multinationalen Hauptquartiere (DtA MNHQ), der NATO Response Force (NRF) und der European Union Battle Groups (EU BG) über den Bereich der Inneren Führung, der allgemeinen Personalangelegenheiten des EinsFüKdoBw selbst bis hin zum Bereich des administrativen Datenschutzes.

 

 

J2-Abteilung

Die J2-Abteilung ist zuständig für das militärische Nachrichtenwesen und das Geoinformationswesen. Sie plant und steuert die nationalen Kräfte im milNW. Die Kernaufgaben der J2-Abteilung sind nachfolgend aufgeführt:

- Bereitstellen umfassender, zeitgerechter Informationen,

- Verdichten, Aufbereiten G2/A2-Lagebild,

- Planen und Steuern Nachrichtengewinnung und Aufklärung (NG&A) im Einsatz,

- nationale Teilhabe am Prozess der Ziel- und Wirkungsanalyse (ZuWA) der NATO/EU,

- Schutz von Leben und Gesundheit der Soldaten,

- militärische Sicherheit Rückverlegung,

- Bereitstellen von Wetterinformationen und Kartenmaterial.

 

 

 

J3/5/7-Abteilung

Die Abteilung Einsatzplanung/Spezialaufgaben nimmt in der neuen Struktur des EinsFüKdoBw eine besondere Rolle ein.

Sie beinhaltet Dezernate der originären Führungsgrundgebiete 3, 5 und 7, die im unmittelbaren Zusammenhang mit den Einsätzen der Bundeswehr stehen. In dieser Abteilung werden einsatzrelevante und grundsatzspezifische Fähigkeiten gebündelt, um damit die Zusammenarbeit und Kommunikation mit nationalen und internationalen Behörden und Ministerien im Rahmen der Einsätze zu forcieren.

Darüber hinaus ist die Abteilung in die Weiterentwicklungsarbeit der Streitkräftebasis eingebunden und trägt zur streitkräftegemeinsamen Konzeptentwicklung bei. Ebenso wird die Auswertung der Einsatzerfahrung zur Verbesserung der Einsatzqualität in dieser Abteilung koordiniert und geleitet.

Gleichzeitig unterstützt die Abteilung NATO und EU mit Beiträgen zur Ziel- und Wirkungsanalyse. In diesem Prozess wird ermittelt, welche Einzelschritte sinnvoll sind, um eine militärische Operation zum Erfolg zu führen.

Schließlich plant J3/5/7 die Alarmierung des eigenen Stabes und der deutschen Einsatzkontingente und setzt multinationale und nationale Bereitschaftsregelungen um. Neben diesen übergreifenden Aufgaben ist die Abteilung für Planung, Führung und Übungen nationaler Einsätze (wie z.B. MilEvakOp) verantwortlich.

 

J4-Abteilung

Die J4-Abteilung stellt für die jeweiligen deutschen Einsatzkontingente die umfassende Versorgung mit einsatzbereitem und für die Durchführung des Einsatzes notwendigem Material sicher und fungiert dabei als Koordinierungsstelle. Sie ist die Zentrale der logistischen Einsatzführung in Bezug auf Planung der Bevorratung, Priorisierung von Gütern für den Transport oder Koordinierung von Liegezeiten von Schiffen in Häfen. Des Weiteren ist die J4-Abteilung für die Bereitstellung von Unterkünften, Verpflegung, Wasser, Bekleidung, Werkstätten, Ersatzteilen, Kraftstoff und Munition verantwortlich.

 

J6-Abteilung

Die J6-Abteilung Führungsunterstützung zeichnet für die grundsätzliche Planung, die Koordination, die Steuerung und die Begleitung aller für die Führung der deutschen Einsatzkontingente notwendigen Verbindungen sowohl des entsprechenden IT-Systems der Bundeswehr als auch für die erforderliche Informationsbereitstellung mit den multinationalen Partnern verantwortlich. Auch die Sicherstellung der Führungsfähigkeit innerhalb des Einsatzführungskommandos sowie die Funktion des IT-Sicherheitsbeauftragten für die Vorgaben und Überwachung der IT-Sicherheit in den Einsatzkontingenten fallen in die Zuständigkeit der J6-Abteilung.

 

J8-Abteilung

Die J8-Abteilung ist für sämtliche Angelegenheiten des Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesens sowie für die allgemeinen Verwaltungs- und Rechtsangelegenheiten verantwortlich, die in Zusammenhang mit den Einsätzen der Bundeswehr stehen. Zusätzlich verwaltet die J8-Abteilung jene Finanzmittel, die für den Betrieb und den Unterhalt des Einsatzführungskommandos selbst nötig sind.

 

J9-Abteilung

Die J9-Abteilung des EinsFüKdoBw ist für den Bereich der zivil-militärischen Zusammenarbeit zuständig und dient in allen Fragen der zivil-militärischen Zusammenarbeit als „Scharnier“ zwischen der strategischen-politischen Ebene im Inland und der taktischen Ebene in den Einsatzgebieten. Sie koordiniert den Einsatz der CIMIC-Kräfte in den Auslandseinsätzen und ist bei Einsatzfragen erster Ansprechpartner für staatliche und nicht-staatliche Organisationen.

 

JMed-Abteilung

Die JMed-Abteilung hat alle sanitätsdienstlichen Aspekte der Auslandseinsätze zur Aufgabe, und die Sicherstellung der Versorgung der Einsatzkontingente mit allem benötigten Sanitätsmaterial wie medizintechnischen Geräten und Medikamenten stellt den Schwerpunkt der Bearbeitungen dar. Außerdem erstellt die Abteilung JMed bei Bedarf medizinische Risikoanalysen für infrage kommende Einsatzgebiete wie z.B. bei der humanitären Hilfe zur Bekämpfung von Ebola in Westafrika.

 

Die Verbindungselemente im EinsFüKdoBw

Um die an das EinsFüKdoBw gestellten Aufgaben in entsprechender Qualität erfüllen zu können, hat sich die Einrichtung von Verbindungselementen zu Dienststellen der Bundeswehr, mit denen eine permanente Abstimmung erforderlich ist, bewährt. Diese nationalen Verbindungselemente sind nachstehend angeführt:

- Verbindungselement Zentrum C-IED,

- Verbindungselement zur Luftwaffe,

- Verbindungselement zur SKB-Unterabteilung Einsatz Ausland,

- Verbindungsstelle zum Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw).

Die internationalen Verbindungsoffiziere beim EinsFüKdoBw

Zur Abdeckung des jeweiligen nationalen Informationsbedarfs für die mit der Bundeswehr gemeinsam geführten Einsätze wurden auf Grundlage bilateraler Vereinbarungen Verbindungsoffiziere zum Einsatzführungskommando der Bundeswehr entsandt. Derzeit sind am EinsFüKdoBw 14 Nationen4) mit Verbindungsoffizieren vertreten. Die Masse der Offiziere nimmt die Aufgabe des Verbindungsoffiziers als Zweitfunktion zusätzlich zur Funktion des stellvertretenden Verteidigungsattachés oder Verteidigungsattachés (DNK, EST; LTU) wahr. Als hauptamtliche Verbindungsoffiziere agieren die Vertreter von AUT, BEL, FRA und HUN. NDL hat einen so genannten Austauschoffizier entsandt, der im Rahmen der Einsatzgruppe Schwerpunkt für den Aufgabenbereich Resolute Support vollinhaltlich eingebunden ist. Zusätzlich sind die meisten Verbindungsoffiziere im BMVg Abteilung Strategie und Einsatz akkreditiert, was den Zugang zu den ministeriellen Gremien erleichtert.

Um den unterschiedlichen Informationsbedarf der verschiedenen Nationen strukturiert abdecken zu können, wurde seitens EinsFüKdoBw in Zusammenarbeit mit dem Doyen der Verbindungsoffiziere (derzeit durch AUT gestellt) ein Besprechungsrhythmus entwickelt, der auch auf die Verschiedenartigkeit der einzelnen Nationen Rücksicht nimmt. Einmal pro Monat findet ein Gespräch der VOs mit dem Befehlshaber statt, in dem der Befehlshaber einen Überblick über die einzelnen Einsatzgebiete und eine persönliche Einschätzung der Gesamtlage gibt. In diesem Zusammenhang ist es (wie bei allen noch nachfolgend angeführten Informationen) möglich und gewünscht, Anfragen in der relevanten Führungsebene zu stellen; eine Möglichkeit, die durch die VOs in Abstimmung mit den jeweiligen Vertretungen in Deutschland oder Dienststellen in der Heimat auch in Anspruch genommen wird. Umgekehrt haben die VOs in allen Informationsgesprächen die Möglichkeit, über einsatzrelevante Sachverhalte entsprechend zu informieren und damit auch den Informationsfluss zum EinsFüKdoBw sicherzustellen. Zusätzlich zum Gespräch mit dem Befehlshaber erfolgt monatlich eine umfassende Information durch die Abteilung Einsatzkoordination, durch die Abteilung J2 und im Rahmen der so genannten Stabsinformation, in der alle anderen Abteilungen des Kommandos ihren Beitrag leisten. Wöchentliche Abstimmungen zwischen den internationalen Verbindungsoffizieren runden die Informationsbereitstellung ab, sodass in Zusammenschau aller Besprechungen und in Verbindung mit den zur Verfügung gestellten Dokumenten des EinsFüKdoBw jedem VO ein umfassendes Angebot an Informationen für die eigene Auftragserfüllung zur Verfügung steht. Die persönliche Kontaktaufnahme mit den jeweiligen Bereichen im EinsFüKdoBw und im BMVg verdichtet dieses Informationsangebot. Aus Sicht der Führung des EinsFüKdoBw stellt die Etablierung der internationalen Verbindungsoffiziere einen wesentlichen Beitrag zur bi- wie multilateralen Auftragserfüllung im Einsatz dar.

 

Die Zusammenarbeit mit dem BMVg/Abteilung Strategie und Einsatz

Die Abteilung Strategie und Einsatz unterstützt den Generalinspekteur im Verteidigungsministerium bei der Wahrnehmung der Funktion als militärischer Berater der Bundesregierung.

Im Rahmen der Ausgestaltung der Militärpolitik werden in der Abteilung Strategie und Einsatz die erforderlichen militärpolitischen Grundlagen konzipiert und erarbeitet.

Dies schließt auch Fragen der deutschen Interessenvertretung in internationalen militärischen Gremien einschließlich der Zuständigkeit für die Weisungsgebung an den deutschen militärischen Vertreter in den Militärausschüssen der NATO und der EU ein.

Die Abteilung Strategie und Einsatz unterstützt den Generalinspekteur bei seiner Mitwirkung an den vorbereitenden Maßnahmen der Beschlussfassung der Bundesregierung sowie der konstitutiven Zustimmung des Deutschen Bundestages zum Einsatz bewaffneter deutscher Streitkräfte im Ausland. In ihr erfolgt die strategische Steuerung der Einsätze der Bundeswehr. Sie erarbeitet die strategische Weisungsgebung an das Einsatzführungskommando der Bundeswehr sowie die strategischen Planungen, die Einsatzgrundlagen und militärischen Entscheidungsvorschläge zu ressortübergreifenden Konzepten.

 

Die Abteilung Strategie und Einsatz besteht aus

- der Unterabteilung Militärisches Nachrichtenwesen,

- der Unterabteilung Militärpolitik und Einsatz sowie

- der Unterabteilung Unterstützung.

Die Abteilung SE ist vergleichbar mit der Sektion IV im BMLVS und wird von einem Generalleutnant geführt, als Stellvertreter ist ein Generalmajor und als Unterabteilungsleiter sind jeweils Brigadegeneräle bzw. Flotillienadmiräle vorgesehen. Wie aus der Grafik ersichtlich, sind die einzelnen Dezernatsleiter (vergleichbar mit Abteilungsleitern im BMLVS) als Oberstposten bzw. Kapitän zur See ausgewiesen.

 

V.a. die verschiedenen Einsatzgruppen der Abteilung Einsatzkoordination pflegen engen Kontakt mit den jeweiligen Dezernaten der Abteilung Strategie und Einsatz im BMVg. Diese Dezernate sind in der Unterabteilung 2 (SE II) abgebildet und werden in weiterer Folge dargestellt.

Das Dezernat SE II 1 deckt schwergewichtmäßig den Einsatzraum ISAF ab.

Im Dezernat SE II 2 werden die Einsatzräume Balkan sowie - derzeit zusätzlich - Türkei (Active Fence!) und OSCE SMM UKRAINE bearbeitet.

Der Einsatz im Mali wird im Dezernat SE II 3 u.a. bearbeitet.

Diese drei Dezernate stellen auch die wesentlichen Ansprechpartner für VOP in ministeriellen Fragen der verschiedenen Einsätze dar. Grundsätzlich ist anzuführen, dass die Zusammenarbeit EinsFüKdoBw mit dem BMVg aus Sicht VOP nach einer Zeit der Anlaufschwierigkeiten (Umgliederung BMVg sowie EinsFüKdoBw) hinsichtlich der Zuständigkeiten bzw. Schnittstellen nun nahezu reibungslos funktioniert.

 

Zusammenfassung/Ausblick

Die derzeitige Gliederung des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr ist stringent an die Einsatzerfordernisse angepasst und wurde im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr konsequent umgesetzt. Die Zusammenführung der verschiedenen Einsatzräume in einer Abteilung unter Hinzuziehung der Beauftragten aus den Bereichen J1 bis JMed erweist sich als äußerst praktikabel und effizient. Die Arbeitsprozesse zwischen der ministeriellen Ebene - BMVg/Abteilung Strategie&Einsatz - und der operativen Ebene EinsFüKdoBw haben sich eingespielt und verlaufen entsprechend.

Die Entsendung des Verbindungsoffiziers seit mittlerweile über zehn Jahre durch das BMLVS hat sich bewährt und gewährleistet direkte Verbindung und den Informationsaustausch zum operativen Kommando der Bundeswehr und zu den relevanten Dienststellen des BMVg in Bezug auf die bilaterale Organisation der gemeinsam geführten Einsätze. Aber auch bei sich abzeichnenden neuen Einsätzen, an denen sich die Bundeswehr beteiligen will, ermöglicht die Informationsgewinnung durch den Verbindungsoffizier die frühzeitige nationale Beurteilung hinsichtlich einer möglichen bilateralen Kooperation.

 


 

ANMERKUNGEN:

1) Bilaterale Vereinbarung zwischen BMVg und BMLV.

2) Einsatzvorbereitende Ausbildung.

3) Das Kontinuierliche Verbesserungsprogramm (KVP) ist ein wesentliches Instrument, um innerhalb der Bundeswehr Abläufe und Verfahren zu optimieren, Kosten zu senken, Arbeitsbedingungen zu verbessern und bürokratische Hürden abzubauen.

4) AUT, BEL, DNK, EST, FIN, FRA, GBR, HRV, HUN, LTU, NLD, NOR, SWE, USA.