Die ungarische Verwaltungsuniversität

Harald Pöcher

 

Im Jahre 2012 wurde in Budapest die „Nemzeti Közsolgálati Egytem/Nationale Universität für die öffentlichen Dienste“ gegründet und als Sitz der Universität das geschichtsträchtige Gebäude am Ludovica ter auserkoren, das bereits 1808 als erste Ausbildungsstätte für die höhere militärische Ausbildung in Ungarn vorgesehen war.1) Mit der Gründung der neuen Universität verfolgte die Regierung Orbán bewusst eine Verbesserung der höheren Ausbildung von öffentlich Bediensteten durch den Zusammenschluss des Wissens der ehemaligen Verteidigungsuniversität, der Polizeioffiziershochschule und der Fakultät für die öffentliche Verwaltung der Corvinus Universität.2) Hinzu kam 2015 durch Neugründung eine Fakultät für Europa- und internationale Studien. Der vorliegende Aufsatz blickt hinter die Kulissen der neuen Universität und versucht dadurch die Vorteile herauszuarbeiten, die die neue Universität den Studierenden bietet und welche beruflichen Chancen die Studenten nach einem positiven Abschluss erwarten können. Des Weiteren vergleicht der Autor die Ausbildung der öffentlich Bediensteten in Ungarn mit jener der öffentlich Bediensteten in Österreich und gibt - auf den Resultaten dieses Vergleiches aufbauend - Empfehlungen für die Ausbildung der öffentlich Bediensteten in Österreich.

 

A haza szolgálatában (Der Heimat zu dienen)

Der Autor habilitierte sich im Jahre 2008 an der Zrínyi Miklós Nemzetvédelmi Egyetem (ZMNE), der ehemaligen Militäruniversität der ungarischen Streitkräfte, in Militärwissenschaften (Hadtudomány) mit Spezialfach Verteidigungsökonomie (Védelemgazdaság). Der Beginn des Habilitationsverfahrens geht bereits auf das Jahr 2002 zurück, in dem er einen ersten Kontakt zur Militäruniversität und seinem Lehrpersonal hergestellt hatte. Im Zuge des fünfjährigen Prozesses bis zum Abschluss der Habilitation fanden zahlreiche Forschungsaufenthalte in Ungarn, Vorträge und Workshops statt, bei denen der Autor nicht nur exzellente Fachleute in ihren jeweiligen Forschungsbereichen kennenlernen konnte, sondern auch Freunde fürs Leben fand, die wesentlich dazu beigetragen haben, dass sein Wissen über Ungarn und seine Bevölkerung bereichert wurde.

Nach der Habilitation blieb der Autor der Militäruniversität in Budapest weiterhin verbunden und nahm an Forschungsreisen und Symposien teil, die vom Lehrpersonal der Universität organisiert wurden. Es gehört auch zu einer lieb gewordenen Tradition, dass der Autor in Uniform am alljährlich stattfindenden Festakt anlässlich der Ausmusterung der neuen Leutnante der ungarischen Streitkräfte am 20. August in Budapest teilnimmt und dabei im Kreise des Lehrpersonals der Universität für öffentliche Dienste jedes Jahr herzlich willkommen geheißen wird.

Noch vor dem offiziellen Gründungsakt der neuen Universität im Januar 2012 erhielt der Autor eine erste Einweisung über die Absicht der Gründung der Universität für die öffentlichen Dienste und konnte auch die Renovierungsarbeiten am geschichtsträchtigen Gebäude am Ludovika tér im achten Budapester Bezirk Józsefváros im Stadtteil Pest besichtigen. In den Gesprächen mit den für die Umsetzung des neuen Projekts Verantwortlichen wurde bald klar, wohin die Reise der neuen Universität gehen sollte: „Durch das Schaffen von Synergien zwischen den unterschiedlichen Aufgabenträgern in der öffentlichen Verwaltung sollten ,die Fähigkeiten zum Dienen für die Heimat´ noch effizienter ausgebildet und damit ein noch höherer Grad an Effizienz in der öffentlichen Verwaltung und in all ihren Teilbereichen erreicht werden können.“ Im Klartext bedeutete dies, dass die Polizei vom Militär und umgekehrt die Diplomaten von Militär und Polizei sowie die akademisch gebildeten zivilen öffentlichen Bediensteten von den uniformierten Staatsdienern und umgekehrt unter einem Dach vereint in einer Universität voneinander lernen können. Ein weiterer, aber in der Praxis nicht unbedeutender Nebeneffekt der Gründung dieser Universität, besteht auch darin, dass auch der Abbau von Vorurteilen zwischen den einzelnen Berufsgruppen des öffentlichen Dienstes ermöglicht wird und damit der öffentliche Dienst in Ungarn mit einem neuen Korpsgeist belebt werden wird.

Die Gründungszeremonie der neuen Universität fand im Parlament im Beisein des Premierministers Viktor Orbán, des Innenministers Sándor Pintér, des Verteidigungsministers Csaba Hende und des Ministers für Verwaltung und Justiz Tibor Navracsis am 11. Jänner 2012 statt. Bei diesem Festakt wurden dem Rektor András Patyi die Insignien der neuen Universität überreicht. In einem weiteren Staatsakt wurde unter Anwesenheit des Premierministers der Beginn des ersten akademischen Jahres an der neuen Universität am 3. September 2012 gefeiert, bei dem der Premierminister auch einen Vortrag hielt. Danach wurde der Studienbetrieb in den einzelnen Fakultäten, Instituten und Forschungseinrichtungen und Forschungszentren ganz nach dem Motto „Der Heimat dienen - A haza szolgálatában“ formal aufgenommen. Der Ludovika Campus wurde schließlich am 31. März 2014 im Beisein des Premierministers Viktor Orbán, des Rektors András Patyi, des Ministers für Verwaltung und Justiz Mr. Tibor Navracsics, des Innenministers Sándor Pintér, des Verteidigungsministers Csaba Hende und anderer bedeutender Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens feierlich eröffnet.

 

Die Organisation der Universität für die öffentlichen Dienste

Die Nemzeti Közszolgálati Egyetem versteht sich als zentrale Ausbildungsstätte für die öffentlichen Dienste3) und als Think-tank für die öffentliche Verwaltung. Eine Besonderheit der Universität ist ihre Unterstellung unter den Premierminister und die Minister für Verteidigung, Inneres und Justiz. Der Rektor kann sich daher glücklich schätzen, von mehreren Stellen Geld für die Auftragserfüllung zu bekommen.

Die Universität besteht aus dem Rektorat und den dem Rektorat angeschlossenen Verwaltungseinrichtungen sowie einigen speziellen akademischen Einrichtungen und den vier Fakultäten Militärwissenschaften und Offiziersausbildung, Polizeiwissenschaften, Öffentliche Verwaltung, Europa und internationale Studien.

Der Personalstand der Universität umfasst 2016 rund 550 hauptamtliche Professoren, Dozenten und Assistenten sowie 480 Verwaltungsbedienstete. An der Universität studieren zurzeit 5.800 Studenten, 2.800 davon als Vollzeitstudenten und 3.000 als Teilzeitstudenten. Die Anzahl der Graduierungen beträgt pro Jahr rund 1.100.

Der Rektor ist Professor Dr. András Patyi; ihn unterstützen Brigadegeneral (Militär) Professor Dr. József Padányi als Vizerektor für Wissenschaften, Brigadegeneral (Polizei) Dozent Dr. Gábor Kovács als Vizerektor für Ausbildung, Dr. Norbert Kis als Vizerektor für Fortbildung und internationale Beziehungen, Dr. József Horváth als Generalsekretär und Lajos Fülöp als Finanzmanager.

Es sei an dieser Stelle des Aufsatzes gestattet, einige Bemerkungen zu den militärischen Dienstgraden des akademischen Funktions- und Lehrpersonals der Universität für die öffentlichen Dienste anzubringen. Das Dienstgradsystem der ungarischen Streitkräfte wurde nach dem Beitritt Ungarns zur NATO 1999 an die in der NATO übliche Praxis der Vergabe von Dienstgraden an Offiziere in Leitungs- und Kommandantenfunktion, in hohen Stäben, bei der Truppe und in militärischen Bildungseinrichtungen angeglichen. Im gesamten Bündnisbereich gilt daher die Empfehlung „die gleiche Verantwortung - der gleiche Dienstgrad“. Es ist daher gelebte Praxis, dass Rektoren von Militäruniversitäten höchstens den Dienstgrad Generalmajor oder Brigadegeneral, die Dekane von Fakultäten Oberst oder Brigadegeneral erreichen können. Es ist dabei auch selbstverständlich, dass dieser Personenkreis sich nur aus der Professorenschaft rekrutieren kann und die dafür in Frage kommenden Offiziere ein hochwertiges PhD-Studium absolviert haben oder habilitiert sein müssen.

 

Die Fakultät für Militärwissenschaften und Offiziersausbildung (Hadtudományi és Honvédtisztképző Kar)

Die akademische Ausbildung des Offiziersnachwuchses der ungarischen Streitkräfte kann auf eine lange Traditionsgeschichte zurückblicken. Die ehemalige Militäruniversität „Zrínyi Miklós Nemzetvédelmi Egyetem“ hatte ihre Wurzeln in der 1955 gegründeten Militärakademie „Zrínyi Miklós“ und bestand bis zur Gründung der neuen Universität. Die Fakultät für Militärwissenschaften und Offiziersausbildung4) ist weiterhin am alten Standort der ehemaligen Militäruniversität am Hungária körut im zehnten Bezirk in Budapest Köbánya im Stadtteil Pest untergebracht. Am Campus befinden sich auch die Fachbereichsbibliothek mit mehr als 500.000 militärspezifischen Werken, verschiedene Sporteinrichtungen, ein Restaurant und drei Buffets. Die Fakultät hat auch eine Außenstelle für die Luftstreitkräfte in Szolnok, der Hubschrauberbasis der ungarischen Luftstreitkräfte. Der Dekan der Fakultät ist zurzeit Oberst des Generalstabsdienstes Dr. Gábor Boldizsár.

Der Hauptauftrag der Fakultät für Militärwissenschaften und Offiziersausbildung besteht in der Ausbildung und im Training von Berufsoffizieren in den Waffengattungen Infanterie, Artillerie, Panzer und Panzergrenadiere, Aufklärung, Technische Unterstützung, Logistik, Pioniere, Fernmelder, ABC-Abwehr, Fliegerabwehr, Luftraumüberwachung, elektronische Kampfführung (ELOKA). Darüber hinaus vermittelt die Fakultät jene Tugenden, die den Offizier befähigen, seine Vorbildfunktion und die militärische Führungspersönlichkeit bestmöglich zu entwickeln. Die Ausbildungserfordernisse basieren auf dem Bedarf, der vom Verteidigungsministerium und von den Streitkräften gefordert wurde. Aufbauend auf diese nationalen Grundlagen entwickelte die Fakultät die militärischen Ausbildungsgrundlagen unter Berücksichtigung von europäischen Standards weiter und ist die einzige akademische Ausbildungsstätte in Ungarn, die ein Bachelor- und ein Masterstudium und ein Doktoratstudium in zwei Doktorschulen in Militärwissenschaften und militärtechnischen Wissenschaften anbietet.

Die Fakultät besteht aus den Instituten Militärische Führung, Militärlogistik, Militärischer Nachrichtenübermittlungsbetrieb, dem Institut für Militärluftfahrt und dem Institut für die Organisation von Militärischen Lehrgängen, dem Zentrum für die Generalstabsausbildung, dem Fremdsprachenausbildungszentrum, dem Zentrum für Fremdsprachenüberprüfungen und dem Amt für militärische Fortbildung.

An der Fakultät kann man zusammengefasst folgende akademische Abschlüsse erwerben: Bachelor-Abschluss aus Militärische Logistik, Militärischer Nachrichtenübermittlungsbetrieb, Militärische Führung und einen Master-Abschluss aus Logistik in militärischen Einsätzen, Militärische Führung, Management von militärischen Informations- und Kommunikationssystemen.

Das Institut für Militärische Führung ist für die Durchführung der militärischen Führungsausbildung verantwortlich. Es vertritt die Ansicht, dass man das militärische Führen erlernen kann, und vermittelt auf der Grundlage moderner betriebswirtschaftlicher, pädagogischer und psychologischer Methoden Basiswissen und praktische Fertigkeiten, die den angehenden Offizier befähigen sollen, seine zukünftige Rolle in den ungarischen Streitkräften als militärischer Führer und Vorgesetzter bestmöglich erfüllen zu können. Die Ausbildung findet in den fünf Departments Strategie und militärische Theorie; Teilstreitkräfteübergreifende Operationen; Einsatzunterstützung; Militärische Führungswissenschaften; Militärgeschichte, Philosophie und Kulturgeschichte statt. Der Auftrag an das Department für Strategie und militärische Theorie ist die Lehre von Militärstrategie, militärische Operationen und die Organisation der Landesverteidigung im engeren Sinn in Theorie und Praxis. Neben dem Lehrauftrag haben die Professoren des Departments auch den Auftrag, die geltende Lehre weiterzuentwickeln. Das Department für Teilstreitkräfteübergreifende Operationen hat die Grundlagen der einzelnen Waffengattungen und das Zusammenwirken der einzelnen Waffengattungen zu schulen. Das Department für Militärgeschichte, Philosophie und Kulturgeschichte versteht sich als Serviceeinrichtung für alle anderen Departments, und das dortige Lehrpersonal lehrt auch fakultätsübergreifend. Die Bedeutung des Departments wird ausländischen Betrachtern der ungarischen Offiziersausbildung dann klar, wenn man zur Einsicht gelangt, dass die ungarische Geschichte mit ihren Höhen und Tiefen einen bedeutenden Platz in jeder akademischen Ausbildung in Ungarn einnimmt. Das Department für Einsatzunterstützung bildet den Offiziersnachwuchs in militärischer Nachrichtenbeschaffung, Artilleriewesen, Fliegerabwehr, Pionierwesen, Militärgeographie und Kartenkunde, Orientieren im Gelände, ABC-Abwehr aus. Das Department organisiert auch die Manöver und Übungen sowie den grenzüberschreitenden Austausch von Studierenden mit anderen akademischen militärischen Ausbildungsstätten.

Das Institut für Militärlogistik zeichnet verantwortlich für die Ausbildung von Offizieren zu Führern in logistischen Einheiten und Verbänden bis hin zu höheren Kommanden der ungarischen Streitkräfte. Das Institut besteht aus den vier Departments Einsatzlogistik, Nachschub und Transport, Wehrtechnik, Naturwissenschaften. Das Institut ist auch verantwortlich für die Planung und Durchführung der Übungen MAGLITE (steht für St. Margret5) Logistics Informational Training and Exercise) auf operativer Ebene und FOURLOG (steht für die vier teilnehmende Nationen und Logistik) auf taktischer Ebene. An diesen multinationalen Übungen nehmen regelmäßig österreichische, tschechische, serbische und britische Logistikexperten teil. Das Institut ist sowohl national zur Eötvös Loránd Universität, Szent István Universität und Óbuda Universität, aber auch international stark vernetzt, so besteht seit Jahren eine gute Verbindung zur Heereslogistikschule des österreichischen Bundesheeres, zur Verteidigungsuniversität in Brünn und zum Royal College of Defence, Policing and Logistics Großbritanniens. Das Institut betreibt auch eine rege Forschungstätigkeit zu Verkehrssystemen, Schutz von Infrastruktur, Sicherheit bei Supply Chain-Aktivitäten. Die rege Forschungstätigkeit mündet in zahlreiche Publikationen und in die Abhaltung vieler Konferenzen. Eine der Hauptaufgaben des Departments für Einsatzlogistik ist die Organisation des Masterstudienganges, für den das Institut für Militärlogistik verantwortlich zeichnet. Das Department hat auch die multinationale Übung MAGLITE zu organisieren. Das Department für Nachschub und Transport ist für die Ausbildung von Nachschub- und Transportoffizieren zuständig, wobei ein besonderes Augenmerk auf die Ausbildung der Organisation der Versorgungskette (supply chain) gelegt wird. Das Department ist auch verantwortlich für die Organisation der multinationalen Übung FOURLOG (siehe oben). Das Department für Wehrtechnik ist für die Ausbildung von technischen Offizieren im Bereich der Panzer- und Kraftfahrzeugtechnik sowie Waffentechnik zuständig, die im Frieden und Einsatz in wehrtechnischen Bereichen, etwa in der Instandsetzung und Instandhaltung, zum Einsatz kommen. Das Department für Naturwissenschaften lehrt eine Reihe von Teildisziplinen der Naturwissenschaften, wie höhere Mathematik, Vektoralgebra, Kinematik, Optik, Mechanik und auch Atomphysik. Das Department betreibt auch eine rege Forschungstätigkeit zu Gamma-Strahlen, Relativitätstheorie, Bewegung von künstlichen Satelliten und Planetenbewegungen. Die Forschungen werden von einigen ungarischen Forschungsfonds unterstützt. Studentinnen und Studenten des Departments nehmen regelmäßig an Mathematikwettbewerben teil, beispielsweise beim nationalen Hajós György Mathematikwettbewerb.

Die Hauptaufgaben des Instituts für den Militärischen Nachrichtenübermittlungsbetrieb sind die Ausbildung von Offizieren in Fernmeldewesen, Elektronischer Kampfführung und Informationstechnologie. Das Institut besteht hierzu aus den drei Departments Fernmeldewesen, Informatik und elektronische Kampfführung. Das Institut veranstaltet zwei wichtige Konferenzen pro Jahr: Communication-20xx, Robot Warfare-20xx. Es betreibt auch Forschung, beispielsweise „Schutz von kritischer Infrastruktur“.

Das Institut für Militärluftfahrt ist im Oktober 2015 neu eingerichtet worden und besteht aus den drei Departments Flug und Flugsteuerung, Flugzeuge und Flugzeugtriebwerke sowie Bordsysteme. Dem Institut ist die Fachbereichsbibliothek Militärluftfahrt angeschlossen. Die fliegerische Ausbildung zum Piloten selbst findet bei den ungarischen Luftstreitkräften statt.

Das Institut für die Organisation von Militärischen Lehrgängen ist verantwortlich für die Planung, Vorbereitung und Koordinierung der Durchführung von Lehrgängen für Offiziere gemäß dem Jahresplan für die Fortbildung, der vom Ministerium für Landesverteidigung erstellt und angeordnet wird. Als Grundauftrag hat das Institut auch die Körperausbildung und Sport für die Offiziersanwärter und das zu den Lehrgängen abkommandierte Lehrpersonal zu organisieren sowie die gesamte Sportausbildung der Fakultät zu koordinieren. Des Weiteren wirkt das Institut bei der Planung von Übungen der gesamten Universität mit.

Das Zentrum für die Generalstabsausbildung organisiert die höchste militärische Ausbildung in Ungarn. Die Generalstabsausbildung in Ungarn erfolgt in Form einer elfmonatigen Ausbildung und umfasst Operation und Militärstrategische Führung. Sie befähigt damit die Absolventen, die höchsten Funktionen bei den Streitkräften erfüllen zu können. Die Ausbildung ist in drei Modulen aufgebaut. Das erste „allgemeine“ Modul enthält Sicherheitspolitik, die Kunst des Krieges, Landesverteidigung und Gesellschaft, das zweite „militärische“ Modul enthält Operation in Theorie und Praxis und den Besuch von Truppen. Das dritte Modul kann auch als eine Art Benchmarking mit militärischen Organisationen und zivilen Organisationen angesehen werden. In diesem Modul erfolgen im Wesentlichen Besuch von militärischen Einrichtungen und zivilen Unternehmen und auch Auslandsreisen. Die Generalstabsausbildung ist auch für ausländische Kurshörer geöffnet. Im Studienjahr 2012/2013 nahmen vier ausländische Kurshörer aus Deutschland, Italien, Russland und der Volksrepublik China teil, und im Studienjahr 2013/2014 nahm ein weiterer chinesischer Kursteilnehmer am Kurs teil.

Das Zentrum für die Fremdsprachenausbildung trainiert die Vollzeit- und Teilzeitstudierenden in der Fähigkeit, ein hohes und höchstes Niveau bei der praktischen Anwendung in den Fremdsprachen Englisch, Französisch, Deutsch und Russisch zu erlangen. Das Zentrum wurde von der NATO im Jahre 2006 akkreditiert und lehrt entsprechend den Anforderungen der Verteidigungsallianz. Das Fremdsprachenausbildungszentrum trainiert nicht nur Studenten der Universität, sondern auch die Sprachfertigkeiten von Unteroffizieren und zivilen Angestellten des Verteidigungsministeriums. Das Zentrum veranstaltet zweimal im Jahr ein Terminologie-Seminar aus Englisch für das Lehrpersonal, an dem Fremdsprachenlehrer aus dem gesamten NATO-Bereich teilnehmen können.

Das Zentrum für die Fremdsprachenüberprüfungen bietet Überprüfungen zur Fähigkeit, eine Fremdsprache anwenden zu können, in drei verschiedenen Überprüfungssystemen an. Die zivilen und militärischen Kandidaten können zwischen dem bilingualen ARMA System (ARMA steht für das lateinische Wort arma =Waffen) Überprüfungen in den neun Sprachen Englisch, Französisch, Russisch, Deutsch, Italienisch, Kroatisch, Serbisch, Slowakisch, Ukrainisch oder dem monolingualen System NATO STANAG 6001 in Englisch oder dem ORIGÓ- (ORIGÓ steht für das lateinische Wort origo = Ursprung) System in fünf Sprachen Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Russisch wählen. Pro Jahr wird die Fremdsprachenfähigkeit von etwa 1.100 Kandidaten überprüft. Im Falle des positiven Bestehens der Überprüfung erhalten die Kandidaten ein Zeugnis, das in ganz Ungarn anerkannt wird. Das Testzentrum unterhält enge Kontakte zum Büro für die internationale Fremdsprachenkoordination der NATO.

Das Amt für militärische Fortbildung besteht seit 1996 und hat gemäß den Vorgaben des Generalstabes die militärischen Trainings- und Ausbildungsprogramme zu planen und für deren Weiterentwicklung zu sorgen.

Die Fakultät für Militärwissenschaften und Offiziersausbildung setzt die Tradition der ehemaligen Ungarischen Militäruniversität fort und bildet, dem Grundgedanken der neuen Universität für öffentliche Dienste - „der Heimat zu dienen“ - entsprechend, Offiziere, aber auch zivile Akademiker in erster Linie für den Dienst im Verteidigungsministerium und in den Streitkräften, aber auch für andere Bedarfsträger, wie nationale und internationale Organisationen, die die Produktion von Sicherheit als ihre Kernaufgabe ansehen, heran. Mit ihrem Studium an der Fakultät sind sie bestens geeignet, „der Heimat zu dienen“. Des Weiteren wird ihnen das Rüstzeug vermittelt, welches sie befähigt, bei einem Ausscheiden aus dem Dienststand der Streitkräfte am Arbeitsmarkt, vornehmlich am Arbeitsmarkt der öffentlichen Dienste, eine Folgeanstellung zu bekommen.

 

Die Fakultät für Polizeiwissenschaften (Rendészettudományi Kar)

Die Fakultät für Polizeiwissenschaften ging aus der 1971 gegründeten Polizeioffiziershochschule hervor und ist am Campus im 12. Bezirk in Budapest Hegyvidék im Stadtteil Buda in der Farkasvölgyi út untergebracht.

An der Fakultät sind drei Institute angesiedelt (Kriminologie, Öffentliche Sicherheit und Management, Ausbildung in Rechtsdurchsetzung und Training), ein Fremdsprachenzentrum (Englisch, Französisch, Deutsch, Russisch) und mehrere nicht den Instituten zugeordnete Lehreinrichtungen (Rechtsdurchsetzungstheorie, Einwanderung, Kriminalpolizeiliche Untersuchungen und Untersuchungen von Wirtschaftskriminalität, Grenzpolizei, Angelegenheiten von Stadtwachkörpern, Private Sicherheitsvorkehrungen, Zollbehördliche Aufgaben) untergebracht. Eine Doktorschule befindet sich gerade in der Einrichtungsphase.

An der Fakultät kann man sowohl Bachelorabschlüsse in bestimmten Fächern wie Kriminalpolizeiliche Ermittlung, Ermittlung bei Vorliegen von Wirtschaftskriminalität, Kriminalpolizeiliche Aufklärung, Untersuchungen bei Finanzvergehen oder in den Spezialfächern Grenzpolizei, Migration, Private Sicherheitsvorsorgen, Zoll, Öffentliche Ordnung erworben werden und Masterabschlüsse in Rechtsdurchsetzungstheorie, Logistik für Polizeieinsätze, Prävention und Analyseverfahren im Polizeidienst.

Die Fakultät wird von Generalmajor (Polizei) i.R. Professor Dr. József Boda als Dekan geleitet. Pro Jahr hat die Fakultät rund 700 Vollzeitstudenten und mehr als 1.000 Teilzeitstudenten.

 

Die Fakultät für öffentliche Verwaltung (Közigazgatás-tudományi Kar)

Die Fakultät für öffentliche Verwaltung wurde 1977 als Hochschule für die öffentliche Verwaltung zur Aus-, Fort- und Weiterbildung der zivilen öffentlich Bediensteten gegründet. Die Hochschule wurde 2004 als eigenständige Fakultät in die Corvinus Universität eingegliedert. Der Sitz der Fakultät ist im Stadtteil Buda in Ménesí út.

Die Fakultät besteht aus den Instituten für Personalmanagement, Nationalökonomie, Staatswissenschaften, IT in der öffentlichen Verwaltung, Management in der öffentlichen Verwaltung und Governance und öffentliches Recht. Der Fakultät ist ein Zentrum für Fremdsprachen (Englisch, Französisch, Deutsch und Italienisch) mit einem großen Sprachlabor angeschlossen. Sie bietet mehrere Lehrgänge in Deutsch, Englisch und Französisch an. Am Campus befinden sich eine Fachbereichsbibliothek, eine Schwimmhalle, verschiedene Sporteinrichtungen, ein Restaurant und ein Buffet.

Die Fakultät bietet Bachelor- und Masterstudien mit Fokus auf nationale öffentliche Verwaltung, aber auch auf die Erlernung von Fertigkeiten für eine Tätigkeit in internationalen Organisationen. Seit ihrem Bestehen hat die Fakultät mehr als 35.000 Bedienstete der öffentlichen Verwaltung ausgebildet. Sie wird von Professor Dr. György Kiss als Dekan geleitet.

 

Die Fakultät für internationale und Europastudien (Nemzetközi és Európai Tanulmányok Kar)

Die Fakultät für internationale und Europastudien wurde erst 2015 gegründet und hat ihren Sitz im Hauptgebäude am Ludovika tér. Der Hauptzweck der Fakultät besteht in der Ausbildung von zukünftigen Führungspersönlichkeiten in der nationalen Verwaltung und für die Besetzung von Führungspositionen in internationalen Organisationen.

Die Fakultät besteht aus sechs Departments für Internationales Recht, Internationale Beziehungen und Diplomatie, Europäisches Öffentliches Recht und Privatrecht, Europastudien, Studien für Internationale Sicherheit, Studien für Internationale Wirtschaft und Politik. Der Fakultät angeschlossen ist ein Zentrum für Strategische und Verteidigungsstudien sowie ein Forschungszentrum für öffentliche Verwaltung, Sicherheit und Wirtschaft in der Volksrepublik China. Die Fakultät bietet sowohl Bachelor- als auch Masterstudiengänge an, u.a. einen Bachelor- und einen Masterstudiengang aus Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Die Fakultät wird von Dr. Kollar Boglarka als Dekanin geleitet.

 

Das Zentrum für Strategische und Verteidigungsstudien

Das Zentrum für Strategische und Verteidigungsstudien wurde 1992 gegründet und hat strategische Analysen für die Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu erstellen. Das Zentrum untersucht ferner das Verhältnis der ungarischen Streitkräfte zur ungarischen Gesellschaft. Die Hauptabnehmer der Studien sind der Staatspräsident, der Premierminister, die Ministerien für Verteidigung, auswärtige Angelegenheiten und Handel sowie der Generalstab und die dem Verteidigungsministerium nachgeordnete militärische Organisation.

Ein besonderes Anliegen ist es dem Zentrum, dass seine Analysen auch eine große öffentliche Wirkung erzielen. Im Rahmen eines „Sicherheits-Marketings“ betreibt das Zentrum eine gezielte Medienarbeit. Des Weiteren wird das Wissen der Mitarbeiter des Zentrums im Rahmen der Lehre genutzt.

 

Forschungszentrum für die öffentliche Verwaltung, Gesellschaft und Wirtschaft in der Volksrepublik China

Der Universität ist es ein besonders Anliegen, die Forschungszusammenarbeit mit der Volksrepublik China zu stärken. Zu diesem Zweck wurde das Forschungszentrum für die öffentliche Verwaltung, Gesellschaft und Wirtschaft in der Volksrepublik China ins Leben gerufen, an dem Systemvergleiche betrieben werden und das System in der Volksrepublik China analysiert wird, um die Vor- und Nachteile nutzbringend in die Lehre an der Universität einbringen zu können.

 

Das „Molnar Tamás“ Forschungszentrum

Das nach dem ungarisch-US-amerikanischen katholisch-konservativen Philosophen und Universitätsprofessor Molnár Tamás (1921-2010) benannte Institut wurde gegründet, um gezielt die Forschung und Publikationstätigkeit in den Feldern Philosophie, Politikwissenschaften und Soziologie anzukurbeln und Entscheidungsgrundlagen für den Managementprozess in der öffentlichen Verwaltung zu erarbeiten. Des Weiteren ist es dem Zentrum aufgetragen, das Werk von Molnár einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

 

Das Institut für nationale Sicherheit

Das Institut für nationale Sicherheit wurde mit dem Zweck gegründet, die Mitarbeiter in den Ämtern für nationale Nachrichtenbeschaffung und Abwehr gezielt auf ihre Aufgaben zu schulen. Aufgrund der besonderen Geheimhaltungserfordernisse wird zu den Studien, die als sechssemestriges Bachelor- und als viersemestriges Masterstudium angeboten werden, nur ein bestimmter Personenkreis, der mit der Nachrichtenbeschaffung und den Gegenmaßnahmen befasst ist, zugelassen.

 

Das Institut für Katastrophenmanagement

Das Institut für Katastrophenmanagement bildet Spezialisten für die Beherrschung von Katastrophenszenarien jeglicher Art aus. Nach Abschluss der Studien verfügen die Absolventen über die erforderlichen rechtlichen Kenntnisse und das Managementrüstzeug, um in einem Katastrophenfall die oft bunt zusammengewürfelten Einsatzkräfte führen zu können. Am Institut werden ein sechssemestriger Bachelor-Studiengang mit der Spezialisierung auf Führung von Katastropheneinsätzen, Brandschutz und Rettungseinsätze und Sicherheit im Industriebereich sowie ein Masterlehrgang aus Führung in Katastropheneinsätzen angeboten.

 

Das Institut für Staatswissenschaften und Governance (Unternehmensführung in der öffentlichen Verwaltung)

Eine der Hauptaufgaben der neuen Universität ist die Weiterentwicklung der staatlichen Verwaltung und die Erarbeitung von Reformschritten, damit die öffentliche Verwaltung in all ihren Ebenen noch bürgernäher und effizienter wird. Das interdisziplinäre Institut für Staatswissenschaften und Governance, das 2014 gegründet wurde, hat auf diese Forschungsfelder seinen Fokus zu legen. Zur Sicherstellung eines hohen Output ging das Institut bereits mehrere Kooperationen mit ungarischen, aber auch ausländischen Forschungs- und Lehreinrichtungen ein, beispielsweise mit der ungarischen Akademie der Wissenschaften, der exzellenten École National d’Administration in Paris, der chinesischen Akademie für Governance, der OECD und der Konrad Adenauer-Stiftung. Eines der wichtigsten Projekte dieses Institutes ist die Entwicklung eines „Good Governance Index“, der die Vergleichbarkeit der Verwaltungseinrichtungen in Bezug auf Effizienz des Verwaltungshandelns ermöglichen soll.

 

Das Institut für Fort- und Weiterbildung von Staatsbediensteten

Eine exzellente öffentliche Verwaltung verlangt auch ein ständiges Weiterlernen der Staatsbediensteten. Das Institut für Fort- und Weiterbildung führt zu diesem Zweck für fast 74.000 Bedienstete eine gezielte Weiterbildung durch. Hierzu werden 250 Spezialkurse und eine E-learning-Plattform angeboten. Neben den kurzen Weiterbildungsangeboten werden von diesem Institut auch postgraduale Ausbildungen angeboten.

 

Maßgeschneiderte Angebote für internationale Partner

Die Universität für die öffentliche Verwaltung versteht sich auch als Vorreiter in der Ausbildung von öffentlich Bediensteten und möchte ihr Modell auch ausländischen Partnern schmackhaft machen. Hierzu bietet die Universität maßgeschneiderte Programme für interessierte ausländische Bedarfsträger an, etwa in modernem Sicherheitsmanagement, Krisenmanagement, Rechtsdurchsetzung und bei Zusammenarbeitsprogrammen für die Polizei.

Ein besonders erwähnenswerter Ausbildungsgang ist der Masterstudiengang für internationale Beziehungen von öffentlichen Diensten, in dem in einem zweisemestrigen Studienprogramm die Studentinnen und Studenten für Karrieren in Organisationen der EU oder in weltweit tätigen internationalen Organisationen vorbereitet werden.

 

Die internationale Vernetzung der Universität für öffentliche Verwaltung

Die Universität für öffentliche Verwaltung ist weltweit vernetzt und ging mit 100 ausländischen Universitäten Kooperationen ein. Sie ist Mitglied bei der Association of European Police Colleges (AEPC), der European Association of State Territorial Representatives (EASOR/AERTE), der Central European Criminal Cooperation (CECC), des European Police College (CEPOL), der Directors of Institutes of Public Administration (DISPA), der European Group of Public Administration (EGPA), des European Institute of Public Administration (EIPA), des European Security and Defence College (ESDC), der European University Association (EUA), der European Agency for the Management of Operational Cooperation at the External Borders of the Member States of the European Union (FRONTEX), der International Association of Universities (IAU), der Association Internationale des Écoles et Instituts d’Administration (AIEIA), des International Institute of Administrational Science (IIAS), der International Association of Police Academies (INTERPA), des Network of Institutes and Schools of Public Administration in Central and Eastern Europe (NISPAcee) und des OECD Global Network of Schools of Governance.

Die Universität für die öffentliche Verwaltung wurde in einer aktuellen Umfrage unter die besten drei Universitäten in Ungarn gereiht. Sie befindet sich damit auf einer Stufe mit der exzellenten Semmelweis-6) und Eötvös Lorand-7) Universität, die Weltruf genießen.

 

Die akademische und postgraduale Ausbildung von Bundesbediensteten in Österreich

Die Bediensteten des Bundes (Republik Österreich),8) die einen akademischen Rang bekleiden, können unabhängig von ihrer sonstigen dienstrechtlichen Stellung in Zivilbedienstete und Uniformträger eingeteilt werden. Während die zivilen Akademiker im Regelfall erst nach dem Abschluss eines akademischen Studiums in den Dienststand des Bundes übernommen werden, erfolgt die Ausbildung im Fall der Uniformträger an Ausbildungsstätten des Bundes, die jedoch keine rechtliche Stellung einer Universität oder Fachhochschule haben, sondern einzelne Studiengänge auf Fachhochschulniveau betreiben oder mit akademischen Bildungseinrichtungen (Universität oder Fachhochschule) kooperieren.

Das Bundeskanzleramt und die einzelnen Bundesministerien unterhalten zur Aus-, Fort- und Weiterbildung der Bediensteten eigene Ausbildungseinrichtungen. Die wichtigste derartige Ausbildungseinrichtung ist die dem Bundeskanzleramt unterstellte Verwaltungsakademie des Bundes, die im Schloss Laudon im 14. Wiener Gemeindebezirk am Stadtrand von Wien untergebracht ist. Die Verwaltungsakademie ist eines der größten beruflichen Weiterbildungsinstitute des Landes. Sie ist der Ort, an dem Laufbahnen beginnen und Karrieren durchstarten. Sie ist die Drehscheibe und das Labor für neue Entwicklungen in der öffentlichen Verwaltung. Die Verwaltungsakademie leistet mit ihrem Angebot einen wichtigen Beitrag zu Motivation und Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst. Die Verwaltungsakademie des Bundes arbeitet mit verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen in Österreich eng zusammen. So wird in Abstimmung mit dem Bundeskanzleramt an der FH Campus Wien der Bachelor- und Masterstudiengang „Public Management“ angeboten, und auch das postgraduale Programm der Salzburg Management Business School, einer Tochter der Universität Salzburg, orientiert sich an den Bedürfnissen des Öffentlichen Dienstes.

Eine weitere wichtige Ausbildungseinrichtung ist die Diplomatische Akademie in Wien, die eine postgraduale Bildungseinrichtung ist, die Universitäts- und Fachhochschulabsolventen auf eine internationale Karriere in den Bereichen des Öffentlichen Dienstes und der Wirtschaft sowie auf Führungspositionen in internationalen Organisationen und der EU vorbereitet. Die diplomatische Akademie kann auf eine lange Tradition zurückblicken, denn sie wurde von der Kaiserin Maria Theresia 1754 gegründet. Die zentralen Ausbildungsinhalte betreffen internationale Beziehungen, Politikwissenschaft, Völkerrecht und EU-Recht, Wirtschaft, Geschichte und Sprachen. Die Diplomatische Akademie Wien wurde 1996 aus dem Außenministerium ausgegliedert und ist seither eine selbstständige Institution öffentlichen Rechts.

 

Die Ausbildung der Offiziere des Bundesheeres

Die Offiziersausbildung in Österreich findet auf akademischem Niveau im Rahmen eines Bachelor- und Masterfachhochschulstudienganges statt, wenn auch die Ausbildungseinrichtungen Theresianische Militärakademie und Landesverteidigungsakademie keinen akademischen Status einer Universität oder Fachhochschule besitzen. International gesehen kann die Theresianische Militärakademie für sich in Anspruch nehmen, eine der ältesten Militärakademien der Welt zu sein, da die Theresianische Militärakademie unter Kaiserin Maria Theresia 1752 gegründet wurde. Die Landesverteidigungsakademie wurde in ihrer heutigen Form 1967 gegründet, kann aber auf eine 150-jährige Tradition zurückblicken, da Anfang des 19. Jahrhunderts im damaligen Österreich eine Bildungseinrichtung für die höhere Offiziersausbildung geschaffen wurde. Angehende Generalstabsoffiziere können neben ihrer Generalstabsausbildung einen PhD erwerben, der nach der Absolvierung eines von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien abgehaltenen PhD-Studiums verliehen wird.

 

Die Ausbildung der Offiziere der Polizei

Offiziere der Polizei studieren an der dem Innenministerium unterstehenden Sicherheitsakademie und erwerben einen Bachelor und können darauf aufbauend auch einen Mastergrad erwerben, der in Kooperation mit der Fachhochschule Wiener Neustadt verliehen wird.

 

Die Ausbildung der Offiziere der Justizwache

Die Grundausbildungslehrgänge finden in der Strafvollzugsakademie und deren Bildungszentren (Außenstellen) an insgesamt vier Standorten statt. Die Offiziere der Justizwache erhalten nach dem Abschluss der Ausbildung keinen akademischen Grad. Es ist jedoch geplant, den angehenden Offizieren ähnlich wie den Offizieren der Polizei ein Studium an der Fachhochschule Wiener Neustadt anzubieten, nach dessen Abschluss der Erwerb eines akademischen Grades möglich wird.

 

Die ehemalige Ausbildung der Offiziere der Zollwache

Der Vollständigkeit halber soll in diesem Beitrag auch die Ausbildung der ehemaligen Zollwache erwähnt werden. Die Zollwache in Österreich konnte bis zu ihrer Auflösung als uniformierter Wachkörper im Jahre 2004 auf eine fast 175-jährige Geschichte zurückblicken. Nach deren Auflösung nehmen die Bundespolizei und die operative Zollaufsicht deren Agenden wahr. Ausgebildet wurde die Zollwache im Rahmen von Kursen des Finanzministeriums, zuletzt an der Zollwachschule.

 

Die akademische Aus-, Fort- und Weiterbildung und Landes- und Gemeindebediensteten

Der föderale Aufbau des Bundesstaates mit der Personalhoheit in den Ländern erfordert auch eigene Ausbildungseinrichtungen bei den Ländern. Die einzelnen Bundesländer, aber auch einzelne Gemeinden unterhalten dafür eigene Verwaltungsakademien.

 

Eine vergleichende Bewertung der Ausbildungssysteme für Bedienstete der öffentlichen Verwaltungen in Ungarn und Österreich

Bewertet man auf der Grundlage des bisher erhobenen Sachverhaltes zur Ausbildung der öffentlich Bediensteten in Ungarn und Österreich die einzelnen Ausbildungsmodelle, so fällt auf den ersten Blick auf, dass Ungarn den konsequenten Weg eingeschlagen hat, die Ausbildung der öffentlichen Bediensteten unter einem Dach in einer Universität durchführen zu lassen, während in Österreich die Ausbildung der öffentlichen Dienste weiterhin so zersplittert ist, wie dies auch in Ungarn vor der Gründung der neuen Universität für öffentliche Dienste der Fall war.

Es ist noch zu kurz seit der Gründung der Universität für öffentliche Dienste, eine abschließende Bewertung abgeben zu können, welches Modell den höheren Effizienzgrad bei der Ausbildung der öffentlichen Bediensteten besitzt, aber eines kann bereits vorweg festgestellt werden: Mit der Gründung der neuen Universität sind die unterschiedlichen akademischen Ausbildungen mit der Erlangung akademischer Grade unterschiedlicher Wertigkeit weggefallen, und es gibt dadurch keine unterschiedlichen Wertschätzungen zwischen den einzelnen Gruppen der öffentlich Bediensteten. In Österreich ist dies anders, denn welchen Wert hat ein Bachelorabschluss eines Fachhochschulstudienganges aus militärischer Führung gegenüber einem Bachelorabschluss einer Universität aus Unternehmensführung? Und noch krasser wird ein Vergleich mit Masterabschlüssen von Fachhochschulen mit denen von Universitäten.

 

Anstelle einer Zusammenfassung: Was sollte in Österreich zumindest angedacht werden?

Nur der Vergleich macht sicher, sagt zumindest ein altes Sprichwort. Wie im Aufsatz herausgearbeitet wurde, bestehen zwischen der Aus-, Fort- und Weiterbildung von öffentlich Bediensteten große Unterschiede, die bei näherer Betrachtung der beiden Ausbildungsmodelle nicht größer sein könnten. Während in Ungarn alle zukünftigen öffentlich Bediensteten unter einem Dach in einer Universität ein Studium absolvieren können, ist die Ausbildung in Österreich zersplittert und auch für Eingeweihte ziemlich unübersichtlich. Bedenkt man, dass eine Zersplitterung bei ähnlichen Ausbildungsinhalten immer mit Effizienznachteilen gegenüber einer zentralen Ausbildung einhergeht, ist das ungarische im Vergleich zum österreichischen System höher einzuschätzen.

Weit höher ist aber das ungarische System deswegen einzuschätzen, da alle öffentlich Bediensteten, die eine akademische Ausbildung an der Universität für öffentliche Dienste absolviert haben, einen Universitätsabschluss vorweisen können und nicht wie in Österreich, sofern sie das Studienangebot der jeweiligen berufausbildungsspezifischen Akademien (Verwaltungsakademie des Bundes, der Länder und Gemeinden, Sicherheitsakademie, Militärakademie, Strafvollzugsakademie) in Anspruch nehmen, höchstens den Abschluss einer Fachhochschule. Diese Feststellung des Autors soll nicht als eine Abwertung der Institution Fachhochschule verstanden werden, aber im Stufenbau des akademischen Studiums steht eben eine Fachhochschule unter einer Universität.

Aus der Sicht des Autors kann es daher in Österreich nur empfehlenswert sein, das Modell der ungarischen Universität für den Öffentlichen Dienst zum Anlass zu nehmen, um über eine Aus-, Fort- und Weiterbildung von öffentlich Bediensteten unter einem Dach an einer neu zu gründenden Universität nachzudenken. Der Vorteil einer österreichischen Universität für öffentliche Dienste liegt auf der Hand. Durch Synergieeffekte könnte die Aus-, Fort- und Weiterbildung der öffentlichen Bediensteten kostengünstiger durchgeführt werden, alle Gruppen der öffentlich Bediensteten könnten voneinander lernen und es würde auch der Korpsgeist im Öffentlichen Dienst neu belebt werden und dabei auch Animositäten zwischen den Gruppen abgebaut werden können.

 


ANMERKUNGEN:

1) Die Ludovika Akademie war eine Stiftung zur Heranbildung von Berufsoffizieren primär für die königlich ungarische Landwehr. Die Ludovika Akademie wurde 1808 durch den ungarischen Reichstag gegründet und erhielt ihren Namen nach Maria Ludovika, der dritten Ehefrau von Kaiser Franz I., Maria. Der Ausbau des Gebäudes schleppte sich derart hin, dass sich die Eröffnung bis 1849 hinauszögerte, und erst am 21. November 1872 konnte die Akademie ihren Betrieb aufnehmen. 1897 wurde sie der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt gleichgestellt und bestand bis zum Ende der Habsburgermonarchie. Der gesamte Gebäudekomplex beherbergt heute die Universität für öffentliche Dienste, das humanistische Gymnasium Wallenberg sowie Teile des ungarischen Naturwissenschaftlichen Museums. Angrenzend an das Hauptgebäude liegt der 73.000 m² große Orczy Park.

2) Die Corvinus-Universität Budapest (Budapesti Corvinus Egyetem) ist eine staatliche Universität in Budapest mit Lehr- und Forschungsschwerpunkten in den Bereichen Wirtschaftswissenschaften und angrenzenden Studienfächern.

3) Siehe hierzu die neue Broschüre „National University of Public Service (NUPS)“, herausgegeben von der NUPS 2015 im Eigenverlag.

4) Das Basismaterial für die ausführliche Darstellung der Fakultät für Militärwissenschaften und Offiziersausbildung wurde der Homepage der University of Public Service entnommen und durch Gespräche mit Professoren der Universität verdichtet. Der Autor dankt weiters Herrn Oberst des Generalstabes Dr. Árpád Pohl für die wertvollen Hinweis zur Erstellung dieses Aufsatzes.

5) St. Margret (1045-1093) wuchs in Ungarn auf und kam 1066 nach England, als ihr Onkel, König Edward, starb und Margrets Bruder den Anspruch auf den Thron erhob. Der englische Adel erhob jedoch Harold of Wessex zum König, der aber nicht lange regieren sollte, da er 1066 die Schlacht von Hastings gegen William den Eroberer verlor und damit auch das Königreich. Margret heiratete daraufhin 1070 König Malcolm von Schottland und wurde Königin von Schottland.

6) Die Semmelweis-Universität wurde ursprünglich 1769 gegründet und spezialisierte sich auf die Vermittlung medizinischer Fächer.

7) Die Eötvös Loránd Universität wurde ebenfalls 1635 durch Péter Pázmany gegründet und ist heute eine Universität, die Rechtwissenschaften, Naturwissenschaften, Informatik, Erziehungswissenschaften und Pädagogik sowie Soziologie beheimatet. Berühmte Absolventen der Universität sind Lájos Kossuth und Viktor Orbán.

8) Die Ausbildungsgänge der einzelnen Berufsgruppen des öffentlichen Dienstes wurden den einzelnen Homepages der dafür verantwortlichen Ministerien, Ländern und Gemeinden entnommen.