Terrorismus - Die historischen Wurzeln

Markus Reisner

 

Seit der Mensch vor langer Zeit begonnen hat, seinesgleichen mit Gewalt vom Leben zum Tode zu befördern, war es immer der Wille der sich verfeindet gegenüberstehenden Gruppierungen, möglichst die Oberhand über den oder die anderen zu gewinnen. Traf dabei eine stärkere Gruppe auf eine schwächere, bedeutete dies nicht zwangsläufig den Sieg des überlegenen Stammes. Im Gegenteil, die vermeintlich Schwächeren waren dazu angehalten, aus dem Verborgenen und unter Anwendung von unkonventionellen Methoden zu agieren. Durch eine derartige asymmetrische Kampfführung war es möglich, auf Dauer einen Sieg über die stärkeren „Unterdrücker“ zu erringen. Der daraus resultierende Erfolg war jedoch oft bitter erkauft, denn die Repressalien der Angreifer (bzw. Stärkeren) richteten sich nicht nur gegen die Kämpfer selbst, sondern auch gegen deren Angehörige. Manchmal hingegen entstand wiederum aus einer irregulären Gruppierung eine reguläre Armee. Derartige Auseinandersetzungen führten somit zwangsweise zur Miteinbeziehung aller Menschen in einen Konflikt. Gewalt und Tod wurden in jeden Winkel der menschlichen Lebensbereiche getragen. Man konnte nicht entkommen. Angst, Schrecken und Verunsicherung waren die Folge. Diese begannen sich in den Köpfen der betroffenen Menschen festzusetzen und ließen sie nicht mehr zur Ruhe kommen. Das lateinische Verb „terrere“ wird in das Deutsche mit dem Wort „erschrecken“ übersetzt. Der Begriff Terror definiert somit exakt den zuvor beschriebenen Gemütszustand von Menschen, welche damit rechnen müssen, an jedem Ort der Welt Opfer von Terror zu werden.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die historischen Wurzeln des Terrorismus zu betrachten und darzustellen wie diese Art des Kampfes bzw. der Auseinandersetzung zu einem wiederholten Mittel menschlicher Konfliktaustragung wurde. Dabei ist sich der Autor bewusst, dass der Begriff Terror höchst umstritten und nicht eindeutig definiert ist. Der Zweck der Arbeit besteht darin, die Wurzeln des Terrorismus zu einem verständlichen Stamm zusammenzufügen. So werden die weitreichenden Bedrohungen erkennbar, welchen die Menschen auch in naher Zukunft ausgesetzt sind. Die Terroranschläge von Paris vom 13. November 2015, ausgelöst durch den mit terroristischen Mitteln agierenden „Islamischen Staat“ (IS), zeigten dabei nur zu gut die hohe Aktualität der Thematik. Gerade der demokratische Rechtsstaat ist gefordert, sich auf die zukünftigen Herausforderungen eines überregionalen, globalen Terrorismus einzustellen. Die nationale Gesetzgebung ist einer kritischen Prüfung zu unterwerfen und es ist danach zu trachten, diese an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Dabei dürfen aber das demokratische Rechtverständnis und dessen Grundsäulen und Ziele wie z.B. Menschenwürde, Freiheit, Gerechtigkeit und Rechtsicherheit nicht ausgehebelt werden. Nicht zuletzt die Folgen des 11. September 2001 haben die Vereinten Nationen neuerlich bewogen, eine stärkere Rolle in Fragen der Terrorismusbekämpfung zu übernehmen. So wurden in den drei bedeutenden Resolutionen 1267 (1999), 1373 (2001) und 1566 (2004) umfassende Maßnahmen und Sanktionen gegen mutmaßliche Terroristen niedergeschrieben.