Die Übung „Bärentatze“ im Jahre 1969: Verlauf und Folgerungen (Teil 2)

Beiträge zur Geschichte des Bundesheeres der 2. Republik

Andreas Steiger

 

Als Höhepunkt des „Ausbildungsjahres 1969“ für das österreichische Bundesheer war vom 8. bis 15. November 1969 im Alpenvorland sowie im Donautal zwischen Traisen und Enns „der Bär los!“ Am 11. November 1969 - es war/ist dies der burgenländische Landesfeiertag, welcher dem „Heiligen Martin“ gewidmet ist - begann die Übung. Nicht nur durch den Landesfeiertag, sondern dass die 1. JgBrig ein „burgenländischer Verband“ war, kam die „burgenländische“ Komponente des jüngsten Bundeslandes voll zu tragen. Am 14. November 1969 endete die Übung.

Es lag unter anderem in der Absicht der für die Anlage der Übung Verantwortlichen, diese aus der finanziellen Unterdotierung der Landesverteidigung sich ergebende Situation für die infanteristischen Kampfverbände augenscheinlich zu machen und damit auf entsprechende Erkenntnisse und Verbesserungen zu hoffen. Im Abschlussbericht hieß es: Jägerbataillone österreichischen Zuschnitts seien nicht in der Lage, dass sie über einen längere Zeit und mehrere hintereinanderliegende Widerstandslinien hinweg einen erfolgreichen Abwehrkampf führen konnten. Und was die gepanzerten Verbände betraf, so wurde daraus abgeleitet, dass der Einsatz großer Panzerverbände wahrscheinlich nicht anzunehmen war, da solcherart die atomare Schwelle abgesenkt werden würde.

Unter dem Eindruck und den Erfahrungen der CSSR-Krise sowie der „Bärentatze“ wurde zu Jahresbeginn des Jahres 1970 diesbezüglich vom Generaltruppeninspektorat festgestellt, dass ein Einsatz des Bundesheeres nach Mobilmachung lediglich in Form eines Sicherungseinsatzes erfolgen könne. Die Übung „Bärentatze“ hat - neben dem bereits laufenden Nachdenken über eine neue Doktrin und Struktur - dazu beigetragen, dass die Raumverteidigung mit einer ganz neuen Organisation entwickelt wurde, was ja dann relativ rasch in Angriff genommen wurde (auch ausgelöst durch die veränderte Wehrdienstzeit 6 + 2).

Zudem setzten sich die Diskussionen zu der später eingebrachten Kampfart des Jagdkampfes bzw. des Kampfverfahrens in einer Raumsicherungszone in kritischen Auseinandersetzungen innerhalb der österreichischen militärischen Führung des Bundesheeres fort. Dabei gab es unterschiedliche Auffassungen der Verantwortlichen, welche zu neuen Denkansätzen hinsichtlich eines neuen Verfahrens für die Kampfführung des Bundesheeres und zu Überlegungen für eine realistische operative Konzeption führen sollten: Dem späteren Raumverteidigungskonzept.

Mögen zukünftige Übungsteilnehmer in diesem Raum über die damaligen sicherheitspolitischen und militärischen Rahmenbedingungen, die teilnehmenden Verbände, den Übungsverlauf und die Folgerungen der Übung „Bärentatze“ erinnert werden und daran denken, wie alles begann: …damals im Jahr 1969!