Die USA – eine Supermacht im Abstieg

 

Wien, 16.1.2018

„Die USA – eine Supermacht im Abstieg“ – zu diesem Thema fand Dienstagabend an der Landesverteidigungsakademie ein Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion statt. Der Kommandant der Akademie, Generalleutnant Erich Csitkovits, durfte zahlreiche Gäste in der „Sala Terrena“ begrüßen.

Analyse der sicherheits- und verteidigungspolitischen Entwicklungen

Dr. Gunther Hauser, Leiter des Fachbereichs Internationale Sicherheit am Institut für Strategie und Sicherheitspolitik der Landesverteidigungsakademie, stellte in seiner neuesten Studie die Sicherheits- und Verteidigungsstrategien der USA von 1987 bis 2017 vor. Dabei analysiere er, wie sich die USA geopolitisch verhalten haben und welche politisch-strategischen Ambitionen zum Ausdruck kamen. Dr. Hauser untersuchte die politischen, sicherheits- und verteidigungspolitischen Entwicklungen der USA der letzten 30 Jahre und zeigte auf, wie die politisch-strategischen Dokumente in der Praxis umgesetzt wurden.

Dr. Hauser bei seinem Vortrag.

Von der Großmacht zur Supermacht

Aus dem Ersten Weltkrieg waren die USA als Großmacht hervorgegangen. Nach 1945 – im Zuge des Zerfalls der Kolonialreiche in Europa Großbritannien und Frankreich und dem damit einhergehenden Bedeutungsverlust dieser Staaten – hatten die USA politisch, militärisch, wirtschaftlich und kulturell den Status einer Supermacht erreicht. Nach dem Ende des „Kalten Krieges“ sahen sich die USA als die einzige verbliebene Supermacht und zugleich als Mentor einer „Neuen Weltordnung“.

Auch in den Pausen wurde angeregt diskutiert. Rechts: Akademiekommandant Generalleutnant Erich Csitkovits.

In den Bereichen militärische Machtprojektion in Verknüpfung mit weltweiten Sicherheits- und Verteidigungsbündnissen und Sicherheitspartnerschaften, Technologie, Energiepolitik und Wirtschaft schienen die USA die globale Führung übernommen zu haben. Ökonomische Stärke wurde das Fundament der USA für die Umsetzung nationaler sicherheitspolitischer Interessen, deren Diplomatie verstand sich als erste Verteidigungslinie. In diesem Zusammenhang zielten die USA zunächst auf die globale Verbreitung von Demokratie und Menschenrechten.

Zudem sollten weltweit Konsum statt Nationalismus den „American way of life“ zum Ausdruck bringen.

Russland und China treten stärker in den Vordergrund

Die Umsetzung dieser „Neuen Weltordnung“ stieß schon in den 1990er Jahren an ihre Grenzen, die Legende vom vermeintlichen „Ende der Geschichte“ entlarvte sich schnell als solche. Seit langem heben China und Russland ihre regionalen und globalen Machtansprüche hervor, insbesondere Russland im Nahen Osten. Nordkoreanische Raketen können mittlerweile das gesamte Territorium der USA erreichen. Die USA befinden sich selbst in einer Transformationsphase. Die USA – eine globale Führungsmacht im Abstieg?

Im Anschluss fand eine spannende Podiumsdiskussion mit Univ.-Prof Dr. Reinhard C. Heinisch von der Universität Salzburg und Univ.-Prof. Dr. Anton Pelinka von der Central European University, Budapest statt. Dr. Hauser moderierte diesen Teil der Veranstaltung.

Das Buch "Die Sicherheits- und Verteidigungsstrategien der USA 1987 bis 2017 - Anspruch und Wirklichkeit" ist in der Schriftenreihe der Landesverteidigungsakademie Band 16/2017, ISBN 978-3-903121-30-0, erschienen.