„In deinem Lager ist Österreich. Wir anderen sind einzelne Trümmer“

Militärhistorische Anmerkungen zu Radetzky1) (Teil 2)

Eberhard Birk

 

Denn solange ein Oesterreich besteht, wird man auch einen Radetzky feiern.2)

 

Das „Epochenjahr 1848“3) sah im Rahmen einer gesamteuropäischen Erhebung das Aufeinanderprallen zweier diametral entgegengesetzter politischer Ordnungsvorstellungen: dynastische Interessen gegen ein Konglomerat sozialer, liberaler, demokratischer und nationaler Bestrebungen. Zum europäischen Völkerfrühling 1848 führte eine kumulativ wirkende Verschränkung von im Wesentlichen vier Entwicklungslinien: periodisch auftretende bäuerliche Protestbewegungen in einem trotz beginnender kontinentaleuropäischer Industrialisierung weiterhin vornehmlich agrarisch-feudal geprägten Europa, die auf die Einlösung des in der Wiener Schlussakte niedergelegten Konstitutionsversprechen zielende bürgerliche Verfassungsbewegung zur Ermöglichung politischer Partizipation für ein wirtschaftlichen Wohlstand erarbeitendes Bürgertum und die auf die sozialen Verwerfungen der beginnenden Industrialisierung verweisenden sozialistisch-kommunistischen Tendenzen sowie die nationalrevolutionären Bestrebungen, die die Nation als konstitutives Element der Staatsbildung in den Fokus stellten.4)

Rahmenbedingungen und Verlauf des Revolutions- und Kriegsjahres von 1848/49

Von diesem politischen und sozialen Sprengstoff mussten insbesondere der Deutsche Bund, noch sehr viel stärker indes das Kaisertum Österreich als dynastische übernationale Ordnungsmacht im Zentrum Europas betroffen sein. Die beiden europäischen Flügelmächte des 19. Jahrhunderts, Großbritannien und das Russische Reich, wurden hierbei von den sozialen Implikationen der Revolution kaum berührt: Großbritannien war bereits zu „modern“ und vom Ärmelkanal geschützt, Russland zu rückständig und geografisch zu weit von den „Brandherden“ entfernt. Auch Frankreich würde als Monarchie oder Republik - mit oder ohne soziale Revolution - immer, anders als Österreich, das ungeteilte und unteilbare Frankreich bleiben. In den Zentren der Pentarchie (London, St. Petersburg, Paris, Berlin und Wien) stand die Kontrolle und Niederwerfung der (macht-)politischen Auswirkungen im Fokus des Interesses, denn die Frage der Organisation der europäischen Mitte war stets die Frage nach der machtpolitischen Balance und Stabilität Europas. Geriet das europäische Zentrum in Bewegung, war es um die europäische „Balance of Power“ geschehen.5)

Das Kaisertum Österreich nahm deshalb seit dem Wiener Kongress bei einer übernational-territorialen Ausdehnung von der norditalienischen Ebene bis Galizien als Garant einer stabilen europäischen Ordnung die Schlüsselrolle für alle machtpolitischen Erwägungen ein: Es sollte französischen Ambitionen in Westeuropa und Norditalien Einhalt gebieten, durch die Aufrechterhaltung des Status quo im Deutschen Bund sowohl expansiven „großdeutschen“ als auch genuin preußischen Zielsetzungen begegnen sowie den Einfluss des Russischen Reiches auf dem „Balkan“ minimieren.6)

Eine sprichwörtlich nationale, liberale oder demokratische Verfasstheit wäre hierfür eine Contradictio in adjecto gewesen. Die neo-absolutistische Kabinettspolitik Metternichs war die Voraussetzung für ein funktionierendes „europäisches Konzert“. Nur durch repressive Maßnahmen konnte diesem Kräfte verschleißenden Unterfangen mittelfristig Aussicht auf Erfolg gegeben sein - ein Spiel gegen die Zeit, zumal die anderen europäischen Mächte je nach ihren eigenen Interessen Österreich Unterstützung zukommen lassen oder eben verweigern konnten. Das in historischer Perspektive zu konstatierende gewaltige Stehvermögen des Kaiserreiches hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass Österreich, wenngleich als Konglomerat von „Trümmern“, als unverzichtbare mitteleuropäische Ordnungsmacht, nicht als „Gefängniswärter“, galt7) - auch wusste niemand, was an seine Stelle treten sollte.

Ein diplomatisches und militärisches showing of force war an den notorisch nach Unabhängigkeit verlangenden Peripherien eines Reiches, das - vom Zentrum aus betrachtet - fast nur aus Peripherien bestand, geradezu Staatsraison. Die wirtschaftliche und finanzielle Leistungskraft Österreichs, die bereits durch die anti-napoleonischen Kriege und trotz beginnender Industrialisierung in Böhmen, den Alpenländern und um Wien zerrüttet war, hielt mit den machtpolitischen Ambitionen resp. Aufgaben in keiner Weise Schritt.8) Der spätestens seit dem Vormärz9) beginnende vorrevolutionäre Gärungsprozess begann Österreich an seinen „inneren“ und „äußeren“ Fronten massiv herauszufordern.

Die Revolution in Italien hatte vielschichtige und weit zurückreichende Ursachen.10) Ihre Komplexität wurde - vergleichbar den Lösungsversuchen der „deutschen Frage“ mit ihrer kleindeutschen, großdeutschen und mitteleuropäisch-großösterreichischen Option - durch diverse Ansätze zur Erringung der nationalstaatlichen italienischen Einheit im Zuge des Risorgimento-Prozesses verstärkt, die inneritalienische, dynastische sowie französische und natürlich österreichische Interessen betrafen. (Ober-)Italien war jedoch nicht der einzige Brandherd. Die Donaumonarchie hatte mit Böhmen, Ungarn und der Hauptstadt Wien weitere „Kriegstheater“ mit unterschiedlichsten Herausforderungen zu bewältigen.11) Der im Zentrum der Betrachtung stehende italienische Schauplatz war indes mit einer doppelten Schwierigkeit verbunden, da es gleichzeitig, und dies mit unterlegenen Kräften, galt, einem inneren Aufstand sowie einem äußeren Angriff zu widerstehen. Das lombardo-venezianische Königreich erwies sich für Österreich geradezu als strategische Achillesferse. Es war die wohlhabendste Provinz des Reiches, sie bot einen Zugang zum Mittelmeer und es war die „direkte Landverbindung zu den habsburgischen Sekundo- und Tertiogenituren Toskana und Modena, was für deren militärische Sicherung selbstverständlich von größtem Vorteil war.“ 12)

Auch auf der italienischen Halbinsel war der Eingang der Meldung von der Demission Metternichs der Auslöser für vielfältige lokale und regionale Aufstände. Am 18. März begann der Aufstand in Mailand.13) Obwohl Radetzky in der Mailänder Garnison über ca. 14.000 Mann meist nicht-italienischer Herkunft verfügte, waren seine Truppen in „le cinque giornate di Milano“ dem Orts-, Häuser und Barrikadenkampf insbesondere logistischer Probleme wegen nur bedingt gewachsen, weshalb er seine Truppen, militärischer Zweckmäßigkeit folgend, zurücknahm. Die Schuld für seinen Rückzug sah er bei seiner Regierung, die ihm im Vorfeld keine ausreichende Unterstützung zukommen ließ: „Ein Trost bleibt mir, Wien, nicht Mailand, hat mich besiegt. Ich war Sieger bis zum letzten Augenblicke auf allen Punkten, hätte ich noch einige Tage Lebensmittel gehabt, um ausharren zu können, so wäre Mailand in meiner Hand gewesen und mit ihm die ganze Revolution zerfallen.“ 14) Erst nach dem Abzug Radetzkys, am 23. März, erfolgte die Kriegserklärung durch König Carl Albert von Piemont-Sardinien an Österreich.15)

Radetzky nahm seine Kräfte, „ohne die geringste demoralisierende Wirkung auf seine Truppen“,16) auch in der Hoffnung auf Verstärkung auf das Festungsviereck (Mantua als die im Vormärz am stärksten ausgebaute Festung Europas und Peschiera am Mincio, Verona und Legnano an der Etsch) zurück. Eintreffende Truppenverstärkungen verliehen neue Zuversicht.17) Die Schlacht bei Santa Lucia nahe Verona am 6. Mai 1848 galt als wichtiger Abwehrerfolg, der einen Kulminationspunkt darstellte. Im Juni ergriff Radetzky die Initiative und ging zur Gegenoffensive über. Der Sieg bei Vicenza am 11. Juni hatte zur Folge, dass fast ganz Venetien von seinen Truppen kontrolliert wurde. Die Lagunenstadt Venedig hielt sich, abgeschnitten vom Hinterland und ohne finanzielle Unterstützung durch andere italienische Staaten sowie trotz einer Choleraepidemie mit ca. 3.000 Toten bis zum 22. August 1849 gegen die österreichischen Belagerungstruppen,18) nachdem der Sieg Radetzkys bei Novara am 23. März 1849 die letzten Hoffnungen schwinden ließ.19) Bereits der erste größere militärische Erfolg Radetzkys bei Vicenza wurde zum militärischen, politischen und psychologischen Katalysator der „Wende“: Wenige Tage nach diesem Erfolg - am

16. Juni - bezwang Windischgrätz die Aufständischen in Prag, was zur Folge hatte, dass die Führung der nationalen Bewegung in Böhmen an den konservativen Hochadel überging.20)

Den entscheidenden Sieg errang Radetzky mit seinen Truppen am 25. Juli 1848 bei Custozza südlich des Gardasees über die piemontesische Armee. Dieser Waffenerfolg „befestigte von neuem die österreichische Herrschaft in der Lombardei“.21) Carl Albert wurde mit seinen verbleibenden Truppen und vielen lombardischen Freiwilligen nach Piemont abgedrängt. Die Enttäuschung über Niederlage und Rückzug des Königs ließ den Eindruck entstehen, er überließe die Lombardei ihrem Schicksal.22) Am 6. August erfolgte der triumphale Einmarsch in das im März noch so verzweifelt umkämpfte und von Radetzky verlassene Mailand.

Als am 25. Juli 1848 im Reichstag der Antrag gestellt wurde, die Volksvertretung solle erklären, dass „die Armee in Italien und Tirol sich um die Ehre des Vaterlandes verdient gemacht habe“, wurde dies von der Linken im Hause mit der Begründung abgelehnt, „die Regierung könnte, durch die in Italien bewährte Überlegenheit der kaiserlichen Waffen ermutigt, einen reaktionären Weg einschlagen und alle Neuerungen abholden Kreise am Hofe würden die Armee, ein willenloses Werkzeug in ihren Händen, wie gegen die italienischen Aufständischen nunmehr auch gegen die Freiheitsbewegung in den deutsch-böhmischen Kronländern einsetzen.“ 23)

Auch die Eröffnung des dann gescheiterten Feldzuges gegen die Revolution in Ungarn durch die Truppen des „Banus“ Josef von Jellacic im September 1848 war ein Zeichen dafür, dass der „österreichische Reichskoloss, der im April in ein Dutzend Stücke [zu] zerfallen schien (...) im Sommer die alte Form sichtlich zurückzugewinnen“24) begann. Der Kaiserstaat Österreich wurde durch militärische Erfolge von der Peripherie aus gerettet. Aufgrund der weitgehenden Wiederherstellung monarchischer Souveränität in den Reichsteilen war es der Armee auch möglich, die zweite Welle der Revolution in Wien - getragen durch „eine radikale Intelligenz und zum Teil schon durch proletarische Massen“ 25) - durch die ca. 70.000 Mann zählenden Truppen Windischgrätz’ und Jellacic’ gegen Aufständische und die heranziehende ungarische Armee Ende Oktober 1848 niederzuschlagen.

Ende des Jahres 1848 hatte sich die Gesamtlage des Kaiserstaates restabilisiert. Eine „deutsche Frage“ gab es nicht mehr, vielmehr ließ der Staatskanzler Fürst Felix zu Schwarzenberg mit seiner „Kremsierer Erklärung“ vom 27. November 1848 gar verlauten: „Österreichs Fortbestand ist ein deutsches wie ein europäisches Bedürfnis.“ 26) Dies lag auch im Interesse der britischen Gleichgewichtspolitik; selbst wenn Lord Palmerston ein oberitalienisches Königreich Sardinien unter Einschluss der Lombardei und Venetiens als Puffer zwischen österreichischen und französischen Interessen präferierte, so hob auch er die strategische Bedeutung der Donaumonarchie hervor: „The maintenance of the Austrian Empire is an object of general interest to all Europe.“ 27) Diese der französischen Italienpolitik entgegenstehende Position schuf eine Patt-Situation zwischen den beiden Westmächten, die Österreich die Option eröffnete, den eigenen Großmachtstatus erfolgreich demonstrieren zu können.

Dennoch: Die „Winterpause“ hatte die Revolution nur vorübergehend „eingefroren“. In Ungarn und Oberitalien war die Lage weder ruhig noch stabil. Insbesondere Carl Albert sah sich unter Zugzwang - innenpolitisch galt es, um nationalrevolutionäre anti-monarchische Kräfte zu paralysieren, erneut eine dynastisch geprägte nationale Führungsrolle zu dokumentieren, außenpolitisch schien die Bindung österreichischer Streitkräfte in Ungarn nach dem weitgehend erfolglos verlaufenden Winterfeldzug 1848/49 Chancen für einen schnellen militärischen Erfolg zu bieten. Bereits im Herbst 1848 wurden hierfür erneut große Rüstungsanstrengungen unternommen. Im Frühjahr 1849 standen 150.000 Mann unter dem Kommando des polnischen Generals Albert Chrzanowski für einen neuen Feldzug bereit, denen Radetzky lediglich 73.000 Mann entgegensetzen konnte.28)

Im März 1849 nahm Carl Albert den „populären Krieg gegen Österreich“ 29) erneut auf. Aber auch Radetzky blieb nicht untätig; für ihn war evident, „dass Piemont uns wieder angreift, ich bin (...) auf alles gefasst.“ 30) Seine Vorbereitungen ließen ihn für das Frühjahr auf einen kurzen Feldzug hoffen. Am 23. März kam es bei Novara tatsächlich zur schnellen, katastrophalen Niederlage Carl Alberts gegen Radetzkys Truppen. Damit war „auch schon die Entscheidung gefallen, der Gegner nach 100 Stunden schwer geschlagen und friedensbereit gemacht - ein Vorgang, der in der Kriegsgeschichte wohl beispiellos dasteht“,31) wofür auch schon ein cäsarisches „veni, vidi, vici“ als Vergleichshorizont vorgeschlagen wurde.32)

Komplizierter indes wurde die Lage in Ungarn. Die revolutionäre Politik von Lajos Kossuth und der unverhohlene Machtanspruch auf Gebiete der Habsburgermonarchie in Form eines integralen Nationalismus, der ethnische Minderheiten der ungarischen Herrschaft unterstellen sollte, stellte spätestens am 14. April 1849 - kurz zuvor erklärte Fürst Schwarzenberg im März Österreich durch die oktroyierte Verfassung zur unteilbaren und unauflöslichen Erbmonarchie - durch die Ausrufung der Republik das internationale Staatensystem vor eine Herausforderung. Es gelang den österreichischen Truppen erst durch die massive militärische Unterstützung von ca. 360.000 russischen Streitkräften unter der Führung von Fürst Paskiewitsch, nach der ungarischen Kapitulation bei Világos am 13. August 1849 der ungarischen Sezessionsbestrebungen Herr zu werden.

Die Losung Franz Josefs zum „heiligen Kampf gegen Anarchie“ traf sich mit der Überzeugung des russischen Zaren Nikolaus I., dass sein Reich das Bollwerk gegen die Revolution sei - er befürchtete ein Überschwappen revolutionären Gedankengutes auf den russischen Teil Polens nicht zuletzt der fast 5.000 polnischen Offiziere wegen, die in der ungarischen Honved kämpften.33) Das gegen die ungarische national-liberale Staatsbildungsbestrebung gerichtete alte monarchische Prinzip der „Solidarität“ „erstickte dieses leuchtende Fanal der europäischen Freiheitsbewegungen des Jahres 1848 gnadenlos.“ 34) Die kaiserliche Donaumonarchie war restituiert. Sie hatte vor dem Hintergrund der Rahmenbedingungen ihren Handlungsspielraum durch die einzig verbliebene Option - den erfolgreichen Einsatz der Armee - genutzt.

Radetzky als Stratege und Feldherr im italienischen Krieg

Militärische Prinzipien und politische Dimensionen

Für die Bewertung des militärischen Führens eines Feldmarschalls ist es notwendig, den Blick von den genuin militärischen Anordnungen auch auf die politischen Implikationen militärischen Handelns bzw. die Abhängigkeit der militärischen Planung von den politischen Rahmenbedingungen zu lenken. Für den Bereich der politischen wie auch militärischen Strategie gilt Radetzkys Maxime: „Man soll nicht wagen, solange man ohne Wagnis ausreichen kann, wenn man aber wagen muß, dann soll man seinen Entschluß rasch fassen und kühn durchführen.“ 35) Diese einfache Grundtatsache wird jedoch mit einem militärischen Arkanum umrankt: „Der Krieg ist offenbar eine Kunst und keine Wissenschaft, eine Kunst, bei welcher das Sublime wie bei allen Künsten nicht gelehrt werden kann.“ Der erfolgreiche Feldherr benötige daher „natürlichen Verstand, Tat- und Schnellkraft, klare Umsicht (...) wem der Himmel diese Gaben versagt, der wird nie ein General, wie er sein soll.“ Es kommt Radetzky zufolge auf natürliche Grundanlagen an: „Nicht das wilde Jagen vor der Front bezeichnet den Führer, er ist die Ruhe, das rasche Auffassen des richtigen Augenblicks, die Bestimmtheit der Anordnungen, die Klarheit des eigenen Wollens und die Geschicklichkeit, die passenden Manöver zu finden.“ Diese Eigenschaften finden ihre höchste Entfaltung, wenn es gelingt, dem Gegner „den ersten Stoß mit dem größtmöglichen Nachdruck beizubringen, mit Initiative imponiert man, verwirrt den Feind, und darin liegt der Sieg; die Offensivoperationen sind der Defensive vorzuziehen, und die Defensive muß mit der Offensive verbunden bleiben.“ Dabei gelingt die Operationsplanung und deren Ausführung resp. Umsetzung, wenn sich „Schnelligkeit, Festigkeit und Bestimmtheit (...) mit Einfachheit paaren.“

Die politische Dimension seiner Operationsplanung und Führung in den Feldzügen haben eine zweifache - innen- und außenpolitische - Dimension. Die innenpolitische Perspektive betrifft seinen „Widerstand“ gegen die Weisung, einen Waffenstillstand abzuschließen. Radetzky sah sich nach dem Eingang der Weisung seines Kaisers, der „im Auftrag“ der neuen Reichsregierung vor dem Hintergrund der allgemein revolutionären Herausforderung und dem temporären De-facto-Verlust der Lombardei nach seinem Rückzug auf das Festungsviereck seine machtpolitisch (berechtigte) Erklärung findet - eine (verlorene) Provinz aufzugeben, um den Gesamtstaat zu retten, war ein geradezu klassisches österreichisches diplomatisches Manöver - in einer seine Loyalität auf den Prüfstand stellenden Situation.36) Radetzky beurteilte die Lage vor Ort nämlich ganz anders. Den unter seinem Kommando dienenden späteren Staatsminister Fürst Schwarzenberg schickte er deshalb mit dem Auftrag nach Wien, einen anderen Beschluss herbeiführen zu lassen; tatsächlich wurde Radetzky weitgehend freie Hand gewährt und weitere ca. 20.000 Truppen zugesagt.37)

Durch diese „Befehlsverweigerung“ erst war es ihm möglich, mit den folgenden Siegen bei Custozza und Volta das lombardo-venezianische Königreich für die Donaumonarchie zurückzugewinnen. Das Vertrauen auf seine militärische Führung und die Leistungsfähigkeit seiner nun verstärkten Truppen sowie die Einsicht in die gesamtpolitische Notwendigkeit der Aufrechterhaltung der Herrschaft in Oberitalien als Grundlage des Großmachtstatus Österreichs und der damit verbundenen politischen Strahlkraft einer erfolgreichen „gegenrevolutionären“ Kriegführung auf die Gesamtlage waren in seiner Beurteilung der Lage ebenso wichtig wie die Erkenntnis, dass die Patt-Situation zwischen den Westmächten Großbritannien und Frankreich - Großbritannien wollte ein Eingreifen Frankreichs auf Seiten von Sardinien-Piemont nicht hinnehmen - Radetzky ein Zeitfenster schuf, das ein verzugsloses Zurückerobern der Lombardei 1848 ermöglichte.

Was für den Frühsommer 1848 galt, war für ihn auch im März 1849 maßgebend, als es für ihn darauf ankam, nach erneut erfolgter Kriegserklärung durch König Carl Albert durch ein schnelles Vordringen auf das Territorium Sardinien-Piemonts dessen Offensivoptionen durch energisches Ergreifen der Initiative zu unterlaufen - eine Internationalisierung des Krieges galt es ebenso zu verhindern wie ein erneutes „Fanal der Revolution“. Seine souveräne Beurteilung der politischen Lage war die notwendige Voraussetzung und Grundlage seiner militärischen Vorgehensweise.

 

Militärische Führung in den Feldzügen 1848 und 1849

Für eine erfolgreiche militärische Feldzugführung hatte Radetzky im Frühjahr 1848 zunächst große Probleme: Die materielle und personelle Ausstattung der Armee wurde entgegen allen Eingaben - Radetzky selbst schrieb wiederholt über Desiderata38) - seit Jahren sukzessive reduziert. Ihre Stärke nahm, nachdem man die Armee kurz nach der Juli-Revolution von 1830 bis auf 120.000 Mann aufgestockt hatte, mit der zunehmend konservativeren französischen Außenpolitik unter Louis Philippe sukzessive bis fast zur Hälfte ab.39) Alle Ausbildungs- und Erziehungsanstrengungen der vorangegangenen Jahre schienen vergebens. Sein italienisches Konskriptionsheer zerfiel vor Beginn der Kampfhandlungen in „Trümmer“ - ca. 10.000 Soldaten italienischer Nationalität liefen samt Bewaffnung zu den aufständischen Revolutionären über,

21 Infanteriebataillone und 10 Husarenregimenter folgten dem Aufruf der ungarischen Revolutionsregierung,40) um ihre Heimat gegen die Truppen des kroatischen „Banus“ Jellacic zu verteidigen.41) Auch die Fraternisierung einiger Truppenteile mit den Revolutionären in Wien - ähnliche Beispiele gibt es aus der Revolutionszeit im Deutschen Bund42) - und das Überlaufen der „österreichischen“ Kriegsmarine zum aufständischen Venedig43) zeigen die Grenzen auf, denen das österreichische Stationierungskonzept in einer gesamtstaatlichen Krise unterlag.

Die regelmäßige „rotierende“ Dislozierung und das zur Abschottung von der Bevölkerung notwendige Prinzip des Einsatzes in Reichsteilen, in denen die Soldaten auf andere Ethnien trafen, wurden in der Regel von finanziellen Engpässen verhindert.44) Auch die „starke psychologische Belastung durch den Gewissenskonflikt, in welchen vor allem italienische und ungarische Offiziere und Mannschaften gerieten“,45) zeigte, dass die regional-nationale Loyalität des stets fiktiven „unpolitischen Soldaten“ des Konskriptionsheeres trotz langer Verpflichtungszeit46) stärker sein konnte als die altösterreichische Staatsideologie, die „nur ein Volk von Untertanen unter einer Dynastie in einem Reich“ 47) kannte.

Trotz der Massendesertionen verfügte die „italienische Armee“ über einige, ihren Einsatzwert erhöhende Faktoren, ohne dass man, alleine schon wegen der mangelnden Unterstützung der Armee von Wien aus, von einem Eliteverband sprechen könnte: „Einmal war die Armee in Italien der einzige Heereskörper der Monarchie, der schon im Frieden auf Kriegsfuß stand, also bereits die Kriegsgliederung eingenommen hatte. Von den italienischen Soldaten abgesehen fühlten sich die übrigen als eine Art von Besatzungstruppe in einem zumindest sehr unsicheren Lande. Das allein schon ließ Offizier wie Mann näher zusammenrücken. Dazu kam eine harte, fordernde Ausbildung, die - nachdem die unsicheren Kantonisten ausgeschieden waren - dem verbleibenden Rest ein besonderes Selbstbewusstsein gab, das durch Radetzky - einem sehr truppennahen General - ungemein geschickt gefördert wurde. (...) Das alles zusammen schuf jenen Korpsgeist, der die ‚italienische Armee’ in der Hand eines großen Feldherrn zu einem ungemein schlagkräftigen Instrument machte. Kriegerische Tugenden und das Talent des Feldherrn gingen hier (...) eine glänzende Synthese ein, die auch entsprechende Erfolge zeitigte.“ 48) Darüber hinaus hatte Radetzkys Offizierkorps über die Jahre natürlich auch eine Landeskenntnis gewinnen können, die für die kriegerische Auseinandersetzung gegen die sardinisch-piemontesische Armee nicht zum Nachteil gereichen musste.

Der Feldzug begann indes, nachdem Mailand nicht zu halten war, mit einem Zurücknehmen der Kräfte bis hinter die Adda.49) Mit einer erhofften Unterstützung seiner Truppen wollte Radetzky zunächst erneut auf Mailand vorstoßen. Diese Absicht wurde durch den Fall Venedigs und den sich über die Lombardei ausbreitenden revolutionären Aufruhr undurchführbar, weshalb Radetzky sich am 1. April entschloss, seine Armee weiter ostwärts zu verlegen und im Festungsviereck (Mantua-Peschiera-Verona-Legnano) zu versammeln. Das von FML d’Aspre ebenfalls im Viereck zusammengezogene II. Korps erhöhte zwar das militärische Potenzial, verschärfte jedoch auch die prekäre logistische Lage; hinzu kam, dass die Festungen ihrer weitgehenden Vernachlässigung wegen in einem nicht den Ansprüchen effektiver Verteidigungsmöglichkeiten genügenden Zustand waren, Freischaren die Verbindung nach Tirol bedrohten und ein Reservekorps am Isonzo erst in Aufstellung begriffen war. Der Verlust der Kontrolle über die Eisenbahnlinien machte Radetzkys Verbleiben im Festungsviereck von den darin vorhandenen Vorräten, Requirierungen im Umland sowie dem Rückgriff auf schwierige und zeitintensive Nachschubwege über Villach und Bozen abhängig, so dass Radetzky in der Defensive auf Zeit spielen musste.

In der Zwischenzeit überschritt Carl Albert mit seiner Armee den Grenzfluss Ticino und marschierte in zwei Kolonnen über Brescia und Pavia-Lodi auf den Mincio zu, wo er Mantua im Handstreich nehmen wollte. Parallel dazu erfolgte eine Bewegung vereinigter italienischer Truppen gegen die südliche Seite des Festungsvierecks und päpstlicher Streitkräfte unter dem Kommando des Generals Durando über den Po nach Venetien hinein in Richtung Treviso, um dort eine Vereinigung des Reservekorps mit den Kräften Radetzkys im Festungsviereck zu unterbinden. In der Hoffnung auf einen Aufstand in Verona griffen die zahlenmäßig überlegenen piemontesischen Kräfte am 6. Mai bei St. Lucia-S. Massimo an, wo sie nach harten, wechselvollen Kämpfen abgewiesen wurden. Nach diesem Sieg, den der spätere Kaiser Franz Josef im Gefolge des österreichischen Feldherrn miterlebte, schrieb Radetzky seiner Tochter: „Der Himmel gewährte mir einen vollkommenen Sieg, nur schade, dass ich zu wenig Truppen hatte, um den Sieg verfolgen zu können.“ 50)

Erst mit dem Eintreffen des Reservekorps unter der Führung von FML Thurn hatte Radetzky genug Kräfte, um in die Offensive zu gehen. Mit dem Ziel, das eingeschlossene Peschiera zu entsetzen, trat Radetzky seinen später legendenverklärten „Flankenmarsch“ an, der mit Scheinvorstößen gegen Tirol und unter Umgehung der zwischen Peschiera und Verona in starken Stellungen liegenden Streitkräfte Carl Alberts nicht nur das toskanische Einschließungskorps vor Mantua zerstreute, sondern die piemontesische Armee in deren Rücken bedrohte. Nachdem diese die Gefahr erkannte und Radetzky von der erfolgreichen Durchführung seiner Operation abhielt sowie das Operationsziel - die Festung Peschiera - am 30. Mai kapitulieren musste und starke Regenfälle für eine kurze Zeit die Operationsführung behinderten, entschloss sich Radetzky überraschend zu einer 180-Grad-Wendung. Teile des Reservekorps marschierten zur Verstärkung nach Verona, die Hauptmacht wandte sich gegen Vicenza. Radetzky strebte nach einer Wiederherstellung seiner rückwärtigen Verbindungen nach Innerösterreich und der Bereinigung seiner Zwei-Fronten-Konstellation. Am 11. Juni 1848 gelang es Radetzky, den päpstlichen General Durando zur Kapitulation zu zwingen. Neben dem Etschtal war damit eine zweite strategische Verbindung reaktiviert. Der rasche Erfolg wurde durch eine weitgehende Pazifizierung Venetiens erfolgreich ausgebaut, ein zweites Reservekorps schloss Venedig ein und belagerte dieses bis in das folgende Jahr.

Radetzky konnte sich nach diesem Manöver wieder der piemontesischen Armee zuwenden. Diese stand auf einer 60 Kilometer langen Linie südlich des Gardasees östlich des Mincio. Im Raum Sona-Sommacampa bildete Radetzky den Schwerpunkt seines Angriffes, der, geführt mit drei Korps, den Feind am 23. Juli völlig überraschend traf. Während der Ausnutzung des Erfolges durch den Übergang über den Mincio wurde ihm jedoch eine Massierung der piemontesischen Kräfte im Raum Villafranca beinahe zum Verhängnis. Erst nachdem die beabsichtigte Besetzung der Höhen von Custozza auf unerwartet starken Widerstand stieß, ließ Radetzky die beiderseits des Mincio stehenden Kräfte Front nach Süden einnehmen. In den sich anschließenden, für beide Seiten verlustreichen Kämpfen erlangten die Truppen Radetzkys am 25. Juli einen kompletten Sieg. Das nachfolgende Gefecht bei Volta am 26. Juli sowie der fehlgeschlagene Versuch, die Lombardei gegen die nun vorrückenden Truppen Radetzkys zu verteidigen, wirkten sich spürbar auf die Kampfmoral der piemontesischen Armee aus. Eine von Radetzky vorgeschlagene Demarkationslinie an der Adda lehnte Carl Albert ab. Seine weiter zurückweichenden Truppen wurden von Radetzky am 30. Juli bei Cremona überholt.

Der den nach Mailand ausweichenden Truppen Carl Alberts folgende Radetzky lehnte nun sogar im Wissen um seinen militärischen Vorteil einen englischen Vermittlungsversuch ab und warf die verbliebene Armee Carl Alberts, der vergeblich auf eine Unterstützung seitens der Bevölkerung Mailands hoffte, am 4. August 1848 aus deren Stellungen vor der lombardischen Metropole. Bevor am 9. August ein Waffenstillstand geschlossen wurde, erfolgte der österreichische Einmarsch in Mailand am 6. August 1848. Radetzky konnte seinem Kaiser lakonisch-souverän melden: „Die Stadt Mailand ist unser! Sie hat sich der Gnade Eurer Majestät ergeben (...) Die Armee hat vor zwei Wochen von Verona aus ihre Offensive ergriffen. Sie hat während dieser Zeit bei Sommacampagna, Custozza, Volta, Cremona, Pizzighetone und zwei Tage vor Mailand siegreiche Schlachten und Gefechte geliefert (...) Die Armee und ihre Führer glauben somit ihre Schuldigkeit für ihren geliebten Kaiser und das theure Vaterland treulich erfüllt zu haben, denn kein Feind steht mehr auf lombardischem Boden.“ 51)

Mit dem Feldzug von 1848 gelang Radetzky nach der anfänglichen „elastischen“ Zurücknahme seiner Kräfte sowohl mit seinem Flankenmarsch als auch dem plötzlichen Ergreifen der Initiative gegen die päpstlichen Truppen unter dem Kommando von Durando wie auch der erneuten Zuwendung gegen den Hauptfeind Carl Albert die Verknüpfung des Überraschungsmoments mit der Bildung klarer Schwerpunkte, womit er - zuletzt bei Custozza - nach der Sicherung der rückwärtigen Verbindungslinien in der Lage war, „den Hauptschlag mit Sicherheit zu führen“, um den geschlagenen Gegner zum Ausgangspunkt seiner Operationen zu verfolgen. Die Wiederherstellung des politischen Status quo ante mit militärischen Mitteln war bei den Rahmenbedingungen des Jahres 1848 ein Triumph für das angeschlagene Kaisertum Österreich, zumal dadurch Kräfte für die anderen Kriegstheater freigesetzt wurden. Für den greisen Feldmarschall war hingegen klar, dass der Erfolg des Jahres 1848 nur ein temporärer war.

Während Radetzky im März 1848 mit einem Aufstand im Zentrum seines Verantwortungsbereiches konfrontiert war, so erwies sich die Ausgangslage im März des folgenden Jahres sehr viel positiver. Die bereits seit Herbst 1848 anlaufenden Rüstungen Piemonts wurden frühzeitig erkannt und ein erneuter Angriff erwartet. Hinzu kam, dass Radetzky auf eine bereits siegreiche Armee mit Selbstvertrauen bauen konnte, während Carl Albert eine geschlagene Armee erneut, und diesmal trotz des in Ungarn laufenden „Winterfeldzuges“ unter weitaus ungünstigeren Rahmenbedingungen, einem an den Außengrenzen seiner Provinz stehenden Radetzky entgegen in Bewegung setzte, die darüber hinaus über einen für die militärische Gesamtkriegführung relativ unerfahrenen, neuen Oberkommandierenden, den polnischen General Adalbert Chrzanowski, verfügte, der auf keinerlei mit Radetzky vergleichbare militärische Meriten verweisen konnte.

Chrzanowski entwarf einen durchaus Erfolg versprechenden Operationsplan, der in seinen Grundzügen, freilich mit Modifikationen, dem militärischen Grundgedanken des Vorjahres entsprach: Ein doppelter Vormarsch von Novara über den Ticino auf Mailand und von Casteggio über den Po auf Pavia sollte begleitet werden von einem Stoß durch Parma in den Rücken Radetzkys, wo ein neuer Aufstand erwartet wurde. Radetzky sollte so erneut eine westliche, südliche und östliche Front bereitet werden.

Für Radetzky, der im März 1848 in eine allgemeine und grundsätzlich defensive Position auf eigenem Territorium geraten war, aus der er sich sukzessive herausarbeiten musste, galt es nun, den erwarteten feindlichen Vorstoß zu unterlaufen und die Kriegshandlungen möglichst rasch auf piemontesisches Staatsgebiet zu tragen - seine Truppen motivierte er mit seiner Zielangabe: Turin. Um den Gegner zu täuschen, ließ er zwei Korps, einen Rückzug wie im vorangegangenen Jahr vorgebend, nach Südosten marschieren, um sie dann gegen Pavia zu wenden, wo sie mit zwei weiteren zugeführten Korps versammelt und konzentriert wurden, damit sie, zwischen den beiden geteilten Hauptkontingenten Chrzanowskis, in der Lage waren, gegen diese vorzugehen.

Ohne genaue Aufklärungsergebnisse und überrascht von der Passivität der Bevölkerung zog der polnische General am Abend des 20. März die morgens über den Ticino in die Lombardei vorgedrungenen Kräfte wieder zurück. Als man vom Po-Übergang der österreichischen Truppen bei Pavia erfuhr, befürchtete Chrzanowski einen Vorstoß Radetzkys gegen Alessandria, weshalb er alle Offensivgedanken fallen ließ und seine Kräfte nach Vigevano und Mortara umdirigierte. Doch auch die Aufklärung bei Radetzky ließ zu wünschen übrig. Am 21. März wurde sein I. Korps bei Vigevano nur durch das couragierte Eingreifen der Brigade Wohlgemuth vor einem ungünstigen Schlachtausgang gerettet; Benedek gelang mit unterlegenen Kräften das Eindringen in Mortara. In dieser Situation traf Chrzanowski den Entschluss, alle verfügbaren Kräfte auf eine Defensivstellung bei Novara zurückzunehmen. Damit manövrierte er sich in eine extrem unvorteilhafte Lage, da damit die Verbindungen zur eigenen Hauptstadt preisgegeben wurden und eine verlorene Hauptschlacht zur Gesamtniederlage führen musste - Radetzky, der mit einem Ausweichen der piemontesischen Armee in Richtung Vercelli mit der Option zur Deckung ihrer strategischen Verbindungslinien rechnete, wurde zum Sieg gezwungen.

Die unvermutet fahrlässige Disposition seines Gegners verleitete Radetzky jedoch zunächst zu einem fehlerhaften Ansatz seiner Kräfte. Der Angriff auf Novara am 23. März wurde deshalb zunächst lediglich mit dem II. Korps geführt, bevor Radetzky nach schweren Kämpfen erst am Nachmittag seinen Irrtum erkannte und dem

IV. Korps den Stoß in die rechte Flanke Chrzanowskis befahl. Dieser die Schlacht entscheidende Ansatz wurde von dem aufgrund des Kanonendonners selbstständig heranrückenden Korps indes nicht benötigt. Das Mitdenken in der Lage und notwendige Eigeninitiative hatte Radetzky von seinen unterstellten Truppenführern schließlich stets eingefordert. Die Reste der piemontesischen Armee verließen das Schlachtfeld nach einer kompletten Niederlage nach Norden. Carl Albert dankte in der Nacht nach der Schlacht zugunsten seines Sohnes Viktor Emanuel ab, der am 26. März, sich der aussichtslosen militärischen Lage bewusst, den Waffenstillstand akzeptieren musste.

Die „Entscheidungsschlacht“ bei Novara am 23. März 1849 führte nicht nur zu einer Entscheidung über den Ausgang des Krieges gegen den äußeren Feind, sondern auch dazu, dass „auch Lombarden und Venezianer sich nicht mehr zu erheben wagten.“ 52) Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Friedrich Engels - abgeschnitten von aktuellen Informationen vom italienischen Kriegstheater - noch am 27. März 1849 als militärischer Denker ein Erfolg versprechendes Szenario entwickelte, das zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits ein kontrafaktischer Operationsplan war.53)

Der ursprünglich vorgesehene „Marsch auf Turin“ wurde von Radetzky unterlassen - er war nunmehr ohne militärische Notwendigkeit und hätte nur eine unnötige politische Provokation dargestellt. Seine später kritisierte milde Behandlung des geschlagenen Gegners hatte eine tiefere staatspolitische Berechtigung in den Überlegungen, ein mögliches Eingreifen Frankreichs zu verhindern und die Habsburgermonarchie nicht als brutale Besatzungsmacht erscheinen zu lassen sowie in dem neuen König Viktor Emanuel II.

einen Partner für eine von ihm angedachte „Liga Italica“ zu gewinnen, die nach dem Vorbild des Deutschen Bundes Österreichs dominante machtpolitische Rolle nördlich und südlich der Alpen ermöglichen sollte, womit deutlich wird, dass Radetzky als Feldmarschall weit über den militärischen Raum hinaus dachte.

Nachwirkungen

Der mit dem Sieg von Radetzkys Truppen in Oberitalien in den Jahren 1848/49 verbundene „Triumph des österreichischen Staatsprinzips“ 54) hatte kurz- und langfristige politische und militärische Auswirkungen. Wenngleich die berühmte Gratulationsadresse des preußischen Gardekorps an Radetzky, mit dem Prinzen von Preußen an der Spitze, von einer gemeinsamen konservativen Weltanschauung getragen war - Radetzkys Siege in Oberitalien sollten demnach nicht nur Österreich, sondern allen deutschen Soldaten gehören, die ihren Fürsten die Treue gehalten haben -,55) so ist doch bereits ein Jahr danach von der Gemeinsamkeit nichts mehr zu erkennen gewesen. Sein auf dem oberitalienischen Kriegsschauplatz erworbenes Renommee bewahrte Österreich im folgenden Jahr gar, vor dem Hintergrund des sich bereits in der Richtung einer kriegerischen Entladung entwickelnden preußisch-österreichischen Dualismus,56) vor einem Waffengang gegen Preußen. Diesen sah er bereits in seiner 1828 verfassten „Militärische[n] Betrachtung der Lage Oesterreichs“ voraus: „Den schon mehrmals geäußerten Wunsch, Deutschland bis zum Main sich einzuverleiben, kann [Preußen, E.B.] nimmer aufgeben, weil darin das einzige Mittel liegt, dem Staate eine dauernde Haltbarkeit zu verleihen und ihn zu einem festen Reich in Europa umzugestalten (...) Oesterreich aber darf ebenso wenig vergessen, dass es Preußen keine Vergrößerung gestatten kann.“ 57)

Selbst wenn er es innerlich ablehnte, 1850 gegen die ehemaligen preußischen Waffenbrüder von 1813-15 ins Felde zu ziehen,58) was die „Kapitulation von Olmütz“ am 29. November 1850 bekanntlich verhinderte, so darf man darin bei Radetzky keine wie auch immer geartete „großdeutsche“ Sentimentalität erblicken. Denn seine militärischen Erfolge im Feldzug von 1848 erst haben die Voraussetzung zur restaurativen Niederschlagung der Erhebungen gegen das Erzhaus geschaffen - und damit jeglicher „großdeutschen“ Perspektive die Basis entzogen.

Seiner Erfolge in Oberitalien wegen wurde Radetzky designierter Oberbefehlshaber der gegen Preußen mobilisierten Truppen in Böhmen. Er war die personifizierte militärische Abschreckung, galt er doch sogar dem preußischen „Kartätschenprinz“59) und späteren Kaiser Wilhelm I. als „le plus grand capitaine de nos temps.“ 60) Zusammen mit seinem Stabschef von Heß machte Radetzky sich „rasch und siegessicher an die Bearbeitung der Operationspläne.“ 61) Innerhalb von 26 Tagen wurden hierbei 75.000 Mann, 8.000 Pferde, 1.800 Geschütze und Fuhrwerke sowie 4.000 Tonnen Versorgungsgüter aus Wien und Ungarn in das vermutete Operationsgebiet transportiert.62) Diese Mobilmachung von 1850 gilt durch die gegenüber 1848 verstärkte operative Nutzung der Eisenbahn als die „Geburtsstunde des modernen Kriegstransportwesens“.63)

Dass Radetzky und seine italienische Armee, „die später fast zu einer Legende geworden ist,“ 64) insbesondere durch seine Erfolge 1848/49 ein wesentlicher Bestandteil der österreichischen Militärgeschichte und Traditionsbildung wurden, ist evident. Apologetische Züge tragende Zeitzeugenberichte zeichneten denn auch sogleich eine romantisch-biedermeierliche, jedoch von ausgeprägter Disziplin und Pflichterfüllung getragene Harmonieszenerie: „Das Hauptquartier ist eine einzige große Familie, die einen geliebten Vater an der Spitze hat, und fest durchdrungen ist von einer einzigen Idee, der: dem Willen des Führers zum Ruhm des Vaterlandes zu dienen.“ 65) Seine Popularität war in seiner Armee unbestritten: „Der Soldat vergöttert ihn, der Offizier ist ihm in schwärmerischer Verehrung zugetan, die Generäle kennen seinen Wert.“ 66)

Dennoch stießen die Erfolge der italienischen Armee im Jahre 1848 nicht auf ungeteilte Zustimmung. Radetzky wurde für seinen Ungehorsam gerügt, und im Reichstag wurde ihr gar eine beantragte Dankadresse verweigert, was Radetzky mit einer drastischen Erwiderung an den Kriegsminister beantwortete: „Die feindselige Stimmung gegen die Armee in Italien, die sich offen in dem Reichstage ausgesprochen und (...) sich nicht entblödet, öffentliche Trauer anzulegen, weil der Thron und das Vaterland nicht im Schmutz untergegangen“ sind, könne dazu führen, dass „es um den herrlichen Geist der Armee geschehen“ sein könnte.67)

Bei aller berechtigten Hervorhebung seiner Führungsleistung muss deshalb auch im Sinne einer „Militärgeschichte von unten“ 68) darauf hingewiesen werden, dass es eben auch seine Truppen waren, auf deren militärische Fertigkeiten und Loyalität er sich abstützen konnte. Es war Grillparzer, der bereits 1848 diesen Soldaten in einem zwar nicht so bekannten, indes wiederum den Kern treffenden Gedicht ein literarisches Erbe vermachte: „Ein einziger Stand fiel nicht vom Rechten ab (...) es war das Heer, die einzigen, die fest, als Volk und Staat im Taumel fast vernichtet.“ 69) Tatsächlich war - neben Bürokratie und Klerus - insbesondere die Armee die funktionale Trägergruppe der Gegenrevolution.

Die bewaffnete Macht resp. das Triumvirat „WJR“ - Windischgrätz, Jellacic, Radetzky - hatte im Alleingang den österreichischen Gesamtstaat gegen die revolutionären Bewegungen gerettet: „Wie überall in Europa setzte sich schließlich durch, wer militärisch siegte (...) Nicht das Militär war gegenrevolutionär, sondern seine Befehlshaber setzten es gegen die Revolution ein.“ 70) Dieses Gesamturteil darf jedoch auch nicht übersehen, dass es auch kaiserliche Offiziere ungarischer Nationalität gab, die sich in einem nationalen und dynastischen Loyalitätsdilemma befanden.71) Dabei kam dem Kaiserstaat zugute, dass er keine allgemeine Wehrpflicht hatte. Ein Konskriptionsheer mit langjähriger Dienstzeit war für die Aufrechterhaltung der inneren Ordnung im Vormärz und zur Niederschlagung der Revolution besser geeignet.72) Zur Aufrechterhaltung der Schlagkraft der Armee wurde diese aus den Haupt- und Großstädten abgezogen - die Truppe sollte möglicher Agitation, Demokratisierungs- und Fraternisierungstendenzen entzogen werden.73)

Insbesondere die führenden Militärs gaben jenen Politikern, die ihnen bereits im Vorfeld, als man die revolutionären Bestrebungen sehr wohl schon erkennen konnte, ausreichende Mittel vorenthielten, die Schuld an der vorübergehenden Niederlage gegen „die Barrikade“. Politische, soziale und berufsständische Ehrvorstellungen sowie ihr Eid gegenüber dem Monarchen verlangten nach Vergeltung. Sie sahen sich in unübersichtlicher politischer Lage in der Verpflichtung, durch das Ergreifen der Initiative, quasi stellvertretend für die Krone, das Gesetz des Handelns an sich zu reißen.

Stellt man hier die Frage, wofür die drei „ungehorsamen Generale“74) dies gemacht haben, so wurde von Golo Mann ein banales Motiv als plausibel erklärt: „Der Weltordnung zuliebe, in die sie geboren waren und die sie sich ohne den Kaiserstaat nicht vorstellen konnten.“ 75)

Fazit/Tradition

Radetzky war, betrachtet man ihn vor dem Hintergrund zweier Umbruchsszenarien, ein militärischer Führer, der, seiner Erfolge wegen, zu Recht das Interesse der Militärgeschichtsschreibung auf sich zog. Dass hierbei seine Rolle in der Bezwingung Napoleons einen geringeren Stellenwert einnahm, mag darin begründet sein, dass es 1813 und in den folgenden Jahren nicht, so wie es eben 1848/49 der Fall war, um den Fortbestand der Habsburgermonarchie ging. Für die Donaumonarchie erwies sich 1848/49 als die ultimative Herausforderung. Das Krisenjahr des österreichischen Kaiserstaates jedoch wurde maßgeblich durch die Erfolge des Feldmarschalls überstanden.

Die dominante Rolle Radetzkys in der Militärgeschichtsschreibung und Traditionsbildung hat einen wesentlichen Hintergrund: Die nach 1848/49 weiterhin als labil einzustufende innere Lage Österreichs erforderte, gleichsam aus Staatsräson, eine Konzentration des „Generalstabswerkes“ über die Feldzüge eine Fokussierung auf den italienischen Krieg und den Winterfeldzug 1848/49 gegen Ungarn,76) da die Darstellung der Niederschlagung der Revolution in Prag und Wien über zu viel innenpolitische Brisanz verfügte. Die staats- und reichserhaltenden Kriegszüge erwiesen sich hingegen als politisch sehr viel akzeptablere Lösung,77) denn „zweifellos genoß eine breite Öffentlichkeit Radetzkys Siege in Italien.“ 78) Ihm kam tatsächlich zugute, dass er vornehmlich einen „normalen“ Staatenkrieg gegen einen äußeren Feind des Reiches führte, der darüber hinaus sowohl 1848 als auch 1849 ein Verteidigungskrieg war. Die gewöhnlich dem Militär primär zugedachte Staatsverteidigungs- resp. Rettungsfunktion war für Radetzkys Popularität sehr viel mehr zuträglich, als dies eine Niederschlagung der Revolution in der Reichshauptstadt Wien je hätte sein können.

Seine militärischen Erfolge indes haben eine Basis: Radetzky war ein aufmerksamer politischer und militärischer Beobachter seiner Zeit; er ist darüber hinaus auch als modern zu bewerten, wenn man sich seinen Lernprozess in den drei von ihm erlebten Kriegsbildern vor Augen führt, in denen er sich in unterschiedlichen Funktionen hervorragend bewährt hat. Damit wird er auch dem gerecht, was er 1811 in seiner Generalquartiermeisterstab-Denkschrift eingefordert hatte - „dass es nicht genug sei, als ein ausgezeichnet braver Offizier bekannt zu sein, sondern dass dabei auch eine gewisse Bildung, die zum Lernen geschickt macht (...) sehr in Anschlag zu bringen“ ist.79) Nur dann ist man nämlich in der Lage - militärisch gewendet -, aus der Geschichte und den Rahmenbedingungen der Zeit die richtigen Rückschlüsse zu ziehen, zu lernen und zielorientiert diejenigen Maßnahmen zu ergreifen, die notwendig sind, um „alle guten Einrichtungen, und Eigenheiten fremder Heere sobald möglich den seinigen eigen zu machen, um sich somit nie von seinen Feinden überholen zu lassen,“ 80) womit Radetzky einen Bestandteil heutiger Transformationsprozesse vorwegnahm.

Radetzky besteht auch vor dem militärhistorisch-wissenschaftlichen Urteil, wenn neben seiner individuellen Tapferkeit, seinen militärpolitischen Schriften und organisatorischen Konzepten der Blick auf seine Führungsleistung in den „Befreiungskriegen“ und seine Feldherrntätigkeit im italienischen Krieg gelenkt wird: „Radetzkys unorthodoxe Bewegungsmanöver, napoleonisch und doch ganz eigenständig, insbesondere der operative Flankenstoß“,81) werden dabei genauso hervorgehoben und sein Operationsstil mit einer „fast spielerisch-tänzerischen Kampfweise“ verglichen, der, „obzwar eigenständig, doch von Napoleon beeinflusst, keine Kopie, kein Positivabzug der Kriegskunst des Franzosenkaisers, sondern (...) gewissermaßen deren Negativaufnahme war“.82) Damit gelang es ihm, tatkräftig und unnachgiebig, „den Hauptstoß mit Sicherheit zu führen“. Was 1813 zur Zerschlagung der französischen Machtstellung in Zentraleuropa führte, war auch die Grundlage für seinen Abwehrerfolg in den beiden Feldzügen von 1848 und 1849, durch die „das Phänomen Radetzky“ zum „Mirakel vom Hause Österreich“ 83) beitrug.

Dabei stand insbesondere der Feldzug von 1848 „noch ganz im Nachklang der napoleonischen Zeit: Revolution, Befreiungsversuch und Machtkampf um die Herrschaft waren ineinander verschlungen. Der Erfolg des Feldherrn beruhte auf dem Konzept der elastischen Anwendung von Defensive und Offensive, worauf er seine Armee zuvor gründlich vorbereitet hatte.“ 84) Neben dem militärischen Erfolg war es sein Führungsverhalten gegenüber den Soldaten und sicherlich auch sein hohes Alter, das Hegels Diktum eine militärische Wendung gibt: „Wenn die Philosophie ihr Grau in Grau malt, dann ist eine Gestalt des Lebens alt geworden, und mit Grau in Grau lässt sie sich nicht verjüngen, sondern nur erkennen; die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug.“ 85)

Dass zur Bewertung Radetzkys als Feldherr des Öfteren das Adjektiv „napoleonisch“ benutzt wurde - Friedrich Engels wollte bei ihm 1848/49 gar, indes niemals zutreffende, „napoleonische Gelüste“ 86) erkennen -, verdeutlicht die herausgehobene Rolle des Feldmarschalls in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es muss an dieser Stelle jedoch auch der Hinweis erlaubt sein, dass Radetzky während seiner Feldzüge von 1848/49 im Gegensatz zu 1813 keine gleichrangigen Truppenführer gegenüberstanden - wer würde etwa einen nominellen Oberbefehlshaber Carl Albert, Durando oder Chrzanowski mit Napoleon oder Radetzky messen wollen? Dennoch: Die überaus positive Würdigung seiner militärischen Leistungen scheint im Widerspruch zu seinem politischen Weltbild zu stehen. Seine Einordnung als „Werkzeug der Reaktion“ ist indes ambivalent.

Radetzky war nur insofern „reaktionär“, als er gegen die politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Revolutionen von 1789 und 1848 agierte, die durch die Französische und industrielle Revolution hervorgebrachten militärischen Möglichkeiten jedoch adaptierte. Radetzky als „Reaktionär“ zu bezeichnen greift deshalb zu kurz. Soldaten sind immer auf den politischen Status quo verpflichtet - zu jeder Zeit und in jedem Staat. Wie sollte ein Radetzky, politisch und militärisch unter den Bedingungen des „ancien régime“ sozialisiert, im Krieg gegen die Französische Revolution hoch dekoriert und befördert, trotz aller Kritik an den Auswüchsen des Systems Metternich, als militärisch Verantwortlicher seines Kaisers im Königreich Lombardo-Venetien, seine persönliche Lebens- und Leistungsbilanz selbst in Frage stellen und zu einem elanvollen Zerstörer des kunstvoll geflochtenen österreichischen Reichsideals werden?

Selbstverständlich wollte er als militärischer Führer die Möglichkeiten nutzen, die die Industrialisierung schon vor der Jahrhundertmitte mit allen ihren technischen Optionen bot; die Sprengkraft des Nationalitätenprinzips, egal ob in Italien oder Ungarn, indes war die systemimmanente Grenze, die kein österreichischer Politiker und Militär überschreiten konnte. Weshalb auch sollte ein Reich mit einer mehr als vierhundertjährigen Geschichte bereit sein, nach den zuvor überstandenen Stürmen der Reformation, des Spanischen Erbfolgekrieges, der beiden osmanischen Herausforderungen und des französischen „Schreckensmannes“ gerade 1848 durch Selbstpreisgabe seine staatliche Existenz für in ihrer politischen Tragfähigkeit unabsehbare Zukunftsvisionen zu opfern?

Radetzky war und blieb als geborener Böhme, sich selbst als deutsch titulierend, in erster Linie stets seinem Staat, d.h. dem österreichischen Kaiserhaus, verpflichtet: Radetzky war und blieb ein, wenn nicht der österreichische Soldat in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Klar erkannte er, wie er in einem Brief an einen österreichischen Abgeordneten der Paulskirche am 9. September 1848 schrieb: „Österreich wird sich eher von Deutschland als von Österreich trennen.“ 87)

Mit all seinem politischen und militärischen Denken und Handeln bleibt Radetzky integraler Bestandteil der österreichischen Geschichte der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die kaiserliche Donaumonarchie war eine Macht Alteuropas, deren politische Verfasstheit im Europa zwischen der Französischen Revolution und dem Ersten Weltkrieg wie ein romantisch verklärter Anachronismus in einem langen Jahrhundert einen verzweifelten Todeskampf führte. Österreich konnte nur durch die Krone, kluge Diplomatie, eine starke Armee sowie seine Bürokratie und den katholischen Klerus zusammengehalten werden. Für eine imperiale Reichsbildung von innen heraus gab es schlicht zu wenig (Deutsch-)Österreicher.88) So war Österreich bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts als überregionaler, durch eine dynastische Krone zusammengehaltener Staat, der den (kriegstreibenden) historischen Beschleunigern Nationalisierung und Industrialisierung nicht stand- resp. mit ihnen Schritt halten konnte oder wollte. Radetzkys Erfolge lassen ihn einerseits, aus seiner Zeit heraus, als einen Bewahrer mit kurzfristigem Erfolg, andererseits jedoch, vom Ende her betrachtet und möglicherweise in Form einer Überinterpretation, als einen Verzögerer eines failing state-Prozesses erscheinen - zumindest was die Position im europäischen Mächtesystem anbelangte: Ein Jahr nach seinem Tod war der von ihm für die Donaumonarchie erworbene machtpolitische „Kredit“ nach der Niederlage von 1859 verspielt.

So wie es keinen „Radetzky“ im Sinne eines komplementären resp. verklammerten Ineinanderfallens staatlich-politischer und militärischer Biografie mehr gab oder geben kann, so war auch Österreich, trotz eines kurzen Zwischenhochs des Machtgefühls bis zum Beginn des Krimkrieges, nur noch Verwalter, nicht mehr Gestalter - eine lange Agonie als „kranker Mann Mitteleuropas“ begann. Radetzky war die letzte militärische Verkörperung des alteuropäisch-österreichischen Staatswesens, das der damals junge Franz-Josef politisch - nunmehr jedoch als lebender Anachronismus bis 1916 - prolongierte.

Es mag doppelt paradox klingen: So wie es nach den gewonnenen anti-napoleonischen „Befreiungskriegen“ der Heiligen Allianz wegen scheinbar keine Notwendigkeit zur Weiterentwicklung des österreichischen Heerwesens gab, so wurde auch Radetzkys zweiter Sieg zum Ausgangspunkt einer Stagnation und damit de facto einer Rückwärtsgewandtheit im Kriegswesen. Als stärkste Stütze eines durch und durch konservativen Staatswesens verspielte die Armee ihren kurzfristigen Modernitätsvorsprung gegenüber Preußen. Was durch Bündnisse und außerordentliche Kraftanstrengung sowohl 1813 und danach als auch 1848/49 zum Erfolg führte, wurde durch einen Prozess der Entschleunigung mit fatalen Folgen leichtfertig preisgegeben. Das Regiment der „groben Oberste“ 89) mit ihrer Ausrichtung auf das Handwerkliche - für Benedek bestand hierfür gar die Notwendigkeit zur Einübung eines gewissen „Kommissdienstes“ 90) - führte mit zur Lösung der „deutschen Frage“ in der „Entscheidung 1866“.91) Der preußischen „Revolution in Military Affairs“ 92) waren die österreichischen Streitkräfte nicht gewachsen. Die Folge war die Institutionalisierung der „ersten deutschen Teilung“.

Die historische Bedeutung Radetzkys für die (Militär-)Geschichte Österreichs in seiner vor dem Ersten Weltkrieg größten Krise indes ist evident: „Im Jahre 1848 war es nicht die Kunst der Politik und Diplomatie, sondern das Genie eines Feldherrn gewesen, das den Staat vor dem Zerfall bewahrt hatte; die Siege Radetzkys haben nicht nur einen äußeren Feind zurückgeworfen, sondern selbstverständlich die nachdrücklichsten Auswirkungen auf die Entwicklung im Innern des Reiches gehabt. Der Name des greisen Feldmarschalls wurden zum Symbol jener Einheit der Armee und des Staates, die damals in Frage gestellt war, und niemand hat dies klarer empfunden und ausgedrückt als Grillparzer in seinem bekannten Gedichte.“ 93)


ANMERKUNGEN:

1) Die Prägnanz dieses bekannten „literarischen Urteils“ aus Franz Grillparzer: Feldmarschall Radetzky, Radetzky-Lieder. In: Sämtliche Werke, München 1960, S.14 erfasst die historisch-politische und militärische Bedeutung Radetzkys in ihrer Relevanz nach Ansicht des Verfassers am besten. Die Literaturlage ist insbesondere für das 19. Jahrhundert bereits fast unüberschaubar; damals wie auch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht nur gelegentlich zu pathetisch. Dennoch hat die österreichische Militärgeschichte mit Prinz Eugen im 18. Jahrhundert und Radetzky im 19. Jahrhundert ohne Frage zu Recht ihre „Ikonen“, deren militärische Viten resp. Leistungen noch immer zum militärhistorischen Bildungskanon gehören (sollten). Mit dem vorliegenden Beitrag wird in keiner Weise der Anspruch auf neue Forschungsergebnisse erhoben. Vielmehr soll es darum gehen, ein bekanntes militärisches Leben mit den Rahmenbedingungen der Zeit zu verknüpfen und erneut in Erinnerung zu rufen. Der Bibliothek der Offizierschule der Luftwaffe danke ich für die Unterstützung bei der Literaturrecherche. Gewidmet ist der Artikel meiner Ehefrau Ann-Katrin und unseren Kindern Timon, Nils, Kristin und Finn.

2) Friedrich Heller von Hellwald: Radetzky, S.339.

3) Bernd Rill (Hrsg.): 1848. Epochenjahr für Demokratie und Rechtsstaat in Deutschland, München 1998.

4) Vgl. Wolfgang J. Mommsen: 1848. Die ungewollte Revolution, Frankfurt/M. 2000, S.300.

5) Vgl. für die internationale Perspektive Michael Stürmer: Nationalstaat und Massendemokratie im Mächtesystem 1848 oder die Geburt eines Dilemmas. In: Josef Becker/Andreas Hillgruber (Hrsg.): Die Deutsche Frage im 19. und 20. Jahrhundert, München 1983, S.37-50 (=Schriften der Philosophischen Fakultät der Universität Augsburg Nr. 24).

6) Vgl. Paul Kennedy: Aufstieg und Fall der großen Mächte. Ökonomischer Wandel und militärischer Konflikt 1500-2000, Frankfurt/M. 1989, S.257.

7) Vgl. Kennedy, a.a.O., S.261.

8) Vgl. Kennedy, a.a.O., S.260 und Schmidt-Brentano, a.a.O., S.105 mit einer Statistik über den Rückgang der Militärausgaben, die nur in den Jahren 1821/22 und 1831/32 vor dem Hintergrund von Interventionen in italienischen Staaten kurzfristig stark gestiegen waren.

9) Vgl. Wolfgang Hardtwig: Vormärz. Der monarchische Staat und das Bürgertum, München 1994 (=Deutsche Geschichte der neuesten Zeit, Band 2).

10) Für einen kursorischen Überblick vgl. Manfred Botzenhart: 1848/49: Europa im Umbruch, Paderborn u.a. 1998, S.34-42 sowie Simonetta Soldani: Annäherung an Europa im Namen der Nation. Die italienische Revolution 1846-1849. In: Dieter Dow/Heinz-Gerhard Haupt/Dieter Langewiesche (Hrsg.): Europa 1848. Revolution und Reform, Bonn 1998, S.125-166.

11) Vgl. zum Gesamtkomplex R. Jaworski/R. Luft (Hrsg.): 1848/49. Revolutionen in Ostmitteleuropa, München 1996, Jiri Koralka: Revolutionen in der Habsburgmonarchie. In: Dow, a.a.O., S.197-230, ders.: Tschechen im Habsburgerreich und in Europa 1815-1914, Wien 1991 und Lothar Höbelt: 1848. Österreich und die deutsche Revolution, Wien/München 1998 sowie Wolfgang Häusler: Zur sozialen und nationalen Problematik der Revolution von 1848/49 in der Donaumonarchie. In: E. Zöllner (Hrsg.), Revolutionäre Bewegungen in Österreich, Wien 1981, S.110-128.

12) Schmidt-Brentano, a.a.O., S.171.

13) Vgl. J.A. v. Helfert (Hrsg.): Radetzky in den Tagen seiner ärgsten Bedrängnis. Amtlicher Bericht des Feldmarschalls vom 18. bis zum 30. März 1848. In: Archiv für österreichische Geschichte 95 (1906), S.145-162.

14) Zit. nach Helfert, a.a.O., S.161.

15) Mommsen, a.a.O., S.126.

16) Allmayer-Beck: Feldzug von 1859, S.62.

17) Zu den Schwierigkeiten der Truppenzuführung vgl. die Beispiele bei Köster, a.a.O., S.124f.

18) Vgl. Botzenhart, a.a.O., S.242f.

19) Vgl. Roger Price: „Der heilige Kampf gegen die Anarchie“. Die Entwicklung der Gegenrevolution. In: Dow, a.a.O., S.43-81, hier S.62.

20) Vgl. Theodor Schieder: Vom Deutschen Bund zum Deutschen Reich, München 1975, S.82 (=Gebhardt Handbuch der deutschen Geschichte, Band 15).

21) Prinz Hubertus zu Löwenstein: Deutsche Geschichte, München, Berlin 1978, S.354.

22) Vgl. Price, a.a.O., S.62.

23) Zit. nach Allmayer-Beck: Habsburgermonarchie, S.9.

24) Golo Mann: Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Frankfurt am Main 1958, S.214.

25) Schieder, a.a.O., S.82f.

26) Zit. nach Mommsen, a.a.O., S.273.

27) Evelyn Ashley: The Life and Correspondence of Henry John Temple, Viscount Palmerston Vol. 2, London 1879, S.87.

28) Vgl. Walter Wagner: Die K.(U.)K. Armee - Gliederung und Aufgabenstellung. In: Wandruszka/Urbanitsch (Hrsg.): Die Habsburgermonarchie 1848-1918 (Band V: Die bewaffnete Macht), Wien 1987, S.142-633, hier S.333f.

29) Mommsen, a.a.O., S.287.

30) So in einem Brief an seine Frau vom 6. Dezember 1848, zit. nach A. Hinneburg (Hrsg.): Briefe des Feldmarschalls Grafen Radetzky an seine Gattin 1848-1851. In: Österreichische Rundschau XVIII (1909), S.48-53, hier S.49f.

31) Fritz, a.a.O., S.34. Dieses im Januar 1967 gefällte Urteil wurde bereits wenige Monate später im 6-Tage-Krieg Israels beinahe entwertet und im Januar 1991 mit dem Krieg zur Befreiung Kuwaits „eingestellt“. Alle drei Beispiele, wie auch der letzte Irakkrieg von 2003, zeigen jedoch, dass mit einem schnellen militärischen Sieg nicht unbedingt für die Zukunft tragbare politische Stabilität erreicht wird. Das rein militärische „Geheimnis des Sieges“ trägt nur eingebunden in eine kohärente politische Strategie Früchte. Die Zeit nach dem Krieg muss bereits vor und während desselben mitbedacht werden.

32) So Wolf-Schneider von Arno, a.a.O., S.94.

33) Vgl. Winfried Baumgart: Europa und die Revolution von 1848/49. In: Bernd Rill (Hrsg.) 1848, S.119-141, hier S.131f.

34) Botzenhart: Europa im Umbruch, S.253.

35) Zit. nach Regele, a.a.O., S.391f. Die folgenden Zitate sind ebenda, S.431-433 entnommen.

36) Sie gleicht in Grundzügen jener des York von Wartenburg im Dezember 1812, bei dem Gehorsamspflicht und Einschätzung der Lage vor Ort ebenfalls kollidierten, vgl. Birk: Tauroggen. Radetzky und Wartenburg zogen aus Einsicht in höhere staatspolitische Notwendigkeiten die gleiche Konsequenz und entschieden sich gegen die Gehorsamspflicht.

37) Vgl. Regele, a.a.O., S.282.

38) Vgl. Allmayer-Beck: Habsburgermonarchie, S.6.

39) Vgl. Sked, a.a.O., S.89.

40) Vgl. Siegfried Fiedler: Kriegswesen und Kriegführung im Zeitalter der Einigungskriege, Bonn 1991, S.38.

41) Zu Jellacic vgl. E. Bauer: Joseph Graf Jellachich. Banus von Kroatien. Schicksal und Legende des kroatischen Helden von 1848, Wien/München 1975, W. Görlitz: Jellacic. Symbol für Kroatien, Wien/München 1992 sowie Ferdinand Hauptmann: Banus Jellacic und Feldmarschall Windischgrätz. In: Südost-Forschungen XV (1956), S.372-402 und ders.: Jellacic’s Kriegszug nach Ungarn 1848. Zwei Bände, Graz 1975.

42) Vgl. Sabrina Müller: Soldaten in der deutschen Revolution 1848, Paderborn 1999.

43) Vgl. Allmayer-Beck: Menschenführung, S.69.

44) Vgl. Sked, a.a.O., S.51 am Beispiel zweier italienischer Infanterieregimenter.

45) Wagner: K.(U.)K. Armee, S.324.

46) Zu den unterschiedlich langen Zeiten und Nationalitäten in der k.k.-Armee zwischen 1815-1848 vgl. Sked, a.a.O., S.44-54.

47) Allmayer-Beck: Menschenführung, S.75.

48) Allmayer-Beck: Menschenführung, S.68.

49) Die Darstellung folgt hier Wagner: K.(U.)K. Armee, S.326-328 und S.333f. sowie Heller von Hellwald: Radetzky; Regele, a.a.O., S.233-319 und Wolf-Schneider von Arno, a.a.O., S.56-94.

50) Zit. nach Duhr, Briefe, S.82.

51) Zit. nach Heller von Hellwald: Radetzky, S.375.

52) Fiedler: Revolutionskriege, S.273.

53) Vgl. die Wiedergabe seines Beitrages aus „Neue Rheinische Zeitung“ Nr. 257 vom 28. März 1849. In: MEW, Band 6, Berlin/Ost 1959, S.383f. Zu Friedrich Engels und seinem militärischen Denken vgl. Jehuda L. Wallach: Die Kriegslehre von Friedrich Engels, Frankfurt/M. 1968 (=Hamburger Studien zur neueren Geschichte, Band 10).

54) Niemeyer, Joachim: Das österreichische Militärwesen im Umbruch. Untersuchungen zum Kriegsbild zwischen 1830 und 1866, Osnabrück 1979, S.62.

55) Vgl. Allmayer-Beck: Habsburgermonarchie, S.8.

56) Vgl. Heinrich Lutz: Zwischen Habsburg und Preußen. Das Ringen um die Vormacht in Deutschland 1815-1866, Berlin 1985 (=Die Deutschen und ihre Nation, Band 2).

57) Heller von Hellwald: Denkschriften, S.433.

58) Vgl. Schmidt-Brentano, a.a.O., S.178f.

59) Vgl. Hagen Schulze: Der Weg zum Nationalstaat. Die deutsche Nationalbewegung vom 18. Jahrhundert bis zur Reichsgründung (=Deutsche Geschichte der neuesten Zeit, Band 3), 2. Aufl. München 1986, S.24.

60) Zit. nach Schmahl, a.a.O., S.9.

61) Zit. nach Regele, a.a.O., S.371. Es gab indes keinen schriftlichen Gesamt-Operationsplan für 1850, vgl. Wagner: K.(U.)K. Armee, S.339.

62) Vgl. Angelow, a.a.O., S.156, Regele, a.a.O., S.371 und Schmidt-Brentano, a.a.O., S.177.

63) Niemayer, a.a.O., S.162.

64) Allmayer-Beck: Menschenführung, S.67.

65) F.J.A. Schneidawind: Aus dem Hauptquartiere und Feldleben des Vater Radetzky. Scenen und Erzählungen aus den Feldzügen der k.k. österreichischen Armee in Italien in den Jahren 1848 und 1849, Stuttgart 1854, S.22.

66) A. v. Hübner: Ein Jahr meines Lebens 1848/49, Leipzig 1891, S.19f.

67) Zit. nach Schmidt-Brentano, a.a.O., S.293f.

68) Vgl. zu diesem Ansatz Wolfram Wette: Militärgeschichte von unten. In: ders. (Hrsg.): Der Krieg des kleinen Mannes. Eine Militärgeschichte von unten, München 1992, S.9-47.

69) Grillparzer: Einem Soldaten. In: Grillparzer, Werke I, S.323f.

70) Langewiesche, a.a.O., S.95.

71) Vgl. I. Déak: Where Loyality and where Revolution? The Dilemma of the Habsburg Army Officers in 1848-1849. In: B. K. Király (Hrsg.): East Central European Society and war in the Era of Revolutions 1775-1856, New York 1984, S.393-418.

72) Zur Rolle des Militärs vgl. Dieter Langewiesche: Die Rolle des Militärs in den europäischen Revolutionen von 1848. In: Dieter Dow/Heinz-Gerhard Haupt/Dieter Langewiesche (Hrsg.): Europa 1848. Revolution und Reform, Bonn 1998, S.915-932.

73) Vgl. Price, a.a.O., S.57.

74) Vgl. Allmayer-Beck: Habsburgermonarchie, S.24.

75) Golo Mann, a.a.O., S.223.

76) Der Feldzug der österreichischen Armee in Italien im Jahre 1848 bzw. 1849, 2 Bde., Wien 1852; Der Winterfeldzug 1848-1849 in Ungarn. Unter dem Oberkommando des Feldmarschalls Fürsten zu Windisch-Graetz, Wien 1851.

77) Vgl. Johann-Christoph Allmayer-Beck: Die Militärgeschichtsschreibung in Österreich von ihren Anfängen bis zum Jahr 1918. In: MGFA (Hrsg.), Militärgeschichte in Deutschland und Österreich vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart, Herford 1985 (=Vorträge zur Militärgeschichte, Band 6), S.70-86, hier S.76f.

78) Price, a.a.O., S.51.

79) Zit. nach Hackl, a.a.O., S.261.

80) Ebenda, S.263.

81) Fiedler: Einigungskriege, S.98.

82) So Allmayer-Beck, zit. nach Regling, a.a.O., S.291f.

83) Fritz, a.a.O., S.35. Dies enthält eine Anspielung auf das „Mirakel des Hauses Brandenburg“, von dem Friedrich II. im Siebenjährigen Krieg (1756-63) sprach; vgl. dazu Johannes Kunisch: Das Mirakel des Hauses Brandenburg, Studien zum Verhältnis von Kabinettspolitik und Kriegführung im Zeitalter des Siebenjährigen Krieges, München/Wien 1978.

84) Fiedler: Revolutionskriege, S.273.

85) G.F.W. Hegel: Vorrede zu seinen Grundlinien der Philosophie des Rechts (1821); Werke 7, S.28.

86) MEW, Band 6, S.383.

87) Zit. nach Regele, a.a.O., S.368.

88) Vgl. Mark Mazower: Der dunkle Kontinent. Europa im 20. Jahrhundert, Berlin 2000, S.75, der dies für die letzten Jahrzehnte der Habsburgermonarchie diagnostiziert.

89) Vgl. Allmayer-Beck: Menschenführung, S.70.

90) Zit. nach Allmayer-Beck: Habsburgermonarchie, S.33.

91) Wolfgang von Groote (Hrsg.): Entscheidung 1866. Der Krieg zwischen Österreich und Preußen, Stuttgart 1966.

92) Vgl. hierzu den Beitrag von Denis Showalter: Moltke and the Prussian RMA. In: MacGregor Knox and Murray Williamson (Hrsg.): The Dynamics of Military Revolutions 1300-2050, Cambridge University Press 2001.

93) Brentano, a.a.O., S.229.