In treuer Waffenbrüderschaft

Über die k. u. k. Truppen auf fremden Kriegsschauplätzen während des Ersten Weltkrieges

Wolfgang Etschmann/Andreas W. Stupka

 

Allgemeinhin bekannt sind die großen Kriegsschauplätze, die Österreich-Ungarn während des Ersten Weltkrieges zu bedienen hatte: die Ostfront gegen Russland, die Balkanfront gegen Serbien, Montenegro, Rumänien und alliierte Verbände an der Saloniki-Front sowie die Alpen- und Isonzofront gegen Italien. Für die Kriegsmarine war das Einsatzgebiet die Adria, da nach dem Kriegseintritt Italiens 1915 auf Seiten der Entente die Straße von Otranto gesperrt worden war, was ein Auslaufen der k. u. k. Kriegsmarine in das Mittelmeer unmöglich machte. Auf allen diesen Kriegsschauplätzen war Österreich-Ungarn nicht alleine. Das Deutsche Reich unterstützte die k. u. k. Truppen massiv - mit dem Alpenkorps von Sommer 1915 bis zum Frühjahr 1916 und einer Armee während der Durchbruchschlacht von Flitsch-Tolmein im Herbst 1917; v.a. aber unterstützten die Deutschen im Osten, wo seit der Brussilow-Offensive 1916 ein gemeinsames Oberkommando der Mittelmächte die Geschicke des Krieges lenkte. Aber auch auf dem Balkan wurde Rumänien im Herbst 1916 gemeinsam mit deutschen und bulgarischen Truppen niedergerungen - das Deutsche Alpenkorps kämpfte an der Italienfront.

Wenig bekannt hingegen ist jedoch, dass auch österreichisch-ungarische Truppen auf fremden Kriegsschauplätzen eingesetzt waren, manchmal aus einer Notwendigkeit des gemeinsamen Bestehens heraus, wie in Fernost, meist aber als Signal für die funktionierende Waffenbrüderschaft oder zur Unterstützung des Bündnispartners mit entsprechender Expertise. So kämpften Truppen des k. u. k. Heeres sowie der k. u. k. Kriegsmarine in China 1914 gegen Japaner und Briten; die Donaumonarchie entsandte Truppen nach Gallipoli zur Unterstützung des Abwehrkampfes der Osmanen gegen Briten und Franzosen; Truppen zur Unterstützung des türkischen Bündnispartners wurden bis zum Ende des Krieges auch in der Levante eingesetzt. Bereits zu Beginn des Krieges kamen österreichisch-ungarische Truppen auch an der Westfront in Flandern zum Einsatz; v.a. aber gegen Ende des Krieges wurden große k. u. k. Verbände an der Westfront eingesetzt - zur Bestätigung der treuen Waffenbrüderschaft mit dem deutschen Verbündeten, die wegen der so genannten „Sixtus-Affäre“, also den geheimen Friedensinitiativen Österreich-Ungarns mit den Entente-Mächten, sehr auf den Prüfstand gestellt worden war.1)

Der bekannte Orientforscher und Priester Alois Musil war in geheimer Mission unterwegs, um die Wüstenstämme zur Loyalität gegenüber Konstantinopel anzuhalten (Bild: Alois Musil als Häuptling des Stammes der Beni-Sacher, 1901).

Im Wesentlichen sind es daher diese drei Kriegsschauplätze - China, der Nahe Osten und Frankreich - die im Folgenden dargestellt werden sollen.

Tsingtau

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts weiteten sich mit der zunehmenden Kolonialisierung der außereuropäischen Gebiete auch die Ambitionen der Landmacht Österreich-Ungarn in Richtung Afrika und Asien aus. Es hatte österreichisch-ungarische Versuche gegeben, so manches Gebiet dort und da als Kolonie zu erwerben, wie beispielsweise das Ansinnen im Zuge der Weltumsegelung der Fregatte „Novara“ von 1857 bis 1859, die Nikobaren im Indischen Ozean in Besitz zu nehmen. Alle diese Unternehmungen waren von wenig Erfolg geprägt gewesen, zumal v.a. der Kaiser wenig Freude mit den kolonialen Vorstellungen verband und diese daher auch nicht unterstützte. Österreich-Ungarn beschränkte seine Überseeoperationen daher in erster Linie auf wissenschaftliche Expeditionen und Handelsreisen.2)
Im 19. Jahrhundert war auch das bisher verschlossene China in den Blickpunkt der imperialen Anstrengungen europäischer Mächte und der USA gerückt; eine Politik der „Pachtgebiete“ begann, wodurch China oftmals mittels der so genannten „ungleichen Verträge“ genötigt wurde, Handelskonzessionen zuzugestehen und die christliche Mission zuzulassen. Pachtgebiete wurden de facto als Kolonien im Besitz der jeweiligen Großmacht geführt; im Zuge dessen erwarb das Deutsche Kaiserreich ab 1897 das an der Küste des Gelben Meeres auf der Halbinsel Schantung gelegene Gebiet von Kiautschau mit seiner Hauptstadt Tsingtau; es sollte als Stützpunkt für das Ostasien-Geschwader dienen und im Rahmen des Fern­osthandels die deutschen Interessen vertreten.
Neben diesen als Kolonien geführten Pachtgebieten erwarben die westlichen Großmächte auch so genannte Konzessionsgebiete in chinesischen Städten, vornehmlich in Schanghai und Tientsin, die dadurch zu den führenden Handelsmetropolen Chinas aufwuchsen. Diese Gebiete unterstanden in ähnlicher Form wie die diplomatischen Vertretungen dem jeweiligen Konzessionsnehmer. Nach der Niederschlagung des „Boxeraufstandes“ im Jahre 1900 hatte auch Österreich-Ungarn ein solches 60 Hektar großes Konzessionsgebiet 1901 in der Stadt Tientsin am Golf von Bohai erworben.3) Dieser Umstand veranlasste die Donaumonarchie zur Entsendung eines permanenten „Stations-Schiffes in Ostasien“ durch die k. u. k. Kriegsmarine zum Schutz der österreichisch-ungarischen Vertretungen und Handelsniederlassungen im Raum.
Diesen Dienst unternahmen vornehmlich und abwechselnd die beiden Schwesterschiffe „SMS Kaiser Franz Joseph I.“ und „SMS Kaiserin Elisabeth“, Letzteres von der Mannschaft liebevoll als „Liesl“ bezeichnet. Als Torpedorammkreuzer konstruiert und 1892 in den Dienst gestellt, galten die beiden Schiffe mit ihrer schwachen Bewaffnung und der nur kurzzeitig zu haltenden Höchstgeschwindigkeit von 19 Knoten in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts bereits als veraltet und für eine moderne Seekriegführung ungeeignet; von zeitgenössischen Marinefachleuten wurden die Schiffe geringschätzig nur als „Sternecks4) Sardinenbüchsen“ bezeichnet.5) Sehr wohl aber konnten mit diesem Schiffstyp Evakuierungen vorgenommen, Geleitschutzfahrten durchgeführt und Feuerunterstützung bei Landoperationen gegeben werden. Da von Seiten Österreich-Ungarns Seekriegsoperationen im Fernen Osten nie in Betracht gezogen worden waren, erschien daher dieser Schiffstyp als ausreichend für die Aufgaben eines Stationsschiffes.
Die „SMS Kaiserin Elisabeth“ hatte die „SMS Kaiser Franz Joseph I.“ im Oktober 1913 als Stationsschiff abgelöst und kreuzte nun in den japanischen und chinesischen Gewässern. Die Besatzung, rund 400 Mann, bestand hauptsächlich aus dalmatinischen Seeleuten, Deutschen aus allen Teilen der Monarchie sowie Ungarn und anderen Nationalitäten, wie dies in der Armee des Vielvölkerstaates allgemein üblich war; die Dienstsprache war jedoch Deutsch. Das Schiff unterstand dem Kommando von Linienschiffskapitän Richard Makovitz, einem erfahrenen Seeoffizier.6) Am 29. Juni 1914 traf die Nachricht von der Ermordung des Thronfolgers in Sarajewo auf dem Schiff ein; nach den Trauerfeierlichkeiten wurde die Kriegswache aufgezogen und das Schiff gefechtsbereit gemacht. Am 21. Juli erging dann der Befehl des Marinekommandos, Tsingtau anzulaufen und im Hafen zu verbleiben.
Eine alleinige Rückverlegung des Schiffes nach Europa erschien als völlig aussichtslos, für einen Anschluss an das deutsche Ostasiengeschwader war die Geschwindigkeit gegenüber den modernen Kriegsschiffen zu gering. Das Gleiche galt später auch für die Überlegungen, sich dem deutschen Kreuzer „Emden“ bei seinen Kaperfahrten anzuschließen, weshalb nur die Möglichkeit verblieb, das Schiff im Hafen von Tsingtau zu belassen und gemeinsam mit den deutschen Waffenbrüdern einen möglichen Abwehrkampf zur Verteidigung der Festung zu führen. Am 29. Juli traf die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien ein und am 1. August der Befehl zur allgemeinen Mobilisierung. Zu diesem Zeitpunkt rechnete man noch nicht mit einem Kriegseintritt Japans, sondern mit möglichen Angriffen der Briten, die sich seit 4. August mit dem Deutschen Reich im Krieg befanden.7)
„Als die österreichisch-ungarische Gesandtschaft aus Peking telegrafierte, dass die Beziehungen zwischen der Donaumonarchie und Russland abgebrochen seien, öffnete der Schiffskommandant seine für diesen Fall bestimmte geheime Ordre. Die darin auf die k. u. k. Kriegsschiffe im Ausland Bezug habende Anweisung enthielt nur einen einzigen, auf die Lage des Kreuzers anwendbaren Satz: »Im Interesse des Dreibundes handeln!« … [Der Kommandant unterstellte das Schiff] dem Gouverneur von Kiautschau, wobei der Vorbehalt gemacht werden musste, dass der Kreuzer nicht zu Dienstleistungen herangezogen werden dürfe, die sich gegen Großbritannien oder Frankreich richten würden, da sich die Monarchie zu diesem Zeitpunkt mit diesen beiden Mächten noch nicht im Kriegszustand befand.“8) Am 11. August erfolgten die Kriegserklärungen der beiden Mächte an Österreich-Ungarn; damit war diese Lage geklärt, und die Schiffsbesatzung der „SMS Kaiserin Elisabeth“ begann, sich am Aufbau der Befestigungsanlagen v.a. gegen einen Angriff von der Landseite zu beteiligen.
Am 16. August erfolgte ein Ultimatum Japans an das Deutsche Reich, die Kolonie bis 15. September zu räumen, eine Antwort sollte bis 23. August ergehen. Mittlerweile trafen österreichische Zivilisten aus dem fernöstlichen Raum als Kriegsfreiwillige in Tsingtau ein; sie wurden in die Verteidigungsvorbereitungen mit einbezogen. Nach dem Verstreichen des Ultimatums erklärte Japan am 23. August dem Deutschen Reich den Krieg. Der österreichische Kommandant hatte sich dazu entschlossen, sofern keine anderen Weisungen einlangten, an der Seite der Deutschen die Festung zu verteidigen. Bereits am 24. August jedoch traf der Befehl zur Abrüstung des Kreuzers und der Verlegung der Mannschaft nach Tientsin ein. Eine etwa halbzugsstarke Bewachungsmannschaft blieb zurück, der Rest der Truppe folgte den Anweisungen und begab sich in das österreichisch-ungarische Konzessionsgebiet inmitten des neutralen China.9)
Kaum in Tientsin angekommen, kam der Befehl zum „Mitkämpfen“ in Tsingtau. Am 25. August hatte Japan Österreich-Ungarn den Krieg erklärt; die Soldaten sollten nun unerkannt aus Tientsin in kleinen Gruppen aussickern und sich in Tsingtau melden.10) Ab dem 30. August trafen nach und nach die Besatzungsmitglieder der SMS Kaiserin Elisabeth in der Festung ein und führten zusammen mit den deutschen Truppen den Abwehrkampf gegen eine japanisch-britische Übermacht. Insgesamt waren, nachdem der Kreuzer „Emden“ Mitte August endgültig auf Kaperfahrt ausgelaufen war, noch der Kreuzer „SMS Kaiserin Elisabeth“, das deutsche Kanonenboot „Jaguar“ und das deutsche Torpedoboot „S90“ für eine Verteidigung von Bucht und Hafen sowie zur Unterstützung gegen Angriffe von der Landseite einsetzbar; sechs Geschütze (2x15 cm; 4x4,7 cm) wurden von der „SMS Kaiserin Elisabeth“ ausgebaut und für den Einsatz an der Landfront verwendet. Zusammen mit den etwa 400 österreichisch-ungarischen Soldaten wiesen die Verteidigungskräfte der Festung Tsingtau eine Stärke von 5.000 Soldaten auf - ihnen standen ca. 70.000 Mann an britischen und japanischen Kräften gegenüber.
Von Seeseite wurde Kiautschau ab dem 27. August abgeriegelt. Die Truppen des Kaiserreiches Japan landeten ab Anfang September im Norden der Halbinsel Schantung bei Lungkou an und durchquerten die Halbinsel Richtung Süden unter der Missachtung der chinesischen Neutralität, um nach etwa 150 Kilometern auf die ersten deutschen Verteidigungslinien zu stoßen. Die Verteidiger der Festung hielten sich trotz fortwährender massiver Angriffe von der Landseite und der Beschießung mit den schweren 30,5 cm-Schiffsgeschützen durch die britische Marine bis Anfang November 1914 recht wacker. Im Zuge der Gefechte um Tsingtau erfolgte auch der erste seegestützte Luftangriff der Geschichte, und zwar durch japanische Flugzeuge gegen die „SMS Kaiserin Elisabeth“, ohne jedoch auf dem Schiff irgendwelchen Schaden anzurichten.
Am 29. Oktober zeichnete sich nach massivem Artilleriebeschuss der Sturm auf die Festung ab, weshalb der Kommandant, Kapitän zur See Meyer-Waldeck, die Zerstörung der Hafenanlagen und der Werft anordnete. Aus der „SMS Kaiserin Elisabeth“ wurden alle Kanonen ausgebaut und an Land verfrachtet, das Schiff wurde am 2. November um 3 Uhr früh durch die Mannschaft gesprengt und damit versenkt.11) Nachdem ein erster Sturmangriff der Japaner Anfang November abgewehrt werden konnte, fiel die Festung, nachdem die Munitionsvorräte bereits zur Neige gegangen waren, worüber ein Augenzeuge berichtet: „Am Morgen des 7. November 1914 ging beim Festungskommando die weiße Flagge hoch. Der Gouverneur hatte die Festung übergeben, nachdem die Werke niedergerungen, die Batterien niedergekämpft und die Munition erschöpft waren, um weiteres unnützes Blutvergießen zu verhindern. Das Lied war aus, Tsingtau gefallen, und uns selbst winkte eine traurige Zukunft!“12) Österreich-Ungarn hatte auf diesem Kriegsschauplatz elf Gefallene und eine überschaubare Anzahl von Verwundeten zu beklagen; der Großteil von ihnen ging in die japanische Kriegsgefangenschaft, manche verschlug es nach der Gefangennahme durch die Briten nach Australien. Die meisten (einige nahmen Dienst in Niederländisch-Indien) kehrten erst nach dem Krieg wieder in ihre neuen Heimatländer zurück.

Gallipoli - Levante - Persien

Die Beziehungen zwischen dem Osmanischen Reich und dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation waren über die Jahrhunderte hinweg sehr unmittelbar, lagen sich doch diese beiden Großmächte als Nachbarn meist feindlich gesinnt gegenüber. Das lag v.a. am Expansionswillen der Türken, die nach dem Fall Konstantinopels 1453 ihr Reich zügig nach Norden ausweiteten und so naturgemäß mit der Habsburgermonarchie in Konflikt kommen mussten. Allerdings hatten sie damit einen ebenbürtigen Gegner gefunden, der ihnen durchaus empfindliche Niederlagen zuzufügen imstande gewesen war. Insgesamt kann die Entwicklung so beurteilt werden, dass das Osmanische Reich unter Suleiman dem Prächtigen in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts seinen Zenit erreicht hatte und danach langsam, aber stetig an Kraft und Dynamik verlor. Die Gründe sind einerseits in der fortschrittsfeindlichen religiösen Tradition des Islams zu finden, der eine Weiterentwicklung ähnlich der europäischen Gemeinwesen, die sich aus der ebenso fortschrittsfeindlichen Haltung der Kirche allmählich herauszulösen begonnen hatten, kaum zuließ; andererseits stellten interne Krisen und Aufstände - provoziert durch eine korrupte Staatsverwaltung - sowie der kontiniuerlich aufwachsende europäische Kolonialismus den Zusammenhalt des Reiches immer mehr in Frage.
Mit dem Frieden von Karlowitz 1699, der den „großen Türkenkrieg“ beendete, musste das Osmanische Reich große Gebietsabtretungen zugunsten Österreichs hinnehmen; in den darauffolgenden Kriegen wendete sich das Blatt vollends, und während Österreich zur Großmacht aufwuchs, ging es mit der osmanischen Vorherrschaft auf dem Balkan immer mehr bergab. Im 19. Jahrhundert war dessen Lage so prekär, dass die Europäer über die Türkei nur noch vom „kranken Mann am Bosporus“ sprachen. In dieser Zeit jedoch verbesserten sich die Verbindungen zwischen der Habsburgermonarchie und den Osmanen zusehends, und Österreich-Ungarn entwickelte eine Schutzmachtpolitik für die Christen und Juden im osmanischen Herrschaftsbereich, und hier insbesondere in der Levante, was durch die Errichtung des Österreichischen Hospiz und einen Besuch des Kaisers Franz Joseph I. 1869 in Jerusalem besonders verdeutlicht wurde.
Der Österreichische Lloyd und v.a. die österreichische Levante-Post unterhielten enge Wirtschaftsbeziehungen in den osmanischen Raum, der für die Monarchie v.a. wegen der Rohstoffvorkommen und als Absatzmarkt von Maschinen und sonstigen Industriewaren als interessant eingestuft wurde. Allerdings betraf dieses Ansinnen, das nach der Eröffnung des Suezkanals eine zusätzliche Wertsteigerung erfuhr, alle europäischen Großmächte dieser Zeit. Da nach dem Freiheitskampf und der Unabhängigwerdung der Balkanvölker das Osmanische Reich nicht mehr in der Lage war, die moslemisch dominierte Provinz Bosnien und Herzegowina zu schützen, ersuchte der Sultan am Berliner Kongress 1878 um die Okkupation und damit den Schutz des Gebietes durch Österreich-Ungarn. So blieb das Gebiet zwar staatsrechtlich beim Osmanischen Reich, wurde aber wie der mitokkupierte Sandschak von Novi Pazar durch Österreich-Ungarn verwaltet. Ein Machtumschwung in der Türkei 1908 (die „Jungtürkische Revolution“13)) ließ eine Revision dieser Verhältnisse erwarten, weswegen Österreich-Ungarn Bosnien und die Herzegowina kurzerhand annektierte.14)
Diese so genannte „Annexionskrise“ am Vorabend des Ersten Weltkrieges konnte zwar durch die Zahlung einer Entschädigung an die Türken weitgehend beigelegt werden, aber dennoch war Österreich-Ungarn gegenüber Großbritannien und dem Deutschen Reich als Handelspartner ins Hintertreffen geraten. Auch die sonstige Zusammenarbeit mit den Türken war als eher kühl zu bezeichnen, weshalb auch Österreich-Ungarn nicht eingeladen wurde, an der Reform der türkischen Streitkräfte mitzuarbeiten - diese Rolle fiel bei der Armee dem Deutschen Reich und bei der Marine anfänglich den Briten zu.15) Ein weiterer Aspekt, der nicht gerade zur Verbesserung der Beziehungen vor dem Krieg beitrug, war die Ablehnung eines Hilfeersuchens der Türkei an Österreich-Ungarn gegen Italien. Ermu­tigt durch die Annexion Bosniens und der Herzegowina fielen die Italiener 1911 in die zum Osmanischen Reich gehörenden Gebiete Tripolitanien und Cyrenaika, also die an der Küste liegenden Regionen des heutigen Libyen, ein und annektierten diesen Raum sowie den Dodekanes mit der Hauptinsel Rhodos. Österreich-Ungarn wies das Hilfeersuchen der Osmanen unter Rücksichtnahme auf den italienischen Partner im Dreibund zurück. Grundsätzlich sah Österreich-Ungarn das Osmanische Reich als rückständig an, aber als geeigneten Handelspartner und guten Absatzmarkt - ein militärisches Bündnis wurde sowohl vom österreichisch-ungarischen Botschafter in Konstantinopel, dem Markgrafen Johann von Pallavicini, als auch vom dortigen k. u. k. Militärattaché, Generalmajor Joseph Pomiankowski, als nicht tragfähig erachtet. Als jedoch der Krieg im Sommer 1914 ausbrach, überschlugen sich die Ereignisse derart, dass es die Türkei als Bündnispartner zu gewinnen galt, um die Herstellung einer Verbindung zwischen Russland und den restlichen Entente-Mächten im Westen zu unterbinden.

Der große Krieg beginnt

Als erste Maßnahme wurden alle österreichisch-ungarischen Handelsschiffe, die aus dem östlichen Mittelmeer die eigenen Häfen nicht mehr erreichen konnten, in türkische Häfen beordert. Es wurde der Plan entwickelt, ein zur Gänze mit Zement beladenes Schiff im Rahmen eines Kommandounternehmens in den Suezkanal fahren zu lassen und es dort zu versenken, um die Nachschubroute der Briten aus Indien über das Mittelmeer nachhaltig zu stören. Obwohl der Suezkanal ein strategisch wichtiges Ziel darstellte und noch Operationen zu seiner Sperrung unternommen werden sollten, blieb es diesmal beim Plan.16) Als die Türkei dann am 2. November auf Seiten der Mittelmächte in den Krieg eintrat, sah sie sich hinsichtlich eines Zusammenwirkens mit den Truppen der Verbündeten auf sich allein gestellt, denn in Ermangelung einer Landverbindung konnte keine Transportachse aus Zentraleuropa in die Türkei hergestellt werden.
Allerdings konnte man den Türken mit kleineren Detachements im Rahmen der Militärberatung behilflich sein. Dies führte dazu, dass Anfang 1915 eine Gruppe von k. u. k. Schi-Instruktoren in die Türkei entsendet wurde, um die türkischen Truppen im Kaukasus mit diesem Fortbewegungsmittel vertraut zu machen. In geheimer Mission startete auch der bereits vor dem Krieg im arabischen Raum tätige und allseits bekannte Orientforscher und Priester Alois Musil seine Tätigkeit, um die Wüstenstämme zur Loyalität gegenüber Konstantinopel anzuhalten. Er gilt hinsichtlich seiner erfolgreichen Tätigkeit als der Gegenspieler des nach dem Krieg v.a. durch die filmische Vermarktung berühmt gewordenen britischen Lawrence von Arabien. Musil erreichte bei den innerarabischen Stämmen, dass sich diese soweit ruhig verhielten und nicht gegen das Osmanische Reich vorgingen. Die ab Ende des Jahres 1916 beginnende Aufwiegelungsarbeit von T.E. Lawrence wirkte sich auf den Kriegsverlauf erst ab Juli 1917 entscheidend aus. In Ägypten wurde gegen die Ölquellen im Raum Dschemsah am Roten Meer ein Kommandounternehmen erfolgreich unter der Führung österreichisch-ungarischer kriegsfreiwilliger Erdöltechniker durchgeführt, um die Belieferung der Briten mit Treibstoff zu unterbinden - ein Nadelstich.17)

Haubitzen und Mörser für Gallipoli

Erst als am 14. Oktober 1915 Bulgarien in den Krieg eintrat und Serbien niedergekämpft werden konnte, war eine direkte Landverbindung zur Unterstützung der bei Gallipoli heftig bedrängten türkischen Truppen gegeben. In der Endphase der Schlacht um Gallipoli kamen daher die 24 cm-Motor-Mörserbatterie Nr. 9 erstmalig am 27. November 1915 sowie die k. u. k. 15 cm-Haubitzbatterie Nr. 36 des k. u. k. Festungsartillerieregiments Nr. 7 erstmalig am 24. Dezember 1915 zum Einsatz. Aufgrund der Ausweglosigkeit der Situation begannen die Briten mit der Evakuierung der Landungszone, jedoch: „Kurz vor dem endgültigen Abzug von Gallipoli warfen die Briten noch einen Zettel über die Linien, auf dem sie verkündeten, dass sie auch vor der österreichisch-ungarischen Artillerie nicht weichen würden.“18) Die beiden Artilleriebatterien bewährten sich in diesen Kämpfen hervorragend und fanden aufgrund ihrer artilleristischen Fähigkeiten bei den türkischen Waffenbrüdern große Bewunderung. Gerade dieser schweren Feuerunterstützung bedurfte die osmanische Armee auf allen Kriegsschauplätzen dringend, da sie selbst über derlei moderne Geschütze nicht verfügte. So erging das Ansuchen an Wien, weitere Artillerieabteilungen in den Nahen Osten zu entsenden. Generalmajor Pomiankowski, mittlerweile zum k. u. k. Militärbevollmächtigten für den orientalischen Kriegsschauplatz avanciert, riet Wien jedoch von der Entsendung größerer Truppenkörper ab. Vielmehr sollte mit dem Einsatz von kleinen artilleristischen Verbänden und technischen Abteilungen Hilfe geleistet werden. Diese sollten jedoch den Charakter von Elitetruppen haben und für den Krieg in den Wüstengebieten besonders ausgesucht und ausgerüstet sein. Insbesondere sollten sich die k. u. k. Truppen von den deutschen Verbänden abheben, als deren Anhängsel die Soldaten der Donaumonarchie im türkisch-arabischen Raum des Öfteren betrachtet wurden.
So geschah es denn auch, dass seine „Allerhöchste Majestät“ die Zustimmung zur Entsendung einer Gebirgshaubitzendivision in der Stärke von zwei Batterien sowie zusätzlicher Transport- und Sanitätselemente nach Palästina erteilte; allerdings war Kaiser Franz Joseph die Gegend aus seinem Jerusalembesuch her vertraut, was ihn zu der Aussage veranlasste: „Na, ich glaub’ doch, die sehen wir nimmer!“19) Auch die beiden bereits im Raum Gallipoli befindlichen Batterien verblieben vorerst dort. Nach dem Ende der Kämpfe wurde zunächst die 15 cm-Haubitzenbatterie Nr. 36 aus Gallipoli abgezogen und zur Sicherung der Küste im Raum Smyrna, dem heutigen Izmir, eingesetzt. Im Zuge dessen gelang es den k. u. k. Artilleristen, aus der Ägäis in den Golf von Smyrna hinein angreifende britische Marineeinheiten abzuwehren. V.a. um die im Golf gelegene Insel Kösten (heute: Uzun Ada) entbrannten im Mai 1916 heftige Gefechte, wobei der II. Zug der Haubitzbatterie den kleinen britischen Monitor „M30“ versenkte. Kurze Zeit später war auch die 24 cm-Mörserbatterie im Raum um Smyrna eingesetzt, bis schließlich beide Einheiten, unter teilweiser Belassung des Geschützmaterials bei inzwischen sehr gut eingeschulten türkischen Kanonieren, im Spätherbst 1916 aus dem orientalischen Kriegsschauplatz herausgenommen wurden, um mit der Heeresgruppe Mackensen20) im Rahmen des VI. Osmanischen Korps an der Balkanfront eingesetzt zu werden.

Wüstenkrieg

Im März 1916 trafen auch die vom Kaiser freigegebenen Truppen auf dem orientalischen Kriegsschauplatz ein; dabei handelte es sich um die 1. Batterie des k. u. k. Gebirgsartillerieregiments 4 sowie die 2. Batterie des k. u. k. Gebirgsartillerieregiments 6, die in der „k. u. k. Gebirgshaubitzdivision von Marno“, benannt nach ihrem Kommandanten Hauptmann Adolf Marno von Eichenhorst, zum Einsatz kamen. „Obwohl die Division in den beiden Batterien insgesamt nur acht eingeteilte Geschütze hatte, betrug der Gesamtstand der Offiziere und Mannschaften beinahe 1.000 Mann, da man geneigt war, auf dem ganzen Wege nach Südpalästina eine eigene Etappenstruktur aufzubauen und erste ‚Abgänge’ (nicht nur Kriegseinwirkung) gleich frontnah decken wollte.“21) Diese Truppe war eben ein „Herzeigeverband“ oder - wie bereits angemerkt –„Eliteverband“, der sogar eine eigene Musikkapelle in seinen Reihen aufwies.
Die Division wurde sofort nach ihrem Eintreffen in der Levante im Zuge des Angriffes auf den Suezkanal im Raum Al Arisch am Mittelmeer ab Juli 1916 eingesetzt, der von den Briten und Australiern jedoch abgewehrt werden konnte. Als weitere Entsendungen kamen noch Instruktionsdetachements für die Gebirgsartillerie mit Materialbatterien zur Ausbildung der türkischen Truppen hinzu. Zur Unterstützung der Artillerie bzw. für die raschere Überbrückung der langen Versorgungswege in der Levante wurden seitens der Donaumonarchie auch so genannte „Kraftwagenkolonnen“ entsandt, wozu auch eine eigene Etappenstruktur mit Werkstätten und Sanitätseinrichtungen geschaffen werden musste. Zudem wurden ab 1916 in Frontnähe Sanitätsanstalten eingerichtet, wie beispielsweise das k. u. k. Reservespital in Jerusalem. Für alle diese Aufgaben wurden die Soldaten mit eigenen Wüstenuniformen und Tropenhelmen ausgerüstet, um sich eindeutig von den deutschen Truppen zu unterscheiden. Dies hing auch damit zusammen, dass es im Laufe des Krieges zu immer größeren Missstimmungen zwischen dem sich diametral gegenüberstehenden Naturell der deutschen und der türkischen Soldaten und v.a. der Offiziere gekommen war, während die k. u. k. Truppen hier einen besseren Zugang zum orientalischen Waffenbruder fanden. Dazu äußerte sich der Militärbevollmächtigte Generalmajor Pomiankowski in seinen Memoiren folgendermaßen: „Resümierend konnte gesagt werden, dass viele Deutsche geneigt waren, die Türkei als ihr ausschließliches Expansionsgebiet und Exploitationsobjekt zu betrachten und der Monarchie jedes Recht zur freien Konkurrenz abzusprechen. Diese Auffassung jedoch wurde von den Türken absolut nicht geteilt und konnte meiner Ansicht nach auch von uns nicht akzeptiert werden.“22)
Die 24 cm-Mörserbatterie Nr. 9 wurde zu Beginn 1917 wieder von der Balkanfront in den kleinasiatischen Raum verlegt, allerdings mit nur mehr zwei Geschützen, hinzu kam jedoch die 10 cm-Kanonenbatterie Nr. 20, beide kämpften bis zum Kriegsende in der Levante als wertvolle Unterstützung der türkischen Verbände. Die k. u. k. Gebirgshaubitzabteilung verblieb ebenso im Raum der Levante und war an allen Schlachten um Gaza erfolgreich beteiligt; nach der Ausrüstung mit neuen 10 cm-Feldhaubitzen M 14 Anfang 1918 wurde sie in „k. u. k. Feldhaubitzabteilung in der Türkei“ umbenannt. Die 15 cm-Haubitzbatterie Nr. 36 wurde im Frühjahr 1917 von der Balkanfront abgezogen und wieder zum Schutz der Dardanelleneingänge auf dem asiatischen Festland eingesetzt. Von dort lieferte sie sich Artillerieduelle zur Abwehr von britischen Marineangriffen aus dem Raum der Insel Tenedos (heute: Bozcaada); angesichts des bevorstehenden Kriegsendes wurde die Batterie im Oktober 1918 über Konstantinopel und Odessa in die Heimat verbracht.
Die in der Levante eingesetzten österreichisch-ungarischen Einheiten kämpften Seite an Seite mit ihren türkischen Kameraden und den Teilen des deutschen Asien-Korps. Schlüsselstellung der osmanischen Verteidigung war die Festung Gaza in Palästina, wo insgesamt drei Schlachten in den Jahren 1917 stattfanden. Die österreichisch-ungarischen Artillerieeinheiten wurden dort in der Verteidigung im Schwergewicht eingesetzt und schlugen sich äußerst tapfer. Sie bildeten gewissermaßen das Rückgrat der Verteidigung, wie aus Berichten über die Kämpfe am 18. April 1917 (zweite Schlacht um Gaza) hervorging: „Die österreichisch-ungarischen Batterien hatte die Schlacht bei Gaza außer ihrem Kommandanten noch sieben Offiziere und 43 Mann gekostet - aber sie hatten das Äußerste geleistet, was man von ihnen, was man überhaupt von einer vorzüglichen Artillerie verlangen konnte. Nicht nur der Heeresbericht hob ihren entscheidenden Anteil an den Kämpfen bei Gaza rühmend hervor, das größte Lob wurde ihnen aus dem Munde des Gegners zuteil: Gefangene englische Offiziere schoben ihnen die meiste ‚Schuld’ an dem für sie ungünstigen Ausgange des Kampfes zu …“23)
Die dritte Schlacht um Gaza begann am 31. Oktober 1917. Die Briten banden die türkisch-deutschen Truppen frontal und griffen über Ber Scheeba den schwach besetzten linken Flügel an, der daraufhin zurückgenommen werden musste und damit die Verbindung nach Jerusalem öffnete. Die stark befestigten Stellungen um die Stadt Gaza wurden geräumt, um nicht eingekesselt zu werden. Seitens des Oberkommandierenden der türkisch-deutschen Truppen, Marschall Falkenhayn (bekannt aus der verloren gegangenen Schlacht um Verdun 1916), wurde die Front zurückgenommen und versucht, die Heilige Stadt zu decken. Allenby zog seine Truppen zusammen und begann in den ersten Tagen des Dezember 1917 die entscheidende britische Offensive; am 8. Dezember wurde Jerusalem von den Briten besetzt, da die Stadt von den Türken kampflos aufgegeben worden war. Die Regenzeit verhinderte ein weiteres rasches Vordringen der Briten Richtung Norden. Im Wesentlichen stabilisierte sich die Front an der Verteidigungslinie Arsuf an der Küste über Jericho bis zum Nordende des Toten Meeres. Im Frühjahr 1918 wurde Falkenhayn von seinem Kommando abgelöst, und es übernahm General Liman von Sanders, bekannt als der siegreiche Befehlshaber von Gallipoli 1916. Die Palästinafront blieb bis 19. September 1918 weitgehend stabil.
An der Küste verteidigten die 8. Osmanische Armee, daran anschließend Richtung Osten bis zum Jordan die 7. Osmanische Armee und östlich des Jordan die 4. Osmanische Armee, alle zusammen unter dem Kommando des deutschen Generals Liman von Sanders bis Ende Oktober hinhaltend gegen die übermächtige britische Armee unter General Edmund Allenby. Die Briten hatten während der Sommermonate 1918, die aufgrund der klimatischen Bedingungen keine Angriffsoperationen zuließen, ihre Truppen massiv verstärken und mit neuestem Gerät ausrüsten können. Zudem begannen bei den unterversorgten und ausgezehrten türkischen Truppen an der gesamten Palästinafront Auflösungserscheinungen Platz zu greifen. Der britische Angriff erfolgte mit einer derartigen Wucht, dass Allenby der Durchbruch bei der 8. Armee gelang. Der ob dieser überraschenden Entwicklung unkoordinierte Rückzug der 8. Armee artete in eine regelrechte Flucht aus, sodass auch die 7. Armee ins Wanken geriet und zurückgenommen werden musste, um einer Einschließung zu entgehen. Gegen die 4. Armee im Osten waren arabische Einheiten angesetzt worden, die sich allerdings als weniger kampfkräftig erwiesen, wodurch diese Armee einigermaßen geordnet nach Norden zurückgenommen werden konnte.
Nach dem Zusammenbruch der Palästinafront in der zweiten Septemberhälfte 1918 und der Einnahme von Damaskus am 30. September 1918 begann der beschwerliche Rückzug der k. u. k. Einheiten aus der Levante in den kleinasiatischen Raum. In diesen Kämpfen des Jahres 1918 waren bei den österreichisch-ungarischen Artillerieeinheiten die enormen Verluste von zehn Offizieren und Unteroffizieren, 529 Mannschaften und zwölf Geschützen zu verzeichnen.24) General Liman von Sanders vermochte die Truppen nördlich von Aleppo neu zu strukturieren, die Front zu stabilisieren und ein weiteres Vordringen der Briten zu verhindern. Allerdings war im Oktober auch die Mesopotamienfront zusammengebrochen, wodurch sich Konstantinopel gezwungen sah, die Waffen zu strecken und einen Waffenstillstand anzubieten. Die Briten verlangten in diesem am 30. Oktober bewilligten Waffenstillstand von Moudros die bedingungslose Räumung aller nichttürkischen Gebiete und weiter Teile Anatoliens sowie die Öffnung aller Häfen und der Dardanellen; die türkische Armee musste abgerüstet werden.
Den deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen wurden vier Wochen zum Abzug aus den türkischen Gebieten gewährt. Die k. u. k. Einheiten begaben sich allesamt nach Konstantinopel und warteten auf die Verlegung in die Heimat. Die Rückführung der Truppen wurde vom mittlerweile zum Feldmarschallleutnant beförderten Militärbevollmächtigten Joseph Pomiankowski geleitet, der nach dem Bekanntwerden der Zerfallserscheinungen in der Monarchie mit der Bildung von „Soldatenräten“ zu kämpfen hatte, die er allerdings kurzerhand durch den Einsatz türkischer Truppen auflösen ließ. Nach dem Einzug britischer Truppen wurden die k. u. k. Einheiten auf das asiatische Festland verbracht und letztendlich im Jänner 1919 Richtung Heimat eingeschifft; am 20. Jänner 1919 erreichten die Heimkehrer Triest und wurden in Sonderzügen weiter in ihre Heimatländer transportiert; die Österreicher kamen am 24. Jänner in Wien am Südbahnhof an und gingen formlos auseinander.

Im Reich des Sonnenlöwen

Nahezu unbekannt ist die Tatsache, dass sich auch in Persien während des Ersten Weltkrieges österreichisch-ungarische Truppen befunden haben. Grundsätzlich war Persien für einen Krieg nicht vorbereitet, und der Schah verfügte über keine eigene Armee,25) sondern lediglich über eine ca. 7.000 Gendarmen umfassende Truppe, die von schwedischen Offizieren geführt wurde. Der Schah hatte sein Reich mit 1. November 1914 als neutral erklärt, allerdings fühlte er sich durch den mächtigen Nachbarn Russland im Norden bedroht; dieser hatte nämlich den Raum Aserbaidschan besetzt und „zum Schutze persischer Interessen“ die Persische Kosakenbrigade unter der Führung russischer Offiziere aufgestellt.26) Zudem befand sich das Land in einer wirtschaftlichen und politischen Abhängigkeit von Russland einerseits und Großbritannien andererseits, das mit seinen indischen Kolonien an Persien grenzte. Die Stimmung in der Bevölkerung tendierte daher eher zu einer Unterstützung der Mittelmächte.
Das Deutsche Reich hatte die unbedingte Absicht, Persien zum Kriegseintritt auf Seiten der Mittelmächte zu bewegen. Einerseits hätte dies eine Entlastung der in Bedrängnis befindlichen osmanischen Front gegen Russland bedeutet, andererseits zielten die deutschen Planungen auf einen Stoß gegen Britisch-Indien, um dort Kräfte zu binden, die dann dem europäischen Kriegsschauplatz gefehlt hätten. Zu diesem Zweck trachtete das Deutsche Reich auch Afghanistan zum Krieg gegen die Briten zu bewegen. Daher kam es in den Jahren 1914 bis 1916 zum Einsatz von deutschen Spezialeinheiten in diesem Raum. Österreich-Ungarn wollte sich diesen Überlegungen und Einsätzen nicht anschließen. Dennoch kämpften zahlreiche Soldaten der k. u. k. Armee, deren Anzahl allerdings auf einige Hundert beschränkt blieb, in Persien. Und das kam so:
Der Krieg an der Ostfront bescherte Russland im ersten Kriegszeitraum zahlreiche österreichisch-ungarische Kriegsgefangene, von denen etwa 50.000 in den zentralasiatischen Raum nahe der persischen und afghanischen Grenze verbracht worden waren. Von diesen Kriegsgefangenen gelang so manchen unter Inkaufnahme enormer Strapazen die Flucht über die trockenen Steppengebiete und bis zu 3.000 Meter hohen Gebirge auf Karawanenpfaden nach Persien, wo sie von den Gendarmerieeinheiten unter dem Kommando der mittelmächtefreundlichen schwedischen Offiziere aufgegriffen und nach Teheran verbracht wurden. Der k. u. k. Militärattaché in Teheran, Oberst Wolfgang Heller, unterstützte diese geflohenen Kriegsgefangenen nach besten Kräften, indem er sie in der österreichisch-ungarischen Gesandtschaft aufnahm und einkleidete. Zudem baute er über Informanten und Helfer das Fluchtnetz entsprechend aus, sodass die Zahl seiner Schutzbefohlenen in Teheran beträchtlich anwuchs. Vor den Persern rechtfertigte er diese Zunahme an Militärpersonal als „k. u. k. Gesandtschaftswache“. Ab 1915 forderte jedoch das Deutsche Reich als Zeichen treuer Waffenbrüderschaft die Unterstützung seiner Aktivitäten und v.a. der geplanten Afghanistan-Expedition durch österreichisch-ungarische Kräfte vor Ort. Oberst Heller beschränkte sich jedoch darauf, den deutschen Kräften ausschließlich Freiwillige zuzuführen.
Hinsichtlich der Zusammenarbeit mit den Deutschen zeigte sich, dass diese speziell für diese Einsätze ausgesuchte Soldaten einsetzten, während die Angehörigen der k. u. k. Armee durch die Strapazen der Flucht ausgemergelt waren und die deutsche Sprache teilweise nicht beherrschten - Umstände, die einer Zusammenarbeit keineswegs förderlich waren und Beschwerden seitens der deutschen Einsatzführung nach sich zogen. Ein Putschversuch gegen den Schah veranlasste diesen, in die russische Gesandtschaft zu flüchten, und gab Russland den Vorwand, in Persien militärisch aktiv zu werden. Von Süden her begannen britische Einheiten in Persien einzufallen. Die persischen Gendarmen und teilweise die persischen Kosaken kämpften zusammen mit türkischen Verbänden gegen die Eindringlinge. Den Deutschen gelang es auch, Kämpfer aus dem Volk zu rekrutieren und als so genannte „Mudschaheddin“ (Gotteskrieger) gegen die Russen und Briten einzusetzen. Eine genaue Zahl der österreichisch-ungarischen Soldaten, die an diesen Kämpfen beteiligt waren, lässt sich nicht nennen, allerdings wurden durch den österreichischen Militärbevollmächtigten Generalmajor Pomiankowski zahlreiche Belohnungslisten für Kämpfer in Persien unterschrieben; auch aus britischen Gefangenenlisten lassen sich Zahlen ableiten, sodass die österreichisch-ungarischen Kämpfer in Persien zwischen 1914 und 1916 auf einige Hundert geschätzt werden können.
Die Mehrzahl der durch Flucht aus der Kriegsgefangenschaft freigekommenen Soldaten der k. u. k. Armee wurde von Oberst Heller in Marschpaketen von Teheran über Bagdad und Konstantinopel in die Heimat abgeschoben. Oberst Heller selbst wurde 1916 von den Russen in Teheran verhaftet und in die Kriegsgefangenschaft geführt.27)

Westfront

Während bei den Kämpfen im Orient schon allein wegen der weiten Distanzen nahezu immer beweglich gekämpft werden musste, hatten sich die Kämpfe auf dem französischen Kriegsschauplatz, also aus deutscher Sicht an der Westfront, nach einem anfänglich zügigen Vormarsch der Deutschen über das neutrale Belgien hinein nach Nordfrankreich sehr bald im Stellungskrieg festgefahren.

Gegen das neutrale Belgien

Bereits im Hochsommer 1914 waren zur Festigung der Waffenbrüderschaft einerseits, aber andererseits sicherlich auch zur Begutachtung des österreichischen Kriegsmaterials und der dazu gehörenden Soldaten im Einsatz Artilleriekräfte in die Angriffsoperationen an der Westfront eingegliedert. Auf das zwei Wochen vorher ergangene Ersuchen des deutschen Chefs des Generalstabes, Generaloberst Hellmuth von Moltke, waren ab 21. August 1914 zwei Verbände der schweren Artillerie der k. u. k. Armee nach Belgien verlegt worden. Die zwei Halbbataillone „Krakau“28) und „Görz-Wippach“29) mit jeweils zwei Batterien, die mit je zwei 30,5 cm-Skoda-Motor-Mörsern ausgerüstet waren, hatten vorerst hauptsächlich an der Niederkämpfung einzelner Forts der belgischen Festungen Namur (bis zum 25. August) und Antwerpen (bis zum 9. Oktober) teilgenommen.30) Über den Einsatz seiner Mörser berichtet der Kommandant des Halbbataillons Krakau, Hptm Rudolph v. Ranciglio, in seinen Erinnerungen: „In der Nacht vom 23. auf den 24. August stürmte ein Bataillon des 33. I.R. das Fort d’Andoy. Der Sturm wurde jedoch abgeschlagen und kostete die Angreifer 50 Mann, darunter 14 Tote. Am 24. setzten alle Mörser mit lebhaftem Feuer gegen dieses Werk ein, und um 5 Uhr nachmittags wehten zwei weiße Fahnen auf ihm; die Widerstandskraft des Feindes war gebrochen […] hörten wir aus Hunderten österreichischen Kanonierkehlen begeistert und dröhnend: Hurrah! Hurrah! Hurrah!“31) Interessanterweise erfolgte dieser erste Einsatz von Artillerieformationen der k. u. k. Heeres bereits eine Woche vor der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Belgien am 28. August 1914.32)
Nach dem kurzfristigen Einsatz einzelner Batterien an der Ypern-Front beziehungsweise im Raum nordwestlich von Verdun und westlich von Metz wurden die Batterien im März beziehungsweise Mai 1915 endgültig zur Rückverlegung an die mittlerweile drei Fronten der österreichisch-ungarischen Streitkräfte vorbereitet.33)

Vor Verdun 1918

Nach dem Einsatz der Artillerieeinheiten zu Beginn des Krieges standen ab dem Mai 1915 keine österreichisch-ungarischen Truppen mehr an der Westfront. Dies änderte sich erst 1918, als der Druck zunehmender US-Militärpräsenz immer deutlicher geworden war. Waren es zu Beginn lediglich vereinzelte Artillerieeinheiten, die jedoch wegen Problemen beim Munitionsnachschub alsbald wieder in die Reihen des k. u. k. Heeres zurückgestellt wurden, verlangte die Deutsche Oberste Heeresleitung/DOHL ab Mitte 1918 nach k. u. k. Truppendivisionen, um die hohen eigenen Ausfallszahlen einigermaßen kompensieren zu können.
Im deutschen Heeresbericht vom 11. Oktober 1918 wurde u.a. gemeldet:
„[…] Auf dem östlichen Maasufer griff der Amerikaner tagsüber mit starken Kräften zwischen Sivry und dem Haumont-Wald an. Brandenburgische, sächsische, rheinische und österreichisch-ungarische Regimenter schlugen in hartem Kampf alle Angriffe des Feindes ab. Das österreichisch-ungarische Infanterieregiment 5 unter seinem Kommandeur Oberstleutnant Popelka zeichnete sich hierbei besonders aus“34)
Wenn auch die Realität anders war und die im Heeresbericht erwähnten Truppen hohe personelle Einbußen und bedeutende Geländeverluste hinnehmen hatten müssen, so fällt doch die Beteiligung österreichisch-ungarischer Verbände in den Kämpfen an einem Abschnitt der Westfront im Herbst 1918 auch für manchen Spezialisten wohl überraschend auf. Der wenn auch nicht allzu große Anteil von Verbänden des k. u. k. Heeres an den Operationen an der Westfront zwischen 1914 und 1918 kann noch heute als wenig bekannt eingeschätzt werden. Zweifellos dürfte v.a. die österreichische Militärgeschichtsschreibung nach dem Ersten und auch nach dem Zweiten Weltkrieg daran nicht unbeteiligt sein, da die Darstellungen über die Südwestfront, also die Schilderung der Kämpfe im Hochgebirge beziehungsweise am Isonzo noch immer im Mittelpunkt des Interesses stehen und die Kriegführung auf dem Balkan und an der Ostfront demgegenüber bislang noch immer etwas im Hintergrund geblieben ist.35)
In den folgenden zweieinhalb Kriegsjahren standen - wie bereits erwähnt - abgesehen von Verbindungs- und Beobachteroffizieren sowie von jenen Soldaten, die eine Ausbildung für Sturmtruppen erhielten,36) keine Truppen der k. u. k. Armee an der Westfront. Im Februar 1918 waren erneut fünf schwere Feldartillerieregimenter (FAR 25, 45, 54, 59 und 206), eine Batterie des schweren FAR 2 sowie eine Batterie des schweren Artillerieregiments 6 (mit einem 38 cm-Mörser) verschiedenen deutschen Armeen an der Westfront zur Unterstützung der deutschen Frühjahrsoffensive unterstellt worden. Wachsende Probleme bei der Munitionsversorgung führten jedoch nach der Anfangsphase der „Großen Schlacht in Frankreich“ zur schrittweisen Rückverlegung einiger Verbände nach Österreich-Ungarn.
Die schwere Vertrauenskrise zwischen der Donaumonarchie und Deutschland wurde durch die aus den im Jahre 1917 an die Verwandten seiner Frau geschriebenen Briefen Kaiser Karls resultierende „Sixtus- Affäre“ verstärkt. Dies erklärt nicht nur die Aussage Kaiser Karls: „Unsere weitere Antwort sind meine Kanonen im Westen“ als Reaktion gegenüber der Veröffentlichung der Briefe durch die französische Regierung. Auch die Beschlagnahme deutscher Schleppkähne auf der Donau mit einer Ladung von fast 2.500 Waggonladungen Mehl auf Betreiben des Vorsitzenden des gemeinsamen Ernährungsausschusses, General Ottokar Landwehr, am 30. April 1918 hatte eine weitere schwere Verärgerung des deutschen Bündnispartners ausgelöst. Diese Missstimmung zwischen den Bündnispartnern führte jedoch am 12. Mai 1918 in Spa zum Abschluss des „Waffenbundes“ zwischen den beiden Monarchen, Karl I. und Wilhelm II., der Österreich-Ungarn politisch und militärisch noch stärker als bisher an den Partner und seine politisch-strategischen Vorgaben binden sollte. Das Scheitern der ersten Phase der deutschen Frühjahrsoffensive im Westen am 9. April ließ aber auch die politisch-militärische Führung des Deutschen Reiches gegenüber seinem Bündnispartner vorübergehend etwas moderater auftreten.37)
Die dritte Phase38) des Einsatzes österreichisch-ungarischer Verbände an der Westfront sollte schließlich im Hochsommer 1918 erfolgen. Die Krise der deutschen Operationen in Frankreich und Belgien ab April 1918 verstärkte das erneute Drängen der Obersten Heeresleitung am 21. Juni 1918 zur Entsendung namhafter österreichisch-ungarischer Kräfte an die deutsche Westfront. (Diese Forderung wurde mit der Zusage von weiteren Lieferungen deutscher Mehlbestände an Österreich-Ungarn junktimiert.) Die effektive Unterstützung des k. u. k. Heeres an seiner Südwestfront durch das „Deutsche Alpenkorps“39) ab Juni 1915 bis zum Frühjahr 1916 und der deutschen 14. Armee von Ende Oktober bis zum Jahresende 1917 bei der Durchbruchsschlacht in Friaul und Julisch-Venetien hatten der DOHL gewichtige Argumente für eine Unterstützung an der Westfront in die Hand gegeben.
Nach der schweren Niederlage der k. u. k. Truppen bei ihrer am 15. Juni 1918 begonnenen letzten Offensive am Piave - die Verluste an Gefallenen, Vermissten, Verwundeten und Gefangenen hatten in knapp zehn Tagen 115.000 Mann betragen - war es klar geworden, dass an der Südwestfront Österreich-Ungarns ab diesem Zeitpunkt die Defensive die vorherrschende Kampfart sein würde. Aber auch die defensive Operationsführung war schließlich durch die sich täglich verschlechternde Versorgungslage des Sommers 1918 immer schwieriger erfolgreich durchzuführen, auch wenn ein italienischer Großangriff mit Unterstützung der alliierten Kontingente an der Gebirgsfront und in Venetien vorerst noch ausblieb.40)
Während die Offensive am Piave noch im Gange war, ihr Scheitern sich aber schon abzeichnete, erging am 19. Juni durch Ludendorff in einem Telegramm an den bevollmächtigten deutschen General beim k. u. k. Armeeoberkommando, Generalleutnant von Cramon, die Aufforderung, direkt auf die österreichisch-ungarische militärische Führung dahingehend einzuwirken, von einer späteren Wiederholung der eben fehlgeschlagenen Offensive abzusehen und dafür österreichisch-ungarische Truppen in der Stärke von fünf bis sechs zuverlässigen Divisionen an die Westfront zu entsenden. In diesen Verbänden sollten keine tschechischen Soldaten in nennenswerter Anzahl dienen.41) Zwei Tage später war Hindenburg in seinem Telegramm an den Generalstabschef des k. u. k. Heeres, Generaloberst Arz von Straußenburg, bereits zu folgendem Schluss gekommen: „Das Herbeiführen einer Gesamtentscheidung gegen einen sich in Frankreich dauernd verstärkenden Feind bedingt, dass wir alles an anderer Stelle irgendwie Entbehrliche hier zusammenfassen […] Vom Standpunkt der Obersten Kriegsleitung spreche ich meinen Standpunkt dahin aus, dass die österreichisch-ungarische Armee ihre Angriffe in Italien einstelle und alle hiedurch verfügbar werdenden Kräfte dem westlichen Kriegsschauplatze zuführt.“
Die strategischen Überlegungen in der DOHL, die zu diesem Zeitpunkt angestellt wurden, hatten mit den realen Möglichkeiten des Findens erfolgversprechender strategischer Entscheidungen und operativer Möglichkeiten der Verbündeten nur noch wenig gemein. Oberstleutnant Georg Wetzell hatte in seiner Denkschrift vom 22. Juni 1918 entgegen den allgemeinen Weisungen Ludendorffs an die deutschen Heeresgruppen verschiedene alternative Möglichkeiten der Operationsführung erörtert, die auch in näherer Zukunft eine erneute Schwerpunktverlagerung auf den norditalienischen Kriegsschauplatz vorsah, da: „[…] im Spätherbst selbst mit Unterstützung von k. u. k. Truppen noch ein weiterer großer Schlag wahrscheinlich nicht möglich sein würde, so erwünscht er auch wäre […] Mit deutscher Oberführung und einer Anzahl deutscher Generalkommandos, Artilleriestäbe und zwölf bis 15 aufgefrischten, kampferprobten Westdivisionen, bin ich überzeugt, würden wir dort [Anm.: Norditalien] einen noch größeren Erfolg erzielen als im vorigen Jahre […] Zum anderen würde vielleicht die völlige Zertrümmerung der italienischen Armee ermöglicht. V.a. wäre die Entente wieder gezwungen, mit erheblichen Kräften auszuhelfen. Sie kann dies nur durch Truppen von der Westfront, wahrscheinlich durch amerikanische, von denen ein starker Teil damit an der Hauptfront verschwände […] Bei einem entscheidend großen Erfolg muss sogar mit der Möglichkeit gerechnet werden, in der Po-Ebene bis an die italienisch-französische Grenze vorzukommen und die Westfront bis dorthin zu verlängern.“42) Diese Überlegungen hatten jedoch völlig den erforderlichen deutschen Kräfteansatz (der nun wieder an der Westfront gefehlt hätte) und die realen Möglichkeiten der Heere der Mittelmächte negiert.
In einer weiteren Denkschrift, die nach der Ablehnung der vorangegangenen Vorschläge durch Ludendorff mit den vorher durch ihn gegebenen und schon erwähnten Weisungen nun völlig korrespondierte, betonte Wetzell nun wiederum die Möglichkeit, dass nach dem erhofften erfolgreichen Verlauf der eigenen Offensive bei Reims: „[…] unsere Ersatzlage und die uns von Österreich-Ungarn zugeführte Verstärkung […] noch einen großen Schlag auf dem Westkriegsschauplatz - vielleicht Mitte September“, erlauben würde und damit die Front vor Paris durch die Bindung der französischen Truppen entblößt wäre. Die Denkschrift schloss mit dem Satz: „Fehlt uns die Kraft zu diesem Schlage, so wäre die Entente in Italien anzugreifen.“43)
Dies bedeutete die Wiederaufnahme seiner Überlegungen in der vorhergehenden Denkschrift und eine inhaltliche Übereinstimmung mit dem unabhängig davon zufällig am selben Tag gestellten Ersuchen des österreichisch-ungarischen Chefs des Generalstabes der gesamten bewaffneten Macht, Generaloberst Baron Artur Arz von Straußenburg, um maßgebliche deutsche Waffenhilfe für eine neue Offensive des k. u. k. Heeres an der Südwestfront in Norditalien. Die bereits völlig erschöpften und weitgehend ausgehungerten deutschen Truppen konnten aber selbst unter der Annahme der erfolgreichen Mitwirkung von aufgefrischten Verbänden des k. u. k. Heeres, dessen Truppen sich allerdings nur mehr für die Defensive eignen sollten, auf keine Erfolge bei Angriffsoperationen hoffen.
Ebenso bedeutete wiederum die Annahme der militärischen Führung der Mittelmächte, einen entscheidenden Umschwung der militärischen Lage in Italien oder gar in Frankreich herbeiführen zu können, eine weitgehende Überschätzung des eigenen militärischen Potenzials sowie die Verkennung der Möglichkeiten der Alliierten, die bereits in wenigen Wochen an praktisch allen Fronten Europas und auch des Nahen Ostens zu kriegsentscheidenden Offensiven anzutreten vermochten. Tatsächlich sollte es gerade zum Zeitpunkt des Scheiterns der letzten deutschen Offensive im Raum Reims am 17. und 18. Juli noch zum Eintreffen erster starker Kontingente des k. u. k. Heeres an der Westfront kommen.
So wurde ab 4. Juli 1918 das k. u. k. XVIII. Korps unter dem Kommando von Feldmarschallleutnant Ludwig Goiginger (Generalstabschef war Oberst Matsvansky) mit schließlich insgesamt vier Infanteriedivisionen - es waren dies die 1. und die 35. Infanteriedivision, die
37. Honveddivision sowie die 106. Landsturmdivision - an die Westfront verlegt. Zusätzlich wurden auch weitere Artillerieformationen, Ballonkompanien und sogar 15.000 russische Kriegsgefangene in Marsch gesetzt.44)
Vorerst hätten alle vier Divisionen in den Raum Verdun entsandt werden sollen, wo sie mit den Besonderheiten des westlichen Kriegsschauplatzes vertraut gemacht und zur Verstärkung der Feuerkraft mit 200 erbeuteten leichten britischen Maschinengewehren (vom Typ Lewis) je Division ausgestattet wurden.45) Aufgrund von Nachschubproblemen im Bereich der Artilleriemunition mussten die österreichisch-ungarischen Batterien einer teilweisen Umbewaffnung und Ausrüstung mit deutschen Geschütztypen unterzogen werden. Interessanterweise sollten die im Sommer 1918 bereits massiven nationalen Spannungen in der k. u. k. Armee an der Westfront kaum zum Tragen kommen.

Bei einer näheren Betrachtung der verschiedenen Nationalitäten lässt sich ein Schwerpunkt des siebenbürgischen Raumes feststellen: Die 35. Infanteriedivision bestand hauptsächlich aus Soldaten mit vorwiegend rumänischer Nationalität aus dem Raum Siebenbürgen. In den zur
1. Infanteriedivision gehörenden Feldjägerbataillonen 17 und 25 (Ergänzungsbezirk dieser Verbände war Brünn) und dem schweren Feldartillerieregiment 1 (Ergänzungsbezirk Josefsstadt) dienten allerdings entgegen den Intentionen Ludendorffs viele Tschechen. Tatsächlich waren aber in den anderen Regimentern, aus denen sich die vier Divisionen zusammensetzten, nur wenige Tschechen vertreten. Während die Nationalitätenprobleme innerhalb dieser Verbände weitgehend im Hintergrund blieben, trat ein anderes Phänomen im Sommer 1918 auf: Die Soldaten des k. u. k. Heeres waren nämlich bei ihrer Ankunft in Frankreich über die Rufe mancher deutscher Soldaten, von denen sie als „Kriegsverlängerer“ begrüßt worden waren, sehr irritiert gewesen.46)
Zur Lösung der zu erwartenden großen logistischen Probleme wurde die „k. u. k. Etappenstelle West“ in Arlon eingerichtet. Während es in den ersten Wochen nach der Ankunft der 1. und 35. Infanteriedivision noch durchaus ruhig geblieben war, begann der seit Langem erwartete amerikanisch-französische Großangriff auf den „St. Mihiel-Frontbogen“, der im Bereich der deutschen Armee-Abteilung C gelegen war, am 12. September mit stärkster Artillerie- und Luftunterstützung. „Der Mihiel-Bogen war eine ‚ruhige’ Front; er wurde von den Deutschen das ‚Sanatorium des Westens’ genannt. Die taktische Lage dieses Frontteiles war jedoch für den Fall eines feindlichen Angriffes sehr ungünstig.“47) Seitens der deutschen Führung wurde richtig beurteilt, dass dieser wie eine Nase aus der Front ragende Bogen bei einem Großangriff kaum zu halten sein würde. Man hatte daher in der Tiefe entlang der Bogensehne bereits eine neue Verteidigungslinie, die so genannte „Michel-Stellung“ ausgebaut, die die Front in diesem Abschnitt begradigte, sollte der Angriffsdruck so groß sein, dass die Truppen aus dem Bogen zurückgenommen werden mussten. Im Bogen selbst verteidigten den Nordabschnitt um Combres die 13. bayrische Landwehrdivision, den Mittelabschnitt im Raum der Combres-Höhen die k. u. k. 35. Infanteriedivision unter dem Kommando von Feldmarschallleutnant Podhoránszky und den südlichen Abschnitt hinter St. Mihiel die deutsche 192. Infanteriedivision.
Der Angriff am 12. September zielte auf die beiden Bogenenden, auf den Raum Thiaucourt im Süden und aus dem Raum Combres in südöstlicher Richtung, um die Verbände im Bogen einzukesseln. Die 13. bayr. LwD wehrte sich erfolgreich im Norden. Die 192. ID wurde zwar schwer bedrängt, konnte aber alsbald relativ geordnet auf die Michel-Stellung zurückgenommen werden, während die 35. ID die nördliche Flanke abdeckte. Aus US-Sicht liest sich dies folgendermaßen: „The Combres Group resisted any deep penetrations throughout most of the day. The Austrian 35th Division retired in good order to its artillery line and the 13th Landwehr Division blunted the advance of the 15th Colonial Division, which in turn slowed the advance of the 26th Division. Austrian 35th Division commander Major-General Podhoransky was confident enough in the strength of this position that he did not authorize a further retreat until 1600 hrs. At 1700 hrs the Combres Group commander, General Below, ordered the full retreat of the 35th Division and the 13th Landwehr Division to Michel Stellung.“48) Nach der geordneten Rücknahme aller Teile auf die Michel-Stellung dauerten die Kämpfe noch bis zum 14. September an und fanden dann ihren Abschluss, da für den amerikanisch-französischen Angreifer klar geworden war, dass die Michel-Stellung nicht mehr durchstoßen werden könne. Die k. u. k. 35. ID hatte während dieser Kämpfe sehr hohe Verluste erlitten, die sich auf insgesamt 99 Offiziere und 3.200 Mann beliefen.49)
Die enorme materielle Überlegenheit der Alliierten gegenüber den Truppen der Mittelmächte sollte sich in den folgenden Kämpfen zwischen 8. und 11. Oktober im Ornes-Abschnitt erneut beweisen. Hier wurden die Truppen der k. u. k. 1. Infanteriedivision, die nun der deutschen „Gruppe Maas Ost“ nördlich von Verdun unterstellt war, in schwerste Kämpfe mit amerikanischen Truppen verwickelt. Der Angriff begann am 8. Oktober mit drei Divisionen (links: 33. US-Infanteriedivision, Mitte: 29. US-Infanteriedivision, rechts: französische 18. Infanteriedivision) gegen die k. u. k. 1. ID, die in der Anfangsphase das Infanterieregiment/IR Nr. 5 (unter dem Kommando von Oberstleutnant Popelka) auf dem rechten Flügel, das IR 112 im Mittelabschnitt und das IR 61 auf dem linken Flügel eingesetzt hatte. Das Ringen war von Angriffen und Gegenangriffen gekennzeichnet, in denen das bereits stark dezimierte IR 5 unter Eingliederung von versprengten Gegenangriffskräften des deutschen Füsilierregiments 35 und Verstärkungen aus dem sächsischen IR 103 die heiß umkämpfte Höhe 371 bei Consenvoye so lange erfolgreich zu behaupten vermochte, bis die anderen Teile geordnet zurückgenommen werden konnten und damit ein vollständiger Durchbruch der alliierten Verbände verhindert wurde. Dies brachte dem Kommandanten wie bereits erwähnt den „Pour le merite“, die höchste preußische Tapferkeitsauszeichnung. Die Kämpfe endeten am 11. Oktober mit nur geringen Geländegewinnen für die Entente-Kräfte.
Allerdings wurde dieses Kampfgeschehen in der US-amerikanischen Rezeption aus der Sicht der 33. US-ID, die in den Abschnitt des IR 5 hinein anzugreifen hatte, anders wahrgenommen, wobei eine gewisse Kriegsmüdigkeit der k. u. k. Truppen zum Ausdruck kommt: „In two days the 33rd advanced four kilometers and took several hundred prisoners, mostly from the single Austro-Hungarian division on the western front that had replaced a first-class German division sent elsewhere. The Austrians did not want to fight and surrendered, as the Germans thought they would.“50) Diese Umstände mögen auf manche Truppenteile durchaus zugetroffen haben, in dieser Verallgemeinerung gehen sie aber sicherlich zu weit; außerdem dürfte die Recherchearbeit mangelhaft vorgenommen worden sein, was sich aus der Angabe, es hätte nur eine österreichisch-ungarische Division auf dem westlichen Kriegsschauplatz gegeben, ableiten lässt.
Trotz dieser Glanzleistungen war die Bilanz für die k. u. k. Truppen letztlich niederschmetternd. Nach dem vorläufigen Ende der Kämpfe wurde klar, dass bei weiteren alliierten Angriffen dieser Dimension von den eigenen Truppen bald nichts mehr übrig sein würde. Die Verluste der k. u. k. 1. Infanteriedivision hatten vom 1. bis zum 13. Oktober bereits über 5.000 Mann betragen, das waren über 55% der Verpflegsstärke der Division vor Beginn der Kämpfe. Die daraufhin folgende Unterstellung des Sturmbataillons 106 und des Landsturm-Infanterieregimentes/LstIR 25 der k. k. 106. LstID sollten die hohen Verluste ausgleichen - was aber auch durch die grassierende Grippeepidemie nicht gelingen sollte; zudem mussten das IR 112 und das Feldjägerbataillon 17 an die deutsche 228. ID abgegeben werden. Ende Oktober 1918 verfügte die 1. Infanteriedivision nur noch über einen Feuergewehrstand - d.h. Kampftruppen - von 2.700 Mann; allerdings mussten von diesen dann wenige Tage später schließlich noch einmal 22 Offiziere und 360 Mann als „gaskrank“ aus der Feuerlinie genommen werden. In der zweiten Oktoberhälfte blieb dieser Frontabschnitt jedoch weitgehend ruhig.51)
Von der k. k. 106. Landsturm-Infanteriedivision waren die bereits erwähnten Teile (das LstIR 25 und das Sturmbataillon 106) bereits ab 22. September der deutschen 7. Reserve-Division im Abschnitt der „Gruppe Maas Ost“ unterstellt worden und kämpften in diesem Abschnitt bis Mitte Oktober gegen amerikanische Verbände. Die Division unterstand dem k. u. k. XVIII. Korpskommando, das die Verteidigung des Abschnittes Ornes zum Auftrag hatte. Während es bei der im Norden angrenzenden Gruppe Maas Ost und im südlich angrenzenden Raum der Michel-Stellung zu wuchtigen Angriffen der US-amerikanisch-französischen Kräfte gekommen war, blieb dieser Abschnitt weitgehend ohne Kampfhandlungen.
Die k. u. k. 37. Honved-Infanteriedivision, die sich überwiegend aus Ungarn aus dem Raum Pressburg (Poszony) zusammensetzte, war erst in der ersten Septemberhälfte in den Raum südlich Straßburg verlegt und der Heeresgruppe Herzog Albrecht von Württemberg unterstellt worden. Diese Division kam allerdings nicht mehr zum Einsatz an der Front, sondern wurde hauptsächlich für Arbeiten zum Stellungsbau verwendet.52)
Noch am 16. Oktober hatte Ludendorff erneut die Entsendung von vier weiteren österreichisch-ungarischen Divisionen an die Westfront gefordert, „da die Witterungsverhältnisse derzeit einen Angriff gegen Österreich-Ungarn ausschalten“.53) Dem wurde seitens des k. u. k. Armee-oberkommandos richtigerweise nicht entsprochen, denn genau acht Tage später begann die alliierte Offensive an der Südwestfront.
In der ersten Novemberwoche wurden die ersten Verbände der k. u. k. Truppen an der Westfront durch die kritische Lage an den anderen Fronten Österreich-Ungarns zur Rückverlegung vorbereitet. Das k. u. k. XVIII. Korpskommando war bereits am 3. November 1918 nach Arlon und am 10. November nach Diedenhofen verlegt worden. Die österreichisch-ungarischen Divisionen wurden rasch aus der Front herausgezogen und bis 10. November südlich von Diedenhofen versammelt. Schon hier wurden, bedingt durch den bereits erfolgten Zerfall der Habsburgermonarchie in unabhängige Nationalstaaten, innerhalb der Divisionen Transportstaffeln nach den nun relevanten nationalen Gesichtspunkten gebildet. Nur die räumlich von den anderen Divisionen getrennte k. u. k. 37. HID wurde bereits bis 16. November im Bahntransport nach Ungarn zurückverlegt.
Die kritische Verkehrslage durch den schlagartig notwendigen Rücktransport der Truppen, der das deutsche ebenso wie das ehemals österreichisch-ungarische Bahnnetz in Zentraleuropa völlig überlastete, machte aber für die ehemaligen k. u. k. Verbände den Rückmarsch zum Rhein zu Fuß erforderlich. Erst zwischen 18. und 25. November erreichten das Korpskommando und drei Divisionen den Raum Karlsruhe-Germersheim. Auch hier war die Transportlage weiterhin kritisch, sodass der Rückmarsch in weitgehender Ordnung noch bis zum 27. November zum Neckar in den Raum Heilbronn fortgesetzt werden musste. Die Aussicht, weiter in den Raum Crailsheim marschieren zu müssen, stellte aber nunmehr für die Truppe eine kaum noch zumutbare Belastung dar. In den folgenden zwei Tagen gelang es schließlich, den Heimtransport mit der Eisenbahn zu bewerkstelligen. Bis zum Abend des 29. November hatten die letzten Truppen der de facto nicht mehr existierenden „Alten Armee“ Österreich-Ungarns das Gebiet des Deutschen Reiches verlassen.54)
Der im Gegensatz zu den chaotischen Zuständen an den anderen Fronten der Donaumonarchie organisatorisch weitgehend klaglos und ohne größere Auflösungserscheinungen verlaufende Heimtransport der k. u. k. Verbände von der Westfront im November 1918 wurde bereits zu einem Politikum in der neu entstandenen Republik Deutschösterreich. Der seit Anfang November 1918 amtierende Unterstaatssekretär im Staatsamt für Heerwesen, Julius Deutsch, hatte einen Putschversuch intakt heimkehrender Truppenverbände der „Alten Armee“ befürchtet und daher den Vorschlag eingebracht, die Verbände der k. u. k. Armee nicht direkt über das Staatsgebiet Deutschösterreichs zu transportieren, sondern nach Deutschböhmen umzuleiten.55) Die Verbände wären dort mit hoher Wahrscheinlichkeit von Verbänden des neu entstandenen tschechoslowakischen Heeres entwaffnet und aufgelöst worden bzw. soweit dort beheimatet in den siebenbürgischen Raum weitertransportiert worden. Dem wurde aber nicht entsprochen, und die einzelnen Transportpakete verlegten in ihre „neuen Heimaten“.

Abschließende Bemerkungen

Auf allen drei fremden Kriegsschauplätzen haben die Soldaten der Donaumonarchie tapfer gekämpft und wurden teilweise mit den höchsten Ehrungen der „Waffenbrüder“ versehen; ihre Rolle blieb jedoch in allen Fällen eine untergeordnete, unterstützende und keinesfalls kriegsentscheidende. Dennoch waren es Tausende Angehörige der so genannten „Alten Armee“, die trotz schwerster Entbehrungen bereit waren, ihr Leben für Gott, Kaiser und Vaterland auch in fremden Diensten für die Erfüllung der „treuen Waffenbrüderschaft“ im Rahmen des Krieges von 1914 bis 1918 zur Verfügung zu stellen. Anlässlich des hundertjährigen Gedenkens an diese große Katastrophe für Europa sollen ihr Einsatz und ihr Heldenmut dem Vergessen entrissen sein und uns angesichts der bedrohlichen sicherheitspolitischen Entwicklungen dieser Tage ermahnen, es nie mehr so weit kommen zu lassen, dass die Völker Europas aufeinander einschlagen.


ANMERKUNGEN:
1) Zur Sixtus-Affäre siehe Robert A. Kann: Die Sixtusaffäre und die geheimen Friedensverhandlungen Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg, Wien 1966 sowie Peter Broucek: Kaiser Karl I. (IV.). Der politische Weg des letzten Herrschers der Donaumonarchie, Wien 1997.
2) Einen guten Überblick über die kolonialen Interessen der Habsburgermonarchie bietet: http://www.kakanien-revisited.at/beitr/fallstudie/ABilgeri1.pdf , abgerufen am 10. Juli 2016.3) Zum „Boxeraufstand“ Peter Jung (Hrsg.), Sturm über China. Österreich-Ungarns Einsatz im Boxeraufstand 1900 (=Österreichische Militärgeschichte Sonderband 2000-1), Wien 2000.
4) Admiral Maximilian Freiherr Daublebsky von Sterneck zu Ehrenstein war von 1883 bis 1897 Kommandant der k. u. k. Kriegsmarine. vgl. dazu: Hans Hugo Sokol: Des Kaisers Seemacht, Wien 1980, S.137-174 (Die Ära Sterneck).
5) Zum Kreuzer „Kaiserin Elisabeth“ siehe Erwin Sieche: Kreuzer und Kreuzerprojekte der k. u. k. Kriegsmarine 1889-1918. Hamburg-Berlin-Bonn 2002, S.11, 46-57.
6) Vgl.: Valentin Perkonig: Erlebnisse eines Kärntner Tsingtaukämpfers. In: Rot-Weiß-Rot auf Gelbem Meer, Tsingtau 1914; Österreichische Militärgeschichte 4/1996, S.33.
7) Diese Beurteilung ergab sich aus dem Umstand, dass sich auf der Halbinsel Schantung, etwa 150 km von Kiautschau entfernt, die im britischen Pachtbesitz gelegene Stadt mit Hafen Weihaiwei befand. Dennoch wurde in erster Linie ein Angriff der Briten von der Seeseite erwartet, da für einen Angriff von Land her das neutrale Gebiet Chinas durchquert werden musste.
8) Sokol, a.a.O., S.268f.
9) China trat erst am 14. August 1917 in den Krieg gegen die Mittelmächte ein, womit auch das Konzessionsgebiet Tientsin de facto an China zurückfiel, de jure dann im Vertrag von St. Germain 1919.
10) Vgl.: Erwin Sieche: Seiner Majestät Kreuzer Kaiserin Elisabeth in Tsingtau 1914, Österreich-Ungarns letzter Einsatz im Fernen Osten. In: Rot-Weiß-Rot auf Gelbem Meer, Tsingtau 1914; Österreichische Militärgeschichte 4/1996, S.23f.
11) Für eine detaillierte Aufstellung der Truppen siehe Harald Pöcher: Japan im Ersten Weltkrieg. In: ÖMZ 4/2014, S.398-402.
12) Vgl.: Perkonig, a.a.O. S.52.
13) Siehe dazu Francis Roy Bridge: Die jungtürkische Revolution aus österreichisch-ungarischer Sicht. In: Österreichische Osthefte 38/1996, Heft 1, S.23-52.
14) Eine sehr gute Zusammenstellung über die Beziehungen zwischen der Habsburgermonarchie und dem Osmanischen Reich findet sich bei Robert-Tarek Fischer: Österreich im Nahen Osten; die Großmachtpolitik der Habsburgermonarchie im Arabischen Orient 1633-1918; Wien 2006; zu den unmittelbaren Beziehungen vor dem Ersten Weltkrieg siehe S.217-250.
15) Über die militärische Situation der Türkei vor dem Kriegseintritt siehe Andreas W. Stupka: Gallipoli - der vergessene Kriegsschauplatz. In: ÖMZ 6/2015, S.666-668.
16) Peter Jung: Der k. u. k. Wüstenkrieg. Graz 1992, S.13f.
17) Fischer, a.a.O. S.254f.
18) Jung, a.a.O. S.38f.
19) Ebenda S.45.
20) Dabei handelte es sich um einen unter deutscher Führung stehenden und vom Generaloberst August von Mackensen befehligten und mehrere Armeekorps umfassenden gemischten deutschen und österreichisch-ungarischen Großverband, der v.a. auf dem Balkankriegsschauplatz zwischen 1915 und 1918 operierte.
21) Peter Jung: Die Präsenz Österreich-Ungarns „Bewaffneter Macht“ im Heiligen Land bis 1918. In: Bernhard A. Böhler (Hrsg.): Mit Szepter und Pilgerstab, Österreichische Präsenz im Heiligen Land seit den Tagen Kaiser Franz Josephs, Wien 2000, S.323.
22) Joseph Pomiankowski: Der Zusammenbruch des Ottomanischen Reiches, Erinnerungen an die Türkei aus der Zeit des Weltkrieges, Wien 1928, S.303.
23) Reichsbund der Artillerievereinigungen Österreichs (Hrsg.): Ehrenbuch unserer Artillerie, 2. Band, Wien 1936, S.518.
24) Jung, a.a.O. S.167.
25) In Persien existierte zwischen 1879 und 1890 eine österreichisch-ungarische Militärmission, die den Auftrag hatte, eine persische Armee aufzubauen, was letztendlich an der chronischen Geldknappheit des persischen Hofes und der zunehmend mangelhaften Unterstützung seitens der Donaumonarchie scheiterte.
26) Nach dem Scheitern der Donaumonarchie hatte sich Russland ab 1879 erbötig gemacht, eine persische Kosakenbrigade aufzustellen. Die daraus sich ergebenden Verwicklungen Russlands in die inneren Auseinandersetzungen zwischen Parlament und Herrscher sowie Umsturzversuche in Persien veranlassten Persien, als Gegengewicht ab 1911 eine Gendarmerietruppe zu etablieren.
27) Zum Einsatz der k. u. k. Armee 1914 bis 1916 in Persien siehe: Peter Jung: Ein unbekannter Krieg 1914-1916, das k. u. k. Gesandtschaftsdetachement Teheran, von Persien bis nach Wien. In: Österreichische Militärgeschichte 5/1997. u. Jung, a.a.O., S.75-82.
28) Mörserhalbbataillon bestehend aus den 30,5 cm-Mörserbatterien Nr. 3 und 4 des Festungsartillerieregimentes Nr. 2 (Formierungsort und Ergänzungsgebiet I. Korps in Krakau).
29) Mörserhalbbataillon bestehend aus den 30,5 cm-Mörserbatterien Nr. 7 und 8 des Festungsartilleriebataillons Nr. 8 (Formierungsort Görz-Wippach und Ergänzungsgebiet III. Korps in Graz).
30) vgl.: Fritz Franek: K. u. k. Truppen im Westen. In: Militärwissenschaftliche Mitteilungen 3/4 aus 1931, S.226-229.
31) Reichsbund der Artillerievereinigungen Österreichs (Hrsg.): Ehrenbuch unserer Artillerie, 2. Band, Wien 1936, S.529.
32) Generell als Überblick für den Einsatz österreichisch-ungarischer Truppen an der Westfront zwischen 1914 und 1918 Maximilian Polatschek, K. u. k. Truppen an der Westfront 1914-1918, phil. Diss. Wien, 1974.
33) Dazu Franek, a.a.O., S.230-233.
34) Der Kommandant des k. u. k. Infanterieregiments Nr. 5, Oberstleutnant Rudolf Popelka (1867-1930), wurde in der Folge als einziger Truppenoffizier des k. u. k. Heeres mit dem Orden „Pour le Mérite“ ausgezeichnet. Er war somit der einzige Regimentskommandant unter den insgesamt dreizehn Trägern dieser höchsten preußischen Tapferkeitsauszeichnung in der k. u. k. Armee; alle anderen waren höhere Truppenführer.
35) Zur kompakten Darstellung der neueren österreichischen Forschungen über den Ersten Weltkrieg vgl.: Rudolf Jerabek: Die österreichische Weltkriegsforschung. In: Der Erste Weltkrieg. Wirkung, Wahrnehmung, Analyse. Im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes von Wolfgang Michalka (Hrsg.), München 1997, S.953-971
36) Dazu Hellmuth Gruss: Die deutschen Sturmbataillone im Weltkrieg. Aufbau und Verwendung (=Schriften der kriegsgeschichtlichen Abteilung im Historischen Seminar der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, Heft 26). Berlin 1939. S.68-69 und S.92 sowie neu zum Thema Sturmbataillone: Mario Christian Ortner: Die k. u. k. Sturmtruppen 1916-1918. Elitesoldaten der Monarchie. Wien 1998 (=Österreichische Militärgeschichte 1998, Folge 6). Zur Neuorganisation des österreichisch-ungarischen Heeres ab Sommer 1917 vgl. Johann Christoph Allmayer-Beck: Heeresreorganisation vor 50 Jahren, Planungen und Maßnahmen für den Friedensaufbau der k. u. k. Wehrmacht nach beendigtem Kriege. In: ÖMZ 5/1967 (Sonderheft 1917 - Das Jahr am Beginn einer neuen Epoche), S.18-27.
37) Dazu genauer: Manfried Rauchensteiner: Der Tod des Doppeladlers. Österreich Ungarn und der Erste Weltkrieg, Wien 1993, S.568.
38) nach Phase 1: Artillerie 1914/15 und Phase 2: Artillerie Frühjahr 1918.
39) Standardwerk zum Deutschen Alpenkorps siehe Günther Herbert: Das Alpenkorps. Boppard am Rhein 1988.
40) Dazu Peter Fiala: Die letzte Offensive Altösterreichs, Führungsprobleme und Führungsverantwortlichkeit bei der österreichisch-ungarischen Offensive in Venetien, Juni 1918, Boppard 1967 (=Militärgeschichtliche Studien, Bd.3).
41) Der Weltkrieg 1914 bis 1918. Im Auftrage des Oberkommandos des Heeres bearbeitet und herausgegeben von der Kriegsgeschichtlichen Forschungsanstalt des Heeres. Die militärischen Operationen zu Lande. Vierzehnter Band. Die Kriegführung an der Westfront im Jahre 1918, Berlin 1944, S.421.
42) Reichsarchiv, Der Weltkrieg. Vierzehnter Band, S.430-431.
43) Ebenda, S.431.
44) Österreich-Ungarns letzter Krieg, hrsg. vom Bundesministerium für Heerwesen und vom Österreichischen Kriegsarchiv. Band VII. Wien 1938, S.421.
45) Polatschek, a.a.O., S.94.
46) Rauchensteiner, a.a.O., S.589.
47) Fritz Franek: K. u. k. Truppen im Westen (2), a.a.O., S.415.
48) David Bonk: St. Mihiel 1918, The American Expeditionary Forces’ trial by fire. Oxford 2011, S.76.
49) Franek, K. u. k. Truppen im Westen (2), a.a.O., S.413-427.
50) Robert H. Ferrell: America’s deadliest battle, Meuse-Argonne 1918, Kansas 2007, S.89.
51) Franek, K. u. k. Truppen im Westen (2), a.a.O., S.423.
52) Die Verluste der österreichisch-ungarischen Truppen an der Westfront betrugen in den knapp zwei Monaten des Einsatzes in der zweiten Jahreshälfte 1918 779 Gefallene, 2.139 Verwundete, 5.403 Kriegsgefangene und Vermisste und 10.974 Kranke. Nach: Österreich-Ungarns letzter Krieg, Beilagen - Band VII.
53) Österreich-Ungarns letzter Krieg, Bd.VII, S.545.
54) Franek, K. u. k. Truppen im Westen (2), a.a.O., S.427.
55) Wolfgang Etschmann: Theorie, Praxis und Probleme der Demobilisierung in Österreich 1915-1921, phil. Diss., Wien 1979, S.58-59.