Politische Theorie des Krieges bei Carl von Clausewitz und Carl Schmitt aus russischer Sicht (Teil 2)

Vasily Belozerov

 

Der Forscher, der bestrebt ist, die militärpolitischen Prozesse der heutigen Welt zu erkennen, soll die Werke nicht nur von Carl von Clausewitz, sondern auch von Carl Schmitt lesen. Eine oberflächliche Lektüre ihrer Ideen erscheint unangemessen zu sein. Das geistiges Erbe von Clausewitz ist recht vielfältig. Es ist schwer, dies vollumfänglich zu umfassen. Man soll auch berücksichtigen, dass dieses Erbe ein dynamisches und aufstrebendes Phänomen ist: Die Ideen von Clausewitz bildeten sich im 19. Jahrhundert heraus, bestehen fort und beeinflussen weiter Theorie und Praxis der Politik schon fast zwei Jahrhunderte lang. Und es scheint, dass sie weiter Geltung haben - trotz der immer wieder auftretenden Skepsis über das Ende der Epoche von Clausewitz. Folglich ist es nötig, das politische Erbe von Clausewitz in Kategorien des Raumes und der Zeit, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft durchzudenken. Von hier aus ist es rechtmäßig, die einheitliche politische Ontologie von Clausewitz zu bestimmen. Ihre Bestandteile sind:

- die Ansichten von Clausewitz über die Gesellschaft, die Politik und den Krieg, die sich während seines Lebens änderten;

- das politische Credo von Clausewitz selbst, welches ihn zu bestimmten praktischen Leistungen und zum Schaffen einer Reihe von Werken u.a. der fassbaren militärischen Pläne anregte;

- seine Auffassung des Krieges als ein politisches Phänomen;

- das Schicksal und verschiedene Auffassungen der politischen Ideen von Clausewitz, die sich in Raum und Zeit abspielen.

Der Leistung von Carl Schmitt in der Selbstbesinnung des geistigen Erbes von Clausewitz soll man die Erschließung der Beziehung des politischen Credos dieses Denkers mit seiner politischen Theorie des Krieges zurechnen. Das Studium der politischen Konzepte des Krieges von Clausewitz und Schmitt fokussiert sich auf das Schaffen dieses relativ unabhängigen Wissenschaftszweiges wie die Politologie des Krieges, deren Notwendigkeit erkannt geworden ist. Ihre Nachfrage wird nicht nur durch die Umstände der theoretischen Natur diktiert, die mit der Entwicklung und der fortlaufenden Differenz der Politikwissenschaft verbunden sind. Im angewandten Sinne wird die Notwendigkeit der Politologie des Krieges durch die Interessen der Begründung der Ansätze der Abwendung und Beschränkung eines Krieges verursacht. Dieses Problem kann vor allem mit Hilfe dieser Behauptung in der politischen Praxis des begrenzten, gehegten Krieges gelöst werden, wozu Clausewitz und Schmitt aufriefen. Sonst wird er durch den totalen, absoluten Vernichtungskrieg verdrängt, dessen Merkmale schon in der modernen Welt ans Licht gekommen sind.