Vortragsabend an der Landesverteidigungsakademie: „März 1938 – Militärhistorische Überlegungen rund um den deutschen Einmarsch“

Am Donnerstag fand an der Landesverteidigungsakademie Wien eine Vortragsveranstaltung anlässlich des 80-jährigen Gedenkens an den „Anschluss“ Österreichs 1938 statt. Der Historiker Dr. Erwin A. Schmidl, Leiter des Instituts für Strategie und Sicherheitspolitik, referierte zu dem Thema: „März 1938 – Militärhistorische Überlegungen rund um den deutschen Einmarsch“.  

Die Geschehnisse im März 1938

Bei der Betrachtung des Geschehens der Märztage 1938 ist es wichtig, zwischen drei Abläufen zu unterscheiden, die fast gleichzeitig abliefen und miteinander verschränkt waren: der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ am 11. März, dem Einmarsch deutscher Truppen am 12. März und dem administrativen „Anschluss“, d.h. der Angliederung des nunmehrigen „Landes Österreich“ an das Deutsche Reich, ab dem 13. März.  

Der Einmarsch

Der Historiker erläuterte die Planungen beider Seiten und wie die Wehrmacht bzw. das Bundesheer aufgebaut waren. Beide Heere waren in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre in einer Phase der Aufrüstung, bei der die Beschränkungen der Friedensverträge von 1919 ignoriert wurden. Da für einen deutschen Einmarsch keine Planungen vorlagen, wurde im März 1938 binnen weniger Stunden improvisiert, was auch einige der Pannen erklärt, auf die immer wieder verwiesen wird. Dazu kam die Vorverlegung des Einmarsches auf den Morgen des 12. März, nachdem die Drohung allein am 11. März genügt hatte, den Regierungswechsel herbeizuführen.  

Die militärische Operation

Insgesamt waren am „Einsatz Österreich“ rund 130.000 -150.000 Mann beteiligt, von denen aber nicht alle auch nach Österreich kamen. Die Masse der Verbände kehrte nach wenigen Tagen in ihre Garnisonen zurück, nur die 2. Panzer-Division blieb im Raum Wien stationiert. Bemerkenswert war der Anteil der Luftwaffe für Propaganda- und Transportflüge – der Vortragende sprach von der bis dahin wohl größten Luftoperation der Geschichte. Zusammen mit den Verbänden des Heeres rückten – erstmals militärisch eingesetzt – Truppen der SS sowie fünf Marschgruppen der Polizei in Österreich ein.

Abschließend erläuterte Schmidl noch die Eingliederung des Bundesheeres in die Wehrmacht und ging auf Elemente der Erinnerungskultur ein.

Schmidl veröffentlichte vor nunmehr drei Jahrzehnten das Buch „März 38“ über den deutschen Einmarsch, das in drei Auflagen erschien ist und bis heute als eines der Standardwerke zu diesem Thema gilt.

Dr. Erwin A. Schmidl bei seinen Ausführungen.

Ein Blick ins Publikum.